Zahl des Tages (07.09.10): 28.100.000.000

Schon wieder Banken ... Aber eine andere so richtig dolle Zahl habe ich nicht gefunden.

Also zurück zu den EU-Stresstests. Zwar waren die durchgetesteten Szenarien um einiges detaillierter als am Anfang zu erwarten war und wirkten daher nicht direkt wie ein totaler Witz.
Allerdings waren einige andere Regeln alles andere als transparenzfördernd. So z.B. die Idee, dass Anleihen, die (langfristig) im Anlagevermögen anders beurteilt wurden als Anleihen, die (kurzfristig) im Umlaufvermögen steckten. Damit war das Risiko für die Banken einfach zu senken: Man meldete die Anleihen einfach an anderer Stelle in der Bilanz.

Wie kräftig die von den Banken gemeldeten Summen an Staatsanleihen durch diesen (und womöglich andere) Punkte abweichen, zeigen jetzt weitere Untersuchungen. Denn mit dem Quartalsbericht der BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich, quasi die Notenbank der Notenbanken) und den Berichten der Banken selber gibt es eine Reihe weiterer Daten, mit denen man die Meldungen zum EU-Stresstest abgleichen kann.

Tjoah und was kommt dabei raus: Abweichungen über Abweichungen. Ich möchte nur eine Zahl herauspicken:

Im Stresstest meldeten die französischen Banken den Besitz spanischer Staatsanleihen im Gesamtwert von 6,6 Mrd. Euro. Die BIZ meldet nun 34,7 Mrd. Euro, also schlappe

28.100.000.000 (28,1 Milliarden) Euro

mehr. Die wahre Summe war also mehr als fünfmal so hoch! So besteh ich auch jeden Test ...

Diese Abweichung ist extrem, der Besitz griechischer Anleihen ist nur etwa doppelt so hoch (20,6 zu 11,0 Mrd.), der portugiesische etwa dreimal so hoch (15,1 vs. 4,9 Mrd.).
Ähnliche Abweichungen gibt es auch in den Bilanzen einzelner Banken (im Artikel beim Wall Street Journal wird Barclays näher untersucht).

Woran lag das jetzt? Neben der oben angedeuteten "Umbucherei", haben die Banken teilweise wohl nur Nettozahlen geliefert. Wenn man sich also über Puts oder CDS gegen den Ausfall abgesichert hat, hat man den abgesicherten Teil nicht gemeldet. Ebenso haben die Banken teilweise Anleihen nicht gemeldet, wenn sie nur "aus Handelsgründen" gehalten wurde.

Eigentlich kann man sich jede Diskussion über die Ausgestaltung der Szenarien sparen, wenn die Datenmeldungen der Banken so ungenau, intransparent und unvergleichbar war. Die beste Statistik nützt nix, wenn die Daten falsch erfasst sind ...

WSJ: Europe's Bank Stress Tests Minimized Debt Risk

Kommentare :

  1. Guten Morgen!

    Spät aber doch: In Österreich ist das im Bankwesengesetzt bzw. in den zugehörigen Meldeverordnungen relativ streng geregelt.

    Handelsbestand ("Handelsbuch") und Anlagevermögens-Bestand ("Bankbuch") müssen streng getrennt werden. Ist eine Umschichtung von einem Bestand in den anderen (gleich welche Richtung) geplant, müssen Kriterien festgelegt werden, welche der Aufsicht vorzulegen sind. Erst dann darf eine Umbuchung erfolgen. Absicherungsgeschäfte dürfen nicht mit dem Basiswert aufaddiert werden.

    Eigene Kriterien zu entwickeln um den Stresstest durch Umbuchungen zu beeinflussen halte ich für eigentlich nicht praktikabel. Bereits wesentlich simplere Anträge dauern bereits Monate bis eine Genehmigung vorliegt.

    Das Grundproblem sehe ich also darin, dass ein einheitlicher Stresstest für Banken aus zahlreichen Ländern mit unterschiedlichen Aufsichts-Regelwerken durchgeführt werden sollte.

    lg - urriegel

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  2. Jaja, exakt.

    Die Abwicklung und Kontrolle haben die lokalen Behörden durchgeführt. Jede nach ihren eigenen Kriterien. Ein vergleichbares Ergebnis kann da natürlich nicht rauskommen.

    Aber darum ging es eh nicht. Es sollte ja nur Sicherheit signalisiert werden.

    Für eine ernsthafte Prüfung hätte man schon einen ganz anderen Zeitrahmen benötigt. Das Beispiel eines Antrags der Umbuchung von Handelsbestand in Anlagevermögen verdeutlicht ganz gut, was da sonst an zeitlichen Rahmenbedingungen gilt.

    Meine Formulierung war auch etwas unklar. Wenn ich geschrieben habe, dass die Banken das einfach umbuchen, stimmt das so natürlich nicht. Denn die Banken haben ja nicht ihre Bilanz für den Stresstest neu strukturiert, sondern sie haben halt Papiere *für den Stresstest* in die andere Kategorie einsortiert, damit sie ihn nicht melden müssen.

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  3. Wir sprechen schon vom selben Problem. Zum Zeitpunkt des Kaufbeschlusses muss festgelegt werden, ob für Handelsbestand oder Eigenbestand (Anlagevermögen).

    Und dort bleibt es - bis Verkauf oder Tilgung, Ende des Liedes. Wenn da eine Umschichtung vorgenommen werden soll, braucht es ein von der Aufsicht abgenommenes Kriterienmodell. Ansonsten gibt es kein neues Einsortieren. Ein Verstoss gegen diese Bestimmung ist verflucht teuer für den zuständigen Bankvorstand. Von einem vergleichsweise nebensächlichen Anlassfall in der Praxis weiß ich, dass die Behörde den Vorständen jeweils knapp 10 % des Jahreseinkommens als Strafe aufgebrummt hat - den Vorständen PRIVAT, nicht der Bank!

    Theoretisch möglich wäre natürlich, dass die betreffenden Banken rein zufällig gerade ein passendes und abgenommenes Kriterienmodell zur Hand gehabt hätten. Keine Ahnung wie hoch dafür die Wahrscheinlichkeit sein kann ...

    Jedenfalls: Die Aufsicht muss in Österreich zumindest Bescheid gewusst haben.

    Ansonsten gilt nach wie vor, bereits besprochenes: Geschäfts- und Investmentbanken gehören getrennt.

    lg - urriegel

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  4. Worauf ich hinaus will: Die Banken haben die Zahlen für den Stresstest *nicht* aus der Bilanz genommen und die selben Kriterien angesetzt, sondern diese nach "freien" Kriterien gemeldet.

    In der Bilanz darf man ja auch keine Staatsanleihe mit einem Put verrechnen und sagen, dass man die Anleihe nicht hat. (Im gewissen Maße kann man Puts und Calls miteinander verrechnen, aber nicht einfach Assets verschwinden lassen (OK, auch hierfür gibt es Ausnahmen, wie die Repo105 Geschäfte)). Diese Verrechnung konnte man im Rahmen des Stresstests aber machen. Es ging ja auch nicht darum, die Menge der Staatsanleihen festzustellen, sondern das "Exporsure" zu bestimmten. Und da hat halt manche Bank aggressiv Positionen miteinander verrechnet, um das Exposure zu senken. Für wirkliche Transparenz hat man damit nicht gesorgt, vor allem, weil die Länder das wohl unterschiedlich gehandhabt haben ...

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