Zahl des Tages (09.09.10): 3.600.000.000

Lange nicht mehr auf die Entwicklung der Konsumentenkredite in den USA geschaut.

Beim letzten Update sanken die Verbraucherschulden relativ konstant um etwa 10 Mrd. Dollar pro Monat, was bei einer Gesamthöhe von etwa 2,5 Billionen Dollar auch nicht soooo viel, aber auch nicht ganz unwichtig ist (siehe ZAHL DES TAGES (08.04.10): 11.500.000.000).

Aktuell hat sich dieser Rückgang etwas abgeschwächt. Zwar sinken die Kreditkartenschulden weiterhin pro Monat um etwa 5 Mrd. Dollar, die anderen Verbraucherkredite (z.B. für Möbel und Autos fallen aber nicht mehr. Sie liegen seit 2008 ziemlich stabil bei 1,6 Billionen Dollar.

Im Juli betrug der Gesamtrückgang der Verbraucherschulden nur noch

3.600.000.000 (3,6 Milliarden) Dollar.

Von einem freien Fall der Konsumentenschulden würde ich also nicht mehr reden. Für eine Entwarnung ist es allerdings zu früh. Denn der Konsum (etwa 70% des BIPs) kann die US-Wirtschaft kaum anschieben, wenn der US-Verbraucher mehr spart (siehe Sparrate), weniger Schulden macht (heute Thema, hängt natürlich mit der Sparrate zusammen) und keine neuen Arbeitsplätze entstehen (hier ist aber leichte Besserung zu erkennen).

Die Zahlen geben keinen Anlass zum Jubeln, aber in tiefe Trauer über ein sicheres Double Dip brauchen wir auch nicht zu verfallen. Ich bleibe dabei: Für ein Double Dip müsste erst noch irgendwas Negatives passieren ... Also z.B. Sparprogramme von Obama, aber die sind ja nicht in Sicht.

Federal Reserve: Consumer Credit Juli 2010

gefunden über:
Calculated Risk: Consumer Credit Declines in July

(Darin auch eine schöne Grafik über die zeitliche Entwicklung der Schulden)

Update (10.09.10):

Noch ein Hinweis auf einen Artikel, der deutlich pessimistischer ist als ich. Auch wenn ich nicht widersprechen würde, denn die Gefahr, dass der US-Verbraucher die Konjunktur abwürgt, sobald er beginnt zu sparen, sehe ich ja auch. Und das Potenzial dafür ist riesig.

Die Schulden der Verbraucher (allerdings inkl. Hypotheken, die in den oben genannten Verbraucherschulden nicht enthalten sind) lagen über mehrere Jahrzehnte (1965-1985) unter 50% des BIPs. Dann stieg der Wert bis 1998 langsam auf 65% und danach raketenartig auf nahezu 100% des US-BIPs. Vom Gipfel bei 97,3 in 2009 ging es bis zum Ende des ersten Quartals 2010 auf 92,7% zurück.

Jetzt kann man sich leicht ausrechnen, wie viel der US-Wirtschaft entzogen wird, wenn die Verbraucher ihren Schuldenstand auf den Wert von 1998 reduzieren (und selbst der liegt schon über dem historischen Durchschnitt). Um etwa 4 Billionen Dollar müssten sich die US-Verbraucher entschulden.

Wenn die US-Verbraucher das machen sollten, können dagegen Konjunkturprogramme aufgelegt werden wie wild, zu nachhaltigem Wachstum wird es in der Phase des Kreditabbaus (Deleveraging) nicht kommen. Und die kann dauern ... Normal, nach einer Megablase, die auf zu viel Krediten (und am Ende zu billigem Geld) basierte.

Creditwritedowns: The Significance of Consumer Deleveraging

Kommentare :

  1. Ich denke, für den Double Dip wird es reichen, wenn das aktuelle Konjunkturpaket jetzt ausläuft (es hat immer noch Einfluß), und das neue angekündigte zu klein ist bzw. jetzt wegen der Wahl nicht durch den Senat / Parlament kommt.

    Ansonsten: Die USA machen zur Zeit grob 10% vom BIP Schulden im Jahr um davon allgemeine Staatsausgaben zu decken. Dies könnte man auch als Konjunturpaket bezeichnen. Was passiert wenn man dies reduziert, sieht man momentan an den griechischen Zahlen.

    Dies überschneidet sich natürlich auch mit den privaten Kreditaufnahmen - was der Konsument einspart, schuldet der Staat auf, z.B. durch die Steuerrabatte oder dadurch, die Steuern nicht zu erhöhen.

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  2. Obama legt aber schon wieder Konjunkturprogramme auf.

    Dass die USA ein Double Dip riskieren, wenn der Staat jetzt anfangen würde zu sparen, ist ausgemacht. Da stimme ich sofort zu. Allerdings sehe ich kein Sparen des Staats.

    Dass die US-Wirtschaft nicht wächst, habe ich ja auch schon mal thematisiert (1,6% BIP Wachstum, geschätzter Beitrag des Konjunkturprogramms: 1,7 bis 4,5%, "echtes" Wachstum also nicht vorhanden).

    Im Endeffekt ist das der Grund, warum ich mich nicht zu einer neuen Rezessionswette hinreissen lasse: Dass die US-Konjunktur ohne staatliche Hilfe wegbrechen würde, ist für mich ausgemachte Sache. Aber ich sehe eben auch kein Ende der Konjunkturprogramme. Und die werden das BIP auch in den nächsten Quartalen nach oben hieven. Sowohl die Restwirkungen der alten Programme, wie auch die Auswirkungen der neuen (100% Absetzbarkeit der Investitionen, Infrastrukturprogramm).

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  3. Zur Zeit sehe ich da ein Problem (nicht genug darauf zu wetten):

    Mit ihrer Umarmung der Tea-Party-Bewegung werden die Republikaner jedes Gesetzt von Obama, was Mehrausgaben bedeutet, ablehnen. Allerdings auch jede Steuererhöhung, oder Auslaufenlassen von alten Steuersenkungen.

    D.h. meiner Meinung nach wird es so schnell kein neues Konjunkturpaket geben, und eines durch die Hintertür hineinzubekommen wird schwer. Nach dem November werden hier die Karten und Entwicklung neu gemischt. Z.b. wäre es möglich, das es einen "Deal" gibt ein Konjunturpaket gegen Abtreitungsverbot, Sozialkürzungen ect. durchzubekommen. Aber dies ist alles noch sehr unsicher, und würde Unruhen in den liberalen Städten auslösen.

    Zu den steuerfreien Investitionen: Hier droht auch ein ungewollter Rückschlag, außer für die deutsche Maschinenbauindustrie:

    Bei stagnierendem Absatz investiere ich doch nur in Rationalisierung und Kosteneinsparung, nicht aber in Kapazitätsausweitung welche neue Arbeitsplätze bringt. Gut für die Maschinenbauindustrie, schlecht für den Rest.


    Wenn sie die Konjunkturpakete durchbekommen haben wir dann schon 2 Junkies: Japan und die USA, die sich von einem schuldenfinanzierten Paket zum nächsten durchhangeln, ohne davon loszukommen wie der Alkie von der Flasche.

    Die ist aber eine langfristige Tendenz, die über die börsenüblichen 3-6 Monate hinausgeht.

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  4. joah, dass mit den Reps stimmt. Deshalb wette ich ja auch nicht. Des Ausgang der Wette hängt nur von der Politik (und der Fed) ab. Diese sind aber beide sehr wachsam und werden andauernd gegensteuern. Die Lage ist nicht so unterschiedlich zu 2007, nur dass damals alle glaubten, dass die Wirtschaft unverwundbar sei.

    Was die Investitionprogramme angeht: Das sehe ich nicht so pessimistisch, denn immerhin sind die USA ein Land, das Investitionen in Produktion vertragen könnte. Es besteht also Potenzial für Produktionsausweitung, nicht nur für weitere Rationalisierungen. Daher kann das durchaus gut sein, auch wenn das kurzfristig wenig helfen wird. Für die kurzfristige Nummer ist auch eher das Infrastrukturprogramm da.

    Dass die USA eine Junkienummer wie Japan werde könnte, will ich nicht ausschließen. Der im Artikel als Update nachgeschobene Hinweis auf den bei Creditwritedowns erschienen Kommentar von Comstock dürfte dir gefallen.

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