Zahl des Tages (10.09.10): 52%

5Der Anteilswert des Desaster-Immobilienfonds schlechthin, dem P2 Value von Morgan Stanley (ISIN: DE000A0F6G89), sinkt weiter. Man möchte fast sagen, in einem Ausmaß, das kaum vorstellbar erscheint. Aber völlig überraschend kommt das am Ende auch nicht. Die Kurse an den Fondsbörsen signalisierten schon länger das kommende Desaster.

Der P2 Value ist ja einer von mehreren Immobilienfonds, deren Rücknahme eingestellt wurde, weil dem Fonds durch die massenhafte Rückgabe der Fondsanteile das Bargeld ausging. Und die Immobilien, in die die Anlegergelder investiert sind, kann man halt nicht von heute auf morgen zu Bargeld machen.

Morgan Stanley hat den Fonds jetzt erneut um 18% abgewertet und erwartet weitere Abwertungen von 6 bis 11% bis Ende Oktober. Wenn der Fonds dann am 1. November wieder geöffnet werden muss (offene Fonds dürfen nur maximal 2 Jahre geschlossen werden), soll der Anteilswert nur noch 26,60 bis 28,20 Euro betragen. Gegenüber dem (offiziellen) Höchstwert von 56,69 Euro Ende Juni 2008 ist das ein Minus von knapp 50% bis über

52%.

Wow! Eine Halbierung des Werts bei einem Fonds, der eine konservative Assetklasse abbilden soll.

Die Anleger an den Fondsbörsen bleiben übrigens immer noch skeptisch. Der aktuelle Kurs liegt bei 23 bis 24 Euro. Zwischenzeitlich lag der Kurs schon deutlich unter 20 Euro. Selbst bis zum niedrigeren Schätzkurs von Morgan Stanley sind es schon knapp 10% Potenzial, am oberen Ende sogar fast 18%. Bis zum ersten November wohlgemerkt. Ist das einen Zock wert?

Das Risiko ist offensichtlich: Die aktuelle Bewertung von Morgan Stanley könnte genau so für die Tonne sein wie die Bewertungen vorher. Es ist schließlich schon die x-te Abwertung. Die Börse hat bisher die Richtung des Fondswerts auf jeden Fall besser eingeschätzt als Morgan Stanley (bzw. als die Gutachter, die den Wert bestimmt haben). Immerhin fiel der Kurs an der Fondsbörse schon im Mai unter die 25 Euro und nahm damit alle Abwertungen vorweg.

Außerdem ist nicht auszuschließen, dass der Fonds am Tag der Wiedereröffnung (voraussichtlich am 1. November) mit Rückgaben überschüttet wird und der Fonds schneller wieder geschlossen werden muss als man schauen kann. Und wer bis dahin nicht zum Zuge gekommen ist, steckt dann womöglich wieder in einem Fonds, den man wieder 2 Jahre lang nicht zurückgeben kann.
Nachvollziehbar wäre eine Massenrückgabe auf jeden Fall, denn ich wüsste nicht, was nach dem Desaster das Vertrauen der Anleger rechtfertigen sollte. Auch eine Halbierung der Fondsgebühren in den nächsten drei Jahren wird die Anleger wohl kaum beruhigen.
Wenig beruhigend finde ich auch, dass Morgan Stanley keine Aussage zur Liquidität des Fonds trifft. (UPDATE: Die FAZ meldet, dass der Fonds zur Öffnung 228 Millionen Euro Liquidität bereithalten will, also etwa ein Viertel des Vermögens)

Erschreckend auch, dass der Fonds *als ganzes* tatsächlich das Kunststück geschafft hat, nicht nur ein Bürogebäude zu kaufen, dass sich im Wert halbiert hat (was ich ja schon schlimm genug fand, siehe ZAHL DES TAGES (04.07.10): -48%), sondern alle Gebäude im Durchschnitt so dermaßen schlechte Investments waren. Im Durchschnitt heißt ja, dass die Immobilien gekauft haben müssen, die sich deutlich mehr als halbiert haben. Autsch.

Eigentlich müsste Morgan Stanley nicht für drei Jahre auf die Hälfte der Vergütung verzichten, sondern auf die komplette Vergütung der letzten und kommenden 5 Jahre. Mindestens ... (Im Fall des Grundbesitz Invest hatte ich sogar damit gerechnet, dass die Deutsche Bank die Verluste übernehmen wird, wenn sie sich bei der Bewertung verhauen hat. OK, hat die DeuBa dann nicht gemacht, aber es war auch nicht notwendig. Aber auf solches Entgegenkommen kann man bei Banken oder Investmentgesellschaften wohl nicht hoffen).

FTD: Morgan Stanley ringt um Problemfonds

Man beachte die tolle Überschrift in der Pressemitteilung von Morgan Stanley. Bloß nicht das Wort Abwertung erwähnen:

Morgan Stanley Real Estate Investment GmbH („KAG“) trifft Vorbereitungen zur Wiedereröffnung des P2 Value am 1. November 2010.

Die ganze Geschichte der Immobilienfonds in dieser Krise in diesem kleinen Blog

Update (15:34):

Ach so, aus einem älteren Posting:

Relativ verblüffend finde ich übrigens, dass man selbst einen offensichtlichen Problemfonds wie die P2 Value bis vor kurzem noch kaufen konnte. Bin ich der einzige, der sich wundert, dass die Fondsgesellschaften solche Produkte einfach weiter verkaufen?

Ich frage mich ernsthaft, ob man als Anleger nicht wenigstens dagegen vorgehen kann. Bei allem vor 2008 kann man ja vielleicht noch damit argumentieren, dass das Desaster nicht absehbar war. Aber mitten in der Neubewertung den Fonds noch weiter zu verkaufen, müsste doch rechtlich wesentlich kritischer sein ...


Update 2 (15:42):

Die FAZ meldet, dass der P2 Value mit ungefähr einer Liquiditätsquote von etwa 25% wieder starten will. Woher die Information stammt, ist aber unklar. In der Meldung von MS steht das nicht drin.

FAZ: Im Überlebenskampf

1 Kommentar :

  1. folgendes stand auf
    http://www.morganstanley-p2value.com/

    Fondspreise
    Morgan Stanley P2 Value
    Ausgabepreis 31,46 €
    Rücknahmepreis 29,82 €
    Zwischengewinn 0,06 €

    Stand: 10.09.2010
    Fondsvolumen 922.492.912 €
    Bruttoliquidität 200.094.972 €
    (21,7 %)

    Stand: 10.09.2010


    klingt eig interessant - v.a. wenn man bedenkt, dass sich in den großen Ballungsräumen die Immopreise erholen; niedrige zinsen sollten eig. auch einen Einfluß haben...

    lg KBX

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