Zahl des Tages (12.09.10): 32,13

Ich weiss, diese Zahl ist ein Rechenexempel, das nicht wirklich viel Sinn macht, aber mMn eine verblüffende Differenz trotzdem ganz gut verdeutlicht.

Dass die Hyporealestate nochmal 40 Mrd. Euro Staatsgarantien benötigt, ist ja bereits am Freitag durchgesickert und inzwischen auch bestätigt (Spiegel: Hypo Real Estate bekommt neue Staatsmilliarden). So ganz überraschend kommt das nicht, Weissgarnix hat schon im Herbst 2008 auf den extremen Finanzierungsbedarf der HRE hingewiesen (Weissgarnix: HRX – Da kömmt noch (viel) mehr!). Von der jetzigen Begründung ist er allerdings auch überrascht: Denn es liegt an der sinkenden Qualität einiger Assets in der Bilanz der Hyporealestate (Weissgarnix: HRX – Die Zweite).

Tja und da fragte ich mich, ob es nicht vor Kurzem erst einen Stresstest gab? Klar gab es und die HypoRealEstate fiel auch durch. Damals gab es einen Eigenkapitalbedarf von 1,245 Mrd. Euro (siehe ZAHL DES TAGES (23.07.10): 7). Der jetzt - nur 7 Wochen später - zu neuen Staatsgarantien von 40 Mrd. Euro führt.

Hmmm, dass ist ein Faktor von

32,13.

Und dann bin ich mir nicht mehr so sicher, ob man das Ergebnis des Stresstests noch beruhigend finden kann.

Klar, ich vergleiche hier Äpfel (Eigenkapital) mit Birnen (Garantien). Aber die Differenz zeigt trotzdem zwei Sachen ganz deutlich:

a) ein kleiner Eigenkapitalbedarf aus dem Stresstest bedeutet nicht, dass die Probleme bei den Banken nicht groß werden können und
b) der Stresstest hat die Liquiditätslage der Banken scheinbar überhaupt nicht untersucht.

Ich weiss jetzt nicht, welcher dieser zwei Punkten mich nervöser macht ...

Update (22:50):

Übrigens ist auch der Zeitrahmen der Rettungsaktion wieder der selbe wie schon üblich. Am Donnerstag meldet die Bank, dass die Liquidität bis max. 30.9. evtl. nur bis zum 23.9 reicht, dann gibt's ein Treffen und dann direkt am nächsten Tag eine Rettung.

Hallo? Die Bank ist verstaatlicht. Kann man da nicht einmal verlangen, dass die Politiker in Berlin etwas früher die Bank durchleuchten und den Vorstand nicht einfach unbehelligt in München rumwurschteln lassen?

Und - liebe Politiker - was ist eigentlich mit der Zukunft der HRE? Soll die jetzt abgewickelt werden? Oder träumt ihr noch von einem Börsengang einer sanierten Hyporealestate?

Update (14.09.10):

Noch zwei Updates:

a) Eine Aufspaltung der HRE ist natürlich schon beschlossen. Bereits in wenigen Wochen sollen die kritischen Assets ausgelagert werden.
b) Das ist übrigens ein möglicher Grund für den plötzlichen zusätzlichen Kapitalbedarf. Aber erklärt wurde das ja nirgendwo richtig. HSBC Trinkaus regt sich darüber ziemlich auf (Der Markt Heute 14.09.10). Zu Recht, denn hier werden nur Tage nach der Ankündigung bereits in 2011 wieder Gewinnn zu schreiben (und keinem kritischen Wort) auf einmal wieder 40 Mrd. Garantien abgerufen. Und der Steuerzahler erfährt über die Gründe exakt nichts.

Kommentare :

  1. Hallo, egghat!

    Ich bin schon mal froh, dass du dich nicht (wie andere) in einer "Analyse" einer Bankbilanz versuchst. Zu der "Analyse" von wgn hatte ich schon mal hier hinterlassen, dass diese inhaltlich weit daneben liegt; wgn hatte damals u.a. solche Kleinigkeiten wie offene Refi-Linien und Beleihungsmöglichkeiten langfristiger Aktiva übersehen. Seine aktuelle Einlassung ist ähnlich zu bewerten.

    Noch zur HRE: Wenn eine voll-verstaatlichte Bank keine Liquidität usw. mehr am Markt bekommt, wüsste ich nicht, welcher anderen Bank dies gelingen sollte.

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  2. Ich bin ehrlich gesagt auch etwas verblüfft, dass die HRE als staatliche Tochter kein Geld bekommt. Aber scheinbar halten die Anleger die Bank für so wacklig, dass die Garantie explizit ausgesprochen werden muss. Was so seltsam auch nicht ist, denn KfW oder ähnliche haben diese Garantie explizit (so weit ich weiss).

    Zu WGN: Meinst du nicht, dass die HRE die Beleihungsmöglichkeiten nicht schon gezogen hat? Und was er aktuell schreibt, ist doch ziemlich unkritisch. Denn er schreibt ja nur, dass er damals keine Abschreibungen bei den Staatsanleihen vorausgesehen hat. Was ja auch stimmt ...

    Ich halte mich übrigens generell mit der Analyse von Bankbilanzen zurück. Bilanzen sind meistens schon eine ziemlich intransparentes Konstrukt. Bankbilanzen aber erst recht. Die Spielräume sind groß (wie damals bei den Level III Assets sichtbar wurde), die Regeln so kompliziert und ganz nebenbei ändern sich die Details (und in einer Krise auch das große Ganze) so häufig, dass man sich damit eigentlich hauptberuflich beschäftigen muss.

    Wenn ich mir alleine die Diskussionen über die Berechnungen der Eigenkapitalquoten anschaue (und z.B. US-Version und DeuBa-Version vergleiche), wird mir schlecht.

    Es mag meinem einfachen Geist geschuldet sein, wenn ich einfach 8% hartes Eigenkapital auf die nicht risikogewichteten Assets verlange. Aber ich sehe nicht, wie man dieses System anders wieder durchschaubar verständlich und nachvollziehbar machen könnte ...

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  3. Hallo, egghat!

    Ich hab's dann doch nochmal nachgelesen: Von wgn in 2008 völlig unerwähnt blieb bspw. die per 06.2008 offene Refi-Linie über 37,1 Mrd. € (S. 33 Halbjahresbericht 2008). Darüber hinaus reicht mMn ein gewisses Grundverständnis, dass zur Liquditätssicherung bspw. langfristige Aktiva eher als geplant veräußert oder eben beliehen werden kann.

    Wikipedia hilft für Einstieg wie immer weiter:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Liquidit%C3%A4tsrisiko

    Viele Grüße, mach weiter so!

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