Zahl des Tages (13.09.10): 4.450.000

Ich hatte heute nur wenig Zeit für das Blog, daher eine Zahl, die eigentlich schon vom Wochenende stammt. Sie wirft trotzdem einen ganz interessanten Blick auf die Breite der US-Schuldenkrise. Denn nicht nur die USA hat gewisse Löcher im Haushalt, das gleiche gilt auch für die Bundesstaaten (Kalifornien!) und auch für bestimmte Kommunen.

Am Wochenende ins Blickfeld geriet die Stadt Harrisburg (ja, die mit dem Fast-GAU 1979). Diese hätte diese Woche eine Anleihe in Höhe von 3,3 Millionen Dollar zzgl. Zinsen zurückzahlen müssen. Das Geld hat die Stadt aber nicht (sonst wäre das kaum zur Nachricht geworden). Damit die Stadt das doch zurückzahlen kann, kam nun Hilfe vom Bundesstaat Pennsylvania. Dieser gewährt Harrisburg nun eine Hilfe von

4.400.000 Dollar.

850.000 davon dienen der Finanzierung eines Sparkommissars, was aber jetzt mal ganz platt als eine übliche politische Alibiaktion werten würde. Denn was der bewirken soll, bleibt etwas schleierhaft.

Harrisburg hat eine viel zu große Müllverbrennungsanlage gebaut, die sich als Fass ohne Boden entpuppte. Diese hat inzwischen 288 Millionen Dollar Schulden angehäuft und allein dieses Jahr müssen noch 68 Millionen Schulden bedient werden, für die die Stadt Harrisburg die Haftung übernommen hat. Dummerweise sind 68 Millionen mehr als gesamte Jahreshaushalt der Stadt ausmacht. Und wer im September die etwa 3,6 Millionen zur Tilgung einer Anleihe nicht hat, wird auch kaum die 68 Millionen irgendwo im Keller finden.

Die 4,4 Millionen werden also in eine Stadt gesteckt, die bei der nächsten absehbaren Zahlung zu 100% wieder auf Hilfe angewiesen sein wird. Wieso lässt man die Gläubiger nicht jetzt schon bluten? Das ist doch nur eine Verschiebung der Insolvenz in die Zukunft. Bei Unternehmen würde man wohl von Insolvenzverschleppung sprechen, was übrigens vergleichsweise streng bestraft wird.

Wieder ein Bailout für die Gläubiger. Und wieder mit der gleichen Ausrede: Bei einer Pleite einer Stadt würden viele andere Städte auch Probleme bei der Refinanzierung bekommen. Also rettet man den ersten. Genau wie im Fall Griechenland. Man rettet den ersten, damit der zweite und dritte auch überleben kann. Bis dann am Ende womöglich alle auf einmal zusammenklappen.

Wer Fälle für völlig aussichtslose Finanzen in den USA sucht, lese sich den Artikel beim mish durch. Oder kommt in meine Heimatstadt ...

Mish: Pennsylvania Governor Attempts Foolish Bailout of Bankrupt Harrisburg

Creditwritedowns: Making Money from Municipal Waste

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