Zahl des Tages (16.09.10): 43.600.000

Die Zahl wird zwar wohl so ziemlich überall kommen, aber ich versuche mal etwas Kontext drumzustricken. Heute (Ortszeit eigentlich gestern Abend) wurden die neuen Zahlen aus den USA für das Jahr 2009 zum Einkommen und Sozialsystem gemeldet.

Danach galten im Jahresdurchschnitt 2009

43.600.000 (43,6 Millionen)

Amerikaner arm. Das waren 3,8 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Grenze für "arm" liegt für einen 4-Personenhaushalt übrigens bei 22.000 Dollar Jahreseinkommen.

Absolute Zahlen sind aber meistens nur halbwegs aussagekräftig, deshalb hilft der Blick auf die Prozentzahlen weiter. Aber auch da ging es hoch: 14,3% nach 13,2%. Kurz: Es gibt mehr Arme in den USA.
In den üblichen kritischen Bereichen ähneln die USA uns ziemlich. Die Armut bei den Hispanics (25,3%) und vor allem den Schwarzen (25,8%) ist wesentlich höher. Auch bei den Kindern ist die Armutsrate sowohl höher (20,7%) als auch stärker gestiegen.

Allerdings muss man auf die Rezession hinweisen und es ist logisch, dass darin die Arbeitslosenquote und damit auch die Armut steigt. Daher hat sich das Census-Büro die Arbeit gemacht, die Anstiege in den letzten Rezessionen zu sammeln. Und da stellt sich dann heraus, dass der Anstieg in dieser Rezession relativ normal war. Es gab Rezessionen, die zu einem größeren Anstieg führten, aber es gab auch welche, die in dieser Hinsicht besser (sprich weniger schlimm) waren.

Trotzdem ist die Armutsrate von 14,3% die höchste seit 15 Jahren. Und das ist das eigentlich Interessante. Denn die Jahre vor der Rezession machten im letzten Jahrzehnt den Unterschied. In der Erholung zwischen den Rezessionen ist die Armut - völlig untypisch - gestiegen. Die "jobless recovery" hat sich also nicht nur am Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht, sondern auch bei der Armutsrate.

Das höchste Durchschnittseinkommen stammt weiterhin aus dem Jahr 1999. Gegenüber 2008 hat sich wenig getan. Und auch wenn man sich angesichts der gestiegenen Armutsquote und dem gleichbleibenden durchschnittlichen Einkommen vermuten könnte, dass die Spreizung zwischen Arm und Reich größer geworden ist, deckt der Gini-Koeffizient die Vermutung nicht. Das müsste man sich aber noch im Detail anschauen.



Marketwatch: Poverty rate highest since 1994: Census



Kommentare :

  1. Der Gini ist in den USA leicht gestiegen, für Haushalte von 0.466 in 2008 auf 0.468 in 2009, für Familien etwas stärker von 0.438 in 2008 auf 0.443 in 2009.

    Was ich an der Entwicklung des Gini in den USA interessant finde ist der starke Anstieg unter Reagan und G.Bush von Anfang der 80er bis Mitte der 90er, während der Index seit G.W. Bush nur moderat zulegte.

    Unabhängig davon: Beim Lesen Deines Beitrags hätte ich auch einen stärkeren Anstieg erwartet, allerdings ist der Index bereits außergewöhnlich hoch.

    Tabelle F-4 und H-4

    AntwortenLöschen
  2. Die Änderung 2008-->2009 ist aber definitiv nicht statistisch signifikant. Und selbst die Änderungen in dem ganzen Jahrzehnt sind wahrscheinlich nicht signifikant, also nur Rauschen. Das finde ich sehr verblüffend und ich hätte allein wegen der 15% Mini-Steuern auf Dividenden einen größeren Zuwachs ganz oben erwartet. Gini bildet das aber nicht ab, aber Gini wird eh kritisiert und manche raten davon ab, den als einzigen Indikator zu nutzen. Deshalb habe ich es nur angerissen, für eine fundierte Analyse müsste man da noch mehr machen (übrigens sind 22.000 $ verdammt wenig, Hartz IV läge bei etwa 27.000 $ im Jahr und reich würde man das sicherlich nicht nennen).

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore