Zahl des Tages (17.09.10): 627

Eigentlich ein Tag, an dem es mehr als eine spannende Zahl gab, an der man einen Artikel aufhängen kann. Die, die ich jetzt ausgesucht habe, ist eigentlich gar nicht so toll, weil es nur um Gerüchte geht, die von offizieller Seite inzwischen dementiert wurden. Geholfen haben die Dementis dem Kurs aber nicht.

Die Rendite der zehnjährigen irischen Staatsanleihen ist heute in der Spitze um etwa 30 Basispunkte gestiegen. Nach dem Überwinden der 6% Marke gestern stieg die Rendite heute sprunghaft weiter auf 634 Basispunkte. Am Nachmittag ging es dann wieder leicht nach unten. Aber

627

Basispunkte kann man wohl kaum als wirkliche Entspannung werten.

Die Rendite ist die höchste der letzten Jahre, also auch höher als am Höhepunkt der Finanzkrise. Auch die Preise für Kreditausfallversicherungen (CDS) stiegen mit 435 Punkte auf ein neues Rekordhoch.

Auslöser sind natürlich die Probleme des irischen Bankensektors. Zur Erinnerung: Es wurde eine Bad Bank gegründet, die die schlechten Assets (vor allem Hypotheken) mit wesentlich größeren Abschlägen übernommen als erwartet. Trotzdem werden inzwischen höhere Verluste bei der Bad Bank erwartet. Und noch schlimmer: Die Banken sind ebenfalls noch nicht aus dem Schneider. So musste z.B. die AIB auf die restlichen selbst gehaltenen Anlagen auch 5 Mrd. Euro abschreiben (siehe ZAHL DES TAGES (02.09.10): 26%), was jetzt wohl zu Radikalschrumpfung der AIB um 80% führen wird.

Daher sind die heute herumgereichten Gerüchte nur allzu logisch. Diese gipfelten in der Meldung, dass Irland schon bald wieder den IWF um Hilfe bitten muss (wie gesagt, schon dementiert, glaubt aber keiner).

Zinsen von 6% sind natürlich ziemlich tödlich. Barclays hat das mal durchgerechnet. Bei einem irischen BIP-Wachstum von jährlich 2% (nichts sooo pessimistisch) und einem Zinssatz von 6% (und den haben wir ja heute überschritten) hätte Irland einen Anpassungsbedarf von 13,3%. Damit liegt Irland in der gleichen Größenordnung wie Griechenland (ZAHL DES TAGES (06.05.10): 15), allerdings bei einem Schuldenberg, der nur halb so hoch ist.

13,3% des BIPs zu sparen ist heftig. Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet wären das etwa 300 Mrd. Euro. Auch wenn das Länder schonmal geschafft haben (u.a. Irland in den 80er und auch Norwegen hatte das mal) und Irland etwa 5% des BIPs bereits hinter sich hat, wird das trotzdem schwierig. Vor allem darf nichts dazwischen kommen. Denn weitere Verluste bei den Banken oder der Bad Bank sind in der Prognoserechnung von Barclays nicht enthalten.

Am Dienstag will Irland übrigens ein relativ großes Paket neuer Anleihen im Wert von etwa 1,5 Milliarden Euro verkaufen. Viel Erfolg (die werden die Anleihen wohl los, spannend wird nur die Frage nach der Höhe des Zinses. Übrigens finde ich es auffällig, wie Länder immer kurz vor der Versteigerung eines großen Anleihehaufens so stark unter die Lupe, wenn nicht gar angegriffen werden. Man könnte fast vermuten, dass die Großanleger erst die Unsicherheit schüren, die Zinsen dann steigen und sich die Großanleger dann mit tollen Renditen das eigene Depot mit diesen Anleihen vollstopfen).

FT Alphaville: European SPV, meet Russian playwright (enthält die Rechnung, welches Land welche Zinshöhe verkraftet)
FT Alphaville: The Rock of O’Sisyphus  (Prognoserechnung von Barclays)
FT Alphaville: When Irish spreads are widening, redux (aktueller Stand)

Und zusetzt daran denken: Willem Buiter sagt jetzt, dass keine Anleihe vollständig sicher sei ... FT Alphaville: No sovereign is safe

Fliegt das Euro-Rettungspaket auseinander?

Übrigens finde ich es ganz spannend, wenn Irland jetzt so hohe Zinsen bezahlen muss. Denn eigentlich müsste der Punkt erreicht sein, an dem Irland höhere Zinsen bezahlen muss als Griechenland für das Geld aus dem Eurozonen-Rettungspaket. Und dann hätte Irland die Möglichkeit, aus dem Paket auszusteigen. Und wenn sich die anderen Länder nicht über eine Übernahme des irischen Anteils am Rettungspaket einigen können, könnte das ganze Paket aufgekündigt werden.

(Ich kenne leider die genauen Bedingungen nicht und auch den genauen Zinssatz nicht, den die Griechen bezahlen müssen und weiss auch nicht, welcher Zins genau für Irland relevant ist. Ein Durchschnittszins? Laufzeit? Weiss das jemand?)

Eine klassische Kettenreaktion. Über die ich jetzt besser nicht weiter nachdenke. Plopp. Zisch. Schönes Wochenende.

Update (18.09.10):

Die Verträge zum Eurozonen-Rettungspakt gibt es bei der (huestel) Bild (danke an den anonymen Tippgeber). Zum Schnellrausschlauwerden ist das Teil aber zu lang ...


Kommentare :

  1. Verträge:

    http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2010/05/24/griechenland-hilfe-deutschland-milliarden-euro/schwarz-auf-weiss-die-dokumente.html

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  2. Ich finde es ja bewundernswert, wie die Iren versuchen ohne großes Geschrei erst einmal selbst aus dem Schlamassel zu kommen.

    Man fragt sich natürlich, wo das alles hinführt. Spanien, Portugal, Irland, das ist ja alles noch lange nicht zu Ende. Von dem Fallbeil mit Namen HRE gar nicht zu sprechen.

    Und die Bankster dürfen ja fleissig weiter spekulieren. Früher Hypotheken, jetzt halt Rohstoffe und Lebensmittel. Nach den Preisen an den Rohstoffmärkten müsste ja überall in der 1. und 2. Welt auf Teufel komm raus produziert und Rohstoffe ohne Ende verbraucht werden.

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  3. @anonym:

    Danke für den Link. Habe ich im Artikel ergänzt.

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  4. @Usedomspotter:

    Zu viel zu billiges Geld (so wie aktuell) führt halt immer irgendwo zu einer Blase.

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