Zahl des Tages (22.09.10): 52.100.000.000.000

Es ist ja einer der "Memes" in diesem Blog: Die USA haben zu viel Schulden (auch wenn weissgarnix das Gegenteil behauptet).
Auch bin ich der Meinung, dass die USA nicht das überlegene Wirtschaftsmodell haben und der Neoliberalismus nur einige wenige Leute reicher gemacht hat, der große Rest aber nichts gewonnen hat. Aber wie lange hat man uns die (vermeintlich) guten BIP-Zahlen aus den USA um die Ohren geworfen, um damit zu zeigen, wie stark die USA wachsen und wie schwach wir. Fazit daraus: Wir müssen alles so machen wie die USA, frag nach bei der INSM.

Ich habe das sogar eine Zeitlang geglaubt (schäm), aber die ersten fundierten Zweifel (ein echtes Problem der Linken, dass sie solche Zweifel nicht fundiert vorbringen können) kamen mir, als ich auf das BIP pro Kopf geschaut habe. Denn da sieht man, dass ein signifikanter Teil des Wachstumsvorsprungs der USA schlicht und einfach auf die steigende Bevölkerungszahl zurückgeht. Das BIP pro Kopf in den USA wächst bei weitem nicht so stark wie das Gesamt-BIP. Vom großen Vorsprung der USA bleibt in der Pro-Kopf-Betrachtung nur vergleichsweise wenig übrig.

Und inzwischen bin ich mir sicher,  dass auch der Rest des Wachstumsvorsprungs NICHT auf eine Überlegungheit des US-Wirtschaftsmodells zurückgeht. Denn der Rest stammt nur aus einem Faktor: Die USA hat sich verschuldet bis zu Halskrause. Rechnet man die Wirtschaftsleistung heraus, die aus dieser zusätzlichen Verschuldung entstanden ist, bleibt vom US-Wachstumswunder nicht mehr viel übrig. Womöglich würde das sogar ins Gegenteil kippen.

Und ich bin ebenfalls überzeugt davon, dass die USA irgendwann anfangen müssen zu sparen. Das wird das Wachstum drücken und erst danach wird man sehen können, ob das US-Modell wenigstens beim Wachstumsaspekt dem europäischen überlegen ist. Sozialer ist es ja eh nicht.

Viel Blabla, jetzt zur Zahl:

Die Gesamtverschuldung der USA (Staat, Unternehmen, Banken, Haushalte) liegt nach der aktuellen Flow of Funds für's zweite Quartal 2010 bei

52.100.000.000.000 (52,1 Billionen) Dollar.

Das sind etwa 3,5 Jahres-BIPs der USA. Es sind etwa 14,7 Mrd. im zweiten Quartal dazugekommen. Das ist nur eine schwache Steigerung, die deutlich unter dem BIP-Wachstum liegt und dadurch ist die Quote bezogen auf's BIP im 5. Quartal hintereinander gesunken.

Dass keine Entwarnung gegeben werden kann, sieht man schon bei einem kurzen Blick auf einen langfristigen Chart:



Die kleine Korrektur ganz rechts oben reicht noch lange nicht aus, um einen Stand zu erreichen, den man halbwegs normal bzw. durchschnittlich nennen könnte. Sollte es zu diesem Schuldenabbau (Deleveraging) kommen (was aber auch gut ausfallen kann, man sieht in der Grafik oben ja auch keinen Knick z.B. durch die Rezession 2001), sind niedrige Wachstumsraten in den USA quasi garantiert.

Creditwritedowns: Charts of the Day: The New Z.1 is Out!

Kommentare :

  1. Hedonistische BIP Berechnung kommt noch drauf.

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  2. Hallo,

    noch eines hast Du beim US-BIP vergessen: Dort gehen auch in erheblichem Maße Zahlen ein, die bei uns nicht oder kaum gezählt werden. Beispiel: Universität. In D. Ist das Studium kostenlos, die Unis werden vom Staat getragen (na ja). In USA zahlt man 10.000-100.000 $ Studiengebühren im Jahr für im Prinzip die gleiche Leistung. Potenziert wird das Ganze durch Studienkredite der Banken. Ähnliches bei der Krankenversicherung. Bei gleichen Kosten und Nutzen also ein erheblich größerer "BIP-Umsatz" als in Deutschland. Merke: Vieles in USA ist getürkt, wir sehen eine Weltmacht im Niedergang - nichts außergewöhnliches im Übrigen.

    Gruß,

    Hardy

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  3. Und warum sind Schulden nur um 14,7 Mrd. gestiegen. Liegt das an der steigenden Sparquote der Amis?

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  4. @Hardy:

    Das stimmt natürlich irgendwie, auch wenn ich nicht zustimmen würde, dass das "Vieles" ist. Außer dem Bildungswesen fällt mir nichts ein, was in den USA kostenpflichtig ist (und daher gezählt wird) und in Deutschland kostenfrei (und daher nicht zählt). Selbst im Fall des Bildungswesens in Deutschland wird schließlich ein ganzer Teil der Wirtschaftsleistung gezählt: Nämlich die Kosten für das Schulgebäude, die Bücher, die Ausstattung und auch das gesamte Geld, dass die Lehrer wieder ausgeben, taucht im BIP auf.

    Ich spekuliere hier ein wenig, weil ich über den Effekt noch nie nachgedacht habe. Ich kann mich also auch gut irren. Hast Du vielleicht einen Link zur Hand?

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  5. @m106:

    Im Creditwritedowns-Artikel ist eine schöne Grafik mit der Verschuldung der einzelnen Sektoren abgebildet. Da kann man schön sehen, dass die drei Sektoren Unternehmen, Verbraucher und Banken (die am stärksten) ihre Verschuldung zurückfahren. Der Staat übernimmt das allerdings komplett ...

    Ich wollte zu den "Flow of Funds" heute eigentlich nochmal was schreiben, aber die Zahl ist ja jetzt schon weg ... Und einen zweiten langen Artikel schaffe ich wohl nicht ...

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  6. http://blogs.wsj.com/economics/2010/08/09/student-loan-debt-surpasses-credit-cards/

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  7. Im Beitrag fehlt noch der Faktor Statistikbetrug, Stichwort hedonistischer Preisindex.

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