Zahl des Tages (27.09.10) +1,1%

Hmmm, das ist eine überraschende Zahl. Nach mehreren Monaten, in denen kaum was passierte, sprang die Geldmenge M3 in der Eurozone im August um

1,1%

nach oben.

Das ist die erste Zahl seit einiger Zeit, die mal wieder auf Inflation hindeutet.

Die Zinspolitik wird immer so schön mit den Pferden und der Tränke beschrieben. Die Notenbanken können die Tränke über niedrige Zinsen nur füllen, saufen müssen die Pferde (= die Kreditnehmer) aber selber.

Genau das scheinen die Pferde nun wieder zu tun. Die Kreditvergabe erholte sich in allen Bereichen. Selbst im bisher schwächsten Sektor, den Krediten an Unternehmen, schrumpfte das Minus (-1,1% nach -1,4). Die Jahres-Wachstumsrate bei Krediten an private Verbraucher stieg von 2,7% auf 2,9%. Die Immobilienkredite stiegen im August mit einer Jahresrate von 3,5% (nach 3,4% im Juli), die sonstigen Kredite an den Privatsektor von 2,6% auf 2,9%.

Der schrumpfende Sektor in der Eurozone sind die Staaten, deren Kreditaufnahme mit einer Jahresrate von 7,4% sinkt. Grund dafür sind natürlich die Sparpakete.

Ein Monat ist sicherlich zu wenig, um von einer Trendwende zu sprechen, aber es schon spannend zu sehen, dass sich die Gesamt-Kreditvergabe in der Eurozone ausweitet, obwohl die Staaten sparen. Nicht wenige Beobachter haben durch die eingeleiteten Sparmaßnahmen die nächste Rezession schon sicher gesehen. Zumindest auf direktem Wege geht diese Prognose nicht auf.

EZB: Geldmengenentwicklung im Euro-Währungsgebiet: August 2010 (PDF!)

Die Frage, ob das nächste beherrschende Thema Inflation oder Deflation (oder sollte ich schreiben: Infellatio oder Defellatio ;-)? wird, finde ich eh schon ziemlich spannend. Noch spannender wird das aber, weil Europa und die USA Entwicklungen zeigen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In den USA steht der Staat weiterhin auf dem Gaspedal und verschuldet sich hoch, während in Europa die Staaten fast alle Sparpakete aufgelegt haben, teilweise in Größenordnungen wie nie zuvor.

Die Verbraucher machen aber genau das Gegenteil. In den USA sind sie weiterhin ziemlich zurückhaltend, in Europa werden sie immer optimistischer. In der folgenden Grafik kann man das gut erkennen: die grüne Linie ist die Verschuldung des Staats, die rote des Finanzsektors, die blaue der Privathaushalte, die violette der Unternehmen. Nur die Kurve des Staats steigt, die anderen drei sinken. Die Gesamtverschuldung sinkt, auch wenn der Staat den größten Teil davon auffängt. Diese Grafik müsste man mal für die Eurozone machen ...



ZAHL DES TAGES (22.09.10): 52.100.000.000.000

Kommentare :

  1. Sind bei der Staatsverschuldung nur die Bundesregierungen oder alle staatlichen Ebenen inhalten? Meine mich zu erinnern, dass Pauli Krugman letztens erst drauf hingewiesen hatte, dass in den USA zwar die Regierung Obama Gas gibt, aber die kleineren Gebietskörperschaften sparen (müssen)...

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  2. In den Flow of Funds müssten alle öffentlichen Haushalte drin sein. Es würde mich sehr wundern, wenn es nicht so wäre ... Es werden ja alle Sektoren abgebildet (sprich alles muss in einen der vier Bereiche einsortiert werden). Ich wüsste keinen Grund, warum z.B. Kommunen nicht im Staatssektor auftauchen sollten ...

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  3. Ach so: Was Krugman sagt, stimmt. Bundesstaaten und Kommunen sparen eher.

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  4. Also wenn ich das so pi mal Dauman richtig sehe, entspricht der %-Anstieg der Staatsschulden ungefähr dem %-Absinken der Schulden des Finanzsektors. Plakativ kann man sagen, es ist ein simples Umbuchen der Schulden.

    Der Verbraucher in den USA spart scheinbar wirklich und/oder die Knete kommt beim Verbraucher in Form von Krediten gar nicht an. Daher auch die Zurückhaltung der Pferde...

    In Europa:
    lt. den Daten sind die Reallöhne diesmal (ausversehen) gestiegen. Zudem ist der Privatsektor nicht in dem Masse überschuldet. Es kann also durchaus "gekauft" werden.

    Imo wird die Sache nun aber langsam insgesamt klarer: es ist z. B. abzusehen, dass Benny m. A. noch recht lange das Pedal wird runterdücken müssen. Die FED wird also weiter QE betreiben müssen. Und zwar so lange, bis der Finanzsektor den Papiermüll und die ausgefallenen Loans einigermaßen verdaut hat. Ich vermute, ein schwacher Dollar ist dabei ein durchaus netter Nebeneffekt (so lassen sich Auslandsschulden günstiger tilgen...)

    Für Europa kommt es halt darauf an, wie die "PIIGS" sich weiter entwickeln.

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  5. Ja, sehe ich ähnlich. In Europa ist der große Vorteil, dass die zwei wirklich kritischen PIGS, nämlich Irland und Griechenland sehr klein sind (zusammen kleiner als NRW). Das ist machbar.

    Die Immobilienblase in den USA war um einiges größer. Das Kreditvolumen lag bei ein paar Billionen (Griechenland hat zum Vergleich 300 Mrd. Schulden). Sollten aber Spanien oder gar Italien ins Wanken kommen, sieht Europa schnell genau so schlecht aus wie die USA.

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  6. Anonym zum 2.

    Benny B. wird weiter Money printen (müssen). Das löst aber dummerweise nicht die strukturellen Probleme der Wirschaft.
    > Sehr interessant gestern der Bericht auf Arte über Wal-Mart...

    Eine Wirtschaft in dieser Form ("auf Pump und Konsum") geht halt auf Dauer nicht. Wenn es den USA nichtz gelingt, Wertschöpfung durch Produktion im eigenen Land zu schaffen und zudem das Zwillingsdefizit mal auszuräumen, läufts zunächst wohl Richtung Japan (mit QE Zinsen am langen Ende niedrig halten, dadurch Deflation verhinden).

    Blöderweise sind die USA nur im Ausland verschuldet, während die Japaner sich in einer Gläubigerposition befinden (bzw. sich ein Großteil der Schulden in japanischer Hand befinden).
    > Da lässt sich sowas einfacher durchziehen.
    > Im Fall der US könnten die Gläubiger halt irgendwann mal die "Lust" verlieren, dieses Defizit weiterzufinanzieren.

    Kur gesagt: die aktuellen Maßnahmen führen so nicht zum Erfolg. So nicht oder so nicht...

    _________________

    Edith: zum Beitrag: "Warum Irland nicht Griechenland ist"

    Ähnliches schrieb ich gestern anderweitig per p. N.. Griechenland werden wir imo noch länger "mit durchschleppen". Irland sehe ich auch positiver.

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  7. "Benny B. wird weiter Money printen (müssen"

    Darin besteht aber immerhin auch eine "Chance": Der Dollar wertet ab und Zack sind die USA wieder wettbewerbsfähig.

    Die USA sind nicht so deindustrialisiert wie manchmal getan wird. Wenn ich es richtig im Kopf habe, sind die USA z.B. größter Autohersteller der Welt (Honda, Nissan, Toyota, Mercedes, BMW, ... alle sind vor Ort am Start)

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