Zahl des Tages (29.09.10): 2.000.000.000

Schon lange keine Zahl mehr gebracht aus den ganzen kriselnden Staaten in Europa. Und dabei gab es genügend ...

Ich fange mal an mit Irland. Dort wird morgen wohl eine erneute Kapitalzufuhr für die Allied Irish Bank bekanntgegeben. Die Schätzungen liegen aktuell bei

2.000.000.000 (2 Milliarden) Euro

bis 3 Milliarden. Die Ratingagentur S&P warnt auch bereits vor einer weiteren Herabstufung der irischen Staatsschulden, wenn die Summe wesentlich höher werden sollte. Die Riskoaufschläge steigen sowieso schon. Die 10-jährigen irischen Staatsanleihen rentieren mit mehr als 6,7%, die deutschen nur mit 2,24%. Der Spread liegt jetzt also fast bei 450 Basispunkten. Die Kreditausfallversicherungen liegen bei etwa 500 Basispunkten. Und der Zins für die dreijährigen Anleihen liegt jetzt über dem Niveau des Eurozonenrettungspakets. Irland könnte also aus der Finanzierung des Rettungspaket aussteigen und im Gegenteil diesen in Anspruch nehmen ... Hmmm ...

Dublin to pump 2-3 bln euros into Allied Irish Banks -FT
FAZ: Die Woche der Wahrheit für Irlands Banken
FAZ: Irlands Risikoprämien steigen auf Rekordwert
Irland kämpft mit Rekord-Zinslast

In Spanien gab's einen Generalstreik, aber das Land, das den höchsten Anstieg der Renditen verkraften musste, ist ein Neuling in der Liste der kritischen Staaten: Belgien. Ach, diese Krise wird nicht langweilig ...

FT Alphaville: And over in Belgium …

Update (30.09.10):

Huch, die Summe wird aber deutlich überschritten. Allein bis Ende des Jahres werden 3 Milliarden Euro neues Eigenkapital für die Allied Irish Bank benötigt, die wahrscheinlich mangels freiwilliger Käufer vom irischen Staat kommen werden.

Dazu kommen voraussichtlich nochmal bis zu 11,4 Mrd. Euro weiterer Hilfen für die Anglo Irish Bank. Dann wäre Irland aber noch knapp unter den 35 Mrd. Euro Hilfe für die Anglo Irish Bank, ab der Standard & Poors eine weitere Herabstufung des Ratings für Irland angekündigt hat.

Aber wenn man sich anschaut, wohin sich die Ratings in den vergangenen Monaten entwickelt haben, wenn die Zinsaufschläge derart von den Ratings abweichen wie im Fall Irland, ist eh klar, wohin sich die Ratings entwickeln ...

FAZ: Banken kosten Irland weitere Milliarden
FTD: Bankenrettung kostet Irland bis zu 50 Milliarden

Das Haushaltsminus in Prozent des BIPs wird nach den Zahlen von heute auf

32% (!!!)

steigen.

Update 2 (30.09.10 10:37):

Abschnitt  zuvor überarbeitet, weil Anglo Irish und Allied Irish durcheinandergeschwurbelt waren.

Update 3 (30.09.10 12:27):

Das ist spannend: Die nachrangigen Anleihen der Anglo Irish Bank sollen nicht wie die vorrangigen (und die Spareinlagen) voll bedient werden. Irland nimmt also zum ersten (?) Mal bei einer Sanierung einer Bank einen Teil der Gläubiger mit ins Boot und lässt nicht allein die Steuerzahler die Rechnung bezahlen. Sehr gut, auch wenn das Ausmaß des "bedeutenden Beitrags" noch unklar ist.

FTD: Weitere Kapitalspritzen: Irland nennt Finanzbedarf seiner Banken "entsetzlich"

Kommentare :

  1. Ich habe kein Verständnis dafür, dass Länder lieber der Bevölkerung Sparrunde über Sparrunder abverlangen, als mal eine Bank pleite gehen zu lassen.

    Spareinlagen in der Bank können sie ja meinethalben garantieren, um Bank-Runs zu vermeiden, aber alle Bondholder auszuzahlen ist doch absurd.

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  2. Yepp. Absurd. Und es sind keine linken Spinner, die das fordern. Wilem Buiter (heute Chefvolkswirt bei der Citigroup) hat schon am Anfang der Krise immer dafür plädiert, die Anleiheeigner mit ins Boot zu nehmen.

    Das ganze ist lächerlich, weil die meisten Banken bereits saniert wären, wenn es einen Haircut von 5 oder 10% geben würde. Wieso soll ich dafür zahlen, wenn irgendjemand sein Geld für höhere Zinsen bei einer unsichereren Bank als ich (Sparkasse) angelegt hat? Er hat 2,5% bekommen, ich 2. Und? Zahlt mir jemand den Unterschied? Wieso lässt man den Zertifikatskäufer bei Lehman auf 100% Verlust sitzen und der normale Sparer wird vor 5% geschützt?

    Es ist wie so oft: Wenn man Sch****e baut, dann im Rudel. Erhöht die Chance für die blöde Ausrede "haben doch alle gemacht, hat doch niemand gewusst" und damit auf einen Bailout.

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  3. @ egghat

    Der blöde Steuerzahler ist halt nicht systemrelevant. Den kann man Pleite gehen lassen.

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  4. Die FRage ist: Wie werden wie systemrelevant?

    (Problem 2 an der Sache: Der Steuerzahler ist nicht mehr in der Mehrheit)

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