Zahl des Tages (30.09.10): 3.031.000

Irgendwie fühle ich mich wie es Sophie Hunger (übrigens im Januar 2010 mit einem Konzert in der Philharmonie Dortmund) heute im Spiegel so schön beschreibt:

Ich lese jeden Tag sehr viele Zeitungen, im Internet. Ich lese die Bild, SPIEGEL ONLINE, die "New York Times", den "Tagesanzeiger" aus Zürich, alle politischen Lager, alle Niveaus. Und weil ich das tue, habe ich halt permanent schlechte Laune.

Dabei waren die Nachrichten gar nicht so schlecht. OK, Gerüchte über manipulierte BIP-Zahlen in Spanien, die irische Bankenrettung wird nochmal ein paar Milliarden teurer  und in Stuttgart sind die Proteste (und wohl nicht wegen der Protestierenden ...) völlig eskaliert. Aber ansonsten haben wir heute Arbeitslosenzahlen bekommen, die ich mich mir vor ein oder zwei Jahren nicht einmal im Traum vorstellen konnte.

Nur noch

3.031.000

Arbeitslose gab es im September in Deutschland, 157.000 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 7,2 nach 7,6%.

BA: Der Arbeitsmarkt im September: Anhaltende Besserung am Arbeitsmarkt 

Und jetzt verderbt mir bitte nicht die Laune ;-) Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer ist auch um 114.000 auf 40,47 Millionen gestiegen. Auch die Anzahl der Kurzarbeiter ist gesunken. Das sind alles keine schlechten Zahlen. Die Zahlen nach der ILO-Methode sehen übrigens noch besser aus (6,5% Arbeitslosenquote). Klar, die Statistik enthält viele nicht. Aber das war auch früher schon so ...

Jetzt solltet ihr nicht über die Zahlen meckern, sondern auf die Leute schimpfen, die uns vor 5, 10 und 20 Jahren erzählt haben, wie überlegen das neoliberale Modell in den USA und Großbritannien dem deutschen System ist ... Und jetzt haben wir das Jobwunder und die USA knapp 10% Arbeitslosenquote. Ich dachte, das wäre quasi unmöglich ...

Die Leute sitzen übrigens immer noch in den einschlägigen Talkshows ...

Kommentare :

  1. > wie überlegen das neoliberale Modell in den USA und Großbritannien dem deutschen System ist ...

    Ach hör doch bitte auf mit dem Sozi-Gerede, dass System war und ist dem deutschen überlegen, dort wo es liberal ist. Staatsschulden zu machen hat nichts mit Neoliberalismus zu tun. Es ging um den liberalisierten Arbeitsmarkt und den Verzicht auf langjährige Arbeitslosenhilfe, oder auch um erpresste Lohnerhöhungen nach dem Motto "weil es uns zusteht, aber für die Arbeitslosen ist der Kapitalismus verantwortlich".
    Peinlich ist dann schon eher, dass die Parteien die "den Neoliberalismus" kritisieren keine Vorschläge gemacht haben wie man die Amerikaner daran hindern kann unsere Ersparnisse zu verkonsumieren. Sie haben es ja bis heute nicht geschnallt.

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  2. Nee, ich glaube schon, dass es gut und stabilisierend für ein Land ist, wenn es ein Sozialsystem gibt. In einem Land wie den USA, wo 15% ohne Krankenversicherung leben (bzw. gelebt haben) möche ich nicht leben. Wie soll das besser sein als Europa?

    Der liberalisierte Arbeitsmarkt in den USA hat ein tiefes Tal durchschritten und sich kaum erholt, und das obwohl der Staat richtig viel Geld in die Hand genommen hat. In Deutschland was das Tal viel viel flacher. Und weil die Strukturen der Firmen erhalten wurden, konnte bei anziehender Nachfrage sofort wieder losgelegt werden. Die Flexibilität der Arbeitnehmer hat sicherlich auch Vorteile, aber seine Mitarbeiter halten zu können, eben auch. Eine Entlassung, Wiedereinstellung und Einarbeitung geht ja auch nicht ohne Reibungsverluste über die Bühne ...

    Dass die Sozen mit gespaltener Zunge reden, na gott, das machen die anderen auch alle.

    Hundt schreibt heute z.B. dass man S21 durchziehen müssen, weil demokratisch legitimiert. Komisch, dass der den Atomkompromiss aufgekündigt hat, obwohl auch der demokratisch legitimiert war. Man zieht sich die Argumente aus der Schublade, wie sie gerade passen. Auf solche Leute gebe ich also lieber nix ...

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