Warum Irland nicht Griechenland ist

Weil's da häufiger regnet und das Bier besser ist. Nee, ernsthaft. Die FTD bezeichnet heute die Anlegerreaktion auf die Zahlen aus Irland (siehe Zahl des Tages (29.09.10): 2.000.000.000) so:
Die Märkte reagieren erstaunlich ruhig auf die Probleme Irlands.
Schuldenkrise: Keine Entwarnung für Irland | FTD.de

Ich weiss nur nicht, ob 6,4% Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen oder mehr als 450 Basispunkte für Kreditausfallversicherungen wirklich "ruhig" zu nennen sind ...

Es gibt aber einen entscheidenden Grund, warum Irland so viel anders als Griechenland gesehen wird: Irland hat einen Export- und einen Leistungsbilanz*überschuss*. (OK, die Leistungsbilanz ist noch nicht positiv, aber wird dank der Sparmaßnahmen und des kräftigen Exportüberschusses von 13% des BIPs positiv werden). Die irische Volkswirtschaft verdient also Geld, während die griechische auch nach den ganzen Sparprogrammen, die die Neuverschuldung wieder in das Maastricht-Band führen sollen, immer noch Export- und Leistungsbilanzdefizite aufweisen wird.

Wenn Griechenland bei 3% Neuverschuldung landen sollte, aber weiter 3% Leistungsbilanzdefizit produziert (und das ist eine eher optimistische Schätzung) ist die Lage halt eine ganze andere als in Irland, das bei 3% Haushaltsdefizit zwei oder drei Prozent des BIPs als Überschuss einfährt.

Es wird in der Diskussion viel zu viel auf die Verschuldung des Staats und zu wenig auf die Daten der gesamten Volkswirtschaft geschaut. Und da sieht Irland um vieles besser aus als Griechenland.

Und dann muss man noch gar nicht über den Punkt reden, dass ein großer Teil der irischen Schulden durch die Bad Bank so nicht eintreten wird. Denn es ist quasi ausgeschlossen, dass alles, was in der Bad Bank liegt, komplett wertlos wird. Klar, es wird wohl Abschreibungen auf das Zeuchs geben, aber eben nicht alles und eben auch nicht um 100%.

Oder über die gut ausgebildete, junge Bevölkerung in Irland, die über einen großen Wettbewerbsvorteil verfügt: Die Sprache. Nicht ganz zufällig haben sich Dell, Apple, Intel, ... in Irland niedergelassen ...

Irland wird ein oder zwei harte Jahrzehnte vor sich haben, hat aber mMn gute Chancen es zu schaffen. Im Fall Griechenland würde ich eine Wende zum Positiven zwar nicht komplett ausschließen, aber die Wahrscheinlichkeit dort ist einfach deutlich niedriger ...

Kommentare :

  1. Die ganzen Ansiedlungen in Irland hatten eher etwas mit den extrem günstigen Steuersätzen und den Subventionen zu tun.

    AntwortenLöschen
  2. Auch. Der Finanzbereich, wo es (zeitweise?) 10% Steuersatz gab, lebte nur davon.

    Aber bei den Hightech-Firmen waren die Steuern höher. Da spielte also vieles zusammen: Immer noch günstige Steuern, niedrige Löhne, Sprache, gute Ausbildung der Iren, vergleichsweise gute und schnelle Flugverbindungen in die USA.

    Wenn man Irland und Griechenland vergleicht, weiss man halt schnell, wieso man die nicht voreilig in einen Topf werfen sollte. Irland hat eine Chance, die wesentlich größer ist als die von Griechenland ...

    AntwortenLöschen
  3. es ist ja auch wichtig wie ein Staat sich selbst anschießt. Irland hat sich eine böse Rezession eingehandelt (==> Abschreibung bei Banken, Stop bei Bauprojekten, an IT-Kosten wird immer zuerst eingespart), und die Griechenland hat systematisch Haushaltsdefizite erzeugt (==> Luft ist raus. Hallo Argentinien). Andere Ursachen, andere Folgen.

    AntwortenLöschen
  4. Läuft das nicht so? Große US-Softwareunternehmen sitzen in Irland, schreiben ihren restlichen europäischen Dependancen Rechnungen bis an die Grenze deren Leistungsfähigkeit und schieben so Gewinne nach Irland und von dort aus geringbesteuert weiter über den Großen Teich?
    Tolles Modell Irland. Ein Hort der Innovation und Marktführerschaft. Kennt einer eigentlich ausser im Butter- und Whiskey-Sektor eine prosperierende irische Firma?

    AntwortenLöschen
  5. Dell. Apple. Sind schonmal nicht nur Software.

    Außerdem: Ryanair. Guinness ;-) (Und von einem Land mit 4,5 Mio Einwohner würde ich nicht unbedingt zig Weltkonzerne erwarten).

    AntwortenLöschen
  6. Habe den Artikel leider erst jetzt gelesen. Da ich mich momentan zu viel um Irland kümmere - beruflich :o)
    Aber im Ernst: egghat trifft den Nagel auf den Kopf. Die Iren haben zudem kein Problem mit der Arbeitslosigkeit - die ganzen Osteuropäer sind längst wieder daheim, die "überzähligen" Iren wandern wie gehabt aus. Und bei mir schlagen erstmals seit zwei Jahren wieder regelmäßig Jobangebote auf. The future's bright...:o)

    AntwortenLöschen
  7. @Marcus:

    Das ist natürlich der Sparvorteil in die andere Richtung: Man kann auch leichetr auswandern ...

    AntwortenLöschen
  8. Hallo,

    es gibt auch andere Meinungen:

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schuldenkrise-iren-griechen-pleite/50187196.html

    Davon abgesehen:

    Dell, Apple - die lassen in Irland aufgrund von Steuergeschenken zusammenbauen, sonst nix. Oder würdest Du Polen als großen Technologiestandort bezeichnen, nur weil da 75% aller für die EU bestimmten LC-Fernseher (Einfuhrzölle!) zusammengeschraubt werden?

    Wer bei den heutigen Preisen normaler Fluglinien noch Ryanair fliegt, dem ist eh' nicht mehr zu helfen.

    Gruß,

    Hardy

    AntwortenLöschen
  9. @Hardy:

    Den FTD Artikel habe ich schon gesehen und direkt etwas Werbung für den Artikel gemacht ;-)

    Nicht dass ich Irland superoptimistisch sehen würde, aber man kann einfach nicht ein Land, das 6% Zinsen zahlt, mit einem das 9% (trotz Eurozonen-Rettungspaket!) zahlt, in einen Topf werfen. Ein Land hat knapp 100% Schulden/BIP, das andere 130%. Ein Land hat Exportüberschüsse, das andere seit Jahrzehnten Defizite. In einem Land spricht man Englisch, in dem anderen schreibt man in Hieroglyphen ;-)

    Klar, hat Irland Probleme: Seeehr hohe Verschuldung der Privathaushalte, riesige Immobilienblase, viel zu großer Finanzsektor.

    Und dass Apple, Dell, etc. nur aus Steuergründen da sind. Nein, sie sind *auch* aus Steuergründen da. Am Ende ist das aber auch Wurscht, das Land hat einen Exportüberschuss und aus. Und Griechenland nicht. Griechenland mag nach den Sparmaßnahmen auf ein akzeptables Minus kommen, aber der Wert wird sich eben auch in Irland verbessern.

    AntwortenLöschen
  10. @Hardy:

    Ach so: Google mal nach Basar-Ökonomie. Angeblich ist sogar das von allen für seine Exportüberschüsse gehasste Deutschland nur noch ein Zusammenschrauber ala Irland oder Polen.

    Halt ich nix von. Es gibt Länder mit Exportüberschuss und welche mit Defizit. Die mit Überschuss haben eine Basis um ihre Schulden zurückzuzahlen. Die anderen nicht.

    AntwortenLöschen
  11. Hallo mal wieder,

    "Google mal nach Basar-Ökonomie."

    Ich habe diese Diskussion vor einigen Jahren in der FTD verfolgt - H.W.Sinn hat sich - mal wieder - blamiert.

    "Die mit Überschuss haben eine Basis um ihre Schulden zurückzuzahlen. Die anderen nicht."

    1. Das kann sich ändern, siehe USA
    2. Dann sind die Amis bankrott - sie können nichts mehr außer Waffen und Ölbohrausrüstung.

    "aber man kann einfach nicht ein Land, das 6% Zinsen zahlt, mit einem das 9% zahlt, in einen Topf werfen"

    Leider, das weißt auch Du, sind die (zumeist) angelsächsischen Anleger meistens auch angelsächsischen Ländern zugetan. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür. Wenn Du es nicht glaubst: Sieh' Dir die KGV in Amerika, Engeland und Deutschland an.

    "Ein Land hat knapp 100% Schulden/BIP, das andere 130%."

    Japan hat fast 200% - und?

    "Ein Land hat Exportüberschüsse, das andere seit Jahrzehnten Defizite."

    Das kann schnell drehen - Griechenland bspw. müsste nur den Rüstungswettlauf mit der Türkei beenden, dann sähe es schon anders aus. Und: Die Steuerbasis verbreitern. DAS eben geht nämlich in Irland kaum.

    Gruß,

    Hardy

    AntwortenLöschen
  12. @Hardy:

    Ja, aber so Exportüberschüsse verdampfen nicht in vier Jahren. Die USA ist quasi immer negativ. Irland seit 3 Jahrzehnten immer positiv. Wie Deutschland oder Japan.

    http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/tabellen/Tab13jg.pdf

    (ist alt, aber es geht ja um die langfristige Perspektive).

    Und über die Tatsache, ob ein Land mit hoher Staats- und Steuerquote besser Möglichkeiten zur Sanierung hat, kann man lange streiten! Du betonst die Sparmöglichkeiten in Griechenland, genauso könnte ich behaupten, dass die Iren problemlos ihre Steuern erhöhen können, weil sie noch deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Ein Argument, das ich im Fall Griechenlands auch gebracht habe. In GR gilt es aber nicht mehr (so klar), weil nach der Erhöhung der MwSt und ein paar anderer Steuern (Tabak, Schnaps, Sprit) die durchschnittliche Steuerlast inzwischen über dem Durchschnitt liegen dürfte.

    AntwortenLöschen
  13. Außerdem würde ich die USA nicht sooooo schlecht machen.

    Es wird oft so getan, als wäre das Land komplett deindustrialisiert. Das stimmt aber nicht. In den USA werden z.B. immer noch mehr Autos produziert als in Deutschland.

    OICA: porduction statistics

    Klar, man muss das auf fast viermal so viele Einwohner umrechnen, aber man darf nicht von der Krise Chryslers und GMs auf keine Autoproduktion in den USA schließen (Nissan, Toyota, BMW, Mercedes, ... sind alle mit Fabriken in den USA vertreten).

    Die USA produzieren immer noch Sachen und haben immer noch GE, Caterpillar, ... ThyssenKrupp baut ja nicht zum Spaß dort ein neues Stahlwerk ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore