Zahl des Tages (01.10.10): 94.960.000.000

Ich hatte ja mal versprochen, dass ich meine Solarschuldenrechnung aktualisiere, sobald ich neue, verlässliche Zahlen bekomme. Diese gab es nun und danach ändert sich die Rechnung.

Für die Grundlagen und die Herleitung verweise ich auf den alten Artikel (ZAHL DES TAGES (09.07.10): 4), in dem die Rechnung (hoffentlich) nachvollziehbar beschrieben wird.

Folgende neue Datenpunkte sind inzwischen bekannt: Im ersten Halbjahr betrug die installierte Leistung 3,8 GWp (siehe "NUR" 3,8 GIGAWATT ZUSÄTZLICHER FOTOVOLTAIKLEISTUNG IM 1. HJ 2010). Ende August lag die neu installierte Leistung bei 4,88 GWp, es kamen also knapp 1,1 GWp in zwei Monaten dazu. Für das zweite Halbjahr habe ich die installierte Leistung daher auf 3 GWp hochgerechnet. Damit liegt die zusätzlich installierte Leistung dieses Jahr bei knapp 7 GWp und damit sowohl unter der Prognose der Verbraucherberatung (10 GWp) als auch einer ziemlich aktuellen Prognose von Bloomberg, die etwa 8,2 GWp erwartet (Bloomberg: Solar Doubling Drives Down German Power Prices: Energy Markets).

Die Neuberechnung lohnt sich auch deshalb, weil nun Zahlen für die Monate vorliegen, die als Basis für die Senkung der Vergütung im Jahr 2011 genommen wird. Zur Erinnerung: Ab einer neu installierten Leistung von 3,5 GWp sinkt die Vergütung für jedes weitere GWp bis 6,5 GWp um ein zusätzliches Prozent. Maximal kann die Vergütung also um 13% fallen. (Diese Logik gibt es auch in den Jahren danach, nur steigt der Abschlag dann von 1 auf 3 Prozent. Es könnte 2012 also noch wesentlich kräftiger nach unten gehen. Vielleicht zu kräftig und zu viel auf einmal, was zu einem Nachfragecrash führen könnte. Das liegt dann aber weniger an einer zu starken Senkung, sondern vor allem an einer zu seltenen Anpassung. Ich würde mindestens halbjährig, wenn nicht gar quartalsweise anpassen).

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Vergütung Anfang 2011 also um den Maximalwert sinken. Denn in den drei Monaten Juni-August, die die Basis sind (Der September kommt auch noch dazu), wurde (fast) so viel Leistung installiert, dass man die Zahl nicht einmal auf ein Jahr hätte hochrechnen müssen, um über die 6,5 GWp zu kommen ... Hochgerechnet wird die Grenze aber wohl klar überschritten (und meine Hochrechnung auf knapp 7 GWp deckt sich ja auch damit) und eine etwas schwächere Senkung um 12% würde die Rechnung eh nicht wirklich beeinflussen.

Damit sinkt die Vergütung für 2011 um etwa einen Cent auf 28,7 Cent/KWh oder nach Berücksichtigung der Kosten für normalen Strom von 7 Cent auf 21,7 Cent/KWh. Und mit diesem Strompreisunterschied berechne ich die Solarschulden. Für 2011 habe ich die Schätzung der neu installierten Menge leicht nach oben korrigiert (von 3,5 GWp auf 4 GWp), liege aber noch unter den Schätzungen der Industrie. Da die Vergütung auch in vielen anderen Ländern (zum Teil noch massiver als in Deutschland) gekürzt wurde und gleichzeitig in China (und teilweise auch in den USA) weiterhin Fabrik nach Fabrik die Produktion aufnimmt, wird im nächsten Jahr wohl erneut ein hohes Angebot auf eine sich deutlich abschwächende Nachfrage treffen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass die Preisrückgänge bei den Solarzellen mal wieder stärker werden als man sich das aktuell vorstellen kann und sich Solarzellen auch nach dem erneuten Rückgang der Vergütung auf unter 29 Cent/KWh noch rechnen wird.

So und damit haben wir die 4 Datenpunkte, die ich angepasst habe:

a) zus. Menge 1. Halbjahr 2010: 3,8 GWp
b) zus. Menge 2. Halbjahr 2010: 3 GWp
c) zus. Menge 2011: 4 GWp (vorher 3,5 GWp)
d) Strompreisdifferenz 2011: 21,7 Cent/KWh  (vorher 22,7 Cent bei 9% Absenkung)

Eine Einschätzung fehlt mir leider. Es gibt seit Juli eine deutlich erhöhte Vergütung für selbst verbrauchten Strom. Diese sorgt bereits jetzt dafür, dass man für selbst verbrauchten Strom (nach Berücksichtigung der 20 Cent, die man sonst für eine Kilowattstunde Strom bezahlen müsste) deutlich mehr Geld bekommt als für den Strom, den man ins Netz einspeist. Das ist auch als Förderung der dezentralen Stromförderung und der kleinen Anlagen der Selbstverbraucher zu verstehen.
Ganz nebenbei bildet sich hiermit vielleicht sogar eine Basis für die dezentrale Stromspeicherung, denn wenn man für selbst verbrauchten Strom (angenommene) 5 Cent mehr bekommt als für eingespeisten, könnte man ja überlegen, den Strom selber zu speichern, wenn das nur 3 Cent (oder so) kostet. Hier habe ich aber keine Zahlen. Weiss jemand, was es kostet, wenn man heute in Akkus (oder Wasserstoff oder was weiss ich) Strom speichert?

Die erhöhte Vergütung für selbst genutzten Solarstrom ist nicht in der Rechnung drin. Wobei der ja die Kosten ja auch nicht erhöht, denn ich bezahle lieber 15 Cent für den Verbrauch des Stroms (auch wenn er dann quasi 35 Cent pro KWh bekommt) als 30 Cent für die Einspeisung. Aber da noch niemand den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms kennt, kann ich diese auch schlecht berücksichtigen.

Es ergibt sich dann also folgende Rechnung (für die alte Version siehe (ZAHL DES TAGES (09.07.10): 4).

Tabelle 1: Vergütungen für Solarstrom, aktualisiert unter Berücksichtigung der Stromkosten (5,7 Cent bis 2007, dann 6,2, 6,9 und danach 7,0 Cent je KWh) und der bereits getilgten Solarschulden.

Jahr Solarstrom Zuwachs Netto-Vergütung Netto-Vergütung
pro Jahr
Über 20 Jahre Über 20 Jahre real real, abzgl. bereits abgezahlt
Mrd. GWp Mrd. GWp Cent/kWh Mill. Mrd. Mrd.
2000 0,06 0,06 44,92 26,95 0,54 0,40 0,20
2001 0,12 0,05 44,92 22,46 0,45 0,33 0,18
2002 0,19 0,07 42,39 29,67 0,59 0,44 0,26
2003 0,31 0,13 39,99 51,99 1,04 0,77 0,50
2004 0,56 0,24 44,88 107,71 2,15 1,60 1,12
2005 1,28 0,73 48,83 356,46 7,13 5,30 3,71
2006 2,00 0,72 46,1 331,92 6,64 4,94 3,70
2007 3,24 1,24 43,51 539,52 10,79 8,03 6,42
ab hier neue Zahlen:
2008 5,17 1,93 40,55 782,62 15,65 11,64 9,90
2009 8,67 3,50 36,11 1263,85 25,28 18,80 16,92
2010/1 15,17 3,8 32,14 1221,32 24,43 18,17 17,26
2010/2 18,67 3 26 910 18,2 11,60 11,02
2011 22,17 4 21,7 794 15,89 11,82 12,91
Kumulierte Vergütung Ende 2011: 127,65 94,96 84,12

Die alten Werte lagen bei 146,14 Mrd. (brutto), 108,71 (inflationsbereinigt) und 97,14 Mrd. (nach Abzug bereits getilgter Solarschulden).

Damit liegen die (realen) Solarschulden Ende 2011 bei

94.960.000.000 (94,96 Milliarden) Euro,

von denen erst knapp 11 Mrd. getilgt sein werden.

Real haben wir nach der neuen Rechnung Solarschulden, die etwa 14 Mrd. Euro niedriger liegen als bei der letzten Rechnung. Und den vielfach vorhergesagten Einbruch der Nachfrage sehe ich ebenfalls nicht. Im Gegenteil: 2011 wird wohl sogar mehr neue Leistung ans Netz gehen als 2009. Was nur noch einmal verdeutlicht, wie unglaublich überfällig die Senkung der Vergütung war. Wir werden 2011 wahrscheinlich mehr neue Leistung ans Netz bekommen und ein sattes Drittel weniger dafür bezahlen.

Treehugger: Solar Cell Production Increases 51 Percent
FTD: Kampf gegen deutsche Windmühlen
Handelsblatt: Solarausbau übertrifft weiter alle Erwartungen - Vergütung sinkt um weitere 13 %

Update (15:22):

Telepolis meldet auch die genauen Zahlen für den Sommer: 2.126 MW, im Juli 669 MW und im August 360 MW, also insgesamt 3.156 MW, was mit drei multipliziert etwa 12,5 GW gibt. Es zählt der September auch noch zu den Basismonaten (das habe ich oben auch ergänzt).

Telepolis: Solarstrom wird immer billiger

Und was meine Schätzung angeht: 360 MW im August sind natürlich gaaanz schön wenig. Nach nochmal 3 und 13% Senkung, könnte es 2011 doch zu einem kräftigeren Rückgang kommen als ich oben angenommen habe. Aber so ist das mit Prognosen ...

Kommentare :

  1. http://monitor.ibc-solar.de/

    Viel Spaß beim Durcharbeiten :)

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  2. Na, das sind wohl kaum alle Anlagen ...

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  3. Sicher nicht, aber welcher Anbieter bietet soviele Einzeldaten?

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  4. Man bekommt bei der Bundesnetzagentur die Daten aufgeschlüsselt nach Größe der Anlagen. Leider nicht für Freifläche, Dach, etc. getrennt. Zumindest kenne ich keine Quelle dafür.

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  5. Nur interessehalber: gibt es vergleichbare Aufstellungen zu den "Atomschulden"?

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  6. Ja sicher. Aber die Summen dazu schwanken so extrem, dass man die kaum sinnvoll in die Diskussion bringen kann. Wie soll man auch abschätzen, wenn nicht einmal klar ist, wie, wo und wann der Abfall mal endgelagert wird ...

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  7. Wo sollen die Atomschulden herkommen? Wurden die Kraftwerke subventioniert?
    Grundlagenforschung zählt nicht, da man auch Forschungsreaktoren braucht, das gilt ebenso für die Erforschung der Endlagerung. Was in Asse ablief war Staatsversagen, also vergiss es. Für die Lagerung der nuklearen Wertstoffe wurden Rücklagen gebildet. Das man ein hunderttausend Jahre vollkommen sicheres Endlager will ist ausserdem eine politische Entscheidung, genauso wie andere Einschränkungen.

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  8. @RE: Förderung insgesamt so 150 Mrd. Kosten der Endlagerung kann man nicht bestimmen, weil unklar ist, wie und wo gelagert wird. Daher ist auch nicht zu beurteilen, ob die jetzigen Rücklagen ausreichend sind oder nicht.

    Jeder, der behauptet, dass man das berechnen könnte, lügt. (Also sowohl die AKW-Besitzer, wie die Regierung oder auch Greenpeace)

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