Zahl des Tages (03.10.10): 173.000.000.000

Es gab zwar noch ein paar andere Zahlen, die ich auch noch hätte bringen können (z.B. die 0,5% Plus bei den Einkommen in den USA, eine überraschend gute Zahl. Oder das endgültige US-BIP Plus von 1,7% für das 2. Quartal. Oder eine Zahl aus dem Bericht über die möglicherweise gefälschten BIP-Statistiken in Spanien (den sich FT Alphaville nicht mehr traut zu verlinken).

Aber ich wähle die langweilige Zahl, lanweilig, weil sie überall steht. Aber irgendwie ist die Zahl schon eine wichtige, nicht zuletzt, weil sie die Verschuldung Deutschlands auf einen Schlag um etwa 8 Prozentpunkte erhöht. Und außerdem hatte die Zahl noch nicht, zumindest nicht in der Überschrift (ZAHL DES TAGES (23.09.10): 2.000.000.000.000).

Etwas überrascht stelle ich fest, dass man scheinbar schon froh ist, wenn die Hyporealestate es "schafft", ohne weitere Zwischenfälle Giftmüll im Gesamtwert von

173.000.000.000 (173 Milliarden) Euro

in eine Bad Bank auszulagern.

Sind wir bescheiden geworden :-(

Aber immerhin wird jetzt behauptet, dass die "Good Bank" Hyporealestate jetzt wieder reif für den Kapitalmarkt sei und sich ohne weitere Steuergelder finanzieren kann. Warten wir es ab.

Tja, wir sind bescheiden: Ganz im Gegensatz zu den Bankern, die in dem Laden arbeiten und sich für ihre Boni die unglaublich niedrige Grenze von "kein Verlust" gesetzt haben. Respekt. Boni gibt's, wenn kein Verlust eingefahren wird. Dass die Boni viel niedriger waren als vor der Krise (wie die Bank betont), beruhigt da nur wenig.

Spiegel: HRE-Banker bekamen üppige Millionen-Boni 
FAZ: Kein Verlust ist schon ein großer Erfolg

Spiegel: HRE lagert Gift-Papiere aus
FTD: HRE entrümpelt Bilanz reibungslos
Tagesschau.de: Hypo Real Estate befreit sich von faulen Krediten

Dass jetzt "nur" 173 Milliarden ausgelagert werden und nicht wie ursprünglich angekündigt 191, ist übrigens auf Währungsschwankungen zurückzuführen, konkret auf den schwachen Dollar.

Ich muss gestehen, dass ich die ganze Aktion nicht verstehe. Wobei die Alternative sicher nicht eine unkontrollierte Pleite der HRE sein soll. Aber warum wickelt man die Bank nicht einfach ab? Was soll die Sanierung bringen? Um eine Hyporealestate zu bekommen, die dann die Tochter Deutsche Pfandbriefbank (OK, das ist operativ die alte HRE) wieder verkaufen (oder an die Börse bringen) kann?
Ob das jemals was wird, ist völlig unklar. Klar ist nur, dass die Aktion ziemlich aufwändig war, wie ein FAZ-Artikel ziemlich schön darstellt:

FAZ: HRE startet „Bad Bank“

(Ganz nebenbei hätte man in den letzten zwei Jahren auch genügend Zeit gehabt, die Bank unter Beteiligung der Gläubiger abzuwickeln. Dass die Gläubiger jetzt 100% ihres Einsatzes zurückbekommen und der Steuerzahler (und die Aktionäre) die einzigen sind, die bluten müssen, ist nicht fair und auch nicht gut für die Zukunft. Denn alle Banken, die groß genug sind, werden nie faire Risikoaufschläge zahlen müssen, weil die Anleger immer von einer impliziten Staatsgarantie ausgehen können ... Warum bekommen die Banken diese Sonderbegünstigung und nicht die für unsere Wirtschaft viel wichtigeren Industrieunternehmen?).

Kommentare :

  1. Ich bezweifle stark das die 173 Milliarden an (Un)Wertpapieren einzig und allein aus dem Bestand der HRE stammen. Wir werden es wohl auch niemals mehr erfahren welche Deutschen Großbanken da noch zusätzlich ihren Müll abgeladen haben und wieviel davon. Die Manager der HRE haben ja gerade erst ihre neue Rate an Schweigegeld(hier Boni genannt) bekommen. Wenn man bedenkt das Lehmann's mit über 28.000 Mitarbeitern satte 200 Mrd. in Dollar Miese hatte dann erstaunt doch das die 2000 HRE-"Experten" es fertig brachten sogar noch mehr Schulden anzuhäufen.

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  2. Könnte man eigentlich nach dem Informationstransparenzgesetz eine Liste der Transaktionen bekommen=

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  3. Nein. Das Informationsfreiheitsgesetz auf Bundesebene bezieht sich auf Informationen von Bundesbehörden:

    § 1 Absatz 1:

    "Jeder hat nach Maßgabe dieses Gesetzes gegenüber den Behörden des Bundes einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen. Für sonstige Bundesorgane und -einrichtungen gilt dieses Gesetz, soweit sie öffentlich-rechtliche Verwaltungsaufgaben wahrnehmen.

    Einer Behörde im Sinne dieser Vorschrift steht eine natürliche Person oder juristische Person des Privatrechts gleich, soweit eine Behörde sich dieser Person zur Erfüllung ihrer öffentlich-rechtlichen Aufgaben bedient."

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  4. Aha. Aber ich meine eigentlich gar nicht unbedingt die HRE (oder die Deutsche Pfandbriefbank), sondern eher die FMS. Das ist doch eine Anstalt des Bundes (oder des SoFFin). Da *könnte* das packen ...

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  5. Mir ist es absolut schleierhaft, wie die Depfa, die sich jahrelang ihres margenarmen, aber wegen 'Staatsfinanzierung' ja so sicheren Geschäfts rühmte und deshalb ordentlich gehebelt, auf 173 Mrd bad assets kommt. Dass sie bei ihrer eigenen Refinanzierung in Schwierigkeiten kommt kann ich nachvollziehen, aber nicht diese Unmengen von bad assets. 'Bad assets' hätte ich bei der eigentlichen HRE vermutet. Pikanterweise ist die HRE ja auch schon durch Ausgliederung der 'bad assets' der einstigen Hypovereinsbank entstanden

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  6. @matsch:

    Ich glaube, dass es nur eine wirkliche Erklärung gibt: Die Liquiditätslöcher gab es vor allem bei der DePfa, die Abschreibungen bei der HRE. Ansonsten passen die Geschäftsbereiche (Staatsfinanzierung) nicht zur Unternehmensbeschreibung. Aber wer weiss, vielleicht haben die sich auch in fremden Gefilden getümmelt (wie die Landesbanken).

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