Zahl des Tages (04.10.10): 7,8%

Ich muss gestehen, heute interessierte mich die SdK/Wirecard/Petrohunter/FocusMoney/... Nummer deutlich mehr als eine Zahl des Tages. Auf was man da mit ein wenig googeln alles stößt ... Achtet auf die Kommentare. Ich hoffen inständig darauf, dass dieser Sumpf mal trockengelegt wird.
Nicht dass ich glaube, dass danach keine neue Welle von Abzockern käme, aber ich gönne es den jetzigen Teilnehmern einfach nicht, dass die sich teilweise seit mehr als einem Jahrzehnt mit der gleichen Masche die Taschen voll machen ...

Egal. Daher habe ich heute meine Feeds und Timeline nur gescannt und bin zum Beispiel auch nicht dazugekommen, den wahrscheinlich ziemlich interessanten Artikel von Weisgarnix über die Austrians zu lesen. Außerdem habe ich keine Zahl gefunden, die so richtig die Bäume ausreisst und vor allem keine, die ich jetzt um 23:00 Uhr noch zu einem sinnvollen Artikel verarbeiten kann ...

Daher eine weithin bekannte Zahl, die so etwas wie leichten Optimismus im Fall Griechenland aufkommen lässt. Die Schätzung für das Haushaltsdefizit 2010 wurde heute korrigiert. Statt der ursprünglich geplanten 8,1% Haushaltsdefizit bezogen auf's BIP soll es nach den aktuellsten Schätzungen "nur" noch

7,8%

werden. Das ist natürlich keine Zahl, die zu Jubelstürmen Anlass gibt, aber immerhin zeigt sie, dass auch in einer Rezession ein Haushaltsdefizit schrumpfen kann.

2011 soll das Defizit weiter auf 7,0% des BIPs sinken, was einigermaßen deutlich unter dem Wert vom 7,6% liegt, den IWF und EU im Sanierungsplan vorgegeben haben. Übrigens bei einer weiter schrumpfenden Wirtschaft ...

Spiegel: Griechenland macht weniger Schulden als geplant

Dass die Renditen der griechischen Staatsanleihen heute gesunken sind (die zehnjährige Anleihe lugte heute zum ersten Mal seit langem wieder unter die 10% Marke), lag aber wohl mehr an der Nachricht, dass beim Staatsbesuch von Chinas Regierungschef Wen Jiabao in Athen umfangreiche Hilfen vereinbart wurden. Insbesondere in der Telekommunikation, bei den Werften und den Reedereien können sich die Chinesen enge Kooperationen vorstellen. Außerdem haben die Chinesen zugesagt, griechische Staatsanleihen zu kaufen.

FTD: Peking springt Griechenland bei

Richtig hohes Risiko fahren die Chinesen dabei natürlich nicht. Denn satten 10% Rendite stehen eine noch gut 2 Jahre laufende Garantie der EU und des IWF gegenüber, was die FAZ auch entsprechend kommentiert ...

FAZ: Chinas Extrarendite

Beides zusammen genommen muss man als vorsichtiges positives Signal werten. Zwar sind die Chinesen dafür bekannt, immer freundlich zu lächeln und manches nicht einzuhalten, was nach westlicher Interpretation schon als Zusage gewertet wurde, aber immerhin würde beides (Anleihekäufe+Investitionen) zusammen den Griechen schon helfen.

Denn die Griechen brauchen ja nicht nur Geld (und Sparprogramme), sondern auch Produkte und Dienstleistungen, die sie ins Ausland exportieren können. Die griechischen Schulden sind am Ende nur das Ergebnis von jahrelangen hohen Handelsbilanzdefiziten. Alle fiskalische Sanierungsmaßnahmen nützen langfristig nur wenig, wenn nicht auch die Handels- und Dienstleistungsbilanzen wieder ins Lot kommen.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich das im Fall von Griechenland weiterhin für schwierig halte. Wenn man Griechenland und Irland vergleicht, gewinnt Irland (trotz der Monsterlöcher im Bankensektor) bei den Basisdaten deutlich (siehe WARUM IRLAND NICHT GRIECHENLAND IST).

Es wird relativ spannend werden, wenn Griechenland sein Handelsbilanz vorlegt. Mal schauen, wie sich diese Zahlen verändert haben und ob man darin eine Trendwende zum Besseren erkennen kann.

Kommentare :

  1. Die Rolle von China ist schon lustig. Und die der EU in dem Spiel auch.

    Die USA brechen bald einen Handelskrieg mit China vom Zaun, wenn China nicht aufhört Dollars (in Form von Staatsanleihen) zu kaufen. Aber den Europäern verkauft China das die Bondkäufe noch als Freundschaftsdienst und Nächstenliebe. Und keinesfalls einen Versuch die eigenen Währung gegenüber dem Euro abzuwerten.

    Naja, uns soll es recht sein solange die Griechen und ok diese nicht als Aufforderung zum Geldausgeben verstehen. Aber so wie ich das verstanden habe, waren die "Hilfen" aber (zumindest gedanklich) gekoppelt an Aufträge an chinesische Werften in Höhe von ein paar Milliarden. Und das wäre genau das Ding, das bei den Amis in den letzten paar Jahren so grandios gescheitert ist: In China kaufen und anschreiben lassen.

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  2. Ach, die Schiffe sollen aus China kommen? Huch, hatte ich genau andersherum verstanden. Dann bleibt für Griechenland nur Logistik? China baut Häfen und Eisenbahn aus und bekommt dafür Anteile?

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