Zahl des Tages (05.10.10): 44.000.000.000

Eigentlich wollte ich an dieser Steller auf die heutigen Entscheidungen der japanischen Notenbank hinweisen und damit auf das aktuell interessanteste Thema eingehen. Eine sich androhende Abwärtsspirale bei den Devisen. Denn im Moment spielt die Musik an den Devisenmärkten, die Aktienmärkte sind dagegen lahme Enten ...

Na gut, ich schreibe doch noch was zu dem Thema, auch wenn ich sowohl bei der FTD einen guten Artikel, bei Creditwritedowns sogar einen hervorragenden zu diesem Thema gefunden habe und ich mir eigentlich die Mühe sparen kann ...

Was ist heute passiert? Die japanische Notenbank hat den Leitzins von 0,1 auf 0,0 bis 0,1% gesenkt. Das muss man genau lesen, um überhaupt eine Änderung zu sehen, und wirkt nicht nur ziemlich sinnlos, sondern das ist es auch. Daher wurde - um überhaupt irgendwas zu bewirken - auch gleichzeitig die Notenpresse angeworfen. In Neusprech gesagt, das Programm zum Ankauf von Anleihen ausgedehnt (Quantitative Easing). Im Fall von Japan sollen den Anleihenmärkten

44.000.000.000 (44 Milliarden) Euro

entzogen werden. Dadurch sollen die Kurse der Zinspapiere steigen und wenn sie das tun, sinken die Zinsen. Damit sollen die Japaner zu neuen Krediten ermutigt werden, mit denen Investitionen oder auch schnöder Konsum finanziert wird. (Übrigens kauft die BoJ sogar ETFs, was hämische Betrachter mit der Bemerkung kommentierten, dass man ebay jetzt schließen könne, man solle einfach jeden Mist an die BoJ verkaufen ...)

Allerdings ist die Maßnahme der japanischen Notenbank auch eine Antwort auf die zweite Stufe der Quantitative Easing Programme, die in den USA diskutiert werden. Denn diese dürften entscheidend dazu beigetragen haben, dass der Dollar in den letzten Wochen so schwach war.
Damit kann die Exportnation Japan nicht leben, denn Japan exportiert deutlich mehr in den Dollarraum als Europa (China ist durch die Währungsbindung defakto Teil des Dollarraums).

Natürlich kann die Rechnung nicht aufgehen. Denn wenn alle Währungsblöcke (die EZB macht ja auch QE) gleichzeitig versuchen, ihre Währung mit allen Mitteln nach unten zu treiben, werden alle Währungen weicher und die Gefahr einer Hyperinflation wird immer größer. Diese schließe ich weiterhin nicht aus, sondern sehe nur vorher noch ein Abkippen der Konjunktur. Das könnte dann aber dazu führen, dass die Notenbanken noch stärker auf's Gaspedal steigen als zuvor. Und diese Beschleunigung könnte dann unbeherrschbar werden.

Es ist kein Wunder, dass nur ein paar Währungen stark sind. Zum Beispiel der brasilianische Real, der ja quasi rohstoffgedeckt ist. Die chilenische Währung, die quasi kupfergedeckt ist, dürfte auch äußerst stark sein. Und natürlich die älteste Währung der Welt, Gold. Mit über 1.340 Dollar oder 968 Euro je Feinunze gab es heute wieder 2 Prozent Plus. In Dollar war das ein neues Allzeithoch, in Euro noch nicht ganz (Da liegt das knapp über der 1.000 Euro Marke).

Der "Währungskrieg" wird wohl noch ein paar Wochen spannend bleiben.

FTD: Viel Geld, wenig Bildung

Creditwritedowns: How a financial crisis morphs into a currency war

FT Alphaville: QE wars, Japan edition

Kommentare :

  1. "(Übrigens kauft die BoJ sogar ETFs, was hämische Betrachter"

    Ja?
    Da fehlt doch noch was. Und den nächsten Satz bitte auch noch mal anschauen!

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  2. Huch, da sollte ein Link hin ...

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