Zahl des Tages (15.10.10): 304.000.000.000

Ich hatte ja gestern schon angedroht, dass ich nochmal was zum Thema "Energie" schreiben werde. Da ich in der Vergangenheit viel über die meiner Meinung nach viel zu hohe Einspeisevergütung für Solarstrom geschrieben habe, heute mal eine Zahl zur Gegenseite. Zwar geht es dabei nicht darum, den Ökostrom schön zu rechnen, sondern die Kosten für die CO2-freie Konkurrenz Atomstrom zu beziffern.

Nach Berechnungen von Greenpeace liegen die Subventionen für die Atomenergie seit Beginn der 50er Jahre bei 204 Milliarden Euro. Dazu kommen noch weitere 100 Milliarden, die bis zum Laufzeitenende schon sicher sind. Damit haben wir dann die

304.000.000.000 (304 Milliarden) Euro.

Ich muss gestehen, Greenpeace ist keine gute Quelle für unabhängige Information. Es ist halt eine Lobbyismus-Interessensvertretung. Und ich muss gestehen, die mehr als 150 Seiten habe ich auch nicht durchgelesen. Aber schon beim Scannen der Berechnungen fallen einige Entscheidungen auf, die (ich sage mal vorsichtig) überraschend sind.

Zwei, drei Beispiele:

a) Über weite Teile der 90er Jahre wurde als eine Art Opportunitätskosten der Steuervorteil von Atomstrom gegenüber leichtem Heizöl eingerechnet. Man tut also so, als müsse Atomstrom steuerlich so hoch belastet werden wie Heizöl. Da Atomstrom nicht so belastet wurde, rechnet man das als Subvention für den Atomstrom.
Ich schätze, dass das nicht nur auf mich komisch wirkt. Wollten die Grünen nicht immer eine Steuer auf CO2? Und auch wenn einem Atomstrom nicht passt (wofür ja vor allem die Sicherheitsgründe sprechen), ist der Strom halt doch CO2-frei. Ich halte es daher nicht für plausibel, auf Atomstrom einfach einen Steuervorteil zu Heizöl zu verrechnen.

Die Nummer wird aber noch obskurer, denn wenn ich oben beim Vergleich mit dem Heizöl so getan habe, als wäre das eine CO2 Steuer, muss man hier gar nicht mehr so tun, als wäre das so. Denn Greenpeace verrechnet auch Kosten aus dem Emissionshandel als Subvention auf den Atomstrom. WTF? Warum das denn? Greenpeace legt die kostenlos verteilten CO2-Emissionszertifikate auf den Atomstrom um und nicht auf die Kohle-Öl-Gaskraftwerke? Das macht doch keinen Sinn!

Dagegen wirkt der Punkt, die steuerfreien Rückstellungen für den Abriss der AKWs und die Endlagerung als Subvention aufzufassen, ja noch geradezu logisch. (Auch wenn Rückstellungen steuerfrei sind. Man geht ja davon aus, dass man diese braucht. Und Greenpeace geht sogar davon aus, dass man noch viel mehr braucht, also viel zu wenig zurückgestellt wird.).

b) Die Mitgliedsbeiträge zum CERN werden (scheinbar) zu 100% als Atomstrom-Subvention aufgefasst. Das sind immerhin gut 7 Mrd., bei denen ich mich ernsthaft frage, warum die zu 100% angerechnet werden. Das CERN macht doch nicht nur AKW-Forschung?!?

Greenpeace: Atomstrom - mit 304 Milliarden Euro subventioniert

Update (18.10.10):

Ich habe die ersten beiden Argumente übrigens im Wesentlichen hier gefunden:
http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Seltsame-Argumente/forum-187542/msg-19284774/read/

Kommentare :

  1. Wird das Einspeisevergütungsbashing nicht langsam langweilig???

    Ob die Kalkulation von Greenpeace mit +/-300 Milliarden Euro stimmt, ist völlig belanglos. Der eigentliche Knackpunkt sind die Ewigkeitskosten, sprich Endlagerung. Im Gegensatz zu Zahlen in irgendwelchen Computern - sprich Schulden - aus der Einspeisevergütung wird der strahlende Müll immer noch da sein und reale Probleme verursachen.

    PS: Streiche bitte auch "CO2-freie" vor Konkurrenz. CO2-freie Stromerzeugung über den gesamten Zyklus ist einfach derzeit nicht möglich. Und bis Kernbrennstoff im Meiler liegt, fällt eine Menge CO2 an.

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  2. Laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestages sind es bei Kernkraft 16-23g CO2 pro kwh. Bei Photovoltaik 20-100g.

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  3. @Norbert:

    Wo mache ich "Einspeisevergütungsbashing"?

    Ich stelle sogar die Gegenseite dar ...

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