Zahl des Tages (17.10.10): 3.600.000.000

Ich frage mich ja schon länger, wieso die Gründungen der deutschen Bad Banks (WestLB, Hyporealestate) so unglaublich intransparent gelaufen sind. Die Öffentlichkeit erfährt nicht, was übertragen wurde und auch nicht zu welchen Bewertungen. Für Außenstehende ist es im Moment völlig unmöglich zu beurteilen, ob weitere Lasten drohen und wie hoch diese werden könnten ...

Die Bewertung ist natürlich schwierig. Für viele der Papiere gibt es keine aktuellen Marktpreise. Und heute abzuschätzen, was aus einem Papier wird, in dem (zum Beispiel) ein Haufen irischer Hypotheken verbrieft sind, kann wohl niemand.

Für die Politik, die beschlossen hat eine Bank (aus welchen Gründen auch immer) am Leben zu halten, ist die Versuchung hoch, die Übertragungen der Wertpapiere mit zu hohen Bewertungen durchzuführen. Damit ist die abgebende Bank saniert und der Schrott liegt in der Bad Bank. Die Bilanz dort prüft aber niemand, weil die Bad Bank ja nie jemand kaufen wird und die Bücher ernsthaft und kritisch durchleuchtet. Da poppen dann alle paar Jahre mal ein paar Verluste auf, die man als Politiker (denen es eh nur um Selbstdarstellung geht) immer schön auf Vorgänger abschieben kann. Im besten Fall sogar an die "Konkurrenz. Wie beim aktuellen Fall in NRW ...

Bei der ältesten Ausgründung, also bei der WestLB, gibt es jetzt schon den ersten Ärger. Die EU, die die Gründung der Bad Bank schon vom ersten Tag an sehr genau verfolgt, vermutet nun eine Übertragung an die Bad Bank mit zu hohen Wertansätzen. Im Fall der WestLB hat die EU-Kommission einen Gesamtwert von

3.600.000.000 (3,6 Milliarden) Euro

errechnet.

Die WestLB widerspricht natürlich und behauptet ihrerseits, dass die Bewertungsansätze der EU-Kommission nicht nachvollziehbar seien.
Die Aussage, dass die EU-Kommission Marktpreise angesetzt habe, die es bei der Übertragung nicht gegeben habe, mag ja auf den ersten Blick als beruhigende Antwort gelten. Damit wäre es dann immerhin keine unerlaubte Beihilfe.
Mir wäre es aber deutlich lieber gewesen, wenn die WestLB gesagt hätte, dass es die 3,6 Milliarden gar nicht gibt. Denn ansonsten bedeutet die Aussage ja, dass es die 3,6 Mrd. damals zwar nicht gab, aber sehr wohl heute. (Der Zyniker wird allerdings anmerken, dass so ein paar Milliarden scheinbar ganz schön schnell entstehen können ...)

Die Aussage von WestLB Chef Voigtländer, dass "die Bank die Auslagerung von Bilanzpositionen in einem Volumen von 77 Milliarden Euro völlig transparent gestaltet habe", grenzt aber an einen Witz. Was ist denn daran transparent?

RP-Online: NRW fürchtet weitere Altlasten

(Der Originalartikel bei der WiWo (die das recherchiert hat) gibt so wenig an Kontext, dass ich den jetzt mal absichtlich nicht verlinke. Wollen die keine Links, Abrufe und Leser oder warum erlauben die es, dass die Artikel bei der "abschreibenden" Konkurrenz besser sind?)

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