Zahl des Tages (20.10.10): 47.000.000.000

Ich hatte heute Mittag schon ein Posting aus der Verbriefungskrise in den USA gemacht (leicht irreführender Titel: IG NOBELPREISE VERLIEHEN ...). Da knackt es ja an allen Ecken und Enden. Und zu dem Punkt, dass die Zwangsversteigerungen ausgesetzt wurden, weil der Papierkram unsauber erledigt wurde und die Banken teilweise nicht mehr wissen, in welchem Wertpapier welche Hypothek steckt und welches Haus eigentlich dazugehört, habe ich (leider) immer noch nichts geschrieben (Update: Aus den Kommentaren ein Linktip zu diesem Themenkomplex: FTD: USA im Immobilienstrudel). Eine der ganz schlampigen Banken in dieser Beziehung soll angeblich die Deutsche Bank USA gewesen sein ...

Aber zum Thema. An allen Ecken und Enden bedeutet jetzt nicht der bisher übliche Kleinkram ( LBBW verklagt Goldman Sachs und viele andere Fälle, die dann gegen Zahlung von ein paar Millionen beigelegt werden), sondern diesmal rappelt es im Karton ...

Ein Bankenkonsortium (darunter eine sehr interessante Bank) fordert von der Bank of America die Rücknahme von CDOs im Gesamtwert von

47.000.000.000 (47 Milliarden) Dollar.

Über den Schaden will man gar nicht streiten, man will das Geschäft einfach zurückabwickeln. Ich habe auch keine verlässlichen Schätzungen für die Kosten eines solchen Rückkaufs gefunden, die 80 Milliarden, die genannt werden, scheinen sich auf den gesamten Bankensektor zu beziehen. Was mir aber etwas wenig erscheint, das CDO-Volumen war vielfach höher.

Die Bank of America hat die Papiere übrigens eigentlich nicht zu verantworten (rechtlich natürlich schon), denn ausgelegt wurden die Papiere vom Immobilienfinanzierer Countrywide Financial, den die Bank of America kurz vor der Pleite übernommen hat. Vielleicht sogar auf staatlichen Druck hin übernehmen musste (was dem Fall auch noch etwas zusätzliche Würze geben könnte).

Auf der Klägerseite stehen die zur Allianz gehörende Fondsgesellschaft Pimco (größter Anleihenfonds der Welt), Blackrock (größter Vermögensverwalter der Welt), Metlife (größte Lebensversicherung der USA) und nicht zuletzt die Fed of New York, die die Papiere im Rahmen der diversen Rettungsprogramme kaufen musste.

Das sind schon Schlachschiffe!

Spannend wird es jetzt zu sehen, was daraus wird. Ich habe mich ja schon gewundert, dass man bisher so wenig von Klagen gegen die Verantwortlichen der Immobilienkrise hört (ZAHL DES TAGES (12.10.10): 1.000.000.000). Aber vielleicht warten die Behörden auch einfach ab, was die für das US-Rechtssystem so typischen Schadensersatzklagen bringen, bevor dann strafrechtlich an die Sache herangegangen wird ...

FTD: Fed und Pimco fordern Milliarden von Bank of America

Update (00:02):

Den gesamten Text der Anklage gibt es übrigen hier:

The Big Picture: Full Text of Letter to BofA from NY Fed (Maiden Lane), Freddie Mac, Pimco, Western Asset Mgmt, Neuberger Berman, Kore Advisors

Update (00:08):

Schätzung der Kosten von JP Morgan für den gesamten Bankensektor: Bis zu 120 Mrd. Dollar, Basisszenario 55 Mrd. Dollar ( Morningstar: J.P. Morgan: Banks Could Face $120 Billion In Mortgage 'Put-Back' Costs)

Die Schätzung der RBS liegt aber deutlich niedriger: FT Alphaville: Bondholders vs BofA, continued

Kommentare :

  1. eine ganz nette Geschichte die nicht ganz zu den CDOs passt, aber irgendwie doch. http://www.ftd.de/finanzen/immobilien/:agenda-usa-im-immobilienstrudel/50183626.html

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  2. Das ist ein guter Artikel zu dem Teil, zu dem ich immer noch nichts schreiben konnte ... Dass die Banken nicht nur gierig waren, sondern auch noch schlampig gearbeitet haben und nicht einmal den Papierkram vernünftig erledigt haben ...

    Ich pack den Link mal in den Artikel.

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  3. In diesem Zusammenhang ist übrigens eine Suche nach "robosigning" ganz interessant. Da findet man haarsträubende Geschichten ...

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  4. Hallo egghead,

    hier ( http://www.onpointradio.org/2010/10/foreclosures-housing-recovery ) gibt einen recht guten Audiobeitrag von NPR zu dem Thema. Sehr aufschlussreich auch die Kommentare der Höre auf der verlinkten Seite.

    Yadd

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