Zahl des Tages (24.10.10): 67.500.000

Eine Rekordstrafe musste in der letzten Woche der ehemalige CEO des Immobilienfinanzierers Countrywide Angelo Mozilo bezahlen. Satte

67.500.000 (67,5 Millionen) Euro

beträgt seine Strafe, so hoch wie noch keine Geldstrafe zuvor.

Allerdings bleibt die Frage, ob die Strafe wirklich ausreicht bzw. gerecht ist. Denn Mozilo wusste ziemlich genau, wie schlecht die Qualität der Hypotheken war, die er auf der einen Seite vermittelt und auf der anderen Seite verbrieft hat. Auch die Bank of America, die Countrywide dann kaufte, dürfte sich ein paar Mal erschreckt haben, als nach und nach die Probleme bekannt wurden.

Auch hat die Bank of America jetzt eine ziemlich dicke Klage über 47 Milliarden Dollar am Hals, die im wesentlichen auf die Hypotheken von Countrywide in der Zeit von Mozilo zurückgeht: ZAHL DES TAGES (20.10.10): 47.000.000.000.

Mozilo scheint sich mit der Zahlung jetzt (wenn ich es richtig verstehe) von allen weiteren Vorwürfen freigekauft zu haben. Und dann wirken (wenn wirklich keine weiteren strafrechtlichen Konsequenzen mehr drohen sollten) die 67,5 Millionen doch relativ bescheiden. Ganz unabhängig von seinem Gehalt hat Mozilo über den Verkauf von Countrywide Aktien vor der Krise nämlich etwa

140.000.000 (140 Millionen) Dollar

verdient. Er dürfte also weiterhin nicht am Hungertuch nagen. Und ob die in der außergerichtlichen Einigung so stark betonte Strafe, dass Mozilo kein Amt mehr ausüben darf, einen 71jährigen wirklich trifft, wage ich zu bewzeifeln. Wahrscheinlich lacht sich Mozilo über die Nummer kaputt ...

Marketwatch: Countrywide’s Mozilo settles SEC charges

Und wer sich die ganzen Details mal "reinziehen" will, dem empfehle ich den sehr guten Artikel in der New York Times: How Countrywide Covered the Cracks

Fazit: Einer der Hauptverantwortlichen der Immobilienkrise, die Fantastilliarden vernichtet hat, kauft sich gegen grob geschätzt die Hälfte seines Vermögen komplett frei. Wow. Dass der Staat käuflich ist, war klar, aber dass das so billig wird, hätte ich nicht gedacht ...

Update (25.10.10):

Puh, ich hatte den ganzen Tag gestern Kopfschmerzen und dann habe ich am Ende vergessen, den Aufhänger für die Geschichte in den Artikel einzubauen. Mozilo ist nämlich von der Börse Online wegen der Rekordstrafe zum "Verlierer der Woche" gekürt worden.
Da kann man schön sehen, wie leicht man die Öffentlichkeit täuschen kann. Denn angesichts der Strafe, die ich dem Armen verpasst hätte und die er auch sicherlich verdient hätte, hätte Mozilo einen anderen Titel verdient. "Gewinner der Woche" passt sicherlich nicht so ganz, aber "Glücksschwein der Woche" wäre vielleicht passend. Oder was meint ihr?

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