Zahl des Tages (27.10.10): 10,39

Da wollte ich schon länger mal was über die Entspannung bei den griechischen und irischen Staatsanleihen schreiben (einen Tweet müsst es aber gegeben haben), da hat sich das Thema innerhalb von zwei Tagen erledigt.

Nachdem es gestern mit der Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihen schon 30 Basispunkte nach oben ging, kamen heute nochmal 73 Basispunkte drauf. Die Rendite stieg wieder über die 10-Prozent-Marke und erreicht

10,39%.

So dramatisch ist der Stand aber noch nicht. Es ist zwar der höchste Wert seit etwa einem Monat, vor 6 Wochen lag der Zins aber nochmal 120 Basispunkte höher.

Auslöser für den Schwächeanfall war die Aussage des griechischen Finanzministers, der sich auch ein Minus des 2011er-BIPs in Griechenland um 2,5 bis 3,0% vorstellen kann. Was eigentlich wenig dramatisch ist, denn offiziell wird mit minus 2,6% geplant. Logisch, dass dann auch die Steuereinnahmen etwas niedriger ausfallen und das Haushaltsdefizit etwas größer wird.

Man kann aber glaube nicht besser zeigen, wie unglaublich nervös die Märkte bei Ländern wie Griechenland oder Irland sind ... Minimalste Abweichungen reichen aus, um in zwei Tagen die Kursgewinne eines Monats verdampfen zu lassen.

FT Alphaville: Checking in on the Hellenic Patient [updated]

Update (28.10.10):

Noch ein Artikel zum Thema bei Bloomberg, den ich gestern Abend nicht wiedergefunden habe, der sich schon allein wegen des Zitats über den Zustand des griechischen Steuersystems lohnt:

“We are pretending collectively as a country to have a tax system,” Papaconstantinou said. “We don’t.” 

Bloomberg: Greek Bonds Tumble as Government Says Tax Revenue Falling Short

Kommentare :

  1. OT: Hab gerade versucht, Office 2010 über Amazon zu kaufen und Dich als Partner anzugeben. Dabei habe ich einfach versucht, Deinen Tag an die Webadresse zu hängen (so: http://www.amazon.de/dp/B0017863PA/tag=egghat-21 ). Keine Ahnung ob es geklappt hat.

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  2. Das Problem ist sicher auch, dass die Märkte Daten von offizieller kriechischer Seite mittlerweile als Märchen auffassen und die dann vorsichtshalber immer gleich mit Faktor X multiplizieren.

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  3. @Anonym:

    Der Link zum Einkaufen ist doch auf der Website irgendwo in der rechten Spalte und eigentlich auch hinter jedem Artikel (und auch im RSS-Feed).

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  4. @Usedomspotter:

    Komischerweise hat die Erhöhung des Defizits von 13,x auf 15,x keine Auswirkung gehabt,

    Was aber wahrscheinlich daran liegt, dass das eine Zahl war, die die Vergangenheit betrifft. Jetzt geht es ja ums Minus 2011.

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  5. Ich vermisse übrigens ein schlüssiges Konzept, wie Griechenland je wieder aus diesem Schlamassel raus kommen will.

    Die griechische Wirtschaft ist im letzten Quartal zum 7. mal in folge mit um 3% geschrumpft. Zwischen Januar und Juli sank die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 %. Wenn man den Durchschnitt der vergangenen 12 Monate betrachtet, ist der Verlust mit 20 % sogar noch viel größer.

    Die Import- und Exportzahlen zahlen liefern auch ein düsteres Bild. So ist der Import im Juli um gut 30 % gegenüber dem Vorjahr zurück gegangen. Beim 12-Monats-Durchschnitt liegt der Wert bei -19,8 %. Bei den Exporten gab es zwar einen Mini-Zuwachs von 0,03 % im Vergleich zum Vorjahr, doch im 12-Monats-Durchschnitt ist auch der Export immerhin um knapp 7 % gesunken.

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  6. @m106

    Das Spannende an der Sache ist eigentlich die Wirkung/die Konsequenz des EURO. Hätten die Griechen noch ihre Drachme würde ich sagen, wir sehen hier eine Weimarer Republik II unter einem Kabinett Brüning II.

    Meiner Meinung nach hängt das Schicksal Griechenlands von der Entwicklung Irland/Spanien/Portugal ab. Wenn diese Länder ihr Schiff aus eigener Kraft ober Wasser halten können, wird man Grichenland politisch nicht fallen lassen können um das Projekt EURO/EU(?) nicht zu gefährden. Brauchen Irland/Spanien/Portugal auch Hilfe, dann wird man die Griechen abschreiben mit "erzwungenem" Austritt aus der Währungsunion und dem darauf unweigerlich folgenden Staatsbankrott.

    lg - urriegel

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  7. @m106:

    Konzept? Sei nicht so anspruchsvoll ;-)

    ABER: Eines der großen Probleme Griechenlands ist eine stark negative Handelsbilanz. Wenn jetzt die Exporte stabil bleiben und die Importe massiv sinken, ist das der gewünschte Effekt! Nur wenn Griechenland da wieder ins Lot kommt, lässt sich das Ruder herumreissen.

    Btw: Wo hast du die Zahlen her? Würde ich vielleicht mal was drüber schreiben, habe aber bei der Eurostat nichts gefunden (obwohl da bestimmt irgendwo was ist).

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  8. @anonym (vom ganz von Anfang): Es ist gestern ein 549 Euro Office Paket über den Link gekauft worden. Wenn da deins war, hat's geklappt.

    Danke.

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  9. @urriegel:

    Mit einer Währungsabwertung hätte es Griechenland einfacher, wieder einen Exportüberschuss zu erwirtschaften. Allerdings hat Griechenland auch extrem hohe Auslandsschulden (also nicht nur absolut, sondern eben auch überwiegend im Ausland). Daher wäre die Abwertung auch kontraproduktiv, weil die Bedienung der Schulden dann teurer würde. Welcher der beiden Effekte wichtiger ist, kann wohl niemand wirklich beurteilen.

    Ich neige dazu, davon auszugehen, dass eine Abwertung einer (theoretischen) griechischen Währung nicht helfen würde, weil die Auslandsschulden bereits zu hoch sind.

    Die Griechen hätten ohne Hilfe keine Chance. Das steht fest. Dank der niedrigen Zinsen der EU können sie u.U. die Wende schaffen, aber sicher ist das lange noch nicht. Ansonsten würde ich auch nicht ausschließen, dass die EU über die Förderprogramme nochmal richtig viel Geld nach Griechenland schickt. Die Iren haben auch vor 15, 20 Jahren bis zu 4% ihres BIPs aus Brüssel bekommen. Warum nicht nochmal für Griechenland?

    Da könnte dann, alles zusammengenommen (Sparmaßnahmen, niedrige Zinsen, Wirtschaftshilfe) durchaus ein Land herauskommen, das einen Haushaltsüberschuss hat und damit Schulden zurückführen kann. So super wahrscheinlich ist das allerdings nicht ... (und nachhaltig natürlich auch nicht, weil ohne die Hilfen der Haushalt schnell wieder wegknicken würde. Anders gesagt: Wenn man sich einredet, man könne Griechenland in 5 Jahren (oder gar 3 wie bei den Zinshilfen angenommen wurde) sanieren: Forget it. Bis man die Staatsverschuldung wieder auf 80-100% runter hat, vergehen eher 2 Jahrzehnte).

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