Bank Run am 7.12. - Jetzt mache ich mit!

Wenn der Gott aller Götter das sagt? Der Meister der gepflegten Fußballspiels und Kung-Fu-Tritts? Oder war vielleicht die Pressekonferenz mit den Möwen und dem Trawler nachher noch wichtiger für die Legendenbildung?

Egal. Der inzwischen zum Schauspieler umgeschulte Eric Cantona unterstützt jetzt auch die (mMn wirre) Idee eines koordinierten Bank Runs am 7.12.2010. Ich habe darüber vor etwa eineinhalb Monaten geschrieben: FRANZOSEN WOLLEN KOORDINIERTEN BANKRUN STARTEN .... Da dieser Artikel immerhin 18 Kommentare bekommen hat, bringe ich das jetzt auch nochmal, scheinbar interessiert das Thema ja.

Wie sagt der alte Revolutionär Eric Cantona:

"The system is built on the power of the banks. So it must be destroyed through the banks."

Und ich kann ja auch sehr gut verstehen, dass die Leute sauer auf die Banken sind. Diese sind für einen großen Teil der Krise verantwortlich (Politik und Verbraucher sind natürlich auch nicht komplett unschuldig) und verschlingen jetzt viel Geld. In einigen Ländern sogar so viel, dass sie das ganze Land an die Schwelle zur Insolvenz treiben (siehe u.a. hier ZAHL DES TAGES (21.11.10): 63.000.000.000).

Nur glaube ich nicht, dass ein Sturz der Banken das Problem aus der Welt schafft. Vor allem nicht, wenn droht, dass die Banken unkontrolliert zusammenbrechen. Denn dann würden die Banken doch wieder vom Staat gerettet werden. Dabei wird nur jede Menge Geld sinnlos vernichtet. (NB: Ich glaube allerdings auch nicht, dass die Aktion spürbare Auswirkungen haben wird).

Hilfreicher wäre es, wenn sich die Banken wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren würden. Und wenn dieses mit Rücksicht auf Umwelt und Moral betrieben würde. Und daher wäre der 7.12. ein guter Tag, um z.B. bei der GLS-Bank ein Konto zu eröffnen. Abheben kann man das Geld ja auch schon vorher oder nachher. Und dann das Konto kündigen und die Ex-Bank auch darauf hinweisen, dass man aus bestimmten Gründen jetzt bei der GLS-Bank ist und nicht mehr bei einer wild rumzockenden Großbank. Das muss man aber nicht gleichzeitig machen.

Guardian: Eric Cantona's call for bank protest sparks online campaign

Die Aktion hat inzwischen eine neue Internet-Adresse: http://www.bankrun2010.com/

Die Gelegenheit nutze ich natürlich direkt, um auf einen der besten Fußball-Songs aller Zeiten hinzuweisen:

Amazon: Superpunk - Eric Cantona Stomp

Im Übrigen ein gaaaaanz besonderer Dank geht an den Fleissigen, der den Text für die Nachwelt festgehalten hat: Lyrics

Danke an Stephan für den Hinweis

Update (26.11.10):

So langsam spricht sich die Story ja rum. Ich gebe ihr trotzdem kaum Chancen, aber bekannt geworden ist die Aktion trotzdem ... Der PR-Effekt eines ehemaligen Fußballers ist scheinbar ganz schön groß ...

Tagesschau: Aufruf zum "Bankrun"-Tag in Frankreich - Die Rache am Geldautomaten

Update (30.11.10):

Was potenziell gefährlicher sein könnte für die Banken:

WIKILEAKS SCHIESST AUF DIE BANKEN

Kommentare :

  1. egghat würdest du bitte erklären was der Unterschied aus deiner Sicht der "institutionellen" Banking Runs in letzter Zeit (GR, Irland oder "captial flows" von/zu Schwellenländern) zu diesen Banking Runs von Endkunden ist?

    Zumindest ließt man teilweise von anderen Ausgangspunkten und haben nicht größere/einflussreichere Institutionen in Normallfall wahrscheinlich einen entscheidenden Informationsvorsprung?


    Hast du Zahlen im Kopf oder sogar parat wie mittlerweile die Geldverteilung bei Banken aussieht - sprich wie viel bei Banken jeweils von Konzernen, sehr reichen Leuten, Großinvestoren im Vergleich zu mittleren und kleinen Firmen, und nicht reichen Personen "liegt".

    Mir kommen die Aussagen immer sehr leicht zu vereinfacht und zu wenig hinterfragt vor.
    Klar ist man davon abhängig Informationen überhaupt dazu zu haben oder zu bekommen.
    Dennoch kann man doch wohl annehmen, dass Großbanken und besonders "ex" Investmentbanken andere Kunden(verteilung) haben. Und es je Land wieder anders aussieht.


    Ich kann mich erinnern in der NYT gelesen zu haben, dass in den USA bei den größten zehn Instituten über 50% (wenn nicht sogar deutlich mehr) der Vermögen konzentriert sind.

    (hab jetzt nur das gefunden: United States' Largest Banks assets: http://www.infoplease.com/ipa/A0763206.html)


    Mit anderen Worten nur wenn sich die Schwergewichte "bewegen", wird es jeweils spannend?

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  2. Nein, habe keine Zahlen. Das ist auch von Bank zu Bank unterschiedlich. In Deutschland refinanzieren sich viele Sparkassen und genossenschaftliche Institute komplett über Spareinlagen.

    Sich die Zahlen anzuschauen, ist übrigens vergebene Liebesmühe. Ob die Anleger groß oder klein sind, bekommt man so einfach nicht heraus und vor allem steckt darin für die Abschätzung eines Bankruns keine Information. Denn kleine Anleger sind zwar oft konservativer als die großen, aber manchmal werden auch die nervös.

    Und die Nervösität ist es, die zu einem Bankrun auch gehören muss. Denn wenn jetzt 100.000 Kleinanleger zu Bank rennen, werden die ausgezahlt. Probleme bekommt die Bank erst, wenn die restlichen Kunden auch nervös werden und anfangen ihr Geld abzuziehen. Und ich glaube nicht, dass Bankrun2010 diese Nervösität auslösen kann. Die Banken werden sich etwas mehr Bares auf Halde legen und aus.

    Zumindest gilt das für die Länder, in denen die Staatsgarantien noch was gelten. In Irland sieht das anders aus ...

    Aber zusammenfassend: Über Bankruns zu spekulieren ist müßig. Die Datenbasis ist so dünn, dass das immer im Bereich der "spekulativen Spekulation" ;-) bleibt. Das ist ja auch Absicht, das Thema wird von den Massenmedien auf totgeschwiegen ...

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  3. Bankrun - in der momentanen Situation - ist mMn tatsaechlich Quark. Eine Trennung Geschaeftsbanken vs. Investmentbanken mit entsprechenden Regeln duerfte weitaus sinnvoller sein (aber die Politik will ja nicht). Wenn eine IB Pleite ginge, so what "Gamblers deserve to die" und die GB machen weiter wie gehabt. War ja mal so....

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  4. @devnull:

    Die Trennung scheint mir in der Tat eines der erfolgversprechensten Mittel zu sein. Der gute Volcker hat das ja auch vorgeschlagen, aber nicht politisch durchsetzen können.

    Ich erwarte davon auch nicht zu viel und erinnere an den LTCM Hedgefonds, der mit Milliarden gerettet wurde. Und das war nicht einmal eine Investmentbank!

    Auch liegen große Teile der Problemkredite sogar ein halbstaatlichen Banken (Fannie und Freddie) und auch daran hätte ein Trennbankensystem wohl nichts geändert.

    Das beste an dem altem System in den USA war, dass die Investmentbanken bis vor ein paar Jahren einen maximalen Hebel von 12,5 (=8% Eigenkapital) hatten. Damit waren die IB deutlich besser mit Kapital ausgestattet als die normalen Banken (was angesichts des Risikos auch richtig ist). Der Risikopuffer war entsprechend hoch.

    Leider hat die Politik das unter massivem Lobbying aufgegeben und dann haben die IB ihre Hebel verdoppelt und verdreifacht ...

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