China will Inflation mit Preiskontrollen bekämpfen

Gerade kurz einen interessanten Datenpunkt ergoogelt, den ich erst zu einem kurzem Tumleposting verwurschten wollte. Aber dann habe ich doch noch zwei weitere passende Nachrichten eingebaut, daher etwas länger und folgerichtig hier.

Die Chinesen versuchen inzwischen geradezu verzweifelt ihre heißlaufende Konjunktur abzukühlen. Zwar sind die Wachstumsraten schon zurückgegangen und nun wieder einstellig, allerdings hat sich die Inflation noch nicht beruhigt, im Gegenteil: in der letzten Woche wurde für den Oktober ein Verbraucherpreisanstieg von 4,4% gemeldet. Das ist deutlich mehr als von der chinesischen Regierung erwünscht (Steigende Verbraucherpreise: Inflation beutelt Chinas arme Massen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft).

Der Grund dahinter ist einfach: China erstickt in Geld. Über den Exportüberschuss strömt jeden Monat neues Geld ins Land und raus kommt es nicht so einfach wieder (die Chinesen dürfen nicht einfach im Ausland investieren). In China gibt es somit immer mehr Geld.
Befeuert wird die so schon steigende Geldmenge durch weiterhin kräftige steigende Kreditvolumina. Die Geldmenge M2 lag im Oktober 2010 um 19,3% über dem Vorjahresmonat. Die Geldmenge wächst also mehr als doppelt so stark wie die Wirtschaft. Das ist viel!

China October New Lending 587.7 Billion Yuan, Central Bank Says - Bloomberg.com

Der klassische Mechanismus der diese - in China außergewöhnlich große - Lücke schließt, heißt Inflation. Tjoah, da wünsche ich den Chinesen viel Erfolg mit Preiskontrollen.




Wobei ich nicht einmal ausschließe, dass diese funktionieren (was konkret heißt, die Preissteigerung bei Lebensmitteln begrenzt). Allerdings kann sich Inflation vielfältig äußern: Es können neben Lebensmitteln ja auch Immobilien oder Aktien steigen. Und solange die Immobilien oder die Aktien teurer werden, sind auch erst einmal alle glücklich. So wie 2006, 2007 oder 2008 in den USA. Bis die Blase platzt und dann alle jammern. Steigende Vermögenspreise sind auch nichts anderes als Inflation, nur halt eine, die erst einmal ein paar Jahre glücklich macht. Aber je länger die Party, desto schlimmer der Kater.

Die Börsen geben bereits kräftig nach, weil die Börsianer weitere Bremsmanöver der chinesischen Regierung und der Notenbank erwarten. Es gab ja bereits Leitzinserhöhungen, eine Erhöhung der Mindestreservepflicht (Banken müssen mehr Geld bei der Notenbank hinterlegen, was logischerweise nicht mehr verliehen werden kann, also das Volumen der vergebenen Kredite senkt (wovon allerdings noch nichts zu spüren ist, siehe M2)) und mehrfach verschärfte Kreditvergabebedingungen für den Immobilienkauf (Nur der Kauf der ersten Wohnung darf weiterhin mit 20% Eigenkapital erfolgen, der zweite muss mit 40%, alle weiteren sogar mit 100% Eigenkapital erfolgen).
Genutzt hat das alles noch nichts und jetzt zittern die Börsianer vor den nächsten Schritten, die ungleich härter ausfallen könnten. Am Tag der Inflationszahlen in der letzten Woche sackte die chinesische Börse um 5% nach unten, heute kamen nochmal 4% Minus dazu.

Vielleicht lassen sich die Chinesen doch noch davon überzeugen, dass sie ihren Exportüberschuss abbauen müssen. Am elegantesten ginge das mMn über eine steigende chinesische Währung, was gleichzeitig den Vorteil hätte, dass dadurch Importe billiger würden, was die Inflation senken würde. Überschätzen würde ich den Effekt der Importpreise nicht (der Großteil der Inflation dürfte auf steigende Löhne zurückgehen), aber ganz unwichtig ist er auch nicht.

Kommentare :

  1. Ich frage mich wie das weiter die Rohstoffpreise schiebt. Die Minen-Einkauftour geht weiter…

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  2. In Bulgarien gab es etwas ähnliches nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Das Resultat war, dass die Regale in den Läden leer waren, weil die Hersteller durch die vorgeschriebenen Preise nur Verlust machten und dann lieber gar nichts verkauften.

    Als Lösung hat man die Preise dann wieder freigegeben und es gab eine Hyperinflation. Die Regale waren wieder voll, aber keiner konnte sich die Produkte leisten.

    Das ist jedenfalls das, was mir meine Frau erzählt hat.

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  3. Dass das keinen Einfluss auf die Minenkäufe haben wird, sehe ich ähnlich. Solch strategische Investments sind von ein paar Prozent im Wechselkurs oder einer leicht sinkenden Nachfrage unabhängig. Die Minenkäufe sind Politik mit Sichtweite einiger Jahrzehnte ...

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  4. @anonym2:

    Sehe ich ähnlich. Die Preise steigen ja auch, weil die Löhne steigen (was politisch gewollt war). Wenn man jetzt die Preise einfach festsetzt, sitzen die Bauern auf steigenden Löhne für ihre Arbeiter und ihren Dünger und können am anderen Ende die Preise nicht erhöhen. Dann gehen sie alle Pleite. Toll ...

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