Weltbank-Chef denkt über neues Währungssystem inkl. Goldstandard nach

Wow! Auch wenn es kaum mehr als ein Linktipp ist, hebe ich das mal in mein Hauptblog. Zu wichtig finde ich diese Nachricht. Selbst wenn sie bei der Financial Times hinter einer Registration-Mauer hängt. Aber zum Glück findet sich die Nachricht auch in der FAZ, die dafür einen schönen eingehenden Link bekommt ...

Der Chef der Weltbank, Robert Zoellick, möchte eine Diskussion über ein neues Weltwährungssystem anstoßen. Dabei schlägt er einen Währungskorb vor, der Dollar, Euro, Yen, Pfund, Yuan und eventuell auch Gold enthalten soll. Die beiden Anteile Yuan (chinesische Währung) und Gold sind neu, der Rest ist im Prinzip der alte Währungskorb, der den Sonderziehungsrechten des IWF entspricht (Dollar 44%,  Euro 34%, Pfund und Yen jeweils 11%).

Analysten geben dem Plan (laut FAZ) cor allem kurzfristig relativ wenig Chancen, ich würde aber nicht die Chinesen unterschätzen, die schon seit Längerem versuchen, dem Dollar die Rolle als Weltleitwährung abspenstig zu machen.  Es ist nämlich kein Zufall, dass China seit einiger Zeit die Rolle der Weltbank stärkt und speziell die Rolle der Sonderziehungsrechte betont (siehe die beiden Links aus meinem Blog unten). Meiner Meinung nach ist auch die Stärkung des Golds in China  auf privater Ebene (Goldbesitz früher verboten, heute sogar gefördert) und bei der Notenbank (seit Jahren klar auf der Käuferseite) eine weitere vorbereitende Maßnahme bei der Abkehr vom US-Dollar.

China schlägt damit direkt zwei Fliegen auf einen Schlag: Erstens werden die eigenen Devisenreserven, die noch immer stark dollarlastig sind, diversifiziert und zweitens schwächt man die Macht der USA, die über den Status als Weltleitwährung seit Jahrzehnten Kredite zu niedrigeren Zinsen aufnehmen kann als der Rest der Welt.

Es bekommt schließlich nur ein Land der Welt mit einer Weichwährung (und das ist der US-Dollar!) Geld zu solch niedrigen Zinsen. Und sobald die US klamm sind, werten sie ihre Währung ab und zahlen dem Ausland defakto nur einen Teil ihrer Schulden zurück. Es gibt zwar 100 Dollar wie vereinbart, aber nach 10 Jahren ist das (in Euro und Kaufkraft) teilweise nur noch die Hälfte wert. Die Weichwährungsländer in Südeuropa haben das zwar im Prinzip genauso gemacht, nur haben die für ihren dauernden Abwertungen auch zweistellige Zinsen bezahlen müssen. Die USA (also einziges Land der Welt) aber nicht.

Ich frage mich immer, wer den USA zu solchen Niedrigzinsen Geld leiht. Mit diesem Investment dürfte dank der permanenten Dollarabwertungen inn den letzten Jahren doch kaum ein Auslandsinvestor glücklich geworden sein.

FAZ: Weltbank-Chef fordert Debatte über neuen Gold-Standard

(Wer bei der FT einen Account hat: FT: Zoellick seeks gold standard debate)

Zur der Diskussion, die ich hier schon seit längerer Zeit verfolge, siehe auch:

ZAHL DES TAGES (03.09.09): 50.000.000.000
KURZER LESEHINWEIS ZUM MÖGLICHEN ENDE DES DOLLAR

Kommentare :

  1. Neues Geld System scheint ja gerade populär zu sein... laut
    naked-capitalism will Sarkosy gerade auch sowas:

    "UPDATE: Sarkozy Urges New Monetary System After China Talks Dow Jones (hat tip reader Swedish Lex). I have no doubt Sarkozy is serious, but I wonder whether the Zoellick op ed in the Financial Times, with his mention of gold towards the end getting all the headlines, is more intended to discomfit Team Obama than anything else (not saying that I approve of QE, but Zoellick is a Bush appointee and has been pretty low profile till now)."

    http://www.nasdaq.com/aspx/stock-market-news-story.aspx?storyid=201011051715dowjonesdjonline000642&title=update-sarkozy-urges-new-monetary-system-after-china-talks

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  2. Aber aber! Du fragst Dich wer den USA zu diesen Niedrigzinsen Geld leiht?
    Es ist -bald- die FED.

    Das wird ausführlich in diesem interessanten Wirtschaftsblog erkärt:
    http://egghat.blogspot.com/2010/10/wer-halt-die-meisten-us-anleihen-china.html

    (Und die URL kann man zur Not auch noch von Hand tippen!)

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  3. Gemeint war natürlich, daß die FED bald der größte Gläubiger ist!

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  4. @horst_m:

    Gar nicht schlecht das Blog. Muss ich mal abonnieren.

    Dass die Fed inzwischen fast das gesamte Angebot kauft, hatte ich nicht vergessen. Die Aussage bezog sich eher auf die Vergangenheit. Wer leiht diesem Weichwährungsland (das ist ja keine ganz neue Tatsache) schon seit 2 Jahrzehnten Geld zu Niedrigzinsen?

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  5. @anonym:

    Dass die Franzosen am allerliebsten eine Weichwährung hätten (oder für alle die gleiche), wissen wir ja schon länger. Es war ja (ziemlich untergegangene Meldung) eine der Bedingungen für die Zustimmung zur deutschen Einheit, dass die Deutschen die Mark aufgeben. Damit sie für immer den Wettbewerbsvorteil D-Mark verlieren.

    Gut, die Nummer ist für die Franzosen nicht aufgegangen. Es gab wohl doch noch ein paar andere Gründe warum die deutsche Wettbewerbsfähigkeit so viel höher als die französische ...

    Die Überlegung, dass Zoellick das nur sagt, um Obama abzugrätschen, finde ich ganz interessant. Da könnte durchaus was dran sein. Ich halte aber den wachsenden Einfluss Chinas auf die Weltbank für den langfristig deutlich spannenderen Aspekt. Die Finanzierung der Weltbank durch China und der dadurch wachsende Einfluss Chinas gibt den Chinesen einen ziemlich geilen Hebel z.B. auf die wackelnden Staaten (Griechenland, Island, Ungarn, ...), der diese wohlgesonnen macht, bessere Wirtschaftsbeziehungen ermöglicht und am Ende nicht einmal viel kostet. Die meisten Länder zahlen die Gelder an den IWF ja zurück.

    Das ist ziemlich viel Einfluss für ziemlich wenig Geld! Cleverer Zug Chinas!

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  6. Zoellick ist ja nicht irgendwer, der sich über die Wiedereinführung eines wie auch immer gearteten (Teil-) Goldstandards auslässt. Bislang hielt ich solche Überlegungen für Fantastereien abseitiger Randgruppen. Dass man in den höchsten Kreisen der globalen Entscheider über das 'Undenkbare' zumindest nachdenkt und dies auch kund tut, finde ich außerordentlich bemerkenswert. Wie weit dahinter einfach nur taktische Spielchen stecken, lass ich mal dahingestellt.
    Für die privaten Goldbesitzer könnte es aber sehr ungemütlich werden. Goldbesitzverbot, Konfiszierung und Zwangsablieferung lassen grüßen.

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  7. Exakt!

    *Äusserst* bemerkenswert.

    Ich rechne auch nicht mit einer Realisierung, vor allem nicht kurzfristig, ich sehe aber ein hohes Interesse der Chinesen, die schärfste Waffe der USA, den Dollar, stumpf zu kriegen.

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  8. Goldstandard ist in der Überschrift übrigens eigentlich falsch. Es geht wohl eher um einen Goldanteil im Währungskorb. Aber selbst das ist deutliche Aufwertung von Gold, das ja immer noch von vielen als zinsloses=sinnloses Investment gesehen wird.

    Einen wirklichen Goldstandard kann es eigentlich auch gar nicht mehr geben. Die Mengen Geld, die seit der Aufgabe des Goldstandards gedruckt wurden, sind so viel größer als die geförderte Menge Gold, dass wir irgendwo bei 6.000 Dollar je Feinunze Gold landen würde.

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  9. gibt ja auch noch Silber :-]

    Gold ist seit heute Spätnachmittag nochmal stark nach oben geschnellt, mit 1410 USD ein neues ATH. In Euro sind wir bei 1013 wohl auch nahe dran oder sogar drüber.

    War übrigens am Samstag in München auf der Edelmetall- und Rohstoffmesse. Ich war platt. Die Halle war rappelvoll. Grob geschätzt an die 100 Aussteller, wovon allerdings nur 10 Stände Edelmetall verkauften. Die waren stark umlagert, während der Rest (irgendwelche komischen Explorer und Werbefuzzis) sich langweilten. Bei den Vorträgen von Hankel, Böhringer und Bandulet ging es zu wie bei der Erstsemestereinführung der BWLer. Ich war wirklich stark beeindruckt wegen der Menge an Leuten und vor allem weil im Publikum ungewöhnlich viele Leute im Studentenalter waren.

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  10. "Ich frage mich immer, wer den USA zu solchen Niedrigzinsen Geld leiht. "

    Einfach aus Notwendigkeit heraus. Um die eigene Wirtschaft nicht zu "schwächen". Imo nicht zufällig liegt ja ein sehr großer Teil der Anleihen in China und Japan.

    Japan liegt imo auf der Hand: die werden als "Gegenleistung" für den Export angenommen. Ohne den Export würde es binnenwirtschaftlich (Deflation) nämlich ziemlich mau aussehen.

    China hat die Anleihen angenommen, um durch die Exporte die eigene Wirtschaft aufzubauen (Stichwort "Werkbank der Welt..."). Ohne diese Exporte (durch die "Billigprodukte" -> was aber langsam halt nun auch nicht mehr soooo ganz stimmt) wäre imo das "Wunder China" wohl so nicht drin gewesen.
    Es ist imo kein Zufall, dass China seit einiger Zeit (nämlich seit der Finanzkrise...) anders auftritt. Scheinbar ist man mittlerweile so weit, dass man sich mehr vom Export abwenden kann und eher auf die Binnennachfrage setzen kann. Nicht umsonst wird ja auf China als eine derzeitige "Lok" der Weltwirtschaft verwiesen.

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