Zahl des Tages (01.11.10): 7,10

Man verzeihe dieses eventuell etwas langweiliges Posting, aber hier war heute Feiertag in Kombination mit Kindergeburtstag. Kurz: Eigentlich war an Arbeit nicht zu denken ...

Daher sind möglicherweise ein paar spannende Zahlen des Tages an mir vorbei geflogen, die den Platz mehr verdient hätten als diese Zahl, aber ich habe halt nichts Besseres gefunden. Und außerdem kam die Zahl zumindest in meinen deutschsprachigen RSS-Feeds nicht, so dass die nicht allzubreit bekannt sein dürfte. Es geht (mal wieder, yawn) um die Renditen eines der Schweine, also der PIGS-Staaten, bei denen das I früher mal für Italien stand, aber heute eher für Irland steht.

Es gab am vergangenen Wochenende ein Interview in Griechenland, in dem ein Regierungsmitglied gesagt hat, dass man eine Restrukturierung der Schulden nicht grundsätzlich ausschließen sollte. Solche Aussagen machen die Märkte natürlich nervös und auf die in der letzten Woche wieder über 10% gestiegenen Rendite gab es einen erneuten Aufschlag von 14 Basispunkten, womit sich die Rendite für die zehnjährigen griechischen Staatsanleihen schon wieder auf 10,7% beläuft.

Beim Blick auf meine Watchlist sah ich aber auch direkt, dass der Anstieg der irischen Renditen noch kräftiger war. Dort ging es 18 Basispunkte nach oben, wodurch 10-jährige irische Staatsanleihen jetzt mit

7,10%

rentieren.

Dabei ist natürlich schon ganz spannend, dass damit die 7-Prozent-Marke übersprungen wurde, noch interessanter allerdings, dass der Wert heute (im Gegensatz zu Griechenland) der höchste in der Krise ist.

So wirklich viele neue Nachrichten gab es nicht und in meinem RSS-Feed kam über die deutschen Ticker keine einzige Nachricht, die diesen Anstieg (immerhin auf ein neues Rekordniveau) erklären konnte. Aber es gibt zum Glück noch FT Alphaville und dort fand ich den entscheidenden Hinweis.

Es gab einen Artikel im Sunday Independent, in dem sich ein Berater der irischen Regierung (passend zu Halloween, haha, lustiger Vogel) Gedanken machte, was eigentlich passieren würde, wenn die Märkte den Sparbemühungen im irischen Haushalt nicht vertrauen würden. Klar: Sie würden die Anleihen nicht mehr kaufen und die Refinanzierung Irlands würde zusammenbrechen. Dann müsste Irland den IWF und/oder die Eurozone zur Hilfe rufen.

Kein schönes Szenario ... Aber es war ja auch Halloween ... Wobei der Grusel ja auch nur ein Fake ist. Und was an diesem Artikel wirklich neu sein soll, ist mir auch unklar. Der Schreiber Colm McCarthy ist auf jeden Fall kein Unbekannter, er fordert schon seit einiger Zeit deutlich kräftigere Sparbemühungen der irischen Regierung. Und was liegt im politischen Geschäft näher, als seine Forderungen mit einer Warnung zu verbinden? Allerdings hat er sicherlich nicht ganz Unrecht, wenn er darauf hinweist, wie abhängig Irland vom Kapitalmarkt ist und auch mit dem Hinweis, dass der Haushalt defakto die einzige Möglichkeit der irischen Regierung ist, um die Anleger von der Ernsthaftigkeit der Sparmaßnahmen zu überzeugen.

Egal, es bleibt spannend. Bei einem Zins von 7,1% muss man sich über die Zahlungsfähigkeit Irlands keine großen Gedanken machen. Sollten die Zinsen auf diesem Niveau bleiben, wird die Zinslast Irland erdrücken. So viel kann die irische Regierung gar nicht sparen, um solch hohen Zinsen zu bezahlen. Da nützt auch mein Argument, der Hinweis auf den Exportüberschuss Irlands, nichts mehr (siehe WARUM IRLAND NICHT GRIECHENLAND IST).

Ebenfalls interessant: Bei Zinsen von 7,1% liegen die Iren weit über dem Zins, den Griechenland für die Hilfskredite aus der Eurozone bezahlen muss. Für diese gilt eine Ausstiegsregel: Jedes Land, das selber am Kapitalmarkt höhere Zinsen zahlen muss als Griechenland, kann seine eigenen Hilfszahlungen einstellen. Basis für diese Regel ist aber nicht der zehnjährige Zins, sondern ein kurzfristigerer und der liegt (noch?) deutlich niedriger. Der zweijährige irische Bond wirft "nur" vier Prozent ab und damit dürfte Irland (noch?) nicht die Möglichkeit des Ausstiegs haben.

Aus dem Ausstieg Irlands könnte übrigens eine Kettenreaktion werden: Denn die übrigen Länder müssen in diesem Fall die Hilfen neu verteilen. Sollte sich ein Land nicht bereit erklären, seinen Anteil zu erhöhen, wäre das möglicherweise das Ende des ganzen Rettungspakets. Das ist zwar unwahrscheinlich, denn der Anteil Irlands ist geradezu winzig, aber zumindest theoretisch bestände diese Möglichkeit.

Independent.ie: in keeping with Halloween, here's a scary one

FT Alphaville: Ireland’s scary scenario (updated)

Für alle, die an den IWF und an Irland glauben, können sich jetzt den ganzen Schmutz auf einen Schlag ins Depot legen. Denn die Deutsche Bank hat tatsächlich den Mut gehabt, einen ETF (also einen börsengehandelten Fonds) aufzulegen, der Anleihen aus den fünf Ländern der Eurozone kauft, die die höchste Rendite bei fünfjährigen Anleihen aufweisen ...

Factsheet: DWS db x-trackers - IBOXX® € SOVEREIGNS EUROZONE YIELD PLUS INDEX ETF - ISIN LU0524480265 (PDF!)

Interessanterweise fehlt dabei allerdings Griechenland, denn dessen Anleihen können sich als Junkbonds nicht mehr qualifizieren. Deshalb bildet Italien mit gut 55% den Schwerpunkt des Fonds und macht den Fonds ein ganzes Stückchen langweiliger. Die wirklich kritischen Länder Irland und Portugal liegen nur bei knapp 5% Depotgewicht, das etwas sicherere Spanien bei gut 21%, die restlichen 14% kommen von Belgien.

Für wen dieses Produkt interessant sein soll, ist mir etwas schleierhaft. Zocker werden sich von diesem Papier kaum angesprochen fühlen. Dafür ist der Anteil der kritischen Länder, wo das erhöhte Risiko auch mit erhöhten Zinsen vergütet wird, zu gering.
Ok, es könnte dann noch ein Produkt aus längst vergangenen Zeiten sein, als man trotz höherer Zinsen bei den PIGS-Ländern kein wirkliches Insolvenzrisiko gesehen hat (was natürlich falsch war). Aber auch die Begründung für den Fonds greift nicht, das Papier ist vom 22. September 2010 ...

Hmmm, würde mich nicht wundern, wenn das einer der ETFs wäre, die schnell wieder vom Markt verschwinden ....

Update (02.11.10):

Passend dazu dieser Tweet von @MarkitNews heute:

"Ireland CDS now at 525bp (+27), a new record. AIB news hasn't helped sentiment in a market nervy from EU restructuring agreement"

http://twitter.com/#!/MarkitNews/status/29460000227

Update 2:

Spiegel: Finanzmärkte spekulieren auf Pleite von Irland

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