Zahl des Tages (02.11.10): 40%

Die Medien haben vor etwa zwei Wochen relativ breit einen neuen Währungskrieg ausgerufen. Alle großen Währungsblöcke würden versuchen, ihre Währung zu billig zu machen, um damit Wettbewerbsvorteile im internationalen Handel zu erzielen. Manche Beobachter gingen so weit zu behaupten, dass das Quantitative Easing II nur gemacht würde, um den Dollar zu schwächen. Die offizielle Begründung, die Zinsen sollen damit gesenkt werden, sei nur ein Vorwand.

Besonders im Fokus standen naturgemäß die USA und China, die beiden Nationen, die auch das weltweit größte Ungleichgewicht im internationalen Handel aufweisen. Die USA argumentieren schon seit Jahren, dass die chinesische Währung zu niedrig bewertet sei. Die Chinesen sollten ihre Währung gefälligst aufwerten, was sie sogar könnten, denn der Wechselkurs wird nicht frei ausgehandelt, sondern staatlich festgelegt.

Nun sind solche Vorwürfe schnell gemacht, aber häufig gar nicht so einfach zu belegen. Denn dafür müsste man einen "fairen" Wechselkurs absolut sicher berechnen können.

Einer der simpelsten Methoden diese sogenannte Kaufkraftparität zu errechnen ist der vom Economist berechnete BigMac Index. Dieser schaut einfach, wie viel ein Big Mac (ein Produkt, das weltweit sehr ähnlich ist und in dessen Kalkulation Mieten, Löhne, Lebensmittel und Energiepreise, ... eingehen) kostet und rechnet dann den Preis in Dollar um. Damit bekommt man dann Länder, in denen ein Big Mac teuer ist (also die Währung tendenziell zu stark) und Länder, in denen ein Big Mac preiswert (= Währung zu schwach) ist.

In China kostet ein Big Mac etwa

40%

weniger als in den USA. Und zack ist für die USA klar, dass die Chinesen ihre Währung zu niedrig halten.

Ähnlich kräftig unterbewertet sind die Währungen Malaysias und Russlands. Pfund und Yen hingegen sind etwa fair bewertet, der Euro bereits etwa 30% überbewertet (kann das bitte mal jemand den Amerikanern sagen ...), der brasilianische Real gut 40 und der Schweizer Franken sogar gut 80%.

Economist: An indigestible problem

Das Problem ist nur, dass andere Berechnungen zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Bekannt sind mir die Berechnungen der Bank HSBC Trinkaus, die die Kaufkraftparitäten monatlich in ihrem Devisenkompass veröffentlichen. Und danach ist die chinesische Yuan (trommelwirbel) nur zwei bis drei Prozent unterbewertet. Kurz: Viel Lärm um nichts.

Grafisch sieht das so aus:
Die rote Kurve ist der "faire" Wechselkurs (Dollar/Yuan), schwarz der aktuelle. Und nimmt man diese Berechnung als Basis, kann man den Chinesen alles mögliche vorwerfen, eine unverantwortliche Wechselkurspolitik gehört sicherlich nicht dazu. Im Gegenteil: In den Charts der Kaufkraftparitäten findet sich kein einziger Wechselkurs, der häufiger innerhalb des Bandes liegt, das Trinkaus um den fairen Wechselkurs legt.

Als Beispiel mag der Euro/Dollar-Wechselkurs dienen, der in den vergangenen 15 Jahren vielleicht drei Jahre innerhalb des Bandes lag ... (Der Yen ist ähnlich selten innerhalb des Bandes und die Abweichungen sind eher noch größer als beim Euro).

Gut, ich frage jetzt besser nicht, woher die USA die Basis für ihre Argumentation nehmen. Das ist im politischen Geschäft sowieso unüblich ...

Kommentare :

  1. Du glaubst die Zahlen nicht wirklich oder? Bei Entwicklungsländern ist eine faire Bewertung weit unterhalb der Kaufkraftparität, da nicht handelbare Produkte viel billiger sind als in Industrieländern. Wenn wirklich die Kaufkraftparität in China und den USA ähnlich wäre, wäre China dramatisch überbewertet.
    Ist auch nicht so. Ich kenne persönlich einen Chinesen, der in Peking (also nicht irgendwo in der Provinz) lebt, und Dinge, wie z.B. Fahrräder sind sehr viel billiger. Was teuer ist, ist Wohnraum. Der ist geradezu absurd teuer. Aber Fantasiepreise bei Wohnungen sollten kaum den Wechselkurs bestimmen.

    Der Yuan ist unterbewertet, weil die Chinesen ständig und über Jahre in eine Richtung intervenieren. Warum braucht es da mehr Begründung? Und wenn sie nötig ist, dann kann man auf den gigantischen Außenhandelsüberschuss verweisen. Wäre der Wechselkurs frei, würde China wahrscheinlich ähnlich wie Indien ständig Außenhandelsdefizite aufweisen.

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  2. a) Ich habe zwei Zahlen gebracht: Big Mac (und Konsens) sagen: Yuan total unterbewertet. Daher ist die Trinkaus Zahl so interessant, weil sie das Gegenteil sagt. Und die HSBC (Hongkong-Shanghai-Banking Corp) hat im Zweifelsfall mehr Ahnung als viele, die sich hier zum Thema äußern ...

    b) Dass alles abstrus billig ist bis auf Wohnen, ist ja richtig. ABER Wohnen ist in den deutschen und US-Preisindizes irgendwo bei 40% gewichtet. Das ist ziemlch wichtig. Auch bei Lebensmitteln und Energie werden sich die Preise nicht so doll unterscheiden.

    c) Wenn ich auf die Probleme bei der Bewertung der KKP hinweise, geht es mir vor allem darum, zu unterstreichen, dass die USA es sich zu einfach machen, wenn sie nur auf den Wechselkurs schielen.

    d) Die Chinesen werten ab (siehe Grafik). Allein durch die Inflation, die permanent 2% (oder so) höher ist als in den USA. Dazu kommt noch die offizielle Abwertung.

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