Zahl des Tages (08.11.10): 3.237.000.000.000

Heute gab es von der Bundesbank die aktuellen Zahlen zur Geldvermögensbildung und den Schulden der Privathaushalte in Deutschland.

Am Ende des zweiten Quartals 2010 standen einem Bruttovermögen von 4,768 Billionen Euro Schulden von 1,53 Billionen Euro gegenüber, so dass sich ein Nettovermögen von

3.237.000.000.000 (3,237 Billionen) Euro

ergibt. Das ist ein neues Allzeithoch. Man sollte aber bedenken, dass die Zahlen nicht inflationsbereinigt sind. Es ist also normal, dass der Wert allein schon durch Zinszahlungen nach oben geht.

Das Wachstum kam vor allem aus der Bruttogeldvermögensbildung. Und da aus dem Bargeld (+21,3 Mrd.) und den Ansprüchen gegenüber Versicherungen (+14,6 Mrd.). Insgesamt stieg das Bruttovermögen um 36,25 Mrd. Euro.

Die Verschuldung hingegen wuchs deutlich langsamer und legte nur knapp 6 Milliarden Euro zu. Insgesamt legte das Nettovermögen um 30,5 Milliarden zu.

Aber auch diese Zahlen sind unvollständig. Denn die Vermögen, die nicht (einfach) als Geld erfasst werden können, fehlen natürlich komplett. Das sind vor allem Immobilien und Firmenanteile.

Bundesbank: Sektorale Vermögensbildung und Finanzierung im zweiten Quartal 2010

Auf der Gegenseite steht natürlich die Verschuldung des Staates. Der Staat nahm im zweiten Quartal 2010 42 Mrd. Euro neuer Schulden auf und liegt jetzt bei 1,94 Billionen Euro. (150 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr). Und da ist die Bad Bank der Hyporealestate noch nicht drin ...

So ganz wahnsinnig nervös sollte einen die Staatsverschuldung nicht machen, da den Schulden weiterhin hohe inländische Vermögen gegenüberstehen. Schön sind die Staatsschulden natürlich nicht, aber immerhin hängt Deutschland nicht am Tropf der internationalen Kapitalmärkte, weil es von Auslandsgeldern abhängig ist (wie Irland, Griechenland oder auch die USA).

Kommentare :

  1. Die USA sind nicht von den internationalen Finanzmärkten abhängig, da sie ein souveräner Staat sind. Das ist eine Tatsache.

    "The US dollar, last time I knew, is issued by one institution only. That institution is the US government. It issues the US dollar under monopoly conditions. The issuance of US dollars is accomplished, in the main, by electronic transactions between the US Government and the commercial banking system.

    A keyboard operators within the US Government could type 1,000,000 billion or 1,000,000,000 billion into their computer when making one of these electronic transactions and the funds would show up as increased reserves in the banking system. It might be undesirable that the higher amount actually was injected into the spending stream (depending on the available real capacity of the economy) but that is a separate issue – not unimportant but separate.

    The point is that the US Government can spend as much as it likes as long as there are goods and services available for sale."
    http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=6477

    Es wird wirklich Zeit für eine Beschäftigung mit der Modern Monetary Theory ;)

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  2. Ich weiss, dass die USA nicht Pleitegehen können. Die drucken einfach Geld.

    Nur was nützt das? Dann bekomme ich eben 40% Inflation und am Ende habe ich das gleiche wie eine Restrukturierung der Schulden, nämlich weniger Kaufkraft.

    So what?

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  3. Ich find das immer lustig wenn irgendwelche Statistikbehörden Jahr für Jahr stolz vermelden, das Geld-"Vermögen" der Deutschen hätte wieder einen neuen Rekordwert mit soundso vielen Billionen erreicht. Wieviel davon einfach nur Bilanzverlängerungen und Luftbuchungen sind, kann man nur erahnen.
    Bei einer Aktie ist es gang und gäbe, sich die Bilanz anzuschauen und kritisch zu überprüfen, ob die Aktiva wertmäßig auch tatsächlich die Passivseite abdecken. Ggf. heißt es dann Abschreibungen vorzunehmen und die Bilanz einzudampfen. Bei den Vermögenspositionen und sog. Ansprüchen der Deutschen habe ich erhebliche Zweifel. Wenn man mal eine ehrliche Bilanz aufstellt, würde schnell klar werden, dass einiges von den über 3 Billionen an Geld-"Vermögen" Vermögensillusion ist.

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  4. @matsch:

    Die Kritik (an den Zahlen) verstehe ich nicht. Das *Geld* vermögen ist doch ziemlich einfach zu erfassen. OK, wenn Immobilien, etc. dazu kommen, wird es schwierig, aber Konten und Depots zusammenrechnen, ist doch easy. Genau wie die Schulden dagegenzurechnen. Also das traue ich der Buba noch zu ...

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  5. Nominal und formal hat das ja alles seine Richtigkeit. Wobei gerade das die Crux ist, weil Bargeld, Festgelder und Sparguthaben (im Gegensatz zu realen Wertgegenständen) ja gerade die Eigenschaft haben, auf den Cent genau berechnet werden zu können. Aberhunderte Milliarden von diesem Vermögen zirkulieren als Liquidität für die Finanzmärkte zwischen Bürgern und Finanzindustrie hin und her, ohne dass sie jemals in Kontakt mit der Realwirtschaft kämen, nur dazu da um die Finanzmärkte zu befeuern. Und doch ist all dieses Geld "Vermögen". Solange die Illusion, dies sei alles Vermögen, geglaubt wird - wunderbar. Aber wenn ich mein prall gefülltes Tagesgeldkonto, das nur deswegen vorgehalten wird weil ich nichts besseres damit anzustellen weiß und um jederzeit ausreichend Liquidität für wüste Börsenzockerei zu haben, in reale Werte tauschen wollte (und mit mir die vielen anderen, die Geld-"Vermögen" herumliegen haben), würden wir schnell merken, dass von den riesigen Geldvermögen viel heiße Luft abgelassen werden muss.

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  6. Die Inflation scheint vorerst zumindestens nicht zu kommen. Zumindestens wenn man den Märkten vertrauen kann ;)

    http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=12269

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  7. Ausnahmsweise stimme ich mal überein. Ich sehe kurzfristig auch keine Inflation und sicher ist auch, dass die Märkte die ebenfalls nicht sehen. Die TIPs gestern kamen mit MINUS 0,55% Rendite. Das werteten alle als Inflationszeichen. Aber das ist es wahrscheinlich nicht:

    WSJ: Guest Contribution: What Do Bond Markets Expect on Inflation?

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