Zahl des Tages (09.11.10): 4,6%

Die permanent steigenden Zinsen, die vor allem Irland und Portugal für ihre Schulden bezahlen müssen, waren hier ja schon häufig Thema (ob hier oder in meinem Zweitblog oder als simpler Tweet). Heute tat sich auf diesem Schauplatz relativ wenig, daher kann man diesen Tag der Ruhe ;-) mal nutzen, um etwas hinter die Kulissen zu schauen ...

Ich habe mich zum Thema, warum ich Irland nicht für ein zweites Griechenland halte, schon ein paar Mal geäußert (z.B. hier WARUM IRLAND NICHT GRIECHENLAND IST). Allerdings lerne ich auch dazu ... (ansonsten würde ich auch dieses Blog nicht mehr machen ...).
Zum Beispiel sieht die Net International Investment Position (Auslandsvermögen von Staat, Banken, Unternehmen und Privaten abzüglich aller Schulden) Irlands doch schlechter aus als ich gedacht hätte. Es war zwar klar, dass das Problem Irlands nicht unbedingt der Staatssektor ist, sondern die Verschuldung der Verbraucher. Und klar war auch, dass diese vor allem aus dem Immobiliensektor  stammt.

In Irland gab es einen Immobilienboom, der dem in den USA sehr ähnlich ist. Und inzwischen sehen auch die Probleme verdammt ähnlich aus.

Die (inzwischen leicht sinkenden) Ausfallraten bei den US-Hypotheken waren ja erst vor wenigen Tagen hier Thema (ZAHL DES TAGES (07.11.10): 9,27), heute bin ich auf eine ähnliche Zahl aus Irland gestoßen. Und die Ähnlichkeit ist frappierend. Bis auf die Tatsache, dass die Rate in Irland noch weit weg vom Zustand "fallend" ist ...

Die Ausfallraten der irischen Hypotheken sind von 3,3% Ende September 2009 auf jetzt

4,6%

gestiegen. Allerdings vergleicht das WSJ mit dem Wert, der auch oben in meiner Zahl des Tages steht. Was nach Meinung von Calculated Risk falsch sein müsste, denn die irische Zahl bezieht sich auf die Hypotheken, die Zahlungsrückstände von mindestens 90 Tagen aufweisen. In den 9,27% aller überfälligen Hypotheken in den USA sind aber auch kürzere Verzögerungen enthalten. Rechnet man diese heraus, bleiben 4,3% übrig. Der irische Wert ist also schon höher als der amerikanische! (Es sei denn, das WSJ hat doch Recht ...)

Ähnlich sieht es bei den Unterwasser-Hypotheken aus, also den Hypotheken, bei denen die Hypothekenhöhe den Immobilienwert überschreitet. Der Anteil dieser Hypotheken liegt in Irland bei 23% und damit in einer ähnlichen Größenordnung wie in den USA.

Die Auslöser für das Desaster sind die gleichen wie in den USA: Laxere Kreditvergabe bei geringerem Eigenkapital, weil Käufer und Banken im Irrglauben waren, dass Hauspreise nur eine Richtung kennen: Nach oben und zwar immer weiter immer schneller ...

WSJ: Ireland's Next Blow Could Be Home Loans

gefunden über Calculated Risk: More Ireland (darin auch die Aufschlüsselung der Hypotheken in 90-Tage und kürzer, was auf folgendes Posting zurückgeht: Calculated Risk: LPS: Over 4.3 million loans 90+ days or in foreclosure).

Update (10.11.10):

Jetzt geht es den Iren scheinbar schon so schlecht, dass die Griechen darauf hinweisen, dass man Griechenland bitte nicht mit Irland vergleichen solle.
OK, das ist die arg verkürzte Schlagzeile, die alle daraus machen. Genauer hat der griechische Finanzminister gesagt, dass das griechische Bankensystem nicht mit dem irischen verglichen werden kann.
Und da hat er Recht. Die Verschuldung des Privatsektors, der Immobilienmarkt und der Bankensektor sehen in Griechenland deutlich besser aus als in Irland. Dafür ist aber die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft (negative Handelsbilanz) und des Staatssektors um einiges schlechter als in Irland.

Greek Finance Minister: Please Don't Insult Our Banking System By Comparing It To Ireland

Kommentare :

  1. Einfach vernünftige Unternehmenssteuern in Irland einführen, deren Ziel es nicht ist, vordergründig jene Kontinentaleuropas zu unterbieten, und dann ist die Leistungsfähigkeit der irischen Wirtschaft auch ruck-zuck unter Wasser.

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  2. hmmm....ich kommentiere das (deinen Bericht und den Kommentar vor mir) jetzt mal nicht...:)

    gruß aus istanbul,

    hardy

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  3. Schreib doch ruhig: Hab ich schon immer gesagt ... Ist durchaus OK.

    Ich sehe eh die höchste Wahrscheinlichkeit auf "beide gehen Pleite". Wenn einer doch nicht Pleite geht, dann Irland.

    Gesehen, dass jetzt die irischen Banken angeschossen werden? Der Staat ist ja bis Mitte 2011 finanziert, also greifen die Spekulanten jetzt die Banken an. Da sollen einige Banken schon aufgehört haben, den Iren noch Kredite zu geben ...

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