Zahl des Tages (10.11.10): 8,69

Ich gebe zu, die Zahl ist ein reiner Platzfüller. Nach dem RabimmelRabammelRabumm (und dem Glühwein) bin ich zu nichts anderem mehr in der Lage. Fast hätte ich die 24 Flaschen Bier des usedomspotters aus meiner gewonnenen iPad Wette zur Zahl des Tages gemacht (hätte ja zum Alkohol gepasst), aber dann hat mich der Blick auf meine Watchlist erschaudern lassen. Hatte ich nicht am 1. November die 7er Marke verbloggt (ZAHL DES TAGES (01.11.10): 7,10) und am 4. darauf hingewiesen, dass die Renditen Irlands jetzt quasi über die gesamte Laufzeit das Niveau der Zinssätze aus dem Eurozonenrettungspakets erreicht haben (IRLANDS RENDITEN NUR NOCH KNAPP UNTER EURO-RETTUNGSZINS)?

Tja, das war vor 1,5 bzw. einer Woche. Heute ist die Rendite für die zehnjährigen irischen Staatsanleihen auf

8,69%

gestiegen, womit sie 70 Basispunkte höher liegt als gestern.

Die zweijährigen irischen Anleihen legten sogar 92 Basispunkte auf 6,16% zu.

Dabei gab es eigentlich keine wirkliche neue Nachricht. Als Grund wird die Erhöhung der Sicherheiten für den Handel mit irischen Staatsanleihen genannt, die das Clearinghaus LHC Clearnet verlangt.
Die Nachricht ist aber eigentlich seit letzter Woche bekannt (FT Alphaville: When Irish margins are biting; NB: wenn die Nachricht bei FT Alphaville stimmt, steigen die Sicherheiten *auf* 15% der gehandelten Summe und nicht *um* 15%, wie die FAZ schreibt. Heute schreibt FT Alphaville allerdings, dass die Sicherheiten um 15% der Nettoposition steigen (FT Alphaville: Revised risk parameters for Irish government bonds)). Ist aber eigentlich auch ein unwichtiges Detail. Wichtiger ist: Für den Handel mit irischen Bonds müssen die Banken und Broker also ab sofort mehr Geld hinterlegen (oder die Positionen verkleinern)).

Die zweite Nachricht enthält mehr Neues. Der irische Notenbankgouverneur hat heute von nicht einbringbaren Hypotheken im Volumen von 85 Milliarden Euro gesprochen. Das ist deutlich mehr als die bisher genannte Summe von 50 Milliarden. Wobei die 50 Mrd. Verluste bei den irischen Banken waren und die 85 Mrd. (wenn ich es richtig verstanden habe) ausfallende Hypotheken sind. Und hinter denen steckt immer noch eine Immobilie. Selbst wenn diese heute deutlich weniger wert sind, liegt der Wert doch noch über Null.

Vielleicht war das Wort "IWF", das der Notenbankgouverneur in den Mund nahm, der eigentliche Auslöser. (Jetzt bitte vor dem geistige Auge die Szene mit "Er hat Johova gesagt" abspielen ...) Er hat IWF gesagt ...

Auch auf den anderen Baustellen in Europa wurde kräftig gearbeitet. In Portugal wurden neue Anleihen versteigert. Die Rendite lag bei 6,81% (letzte Versteigerung 6,24%). Die Rendite der generische portugiesischen zehnjährigen Anleihe liegt bei Bloomberg sogar noch höher bei 7,04% (28 Bp mehr als gestern).

Spiegel: Portugal muss für neue Schulden kräftig zahlen

Auch in Griechenland gab es neue Nachrichten, die für höhere Renditen sorgten. Das Haushaltsminus für 2009 und 2010 müsse wohl nach oben korrigiert werden. Aber das sorgte - wohl weil bereits zum dreiundvierzigsten Mal kommuniziert - nur noch für einen vergleichsweise geringen Sprung bei den 10-Jahres-Renditen um 23 Basispunkte auf 11,55%.

FTD: Des Schuldendramas nächster Akt

Zu dem FTD Bericht gibt es auch einen Kommentar von Frank Lübberding bei Weissgarnix, bei dem ich aber nicht mitkomme ...

Weissgarnix: Zweifel an Griechenland? Zweifel an der FTD

Kommentare :

  1. Ganz im Ernst egghat, aber auf der Weisgarnix-Seite komme ich schon länger nicht mehr mit. Dieser ganze philosophische Mist ohne echte fundamentale Daten. Nur Meinung...

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  2. Sorry offtopic..

    Doch sehr empfehlenswerte Sendung:

    Quarks & Co: 09.11.2010, Atommüll - Endlager verzweifelt gesucht

    Gerade rollen sie wieder: Die Castor-Transporte mit dem hochradioaktiven Müll. Und dieser Müll spaltet die Nation. Denn weltweit gibt es kein einziges Endlager für diese Abfälle. Und die beschlossene Verlängerung der AKW-Laufzeiten vergrößert deren Menge noch einmal erheblich. Aber los werden müssen wir den Müll - für mindestens eine Million Jahre. Nur wie? Und was genau ist Atommüll eigentlich? Quarks & Co geht diesen Fragen nach und verrät außerdem, welche Rolle die Politik beim Thema Kernenergie spielt.

    http://medien.wdr.de/m/1289332800/quarks/wdr_fernsehen_quarks_und_co_20101109.mp4

    Vielleicht willst ja n extra Post daraus machen. zB indirekt Förderung von Atomstrom etwa 200+ Mrd. bisher.

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  3. Na ja, Lübbderding ist sicherlich etwas allergisch über das dauernde und extrem alberne Griechenlandbashing. Das geht mir auch auf den Senkel weil es nur ein Ablenkungsmanöver ist und die wahren Ursachen verschleiert. Und dass sich Griechenland nicht innerhalb weniger Jahre auf festgelegte Prozentpunkte gesundsparen können ist auch klar wie Klossbrühe. Wie soll das bei einem Defizitland auch gehen?

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  4. @Luther:

    Manches ist ja ganz interessant und auch nachvollziehbar. Dass z.B. für die Solvenz eines Landes nicht aus Staatsschulden allein interessant sind (sondern die aller Sektoren) und auch nur dann, wenn ich die alle verrechne und zwar auch mit den Vermögen, ist ja schon wichtig zu wissen. Und während es in wissenschaftlichen Kreisen die NIIP womöglich gängig ist, taucht das in den Medien, bei Bankanalysten, etc. nicht auf. Und das habe ich vom guten Weissgarnix (auch wenn er daraus direkt ein "Staatsschulden in Deutschland sind kein Problem" macht. Man könne ja einfach alles wegbesteuern und dann wäre der Staat saniert. Als wenn Leute nicht auch auswandern/fliehen könnten ...

    @tubl:

    Ich kann den Luebberding ja verstehen ... Allerdings zu behaupten, dass durch Sparen die Steuereinnahmen immer stärker sinken als der Ersparnis ausmacht, ist schon ziemlich hart. Es gibt sicherlich den gegenläufigen Effekt, dass Sparmaßnahmen die Steuereinnahmen senken, aber dieser Effekt ist nicht so stark, dass die Steuermindereinnahmen die Sparmaßnahmen übersteigen. Mas muss aber sicherlich um 5 Mrd. Defizit wegzubekommen mehr als 5 Mrd. sparen.

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  5. @anonym: Habe die Sendung gesehen und die war in der Tat gut. Noch ne Zahl zum Atomstrom? Weiss nicht. Die Krise kocht gerade so heftig, es wird wohl wieder eher was aus der Richtung werden ...

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  6. Nun die Frage ist wieviel man sparen muss um zum Beispiel 5 Milliarden Defizit abzubauen. Wenn der Staat als Impulsgeber für die griechische Wirtschaft ausfällt, wer soll die Wirtschaft ankurbeln? Schweden oder Belgien hatte da früher ganz andere Möglichkeiten. Die Griechen können sparen bis Blut und Tränen fliessen, fürchte ich, und trotzdem werden sie nie auf einen grünen Zweig kommen. Vor allem wenn sie noch unsere Panzer und U-Boote zusätzlich kaufen müssen.

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  7. Bei der FTD scheint viel mehr Alkohol im Spiel zu sein als die paar Flaschen Bier aus deiner Wette. Sich über das Gebrabbel von Besoffenen Gedanken zu machen führt zu nichts. Die herumgeworfenen Zahlen sind sowieso falsch oder morgen Makulatur.

    Klassische Wirtschaftsphilosophie kommt zwar schon immer Bedeutungsschwanger daher, auf deren Nachweis einer Wirtschaftsordnung die für alle Menschen akzeptabel ist werden wir wohl noch ewig warten müssen. Die FTD und die etablierte Wirtschaftsphilosophie haben nur die Rollen von Hofnarren angenommen um die Gläubigen bei Laune zu halten und sie mit ihren Zahlenmonstern zu beschäftigen.

    Allein der DAX, der vergötterte. Sein steigen und fallen, seine Jünger in Verzückung oder in Pein versetzt. Der unvergessene André Kostolany meinte: das ist wie der Durchschnitt der Temperatur nach dem Fiebermessen bei den Patienten in einem Krankenhaus. Die Beschäftigung mit dem DAX ist also genauso sinnfrei wie die Sachen die man in Bierlaune manchmal so anstellt.

    Na dann, Prost.

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  8. "Man könne ja einfach alles wegbesteuern und dann wäre der Staat saniert. Als wenn Leute nicht auch auswandern/fliehen könnten ..."

    'Allen gehört alles', eine weit verbreitete Denke unter Kollektivisten. Dass die Individuen sich gegen Umverteilung sträuben und das nicht unbedingt freiwillig über sich ergehen lassen: vernachlässigbar. Kann man alles handeln.

    Im Zusammenhang mit den Beiträgen an die Umverteilungsmaschine Brüssel/EU hat sich diese kollektivistische Betrachtungsweise schon lange durchgesetzt. An den deutschen Milliardenbeiträgen für die EU wird nur der Nettosaldo moniert. Wenn wir jedes Jahr 500 Mrd nach Brüssel überweisen und 500 Mrd wieder zurückbekommen, dann wäre alles in Ordnung.

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  9. häää? Warum bin ich oben anonym? Blogspot spinnt ein wenig meine ich ...

    matsch

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  10. @matsch:

    Es gibt ein kleines Land mit hohen Bergen, das eine NIIP hat, die mehr als ein ganzes BIP im Plus liegt. Die lachen sie über die Kollektivisten kaputt.

    Zu den 500 Mrd. nach Brüssel und 500 Mrd. zurück: Kann ja gar nicht gehen, 10% vernichtet ja schon der Wasserkopp in Brüssel ...

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  11. "Als wenn Leute nicht auch auswandern/fliehen könnten ..."

    Das Dumme ist, es wandern die falschen Leistungsträger aus. In meiner Bekanntschaft: Krankenschwestern, Altenpfleger, Handwerker. Warum wandern nicht jene wie Westerwelle aus, welche immer damit drohen? Wie sagt er immer so schön? Nicht nur den Mund spitzen, auch mal pfeifen...

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  12. ich wollte dich schon letzte Woche darauf verweisen, sorry für die Verspätung:

    http://acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.com/2010/08/fiscal-austerity-im-aufschwung-nicht-im.html

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  13. @anonym:

    Die Studie sieht in der Tat spannend aus ... Vielleicht baue ich heute mal eine Zahl des Tages aus den Sparmaßnahmen in den USA. Hatte ich gestern schon vor, aber da wurde es zu spät ...

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