Zahl des Tages (12.11.10): 0,7

Naja, Freitag. Da liest eh keiner mehr, oder?

Da nehmen wir doch mal das BIP für das dritte Quartal, auch wenn die spannenden Zahlen noch fehlen. Es handelt sich nämlich um die erste Schätzung (Flash Estimate wie man das in Brüssel nennt) und es fehlen nicht nur Zahlen einzelner Länder, sondern auch die Zusammensetzung.

In Deutschland stieg das BIP im dritten Quartal um

0,7%.

Das ist zwar eine deutlich Verlangsamung gegenüber dem Vorquartal (+2,3%), aber es liegt immer noch über dem Plus in den USA (+0,5%) oder der gesamten EU (+0,4%) bzw. der Eurozone (+0,4%). Ebenfalls positiv: die beiden Vorquartale wurden nach oben korrigiert. Das erste Quartal 2010 liegt jetzt bei plus 0,7%, das zweite bei plus 2,3. Gerade beim ersten Quartal sind die Korrekturen inzwischen selten kräftig: In der ersten Meldung lag das Plus nur bei 0,2% (Destatis: Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal 2010 leicht gewachsen). Man sollte die Zahlen von heute nicht auf die Goldwaage legen, es kann sich noch was dran ändern. Und richtig wiegen kann man das BIP eh noch nicht, es fehlen ja die Details.

Spannend ist immer ein Blick auf die anderen Länder, vor allem auf die Problemländer. Dort fällt als erstes auf, dass Irland fehlt. Die rechnen scheinbar noch (oder haben die Rechner nicht bezahlt ;-) ) ... Griechenland meldet hingegen (auch wenn ich eher da mit einer Nichtmeldung gerechnet hätte, die Zahl stimmt ja eh nie, dafür kann man sich ja Zeit lassen ;-) ) ein Minus von 1,1%. Im Gesamtjahr liegt das Minus jetzt bei -4,5%.

Portugal meldet 0,4% Wachstum, Italien magere 0,2% und Spanien Stagnation. In allen drei Fällen würde ich aber sagen, dass das angesichts der massiven Sparprogramme eher positive Überraschungen sind. Auch Lettland, Ungarn und Großbritannien mit jeweils +0,8% sind tendenziell ein Grund zur Freude. Ungarn hat sein ziemlich heftiges Sparprogramm bereits am Laufen, in Großbritannien muss man abwarten, wie sich das kommende Sparprogramm in den Wachstumsraten niederschlagen wird.
Wachstumsspitzenreiter im dritten Quartal ist Finnland, das mit einem Plus von 1,3% jetzt auf eine Jahresrate von 3,6% kommt und damit Deutschland (+3,9%) fast erreicht hat.
Auffällig auch, dass Frankreich im dritten Quartal und im Jahresvergleich nur etwa halb so stark wächst wie Deutschland und damit ganz leicht unter dem EU-Durchschnitt liegt. Ebenfalls eher negativ würde ich das leichte Minus der Niederlande (-0,1%) werten.

Naja, warten wir mal die Detaildaten ab, die in knapp zwei Wochen folgen. Vor allem der Anteil des privaten Konsums in Deutschland und die Lagerkomponente könnten spannend werden. Die Formulierung des (oder der?) Destatis deutet allerdings auch hier eher eine positive Zusammensetzung an ("Dabei trugen die privaten und staatlichen Konsumausgaben, die Ausrüstungsinvestitionen sowie der Außenbeitrag gleichermaßen zum Anstieg des BIP bei.")

Direkt von der Quelle:
Eurostat: Flash estimates for the third quarter of 2010 - Euro area and EU27 GDP up by 0.4% (Europazahlen)
destatis: Aufschwung setzt sich im 3. Quartal 2010 fort (Deutschlandzahlen)

Oder GEZ-finanziert von der Tagesschau, die sich zur seltsamen Zwischenüberschrift "Deutschland im Euro-Raum nur noch Vierter" hinreissen lässt (he man, wir wachsen doppelt so stark wie der Durchschnitt. Das eher zu viel als zu wenig!):
Tagesschau: Wirtschaft wächst weiter - aber langsamer

oder vom Spiegel:
Spiegel: Deutsche Wirtschaft wächst langsamer

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