Zahl des Tages (19.11.10): 20.000.000.000

Freitag ist der Tag, an dem ich die Zahl des Tages eigentlich immer morgens fertig machen müsste, weil nachmittags die Abrufzahlen schon merklich auf's niedrige Wochenendniveau sinken ... Die Gefahr ist natürlich immer, dass die spannendste Zahl erst am Nachmittag kommt. Aber heute greife ich mal wieder beherzt in Irland zu, das reicht an Spannung (und immerhin habe ich Irland ein paar Mal erfolgreich vermeiden können ...)

FT Alphaville hat heute eine schöne Studie von der Citigroup verlinkt, in der versucht wird, die Abflüsse bei den irischen Banken zu beziffern. Also das, was ich plump "Bank Run" nenne: Die Anleger (sowohl Banken wie Privatanleger) ziehen ihr Geld ab und irgendwann hat die Bank nicht mehr ausreichend Liquidität und dann ist sie halt insolvent.

Schon im Fall Griechenland lag die Vermutung nahe, dass nicht drohte, dass die griechische Regierung illiquide wird, sondern viel mehr den Banken die Insolvenz droht (siehe u.a. hier:  ZAHL DES TAGES (15.06.10): 8.500.000.000). In Irland sieht es offenbar ähnlich aus. Der irische Staat mag zwar bis Sommer 2011 durchfinanziert sein, aber die Banken sind es nicht. Schlimmer noch: Sie sind auf den üblichen Wegen schon am Ende ihrer Refinanzierungsmöglichkeiten angekommen. Aber der Reihe nach ...

Selbst bei der nicht ganz so schlimm getroffenen Bank of Ireland ist die Liquidität im dritten Quartal von etwa 25 Milliarden Euro auf 13 Mrd. gesunken. Aber immerhin gibt es dort noch welche. Bei den anderen irischen Banken sieht es noch schlechter aus. Diese scheinen inzwischen quasi alle Assets, die sich verleihen lassen, an die EZB verliehen zu haben. (Der EZB-Anteil an der Gesamtbilanz des irischen Bankensektors ist somit auf mehr als 10% gestiegen, die Ausleihungen der EZB nach Irland machen 130 Mrd. Euro aus, zum Vergleich: Griechenland 92 Mrd., Spanien 72 Mrd.).

Weil nun alles verliehen ist, müssen die irischen Banken auf unkonventionelle Finanzierungen zurückgreifen: Die irische Notenbank hat ein Sonderliquiditätsprogramm aufgelegt und aus diesem haben die irischen Banken bereits

20.000.000.000 (20 Milliarden) Euro

in Anspruch genommen bzw. in Anspruch nehmen müssen.

Grafisch stellt sich das wie folgt dar:


Die unterste Kurve ist der Anteil der EZB, die rote Kurve die Verbriefungen und die beiden oberen sind die Einlagen (private inländische und ausländische).

Ich denke damit ist mehr als eindeutig, dass die irischen Banken komplett am Tropf der EZB und der irischen Notenbank hängen. Das ist die gleiche Situation, in der die Hyporealestate seit zwei Jahren steckt: Der Zugang zum Kapitalmarkt ist abgeschnitten. Gleichzeitig fließen auf der anderen Seite der Bilanz Einlagen ab (Bankrun) bzw. verlieren an Wert (Abschreibungen). Bekanntlich hat der Staat bei der Hyporealestate die Refinanzierung am Ende komplett übernehmen müssen. Ich befürchte, das gleiche wird in Irland auch drohen. Ohne eine Staatsgarantie, der die Anleger auch vertrauen, wird in Irland keine Bank mehr einen Cent Einlagen anziehen ...

Hat jemand Lust, das Refinanzierungsvolumen auszurechnen, so wie es weissgarnix damals bei der Hyporealestate gemacht hat (Weissgarnix: Da kommt noch viel mehr)? Das garantiert allerdings schlechte Laune, schätze ich ...

FT Alphaville: On declining Irish deposits
FT: Threat from bank funding constraints

Update (16:25):

Die Allied Irish Bank hat seit Anfang des Jahres bis Mitte November ebenfalls 13 Milliarden Euro Einlagen verloren:

AIB Investor Relations

Update (22:35):

Die FTD hat das Thema auch entdeckt (kein Wunder, die lesen natürlich traditionell bei der (ehemaligen) Mami aus London mit. Ein interessantes Detail steckt noch im Artikel: Die Allied Irish Bank weitet ihre Kapitalerhöhung von 5,4 Mrd. auf 6,6 Mrd. Euro aus. Die Anteile gehen natürlich an den irischen Staat, der Rest der Welt will sowas schon lange nicht mehr kaufen ...

Schuldenkrise: Iren ziehen Spareinlagen aus Banken ab | FTD.de

Kommentare :

  1. Die letzen Wochen dieses Jahres werden sehr interessant, das sagt mir ein sehr starkes Bauchgefühl.

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  2. sieht ja ziemlich düster aus ;

    nun passt alles zusammen ,

    merkel speert ihr kanzleramt ab und + den Reichstag , drumherum mehrere Gitter + gepanzerte fahrzeuge.

    terror warnungen , + ausländer als sündenböcke, die medien machen plötzlich bei dem spiel mit , angst vertreiben obwohl wir nichts zu befürchten haben , ausser das die politiker gerade unsere renten und vermögen stehlen.

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  3. Nicht die Politiker, das sind nur die Handlanger für die Bankster.

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  4. Wenn die irischen Banken am Tropf der EZB hängen, wo ist dann das Problem? Die Geldversorgung ist doch damit gesichert, der Markt (also was da sowieso an den Staaten-Tröpfen hängt über Rettungsschirm, Garantien etc.) spielt also dabei keine Geige mehr. - Der Kollaps wäre doch da, wenn die EZB sagen würde: Besorgt euch den Lack aufm Interbankenmarkt.

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  5. @anonym (3):

    Das Problem ist, dass sich die Banken nicht einmal mehr Geld bei der EZB holen. Sondern bei der Bank of Ireland. Die normalen Liquiditätsmaßnahmen (Geld gegen Anleihen) sind komplett ausgeschöpft ... (bei der Bank of Ireland noch nicht, aber das ist auch die solideste der großen irischen Banken, die anderen scheinen komplett blank zu sein ...)

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