Zahl des Tages (21.11.10): 63.000.000.000

Die geratenste Zahl des Tages bisher ... Denn natürlich weiss noch niemand, wie groß die Finanzhilfe der Eurozone (und wohl auch Großbritanniens) für Irland am Ende wird. So weit sind die Verhandlungen noch nicht. Aber immerhin ist nicht mehr die Null (sprich: wir brauchen gar keine Hilfe) die Untergrenze des Volumens. Was sie ja noch vor fünf Tagen war ... (ZAHL DES TAGES (16.11.10): NULL). Und als Obergrenze wurden die 100 Milliarden Euro etabliert, die vom irischen Finanzminister Lenihan explizit dementiert wurden.

Um wieviel Geld könnte es also gehen? Einen sinnvollen Ansatz dürfte das Refinanzierungsvolumen Irland für die nächsten drei Jahre sein, damit es Irland wie Griechenland möglich ist, drei Jahre ohne Rücksicht auf den Kapitalmarkt über die Runden kommen zu können. Das wären dann (wie die FAZ schreibt)

63.000.000.000 (63 Milliarden) Euro.

Es können jetzt 10 Milliarden mehr oder (eher nicht) weniger werden, aber zumindest in der Größenordnung wird das Volumen wohl liegen. Eine höhere Summe könnte vor allem dann kommen, wenn die Blitz-Bilanzprüfung der irischen Banken größere Risiken als bisher bekannt ergeben sollte  (die zumindest zwei Analysten nicht bzw. nicht in größerem Umfang finden konnten).

Spannend, dass Merkel und Sarkozy von Lenihan explizit dafür gelobt wurden, dass sie nicht mehr auf einer Erhöhung der Unternehmensteuern bestehen. Wobei ich mich nicht wundern würde, wenn die Erhöhung doch noch kommt, nur darf es politisch nicht so aussehen, als wäre die irische Politik nicht selber auf die Idee gekommen ... Sowas kann man auch ohne großen Wirbel 2012 machen ...

FAZ: „Mehrere zehn Milliarden Euro“
Tagesschau: Irland bekommt Geld aus Euro-Rettungsfonds
Spiegel: Europa beschließt Multimilliarden-Hilfe für Irland

a)  Der Eurozonenrettungsfonds hat übrigens "nur" 250 Milliarden Euro, die er verleihen kann. Das Bruttovolumen von 440 Mrd. täuscht (ZAHL DES TAGES (21.09.10): 250.000.000.000)
b) Das Ganze ist natürlich keine Rettung für Irland selber, sondern für die irischen Banken und am Ende auch für die britischen und deutschen Banken, die die größten Gläubiger Irlands sind. Zum Glück hat sich das auch rumgesprochen, zumindest ist es keine These mehr, die nur ein paar blöde Blogger vertreten ...
Hans-Werner Sinn, der Leiter des Münchner Ifo-Instituts, sieht „eine Achse von der Europäischen Union zu den deutschen Banken, um Unterstützung für die Rettungspakete für Irland zu generieren“. Dabei ist er sicher, dass Irland die Hilfe eigentlich überhaupt nicht braucht. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liege 20 Prozent über dem deutschen, die Schuldenquote sei beherrschbar, selbst wenn sie jetzt noch ansteige. „Irland ist nicht bankrott.“ Stattdessen dramatisierten die Banken die Krise, um das gewünschte politische Ergebnis herbeizuführen. „Es ist immer dasselbe Spiel. Langsam wird es langweilig.“
Überraschend klare Worte, dicke Leseempfehlung für den Artikel (der übrigens vor der Rettung in der FAS kam):

FAZ: Die List der deutschen Banken

Es ist ja kein Zufall, dass Ackermann in der letzten Woche in Brüssel war ...

Und am Ende stellt sich Ackermann wieder vor die Presse und betont, dass er ja ohne Staatshilfe ausgekommen sei. OK, die EU hat seine irischen und griechischen Anleihen gegen den Ausfall versichert und die USA haben die AIG gerettet, die daraufhin Versicherungssummen von etwa 10 Mrd. Euro an die Deutsche Bank auszahlen konnte ...

Allerdings: Wenn man die Leserkommentare im Spiegel oder selbst in der FAZ (z.B. beim Artikel weiter oben) anschaut, ist diese Sicht der Dinge weiterhin eine klare Minderheitsmeinung. Warum schreib ich hier eigentlich? Empfehlt ihr mich nicht befohlen weiter ;-)

Update (22:55):

Reuters spricht unter Berufung auf hohe EU-Kreise übrigens von 80 bis 90 Milliarden Euro, die Sunday Times hatte sogar 120 Milliarden in der heutigen Ausgabe (das war scheinbar die Summe, die dementiert wurde).

Kommentare :

  1. 63Mrd wird nicht reichen, Irland braucht gute 200Mrd.

    Übrigens witzig, wie da locker von "three figure" und "two figure" Zahlen gesprochen wird. Das sind Milliarden, also "twelve figure" bzw. "eleven figure" Werte.

    AntwortenLöschen
  2. Das ist allerdings eine sehr passende Anmerkung!

    Ob es wirklich 200 Mrd. werden? Keine Ahnung. Vielleicht als Gesamtvolumen, das aber nicht in vollem Umfang gezogen wird. 200 Mrd. wäre ein gesamtes Jahres-BIP. Da scheint mir doch etwas hoch gegriffen. Die Bankbilanzen kann aber niemand wirklich beurteilen ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore