Zahl des Tages (25.11.10): 440.000.000.000

OK, recycelter Artikel ...

Was passiert eigentlich, wenn die 750 Milliarden Euro aus dem Eurozonenrettungsfonds nicht reichen? Zum Beispiel für den Fall, dass Spanien auch die Grätsche macht ...

Wobei die 750 Milliarden Euro ja sowieso nicht stimmen, da wegen des AAA-Ratings und der verlangten Überdeckung des Eurozonen-Anteils von den 440 Mrd. defakto weniger als 240 Mrd. Euro verliehen werden können. Es sind insgesamt also etwa 550 Mrd. Euro. Und wenn Spanien und Portugal ausfallen, sogar noch weniger.

Auf jeden Fall meint Bundesbank-Chef Axel Weber, dass der Sicherungsfonds sicherlich sicher ausreichen werde. Und wenn er, warum auch immer,  nicht ausreichen sollte, könne man ihn problemlos aufstocken.

Ach ja? Ich dachte, das wäre keine freie Entscheidung von Notenbankern, sondern da hätten die nationalen Parlamente noch ein gewisses Mitspracherecht. In der Slowakei gab es schon Proteste (kein Wunder, die müssen wirtschaftlich stärkeren Ländern helfen) und auch in Österreich regt sich größerer Widerstand. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das erst der Anfang einer Welle ist.

Am Ende bleibt wahrscheinlich Deutschland als einziges Land übrig, das weiter "helfen" will. Aber spätestens dann stellt sich die Frage, ob nicht doch besser Deutschland aus dem Euro austritt. Eine "Lösung", der ich eine immer höhere Wahrscheinlichkeit einräumen würde.

Schaut Euch einfach mal die folgende Präsentation der UBS an:

UBS Präsentation: Die Zukunft des Euro (Flash! Aha!).

Das wahre Problem des Euro sind nämlich nicht die schwachen Randstaaten, sondern das sehr starke Deutschland (plus vielleicht noch Österreich, BeNeLux und Finnland). Frankreich und Italien fallen aber eigentlich schon deutlich ab und gehören eigentlich eher in einen Weich-Euro-Neu.

Euro-Krise: Bundesbank-Chef bringt noch größeren Rettungsschirm ins Gespräch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Update (16:42):

Oh, weissgarnix ist sauer ...

Weissgarnix: Game over für den Euro

Natürlich formuliert er besser und prägnanter als ich:
Was Weber überhaupt nicht klar zu sein scheint, ist, dass diese ökonomische Krise im Begriff ist, eine politische zu werden. [...]
Sie [die Bewohner Islands, Griechenlands, Irlands und demnächst Portugals und Spaniens] werden es sich nicht bieten lassen, fiskalisch auf das Niveau des Mittelalters zurück gesetzt zu werden, nur damit Weber, EZB oder Internationaler Währungsfonds das Spiel noch eine Zeit lang weitertreiben können. [...]
Der EURO wird genauso wieder von der Bildfläche verschwinden, wie er gekommen ist: aus politischen Überzeugungen, nicht ökonomischen. [...]
Was wir gerade erleben ist der Anfang vom Ende des Euro. [...]
Und weissgarnix hat 'ne Wette gegen einen Euroskeptiker gemacht. Mist, der Skeptiker hätte auch ich sein können. Auch wenn ich die aktuelle Entwicklung nie so vorausgesehen habe, vor allem in der Geschwindigkeit. Ich hätte dem Euro eher noch ein Jahrzehnt gegeben.

Mir waren immer die simpel-doof Argumente ausreichend überzeugend genug, die besagt haben, dass man dermaßen unterschiedliche Länder nicht mit einer Währung beglücken kann.

Ich habe mal eine ziemlich lange Geschichte über die (wie ich es immer nenne) Synchronisation die niederländischen und österreichischen Volkswirtschaften mit der deutschen gelesen. Hier hat es laaaange gedauert, bis sich Wirtschaftsstruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Lohnniveau etc. so weit angeglichen haben, dass Zinsniveau und Währung parallel liefen. In der Anpassungsphase gab es immer noch vorher ungeplante Währungsanpassungen, die die Politiker immer im Vorfeld ausgeschlossen haben.

Es gab zum Start des Euro einfach keinen Grund anzunehmen, dass der Anpassungsprozess von Volkswirtschaften wie Spanien, Portugal oder Griechenland, die viel unterschiedlicher zur deutschen waren als Holland oder Österreich, plötzlich schneller und reibungsloser vonstattengehen könnte. Keinen.

Update (18:42):

In Brüssel wird scheinbar über eine Verdopplung des EFSF (European Financial Stability Fund) diskutiert. Also nochmal

440.000.000.000 (440 Milliarden) Euro

oben drauf. Aus denen effektiv etwa 220 Mrd. für Hilfe zur Verfügungen stehen dürften, wenn sich Spanien und Portugal nicht beteiligen (Portugal Irland und Griechenland sind ja eh schon raus).

Kommentare :

  1. Zum Schluss des letzten Satzes wird wohl gemeint sein "(Irland und Griechenland sind schon raus)".

    Die Frage ist natürlich, welche Konsequenzen eine EURO-Spaltung für den Einzelnen brächte. Da würde ein Kommentar, den ich gestern in der FTD oder dem Handelsblatt gelesen habe, wohl ganz gut dazupassen:

    Alles Vermögen beruht auf dem Willen und der Kraft des Staates, privates Eigentum anzuerkennen und zu schützen. In diesem Sinne haben auch die Sachwerte ihre Parallelen zum Bar-/Buchgeld, denn wenn verstaatlicht wird (direkt oder indirekt durch Steuerbelastung), haben mir diese nicht besonders weitergeholfen.

    lg - urriegel

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  2. Um folgendes beiden Aussagen in den richtigen Zusammenhang zu bringen:
    > "In Brüssel wird scheinbar über eine Verdopplung des EFSF ... diskutiert"
    > "Auf jeden Fall meint Bundesbank-Chef Axel Weber, ... nicht ausreichen sollte, könne man ihn problemlos aufstocken."

    Die Aussage Webers geht nicht, wie es den Anschein hat, auf seine eigenen Vorstellungen/Ideen zurück sondern es ist wohl eher so, dass er wohl von den Gesprächen in der EU-Kommission wusste und es halt etwas zu früh herauslies (ob beabsichtigt oder nicht sei mal dahingestellt).
    Zumindest deutet der Artikel vom WSJ unter http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704638304575636580416827208.html?mod=djemalertNEWS das an:
    "Bundesbank President Axel Weber hinted at the discussions going on behind the scenes when he said on Wednesday..."

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  3. @urriegel:

    Hast natürlich recht. ist verbessert.

    @anonym:

    Gute Anmerkung. Es wird natürlich nicht Axel Weber alleine machen. Aber auch wenn es 100 Politiker entscheiden, heisst das ja nicht, dass die 300 Mio Europäer mitmachen ...

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  4. Verdoppeln, verdreifachen, vervierfachen...

    Alles kein Problem, alles in Butter, Geld ist ja in beliebigen Mengen da, notfalls leiht man sich was oder läßt es gleich von der EZB drucken.

    Es ist auch in diesem toll recherchiertem Blog immer wieder geschrieben worden wie wackelig Spanien ist, das sie eigentlich auf gleichem Niveau wie Irland sind (geplatzte Immobilienblase). Nur schönen sie ihre Bilanzen besser, Irland ist den offenen Weg gegangen und hat es dadurch vielleicht schneller hinter sich.

    Eine Spanien-Pleite wäre eine schwere Belastung für leicht angeschlagene Staaten wie Frankreich und Italien - da diese dann die spanischen Schulden übernehmen müssen. Damit kippeln dann die nächsten Dominosteine.

    Irgendwo hatte ich gelesen, das in Spanien die Versteigerungen nächstes Jahr um Faktor 3 steigen sollen - das ist dann dort auch "Endgame".

    Und wenn jetzt alle sparen, inklusive Deutschland, haben wir in kürzester Zeit eine "schöne" europaweite Rezession - und damit kentert der Euro dann durch.

    (Das ist alles nur meine Meinung. Auch meine Kristallkugel ist weiterhin trüb.)

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  5. Die Behandlung der Risiken (Offenlegung in Irland vs. Verstecken in Spanien (und den USA)) wird vielleicht eine der spannendsten Fragen in dieser Krise: Kommt Spanien mit der Nummer durch?

    Ich zweifle nicht daran, dass Spanien ein ähnlich schlimmes Immobilienproblem hat wie Irland. Vor allem ist Spanien volkswirtschaftlich eindeutig schlechter aufgestellt (niedrigeres BIP, schlechtere Bildung, schlechtere Wettbewerbsfähigkeit, Handelsbilanzdefizit, ...) als Irland.

    Sollte Spanien ohne Hilfe durch die Krise kommen (was immer unwahrscheinlicher wird), wird die Politik daraus eine Lehre ziehen: Kehre den Müll unter den Teppich. Die Finanzmärkten können mit Klarheit nicht umgehen.

    Das mit den Zwangsversteigerungen in Spanien: Ja, die spanischen Banken müssen demnächst (ab 1.1. 2011 IIRC) ihre überfälligen Kredite schneller abschreiben. Bisher wird erst nach zwei (oder drei?) Jahren abgeschrieben, jetzt sofort wenn der Kredit 90 Tage überfällig ist.

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  6. Nicht nur die Slowakei soll reicheren Staat helfen. Das trifft auch auf Deutschland zu. Irlands Pro-Kopf-Einkommen liegt deutlich über dem Deutschlands.

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  7. 2009 waren es etwas mehr als 10%. Ich weiss nur nicht, wieviel davon übrig geblieben ist ...

    Außerdem ist Reichtum nicht nur BIP/Kopf. Die NIIP Irlands ist tiefrot.

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