Zahl des Tages (26.11.10): 93%

Ich hatte zwar eigentlich was anderes auf dem Plan, aber das bekomme ich nicht mehr fertig. Wenn man kein vernünftiges Interface zu den Wirtschaftsdaten hat, ist das zwar nicht mehr so schlimm wie früher (weil man doch an alles rauskommt), aber es dauert lange, bis man alle Daten gefunden hat.

Also eine relativ einfache Zahl. Das Analysehaus Creditsights hat die Abhängigkeit der Banken von der Liquidität der EZB untersucht. Ich hatte eine ähnliche Zahl schonmal und zwar aus Irland (ZAHL DES TAGES (19.11.10): 20.000.000.000), die aussagte, dass sich der irische Bankensektor inzwischen zu mehr als 100% bei der EZB finanziert. Das geht natürlich nur, wenn noch irgendwo anders Geld herkommt. In diesem Fall ist es die irische Regierung, die die 20 Milliarden den Banken geliehen hat.

Wie sieht es nun in den anderen kritischen Ländern der Eurozone aus? In Griechenland müsste ich mal was dazu geschrieben habe (auch wenn ich es nicht finde), aber das ist es eh klar: Es sieht fast zu schlimm aus wie in Irland: 85 Mrd. Euro der Refinanzierung der griechischen Banken hängt direkt von der EZB bzw. der lokalen Notenbank ab. (Das stützt meine These, dass die griechische Krise im Endeffekt ebenfalls durch einen Bankrun ausgelöst wurde).

In Spanien und Portugal sieht es aber besser aus. Was aber lange noch nicht gut heisst ...
Spaniens Banken hängen mit 55 Mrd. Euro am Tropf der EZB-Refinanzierung, Portugal mit knapp 40 Mrd. Die Frage ist hier allerdings, wie aktuell die Zahlen sind, denn schon in Irland hat man gesehen, wie schnell die Kunden den Banken das Geld entziehen, wenn sie das Vertrauen verlieren. Wer weiss, wo der Wert heute steht ... Auch sind die 40 Milliarden im kleinen Portugal natürlich viel kritischer als die 55 Mrd. im wesentlich größeren und wirtschaftskräftigeren Spanien.

Über alle vier Länder ergibt sich eine Quote von

93%,

mit der die jeweiligen Bankensektoren von der EZB (bzw. der lokalen Zentralbank) abhängen.

Wie außergewöhnlich hoch das ist, zeigt auch ein Blick auf die anderen Länder. In Italien liegt der Wert bei 13 Mrd., in Belgien bei 6 Mrd.. Der Rest (quasi der alte DM-Block) ist nahezu neutral oder sogar im Plus.

FT Alphaville: Gobbling 93 per cent of eurozone liquidity

Übrigens lassen die hohen Quoten auch gewisse Rückschlüsse auf die Aussagen zu, dass "wir" "jetzt" die Iren retten zu. Das stimmt nämlich nicht, die EZB rettet die Iren (bzw. den irischen Bankensektor) schon lange. Die Summen stehen oben ...

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