Zahl des Tages (27.11.10): 1.013.116.000

Im Rahmen der Irland-Krise, die ja im Kern eine Bankenkrise ist, kommt wieder die Forderung auf, die Sch**ss-Banken doch einfach Pleite gehen zu lassen. (Alternativ versucht man sogar, die Banken absichtlich in die Pleite zu treiben, siehe FRANZOSEN WOLLEN KOORDINIERTEN BANKRUN STARTEN ... oder BANK RUN AM 7.12. - JETZT MACHE ICH MIT!)

Auch wenn ich die Wut gut nachvollziehen kann, ist mir die Idee (also genauer gesagt beide) fremd. Denn eine unkontrollierte Pleite eine Bank ist eine Katastrophe und zwar nicht für die, die das Volk damit treffen möchte, sondern für alle ...

Ein gutes Beispiel dafür ist die Lehman-Pleite. Es gib zwar noch keine endgültigen Zahlen zur Gläubigerquote im Fall von Lehman, aber immerhin für die deutsche Tochter Lehman Brothers Bankhaus. Diese liegt bei etwas über 10%. 90% der Forderungen der Anleger sind also futsch. Bei Lehman wird mit etwa 20% gerechnet, also mit einem Verlust von 80%.

Auch die Abwicklung ist teuer. Im Fall von Lehman hat allein der Insolvenzverwalter Honorare in Höhe von

1.013.116.000 Dollar

in Rechnung gestellt. Und das ist noch lange nicht das Ende, denn die zahlreichen anhängigen Gerichtsverfahren werden sich noch lange hinziehen.

Focus: Insolvenzverwalter kassieren Milliardenhonorar

Es gibt mMn sinnvollere Wege, die Großbanken zu bestrafen, als einen Bankrun zu inszenieren ...

Kommentare :

  1. Was wäre denn ein sinnvoller Weg?

    Das schlimme ist, dass die Banken schalten und walten können wie sie Lust und Laune haben.

    Ich könnte heute noch das Brechen bekommen, wenn ich dran denke, dass hier in Deutschland ein sogenannter Sozialdemokrat namens Schröder zusammen mit den Grünen die Deregulierung durchgezogen hat.

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  2. Too-Big-to-fail Banken verbieten (damit Banken im Fall der Fälle pleite gehen können, ohne die gesamte Wirtschaft mitzureissen). Kapitalpuffer erhöhen (damit Banken nicht mehr so schnell Pleite gehen). Deregulierung zurückdrehe (damit Banken nicht mehr wild rumspekulieren können).

    Und dann ein Rahmenwerk bauen, in dem die Banken, die dann doch noch groß (=kritisch) sind und trotz geringeren Risikos und höherer Kapitalpuffer pleitegehen, verstaatlicht und abgewickelt werden können.

    Vieles von dem, was oben steht, lag im Rahmen des Volcker-Plans in den USA auf dem Tisch. Ist aber zum größten Teil geblockt worden. Also mach dir keine Hoffnung.

    Als "Normalsterblicher" geht man zu einer Bank, die verantwortungsvoll mit dem Geld umgeht. Ich empfehle immer die GLS Bank, weil ich diese kenne. Es gibt sicherlich noch ein paar andere ..

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  3. Hallo,

    "Es gibt mMn sinnvollere Wege, die Großbanken zu bestrafen, als einen Bankrun zu inszenieren ..."

    Und der wäre? Ich muss leider zugeben, dass sich in der Scheißpolitik offensichtlich nur dann was ändert, wenn es so richtig knallt, siehe S21. Also muss man es knallen lassen. Und nichts ist für Mächtige schlimmer, als wenn das Volk sich erhebt. Es ist nur eine kleine Machtdemonstration, à la "Alle Macht geht vom Volke aus", siehe auch "Grundgesetz".
    Die CDU steht bei 30%, FDP bei knapp 5%. Man müsste eigentlich denken, dass sie jetzt endlich etwas tun, aber: Fehlanzeige. Merkel regiert wie Kohl in seinen letzten Zügen: Katastrophal.

    Davon abgesehen: Wer waren denn die Investoren bei Lehman - der kleine Facharbeiter oder Handwerker nebenan oder Finanzjongleure? Na? Siehste. Manchen Leuten gönne ich einfach, dass sie ihr Geld verloren.

    Gruß,

    Hardy

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  4. Hätte ich vielleicht in den Artikel schreiben sollen:

    Geht zu einer Bank, die nicht spekuliert, sondern mit de Geld der Anleger ihre volkswirtschaftliche Aufgabe erfüllt: Das Geld als Kredit der Wirtschaft (oder Häuslebauern ,...) zur Verfügung zu stellen.

    Und wer mag, kann die Kreditvergabe noch beeinflussen und "schädliche" Kredite an umweltbelastende und unsoziale Zwecke vermeiden: z.B. bei der GLS Bank.

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  5. ist natürlich immer einfach auf "die Banken" und "die Abzocker" zu schimpfen.
    Wer sind "die Banken"? Letztlich sind wir das alle selber, mit unseren Einlagen, mittelbar und unmittelbar.
    Mit den Billionengarantien werden nicht in erster Linie die Banken (= die Aktionäre der Banken) gerettet. Die gesamten deutschen Banken bringen vielleicht gerade mal 100 Mrd Marktkapitalisierung zusammen. Die könnte man gerne pleite gehen lassen bzw. auf eine Marktkapitalisierung von knapp über 0 zusammenschnurren lassen.

    Wenn man den ganzen PIIGS-Dreck nicht rettet (m.E. ist das eh keine Rettung, sondern nur ein Hinauszögern des offensichtlichen: dass in den 4 Billionen an bundesdeutschem Geldvermögen viel heiße Luft drinsteckt), dann sind plötzlich Hunderte von Milliarden an Einlagen auf den Passivseiten der Banken nicht mehr formal durch entsprechende Aktiva gedeckt. Mit dem sog. Rettungsschirm geht es nur darum, die formale Gleichheit von Aktiva und Passiva eine Zeit lang noch aufrechtzuerhalten. Keine Regierung will die erste sein, die dem Bürger reinen Wein einschenken muss.

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  6. @matsch:

    Du hast natürlich recht. Gerettet werden am Ende die Vermögen der Deutschen. Also auch die des durchschnittlichen Lebensversicherungskunden.

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  7. Hallo nochmal,

    "Du hast natürlich recht. Gerettet werden am Ende die Vermögen der Deutschen. Also auch die des durchschnittlichen Lebensversicherungskunden."

    Jein. Ihr wisst, dass Banken "mein" Geld mehrfach verleihen. Meine Einlage wird also mehrfach gehebelt, Geld wird mithin geschöpft. Wenn also 1000€ Ausleihungen von Banken "gerettet" werden, stecken da vielleicht 50€ (Eigenkapitalquote DB: kleiner 5%) an Einlagen drin. Gerettet werden Banken, nicht Einlagen. Letzteres könnte man einfacher und billiger haben.

    Grüße,

    Hardy

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  8. Hallo,

    "Geht zu einer Bank, die nicht spekuliert, sondern..."

    Ein Beispiel? Ich bin bei einer Sparkasse, die die dortige - meine ehemalige - Hochschule stark unterstützt. Mehr ist kaum umsetzbar.

    Gruß,

    Hardy

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  9. Hallo,

    "Denn eine unkontrollierte Pleite eine Bank ist eine Katastrophe und zwar nicht für die, die das Volk damit treffen möchte, sondern für alle ..."

    Was ist der Unterschied zu:

    "Denn eine unkontrollierte Pleite eines Unternehmens ist eine Katastrophe und zwar nicht für die, die das Volk damit treffen möchte, sondern für alle ..."

    ?

    Warum sollte eine Bank nicht "unkontrolliert" (was ist das?) Pleite gehen? Insolvenzverwalter her, fertig. Läuft täglich in Deutschland genauso ab, siehe Karstadt.

    Dass nicht sein kann was nicht sein darf?

    Gruß,

    Hardy

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  10. Nein. Bei Lehman sind 20% übriggeblieben. Das ist definitiv mehr Verlust als bei einer Verstaatlichung der Bank als Verlust entstanden wäre. Wie viel stärker kann ich nicht sagen. Aber kurz nach der Pleite ging ein Kern an Barclays für 2,2 Mrd. (oder so). Das war ein Geschäftsbereich, der vorher auf 10 Mrd. oder mehr geschätzt wurde. Und es wahrscheinlich auch wert war. Nur war in der Krise niemand bereit, auch nur annähernd diesen Preis aufzurufen.

    Heute würde man den Preis wieder bekommen.

    Und wir reden bis hierher nur über die Verluste bei Lehman. Die ganzen Verluste bei den anderen Banken sind in der Rechnung noch gar nicht drin. Die Pleite von Lehman hat wahrscheinlich mehr Geld vernichtet als Lehman an Assets hatte. Das war eine Implosion, die mehr vernichtet hat als das was implodiert ist ... Also eher ein schwarzes Loch ...

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  11. @Hardy:

    Ich hoffe nur, dass die Sparkasse nicht zu viel mit der entsprechenden Landesbank gedealt hat ... Meine muss dauernd Geld in die WestLB stecken ...

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  12. > Wikileaks nimmt "große US-Bank" ins Visier
    > Seine Internet-Plattform werde zehntausende Geheimdokumente aus einer großen US-Bank veröffentlichen, "die ein oder zwei Banken in die Tiefe reißen" könnten.
    > Die Dokumente sollten "Anfang kommenden Jahres" veröffentlicht werden

    http://de.news.yahoo.com/2/20101130/tts-wikileaks-nimmt-grosse-us-bank-ins-v-c1b2fc3.html

    Passt irgendwie oder?

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