Gerüchte über das Ende von FrAaankreich

Angeblich soll Moody's über eine Abwertung von Frankreich nachdenken. Frankreich hat aktuell (noch?) das bestmögliche Rating Aaa. Die Märkte sehen Frankreich aber schon einige Stufen niedriger, je nach Berechnungsweise teilweise sogar 6 bis 7 (!) Stufen.

Naja, im Moment nur Gerüchte ... Moody's selber zeigt noch nichts an.

Für die Rettungsfonds, etc. wäre ein Verlust des französischen Topratings natürlich ein Desaster. Der Rettungsfonds EFSF hat darf ja bekanntlich nur etwas mehr als die Hälfte seines Nominalvolumens verleihen, weil die Ratingagenturen für das Triple-A Rating nur vergeben, wenn a) eine Überdeckung stattfindet (quasi als Sicherheitspuffer) und b) nur der Anteil, für den die AAA gerateten Länder haften, verliehen wird. Das wäre nach einer möglichen Herabstufung Frankreichs dann (fast) nur noch Deutschland. Kurs: Das Volumen würde sich damit nochmal fast halbieren und dann könnte man den EFSF auch direkt entsorgen. Oder muss bei einem schlechteren Rating höhere Zinsen bezahlen ...

So viel zum Thema, dass der EFSF eigentlich nur eine Möglichkeit für Deutschland ist, risikolos eine Menge Geld zu verdienen. Deutschland leiht sich ja schließlich zu 2% Geld und leiht es zu 6% weiter. Das stimmt zwar, aber es ist eben doch ein Risiko drin. Nämlich dass der Schuldner ausfällt, Deutschland am Ende alleine haftet und dann, wenn die Anleger das realisieren, Deutschland auch kein Geld mehr für 2% bekommt ...

French AAA Grade at Risk as Downgrades Sweep Europe - Bloomberg

Update (13:56):

Vielleicht noch ein Hinweis, den ich zwar schonmal gebracht habe, aber der sich in dem Zusammenhang durchaus nochmal lohnt:

Schaut Euch einfach mal die folgende Präsentation der UBS an:

UBS Präsentation: Die Zukunft des Euro (Flash! Aha!).

Das wahre Problem des Euro sind nämlich nicht die schwachen Randstaaten, sondern das sehr starke Deutschland (plus vielleicht noch Österreich, BeNeLux und Finnland). Frankreich und Italien fallen aber eigentlich schon deutlich ab und gehören eigentlich eher in einen Weich-Euro-Neu.

ZAHL DES TAGES (25.11.10): 440.000.000.000

Update (21.12.10):

Heute hat auch die FAZ das Thema aufgegriffen:

FAZ: Zweifel an Frankreichs erstklassiger Bonität

Kommentare :

  1. They have the bomb not a bomb the bomb...

    Die Rate Agenturen drehen durch wer nimmt die noch ernst?

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  2. Die Anleger, die dann mehr Zinsen haben wollen? Fonds, die nur Aaa kaufen dürfen? Die Banken, die bei niedrigeren Ratings mehr Eigenkapital vorhalten müssen?

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  3. Wer muss da noch Denkverbote aufstellen?

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  4. wieso Frankreich noch so einen vergleichsweise guten Ruf hat ist mir eh schon seit langem ein Rätsel. Frankreich - das ist Staatssozialismus, Merkantilismus und Pfründen von Privilegien, die einem schier den Atem verschlagen.

    Ich hoffe, auch wenn ich nicht sehr optimistisch bin, dass die deutsche Regierung nicht so unglaublich bescheuert ist, im Ernstfall wirklich für die Garantien einzustehen. Nein, das glaube ich nicht, das hätte es in 5000 Jahren Menschheitsgeschichte noch nie gegeben ...... oder wären die wirklich so blöd??

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  5. Es lohnt sich vielleicht bei der Gelegenheit nochmal ein Hinweis auf die UBS Analyse zur Eurozone, in der ziemlich deutlich wird, dass Deutschland und Frankreich nicht wirklich auf einem Level liegen ...

    ZAHL DES TAGES (25.11.10): 440.000.000.000

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  6. egghat eine Frage. Heutzutage ist doch, auch, sehr viel Geld für zukünftige Renten oder Versicherungen global unterwegs.

    Kann es sein, dass die versprochenen Erwartungen/Renditen, auf breiter Basis nicht (mehr) realisierbar sind?

    Besonders nach Abzug von Gebühren bei jeglicher Transaktion (und den Verwaltungsgebühren und Gewinnbeteiligungen) sowie den Ausfällen durch/in vergangenen Wirtschaftskrisen.

    Im Sinne von der Kreis wird immer enger, da auf jedem Weg versucht wird die versprochenen Erwartungen zu erfüllen - was entsprechend zum eingehen von höheren Risiko, fragliche Investitionen, für die Wirtschaft in ihrer Konsequenz zu negativen Auswirkungen führt.

    Hört sich das deiner Ansicht nachvollziehbar an und trifft möglicherweise zum Teil zumindest zu?

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  7. @anonym:

    Vorstellbar ist das. In Japan sind auch massenhaft Lebensversicherer pleite gegangen, als die Zinsen bei 1% lagen aber die Zahlungsverpflichtungen noch mit 4 oder mehr Prozent kalkuliert waren.

    Das ist vorstellbar.

    ABER eigentlich nur in einem deflationären Umfeld. In einem Umfeld, in dem auf der ganzen Breite die Zinsen sinken. (und selbst dann nicht sofort, weil sinkende Zinsen zuerst ja noch steigende Kurse = Kursgewinne auslösen. Erst bei der Wiederanlage wird es irgendwann kritisch). Im Moment deutet die Wirtschaftsentwicklung aber nicht auf eine anhaltende Deflation hin. Die Fed (und die EZB) tun ja auch alles, um diese zu verhindern. Auch werden zumindest bis jetzt alle größeren Zahlungsausfälle mit aller Macht verhindert.

    Das kann sich alles ändern und ich schließe eine Deflation immer noch nicht aus, aber das wahrscheinlichste Szenario ist es mMn im Moment nicht. Da müsste noch irgendein Auslöser hinzukommen, z.B. wäre eine Pleite von Spanien ein möglicher Auslöser für einen deflationären Schock.

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  8. ich denke, der Staat (und mit ihm natürlich die Notenbanken, die alles andere als unabhängig sind) wird alles, wirklich alles dafür tun um die nominalen Renditeversprechungen einhalten zu können. Keiner wird nominal weniger aus dem Riester-Mist (und alles was es in dieser Richtung dazu gibt; LV, Fondssparen etc.) zurück erhalten als er eingezahlt hat, damit der Staat sagen kann 'Versprechen gehalten'. Weil sonst die Revolution ausbrechen würde. Was real rauskommt, ist eher zweitrangig.

    "Denn eins ist sischer: die Rente!". Das ist Staatsräson.

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  9. @matsch:

    Stimme zu.

    Es bleibt generell bei der allgemeingültigen Einschätzung der Lage nach dem Platzen einer Kreditblase:

    Die große Gefahr ist die (natürlicherweise) drohende Deflation, der einfachste Ausweg die staatsinduzierte Inflation.

    Damit weiss man natürlich immer noch nicht, was denn kommt ...

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  10. @Matsch: In dem Falle bin ich für Revolution. Ich sehe nicht ein, warum mal als Denkender anderen Leute ihre Dämlichkeit oder Treuherzigkeit oder Renditegeilheit finanzieren soll. Eine Zahlung in 40 oder 50 Jahren KANN AUCH NACH LIBERALEM DOGMA (vgl. von-Hayek) unmöglich irgendwie garantiert oder auch nur zugesagt werden. Das muss schmerzvoll und, frei nach Koch, brutalstmöglich in die Köpfe herein. Den Ossis wurde auch vorgehalten, was sie in ihrem System alles falsch gemacht hätten und warum das kaputt gehen musste. Denen wurde in Einsicht in ökonomische Postulate einfach abverlangt und aus. - Warum sollten dann Wessis straflos dämlich sein dürfen???

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  11. Für den Staat ist dieses nominale Renditeversprechen ein lösbares Problem. Der Bundesbürger ist halbwegs zufrieden und ruhig gestellt wenn er auf Heller und Pfennig (nebenbei bemerkt: was für eine altmodische Redensart) mindestens das wieder zurück bekommt was er einbezahlt hat. Was das real wert ist - nebensächlich. Sogar die Bundesverfassungsrichter, die man ja wohl zur geistigen Elite dieses Landes zählen darf, haben eine derart verstörend schlichte Denke. Siehe das Urteil zur gesetzlichen Rentenversicherung, wonach einbezahlte Rentenbeiträge unter den Eigentumsschutz fallen (als Volkswirt muss man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen wie juristengrundverblödet man für so ein Urteil sein muss) und diesem Eigentumsschutz Genüge getan ist solange jeder nominal wieder das zurückerhält was er einbezahlt hat.

    Es geht auch gar nicht so sehr um Renditegeilheit. Denn auch bei 'Normalverzinsung' sind all diese Rentenanlagen nicht gerade Renditeknaller. Viele dieser Rentenanlagen sind dem Bürger vom Staat aufs Auge geschwatzt oder sogar per Zwang verordnet worden (Riester, Rürup, LV, Direktversicherungen, Fondssparen und was weiß ich noch alles). Aus der Nummer käme der Staat nicht mehr ohne schwerste Erschütterungen heraus wenn er nicht auf Biegen und Brechen das nominale Renditeversprechen (mindestens 0% !) einhält

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