Moody's stuft Irland um 5(!) Stufen auf Baa1 herab

So, da isset passiert ... Die angekündigte Herabstufung der irischen Staatsanleihen (IRLAND VOR "MEHRSTUFENABWERTUNG" DURCH MOODY'S?) durch Moody's wurde heute morgen bekannt gegeben

Es wurde eine kräftige Abwertung fast bis auf das Niveau, das die Märkte (CDS und Renditeaufschläge der Staatsanleihen) einpreisen (Das liegt etwa (in Moody's Schreibweise) bei Baa2).

Es geht satte 5 Stufen runter, die ganze Stufe A wird komplett ausgelassen und es geht mit Baa1 verdächtig in die Nähe von Junk. (Baa2 und Baa3 liegen noch dazwischen).

Und am schlimmsten: Selbst nach dieser Megaabstufung bleibt der Ausblick auf negativ ...

Bloomberg: Ireland Credit Rating Is Cut by Moody's; Outlook Negative

Die Märkte zeigen sich aber extrem entspannt. Nicht einmal im Devisenwechselkurs Dollar/Euro ist ein Sprung zu erkennen ...

Update (10:29):

Bei Fitch liegt Irland übrigens seit letzter Woche auf BBB+ , also der gleichen Stufe wie Moody's (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Fitch senkt Rating von Irland um eine Stufe auf BBB+), und bei S&P seit etwa 3 Wochen auf A, sprich 2 Stufen höher (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: S&P stuft Irland auf A herab). Wenn jetzt noch S&P abwertet, stimmen die Bewertungen von Markt und Ratingagenturen ausnahmsweise mal wieder überein ...

Update (10:42):

Warum ich immer die Ratings bringen? Weil dass die Banken, die die Dinger mit Eigenkapital hinterlegen müssen, interessiert, denn die müssen ihre irischen Staatsanleihen nun mit mehr Eigenkapital hinterlegen ... So funktioniert halt das risikogewichtete Eigenkapital nach Basel II (und Basel III).

Außerdem dürfte es jetzt noch jede Menge weiterer Downgrades hageln, weil nun auch Covered Bonds und Unternehmensanleihen (z.B. die Banken) aus Irland Herabstufungen drohen. Denn die können nur eine bestimmte Anzahl von Stufen höher bewertet werden als der Staat (ich weiss gerade nicht, ob es 5 oder 7 Stufen sind, erinnere mich aber daran, dass das in Griechenland auch passierte).


Und zur Erinnerung: Alles unter A- war bis vor kurzem überhaupt NICHT hinterlegungsfähig bei der EZB. Für Griechenland wurde das geändert, ich weiss aber nicht, ob das eine Spezialregelung für Griechenland war oder eine allgemeingültige Änderung.

Kommentare :

  1. Diese ganzen Ranking interessieren mich ehrlich gesagt nicht, da die Ratingagenturen bei mir keinerlei Glaubwürdigkeit besitzen. Zumal sie den CDS-Spreads sowieso gefühlte 1000 Jahre hinterher laufen...

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  2. Die Banken, die die Dinger mit Eigenkapital hinterlegen müssen, interessiert das aber schon ...

    Zur Erinnerung: Alles unter A- war bis vor kurzem NICHT hinterlegungsfähig bei der EZB.

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  3. Hallo egghat,

    die Banken haben ihre Positionen entsprechend abgebaut und an die EZB verschoben - oder sie wollen halt zocken. Die EZB war aber zumeist der einzige Käufer. Die Ratingagenturen sind wirklich irrelevanz geworden, weil sie nach meinem Eindruck nur noch Marktentwicklungnen nachvollziehen und nicht mehr auslösen. Das war vor der Krise anders. Außerdem: wen interessieren noch Regeln? Alle wollen ja nur noch den nächsten Tag überleben ... .

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  4. Dass die Banken alle fleissig abschieben, Zustimmung. Aber dass die schon alles los sind, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    Der Zähler bei der EZB stand bei 72 Milliarden Euro. Und da sind die anderen wackligen Länder auch noch dabei. Klar, neue Anleihen gehen glaube ich ziemlich ausschließlich an die EZB (wobei Irland übrigens gar keine emittiert hat).

    Aber vielleicht hast du mehr Recht als ich am Anfang dachte. Selbst wenn meine Einschätzung stimmt, dass die Anleihen nicht in sonderlich großem Umfang bei der EZB liegen. Vielleicht sind die "letzten" Halter am freien Markt die Versicherungen, Pensionsfonds, etc. Also die, die normalerweise bis zur Endfälligkeit halten. Die wären von Basel II nicht betroffen. Fonds gar nicht, Versicherungen u.U. über Solvency II (das kenne ich aber nicht).

    Übrigens: Deinen Kommentar bei weissgarnix bzgl. der Synchronität von Markt und Politik (bzw. der aktuellen Asynchronität) fand ich sehr anregend.

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  5. Guten Tag!

    Na ja, das mit dem Abschieben funktioniert nicht so einfach:

    Grundsätzlich gibt es das (relativ neue) Aufkaufprogramm und die normalen Liquiditätsprogramme. Das darf man nicht vertauschen.

    Die Zahl von egghat mit 72 Mrd. betrifft das Aufkaufprogramm und ist nur ein Bruchteil der ganzen Malaise. Bei diesem Programm geht das Risiko tatsächlich auf die EZB über.

    Beim Liquiditätsprogramm werden die Staatsanleihen (dazu ist die Ratingstufe relevant, Grenze vor Griechenland A-)als Sicherheit bei der EZB für frisches Geld hinterlegt. Das Bonitätsrisiko verbleibt grundsätzlich bei der einreichenden Bank und muss dort auch bilanziert bzw. mit Eigenmitteln unterlegt werden. Das Risiko schlägt dann auf die EZB durch, wenn auch die einreichende Bank abgewickelt wird.

    Ergo: Man muss genau hinhören/hinsehen um auf die richtige Spur zu kommen.

    lg - urriegel

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  6. @urriegel:

    Da hast du natürlich Recht. Die verliehenen Papiere gibt es natürlich auch noch. Ich glaube, ich hatte die Quote der Fremdfinanzierung bei der EZB auch mal in einer Zahl des Tages (IIRC). Die war hoch (>90%).

    Was würde denn im Fall einer Abwertung passieren? Würde der Haircut bei der EZB aufschlagen oder bei der Bank?
    Die Papiere sind doch nicht aus der Bilanz der Bank ausgebucht, sondern nur als Sicherheit hinterlegt, oder habe ich das falsch im Kopf? Dann müsste der Haircut bei der Bank und nicht der EZB packen, oder?

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  7. Nur zum Thema. Die Scherzkekse von ft alphaville haben heute in einem Kommentar noch einmal einen alten Beitrag von Buiter verlinkt:

    http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/05/15/55922/why-the-ecb-is-a-good-bank-with-rubbish-assets/

    Die EZB versucht schon lange, die insolventen Banken mit Liquidität über Wasser zu halten. Dafür mussten sie die Sicherheiten natürlich qualitativ verwässern, also Müll annehmen. Übrigens meine ich mich zu erinnern, dass die spanischen Banken am längsten Hypothekenpapiere verpackt haben, um diese bei der EZB nutzen zu können.

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  8. "Weil dass die Banken, die die Dinger mit Eigenkapital hinterlegen müssen, interessiert, denn die müssen ihre irischen Staatsanleihen nun mit mehr Eigenkapital hinterlegen..."

    Mal als Außerirdischer gefragt: Die Ratingagenturen sind doch amerikanisch und mit der dortigen Finzanz-Kaste verbandelt und in ihren Ratings insofern frei, als das diese irgendwie nachvollziehbar sein müssen. Ist dann dieses Absenken nicht eine Art von Parteilichkeit, Erpressung, die europäischen Banken bewusst unter Druck setzend?

    Sorry, bin in dieser Hinsicht doof, aber neugierig.^^

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  9. @anonym:

    Das könnten die Ratingagenturen machen. Im Moment sehe ich diese Gefahr aber nicht, siehe den ersten Kommentar. Die Ratingagenturen laufen im Moment dem Markt nur hinterher.

    Dann kannst du noch den Kommentar von Frank Luebberding dazunehmen, der meint, dass die europäischen Banken eh keine Anleihen aus den kritischen Ländern mehr halten, weil alles bei der EZB gelandet ist.

    Dass die Ratingagenturen eine solche Macht haben, sind die Europäer übrigens selber Schuld. Denn Basel II ist quasi eine europäische Richtlinie (die USA haben Basel II nie umgesetzt, Basel III wollen sie aber mitmachen). Und nur durch die Risikogewichtung (durch das Rating) haben die Ratingagenturen so viel Macht bekommen.

    Das ist ein Punkt, den ich für einen der drei großen Probleme bei Basel II (und III) halte.

    Die amerikanische Regel für die Investmentbanken, dass die einfach 8% Eigenkapital für alles vorhalten mussten, war so dumm nicht (die wurde aber 2004(?) nach viel Lobbydruck aufgehoben und justament begann die große Bilanzaufblähung bis zum Platzen 2008).

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