Smart Investor Interview mit Shadowstats-Macher John Williams

Da ich weiss, dass ich nicht der Einzige bin, den das Interview in der aktuellen Ausgabe von "Smart Investor" interessiert, ein kurzer Hinweis auf den Artikel, der ausnahmsweise mal online verfügbar ist.

Shadowstats.com ist ein (kostenpflichtiger) Dienst, der versucht, einige der wichtigen Statistiken in den USA zu berechnen, die offiziell gar nicht mehr oder nur stark verändert berechnet werden.

Gar nicht mehr berechnet wird die Geldmenge M3, immerhin die Geldmenge, an der die Bundesbank ihre Zinspolitik maßgeblich anlehnte. Angeblich wäre die Berechnung zu teuer.

Die Arbeitslosenquote ist eine der Statistiken, die Shadowstats wie damals in den Siebzigern errechnet. Auch über die Inflation wird gesprochen. Da geht es um die Methodik wie die hedonistische Berechnung. Dabei wird die Verbesserung von Produkten als sinkender Preis in der Statistik berücksichtigt. Ist also z.B. ein Macbook 40% schneller als im Vorjahr, landet das (vereinfacht) in der Statistik als 40% billigeres Modell. Was aber Murks ist, weil ich dieses Macbook ja gar nicht kaufen kann. Es kostet verbessert halt immer noch 999 Dollar.
Zwar ist es irgendwie auch richtig, die Verbesserung von Produkten in den Warenkorb eingehen zu lassen, allerdings hat das erstens gewisse Grenzen (siehe oben, Produkte, die ich gar nicht kaufen kann) und zweitens öffnet diese hedonistische Anpassung Tür und Tor für Manipulationen. Wer will bestimmen, wie viel der Fernseher dieses Jahr besser ist als im Vorjahr?

Viel kritischer finde ich persönlich den Surrogatansatz. Dabei werden Produkte in Klassen einsortiert. Das klassische Beispiel dafür ist Margarine und Butter. Steigt der Preis für Butter, wird im Warenkorb automatisch die Butter durch die Margarine ersetzt. Steigende Preise bei einzelnen Produkten schlagen also nur gedämpft auf die Inflationsrate durch. Da frage ich mich echt nach dem Sinn. Denn dann berechnet man Preissteigerungsraten über einen sich ständig ändernden Warenkorb, der sich naturgemäß zu den preiswerten Waren neigt ...

Und eine Sache fehlt im Interview komplett: Die Owners Equivalent Rent (OER), also die Miete bzw. (falls man ein Haus besitzt) mietähnlichen Ausgaben, die den größten Batzen des Warenkorbs ausmacht (knapp 33%).
Ein kurzer Rückblick: Vor der Krise stiegen die Preise für Immobilien kräftig. Komischerweise stieg die OER nicht sonderlich stark, was ziemlich verwirrend war, weil der Kauf eines Hauses doch massiv teurer wurde und damit auch die OER steigen müsste. Die Begründung, die ich dafür gelesen habe, war so einfach wie verwirrend. Gegen die eigentlich stark steigenden Kosten für den Kauf und die Finanzierung eines Hauses wurde nämlich scheinbar der (vermeintliche) Gewinn durch den steigenden Hauspreis gerechnet.
Auch das ist noch irgendwo begründbar, auch wenn die große Gefahr besteht, dass man so aus Buchgewinnen fallende Preise errechnet.

Was ich mich aber viel mehr frage: Wo ist denn jetzt die steigende OER, die die fallenden Immobilienpreise auslösen müssten? Hausbesitz ist bei 30% Preisrückgang ein ganz schön teurer Spaß! Und wenn die Berechnung symmetrisch ist, müssten die sinkenden Hauspreise doch die OER verteuern.

Aber davon ist nichts zu sehen. Im Februar war der Einfluss auf die Inflationsrate sogar negativ, was ich sogar verbloggt habe, aber aus einem anderen Anlass. Kann man übrigens ruhig nochmal lesen, beantworten kann ich die Frage auch heute noch nicht: STATISTIK UND WAS ICH NICHT SELBER FÄLSCHE ...

Smart Investor Interview mit Shadowstats.com (PDF!)

Im Interview fehlt mir übrigens noch ein weiterer Punkt: Mich hätte interessiert, ob Williams die Statistiken vor 30 oder 40 Jahren für aussagekräftiger gehalten hat als die aktuellen. Oder ob er es vor allem macht, um langfristige Vergleichbarkeit der Zahlen zu erreichen (oder nur, um Geld zu verdienen ;-) ). Ich finde nämlich - wie oben schon geschrieben - die Methodik "im Prinzip" OK und nachvollziehbar, auch wenn ich Angst vor den Manipulationsmöglichkeiten habe, die diese Anpassungen eröffnen.

Kommentare :

  1. Sowas bräuchten wir auch für Zahlen aus Deutschland! Am ehesten für die Arbeitslosenzahlen!

    AntwortenLöschen
  2. Ja. Wo bei ich mich immer fragen, wie der das bei Showstats denn errechnet. Er hat ja auch nur aggregierte Daten.

    AntwortenLöschen
  3. Vielleicht hilft die Seite etwas weiter:
    http://www.theonussbaum.de/seiten/arbeitslos/arbeitslosenzahlen.htm

    AntwortenLöschen
  4. @anonym:

    Danke für den Hinweis. Kannte ich nicht und werde ich mir mal anschauen.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore