Zahl des Tages (16.12.10): 1.900.000.000

Interessanter Bericht im Wall Street Journal, der wie Fußball-Zahlen auch, grundsätzlich gute Chancen hat, hier erwähnt zu werden, weil Apple darin vorkommt ;-)

Apropos Apple: Inzwischen ist auch der zweite Wetteinsatz von K.P. (Wein) für meine gewonnene iPad Wette eingetroffen :-)


Drei Flaschen, danke, lecker. Kein Wunder, habe ich ja auch selber ausgesucht ;-)

Zurück zum Thema: Es geht um eine Frage, die ich mir schon im Zusammenhang mit Irland gestellt habe. Irland hat ein extrem hohes Handelsbilanzplus (fast 20% des BIPs, wesentlich höherer Prozentsatz als in Deutschland). Das habe ich immer als großen Pluspunkt von Irland gesehen, weil Irland damit permanent Geld aus dem Ausland verdient. Dazu habe ich ein paar Mal was geschrieben, z.B. hier: ZUR VERTEIDIGUNG IRLANDS ...

Allerdings ist die Leistungsbilanz (Handelsbilanz + Geldflüsse) Irlands stark negativ (bzw. war es, jetzt könnte sich das ändern und 2011 sogar ins Plus drehen). Nur habe ich mich immer gefragt, wie man bei einer so positiven Handelsbilanz überhaupt eine negative Leistungsbilanz hinbekommen kann.

Das muss an einer Besonderheit Irlands liegen, ich weiss aber nicht woran. Es liegt der Verdacht nahe, dass das irgendwas mit dem Steuersparmodell zu tun hat. Weltweit agierende Konzerne haben ein Interesse daran, relativ viel Gewinn in Irland anfallen zu lassen, weil man ihn dann wie Google steuersparend in die USA transferieren kann (siehe Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4%).

Auch wenn ich Euch das weiterhin nicht erklären kann, zeigt es doch eins: Die Handels- und Leistungsbilanzen erklären auch nicht immer alles.

Das haben jetzt auch zwei Ökonomen anhand eines Beispiels auseinander genommen. Das Beispiel ist das iPhone. Das iPhone wird (wie wahrscheinlich bekannt ist) wie die meisten Elektronikprodukte in China gefertigt. Damit belastet jedes iPhone, das in China gebaut und in den USA verkauft wird, die Handelsbilanz zwischen China und den USA. Und zwar wie in der Studie angenommen mit Produktionskosten von knapp 180 Dollar. Davon müssen noch die Kosten für Komponenten aus den USA abgezogen werden.

Bei 11,3 Millionen Geräten macht das ungefähr

1.900.000.000 (1,9 Milliarden) Dollar.

Das ist nun aber, wie die Wissenschaftler anmerken, stark verfälschend. Denn in das iPhone gehen Komponenten aus allen möglichen Ländern ein. Für den Zusammenbau in China fallen nur 3,6(!)% der Gesamtkosten an. Beispielsweise kommen Teile wie das Display aus Japan (japanischer Anteil insgesamt 34%), der UMTS (?) Chipsatz von Infineon aus Deutschland (deutscher Anteil gesamt 17%; bald weniger, weil die Sparte an Intel verkauft wurde). Eigentlich müssten die Teile, die aus Japan kommen und über den Umweg China in die USA kommen, die Handelsbilanz zwischen Japan und den USA beeinflussen.

Berücksichtigt man mit der oben angeführten Methode die Komponenten von Broadcom aus den USA, wird aus dem iPhone-Handelsbilanzdefizit zwischen den USA und China sogar ein Plus, weil als chinesische Wertschöpfung nur die 3,6% für den Zusammenbau eingehen.

Insgesamt, so schätzen die Wissenschaftler, würde sich das Handelsbilanzdefizit zwischen den USA und China ungefähr halbieren (also von 230 auf 115 Milliarden Dollar). Im Gegenzug würden sich natürlich die Defizite gegenüber Japan, Deutschland, etc. verschlechtern (sprich steigen). Man würde also nicht das große Problem - die negative Handelsbilanz - der USA lösen, aber man könnte besser erkennen, woher das eigentlich stammt.

WSJ: Not Really 'Made in China'

Kommentare :

  1. Naja, wie du schon schreibst, an der Gesamtgröße der Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite eines Landes würde sich nichts ändern bei genauerer Zuordnung. Und nehmen wir jetzt mal an, dass das iPhone-Display dem Handel Deutschland-USA zugerechnet wird anstatt dem Handel Deutschland-China und China-USA. Dann sinkt nicht nur das Leistungsbilanzdefizit der USA gegenüber China und steigt das Leistungsbilanzdefizit der USA gegenüber Deutschland, auch die Leistungsbilanz Deutschland-China ist ja betroffen. Das Leistungsbilanzdefizit Deutschlands gegenüber China steigt ebenfalls.

    AntwortenLöschen
  2. Exakt.

    Aber man könnte genauer sehen, woher das denn stammt. Und im Fall von den USA würde man sehen, dass die bei weitem nicht nur ein Problem im Handel mit China haben ...

    Ich wüsste auch gerne, was der deutsche Überschuss bei einer solchen Berechnung machen würde. Bei der These von Prof Sinn, dass Deutschland in Richtung Basarökonomie geht, müsste das ja sinken ...

    AntwortenLöschen
  3. Die "Baseband IC" soll von Infineon Technology sein und das "Touch screen overlay" von der Balda AG.

    Quelle: http://texyt.com/iphone+manufacturer+supplier+assembler+not+apple+00113

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore