Buffett sieht Bodenbildung am US-Immobilienmarkt

Buffett betont (wie ich ...), dass die sinkenden Neubauzahlen GUT für die Stabilisierung sind, weil sie das Angebot begrenzen. Die Medien hingegen jammern immer, wenn die Neubauzahlen schwächer ausfallen als erwartet (wie letzten Donnerstag). Buffett erwartet, dass sich dadurch innerhalb des nächsten Jahres Angebot und Nachfrage für Neubauten wieder einpendeln werden.

Calculated Risk: Buffett on Housing

Buffett hat sich im Rahmen des Jahresberichts von Berkshire Hathaway geäussert und da diese nur an einem Hausbauunternehmen beteiligt ist, kümmert sich Buffett nicht um den Markt der bereits existierenden Immobilien. Aber dafür gibt es ja mich ;-)

Am Freitag gab es die Zahlen zu den Verkäufen im Januar, die ich eh noch nachtragen wollte, weil sie neben dem Case-Shiller-Index die wichtigste Zahl vom US-Immobilienmarkt ist. Diese lagen zwar gut 11 Prozent über den Werten des Januars 2009, saisonbereinigt sank der Wert gegenüber Dezember aber von 5,44 Millionen auf 5,05 Millionen. Da bleibt nach den Rückgängen der letzten Monate nur eine Interpretation: Nach dem Auslaufen der Steuergutschriften (auch wenn diese verlängert wurden), zündet die zweite Stufe der Hilfen nicht mehr.

Das ist geradezu aus dem Lehrbuch über die Wirksamkeit von Konjunkturprogrammen. Die Verbraucher greifen die Hilfen ab, ziehen Anschaffungen vor und danach bricht der Markt wieder ein oder fällt bestenfalls auf das alte Niveau zurück. Je länger die Hilfen dauern, desto weniger bewirken sie, sondern degenerieren zum reinen Mitnahmeinstrument.

Man kann das nicht besser zusammenfassen als in dieser Grafik (dabei immer bedenken, dass es die Hilfen, die für den Sprung sorgten, immer noch gibt, es drohte nur, dass diese auslaufen):


große Grafik hier:
Calculated Risk: Existing Home Sales Decline Sharply in January

Das von mir immer intensiv beobachtete Verhältnis von aktuellen Umsätzen zum Lagerbestand hat sich verschlechtert. Zwar sank der Lagerbestand leicht um 0,5%, aber die Umsätze gingen kräftiger zurück (siehe oben) und so errechnet sich jetzt ein Lagerbestand in Monatsumsätzen von 7,8 (nach 7,2 im Dezember 2009).

Man kann nach den Januarzahlen fast sicher sein, dass der Case-Shiller-Index für den Januar wieder ein Minus melden wird. Zu schwach waren IMHO die Umsätze.

Calculated Risk: More on Existing Home Sales

Kenneth Lewis (Ex-Chef BoA) mit 83 Mio. Abfindung

Tja, dafür würde ich auch aufhören zu arbeiten ... Ich muss es scheinbar nur noch schaffen, vorher eine große Bank (Bank of America) durch eine waghalsige Übernahme einer anderen (Investment-)Bank (Merrill Lynch) fast vor die Wand zu fahren, mich dann vom Staat retten lassen (45 Mrd.) und dann unter dem Druck der Öffentlichkeit zurückzutreten.

Die Zahlung ist (natürlich) noch nicht durch. Die Bank of America musste ja schon 150 Millionen Dollar Strafe an die Fed zahlen, um Streitigkeiten rund um die Übernahme beizulegen. Und auch die Abfindung, auch wenn sie zu großen Teilen erst in der Zukunft als Pension fließen wird, wird wohl noch überprüft werden.

Was sich im Nachhinein als schlechter Witz entpupp: Lewis hat 2009 auf sein Gehalt verzichtet. Angesichts der 83 Millionen, die er nur ein paar Monate später kassiert, ist das natürlich nur eine Alibi-Aktion für die Öffentlichkeit gewesen ...

Alle wichtigen Fakten im FTD Artikel:

FTD: Chef der Bank of America geht mit 83 Mio. Dollar

Update (22:48)

Ich schätze, der Buffett meinte u.a. den ...

FAZ: Buffett rechnet mit schlechten Bankern ab

Zahl des Tages (28.02.10): 15.300.000.000

Fannie Mae (die eigentlich Federal National Mortgage Association heissen) hat gestern die Ergebnisse für das vierte Quartal gemeldet. Dabei gab es erneut 16,3 Mrd. Dollar Miese. Im Gesamtjahr 2009 belaufen sich die Verluste auf 74,4 Mrd. Dollar, was nochmal mehr ist als die knapp 60 Milliarden aus 2008.

Fannie Mae bietet immer einen guten Blick auf den US-Immobilienmarkt, weil Fannie Mae knapp 29% der Hypotheken direkt und indirekt vergeben hat. Direkt hat Fannie inzwischen 41,9 Mrd. Dollar (34,2 Mrd. im Vorquartal) Hypotheken in den Büchern, für die keine Zahlungen mehr eintreffen. Darüber hinaus muss Fannie noch für 174,6 Mrd. Dollar (rauf von 163,9 Mrd. im Vorquartal) nicht performender Hypotheken garantieren. Insgesamt ist damit die 200 Milliarden Dollar Grenze übersprungen.

Die Wert der Anlagen von Fannie Mae bleibt logischerweise weiterhin negativ und liegt bei 98,8 Mrd. Dollar (90,4 Mrd. Vq).

Das ganze Desaster führt dazu, dass der Staat Fannie Mae erneut unter die Arme greifen muss. Weitere

15.300.000.000 (15,3 Millliarden) Dollar

hat Fannie Mae jetzt angefordert. Kein Problem, denn mit dann 76,2 Milliarden Dollar bleibt Fannie immer noch unter der Maximalgrenze von 200 Mrd. Dollar, die mal galt, aber inzwischen vorsichtshalber schonmal ganz aufgehoben wurde.

Die ganze Trennung in Fannie Mae und Staat ist bei einem Staatsanteil von 79,9% sowieso nur noch theoretischer Natur. Der Einstieg des Staats bei Fannie Mae und Freddie Mac war für mich sowieso immer nur der Bailout um die Ecke für den Immobilienmarkt. Es wird dort alles getan, um Hypotheken am Laufen und die Zinsen niedrig zu halten, damit der Berg an Zwangsversteigerungen nicht noch größer wird. Ohne diese Hilfen hätte es der US-Immobilienmarkt ziemlich sicher noch nicht in eine Bodenbildungsphase geschafft.

Bloomberg: Fannie Taps Treasury for $15.3 Billion More After a 10th Loss

Update (20:06):

Die FTD hat noch die  Zahlen des großen "Konkurrenten" Freddie Mac eingebaut. 8,9 Mrd. Miese im 4. Quartal, keine neuen Staatshilfen (zumindest vorerst ...).

FTD: Fannie Mae will weitere Staatshilfen

Wochenendlektüre: Wie Krugman politisch wurde

Ein schönes, wenn auch langes Portrait über den Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman. Wie Krugman politisch wurde. Denn das war er ziemlich lange nicht.

Auslöser war übrigens George Bush, der er im Gegensatz zu Reagan nicht einmal mehr falsche Erklärungen für seine Politik lieferte, sondern nur noch freche Lügen.

The New Yorker: THE DEFLATIONIST

gefunden über

Kottke.org: Paul Krugman profile

Versicherungen sind nicht systemrelevant (?!?)

sagen die Versicherungen in einer "Studie". Es hätten nur drei Versicherungen in Amerika Hilfe beantragen müssen, aber ein paar Hundert Banken.

Tolle Studie.

Dabei vergessen die Versicherungen einfach mal die etwa 160 Mrd. Dollar, die die AIG - die damals größte Versicherung der Welt - bekommen hat. Und ohne dieses Geld, das dann überwiegend an die Banken ging, hätte es das Weltfinanzsystem zerrissen, z.B. hier: Zahl des Tages (07.01.09): 62.100.000.000 oder Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000

Gut, vergessen wird die AIG in der Studie nicht, sondern es wird einfach gesagt, dass die Verluste der AIG nicht aus dem Kerngeschäft stammen würden, sondern aus einer Tochter aus London, die unzureichend überwacht wurde.
Naja, mit *der* Ausrede könnten sich viele reinwaschen ... Die HRE ist dann z.B. auch nicht so schlimm, weil die Verluste ja aus der Tochter in Irland kommen, die unzureichend kontrolliert wurde ... Oder die BayernLB, deren Verluste aus einer unzureichend überwachten Tochter aus Kärnten kamen ...

WTF?

Natürlich müssen die Versicherungen überwacht werden. Sie gehören zu den größten Geldverwaltern der Welt und können unter Schwäche der Kapitalmärkte und/oder der Wirtschaft massiv leiden. Sie versichern nicht nur alles Mögliche, sondern geben auch Garantien z.B. für Lebensversicherungen, die bei langjährigen Niedrigzinsen nicht finanzierbar sein werden. In Japan sind schon eine Reihe Versicherungen unter genau diesen Garantien zusammengebrochen.
In diesem Fall sieht die BAFin (die ich ja auch gerne kritisiere) den Kontrollbedarf völlig zurecht. Dass die Versicherer versuchen, sich der Überwachung zu entziehen, ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar, aber falsch.
Und falls die Versicherer es schon vergessen haben: Die Allianz-Aktie kostete Anfang des Jahrtausends 400 Euro und drei Jahre später nur noch 40. Und dafür gab es verdammt gute Gründe ... Schon wieder vergessen?

FTD: BaFin bangt um Versicherer

FAZ: Assekuranz birgt kein systemisches Risiko

Zahl des Tages (27.02.10): 186

So, wieder zwei Bankpleiten an diesem Wochenende. Dabei eine Minibank und eine mittelgroße. Also nichts sonderlich Aufregendes ...

US-Bankenpleite Nr. 185

Name: Carson River Community Bank
Sitz: Carson City, Nevada
Assets: 50 Millionen Dollar
Käufer: Heritage Bank of Nevada, Reno, Nevada
Schaden für die FDIC: 8 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2:  Kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 182 (rot)

FDIC: Heritage Bank of Nevada, Reno, Nevada, Assumes All of the Deposits of Carson River Community Bank, Carson City, Nevada

US-Bankenpleite Nr. 186

Name: Rainier Pacific Bank
Sitz: Tacoma, Washington
Assets: 718 Millionen Dollar
Käufer: Umpqua Bank, Roseburg, Oregon
Schaden für die FDIC: 95 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2:  Kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 143 (rot)

FDIC: Umpqua Bank, Roseburg, Oregon, Assumes All of the Deposits of Rainier Pacific Bank, Tacoma, Washington

US-Versicherer AIG mit 8,9 Mrd. Dollar Verlust

Woppah.

Aber eigentlich eine tolle Zahl: Man muss nur mit dem Vorjahresquartal vergleichen: Aus 61,7 Mrd. Dollar Miesen im vierten Quartal 2008 wurden im 4. Quartal 2009 nur noch knapp 9 Mrd. Ist doch schon eine tolle Senkung ...

Gut, man darf den Verlust nicht auf Aktien umrechnen, sonst wird einem ganz anders. Denn auch 2009 entspricht das pro Aktie satte 65,51 Dollar Verlust. Also grob dem Zweieinhalbfachen des aktuellen Aktienkurses. Wohlgemerkt aus einem einzigen Quartal, nicht einem ganzen Jahr stammend.

Ein ganzer Teil des Verlusts stammt aus der Restrukturierung der weit über 100 Mrd. Dollar Staatsgelder, die die AIG bekommen hat.


AIG reports $8.9 bln quarterly net loss - MarketWatch


Trotzdem ist die AIG nur noch ein Zombie, den es nur noch gibt, damit die Banken die riesigen Versicherungen (z.B. Kreditausfallversicherungen CDOs) auch kassieren konnten ... Der berühmte Bailout um die Ecke, über den ich schon mehrmals geschrieben habe, z.B. hier: Zahl des Tages (07.01.09): 62.100.000.000 oder hier Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000

USA: BIP Q-04/09 +5,9%

Heute gab es das BIP der USA in der "Second Edition".

Nach den ursprünglich gemeldeten 5,7% (US-BIP Q04/09: +5,7%) in der 1. Schätzung wurde heute ein Wachstum von 5,9% gemeldet und damit ganz sicher das größte Plus seit 6 Jahren ;-)

In die Details zu gehen, schaffe ich jetzt zeitlich leider nicht. Vielleicht lohnt sich das auch gar nicht, denn der Preisdeflator wurde von 2,1 auf 1,9% gesenkt und diese niedrigere Inflation erklärt den höheren Anstieg des Netto-BIPs schon alleine.

Wenn ich die Zahlen richtig lese, ist durch die Korrektur jetzt auch der Jahresvergleich - wenn auch mit 0,1% nur minimal - wieder im Plus.

BEA:gov: Gross Domestic Product Q-04/09 2nd Estimate (PDF!)

Zahl des Tages (26.02.10): 1,00

Neues aus dem Casino: ALL IN gegen den Euro

Letzten Monat gab es ein -damals geheimes- Treffen, in dem sich einige große Hedgefondsmanager, u.a. Soros, getroffen haben.

Einziges Thema dabei: Der Euro.
Das Ziel: Den Euro auf Parität zum Dollar zu drücken, also ein Wechselkurs von Euro/Dollar von

1,00.

Aktuell müssen noch etwa 1,35 Dollar für einen Euro bezahlt werden.

Das stinkt natürlich zum Himmel. Denn Absprachen unter Marktteilnehmern sind eigentlich nicht erlaubt. Vor allem nicht, wenn es darum geht, gemeinsam irgendwas gemeinsam unter Druck zu setzen. Das ist schlicht Manipulation!

Aber irgendwie scheinen die Apologeten der freien Märkte das nicht verstanden zu haben. Das Handelsblatt nennt das tatsächlich "nicht verwerflich oder gar illegal" und öffnet somit der Marktmanipulation Tür und Tor.

Wenn die Orderabteilung von Goldman Sachs den Händler anruft und sagt, hej, wir haben ne große Kauforder für Aktie xy vorliegen und der Händler die Aktien schonmal vorkauft und dem Kunden etwas teurer weiterverkauft, ist das verbotenes Frontrunning. Wenn ein Mitarbeiter einer Firma Insiderinformationen verwendet und frühzeitig kauft (oder verkauft), ist das verboten. Wenn sich Abermilliarden Dollar verwaltende Hedgefondsmanager sich treffen und ihre Strategie absprechen, soll das legal sein?

Die Finanzbranche (und noch schlimmer auch die sie beobachtenden Journalisten) scheinen immer noch der Meinung zu sein, dass alles, was nicht explizit verboten ist, automatisch erlaubt ist. Da geht es nur ums Geld, um den Career Trade.

Genug über die Presse gerantet, zurück zum Thema:

Die europäischen Politiker machen es den Hedgefondsmanagern allerdings auch einfach. Die eiern rum, diskutieren, denken über schwachsinnige Hilfen nach, statt für Klarheit (und zwar schleunigst) zu sorgen: Eine EU-Garantie für neue Griechenland-Bonds.
Und die Griechen sind auch nicht gerade hilfreich. Dort scheint man vor allem bemüht zu sein, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, statt mal selber was zu fixen (How NOT to win friends and influence people).

Das ganze erinnert natürlich an die Anti-Pfund-Spekulation von George Soros 1992, mit der Soros das Pfund aus dem ECU trieb und damit 1 Milliarde verdient haben soll. Allerdings ist der Markt Euro-Dollar wesentlich größer und zwar nicht nur um ein paar Prozent, sondern um ein paar Faktoren. Selbst wenn sich da viele große zusammentun, könnte die Spekulation trotzdem ins Leere laufen.

Übrigens ist natürlich auch die Information über das Treffen absichtlich öffentlich geworden. Die Hedgefondsmanager, die beim Treffen dabei waren, haben sich bereits positioniert und den Gewinn für die ersten Cents in die gewünschte Richtung bereits eingefahren (wenn auch bisher nur als Buchgewinn). Jetzt "leakt" man die Information über das Treffen, hofft auf weitere Verunsicherung auf der Gegenseite und (noch wichtiger) auf Trittbrettfahrer, die auf die Spekulation aufspringen und ebenfalls den Euro verkaufen.

Geheimes Treffen: Hedge-Fonds nehmen Euro ins Visier - Finanzen - Fonds + ETF - Fonds-Nachrichten - Handelsblatt.com

WSJ: Hedge Funds Try 'Career Trade' Against Euro

Update (14:06)

FTD dazu (aber nix Neues drin, man kann ja nur vom WSJ abschreiben ...)

FTD: Hedge-Fonds hecken Euro-Attacke aus

Und zur Idee, dass die Nachricht über das Treffen absichtlich geleakt ist, ein passender, grundsätzlicher Artikel von Abnormal Returns:

Abnormal Returns: Everybody talks their book, everybody.

Geldverwalter reden nie im Vorfeld über ihre Positionen, sondern immer erst, wenn diese steht. Sie würden sich die eigene Rendite zerstören, wenn sie zu früh informieren. Also kann man immer davon ausgehen, dass Fondsmanager mit der Aussage "wir kaufen aktuell" immer "wir haben bereits gekauft" meinen.

Update (01.03.10):

Die Spekulanten nehmen jetzt auch das Pfund ins Visier. Vielleicht haben sie meinen Artikel gesehen ;-) Der kleine Markt Pfund/Dollar macht eine Spekulation viel erfolgsversprechender. Und stabiler als der Euro ist der britische Peso garantiert nicht.

Handelsblatt: Spekulanten wetten jetzt auch gegen das Pfund

UK: Immobilienpreise 02/10: -1,0% Vm (+9,2% Vj)

Heute gab es die neuesten Zahl von Nationwide zu den Immobilienpreisen in Großbritannien. Im Februar ging die Preise um 1% gegenüber dem Januar zurück. Aber kein Grund zur Panik: Nach 9 Monaten in Folge gab es nun wieder das erste Monatsminus. Und im Vergleich zum Februar 2099 2009 lag der Februar 2010 immer noch satte 9,2% im Plus.


Trotzdem kann man spekulieren, ob das jetzt der Anfang einer neuen Abwärtsbewegung ist. Gründe gäbe es, z.B. das Auslaufen der gesenkten Grunderwerbssteuer. Allerdings könnte es auch sein, dass es - wie Nationwide spekuliert - ganz profan am auch in Großbritannien ungewöhnlich strengen Winterwetter lag ...

Nationwide: House prices slip in the winter snow during February  (das normale PDF ist irgendwie noch nicht da)

Marketwatch: U.K. house prices fall 1% in February

Update (10:52)

Noch'n'Link:

FT Alphaville: Falling UK house prices – the next big thing?

Ein sinnvolles Konjunkturprogramm

zeichnet sich durch folgende Parameter aus:

a) schafft Arbeitsplätze

b) kostet vergleichsweise wenig

c) hilft der Umwelt mehr als Milliarden Fotovoltaiksubventionen

d) setzt pro Euro Fördergeld ein Mehrfaches an Investitionen in Gang (hier das 9fache)

e) schafft echten Mehrwert (statt Sachen zu verschrotten, um neue verkaufen zu können)

Tja, was ist es? Gut für die Umwelt, gut für die Arbeitsplätze, schafft echten Wert?

Verbilligte Kredite für Wärmedämmmaßnahmen, Isolierfenster, bessere Heizungen.

Zum Glück wird das Programm nicht abgewürgt, sondern die 2009er Mittel, die noch übrig sind, in 2010 geschoben. Und die 2011er Mittel können schon in 2010 abgerufen werden, falls das notwendig werden sollte.

Das wird IMHO noch viel zu wenig gemacht. Die Nachfrage nach den Krediten ist größer als das Angebot. In der Gebäudesanierung steckt in Deutschland (noch immer) ein größeres CO2-Einsparungspotenzial als in der Stromerzeugung durch Fotovoltaik. Face it: Es ist hier in Deutschland eher kalt und sonnenarm. Energieerzeugung durch die Sonne sollte man in Italien oder Spanien machen, effizientere Heizungen hier.

Gebäudesanierung : Mehr Geld für CO2-Sanierung hilft dem Bau - Politik - Deutschland - Handelsblatt.com

Zahl des Tages (25.02.10): -0,6%

Ich finde es immer spannend zu sehen, wie manche Themen in der Diskussion (und Presse) breitgetreten werden. Und zwar von allen gleichzeitig, wobei die meisten zur Diskussion nichts Entscheidendes beitragen. Ein paar Monate später kommen dann weiterhin Zahlen zum Thema, die aber völlig unbeachtet bleiben ...

Heute gab es neue Zahlen zur Geldmenge in der Eurozone. Diese zeigen die alte Divergenz, die wir seit Beginn der Krise haben. Die engste Definition der Geldmenge M1 wächst weiter stark (wenn auch leicht sinkend,11,8% im Januar nach 12,5% im Dezember 2009), die weiteste Definition M3 steigt hingegen kaum (Januar +0,2%, Dezember -0,1%). Jeder der (wie ich, wenn auch nicht 100%ig) davon überzeugt ist, dass die Geldmenge einer der entscheidenden Indikatoren für die zukünftige Inflationsentwicklung ist, bleibt bei so weit auseinander klaffenden Zahlen natürlich ziemlich ratlos zurück.

Daher ;-) ein Blick auf etwas anderes  ... die Kreditklemme. Lange fast zu Tode diskutiert, scheint es nun langsam etwas mehr Klarheit zu geben. Die Summe der Kredite, die die Banken ausgegeben haben (ohne Kredite an Banken oder andere, die volkswirtschaftlich nicht interessant sind) ist im Januar gegenüber dem Vorjahr um

-0,6%

gesunken. Im Vormonat lag das Minus noch bei -0,1%.

Ist das jetzt die Kreditklemme und die Unternehmen bekommen die notwendigen Kredit nicht mehr?Oder wollen die Verbraucher (weil z.B. schon zu hoch verschuldet) und die Unternehmen (weil z.B. keine neuen Investitionen finanziert werden müssen) einfach keine weiteren Kredite?

Und um auf den alten Kampf Inflation vs. Deflation zurückzukommen: M1 ist ein Hinweis für Inflation, aber der Rest deutet eher auf eine durch Deleveraging (Schuldenreduktion) ausgelöste Deflation hin.

D: BIP Q04/09 - alles im Minus außer ...

... dem Außenbeitrag. Gestern gab es die ersten Detailzahlen.

Die Exporte sind im Vergleich zum Vorquartal um 3,0% gestiegen, die Importe um 1,8% gesunken, was einen Wachstumsbeitrag im BIP von 2,0% ergibt.

Der gesamte Rest lag im Minus (jeweils der Wachstumsbeitrag zum BIP):

Staatlicher Konsum: -0,1%,
privater Konsum: -0,6%,
Bau: -0,1%
Ausrüstungsinvestitionen: -0,1%
Lagerbestandsveränderung:  –1,2%

Nur dank des Außenbeitrags gab es insgesamt dann die gemeldeten 0,0% im Gesamt-BIP des 4. Quartals 2009  (0,1 Prozentpunkte sind weggerundet).

Schon beeindruckend, *wie* abhängig Deutschland vom Export ist ...

Destatis: Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2009

Weitere Staatspleiten voraus ...

Wieso Rogoff Jamaika (Erste Staatspleite: Jamaika!) nicht mitzählt und meint, es hätte bisher keine Staatspleite gegeben, verstehe ich nicht ganz. Aber egal.

Auf jeden Fall geht Kenneth Rogoff, der eines der besten Bücher über Finanzkrisen geschrieben hat (Wirtschaftsbuch des Jahres? Reinhart/Rogoff - This Time is different), von weiteren Staatspleiten aus. Die Frage nach dem "ob" ist für ihn beantwortet, schwierig ist nur zu sagen, wann es jemanden trifft und wen es trifft.

Der Auslöser sind jetzt die steigenden Renditen für die Anleihen. Damit werden die Schulden zunehmend unfinanzierbar. Es ist halt eine andere Nummer, wenn die Griechen statt 3% nun 6% auf ihre Schulden von insgesamt etwa 300 Mrd. Euro zahlen müssen. Auch wenn sich dieser Effekt nur nach und nach durch den Schuldenberg frisst, ist der Zeitpunkt doch absehbar, wann der griechische Haushalt unter der Zinslast ersticken wird.

Deshalb würde ich auch dort die Hilfen ansetzen lassen: Über Garantien für die neuen Schulden. Das ist fair, hilft den Griechen sofort und kostet die Garantiegeber im guten Fall gar kein Geld.

Im schlechten Fall kostet die Garantie allerdings richtig viel, nur kann man mit einer Kündbarkeit der Garantie den Griechen auch die ganze Zeit genügend Druck machen. Wenn das nicht reicht, muss man sich eh was anderes überlegen. Und dazu hat man dann ja Zeit.

Die man nutzen kann, um zum Beispiel über ein Ausstiegsszenario aus der Eurozone nachzudenken. Ein paar Überlegungen zu dem Thema hat sich Nouriel Roubini gemacht: The Option of Last Resort: A Two-Currency EMU

Roubini schlägt einen Spaltung des Euro vor, in einen starken Euro und einen schwachen. Die Länder des Südens bekommen den schwachen Euro, die anderen den starken. Die Schulden der Länder mit dem schwachen Euro bleiben im starken Euro (keine Verluste für die Anleihehalter). Die (Export-) Wirtschaft der Schwach-Euro-Staaten profitiert aber von den neuen Exportmöglichkeiten durch die international gestiegene Wettbewerbsfähigkeit.

Ich halte die Idee für nicht so dumm. Ich frage mich nur, wie die Länder des schwachen Euros jemals wieder aus der Schwach-Euro-Zone herauskommen sollen. Je größer und damit wirksamer die Abwertung des Schwach-Euros wird, desto schwieriger wird naturgemäß die Rückkehr zum Stark-Euro. Ich befürchte, dass die Annahme von Roubini, diese Lösung temporär machen zu können, der Knackpunkt ist, an dem alles scheitert.

FTD: Rogoff sagt Staatspleiten voraus

Zahl des Tages (24.02.10): 1.000.000.000

Nur ein Posting heute, das "Pflicht"posting.

Eigentlich gar keine so spannende Zahl, denn dass die Zahl tief in den Miesen landet war klar. Auch wenn ich zwischendurch verwirrt wurde mit der Meldung, dass der SoFFin 650 Millionen Euro Einnahmen erzielt habe. (Spiegel: Soffin verdient 650 Millionen Euro mit Bankenrettung ). Nun hat der Fonds aber nicht nur die Einnahmen verbucht, sondern auch die Abschreibungen. Und Zack! liegt das Ergebnis dick im Minus. Die genaue Zahl ist noch unklar, aber ich buche schonmal (sehr unmutig) die

1.000.000.000 (1 Milliarde) Euro

als Mindestminus ein. Und auch die Prognose, dass dies nicht das letzte Milliardenminus sein wird, ist ziemlich unmutig. Da wird wohl mindestens ein zweistelliges Milliardenminus herauskommen, wenn die Nummer irgendwann mal abgewickelt ist ... Alles andere wäre bei der Menge an Garantien eine kaum vorstellbare positive Überraschung.


Tagesschau: SoFFin-Fonds vor Milliardenverlust

Update (25.02.10):

Das Handelsblatt erhöht auf "bis zu 4 Milliarden Euro". Quelle: "regierungsnahe Kreise". Hauptauslöser die HRE:

Handelsblatt: Milliardenverlust bei Rettungsfonds Soffin

Wer ist Schuld an der Wirtschaftskrise?

Schade, dass mich keiner gefragt hat ... Obwohl, so muss ich mir wenigstens keine Gedanken machen ;-) Es gibt eh nicht den einen Schuldigen ... Das waren Politiker (die meinten, jeder müsse sich ein Haus kaufen können) und Notenbanker mit zu billigem Geld (Greenspan) und Ratingagenturen und gierige Bankster und am Ende auch die  Verbraucher, ohne die diese Kreditblase nie hätte so groß werden können.

"Gewonnen" hat übrigens den "Dynamite Prize in Economics" der Real-Word Economic Review

der ehemalige Notenbankchef Alan Greenspan (5.061 Stimmen) vor Milton Friedman (3.349) und dem Ex-US-Finanzminister Larry Summers (3.023).

Für den posthumen Sprung von Milton Friedmanns auf den 2. Platz wird sicherlich geholfen haben, dass die RWER Friedmann als Vertreter der freiheitlichen Wirtschaft und der effizienten Märkte, die alles selber regeln, als eine Art Erzfeind sehen dürfte.

Dasselbe dürfte für Fischer Black und Myron Scholes auf Platz 4 und Eugene Fama auf Platz 5 gelten.

Der/die/das RWER hofft übrigens, dass dieser Ex- oder besser Implosions-Preis nur einmalig verliehen werden muss und will den nächsten Preis (Revere Award) an den oder die verleihen, der (oder die) am meisten zur Vorhersage oder noch besser Vermeidung der nächsten Krise beigetragen hat. Mir fällt da spontan ein Name ein: Robert Shiller. OK, Schumpeter? Oder Minsky. Die Österreicher? Weissgarnix?

RWER: Greenspan, Friedman and Summers win Dynamite Prize in Economics

Telepolis: Wer ist Schuld an der Finanzkrise?

Zahl des Tages (23.02.10): -0,2

Letzter Dienstag des Monats: Zeit für einen Blick auf die Immowette und den Case-Shiller-Hauspreisindex.

Leider komme ich schon den ganzen Nachmittag nicht an die Standard & Poors Website heran und kann nicht über all die Details berichten, die ich sonst so bringen. Daher nur kurz und aus zweiter Hand:

Im Dezember 2009 sanken die Preise gemessen am City-20-Index um

0,2%,

also genausoviel wie im November (siehe Zahl des Tages (26.01.10): -0,2%).

Reuters: Home prices unexpectedly dip

Eigentlich sollten zum Ende des Quartals auch wieder ein paar interessante Zahlen zur landesweiten Lage kommen. Ich checke heute Abend nochmal, ob ich an das Detail-PDF herankomme.

Update (22:40):

So noch ein paar Details.

Das Minus von 0,2% war der Wert der nicht saisonbereinigten Reihe. Mit Saisonbereinigung lag der Wert mit 0,3% im Plus.
In der nicht saisonbereinigten Zahl waren 15 der 20 Städte im Monatsvergleich wieder im Minus.

Im Jahresvergleich liegt der City-20-Index jetzt nur noch 3,4% im Minus, der City-10-Composite um 2,4%. Im Chart sieht der Jahresvergleich so aus:



Der Index für die ganze USA kam auch zum Quartalsende. Dort ging es im 4. Quartal 2009 nicht saisonbereinigt um 1,1% nach unten. Saisonbereinigt war es auch hier ein Plus von 0,3%. Beide Zahlen waren aber deutlich schlechter als das 3. Quartal 2009. Dort lagen die beiden Werte noch 3,3, bzw. 2,2% (bereinigt) im Plus.

So das dürfte jetzt alles Wichtige sein. Wer noch mehr will, muss an die Quelle gehen, ich geh jetzt ins Bett ;-)

S&P: Home Prices Continue to Send Mixed Messages as 2009 Comes to a Close According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF)

Ach so: Down from top 29,4%. Wichtigste Zahl schlechthin (Basis für die Immowette)

War die Schuldenversteckung von Goldmans Sachs für Griechenland Usus?

Nicht die Ausnahme, sondern die Regel?

Schon gestern habe ich einen interessanten Artikel gelesen, in dem die ganze "Schuldenversteckung über Swaps"-Geschichte, die Goldman Sachs für Griechenland eingetütet hat, für völlig legal und mit der europäischen Statistikbehörde Eurostat abgesprochen erklärt wurde.

Nun legt ein Goldman Sachs Mitarbeiter nach und behauptet, dass auch andere Länder mit Hilfe anderer Banken ähnliche Aktionen gestartet haben. Gut. So überraschend ist das nicht, denn zumindest der Fall Italien und JP Morgan ist bereits bekannt.

Wer kommt als Nächstes? I und G haben wir ja schon, fehlen nur noch P und S ;-) Zerohedge tippt auf P und UK. Ich warte gespannt ...

Zero Hedge: The Chairman Of Goldman Sachs Bank, And Former FRBNY President, Says Many European Countries Used Comparable Debt-Hiding Swap Transactions

Update (23.02.10):

Ach so, die Eurostat sagt natürlich immer, sie hätten nie was davon gewusst. Ich weiss auch nicht warum, aber in diesem Fall glaube ich tatsächlich eher Goldman Sachs ...

FT Alphaville: Corrigan or Eurostat: whom would you believe?

Die wirtschaftlich freiesten Länder 2010 sind ...

OK, die Liste kommt von der Heritage Foundation (Wikipedia), einem stockkonservativen Institut, manche würden auch neokonservativ sagen.

Die Liste soll die wirtschaftliche Freiheit der Länder vergleichbar machen. Dabei wird zum Beispiel untersucht, wie viel Bürokratie die Wirtschaft beeinträchtigt, wie verbreitet Bestechung und Korruption sind, ob die Eigentumsrechte berücksichtigt werden, wie hoch die Steuern sind, wie stark Zölle den Handel beeinflussen, etc. pp.

Auf Platz 1 liegt weiterhin (wie seit dem ersten Jahr der Erstellung vor 15 Jahren) Hong Kong vor Singapur. Bei den großen Wirtschaftsnationen liegt die USA auf Platz 8 einen Platz hinter Kanada, Großbritannien liegt auf 11, die Niederlande auf 15, Finnland auf 17,  Schweden auf 21, Österreich auf 22, Deutschland auf 23 (+2 Plätze). Spanien fiel 7 Plätze auf 36 zurück, Frankreich kommt erst auf 64, Griechenland auf 73 und damit einen Platz vor Berlusconien ;-). Die in Deutschland als geradezu neoliberale geltende Schweiz liegt übrigens auf Platz 6, das dank seiner hohen Steuern und Staatsquote als geradezu sozialistisch geltende Dänemark nur ganz knapp dahinter auf Platz 9. Das Monsterwachstumsland China liegt übrigens auf Platz 140 ...

Ich ziehe daraus vor allem eine Erkenntnis: Wirtschaftliche Freiheit (und damit die Basis für wirtschaftliche Entwicklung) hat nur wenig mit Steuersätzen zu tun. Es gibt viele andere Felder, die genauso wichtig sind. Man könnte auch sagen, dass es nicht so wichtig ist, wie viel Geld der Staat einkassiert, sondern wichtiger, wofür er es ausgibt. Ob produktiv und für die Zukunft (Bildung!) oder unproduktiv und für die Vergangenheit (Rentengarantie!). Für das letzte Wort bekomme ich jetzt haue von allen meinen zwei Lesern, die schon Rente bekommen ;-)

Direkt von der Quelle:
Heritage Foundation: Ranking the Countries

Nochmal Absenkung der EEG Absenkung (Update)

also ich meine Kürzung der Kürzung. Statt 25% Kürzung der Einspeisevergütung auf Freilandanlagen soll es jetzt nur noch 15% Kürzung geben. Was auch noch weniger wäre als die 16%, die jetzt für Dachanlagen geplant sind.

Seltsames Geschacher hinter den Kulissen ... Da hat doch wieder die Lobby gesiegt ...

Bloomberg: German Solar-Park Aid Cut Less Than Expected in Draft (Update1)
gefunden über:
Solar: German Plan Tones Down Subsidy Cuts For “Solar Parks”

Update (23.02.10):

So langsam wacht auch die deutsche Presse auf und liefert Nachrichten.

ROUNDUP: Koalition einigt sich bei Solarförderung

Starttermin ist jetzt der 1. Juli (nach 1. Juni und 1. April)

Jetzt sollen auf einmal laut dpa gar keine neuen Freilandanlagen mehr gebaut werden?!? Aus der kleineren Absenkung von gestern Abend ist jetzt ein Verbot geworden?!?

Naja, warten wir ab ....

Update 2:

Es hat sich - im Gegensatz zur meiner Ersteinschätzung in den Kommentaren - doch WESENTLICHES geändert:

EEG für Dachanlagen: -16%
EEG für Freiflächenanlagen: -15% (statt -25%)
EEG für Freiflächenanlagen auf "Konversionsflächen" (Halden, Deponien, ...): -11%
EEG für Freiflächenanlagen auf Ackerland: -100%, Ende aus, keine weitere Förderung ...

Bloomberg: German Solar-Park Aid Cut Less Than Expected in Draft (Update2)

Update 3:

Die FAZ bestätigt die Sonderbehandlung für Konversionsflächen nicht, allerdings die Komplettstreichung für Solaranlagen auf Ackerland.

FAZ: Kürzung der Solar-Subventionen steht

Über die Einspeisevergütung für selbstverbrauchten Strom, die ja um 5 Cent/KWh erhöht werden sollte, habe ich nichts Neues gelesen. Ich würde daher mal tippen, dass das so bleibt. Aber sicher kann man sich bei diesem Geschacher nicht sein ...

Update 4:

Weiss jemand, wie viel die Freiflächenanlagen auf Ackerland bisher ausmachten? Ich schätze, es geht dabei um einen großen Teil der neuen Anlagen. 50%? Mehr?

Update 5:

Übrigens: You've read it here first ;-)

Update 6:

Das nicht, das hatte der Spiegel eher ... Der Spiegel hat von "Brancheninsidern" erfahren, dass das "Schlupfloch" Eigenverbrauch NOCH größer wird. Statt wie bisher 5 Cent (siehe Zahl des Tages (13.02.10): 10) soll die Förderung für selbst verbrauchten Strom sogar um 8(!) Cent steigen. Damit würde selbst verbrauchter Strom satte 13 Cent mehr bringen als ins Netz eingespeister Strom. In Cash sind das über 45 Cent pro KWh.

Das scheint mir dann doch deutlich zu viel zu sein. Wenn ich mit der Sonderförderung die dezentrale Speicherung erhöhen möchte, dann sollte ich diese direkt fördern und nicht indirekt. Allerdings war das ja meine positive Interpretation des Vorschlags. Inzwischen wird IMHO klarer, was Röttgen bezweckt: Nur noch Förderung für Selbstverbraucher (Eigenheimbesitzer, sprich CDU Wähler ;-) ) und das Ende der Subvention für Investmentmodelle (Anlagen auf Acker, Vermietung der eigenen Dachflächen an andere, die dann die Anlage betreiben, etc.)

Update 7:

Update zu 6 :-)

Die Vergütung für den selbstverbrauchten Strom soll nicht *um*, sondern *auf* 8 Cent erhöht werden. Das macht aber gar keinen Sinn, denn die Vergütung liegt doch jetzt bei 18 Cent?!? Oder wie oder was?

Ich bin verwirrt, keine Ahnung, warum niemand in Berlin das vernünftig bekanntgeben kann und man sich auf "Insider" berufen muss. Die Nummer mit der Transparenz ist in unserer Demokratie scheinbar keine gewünschte Eigenschaft ... Ach so, bei bmu.de findet man natürlich nichts ...

Handelsblatt: Koalition: Solarförderung klar - Höhere Stromkosten

Zahl des Tages (22.02.10): 50%

Nee, nicht der Zins für die neue Griechenlandanleihe ... Sondern eine Zahl aus einem Land, das bisher nicht auf der Liste der gefährdeten Staaten auftauchte (zumindest nicht auf meiner) und von Standard & Poors auch noch mit einem AA- sehr gut bewertet wird: Kuwait.

Gut, nach der Geschichte mit Dubai wundert man sich auch bei Ländern, die man bisher in Ölmilliarden schwimmen sah, nicht mehr über Probleme (Wobei das im Fall Dubai gar nicht stimmt, weil in Dubai gar nicht mehr viel Öl liegt, sondern nur noch im benachbarten Abu Dhabi).

Die Situation in Kuwait ist vergleichbar mit der in Dubai: Laxe Bankenregulierung, viele große Firmen gehören dem Staat und jetzt trifft ein hoch und kurzfristig verschuldeter, aufgeblasener Immobiliensektor auf fallende Assetpreise.

Ein Analyst einer in Kuwait ansässigen Firma schätzt, dass bis 2011

50%

der etwa 100 Investmentgesellschaften in Kuwait in die Insolvenz schlittern werden.

Die Größe des Sektors wird auf gut 50 Milliarden Dollar geschätzt. Daher sollte man sich nicht zuuuuu große Sorgen machen, aber Probleme in Ländern, die eigentlich im Geld schwimmen müssten, finde ich trotzdem nicht wirklich beruhigend.

FTD: Kreditkrise erreicht Kuwait

Update (23.02.10):

Heute auch was im Handelsblatt zu Kuwait:

Handelsblatt: Kuwait verschärft Situation in den Golf-Staaten

Statistik und was ich nicht selber fälsche ...

Olaf von TradersQuest hat eine interessante Geschichte ausgegraben, die im Ursprung von Market-Ticker.org stammt (Market-Ticker.ort: CPI Number Reported INTENTIONALLY INCORRECT?).

Es geht um den Verbraucherpreisindex in den USA für den Januar 2010. Dieser war ja - wie auch hier berichtet - zum ersten Mal seit 1982 in der Kernrate negativ (US: Verbraucherpreise 01/10: +2,6% (Vj) (+0,2% Vm))

Nur war in der Berechnung ein ziemlich komischer Abschnitt und zwar im Abschnitt Haus/Wohnen:

Shelter...................................................................................... (32,289)     -0,5
  Rent of primary residence 3 .................................................. (5,966)   0,0
  Lodging away from home 2 .................................................. (0,769)   -2,1
  Owners’ equivalent rent of residences 3 4 ............................. (25,206)  -0,1
    Owners’ equivalent rent of primary residence 3 4 ............... (23,593)  -0,1
  Tenants’ and household insurance 1 2 ................................... (0,347) 0,4

Shelter ist der Oberpunkt, der insgesamt 32,289% des US-Verbraucherpreisindex ausmacht. Dieser besteht aus fünf Unterpunkten, die beiden wichtigsten sind die Miete (5,966% des Gesamtindexes), die unverändert blieb und die Owners Equivalent Rent (25,206%), die 0,1% im Minus lag. Die anderen Teile spielen keine wirkliche Rolle. Aber was kommt dann aus der Gesamtberechnung heraus?

(5,966 x 0,0) + (0,769 x (-2,1)) + (25,206 x (-0,1)) + (0,347 x 0,4) = -3,9967

-3,9967 / 32,289 = -0,124

Das muss man aber auch gar nicht durchrechnen. Wenn ein Durchschnittswert mit einem Gesamtgewicht von 32,289% bei etwa 31% (also 95%) ein Minus von 0,1 oder einen unveränderten Wert meldet, kann als Gesamtwert kaum noch -0,5 herauskommen. Auf jeden Fall nicht, wenn die beiden anderen Werte -2,1 und +0,4 betragen.

Ich stehe vor einem Rätsel. Haben die Statistiker sich da wirklich so übel vertan? Ist es vielleicht ein einfacher Tippfehler? Haben sich die Statistiker absichtlich vertan (wie Market-Ticker.org vermutet)? Oder kann das doch irgendwas mit der saisonalen Anpassung zu tun haben? Zumindest die einfachen Überprüfungen der Rechenmethode (z.B.  mit Food at Home) kommen die Werte hin. Nur bei Shelter gibt es die große Abweichung.

Hat irgendjemand von Euch irgendeine Idee?

Traders Quest: Ist der CPI in Wahrheit um +0.1% gestiegen?

Consumer Price Index Detailed Report, tables 1-29, January 2010 (PDF)

Zahl des Tages (21.02.10): 25.000.000.000

Der Spiegel will erfahren haben, dass das von der EU geplante Rettungspaket für Griechenland ein Volumen von 20.000.000.000 bis

25.000.000.000 (25 Milliarden) Euro

haben soll.

Das Hilfspaket soll zum Teil aus direkten Hilfen, zum Teil aus Garantien bestehen.

Die Details sind natürlich noch nicht heraus oder gar final. Angeblich sollen die Anteile am Hilfsprogramm so groß werden wie der Anteil an der EZB, was im Fall von Deutschland knapp 20% entsprechen würde. Es würde für Deutschland also auf etwa 5 Milliarden Euro hinauslaufen.

Um die Summe mal in Relation zu setzen:
Sie entspricht etwa 10% des griechischen BIPs.
Oder anders gesagt: Das ist in etwa das Defizit eines normalen griechischen Haushaltsjahres ;-).

Der Grund für die Rettung ist natürlich nicht, dass wir besonders nett zu den Griechen sind, den Euro retten wollen, oder ähnliches. Zumindest nicht nur. Der Hauptgrund sind die Anleihen im Gesamtwert von 522 Milliarden Euro aus den PIIGS-Staaten, die in den Bilanzen der deutschen Banken schlummern. Und wenn diese wirklich alle in einer Kettenreaktion problematisch werden sollten, ist eine Rettungsaktion angesagt, die die Nummer bei der Hyporealestate wie einen Kindergeburtstag erscheinen lässt ... Und die 5 Milliarden für Griechenland wie das größte Schnäppchen aller Zeiten ...

Spiegel: Euro-Gruppe schnürt Milliardenpaket für Athen

Zahl des Tages (20.02.10): 184

Hockey-Paps hat heute keine Zeit, Turnier und Hockey Mum hat schlapp gemacht und der Pizzamann ist schon unterwegs ... Der US-Bankenpleitenzähler ging heute um 4 weiter nach oben und mit der LaJolla Bank mit Assets im Gesamtwert von 3,8 Mrd. Dollar ist auch mal wieder ein ziemlich fetter Fisch dabei, der jetzt mit dem Bauch noch oben schwimmt ;-)

US-Bankenpleite Nr. 181

Name: Marco Community Bank
Sitz: Marco Island, Florida
Assets: 120 Millionen Dollar
Käufer: Mutual of Omaha Bank, Omaha, Nebraska
Schaden für die FDIC: 38 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2:  Kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 119 (rot)

Mutual of Omaha Bank, Omaha, Nebraska, Assumes All of the Deposits of Marco Community Bank, Marco Island, Florida

US-Bankenpleite Nr. 182

Name: La Coste National Bank
Sitz: La Coste, Texas
Assets: 54 Millionen Dollar
Käufer: Community National Bank, Hondo, Texas
Schaden für die FDIC: 4 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2:  Kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Kein Treffer!

Community National Bank, Hondo, Texas, Assumes All of the Deposits of the La Coste National Bank, La Coste, Texas

US-Bankenpleite Nr. 183

Name: George Washington Savings Bank
Sitz: Orland Park, Illinois
Assets: 413 Millionen Dollar
Käufer: FirstMerit Bank, National Association, Akron, Ohio
Schaden für die FDIC: 141 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2:  Kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 57 (rot)

FirstMerit Bank, National Association, Akron, Ohio, Assumes All of the Deposits of George Washington Savings Bank, Orland Park, Illinois

US-Bankenpleite Nr. 184

Name: La Jolla Bank, FSB
Sitz: La Jolla, California
Assets: 3,6 Milliarden Dollar
Käufer: OneWest Bank, FSB, Pasadena, California
Schaden für die FDIC: 881 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2:  kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 206 (rot)

OneWest Bank, FSB, Pasadena, California, Assumes All of the Deposits of La Jolla Bank, FSB, La Jolla, California

Zahl des Tages (16.02.10): 4

Es ist für meine Stammleser keine wirklich überraschende Nachricht: Ich bin ein Fan von Gold und das aus einem großen Grund: Wir haben zu viele Schulden und die naheliegendste Lösung dafür ist Inflation. Inflationäre Zeiten waren bisher immer gut für Gold. (Auch wenn ich glaube, dass aktuell noch nicht klar ist, ob wir in den nächsten Jahren Inflation oder Deflation bekommen, siehe  Zahl des Tages (18.02.10): -16,6%).

Aber der Reihe nach, ich fange ja mit der Conclusio an ...

Beim ewigen Kampf zwischen Inflation und Deflation ist ja die herrschende Ansicht, dass eine stabile, aber niedrige Inflation das Optimum darstellt. Damit können Sparer leben, aber auch Arbeiter (weil die Löhne ja leicht mitsteigen).
Deflation hingegen wird allgemein als gefährlich angesehen. Warum ist Deflation eigentlich so schlimm? Die Theorie dahinter wird oft so dargestellt: Wenn die Preise fallen, schieben die Verbraucher Kaufentscheidungen in die Zukunft, weil man dann die Produkte ja billiger bekommt. Das wäre aber schlecht für die Wirtschaft. Dann sinken Löhne und/ohne Anzahl der Arbeitskräfte. Das senkt die Nachfrage erneut und dann müssen die Preise weitersinken und zack steckt man in der gefürchteten deflationären Spirale.

Ich teile diese Meinung nicht unbedingt, denn erstens ist das Gegenteil auch nicht gut (alles auf Schulden sofort haben zu wollen, wie wir gerade sehen) und zweitens gab es lange Phasen in der Geschichte, in denen sich Inflation und Deflation mehr oder weniger regelmäßig abwechselten, ohne dass sich die deflationären Phasen unbedingt als die schlimmeren herausstellten. Für mich liegt der Grund für die Vermeidung von Deflation woanders: Eine Wirtschaft, die vor allem auf Schulden basiert, braucht Geldentwertung, also Inflation, um die Schulden schleichend zu entwerten. Bei Deflation würden die Schulden immer mehr wert und damit würde jede Hoffnung auf Rückzahlung sterben. Aber das ist eher ein Thema für eine eigenes Posting.

Allgemein gilt Deflation also als unbedingt zu vermeiden. Daher ist das Team um den IWF Chefökonomen Olivier Blanchard jetzt zu der für viele ziemlich überraschenden Erkenntnis gekommen, dass man doch einfach das Inflationsziel (sofern die Notenbank denn eins hat) erhöhen solle. Blanchard schlägt als neue Richtgröße

4%

statt wie bisher etwa 2% vor.

Beim aktuellen Inflationsziel ist laut Blanchard der Abstand zur Deflation zu gering. Sobald nur leichte deflationäre Tendenzen auftreten, kann sich die Deflation sofort in wirklich (sprich sichtbar) sinkenden Preisen niederschlagen. Und dann kann die gefürchtete Spirale nach unten in Gang kommen.
Bei 4% bestünde aber ein viel größerer Puffer. Die Notenbank kann z.B. die Zinsen auf Null senken, was bei 4% einen extrem negativen Realzins ergäbe und das ist es, was die Wirtschaft antreibt. Aktuell liegt der Zins in den USA zwar bei nahezu Null, allerdings ist die Inflation auch sehr niedrig. Heute wurde die Kernrate der US-Verbraucherpreise zum ersten Mal seit 1982(!) mit einem Minus gemeldet (BLS: Consumer Price Index Summary) (das auch nochmal als Update zum These, dass der Kampf zwischen Inflation und Deflation noch lange nicht entschieden ist).

Bei sinkenden Preisen hat die Notenbank aber keine Chance mehr, für einen negativen Realzins zu sorgen. Der Zins kann ja nicht unter Null gehen, zumindest nicht der am freien Markt (es würde ja niemand sein Geld zur Bank bringen, wenn die Bank dann garantiert, dass man weniger zurückbekäme ...). Die US-Notenbank ist jetzt - wie die Japaner schon seit knapp 2 Jahrzehnten - am Ende. Deshalb haben die Amerikaner und Briten auch zum unkonventionellen Mittel des Quantitative Easings gegriffen, das direkt zwei Ziele erreichen sollte: a) Die Zinsen sollen schnellstmöglich auf breiter Front sinken und b) die Geldmenge soll möglichst stark steigen, damit es zu Inflation und bloß nicht zu Deflation kommt.

Bei einem höheren Inflationsausgangsniveau bräuchte man solche Tricks aber womöglich nicht. Wenn das normale Inflationslevel bei 4% läge und das Zinsniveau 2 oder 3% darüber, könnte die Notenbank im Notfall mit einem Nullzins einen deutlich negativen Realzins erzeugen und die Wirtschaft so viel kräftiger anschieben als aktuell. (Übrigens könnte man mit einem Jahr Nulllohnerhöhung auch sofort für 4% sinkende Reallöhne sorgen. Das wird den Gewerkschaften kaum gefallen ...)

Das naheliegende Kontra zu dieser Idee ist die natürlich Inflationsangst (vor allem in Deutschland mit zwei inflationsbedingten Währungsreformen), allerdings hat Blanchard an diesen Einwand natürlich gedacht. Blanchard hat daher versucht zu belegen, dass nicht die absolute Höhe der Inflation das Problem ist, sondern die Schwankungen in den Inflationserwartungen. Wenn also bei 4% Inflation 6% Zinsen gezahlt würden, die Löhne um 6% steigen und die Renten ebenfalls, was wäre daran schlechter als wenn bei 2% Inflation 4% Zinsen gezahlt würden und Löhne und Renten um 4% steigen würden (ich weiss, dass die Zahlen mit der Realität zu tun haben, es geht um Beispiele).

Ich muss gestehen, dass ich im ersten Moment auch geglaubt habe, dass Blanchard jetzt scheinbar durchgeknallt ist. Aber an der Idee, den Sicherheitsabstand zur Deflation zu erhöhen, ist natürlich was dran. Genau wie an der Idee, dass die Stabilität der Inflation wahrscheinlich wichtiger ist als die Höhe.
Aber ich muss trotzdem sagen, dass mir jede Politik, die der Notenbank noch mehr Macht einräumt, als diese eh schon besitzen, Angst macht. Mir wäre viel lieber, man bräuchte ein Konstrukt wie die Notenbank gar nicht erst. Aber damit wären wir bei einer goldgedeckten (oder wasweissichgedeckten, Hauptsache das wasweissich wächst nicht beliebig) Währung, bei der Zinsen und Geldmenge mehr oder weniger konstant wären. Was ich aber nicht für so schlimm halten würde. Ein wenig Deflation tut halt nicht weh. Computer und Software, eine Branche, in der seit Erfindung dieser Geräte die Preise fallen, wachsen jedes Jahr. Zufall, dass genau in dieser Branche die Firmen mit wenigen Schulden und viel Cash agieren (Microsoft, Apple, Oracle alle mit 20 oder 30 Mrd. Cash und quasi Null Bankschulden)?

Aber ich mache mir nichts vor. Mit der Überlegung, dass Deflation nix Schlimmes sei, stehe ich ziemlich weit neben allen Mainstreamüberlegungen. Auch wird man die aktuell schuldenbasierte Wirtschaft kaum vernünftig auf ein solches System umstellen können.

Und zum Schluss bin ich mir nicht einmal sicher, ob jetzt noch jemand bis hierher durchgehalten hat und ich die Ideen von Blanchard (und meine dazu) vernünftig und verständlich beschrieben haben. Wenn nicht, fragt. Dann bekommen wenisgten die Leute, die erst am Montag hier lesen, einen besseren Artikel ...

IWF: Rethinking Macroeconomic Policy (PDF!) Update (23:37) Sehe gerade, dass das Handelsblatt auch dazu was geschrieben hat: Handelsblatt: IWF will mit „Schnapsidee“ zu mehr Wachstum

Update (25.02.10):

Zwei Meinungen dazu:

i) Axel Weber (natürlich) dagegen: FTD: Der IWF spielt mit dem Feuer

ii) Patrick Welter: FAZ: Währungsfonds auf Irrwegen

Nie mehr putzen ...

OK, ich habe ja eine Schwäche für Produkte, die das unmögliche versprechen, wie z.B. Wäsche bei 60 Grad genau so zu desinfizieren wie bei 95 Grad (Völlig offtopic ... Sorry ... Blue Magic Ball - taugt der was?), daher ist das Zeug natürlich hochgradig spannend ...

Ein Nanomaterial aus Silizium, das man einfach mit einem Tuch oder per Sprühflasche auf die Oberfläche aufbringt (Holz, Alu, Glas, Stoff, Fliesen ...) und ab da perlt dann einfach der Schmutz ab.

Es ist (natürlich) umweltschonend, lebensmittelecht, etc. pp. Zumindest behauptet der Hersteller das.

Kennt das Zeug jemand? Vor allem wäre es natürlich interessant zu wissen, wie lange die Beschichtung hält. 2 Tage, 2 Wochen oder 2 Jahre?

dienanoexperten.eu

Der Blue Magic Ball hat übrigens seine Versprechungen gehalten. Ich bin damit zufrieden. Zwar meinte viele, ich solle doch einfach meine Handtücher wegwerfen, weiße kaufen und die Handtücher dann einfach kochen, aber das kostet ja auch jede Menge Energie. Und wahrscheinlich mehr als das Blue Magic Ball per Waschladung kostet.

gefunden über
Telegraph:
Slashdot: Spray-On Liquid Glass

Die teuerste Naturkatastrophe der Moderne ist ...

... wenn man den Schaden in Beziehung zum BIP des betroffenen Landes setzt, das Erdbeben in Haiti.

Das BIP von Haiti wird auf etwa 7 Mrd. Dollar geschätzt, der Schaden auf 8 bis 14 Mrd. Dollar.

Haiti würde um 10 bis 50(!) Jahre zurückgeworfen, was bei der Ausgangsbasis auf der Haiti vor dem Beben war, allerdings irgendwie dem 19. Jahrhundert entsprechen würde ...

Die heute von der UN angeforderten knapp 1,5 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau scheinen noch viel zu wenig zu sein ...

Spiegel: Größte und teuerste Naturkatastrophe der Moderne
Handelsblatt: Haiti: Historischer Spendenaufruf der UN

Übrigens war meine alberne 30 Euro-Spende im Januar doch tatsächlich höher als meine Amazon-Affiliate-Einnahmen ...

Zahl des Tages (22.01.10): 37 Cent

Schweiz bittet Deutschland um Rechtshilfe wegen Steuer-CD-Kauf

Der Spiegel textet:

Spiegel: Schweiz macht geschickten Schachzug

Dabei geht es um eine Rechtshilfe, die irgendwie im Zusammenhang mit dem Kauf der Steuersünder-CD, über die die Schweiz nachdenkt. Leider hat der Spiegel wenig Details, vielleicht weil es die auch noch gar nicht gibt.

Allerdings scheint sich das um etwas ähnliches zu handeln wie das, was ich in Eine Frage und eine Meinung zur Daten-CD ... gefragt habe:
Was passiert eigentlich, wenn die Schweiz die deutschen Behörden verklagt und die Auslieferung des "Daten-CD-Hehlers" verlangt?

Jetzt scheint die Schweiz tatsächlich diesen Trick zu versuchen, allerdings muss man sehen, dass im Fall der Liechtenstein-CD (nach Deutschland) oder einer Schweiz-CD (nach Frankreich) die beiden Datenverkäufer unbehelligt blieben und die jeweiligen Behörden sogar alles taten, um die beiden zu schützen (Kronzeugenregelung, etc). Die Infos habe ich aus den Kommentaren beim Spiegelfechter (#145),(#191), die Story habe ich damals nicht verfolgt.

Was meint ihr, nützt das der Schweiz dieses Mal etwas?



US-Frühindikatoren 01/10: +0,3% (Vm)

Die US Leading Indicators sind umstritten und haben zum Beispiel die letzte Krise erst angezeigt, als sie auch ein Blinder nicht mehr übersehen konnte (und weit nachdem ich meine Rezessionswette angeboten haben). Trotzdem bringe ich die hier ziemlich regelmäßig, denn allein aufgrund der Breite (10 Einzelindikatoren) sagt der Index doch immer noch was aus.

Besonders dann, wenn der Index viele Monate hintereinander und in voller Breite steigt. Und daspassiert gerade, auch wenn die Breite aktuell etwas schwächelt.

Im Januar 2010 stiegen die Frühindikatoren wieder, wenn auch nur noch um 0,3%. Aber immerhin ist es der 10. Anstieg in Folge, auch wenn Dezember und November 2009 mit +1,1 und +1,2% wesentlich kräftiger im Plus lagen. Die letzten 6 Monate lieferten insgesamt ein Plus von 4,8%, das ist allerdings gegenüber dem Dezember.

Die Breite schwächelt aber etwas. Nur 5 der Teilindikatoren lagen im Januar im Plus gegenüber 10 (sprich allen) im Vormonat. Noch schlechter wird die Beurteilung, wenn man auf den Anteil am Plus schaut. Denn die Zinsdifferenz (10-Jahreszins vs. Fed-Funds-Zins) liegt aktuell bei 3,62%. Bei einer Gewichtung mit etwa 11% errechnet sich daraus ein Plus von 0,38%. Also mehr als der Gesamtindex im Plus lag oder anders herum: die restlichen 9 Indikatoren lägen zusammengerechnet im Minus.

So richtig überzeugend ist das Plus im Januar also nicht ...

Direkt von der Quelle:
Conference Board Leading Indicators for 01/10 (PDF)

Marketwach: Leading indicators climb 0.3%

Etwas Kritik findet sich in meinem Posting zu den Dezemberzahlen (wen's interessiert, findet auch in den Kommentaren noch hilfreiche Anmerkungen): US-Frühindikatoren 12/09: +1,1% (Vm)

Zahl des Tages (18.02.10): -16,6%

Ich weiss, dass die meisten meiner Leser (zumindest diejenigen, die Kommentare hinterlassen) relativ fest davon überzeugt sind, dass wir Inflation bekommen werden. Weil die Notenbanken so viel Geld drucken. Die anderen Leser sind fest davon überzeugt, dass nach dem Platzen der größten Kreditblase aller Zeiten nur eine Deflation folgen kann.

Dumm nur, dass ich Euch für beides genügend Nachrichten liefern kann und darin jeder massenhaft Argumente für seine Theorie findet. Mich lässt diese wirre Nachrichtenlage immer noch naja wirr zurück. Ich weiss einfach immer noch nicht, ob wir Inflation oder Deflation bekommen. Der Kampf ist IMHO immer noch nicht entschieden. Ich glaube, dass es im Wesentlichen eine Timing-Frage ist bzw. wird. Bleiben die Notenbanken zu lange auf dem Gaspedal, gibt es sicher Inflation. Ich glaube allerdings nicht, dass sie schon zu lange auf dem Gaspedal stehen (vielleicht stehen sie im Fall des Nullzinses in den USA etwas zu fest auf dem Gaspedal, aber selbst darüber lässt sich diskutieren).

Heute kam mal wieder eine schöne Zahl für die "Deflationisten". Das Platzen von Kreditblasen löst üblicherweise eine Deflation vor allem aus einem Grund aus: Die Banken müssen Kredite abschreiben (wie z.B. die US-Immobilienkredite). Damit fehlt den Banken Eigenkapital und dann können die Banken nicht mehr so viele Kredite vergeben wie vorher. Da Banken ein Mehrfaches ihres Eigenkapitals an Krediten ausstehen haben (der berühmte Hebel), führt eine Reduzierung des Eigenkapitals zu einer mehrfachen Reduktion des Kreditmenge und damit der Geldmenge.

Bis hierhin ist das der normale Ablauf in einer Wirtschaftkrise. Jetzt kommt dieses Mal aber noch die Besonderheit hinzu, dass die Banken mit extrem hohen Hebeln in die Krise gekommen sind. Die Banken sind also nicht nur gezwungen, die Verluste auf Kredite zu verarbeiten (ich nenne das mal passiv), sondern müssen ebenfalls aktiv ihre Kreditmenge reduzieren, um die Hebel wieder auf ein halbwegs vernünftiges Niveau zu senken.

Die neue Bilanzrichtlinien (Kredite müssen nicht mehr so schnell abgeschrieben werden), die Garantien des Staats (Kredite müssen u.U. gar nicht mehr abgeschrieben werden) und einige kleinere Sachen sollen dieses notwendigen Anpassungsschritt verzögern und zeitlich strecken, weil eine Deflation sonst sicher wäre (ganz nebenbei ist die Streckung auch der Grund, warum die Frage vom Anfang des Artikels noch nicht beantwortet werden kann). So richtig wirksam ist das aber alles nicht ...

Die US-Banken haben die Neukreditvergabe seit Januar um etwa 100 Mrd. Dollar reduziert. Das entspricht einer Jahresrate von

-16,6%.

So schnell sank das Volumen der Bankkredite noch nie. Seit Ausbruch der aktuellen Krise gingen die Bankkredite um 740 Milliarden Dollar oder 10% zurück. Die Geldmenge M3 in den USA (die offiziell ja nicht mehr berechnet wird), sinkt laut Shadowstats mit 5,6%.

Es gibt zwar viele mögliche Kritikpunkte an den Zahlen (z.B. taugen die von Shadowstats was?), allerdings bin ich mir relativ sicher, dass die ganzen geldpolitischen Maßnahmen im Moment noch unkritisch sind, weil auf der anderen Seite die Bankkredite so stark zurückgehen. Beides zusammen hebt sich wahrscheinlich zum großen Teil auf.

Ob wir dann am Ende Inflation oder Deflation bekommen, hängt vielmehr davon ab, wann und wie die Notenbank den Fuß von der Bremse nimmt. Oder ob sie es überhaupt kann.

Telegraph: US bank lending falls at fastest rate in history

IWF startet zweiten Schub des Goldverkaufs

Der Internationale Währungsfonds hat im letzten Herbst bekanntgegeben, dass etwa in Drittel der eigenen Goldbestände verkauft werden sollen, um neue Mittel zu schaffen, mit denen der IWF dann zunehmend mehr Ländern unter die Arme greifen muss (siehe Zahl des Tages (20.09.09): 403,3)

Ein Teil des Verkaufs erfolgte überraschend schnell und die 200 Tonnen gingen bereits im Oktober an Indien (siehe Zahl des Tages (03.11.09): 200).

Nun steht scheinbar der zweite Teil vor der Türe. Der IWF hat den Verkauf von 191,3 Tonnen Gold angekündigt. Das entspricht gut 6 Milliarden Dollar.

Ich wäre nicht wirklich überrascht, wenn auch dieses Gold fix platziert werden könnte. Der Goldmarkt hat eine deutliche Angebotslücke, weil die Förderung deutlich unter der Nachfrage liegt und die Lücke über Recycling und Notenbankverkäufe gedeckt werden muss. Die Notenbanken sind (weltweit aggregiert) aber inzwischen auf die Nachfrageseite gewechselt, wobei der westlichen Notenbanken weiterhin verkaufen, die östlichen (vor allem asiatischen) aber kaufen.
Und genau dort würde ich auch einen Käufer für das zweite IWF Paket vermuten: In China. Die 6 Milliarden sind durch die Verkäufe von US-Staatsanleihen (vgl. Zahl des Tages (17.02.10): 45.000.000.000) leicht zu finanzieren. Und es wäre ein weiterer, wenn auch kleiner Schritt der Chinesen weg vom Dollar ...

Marketwatch: International Monetary Fund to sell another 191 tons of gold

Update (13:02)

Die FTD hat auch was zu dem Thema:

FTD: IWF startet zügig mit Goldverkäufen

Ich glaube übrigens, dass solange wie die Notenpressen so rotieren wie aktuell, keine nachhaltige Gefahr für den Goldpreis besteht. Die Rohstoffe haben in der Vergangenheit immer  von massiv wachsenden Geldmengen profitiert und es gibt wenig Grund für die Annahme, dass es diesmal anders sein sollte.

Stimmen die Zahlen und Argumente von Münchau? IMHO nicht.

Münchaus Kolumne in der FTD wird heute viel verlinkt (Kolumne: Münchau - Problemzone Deutschland | FTD.de)

Die Argumentation im Artikel ist kurz zusammengefasst so: Griechenland ist kein Problem (mehr). Die EU hat eingegriffen, die Basis für eine Sanierung steht. Größere Probleme sieht Münchau in Spanien und das aus zwei Gründen: Spaniens Volkswirtschaft ist größer (und damit systemischer und gefährlicher). Außerdem ist das Leistungsbilanzdefizit das größte in der Eurozone.

Münchau wiederholt im Wesentlichen seine alte Leier: Auslöser sei Deutschland, weil Deutschland zu hohe Exportüberschüsse habe. Und das läge an der hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, die auf zu niedrigen Löhnen basiert.

Nun hatte ich die Zahlen (wenn auch nur grob) anders im Kopf und die Rechnung ging in etwa so: Die Handelsbilanz zwischen Deutschland und Spanien sieht für Spanien übel aus. Soweit Zustimmung zu Münchau. ABER nach meiner Erinnerung hebt der Tourismus einen großen Teil davon wieder auf.

"Der hohe deutsche Anteil am großen Handelsbilanz-Defizit Spaniens wird zu einem beträchtlichen Teil durch die Ausgaben der rund 10 Mio deutschen Touristen ausgeglichen, die jedes Jahr Spanien besuchen."

Auswärtiges Amt

Hmm, soweit scheint meine Erinnerung zu stimmen. Genaue Zahlen, wie viel der Tourismus wieder aufhebt, habe ich leider nicht gefunden. Hat die zufällig jemand?

Allerdings steckt im Artikel noch eine andere Zahl: Das Auswärtige Amt meldet etwa 43,7 Mrd Euro Exporte von Deutschland nach Spanien, während nur 21,6 Mrd. in die Gegenrichtung fließen (das oben erwähnte Desaster). Allerdings hat Spanien ein Gesamtminus in der Handelsbilanz von etwa 85 Mrd. (gleiche Quelle wie oben). Es geht also nur etwa in Viertel des spanischen Handelsbilanzminus auf den bilateralen Handel mit Deutschland zurück.

Und dann sag ich jetzt einfach mal ganz platt: Wenn wie nur ein Viertel des Minus verursachen, kann ja wohl Deutschland nicht allein Schuld sein. Und dann kann es auch nicht an den (angeblich zu) niedrigen deutschen Löhnen liegen, sondern es könnte viel mehr an den zu hohen Löhnen in Spanien liegen. Ansonsten hätten die Spanier ja auch nicht im Handel mit vielen anderen Staaten ein Minus ...

Tja, und da fällt (wenn denn meine Überlegungen stimmen) die Argumentation von Münchau in sich zusammen. Oder übersehe ich was?

Update (18.02.10):

OK, ich habe (wenigsten grobe) Zahlen gefunden. Der Tourismus macht 5% des BIPs aus. Deutschland stellt etwa 1/5 der Touristen. Ich muss gestehen, dass ich aus dem Kopf heraus beide Zahlen ein ganzes Stückchen höher geschätzt hätte. Dass heisst die deutschen Touris sind für etwa 1% des spanischen BIPs verantwortlich. Das deckt das deutsche Defizit natürlich nicht.

Mein zweiter Punkt, dass das Exportdefizit Spaniens nur zu einem Viertel auf den Handel mit Deutschland zurückgeht, bleibt aber valide.

IMHO hat Spanien einen großen Fehler gemacht. Sie haben die Rendite durch die Einführung des Euros gerne mitgenommen aber die Kosten gescheut. Sie haben die niedrigen Zinsen, von denen das Weichwährungsland Spanien nur träumen konnte, "genutzt", um wie wild zu bauen. Der Bau. und Immobiliensektor in Spanien ist so wichtig wie in keinem anderen EU-Land. Allerdings hat man die Kosten einer Hartwährung, nämlich Lohnzurückhaltung und internationale Wettbewerbsfähigkeit, verdrängt. 

Ich glaube daher, dass Paul Krugman in seinem Artikel Anatomy of a Euromess eine richtige Diagnose stellt. Aber eben nur für eine Seite der Medaille.

Übrigens irrt Krugman, wenn er sagt, dass selbst die größten Euroskeptiker das nicht geahnt hätten. Eines der Hauptargumente gegen den Euro war immer die zu große Differenz in der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften. Da wurde halt ein (höchst wettbewerbsfähiger) Hartwährungsblock um die alte D-Mark um einen Haufen klassischer Länder erweitert, die jahrzehntelang mit Weich- und Weichstwährungen den nötigen Anpassungsprozessen aus dem Weg gegangen sind.
Und dass die Anpassungsprozesse nicht so einfach in einem Jahrzehnt abzufackeln sind, zeigt sich jetzt. Das hat man aber auch schon beobachten können, als sich der DM-Block bildete und einige Länder abwerten mussten, obwohl sie es eigentlich nicht mehr vorhatten. Und auch in der Zeit des ECU mussten einige Länder noch mehrmals abwerten, obwohl sie eigentlich schon fixe Wechselkurse hatten. So ein Prozess dauert einige Jahrzehnte, nicht ein paar Jahre.

Spaniens Anleiheverkauf problemlos

Das Angebot betrug 5 Milliarden Euro, die Nachfrage lag bei über 12 Milliarden. Spannender eigentlich der Preis: Die Rendite lag bei 4,66%. Der Aufschlag gegenüberlag bei 0,85 Basispunkten, also deutlich unter dem, was die CDS signalisieren (132 Basispunkte). Und um dem ganzen zum Schluss eine noch optimistischere Note zu geben: Es war eine 15-jährige Anleihe, also eine Laufzeit, die man garantiert nicht kaufen würde, wenn man bald mit einer Pleite Spaniens rechnet.

Die CDS für Spanien und die anderen PIGS wurden als Reaktion auf den erfolgreichen Anleiheverkauf deutlich preiswerter.

FAZ: Richtig sorgen tun wir uns erst morgen
FTD: Spanien wird Anleihen rasch los

So, jetzt könnt ihr ruhig schlafen gehen und süß träumen :-)

Schau an! Eine Steueramnestie, die funktioniert!

Die Versuche in Deutschland floppten immer mehr oder weniger peinlich. Schröder wollte 2004 100 Mrd. Euro aus der Schweiz und Luxemburg zurück nach Deutschland holen, wenige Monate später korrigierte Hans Eichel auf 5 Milliarden Euro, am Ende wurden es nur gut 1 Milliarde.

In Italien hingegen scheint die Straffreiheit der zurückgeholten Gelder und der nachträgliche Steuersatz von nur 5(!)% so attraktiv zu sein, dass bei der aktuellen Amnestie schon 85 Milliarden Euro nach Italien zurückgeflossen sind.

Wo Licht ist, ist aber auch immer Schatten. Denn wahrscheinlich ist die Straffreiheit der interessanteste Aspekt. Außerdem sind die Amnestien in Italien relativ gängig. Daher scheint es sich zum normalen Geschäft entwickelt haben, sein Geld (woher auch immer das stammen mag, Schwarzgeld, Drogengeld, Bestechungsgeld, ...) in die Schweiz zu schaffen, dort ein paar Jahre liegen zu lassen und dann straffrei und zu Ministeuern bei der nächsten Amnestie zurückzuholen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass gerade Silvio Berlusconi dieses Mittel so häufig einsetzt ...

Italien: Steueramnestie bringt Fiskus Milliarden - Politik - International - Handelsblatt.com

Zahl des Tages (17.02.10): 45.000.000.000

(Schon wieder nicht das, worüber ich eigentlich schreiben wollte, aber heute Abend ist Geburtstagsparty ...)

Dass die USA sich in eine gefährliche Abhängigkeit vom Ausland begeben hat, ist ja keine Neuheit. Die Spekulation gegen den Dollar berief sich häufig auf das Doppel-Defizit der USA: Handelsbilanzminus und ein Staatsdefizit, das zunehmend vom Ausland finanziert wurde. War lange Japan der große Käufer für US-Schulden, übernahm diese Rolle in den Nullerjahren China. Jetzt aber scheint China eine Kehrtwende vorzunehmen. Im vierten Quartal 2009 verkauften die Chinesen US-Staatsanleihen im Wert von 34 Milliarden Dollar, in den letzten 5 Monaten sogar

45.000.000.000 (45 Milliarden) Dollar.

Damit gaben die Chinesen auch die Nummer 1 der größten Schuldner der USA wieder an die Japaner zurück. China hält jetzt US-Staatsanleihen im Gesamtwert von 755,4 Mrd. Dollar, Japan 768,8 Mrd. Dollar.

Handelsblatt: China wirft massenhaft US-Anleihen auf den Markt

Die Chinesen scheinen also Ernst zu machen mit der Diversifikation ihrer bisher ziemlich einseitig auf den US-Dollar ausgerichteten Devisenreserven. Sowohl die Sonderziehungsrechte des IWF (die nur zu 44% in Dollar sind, siehe Zahl des Tages (03.09.09): 50.000.000.000) als auch Gold (siehe Zahl des Tages (03.11.09): 200 oder买黄金!) scheinen die Chinesen im Moment den US-Staatsanleihen vorzuziehen.

Für die USA ist es natürlich kein gutes Zeichen, wenn der jahrelang größte Käufer der eigenen Schulden auf die Verkäuferseite wechselt. Kein Wunder, dass die Fed so viele Staatsanleihen in die eigenen Bücher nehmen musste ... (etwa 700 Milliarden Dollar

Update (19.02.10):

FT Alphaville mit einem Artikel, der sagt, dass die Statistik möglicherweise sehr unvollständig ist, weil China auch z.B. über in London sitzende Verwalter kaufen kann und solche Verschiebungen dann nicht in der US-Statistik auftauchen.

FT Alphaville: Treasuries, dollars and sense

Der Pannekopp 2010 ist ...

... der auch hier schon hoch gelobte Thomas Middelhoff . Am Ende findet man auch einen schönen Hinweis, dass ich dem Mann auch auf den Leim gegangen bin, es aber zum Glück vor dem finalen Abschied noch gemerkt habe ...

Arcandor sollte für "Verlässlichkeit, Treue und Mut" stehen, Middelhoff stand dann aber für "Überheblichkeit, Schläue und Gier".

Der Pannekopp wird jedes Jahr vom Ruhrgebietskarneval Geierabend gewählt und an Leute verliehen, die sich um das Ruhrgebiet besonders "bemüht" haben. Middelhoff habe einen "Strukturwandel de luxe" eingeleitet.

Lesenswerte Lautatio:

Geierabend: Pannekopp 2010

gefunden über DerWesten: Pannekopp für Middelhoffs „Schläue und Gier“

Neue Videos zu Noby Noby Boy von Katamari Erfinder Takahashi

Der Takahashi pflegt sein Wierdo-Image inzwischen ziemlich intensiv...

Die Videos sind ja alle total durchgeknallt. Ich mag die Marketing Persiflage aber. App soll mindestens 5 Millionen Mal runtergeladen werden, also muss sie vom Kindergartenkind über World Wide Party People bis bin zu Geschäftsmännern einfach alle ansprechen ... So stelle ich mir Meetings mit durchgeknallten Marketing Heinis vor: Der eine schreit immer "iPod, iPod, iPod", der andere "Kamera, Kamera, Kamera" und dann allesoyeah.



Und ichsoyeah, wenn das endlich für iPod touch und iPhone erscheint.

Die anderen Videos gibt's hier:

Video: Katamari creator's Noby Boy iPhone app for kindergartners, businessmen alike

Zahl des Tages (16.02.09): 330 (1687) (2.078) (2650) (2832)

Ich wollte eigentlich zu einem anderen Thema was schreiben, aber die 19 Seiten vom Blanchard sind dann mit doch zu viel ... 

Daher heute etwas Einfacheres, mit dem ich auch schön ein altes Thema hier aufgreifen kann (Zahl des Tages (05.02.2010): 16.000%).
Wie erwartet hat allein die Diskussion über die Steuer-CD schon für einen großen Erfolg gesorgt. Es hagelt nämlich geradezu Selbstanzeigen.

Bis gestern sind nach Aussage des hessischen Finanzministeriums


330

Selbstanzeigen eingegangen. Mitte letzter Woche waren es nur 113, wir reden also von einer Verdreifachung in wenigen Tagen. Leider habe ich keine Zahlen für ganz Deutschland gefunden (hat die jemand?).

Es zeigt sich, dass die Diskussion über den Ankauf von (potenziellen) Steuersünderdaten wichtiger ist als der Kauf an sich. Gut ist es auch, wenn man so tut, dass alle Daten auch Steuersünder betreffen (als wenn da keine Ehrlichen dabei sein könnten). Und noch besser ist es, wenn man die Liste der angeblich betroffenen Banken möglichst lang macht: irgendwas Internationales (HSBC), was Schweizerisches (Credit Suisse) und am besten noch ein paar Versicherungen. Tja und dann kommen die Selbstanzeigen schon ...

Wenn man Steuern hinterzieht, muss man Nerven haben. Und auch genug (Rest-)Geld, um die Strafe zahlen zu können. Wer wie die Banken jahrelang Steuer"ersparnis" und ruhigen Schlaf versprochen hat, lügt. Steuerhinterziehung ist eher wie DonAlphonso so schön sagt ein "Ein Sport für echte Männer, die es darauf ankommen lassen."

FAZ: Zahl der Selbstanzeigen seit Freitag verdreifacht

Update (23:56)

Hat jemand Lust die Zahlen aus der FTD zusammenzurechnen?

FTD: Steuersünder geraten in Panik 

Update (17.02.10):

Erste Ergänzung: Die Explosion der Selbstanzeigen in den anderen Bundesländern war noch viel extremer als die Verdreifachung in Hessen: In Bayern ging es von unter 20 auf 291, in Hamburg von 10 auf 88.

Zweite Ergänzung: Mein Leser Anon/Thomas hat sich die Mühe gemacht, die Zahlen zu addieren und auch noch Zahlen aus Baden-Württemberg herausgesucht. Allerdings komme ich beim Zusammenrechnen auf eine andere Summe ?!?

Egal, ich liste mal

Baden-Württemberg: 566 (SWR)
Hessen: 512 (FAZ330 (laut FAZ), die FTD hat aber nur 113(?).
Bayern: 291 (FTD)
Niedersachsen:174 (FTD) 273 (Spiegel)
Berlin: 112 (FTD) 177 (Spiegel)
Hamburg: 88 (FTD) 136 (Spiegel)
Rheinland-Pfalz: 58 154 (SWR)
Schleswig-Holstein 36 (FTD) 67 (Spiegel)
Bremen: 27 (Spiegel)
Saarland: 25 (Wormser Zeitung)
Sachsen: 17 (S-IZ) Mecklenburg-Vorpommern: 5 (Welt)
Thüringen: 6 (Südthüringer Zeitung)
Brandenburg: 2 (Tagesspiegel)
Sachsen-Anhalt: 2 (Berliner Morgenpost )
NRW: 572 (DerWesten)
Macht (vorerst) - 1.687 1.783 2.078 2.650 2.832 Selbstanzeigen.

Es fehlen noch:
Bremen
Saarland
NRW





χρυσός

1.118

Update (17:55):

Jetzt mache ich aus meinem kürzesten Posting aller Zeiten doch wieder ein langes. Wie langweilig. Aber die aktuell auf meinem Schirm gesehenen 815 Euro pro Feinunze Gold sind ein neues Allzeithoch.

Update (18:13)

Auch wenn ich irgendwo gelesen habe, dass Griechenland der Auslöser für den Kurssprung beim Gold gewesen sein soll, ist das doch viel wahrscheinlicher der Auslöser gewesen:

Spiegel: IWF-Experten fordern deutlich höhere Inflation

Da haben wir's: Der letzte Ausweg aus der weltweiten Überschuldung heißt Inflation, weil das nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden entwertet. Für die Staaten eine tolle Nummer: Denn die Schulden haben die Staaten, die Vermögen die Deppen da draußen (also wir ...).

Mich wundert daran nur eines: Dass das jemand *so* offen ausspricht ... Werd mal schauen, ob ich das Paper von Blanchard finde.

Immofonds Degi Global Business vor Pleite?

Ein kurzes Update zu meiner Geschichte von letzter Woche (Was machen eigentlich die geschlossenen offenen Immobilienfonds?): Dem für Großanleger gedachten Degi Global Business Immobilienfonds droht jetzt die Abwicklung ergo Pleite. Laut Aussagen der den Fonds betreuenden Aberdeen Gruppe würden viele Großanleger den Fonds am liebsten sofort zurückgeben. Da der Fonds die nötige Liquidität nicht schnell genug besorgen könne, würde Aberdeen in diesem Fall den Fonds abwickeln. Vielleicht ist das aber auch besser, denn nach der Abwertung um etwa 22% dürfte das Image des Fonds nachhaltig beschädigt sein.

Die Aussage von Aberdeen kann man IMHO durchaus als Drohung auffassen, vor allem zusammen mit dem Hinweis, dass der Fonds die Immobilien im aktuellen Markt- und Finanzierungsumfeld kaum zu sinnvollen Preisen verkaufen könne. Die Aussage ist wohl "liebe Anleger, bleibt lieber dabei, ansonsten drohen euch kräftige Verluste".

Übrigens betont Hartmut Leser, Vorstand der Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management, dass den beiden auch für Privatanleger geöffneten Immobilienfonds Degi Europa (ISIN: DE0009807800) und Degi International (ISIN: DE0008007998) keine Abwertungen von 20% oder mehr drohen. Ein massiver Abfluss droht beiden Fonds aktuell sowieso nicht, denn die sind aktuell geschlossen ...
Die Einschätzung der Börsianer sieht allerdings anders aus ... Der DEGI Europa kostet bei Rücknahme (die es aber aktuell nicht gibt) 63 Euro, die Fondsbörse in Hamburg bietet nur 52,15. Der DEGI International kostet bei der (theoretischen) Rücknahme durch die Fondsgesellschaft gut 54 Euro, an der Börse Stuttgart jedoch nur 43 ... Beides sind übrigens keine Fantasiepreise, sondern durchaus realistische, sprich durch spürbare Umsätze untermauerte, Kurse.

Im Chart sieht das dann so aus:

Der Abstand von fast 20% passt so gar nicht zur Aussage von Herrn Leser. Ist das einen Zock wert?

Handelsblatt: Immobilienfonds von Degi droht die Schließung

Slow down and think it over ...

Euro/Dollar aktueller Kurs etwa 1,36.
Euro/Dollar Kaufkraftparität: etwa 1,21 (Trinkaus: Devisenkompass Januar 2010 (PDF/ 1196 KB)

Warum reden alle über das Ende oder den Untergang der Euros? Weil der Euro jetzt nur noch weniger stark über der Kaufpraftparität notiert, sprich nicht mehr ganz so überbewertet ist wie vor zwei Monaten?
 
Ich komme da nicht mit ... 

Zahl des Tages (15.02.10): 1.000.000.000

Heute geht es ausnahmsweise mal nicht um Bankster, sondern um echte Gangster ...

Und zwar um Darko Saric.

Sein Beruf: Drogendealer.

Sein geschätzter Verdienst:


1.000.000.000 (1 Milliarde) Euro

Und der Hammer daran: Nicht im letzten Jahr, sondern in jedem der letzten 10 Jahre ...

Damit kann Saric sein Heimatland Serbien komplett kaufen. Und wahrscheinlich hat er das auch gemacht. Zumindest konnte ein mutmaßlicher Verdächtiger aus dem Saric Klan in Montenegro nicht bestraft werden, weil die serbischen Behörden ihre Beweise nicht herausrücken wollten. Das würde die Ermittlungen in Serbien gefährden.

Wer jetzt glaubt, dass diese Vorwürfe nur in diese Richtung gingen, irrt sich. Denn die Vorwürfe gingen vorher in die andere Richtung. Da warfen nämlich Serbien Montenegro vor, dass Montenegro nicht gegen Saric vorgehen würde, dessen Headquarter in Montenegro vermutet wird.

Am Ende ein tolles Beispiel dafür, wie sehr die Bekämpfung der internationalen Drogenkriminalität ins Leere läuft. Ohne einen radikalen Wechsel in der Politik wird sich wohl nichts ändern. Nur die  kontrollierte Abgabe der Drogen, wodurch die unglaublichen Verdienstmöglichkeiten zerstört würden, kann hier was ändern. Aber naja, was soll man erwarten: Früher kamen die Drogen aus Kolumbien, heute baut der Westen die Drogen in Afghanistan direkt selber an ...

Spiegel: Drogenboss verdient jährlich eine Milliarde Euro

Zahl des Tages (14.02.10): 180.000.000.000

Die Löcher im Haushalt von Kalifornien waren ja schonmal Thema hier (und woanders), zum einen weil Kalifornien so groß ist, zum anderen sicherlich auch wegen der "deutschsprachigen" Wurzeln des Gouvernators.

Dabei sieht die Lage in vielen anderen US-Bundesstaaten nicht viel besser aus. 2008 betrug das Loch in Kaliforniens Haushalt 22% (gemessen am BIP am Gesamthaushalt), aber auch Florida und Arizona lag das Haushaltsloch bei 19,9%.
 
The Big Picture: Insolvent European vs American States

Nach den Prognosen für 2010/2011 kommen in Kalifornien Löcher von 49%(!) heraus (Chart of the Day: State Budget Gaps 2010).

Summiert man das Minus der 50 amerikanischen Bundesstaaten für das Fiskaljahr 2010/2011 zusammen, kommt man auf


180.000.000.000 (180 Milliarden) Dollar.

Im aktuell laufenden Jahr sollen es "nur" etwa 60 Milliarden Dollar sein.

CNN: States to Senate: Send more federal aid
CNN: 43 states in financial trouble

Man sollte das Problem nicht unterschätzen, denn im Vergleich zu Griechenland haben nicht nur einige Bundesstaaten eine höhere Wirtschaftsleistung, sondern auch höhere Schulden. Das oben genannte Minus der US-Bundesstaaten in einem einzigen Jahr ist immerhin fast halb so hoch wie die Gesamtschulden (also nicht nur Neuschulden) Griechenlands (etwa 300 Mrd. Euro, es sei denn Goldman Sachs hat noch mehr Milliarden versteckt ...)

Und es handelt sich um ein Problem, das sich immer weiter zuspitzt. Aktuellstes Beispiel ist New Jersey, das an diesem Wochenende den "fiskalischen Notstand" ausgerufen hat.

Calculated Risk: New Jersey: State of Fiscal Emergency
Creditwritedowns: Fiscal emergency in New Jersey harbinger of state cuts

Übrigens schätzt Moody's, dass die anstehenden Sparmaßnahmen der Bundesstaaten bis zu 900.000 Arbeitsplätze kosten könnten. Das wird den Wirtschaftsaufschwung in den USA nicht gerade stützen ...

Update (15.02.10):

Artikel verbessert. Die ersten Zahlen bezogen sich nicht auf das BIP, sondern auf den Gesamthaushalt und waren nur deshalb anders, weil sie sich auf das Fiskaljahr 2008 beziehen, im Gegensatz zu dem zweiten Teil der Zahlen, die eine Prognose für 2010/2011 sind.
Außerdem den wichtigsten Link zu The Big Picture ergänzt, aus dem der erste Teil der Zahlen stammt. Man sollte nach einem Karnevalszug kein Posting schreiben, selbst wenn die Mengen des Alkohols überschaubar waren ...

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