Musik zum Wochenende: Moby


Die neue Single von Moby mit einem wirklich tollen Video:

Ziemlich deprimierend, aber passt irgendwie zur Woche. Die zweite dicke Krise nach der Bankenkrise und schon wieder nur viel Geld ausgegeben, ohne irgendwas sinnvoll zu reformieren ...

Wahrscheinlich hält der Smart Investor doch Recht mit seiner Crack-Up-Boom-These ...

Moby - Wait for me



via Kraftfuttermischwerk via rivva

Zahl des Tages (30.04.10): 3,2

Die Zahl war fest eingeplant und lasse ich von allem möglichen Griechenland, Portugal oder was-weiss-ich-Gehampel ausnahmsweise mal nicht ablenken.

Heute gab es die erste Schätzung (offiziell "Vorabschätzung") des BIPs der USA für das erste Quartal 2010.

Das Wachstum betrug danach annualisiert (auf's Jahr hochgerechnet)

3,2%.

Das liegt deutlich unter den 5,6%, die für's vierte Quartal 2009 gemeldet wurden (eine Zahl, die ich scheinbar nicht vermeldet habe, im Gegensatz zur ersten und zweiten Schätzung ...).

Wie schon das Vorquartal wurde das heute im Mittelpunkt stehende Quartal durch den Lageraufbau deutlich nach oben verzerrt. Allerdings war der Wachstumsbeitrag mit knapp 1,6% nicht so extrem hoch wie die 3,8% im letzten Quartal 2009. Damals kamen zwei Drittel des BIP-Wachstums aus dieser einen Quelle, heute ist es "nur" noch die Hälfte. Das Wachstum ohne den Faktor Lagerbestand lag in beiden Quartalen ziemlich konstant bei 1,6 bzw. 1,7%. Das ist die nachhaltige Wachstumszahl, die man im Kopf behalten sollte, wenn man die Stärke des Wirtschaftswachstums in den USA beurteilen möchte.

Wobei "nachhaltig" und "Stärke" auch noch etwas gewagte Begriffe zu sein scheinen. Wie Edward Harrison bemerkt, haben sich die "real disposable Incomes" im Vergleich zum Vorquartal nicht geändert. Die amerikanischen Verbraucher haben also inflationsbereinigt keinen Cent mehr in der Tasche als im Vorquartal. Die erhöhten Verbraucherausgaben kamen daher (mal wieder) aus einer Senkung der Sparquote, die von 3,9% auf 3,1% gesunken ist. Damit ist die Sparrate, die in der Krise von knapp unter Null auf gut 6% gestiegen ist, schon wieder um die Hälfte gesunken. Viel Potenzial steckt in einem weiteren Sinken der Sparrate also nicht mehr.

Chart: US Savings Ratio over Time

This regularly updated iChart shows the US savings ratio as a percentage of disposable income over time. The savings ratio represents the fraction of personal income that is not immediately spent and kept for future use. Numerically it is defined as personal savings divided by disposable personal income. Disposable personal income equals personal income less current taxes whereas personal savings equals disposable personal income less personal outlays.
Tags: Savings, Ratio, Income, Disposable, Indicator, Personal
US Savings Ratio over Time
Powered By: iCharts | create, share, and embed interactive charts online


Keine sonderliche solide Basis für die US-Wirtschaft, die zu etwa 70% vom privaten Konsum abhängt.

Ein paar weitere Gründe, warum das Wachstum in den nächsten Quartalen schwächer werden wird, finden sich bei Edward Harrison:

Creditwritedowns: US GDP growth rate is unsustainable; recovery will fade

Der wichtigste: die Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und der Fed werden in Kürze nach und nach auslaufen ... Wenn man überlegt, wie niedrig die Zinsen und wie hoch die Steuergutschriften z.B. für den Immobilienkauf sind, ist das Wachstum des US-Wirtschaft verdammt mager ...

Die Zahlen direkt von der Quelle:
BEA.gov: Gross Domestic Product: First Quarter 2010 (Advance Estimate)

noa Bank stellt Tagesgeldkonten ein

Ich schreibe lieber mal einen neutralen Beitrag, der mir ziemlich sicher keine Abmahnung einbringen kann ... Das ist scheinbar in diesem Themenkomplex gar nicht so einfach ...

Die noa Bank hat ihr Tagesgeldkonto eingestellt.

noa: Die Tagesgeldkonten der noa bank sind ab dem 30.04.2010 „ausverkauft“!

Damit reagiert die noa Bank nach eigener Aussage auf die große Diskrepanz zwischen hohen Kundeneinlagen (etwa 200 Millionen) und bislang niedriger Kreditvergabe (aktuell etwa 12 Millionen). Das ist auch logisch, denn Kreditbewilligung, vor allem wenn sie an strenge Kriterien geknüpft ist wie ökologischer oder sozialer Nutzen, ist nicht einfach und schnell zu bewerkstelligen. Vor allem, wenn die Bank noch kein Jahr alt ist.

Warum die noa Bank aber nicht nur einfach den Zins senkt, der mit 2,20% IMHO auf einem Niveau ist, das als Kundenwerbeprogramm gelten muss, weiss ich aber auch nicht. Der Geldfluss hätte schon deutlich nachgelassen, wenn der Zins auf (sagen wir mal) 1% gesenkt worden wäre. Vielleicht macht sich der Marketing-Stunt "Tagesgeldkonto ausverkauft" einfach besser.

Unlogisch ist das Vorgehen der noa Bank aber nicht. Denn die Festgeldkonten laufen weiter und sorgen für eine längerfristige Geldeinlage. Die Festgeldkonten machen bisher nur 15% der Einlagen aus, der Bereich könnte als gut noch Wachstum gebrauchen. Ansonsten wäre die noa Bank extrem kurzfristig finanziert, was ziemlich ungesund sein kann. Daher muss ein Bank auch ein Drittel des Tagesgelds wirklich als Cash vorhalten, um einen Run zu überleben. Andersherum steht es der Bank nicht für die Kreditvergabe zur Verfügung (und genau diese ist ja der eigentliche Sinn der Bank).

Hier scheint die noa Bank etwas gelernt zu haben, was die GLS Bank durch die Konstruktion des Sparbuchs verhindert hat (das ist ja nicht komplett kündbar bzw. nur mit Vorfälligkeitszinsen und daher muss auch nicht so viel der Einlagen als Cash hinterlegt werden und kann stärker für Kredite verwendet werden).

Wen die Diskussion um die noa Bank interessiert, hier noch vier spannende Links (meinen habe ich nicht mitgezählt ...)

a) Mein alter Artikel zum Thema, für alle, die den Einstieg brauchen:

NOA BANK - DER SKANDAL IST DIE PRESSE ...

b) Ein Update beim Social Banking 2.0 Blog inkl. "Gegendarstellung" des Journalisten Heismann:

Social Banking 2.0: Noa Bank: Gründer Francois Jozic bezieht Stellung zur Medienkampagne gegen Newcomer – Blogosphäre differenziert statt nur einseitig wie die Leitmedien zu polarisieren

c) Carta.info hat den ursprünglichen Artikel übrigens zurückgezogen:

Carta.info: Gute Zinsen, gutes Gewissen – aber schlechte Presse? Die Noa Bank in den Medien

und d) inzwischen auch ausführlich Stellung genommen:

Carta.info: Noa Bank Reloaded: Carta überprüft Artikel

Ich kann nur betonen, dass ich das Vorgehen von Carta sehr begrüße, u.a. die Tatsache, dass die sich an das Thema dranhängen, im Gegensatz z.B. zum Spiegel und der FTD, die den Artikel, ohne die Replik von noa Gründer Josic zur Kenntnis zu nehmen, online haben. Wenn ihr also eine zweite Site braucht, die ihr kachingeln wollt, da habt ihr sie ... (Jaja, ich bin nervig, aber einer fehlt noch)

e) Dass die Story noch nicht zu Ende ist, ist auch sicher. Denn der Journalist recherchiert weiter, allerdings ist nicht klar, ob für eine andere oder eine weitere Story ...

noa: Günter Heismann bringt eine wichtige Frage auf: Wie funktioniert eine Bank?

Der Beurteilung der Frage, ob die Fragen des Journalisten fair und im Ton angemessen sind, enthalte ich mich besser mal ...

Zahl des Tages (29.04.10): 10,5

Eine Zahl, die ich hier immer relativ regelmäßig bringe, sind die Immobilienpreise in Großbritannien, gemessen von Nationwide.

Die Hauspreise in Großbritannien haben vor etwa einem Jahr eine beeindruckende Trendwende hingelegt, die ich hier schon mehrfach mit Erstaunen veröffentlicht habe. Während der Immobilienmarkt in den USA noch immer in einer (wahrscheinlich langwierigen) Bodenbildungsphase steckt, legen die Preise in Großbritannien schon wieder kräftig zu. Im April kam es zum 11. Monatsplus der letzten 13 Monate. Er ging im Vergleich zum März 1,0% nach oben. Im Jahresvergleich errechnet sich nun ein Plus von

10,5%,

was das erste zweistellige Plus seit 2007 ist. Damit haben sich die Hauspreise in Großbritannien von dem Einbruch um knapp 20% bis Februar 2009 wieder deutlichst erholt. Etwa die Hälfte des Rückgangs ist schon wieder aufgeholt.

Der Preisanstieg ist eigentlich zu stark, um nachhaltig zu sein. Jetzt kann man diese Erholung auf den vorangegangen Einbruch zurückführen. So stark war der Preisrückgang allerdings auch nicht, dass eine derart schnelle Erholung damit erklärt werden könnte.

Das sieht mir doch schon wieder stark nach einer neuen Blase aus ...

direkt von der Quelle:

Nationwide: House price inflation reaches double digits (PDF!)

Allerdings womöglich nur auf den ersten Blick. Denn um die Rate weiterhin im zweistelligen Bereich zu halten, muss die monatliche Steigerung weiter über 1% bleiben. Und da war sie im Schnitt der letzten 6 Monate nicht mehr. Das "Problem" erledigt sich vielleicht von alleine.

Gegen einen weiteren kräftigen Anstieg sprechen noch zwei Punkte:

i) Die Kreditvergabebedingungen bleiben streng.
ii) Mit den Hauspreisen gehen keine steigenden Einkommen einher, die Erschwinglichkeit von Immobilien verschlechtert sich also wieder (dazu gibt's auch eine Grafik im oben verlinkten PDF).

Das alles sollte weitere kräftige Anstiege verhindern. Aber wer weiss. Ich bleibe am Ball.

FT Alphaville: Double digit house price inflation is back

Der Economist malt seine neue Europakarte

Wunderbarer Humor des Economist.

Das erinnert mich an DonAlphonsos Neuordnungsversuch Mitteleuropas, bei dem er einen neuen Staat schaffen wollte, der alle ihm wichtigen Qualitäten hat:

Leckeres Essen
Schöne Berge
Stabile Währung (damit die Silberkannen billig bleiben)
Fleissige Arbeiter
Kultur
Bildung
Meer

Dabei entstand Lotharingien, das von der Nordsee bis zum Mittelmeer reicht. Fiese Sachen wie Ostdeutschland, Frankfurt, Kärnten (Hypo Alpe Adria) oder das Ruhrgebiet (pfuih!) müssen draussen bleiben, dafür kommt das Elsaß dazu und alles von Frankreich, was man braucht, um vom Elsaß aus an den Bergen vorbei ans Mittelmeer zu kommen. Und weil Österreich und Norditalien so schön sind, kommen die auch noch dazu. Die Lage der Schweiz macht dann keinen Sinn mehr und daher bietet man der Schweiz an beizutreten (kann man mit dem Schwarzgeld aus Deutschland, Italien und der Schweiz eh kaufen) und bietet im Gegenzug an, den Schweizer Franken als Währung zu übernehmen.

Stützen der Gesellschaft: Die karolingische Teilung Europas beimTee

Ein ähnliches Spiel treibt jetzt der Economist:

Auch er schafft einen neue Ordnung in Europa. Als erstens wird Großbritannien in seine vier Teile zerlegt (können sich eh nicht leiden) und weil die Haushaltslage eine fatale Nähe zu den PIGS Staaten aufweist, wandern die nach Süden vor die Küste Portugals und Marrokos. Die Schweiz und Schweden würden eh häufig verwechselt und daher dockt die Schweiz in Skandinavien an. Das würde passen, denn mit Norwegen wäre ein Nicht-EU-Staat direkt nebenan und außerdem seien die Länder auch immer der Neutralität verpflichtet. Den Platz der Schweiz nimmt Österreich ein, Kroatien und Slowenien können nach Norden rücken und mit Norditalien eine neue regionale Allianz bilden, die von Venedig aus regiert wird. Süditalien,  ach was, lest selber (und auch warum Tschechien und Belgien die Plätze tauschen, wo das Baltikum landet und mit wem Griechenland eine neue Währung gründet):

Economist: Redrawing the map

Herrlich (beides!)

Update (23:22)

Die FTD hat einen Zeitplan für das Abfackeln von Europa entwickelt und den Ratingagenturen zugeschickt.

FTD: Liebe böse Spekulanten!

Warum kauft die Eurozone nicht einfach Griechenbonds?

Mal angenommen, die Mitglieder der Eurozone wollen retten. Mal angenommen, die Eurozone übernimmt den kompletten Kapitalbedarf der nächsten drei Jahre, den Griechenland hat (so sieht es ja aus, siehe ZAHL DES TAGES (28.04.10): 135.000.000.000). Dann "erbt" Griechenland doch quasi das AAA der Eurozone (das diese im Schnitt haben dürfte, denn D und F als Schwergewichte sind ja AAA). Der Zins der griechischen Anleihen müsste dann deutlich sinken, eigentlich sogar auf das Niveau der Eurozone,  also bei 10 Jahren Laufzeit auf etwa 4%.


Die griechischen Anleihen würden bei einem solchen Zinsrückgang durch die Decke gehen! Warum kaufen Merkel und Sarkozy nicht einfach einen Haufen dieser alten Anleihen auf und verdienen sich dabei eine goldene Nase?

Die aktuelle zehnjährige griechische Anleihe kostet zum Beispiel aktuell etwa 79 Euro und rentiert dabei mit etwas über 9% (gestern noch bei etwa 70 Euro und mehr als 11%). Es waren also schon deutlich über 10% Kursgewinn drin. Und selbst wenn die Rendite der griechischen Anleihen nur auf das Niveau des Notkredits sinken würde, wären noch einmal Kursgewinne in ähnlicher Größenordnung drin.
Und wie weit die Anleihen steigen würden, wenn man ein Sinken der Rendite auf den Euro-Swap (den Durchschnittszins der Eurozone) unterstellt, will ich erst gar nicht ausrechnen. OK, ich mache es doch: Der Kurs wäre 118 Euro (siehe Anleihenrechner der Börse Stuttgart, dann GR0124032666 importieren und in der linken Spalte die Rendite auf 4% einstellen).

Der Staat hätte beim direkten Kauf einer Anleihe ein Kurspotenzial von fast 50%. Kurz: Er könnte sich die Hälfte des Einsatzes für die Griechenlandhilfe auf einen Schlag zurückholen.

Klar die Rechnung verkürzt, weil am kurzen Ende die Kursgewinne viel kleiner sind. Aber sie deutet an, wie wenig die Politiker in der Lage sind, auf die Aktionen am Finanzmarkt adäquat zu reagieren.

Warum wird nicht einfach mal dagegengehalten? Warum wird nicht einfach der alte Griechenbond gekauft und der Gewinn eingesackt, statt den neuen Bond zu garantieren und den Gewinn beim alten den mutigen Anlegern da draussen zu überlassen?

Am Ende wäre ein Kauf der Anleihen ein Haircut, den man nur nicht so nennen müsste. Er würde ja nicht für alle gelten und nie so wirklich offiziell angeboten, sondern nur für die, die auch für 80 verkaufen.

Warum wird nicht ein Teil der Griechenlandschulden über einen CDS abgesichert? Klar, für den gesamten Schuldenberg geht das nicht, weil dann im Fall der Pleite die Gegenseite die Versicherung nicht auszahlen könnte. Aber einen Teil so absichern? Warum nicht?

Wer jetzt meint, dass das alles nicht geht, weil der Staat ja quasi Insider sei, tja, der hat im Prinzip Recht. Aber die Gegenseite spielt ein ähnliches Spiel und es gibt nur eine Sprache, die die Akteure verstehen: Verluste. Fair spielen hilft da nicht.
Und man sollte auch nicht vergessen, dass Interventionen am Devisenmarkt die gleichen moralischen Probleme haben, aber trotzdem gängige Praxis sind (wenn auch nur im Notfall, aber was bitte soll Griechenland denn anderes sein außer ein Notfall?)

Sicherlich ungewöhnliche Maßnahmen. Aber im Rahmen des Quantitative Easings in den USA und in Großbritannien schon im richtig großen Stile durchgeführt. Die 700 Mrd. 1,25 Billionen Dollar MBS, die in den USA angekauft wurden, sind sogar etwa doppelt so viel wie die gesamten Schulden Griechenlands. Sag mir keiner, das würde alles nicht gehen.

Ich bin mir sicher, dass die Krise in den USA ganz anders gehandhabt worden wäre ...

Update (23:12):

In den USA wurden sogar 1,25 Billionen MBS am Markt aufgekauft, nicht 700 Mrd. wie ich zuerst geschrieben habe ... Ist im Text oben verbessert.

Update (30.04.10):

Wäre ja auch zu schön, wenn der Staat sich das Geld mal einsteckt. Dann gibt Schäuble lieber den Banken die Zusage, die Griechenbonds zu stützen und überlässt dann das Geldverdienen den Banken.

Spiegel: Deutschland AG plant Griechenland-Hilfe

Irgendwie finde ich das unglaublich!

Jon Stewart zum geklauten iPhone Prototypen


Kleine Ablenkung gefällig?

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Appholes
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party

Ein paar Meinungen zum Griechenland Bailout

Mal ein kleiner Pressespiegel. Es ist schließlich die Nachricht, die gute Chancen hat, als wichtigste des Jahres zu gelten:

1.) Mark Schieritz findet, dass der Bailout für Griechenland, der sich im Laufe des Tages als 135-MilliardenEuro-Paket entpuppte, der unprofessionellste der Wirtschaftsgeschichte ist.
Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: Europa hätte ganz schnell und im Brustton der Überzeugung einen satten Batzen Geld ins Schaufenster stellen müssen und gut wäre es gewesen. Genau so hat man es bei den Banken gemacht. Und es hat trotz der Nebenwirkungen funktioniert – die Arbeitslosigkeit liegt heute in Deutschland bei zehn Prozent und nicht wie 1930ff bei 25 Prozent
Yepp. Full Ack. Merkel hat mit ihrer Rumeierer das Paket nur viel größer und viel teurer gemacht als es hätte sein müssen. Das Volumen hängt GANZ KLAR mit der Verzögerungstaktik von Merkel zusammen. Und wofür? Der Bailout kommt größer und teurer, es ist nichts wirklich geklärt (die Bedingungen), Griechenland hat nicht ein einziges Zugeständnis gemacht (auch wenn das der IWF schon schaffen wird) und der Bailout kommt auch noch vor der Wahl in NRW, weil Merkel in einem Geistesblitz aufgefallen ist, dass nach der NRW-Wahl die Zustimmung des Bundesrates für das Gesetz kritisch werden könnte ... Mannomann ... Nicht mal das Taktieren war überlegt (was eigentlich echt witzig ist ...)

Herdentrieb: No, we cannot

2.) Auch Frank Luebberding bei weissgarnix.de wundert sich nur noch darüber, wie man die Spekulanten geradezu zur Spekulation gegen Griechenland und jetzt Portugal eingeladen hat. Durch Nichtstun oder noch besser durch öffentliche Zurschaustellung der eigenen Zerstrittenheit.

Weissgarnix.de: Drohendes Desaster

3.) Bei der Beurteilung, *ob* die Rettung notwendig war, überwiegt (IMHO überraschend) weiterhin die Skepsis. Die Tagesschau bringt einen Kommentar, der anzweifelt, ob sich Griechenland noch retten lässt oder nicht doch nur ein Fass ohne Boden sei. Man schade nur dem Euro, ohne wirklich etwas zu gewinnen.

Tagesschau: Griechenland - ein Fass ohne Boden

4.) Heike Göbel hält in der FAZ die Rettung für unverantwortlich. Sie weist vor allem darauf hin, dass eine Hilfe, wie sie jetzt gewährt wird, keinerlei gesetzliche Basis hat, schlimmer noch eigentlich explizit ausgeschlossen wurde. Auch müssten die Gläubiger Griechenland mit einem Haircut mit ins Restrukturierungsboot geholt werden. Nur das wäre die Sprache, die die Spekulanten verstehen würden und dafür sorgen würde, dass beim nächsten Mal das Geld sinnvoller investiert würde.

Da komme ich dann aber nicht ganz mit. Denn die Käufer von griechischen Staatsanleihen (zumindest die, die die Papiere etwas länger als ein paar Wochen halten) als Spekulanten (fast) zu verunglimpfen und im Gegenzug den CDS-Zockern, die in den letzten Wochen massiv gegen Griechenland spekuliert haben, das gewünschte Ereignis (den Default) zu geben, ist ziemlich neben der Schiene. Ich könnte die Argumentation auf der Basis auch komplett umdrehen und sagen, dass man alles vermeiden müsse, was den CDS-Spekulanten hilft ...

FAZ: Unverantwortlich

5.) Edward Harrison von Creditwritedowns ist schon in der Überschrift skeptisch. Allerdings ist er geradezu wohltuend indifferent und das Posting steckt voller "vielleichts" und Konjunktiven. Nur bei einem ist er sich sicher: Die Eurozone, so wie sie jetzt konstruiert ist, kann nicht funktionieren. Wer jetzt hofft, dass die Rettung die endgültige Lösung sein kann, irrt sich gewaltig (aber das sieht glaube ich außer Merkel auch niemand (aber wahrscheinlich weiss selbst sie das, darf es nur nicht zugeben ...)).

Creditwritedowns: Germany may fund Greece for three years; the question is why

6.) Robert von Heusinger hält in der Frankfurter Rundschau das Krisenmanagement der Bundeskanzlerin für so desaströs, dass die gesamte Währungsunion als angeknockt gelten muss. Alle Staaten mit Doppeldefiziten aus Haushalt- und Leistungsbilanzdefizit würden nach der Rettung Griechenlands ins Visier der Spekulanten geraten. Vertrauen sei die ganze Basis des schuldengetriebenen Kapitalismus. Sobald das Vertrauen in die Rückzahlung des Kredits sinkt, bricht das ganze System zusammen. Ein Wort der Kanzlerin vor Wochen hätte wahrscheinlich genügt, um die Krise zu verhindern. Ich verweise wegen ähnlicher Überlegungen auf ein altes Posting von mir: WARUM DER IRISCHE RETTUNGSPLAN FUNKTIONIEREN WIRD ...

FR: Merkel verantwortet die Euro-Krise

Wer gegen den Bailout ist (ich bin es nicht, ich halte ihn für unvermeidbar), kann übrigens hier eine ePetition unterzeichnen:

Petition: Finanzpolitik - Keine Umgehung der "Bail-out"-Klausel bei Finanzhilfen innerhalb der EU vom 23.03.2010

Hat noch jemand interessante Kommentare gefunden? Her damit!

Update (29.04):

Einen Kommentar vom Spiegelfechter habe ich noch (erschienen bei Telepolis) (danke für den Hinweis):

Telepolis: Bravo, Frau Kanzlerin! Merkel löst Flächenbrand aus

Der Artikel ist zwar vor dem Rettungspaket entstanden, allerdings gilt die Kritik am Management weiter. Es ist eigentlich auch nichts drin, was hier nicht auch gestanden hätte (ich war ja auch ziemlich gefrustet ...), aber es gibt noch mal einen schönen Überblick.

Zahl des Tages (28.04.10): 135.000.000.000

So, scheint jetzt einigermaßen final zu sein. Das Rettungspaket der Eurozone (mit Unterstützung des IWF) für Griechenland soll

135.000.000.000 (135 Milliarden) Euro

umfassen. Das zumindest meldet die FTD.

Damit wäre Griechenland (voraussichtlich) die nächsten Jahre nicht mehr auf eine Kapitalaufnahme am Markt angewiesen.

Die deutschen Kosten sollen sich auf 8,4 Mrd. Euro pro Jahr belaufen. Diese Rechnung gilt aber nur, wenn nicht schief geht. Was aber durchaus passieren kann, denn die grundlegenden Probleme (Leistungsbilanzdefizit, mangelnde Wettbewerbsfähgkeit, ineffizientes Steuersystem ...) sind ja alle nicht gelöst. Und die ersten beiden sind eigentlich auch nicht einfach und schnell lösbar, außer die Griechen bekommen eine irgendwie geartete Weichwährung.

Beschlossen werden soll das Paket bereits am Samstag, dem letzten Tag an dem die CDU und FDP noch die Bundesratsmehrheit besitzen ;-)

FTD: Athen bekommt 135 Milliarden

Man, war das ein Rumgeeiere ... Erkennt jetzt irgendjemand einen Grund dafür? Diese alberne Lösung hätten wir auch schon vor 6 Wochen haben können ...

Update (18:53):

Kosten pro Jahr: Europa 30 Mrd. Euro (davon Deutschland 8,4 Md.), IWF 15 Mrd.

Spiegel: Griechenland braucht bis zu 135 Milliarden Euro

An S&P: Das I fehlt noch ...

ihr dürft wählen, ob Irland oder Italien.

Mit Spanien hat's jetzt auch den dritten Buchstaben der PIGS erwischt.

Jetzt nur noch AA nach AA+. Aber immer noch das drittbeste Rating, das möglich ist.

Spiegel: Ratingagentur S&P stuft auch Spanien herab

Update (18:23):

Der Ausblick bleibt übrigens auf negativ.

Ein paar Ausschnitte aus der Begründung gibt's bei FT Alphaville:

FT Alphaville: S&P downgrades Spain to AA

Hauptgrund ist die deutlich gesenkte Wachstumsprognose. Statt 1,0% im Durchschnitt der Jahre 2010 - 2016 erwartet Standard & Poors jetzt nur noch 0,7% Wirtschaftswachstum. Bis das bisherige Hoch der Wirtschaftsleistung wieder erreicht wird, dürften jetzt 2 Jahre mehr vergehen (2015) als bisher geschätzt (2013).

Auch die Arbeitslosigkeit wird höher gesehen als bisher geschätzt (21% statt 20% (was auch schon bemerkenswert hoch ist)).

Ursache bzw. zum Teil auch Folgen der gesenkten Wachstumsprognose: die hohe Verschuldung der spanischen Verbraucher (178% des BIPs), ein wackliger Bankensektor, ein unflexibler Arbeitsmarkt, wenig Exportpotenzial.

S&P sieht 2013 weiterhin ein Defizit von 5% des BIPs und liegt deutlich über der Regierungsprognose, die dann wieder das Maastrichtkriterium der 3%-Grenze erfüllen will.

Griechenland soll 100 bis 120 Mrd. bekommen

Mist, war gerade dabei, den Finanzbedarf grob zu errechnen ...

die 100 bis 120 Mrd. Euro, die jetzt als Volumen für die Notkredite zur Verfügung stehen, sollen für 2010 bis 2012 ausreichen. Da dürfte auch in etwa dem Refinanzierungsbedarf entsprechen.

Überrascht das jemanden?

FAZ: Noch mehr Milliarden für Athen?

Update (16:06)

Deutliche Beruhigung an den Rentenmärkten:

10-Jahre Griechenland 9,94%
2-Jahre Griechenland 16,16%

10-Jahre Portugal 5,77%
2-Jahre Portugal: 5,30%

(vergleiche mit dem Höchstständen aus dem Posting heute Morgen/Mittag)

Guten Morgen. Gr 10 Jahre: 10,50%

81 Basispunkte mehr als gestern. Erstmals zweistellig.

Griechenland 2 Jahre: 18,50 (+315 Basispunkte)

Portugal dagegen (bisher?) in allen Laufzeiten wenig verändert.

Update (11:42):

10-Jahre Griechenland 11,17% (+148 Basispunkte)
2-Jahre Griechenland immer noch bei 18,50%.
CDS: etwa 950 Basispunkte (etwa + 10 Basispunkte)

2-Jahre Portugal 5,91 (+100 Basispunkte)
10-Jahre Portugal 5,99 (+28 Basispunkte)
CDS Portugal: etwa 440 Basispunkte (+ 40 Basispunkte)

Update (16:04):

Deutliche Beruhigung.

10-Jahre Griechenland 9,94
2-Jahre Griechenland 16,16

10-Jahre Portugal 5,77
2-Jahre Portugal: 5,30

Zahl des Tages (27.04.10): 30,3

Meine Stammleser wird diese Zahl nicht überraschen. Am letzten Dienstag des Monats gibt's den Case-Shiller-Immobilienpreisindex. Heute gab es die Zahlen für den Februar 2010 und wie in den drei Vormonaten gab es wieder ein Minus. Dieses war mit

-0,9%

sogar größer als die -0,4% im Januar, -0,2% im Dezember und November 2009. (Davor kam der Oktober unverändert nach 6 Monaten im Plus: +0,3% im September, +1,2% im August, +1,6% im Juli, +1,4% im Juni, +0,5% im Mai und +0,5% im April).

Der City-10-Index ist gegenüber dem Januar um 0,6% gesunken. Die Breite ist ebenfalls eindeutig: 15 der 20 Regionen des City-20-Index lagen im Monatsvergleich im Minus.

Im Jahresvergleich liegen City-20 (+0,6%) und City-10 (+1,4%) zum ersten Mal seit 2006 wieder im Plus.

Der für meine Immowette wichtige Rückgang vom Hoch aus liegt jetzt wieder über 30%, genauer

30,3%

für den City-20 Index. Auch bei einem monatliche Rückgang, der jetzt wieder bei 1% liegt, müsste sich meine Wette ausgehen ... Aber wer weiss ... Ich schätze aber, dass der März und der April vor dem Auslaufen der Steuergutschriften für Erstkäufer zumindest eine Zwischenerholung bringen werden.

direkt von der Quelle:
S&P: Home Prices Mixed in February 2010 According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF!)

oder aufbereitet:

Calculated Risk: Case-Shiller House Prices "mixed" in February
The Big Picture: Case Shiller: Mixed Home Prices in February 2010

Willem Buiter für Restrukturierung der griechischen Schulden

Also kurz: Bankrott.

Das ganze mit einem Haircut von 20 bis 25% und gleichzeitiger Verlängerung der Laufzeit der Schulden so lange, dass die Belastung aus Zinsen und Tilgung für den griechischen Haushalt in etwa konstant bliebt.

Willem Buiter (sehr geschätzt von mir für seine "Good Bank"-Idee) war auch schon in der Finanzkrise ein großer Gegner der allgegenwärtigen 100%-Bail-Outs für die Gläubiger. Schließlich sind doch nicht nur die Aktionäre Schuld, wenn die Banken Schindluder treiben, sondern auch die Leute, die den Banken das Geld für die Spekulationen leihen.

Jetzt überlegt Buiter kühl (wie ich gestern gefordert habe ...), was denn wohl billiger kommt: Ein Bailout für Griechenland oder die Banken in D und F. Und was den Dominoeffekt am wahrscheinlichsten verhindert (man beachte das etc. hinter Portugal, Spanien, Italien und Irland ....).

Buiter schlägt auch direkt eine neue Eurozone vor, den Teil schaffe ich jetzt aber nicht mehr, den Link zum Selberlesen aber schon:

FT Alphaville: Buiter on Greece and a blueprint for a new Europe

Highly recommended. Buiters Postings in seinem Blog (eingestellt, seit er Chefvolkswirt der Citigroup ist) gehörten in der Finanzkrise zum allerallerbesten, was so geschrieben wurde. Ich schätze, dass ist dieses Mal nicht anders ....

S&P stuft Portugal herab ... Ach und Griechenland auch ...

... und das direkt um zwei Stufen von A+ auf A-. Der Ausblick bleibt weiterhin auf "negativ".

Auslöser sind natürlich die Staatsschulden. Nach einem Haushaltsminus von 9,4% des BIPs in 2009, soll es 2010 auf 8,5% sinken. Bis 2013 ist eine Senkung auf 4,1% geplant. Sollte dieser Plan eingehalten werden, würde die Staatsverschuldung auf 95% des BIPs steigen.

FT Alphaville: S&P cuts Portugal’s ratings two notches to A-

Und zum Thema: 

DER NÄCHSTE BITTE:

Der Zins für die portugisische Staatsanleihe mit 2 Jahren Laufzeit liegt bei 5,21% (+122 Basispunkte) und damit in der Nähe, wenn nicht gar oberhalb des Niveaus, das Griechenland für die Notkredite der Euroländer zahlen müsste. Bin mal gespannt, wann die Portugiesen auf die Idee kommen, den billigeren Kredit der Euroländer in Anspruch zu nehmen ...

Die zehnjährigen Anleihen liegen bei 5,54% (+31 Basispunkte).

In Griechenland sieht es ähnlich aus. Vor allem am kurzen Ende: Mit 15,1% rentiert jetzt für eine zweijährige Anleihe (+191 Basispunkte), die zehnjährige steigt um 22 Basispunkte auf 9,78%.

Update (18:53):

Ach, Griechenland wurde auch herabgestuft. Und das sogar um drei Stufen. Mit BB+ (vorher BBB+) ist Griechenland jetzt JUNK. Schrott. Ausblick auch negativ.

Update (22:07):

Die griechische Verschuldungsquote sieht übrigens so aus:

124% des GDP 2010 und 131% in 2011

Update (22:29):

CDS auf Griechenland in Richtung 800 (etwa + 100),  Portugal geht Richtung 400 (ebenfalss + 100 Basispunkte)

CDS report: Downgrade and difficulties

Hans-Olaf Henkel: "Sehen Sie mal, wie einem das Gedächtnis einen Streich spielen kann"

Famous Words by Hans-Olaf-Henkel, dem Universalweisen der deutschen Talkshow-Szene. Am letzten Sonntag erst bei Anne Will - und jetzt Neu! - auch als Experte für Bildung.

Scheinbar hat es Hans-Olaf-Henkel jetzt nach einer kleinen Auszeit nach dem Abschied von Sabine Christiansen auch in der Ära Anne Will wieder geschafft zum Universalweisen zu werden, den man zu jedem Thema einladen kann. Finanzkrise, Moral, Bildung, you name it.

Wenn man sich erinnern kann, ist das nur schädlich. Dann würde einem auch unter Umständen wieder einfallen, wovon man eigentlich Ahnung hat und wovon nicht. Kleiner Hinweis: Ich weiss, dass ich nichts weiss ...

Aber genug gerantet ...

Naja, auf jeden Fall ist Hans-Olaf Henkel heute (gerade noch pünktlich) vor Gericht eingefallen, dass er in seiner Zeit als Aufsichtsmitglied der Pleitebank IKB doch von den ähem teuren Sanierungsmaßnahmen (120.000 Euro) der Villen von Ex-IKB-Chef Ortseifen wusste. Während der Ermittlungen war die Aussage noch eine andere ...

Das andere befragte IKB-Aufsichtsratmitglied Uwe Haasen zitiert das Handelsblatt mit folgenden bemerkenswerten Sätzen:
"Damals war das anscheinend üblich. Die Usancen haben sich ja geändert." 
"Es gab vorbereitete Beschlüsse, über die nicht geredet wurde und die am Ende der Sitzungen unterschrieben wurden"
Schön auch, dass Haasen glaubte, bei der Villa handle es sich um ein Mietobjekt. Wie wär's als Aufsichtsrat, dessen Aufgabe ja die KONTROLLE des Vorstands ist, mit Fragen, Überprüfen, kurz Kontrollieren ... Aber die Usancen waren damals wol nicht so ...

Unfassbar!

Ex-BDI-Präsident Henkel wusste doch von IKB-Vorstandsvillen - dpa-Ticker - Unternehmen - Handelsblatt.com

Zahl des Tages (26.04.10): 90

jajajaja schon wieder griechenland ...

Aber was soll ich auch sonst nehmen? Was wir gerade erleben, ist aber definitiv historisch und wird ein Moment bleiben, der auch in 10 Jahren noch Relevanz haben wird.

Ausserdem muss ich, wie Robert von Heusinger in der FR auch, mal etwas Dampf ablassen. OK, ich reisse mich zusammen.

Heute ist die Rendite der (synthetischen) zehnjährigen griechischen Staatsanleihe um

90 Basispunkte

gestiegen. Leider habe ich keine ausreichende Datenbasis zur Hand, aber es dürfte sich um einen ziemlich einmaligen Anstieg handeln. Ich kann mich nicht an einen Renditesprung einer 10-jährigen Staatsanleihe um fast ein ganzes Prozent an einem Tag erinnern (Pfundkrise?).

Die zehnjährigen Anleihen rentieren jetzt mit 9,56%. Noch viel dramatischer waren die Sprünge am kurzen Ende. Die zweijährigen Anleihen legten

294 Basispunkte

auf 13,16% zu. Damit rentieren die Griechen jetzt am kurzen Ende oberhalb des Niveaus von seriösen Staaten wie z.B. Venezuela ;-)

Auch die CDS wurden teurer und erreichten Intraday erstmals Werte von 700 Basispunkten.

FT Alphaville: CDS report: US financials in the frame

Damit preisen die Märkte inzwischen ziemlich heftige Ausfallwahrscheinlichkeiten für die griechischen Anleihen ein, bzw. Verluste für diesen Fall. Ganz grob über den Daumen gepeilt gibt es inzwischen eine etwa 30%ige Wahrscheinlichkeit für einen 30%-Haircut (also eine Umschuldung, bei der auf 100 Euro alter Schulden 70 Euro neuer Schulden gemacht werden). Diese Wahrscheinlichkeit ist nur ein Mittelwert, denn zumindest die Käuferseite geht ja überwiegend davon aus, dass die Anleihen überhaupt nicht restrukturiert werden.

Und wer jetzt Angst hat, dass Portugal der Nächste ist, dem kann der Blick auf den CDS Markt die Angst nicht nehmen. Die CDS auf Portugal sprangen nämlich um 45 Basispunkte auf 315 Basispunkte.

Daher sollte man an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass das Hilfspaket für Griechenland ein KREDIT ist. Geholfen wird also an erster Stelle nicht den Griechen, sondern den Anlegern (darunter prominent die deutschen Banken), die jetzt griechische Anleihen halten. Denn der Finanzbedarf Griechenlands für die nächsten Jahre kommt ja nur zu einem kleineren Teil aus der Neuverschuldung. Der wesentlich größere Teil kommt aus der Ablösung/Refinanzierung der alten Kredite.

Creditwritedowns: Greek bond yields at 12-year high, contagion increasing

Bei der Bewältigung der Krise darf nicht auf die Vergangenheit geschaut werden (und die angebliche Faulheit der Griechen), sondern auf die Zukunft, also welche Entscheidung wie viel Geld kostet und welche Auswirkungen das hat. Verhindert eine Rettung Griechenlands einen Dominoeffekt (Portugal, Irland, Spanien) oder nicht?
Die Fragen sind die gleichen wie bei der Pleite von Lehman. Damals hat man die fatale Entscheidung gefällt, dass man ruhig mal ausprobieren kann, was bei einer unkontrollierten Pleite einer Too-Big-To-Fail Bank passiert. Das war ein ziemlich teures Experiment ...

Und ich gebe lieber einem Land und den Leuten dort Geld (was indirekt den Banken hilft, die die Anleihen halten) als nach einer Pleite Griechenlands den Banken direkt das Geld zu geben, damit diese ihre Löcher stopfen können. Wir (Steuerzahler) zahlen sowieso ...

FR: Dann geht doch raus!  (ich teile, wie fast immer, die Meinung von Heusinger nur teilweise. Denn er irrt, dass die Deutschen alleine aus dem Euro austreten würden. Wahrscheinlich würde der ganze Euroblock austreten. Außerdem irrt er natürlich, dass die anderen Länder dann ein Wachstumswunder bekommen würden. Die hatten das mit ihren Weichwährungen vor dem Euro nicht und die werden das als Weichwährung nach dem Euro nicht bekommen).

Nochmal in eigener Sache ... Kachingelt mich und ich mach die Werbung aus

Ich halte ja Kachingle für die momentan beste Möglichkeit, in die Blogosphäre kleinere Geldbeträge zu schütten. Wenn ich mir anschaue, was ein Heft von Capital, Börse Online, eine FTD oder ein Handelsblatt am Kiosk kosten, sind die 5 Dollar im Monat für Kachingle ein Witz. Ich lese jeden Tag mehr spannende Artikel in Blogs als in einem Monat Börse Online ...

Kachingle hat aber ein Henne-Ei-Problem. Es machen kaum Leser mit, also machen auch kaum Blogs mit. Andersherum machen so wenige Blogs mit, dass ich als Kachingler mein Geld nur bei Carta und bei mir runterfallen lassen.

Daher mal eine kleine Idee: Wenn sich diesen Monat (nur noch ein paar Tage ...) 5 Kachingler anmelden und mich kachingeln, mache ich die Google-Werbung für einen Monat aus. Also wer von der Werbung genervt ist, der hat jetzt die Chance zu reagieren ....

Die deutschen Kachingle-Charts oder: Quo vadis, Kachingle?

Griechenland Ticker: 10-jährige Anleihe: 9,01%

Hmmm ... Es geht weiter.

Die synthetische 10-jährige griechische Staatsanleihe notiert aktuell bei 9,01% Rendite, zum ersten Mal seit Einführung des Euros über der 9%-Marke.

Die Erholung vom Freitag ist damit wieder komplett verdampft. Diese Achterbahnfahrt wird wohl noch weitergehen, bis NRW am nächsten Wochenende gewählt hat ...

Update (10:59):

Feinunze Gold in Euro: 866 Euro. Neues Allzeithoch.

Update (11:55)

9,39% ...

Update (13:20):

zweijährige Anleihen bei 13%. Spread zur Bundesanleihe über 11%. Damit hält der Markt eine Umschuldung 100 zu 80 in den nächsten zwei Jahren für die realistische Variante ...

Zahl des Tages (25.04.10): 15

Artikel von Lobbyisten sind für klar denkende Menschen ziemlich häufig ein toller Aufhänger für einen Verriss ... Vor allem wenn es um mein Lieblings-Desinformationsthema Fotovoltaik geht ...

Die Kürzung der Einspeisevergütung scheint nach langem Hichhack jetzt doch fast genauso zu kommen, wie am Anfang geplant. Entgegen meiner Vermutung, dass das Hickhack nur dazu dienen soll, die Senkung zu verzögern, soll diese wohl sogar doch im Juli kommen.

Aber zum Artikel:

FTD: Die Regierung kürzt zu stark bei der Solarenergie

Darin so tolle Formulierungen wie
"Gleichzeitig wurde durch diese Förderung das Ziel einer drastischen Kostensenkung erreicht: Die Zahl der Solaranlagen unter 100 Kilowatt ist zwischen 2006 und 2009 um 40 Prozent gesunken."
Was zum Teufel sagt die Größe der Anlage über die Kosten aus?
Oder:
"Die solare Massenproduktion wird nämlich wegen des Kostenvorteils bereits seit einigen Jahren schrittweise nach Asien verlagert."
Tja, und das ist ziemlich unabhängig von der Förderung der letzten Jahre passiert oder haben die Hersteller die Senkung im Juli 2010 schon im März 2008 geahnt? Wie also soll eine höhere Förderung diesen Trend umkehren?
Ansonsten Phrasen wie "globale Führungsposition", bei denen der Autor (der CDU Pflügler, jetzt Lobbyist ...) nicht einmal versuchen muss, irgendeinen Sinnzusammenhang herzustellen ... (OK, er arbeitet für einen indischen Konzern, deshalb gibt es wohl keinen Hinweis auf die Anzahl der deutschen Arbeitsplätze ...)

Dabei sehen die Fakten ziemlich ernüchternd aus. Ich habe schonmal "EEG: SUBVENTIONEN FÜR CHINA getextet und auf den sinkenden Marktanteil von Solarzellen aus deutscher Produktion hingewiesen. Dieser Trend geht immer weiter und inzwischen kommen nur noch

15% 

der Weltproduktion von Solarzellen aus Fabriken in Deutschland. Meine Überschrift war also keine Übertreibung.

FAZ: Die deutsche Solarproduktion verliert an Boden

Und weil man der deutschen Solarindustrie ja nicht zu böse werden darf (30% Senkung der Einspeisevergütung nach einer Senkung der Kosten um 30% scheinen ja schon böse zu sein), legt man als Ausgleich direkt ein neues Subventionsprogramm auf:

FAZ: Berlin spendiert Solarindustrie 100 Millionen

Eine rückwirkende Kürzung, wie sie jetzt in Spanien angedacht wird, ist allerdings auch ein Witz ...

Spaniens Photovoltaikbranche im Aufruhr

Update (27.04.10):

Zwei Zitate von Dieter Manz, dem Chef der börsennotierten Manz AG, die u.a. Maschinen zur Herstellung von Solarzellen - und modulen herstellt:

"Dadurch entsteht Druck auf die Hersteller, ihre Kosten schnell zu senken und damit Solarstrom schneller konkurrenzfähig gegenüber fossiler Energie zu machen"

"Deutschland ist zu klein und sonnenarm. Die großen Märkte der Photovoltaik werden in China, Indien und in den USA sein. Um dort erfolgreich zu sein, müssen die deutschen Hersteller ihre Kosten senken"

Handelsblatt: Manz begrüßt Kürzungen bei Solarförderung

10 Dinge, die man über die Goldman Sachs-Paulson-Affäre wissen sollte

IMHO ein sehr gutes Posting bei The Big Picture, die die unübersichtliche Lage bei Goldman Sachs ziemlich gut erklärt:

The Big Picture: 10 Things You Don’t Know (or were misinformed) About the GS Case

Barry Ritholtz setzt dann auch direkt 1000 Dollar darauf, dass Goldman Sachs in diesem Fall verurteilt wird. Ich würde nicht dagegen setzen ...

Zahl des Tages (24.04.10): 221

Nach den 8 US-Bankpleiten in der Vorwoche haben die Kontrolleure der US-Bankenaufsicht keine Pause gemacht. Eine kurze Reise nach Illinois reicht aus, um direkt wieder 7 Banken zu finden, die mal besser geschlossen werden ... Mit 3,8 Mrd. Dollar Assets ist auch wieder mal eine große dabei.

So here we go:

US-Bankenpleite Nr. 215

Name: Amcore Bank, National Association
Sitz: Rockford, Illinois
Assets: 3,8 Milliarden Dollar
Käufer: Harris National Association, Chicago, Illinois
Schaden für die FDIC: 220 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 186 (rot)

FDIC: Harris National Association, Chicago, Illinois, Assumes All Of The Deposits Of Amcore Bank, National Association, Rockford, Illinois

US-Bankenpleite Nr. 216

Name: Broadway Bank
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 1,2 Milliarden Dollar
Käufer: MB Financial Bank, National Association, Chicago, Illinois
Schaden für die FDIC: 394 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 28 (rot)

FDIC: MB Financial Bank, National Association, Chicago, Illinois, Assumes All Of The Deposits Of Broadway Bank, Chicago, Illinois


US-Bankenpleite Nr. 217

Name: Citizens Bank&Trust Company Of Chicago
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 77 Millionen Dollar
Käufer: Republic Bank Of Chicago, Oak Brook, Illinois
Schaden für die FDIC: 22 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 112 (orange)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 12 (rot)

FDIC: Republic Bank Of Chicago, Oak Brook, Illinois, Assumes All Of The Deposits Of Citizens Bank&Trust Company Of Chicago, Chicago, Illinois


US-Bankenpleite Nr. 218

Name: New Century Bank
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 486 Millionen Dollar
Käufer: MB Financial Bank, National Association, Chicago, Illinois
Schaden für die FDIC: 125 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 29 (rot)

FDIC: MB Financial Bank, National Association, Chicago, Illinois, Assumes All Of The Deposits Of New Century Bank, Chicago, Illinois


US-Bankenpleite Nr. 219

Name: Lincoln Park Savings Bank
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 200 Millionen Dollar
Käufer: Northbrook Bank and Trust Company, Northbrook, Illinois
Schaden für die FDIC: 48 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 50 (rot)

FDIC: Northbrook Bank and Trust Company, Northbrook, Illinois, Assumes All of the Deposits of Lincoln Park Savings Bank, Chicago, Illinois


US-Bankenpleite Nr. 220

Name: Peotone Bank and Trust Company
Sitz: Peotone, Illinois
Assets: 130 Millionen Dollar
Käufer: First Midwest Bank, Itasca, Illinois
Schaden für die FDIC: 32 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 59 (rot)

FDIC: First Midwest Bank, Itasca, Illinois, Assumes All of the Deposits of Peotone Bank and Trust Company, Peotone, Illinois


US-Bankenpleite Nr. 221

Name: Wheatland Bank
Sitz: Naperville, Illinois
Assets: 437 Millionen Dollar
Käufer: Wheaton Bank & Trust, Wheaton, Illinois
Schaden für die FDIC: 133 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 4 (rot)

FDIC: Wheaton Bank & Trust, Wheaton, Illinois, Assumes All of the Deposits of Wheatland Bank, Naperville, Illinois

Börsenaufsichts-Porn ...

Ohne Worte:

ABC News: SEC Porn Problem: Officials Surfing Sites During Financial Crisis, Report Finds

Jetzt stellen sich drei Fragen:

i) Hat der Madoff der SEC einfach nur die heißesten Porno-Links geschickt, um die Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC zu beschäftigen?
ii) Sind 1% der Mitarbeiter, die Porn surfen, jetzt eigentlich viel oder eher üblich? OK, 8 Stunden am Tag sind dann glaube ich nicht mehr so ganz normal ...
iii) Hat jemand einen Job für mich, bei dem man ein sechsstelliges Jahresgehalt bekommt und den ganzen Tag Pornos kucken kann, man aber nach außen wie ein seriöser Mitarbeiter einer angesehenen Behörde wirkt?

Wenn ja, meine Email steht rechts ;-)

Zahl des Tages (23.04.10): 27%

Ich mache heute mal wieder Griechenlandverweigerung und gehe auf mein Lieblingsthema US-Immobilienmarkt zurück, nicht zuletzt wegen meiner Immowette.

Weil das eigentlich nicht ganz so spannend ist, wie die immer noch nicht auszuschließende Pleite eines Mitglieds der Eurozone, fasse ich lieber mal die zwei wichtigen Zahlen von gestern und heute zusammen.

Gestern gab es die eigentlich wichtige Zahl. Wichtig deshalb, weil sie den größten Teil des US-Immobilienmarkts repräsentiert. Die Anzahl der existierenden Häuser, die im März verkauft wurden, ist gegenüber dem Februar um 6,8% auf annualisiert 5,35 Millionen gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt das Plus sogar 16,1%.
Da gleichzeitig der Lagerbestand nur leicht um 1,5% stieg, verbesserte sich der von mir immer besonders herausgehobene Lagerbestand in Monatsumsätzen von 8,5 auf 8,0 Monate.

direkt von der Quelle:
NAR: Existing-Home Sales Rise
oder wie üblich mit vielen Charts angereichert bei Calculated Risk:
Calculated Risk: Existing Home Sales increase in March
Calculated Risk: More on Existing Home Sales and Inventory

Einen noch stärkere Verbesserung gab es beim Verkauf von neuen Häusern zu vermelden. Dort wurde heute ein Plus gegenüber dem Vormonat von satten

27%

bekanntgegeben. Das ergibt eine Jahresrate von 411.000 verkauften Häusern, also deutlich weniger als ein Zehntel der Umsätze von existierenden Häusern. Trotz der geringen Anzahl sind auch die Neubauten für die Wirtschaft wichtig, weil der Bau eines Hauses logischerweise für mehr Wirtschaftsaktivität sorgt als der reine Verkauf eines bereits fertigen Hauses (auch wenn dieses natürlich auch ein wenig renoviert wird, neue Möbel gekauft werden, etc.). Kleine positive Note am Rande: Die Zahlen für Dezember 2009 bis Februar 2010 wurden allesamt nach oben korrigiert.

Marketwatch: New-home sales surge 27% to 411,000 pace

Leider muss man beiden Zahlen ein großes ABER hinterherschieben. Denn der März war der vorletzte Monat, in dem die Steuergutschrift für Erstkäufer gewährt wurde. Ende April soll diese dann (nach dem im letzten Herbst einmal verlängert wurde) endgültig auslaufen. Es steht also zu erwarten, dass der April nochmal besser wird. Dann aber wird wohl die nächste Delle kommen. Denn das Schattenlager, also Häuser bei denen schon ein Verkauf geplant wird, aber dieser noch nicht öffentlich ist, dürfte immer noch bis zum Überquellen gefüllt sein. Für einen richtig kräftigen Aufwärtstrend ist die Zeit noch nicht reif ...

Zahl des Tages (22.04.10): 650

Ich gebe mich geschlagen. Griechenland. Zum dritten Mal. Heute. Aber künstlich jetzt was anderes zu wählen, ist mir dann auch nach über einer Woche Verweigerung zu doof. Wobei die Existing Home Sales schon reizvoll wären. Egal. Die Zahl des Tages soll ja auch das Geschehen des Tages abbilden und das Chaos in Griechenland lieferte heute Zahlen des Tages für eine ganze Woche ...

Heute morgen schossen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Staatsanleihen zum ersten Mal über die 500 Punkte (GRIECHENLAND-TICKER - CDS BEI ÜBER 500 PUNKTEN . Die zweijährigen Anleihen sanken so stark, dass die Rendite zweistellig wurden. Bloomberg meldete 10,1% Rendite, irgendwoanders habe ich sogar 11% gesehen. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen stieg auf 8,8% (GRIECHENLAND 10-JAHRES-ANLEIHE: 8,80% ...).

Auslöser gab es zwei: Die europäische Statistikbehörde Eurostat schätzt das Haushaltsdefizit von Griechenland im Jahr 2009 jetzt auf 13,6% des BIPs (statt 12,7% zuvor). Und selbst die 13,6% werden noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn die bisher mit "göttlichen" Goldman-Sachs Swap-Geschäften versteckten Schulden sollen nun auch offiziell berücksichtigt werden und das wird nochmal zu 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte höherer Verschuldung führen.
Die zweite Meldung war die Herabstufung durch Moody's. Die Ratingagentur stufte Griechenland von A2 auf A3 herab. Danach käme noch BBB+, BBB und BBB- und dann beginnt der Junk. S&P hat Griechenland allerdings schon auf BBB+ (und hat das im März bestätigt), Fitch liegt ebenfalls bei BBB+. Moody's ist trotz der Herabstufung weiterhin am optimistischsten.

Was am Ende ziemlich überrascht, denn im Moody's Text selber steht (FT Alphaville: Moody’s downgrades Greek sovereign rating to A3), dass die eingeleiteten Sparmaßnahmen wohl erst (wenn überhaupt) zu einer Stabilisierung führen, wenn die Staatsverschuldung auf einem Niveau von Baa liegt (was den anderen Ratings entsprechen würde). Warum Moody's dann aber nicht sofort bis dahin herabstuft, weiss ich aber auch nicht.

Die CDS Märkte sind da konsequenter ... Die CDS auf griechische Staatsanleihen explodierten heute auf

650(!) Basispunkte,

ein Plus von 165 (!!!) Punkten gegenüber dem Vortag. Damit hat Griechenland die Ukraine als Spitzenreiter in Europa abgelöst. Die Ukraine liegt bei 560 Basispunkten. Das Spannende an dem Vergleich: Die Ukraine ist mit "B" bewertet, also bereits tief im Junk. Die CDS-Märkte bewerten die Ausfallwahrscheinlichkeit der griechischen Staatsanleihen damit auf einem Niveau, das nicht einmal mehr mit B beginnt, sondern mit C. Wow!

FT Alphaville: CDS report: Peripheral panic

Auch bei den anderen PIGS rappelte es. Portugal stieg auf einen Höchst-Schlusskurs von 270 Punkten. Intraday wurden sogar über 300 Punkte erreicht. Das bisherige Hoch lag bei 245 Punkten. Auch Spanien erreichte neue Rekordstände bei 175 Punkte (bisheriger Rekord 172 Punkte).

Als ich vor ein paar Wochen über den Kauf von mittelfristigen griechischen Staatsanleihen nachgedacht habe, konnte ich mir nicht vorstellen, wie überfordert die europäische Politik mit dieser - für die ganze Eurozone wenn nicht gar für die ganze EU - ziemlich kritischen Situation ist. Erst blockt Merkel die Einigung und erst nach langem Gehampel gibt es eine Einigung, die sich schnell als Scheineinigung entpuppt. Die Märkte testen nach zweitägiger Verschnaufpause die Einigung, stellen fest, dass keinerlei Details (Zins, Volumen, Laufzeit) des Rettungspakets festgelegt wurden und beginnen sofort wieder zu spekulieren. Zwei Wochenenden später gibt es dann endlich auch eine Einigung über die Details. Sogar die Rolle des IWF wird geklärt. Eigentlich sollte damit alles geklärt sein, aber dann versucht Schäuble das nicht gerade geringe Rettungsvolumen an der Fraktion vorbei gekoppelt mit einem anderen Gesetz durch den Bundestag zu jagen. Die Abgeordneten sind angep***t, weil sich nicht gefragt wurden, und lehnen ab. Und schon steht wieder alles auf Messers Schneide.

Wenn Griechenland vor die Hunde geht, die Eurozone zerbricht, die Pleite ein Beben auslöst, das größer ist als die Lehman Pleite, das erneute Hunderte von Milliarden kostet, sich am Ende die EU zerlegt und Gold das einzig Werthaltige ist, werden Historiker das auf ein paar CDU Abgeordnete aus NRW zurückführen, die gerade Wahlkampf haben ...

(Merkt man gerade, wie dick mein Hals ist? Aber das ist das Problem eines Optimisten: Die Fallhöhe zur Realität ist so hoch. Ich konnte mir ja auch nicht vorstellen, dass irgendjemand so irre sein könnte und Lehman Pleitegehen lässt. Tja, und das passierte doch. Irgendwie schienen mir alle verstanden zu haben, wie groß der Fehler war, den man damals gemacht hat. Nur wenn ich mir jetzt anschaue, was die EU im Fall Griechenland macht, kann ich keinen Lernerfolg feststellen ... Wir können froh sein, dass die Amerikaner - mit Ausnahme Lehman - schneller und konsequenter gehandelt haben. In Europa wären wohl Lehman und Bear Stearns und Washington Mutual und Merrill Lynch Pleite gegangen ... )

Griechenland 10-Jahres-Anleihe: 8,80% ...

Venezuela wir kommen.

Bei 8,8% braucht man nicht eine Hundertstelsekunde darüber nachdenken, ob das Staatsdefizit finanzierbar ist.

Heute ist übrigens die Nachricht, die den erneuten Einbruch der Anleihen ausgelöst hat, eindeutig:

FAZ: Loch in Staatskasse größer als gedacht

Jetzt ist es 13,6% für 2009. Selbst die massive Korrektur von 6,x auf 12,7% war also noch nicht genug. Und es können nochmal 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte draufkommen, wenn die umstrittenen "göttlichen" Swap-Geschäfte von Goldman Sachs berücksichtigt werden. (Tolle Geschäfte übrigens, wenn der "Wert" so genau bestimmt werden kann wie 0,3 bis 0,5% des BIPs, also 1 bis 1,7 Mrd. Wahrscheinlich bekommen die Griechen für morgen keinen Wetterbericht, weil die Supercomputer damit beschäftigt sind, den Kram durchzurechnen, die Goldman Sachs den Griechen zusammengeschustert hat ...)

(Ihr merkt, wie ich versuche zu vermeiden, Griechenland permanent zur Zahl des Tages zu machen, auch wenn von dort quasi täglich eine neue kommt, die es eigentlich wert wäre ...)

Update (16:36)

10,10% Rendite für die zweijährigen griechischen Anleihe sind auch übel. Heute morgen waren es noch 7,71% ...

Update (17:34):

OK, es gab wohl doch noch eine weitere Meldung:

Marketwatch: Moody's whacks Greece

Moody's hat das Rating von Griechenland von A3 auf A2 gesenkt und direkt wieder auf Überprüfung gesetzt. Es könnte also noch weiter nach unten gehen. Moody's ist aber immer noch die Ratingagentur, die Griechenland am positivsten beurteilt.

Griechenland-Ticker - CDS bei über 500 Punkten

Der allmorgendliche Griechenland-Krisen-Ticker ...

Gestern war es der Spread der 10-jährigen Anleihen (deutsche zu griechischen), der erstmalig über 500 Punkte gestiegen ist, heute sind es die CDS, die diese Marke überwinden. Bereits gestern gab es gerüchtehalber die ersten Händler, die die griechischen Kreditausfallversicherungen nur noch mit einer Upfront Fee angeboten haben (sprich man muss die erste Jahresrate von 500 Basispunkten sofort bezahlen, weil die Marktteilnehmer Angst haben, dass sonst bis zur Pleite nicht genügend Zahlungen eintreffen). Heute meldet FT Alphaville auch einen Marktpreis von mehr als 500 Punkten (genauer 505 Basispunkte). Es könnte gut sein, dass daraus heute erstmals ein Marktpreis mit einer Upfront-Fee entsteht ...

FT Alphaville: Greek debt costs get higher and higher

Zahl des Tages (21.04.10) 2.276.000.000.000

Nicht immer nur die Horrornachrichten bringen, sondern auch die guten. Auch wenn man als Crashprophet eine treue Leserschaft erreichen kann ...

Gestern gab es ein neues Update des Global Financial Stability Report des IWF. Darin wurde die Schätzung des Gesamtschadens um weitere 500 Mrd. Dollar reduziert. Damit liegt die Schätzung nun bei

2.276.000.000.000 (2,3 Billionen) Dollar.

Das ist zwar immer noch eine heftige Summe, allerdings sind es auch schon 1,7 Billionen Dollar als die höchste Schätzung, die aus dem letzten April stammte. Der positivste Aspekt daran ist, dass 1,5 Billionen also etwa zwei Drittel der Abschreibungen schon vorgenommen wurden. Es bleiben also "nur" noch 800 Milliarden Dollar, die das Bankensystem zu verkraften hat. Das schaffen wir schon noch, wir Steuerzahler ...

Die Annahmen des IWF scheinen übrigens halbwegs logisch zu sein. Bei Verbraucher- und Firmenkrediten sehen die IWF-Analysten den Höhepunkt erreicht, bei den Hypotheken sehen sie noch einen leichten Anstieg, bei den Gewerbeimmobilienkrediten noch einen kräftigen (Seite 26).

Die deutschen Banken haben bis Ende 2009 261 Mrd. Dollar abgeschrieben, insgesamt werden 314 Mrd. Dollar erreicht. Daraus ergibt sich ein weiterer Kapitalbedarf von 36 Mrd. Dollar, der allerdings komplett auf Landesbanken und Sparkassen entfällt. Die Geschäftsbanken werden nach den Berechnungen des IWF die Abschreibungen aus den sprudelnden Gewinnen durch die niedrigen Leitzinsen decken können. (Seite 77)

Auf die Goldwaage legen sollte man die Zahl (wie auch die Schätzungen davor) allerdings nicht. Dazu ist der Fehler halt viel zu groß.

IWF: Global Financial Stability Report April 2010 (PDF)

Die Geschichte der Schätzungen:
8.4.2008, IWF: Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar.
7.7.2008, Bridgewater Associates: Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...
2.8.2008: Nouriel Roubini: 2 Billionen Dollar Verluste durch die Kreditkrise
7.10.2008, IWF: 945 1400 Mrd. Dollar Schaden
28.10.2008: Bank of England: Notenbank erwartet 2,8 Billionen Dollar Verlust
21.1.2009: Nouriel Roubini: 3,6 Billionen Dollar
28.1.2009: IWF: 2,2 Billionen Schaden
6.4.2009: IWF: 4 Billionen Dollar Schaden

hier fehlt allerdings die Senkung auf 2.800.000.000.000, habe ich die echt nicht gebloggt?

Update (22.04.10):

Es fehlten drei Nullen. Peinlich, wenn auch lange nicht mehr passiert ...

Und das Datum war auch März ...

Griechenland 10-Jahres-Anleihe: 8,30% ...

Der Spread zur deutschen Bundesanleihe dürfte damit deutlich über 500 Punkten liegen (die 10 jährige Bundesanleihe rentiert mit 3,08%).

Gibt es irgendwelche neue Nachrichten?

Update (14:08):

OK, das könnte es gewesen sein:

FTD: Union stoppt Schäubles Griechenland-Plan

Damit ist die schnelle Hilfe vom Tisch. Die Blockierenden wollen, dass erstmal die NRW Wahl vorbei ist, ähm, dass der IWF zuerst eingeschaltet wird und erst dann Kredite aus der Eurozone bewilligt werden, wenn der IWF die "Herrschaft" über Griechenland übernommen hat.

Tja, wir erleben gerade mal wieder, wie aus den primitivsten Partikularinteressen die große Idee Europa mit den Füßen getreten wird. Und wie unglaublich handlungsunfähig der ganze Laden ist. Und am schlimmsten: Wie Spekulanten sich - im vollen Bewusstsein wie reaktionsunfähig Europa ist - eine goldene Nase verdienen ...

Update (14:16):

Oder war's das? Griechische Notenbank verbietet Leerverkäufe und als Reaktion bricht der Markt mangels Liquidität zusammen?

FTD: Griechische Notenbank schießt Eigentor

Jon Stewart zu Goldman Sachs und Jim Cramer (und Riesenlinkfest)

Jim Cramer als "that guy from the YMCA" und Golman Sachs als "These F@#king Guys"

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
These F@#king Guys - Goldman Sachs
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party

Die ganze Sendung: Jon Stewart 19.04.10

Nach dem Spaß zum Ernst. Ein kleiner Linkrundumwurf mit Links zu Goldman Sachs und den Betrugsverwürfen.

Zum Start vielleicht nochmal eine ganz gute Zusammenfassung der Klage und der Vorwürfe:
FTD: Die Folgen des Goldman-Debakels

Zum Start vielleicht ein Kommentar in der Frankfurter Rundschau zum Thema:
FR: Neuer Stoff für die Bankendebatte

Wolfgang Münchau gräbt etwas tiefer und kommentiert zum Schattenbanksystem und komplexen Finanzprodukten, für den der Fall Goldman Sachs vs. SEC eigentlich nur der Aufhänger ist. Münchau fragt "Sollen wir das Schattenbankensystem einstampfen? Sollen wir die toxischen Finanzprodukte verbieten?" und wer seine sonstigen Kommentare kennt, wird sich über das doppelte "Ja" nicht sonderlich wundern. Trotzdem lesenswert. Auch wenn der Autor mit dem Begriff "kataklysmisch" prahlt, das ziemlich sicher 99% der Leser nicht kennen und dessen Bedeutung sich nur aus dem Zusammenhang erschließt (und damit beim journalistischen Auftrag, dem Leser die Welt zu erklären, nicht wirklich weiterhilft).
FTD: Münchau - Das Ende von Goldman Sachs

Münchau weist dabei auf ein großes Problem der Produkte hin: Die Intransparenz. Diese führt zwangsläufig immer dazu, dass eine Informationasymmmetrie besteht: Der Emittent weiss immer mehr als der Käufer. Damit sind Konflikte vorprogrammiert.

"Mindestens ebenso große Schuld an der Finanzkrise wie die Investmentbanken tragen die Investoren, die ihnen die zu Wertpapieren gebündelten Immobilienkredite abgekauft haben" schreibt die FTD in einem anderen Kommentar, eine Einschätzung, die ich angesichts der ungleich verteilten Informationen überhaupt nicht teilen kann. Das ist ungefähr so, als wenn ich einem vom Händler betrogenen Gebrauchtwagenkäufer vorwerfen würde, er solle gefälligst keinen Gebrauchtwagen kaufen, wenn er die Karre nicht beurteilen könne. Für sowas gibt es in diesem Markt Garantien. Nur genau das gibt es bei Finanzprodukten nicht. Da kann Goldman Sachs Papiere in einen Fonds packen, von denen nach nur 6 Monaten schon 83% herabgestuft wurden. Und niemand kann denen was ... Schlimmer: Kommentatoren meinen scheinbar sogar, dass die Kunden selbst Schuld seien ...
FTD: Die Mitschuld der Käufer

Die FAZ bringt hingegen ein Porträt von Goldman Sachs Chef Blankfein, das mich einigermaßen ratlos zurücklässt. Lest es am besten selbst:
FAZ: Der Kämpfer aus der Bronx

Der Imageschaden für Goldman Sachs ist auf jeden Fall schon beträchtlich. Die Wellen schlagen bis Europa. Nicht nur werden hier ebenfalls Ermittlungen geplant, auch überdenken scheinbar auch einige Regierungen die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs. Insbesondere die deutsche Regierung hofft darauf, dass die mit über 10 Mrd. Euro Staatsgeldern gerettete IKB sich 150 Millionen Verlust aus dem Abacus-Fonds zurückholen kann.
FTD: Koalition zeigt Goldman die gelbe Karte
FAZ: Auch die Briten ermitteln gegen Goldman Sachs
FAZ: Deutsche Aufsicht erwägt Schritte gegen Goldman

Teilweise wird die Klage gegen Goldman Sachs als politisch motiviert dargestellt. Die Befürworter einer neuen Finanzmarktregulierung bräuchten neue Munition im Kampf gegen die Finanzbranche, die sich bekanntlich gegen jede Art von externer Überprüfung/Regulierung wehrt. Ich halte von dieser Theorie vergleichsweise wenig und warum die FTD die neue Regulierung (ganz im Gegensatz zu Münchau) direkt als "Regulierungskeule" abwertet noch weniger ...
FTD: Die Goldman-Regulierungskeule
Rettet der Goldman-Skandal Obamas Reform?
FTD: Emotional ist Goldman schon verurteilt
FTD: Das Kapital: Goldman steht auf schnellen Sex

Und dann noch ein Link zu einem Artikel über den Hedgefondsmanager John Paulson, dessen Verwicklung in den Abacus-Fall von Goldman Sachs zur Zeit noch völlig unklar ist.
FAZ: Wall-Street-Legende im Zwielicht

Nicht ganz überraschend versteht Goldman Sachs die Welt nicht mehr ...
Marketwatch: Goldman 'disappointed' over SEC charges: lawyer

Insbesondere sei man enttäuscht, dass Goldman Sachs die Klage unvorbereitet getroffen habe. Was etwas seltsam erscheint, denn genau das melden andere Quellen (WSJ) gaaaanz anders. Die SEC und Goldman Sachs hätten schon 9 Monate lang hinter den Kulissen verhandelt und die Klage sei jetzt nur eröffnet worden, weil sich Goldman Sachs stur und unkooperativ verhalten habe.
Marketwatch: Goldman warned of SEC suit 9 months ago: report

Die Verteidigungsdokumente von GS: FT Alphaville: [Abacus] The Goldman defence documents

Und zum Abschluss (hat es jemand bis hierhin geschafft?) vielleicht noch der kleine Hinweis darauf, dass die Ermittlungen nicht nur Goldman Sachs laufen. Allerdings hat es nur dort bisher zu einer Anklage gereicht. Dass Politiker Ermittlungen fordern, mag man noch unter Populismus abheften:
Handelsblatt: Ruf nach Ermittlungen gegen deutsche Banken

Aber wenn die SEC selber weitere Ermittlungen angekündigt hat, könnte durchaus noch einiges kommen. Anfragen hat die SEC auf jeden Fall schon an Goldman Sachs, Credit Suisse, Citigroup, Bank of America/Merrill Lynch, Deutsche Bank, UBS, Morgan Stanley und Barclays Capital gerichtet.
Calculated Risk: The SEC and other Banks
WSJ: SEC Probes Other Soured Deals

Die aus deutscher Sicht natürlich besonders interessante Deutsche Bank wird von Marketwatch sogar noch extra herausgehoben (während sie in deutschen Medien eher unter ferner liefen abgehandelt wird ...):
Marketwatch: Deutsche Bank pressured as Goldman case sparks worries

Und gaaanz zum Schluss noch eine kleine Diskussionsrunde zur Frage: Ist Goldman der Anfang einer Kette von Klagen oder nur ein Einzelfall? Eine Antwort hat die Diskussion aber auch nicht ...
Creditwritedowns: Is the Goldman case a one-off or the first of many?

Und wem das alles noch nicht reicht, kann sich die FT Alphaville [Abacus] Postings noch alle reinziehen. Unglaublich viel spannendes Material.

Einen hab ich noch: Die Präsentation des Abacus Fonds: Scribd Spannend!

Zahl des Tages (20.04.10): 41,8

Nach den Pleiten bzw. Problemen von drei großen Immobilienfonds allein in den letzten 7 Tagen (siehe hier ZAHL DES TAGES (14.04.10): 61% (Morgan Stanley) und hier Spiegel: Goldman Sachs schockiert Anleger mit Horrorverlust und hier FAZ: Deutsche Bank musste Fonds stützen) lohnt sich mal wieder ein Blick auf die Preisentwicklung bei den amerikanischen Gewerbeimmobilien.

Der Indikator, der es schon in der Vergangenheit ein paar Mal zur Zahl des Tages gebracht hat, ist der Moody's REAL Commercial Property Price Index (CPPI). Dieser wird ähnlich wie der Case-Shiller-Index errechnet. Er beruht also nicht einfach auf durchschnittlichen Umsätzen innerhalb eines Monats, sondern es wird versucht, gleiche Immobilien miteinander zu vergleichen. Wenn sich der Markt hin zu preiswerteren Immobilien verschiebt, beeinflusst das die guten Indikatoren wie Case-Shiller (für Häuser) oder den Moody's REAL CPPI für Gewerbeimmobilien nicht (zumindest nicht in der Theorie; mehr dazu hier).

Beim Moody's CPPI gab es nach ein drei Monaten mit einem Plus nun wieder ein Minus. Der gestern veröffentlichte Wert meldete für den Februar einen Preisrückgang von 2,6%. Damit beträgt der Preisrückgang vom Hoch 2007 nun wieder

41,8 %.

Kein Wunder, dass so viele Immobilienfonds Probleme bekommen. Selbst wer mit 40% Eigenkapital gekauft ist, ist nun "under Water", sprich der Kredit ist höher als der Wert der Immobilie.

Allerdings war das Minus im letzten Herbst schon etwas größer und betrug in der Spitze 44%. Dass nicht schon mehr Finanzierungen geplatzt sind, liegt nur daran, dass der Knall normalerweise erst  kommt, wenn der Besitzer die Hypotheken refinanzieren muss. Dann verweigern die Banken mit Blick auf den unklaren Wert der Immobilie einen neuen Kredit und schnappen sich lieber das Hotel, das Bürogebäude oder das Einkaufszentrum. Im Februar 2010 machten diese Zwangsverläufe satte 32% aller Transaktionen aus.

Jetzt wäre natürlich die Höhe der in den nächsten Monaten fälligen Gewerbeimmobilienkredite interessant. Ich habe die Zahl auch irgendwo gelesen, kann sie aber gerade nicht wieder finden.

Egal, klar ist, dass noch gehörig Druck im Kessel ist. Nicht ohne Grund hält Elizabeth Warren bis zu 3.000 US-Banken durch wacklige Gewerbeimmobilienkredite für gefährdet (siehe ZAHL DES TAGES (15.04.10): 3.000).

Calculated Risk: Moody's: CRE Prices Decline 2.6% in February





R.I.P. Guru

Shit.

Einer der wenigen Hip-Hopper, die mich "gekriegt" haben. Tolle Stimme, toller Flow, Texte, bei denen man sein Gehirn nicht abschalten muss und immer geile Samples.

Gang Starr - Just to get a rap



Guru's Jazzmatazz - Trust Me.



Und das könnt ihr gepflegt laufen lassen ... Trust me ;-)



Guru und Mc Solaar - Le Bien, le Mal:



Und nochmal Gang Starr - Mass Appeal:



gefunden via: Boing Boing: RIP Guru of Gang Starr oder Spiegel: Rapper Guru ist tot

Goldman Sachs verdoppelt Gewinn auf 3,3 Mrd. Dollar

Doppelt so viel wie im Vorjahresquartal, etwa 60% mehr, wenn man das auf die erhöhte Aktienanzahl umrechnet.

3,3 Mrd. Dollar im 1. Quartal 2010 oder 5,59 Dollar je Aktie.

Erwartet wurden 4,16 Dollar je Aktie. Das Ergebnis lag also etwa 35% höher als von den Analysten erwartet.

Marketwatch: Goldman Sachs profit doubles

Erste Analyse: Bei so niedrigen Zinsen ist es als Bank scheinbar ziemlich einfach, viel Geld zu verdienen. Ich schaue mal, ob ich gleich noch Zeit habe, tiefer in die Zahlen zu tauchen ...


In eigener Sache: Waren die 11 Gutscheine Absicht?

Ich wollte nur mal vorsichtig anfragen, ob es Absicht war, dass ich 11 Gutscheine bei Amazon bekommen habe. Nicht dass die Gutscheine aus Versehen elfmal rausgegangen sind und ich jetzt einen armen Studenten in eine Hungersnot treibe. Wenn nicht

DANKE!

Wenn doch, bitte melden.

Danke auch an den Usedomspotter für den Gutschein! Ich mache mir noch Gedanken über Werbeschaltungen, ich würde liebend gerne die Google-Werbung wieder abschalten. Da kommt mir schlicht zu viel "get-rich-quick"-Müll.

Das Kachingle-Experiment ist bisher eine nahezu totaler Flop. Ich sehe weder mehr Blogs aus Deutschland, die mitmachen (Hallo, was habt ihr auf der Re:publica besprochen?), noch sehe ich User, die die 5 Dollar im Monat in die Blogosphäre "schütten" wollen. Die einzige nennenswerte Zahlung kam von mir selber ;-), der Rest meiner 5 Dollar ging an carta.

Ich wundere mich echt, dass nur so wenige Blogger mitmachen. Eigentlich ist das doch viel schöner als blöde Google-Werbung zu schalten. Diese Parship-Werbungen nerven doch nur und bringen ein paar Cent pro 1000(!) Einblendungen. Die Banner sehen aus, als wären die absichtlich auf niedrige Klickraten optimiert ... Und ohne Klick gibt's kein Geld. Ich würde mich hundertmal lieber vom Leser finanzieren lassen (der ist an meiner Unabhängigkeit interessiert) als von Anzeigekunden, denen es nur um möglichst viele, möglichst billige Impressions für (teilweise) fragwürdige Produkte geht ...

Rendite zehnjährige griechische Anleihe auf neuem Rekord

Gestern schon kurz überlegt, dass mal wieder zur Zahl des Tages zu machen.

Die griechischen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sind gestern wieder deutlich gesunken, was zu neuen Rekordrenditen führt. Heute setzt sich der Trend, wenn auch etwas langsamer, weiter fort.

Die 10-jährige griechische Staatsanleihe sank heute zum ersten Mal unter 90 Euro (vor knapp 4 Wochen waren es noch mehr als 100 Euro), die Rendite steigt im Gegenzug um 17 Basispunkte auf 7,79%.

Auch die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) stiegen gestern auf 473 Basispunkte, ebenfalls ein neues Hoch. Auf aktuellere Kurse (sprich von heute) habe ich leider keinen Zugriff ...

FAZ: Krise ohne Ende - CDS auf Rekordhoch

Auslöser sind die Verzögerungen beim Schnüren des Rettungspakets durch den fast kompletten Ausfall des Flugverkehrs in Europa. Unter anderem haben es die Verantwortlichen des IWF nicht nach Athen geschafft.

Außerdem soll Bundesbank Präsident Axel Weber gesagt haben, dass das bisher geschnürte Hilfsprogramm mit 30 Mrd. Euro möglicherweise nicht ausreichen wird, um Griechenland die Umstrukturierung zu ermöglichen. Es könne sein, dass wie bei der HRE die Wahrheit über den Finanzbedarf erst nach und nach ans Tageslicht kommt.

Calculated Risk: Greece: Bond spreads widen as Bundesbank President says Greece may need more aid
Handelsblatt: Bundesbank vergleicht Griechenland mit HRE-Debakel

Auf jeden Fall scheint jetzt festzustehen, dass die Griechen nicht an der Annahme des Rettungspakets vorbeikommen.

Update (12:08):

Laut WSJ soll Weber 80 Mrd. Euro für die Griechenland-Rettung in die Diskussion geworfen haben.

FT Alphaville: Totting up a Greek Götterdämmerung (finde ich nur indirekt)

Es gibt allerdings auch Schätzungen, die noch höher liegen. Peter Boone und Simon Johnson von Baseline Scenario gehen davon aus, dass die Eurozone die Refinanzierung Griechenlands komplett übernehmen muss. Dann wären wir bei 180 Mrd. Euro ...

Ich ballere schon die Zahlen wieder raus und heute  Abend gehen ich wieder verzweifelt auf die Suche nach einer Zahl des Tages ... Im Artikel sind aber noch genug, die ich jetzt und hier einfach mal verschweige ... Den Link gebe ich euch aber noch ;-)

The Baseline Scenario: The Coming Greek Debt Bubble

Update (21:12)

Rendite zum Schluss: 7,88, also noch einen Tick höher ...

Update (21.04.10):

Weber hat dementiert, die 80 Mrd. Euro erwähnt zu haben.

Reuters: ECB's Weber denies said Greece may need 80 bln eur

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore