Zahl des Tages (31.05.10): 41

Die Herabstufung Spaniens am Freitag durch die Ratingagentur Fitch ist ein willkommener Anlass, mal wieder einen Blick nach Spanien zu werfen. Immerhin wird Spanien auch von mir schon länger  vergleichsweise kritisch gesehen.

Zwar sind die Zahlen zur wirtschaftlichen Lage Spaniens nicht ganz so schlimm wie in Griechenland oder Portugal. Das langfristig entscheidende Leistungsbilanzdefizit liegt in Irland bei 5,2% des BIPs, in Portugal bei 10,5%, in Italien bei 3,4%, in Griechenland bei 12,8% und in Spanien bei 9,1%.
Diese Zahlen deuten schon auf viele grundlegende Probleme hin: Mangelnde Ausbildung der Bevölkerung (1/3 der Jugendlichen sind ohne Abschluss!), trotzdem vergleichsweise hohe Löhne, was in Kombination zu einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit führt. Und daraus resultiert das hohe Leistungsbilanzdefizit.

In Spanien kommt noch ein ziemlich verkrusteter Arbeitsmarkt hinzu und die Tatsache, dass die Spanier seit dem Eintritt in die Eurozone extrem viel gebaut haben. Der Bausektor war mehr als doppelt so wichtig wie z.B. in Deutschland. Nach Ausbruch der Finanzkrise brach die Nachfrage nach Immobilien ein und nun stehen ganze Stadtteile mit neuen Immobilien leer und weit und breit ist kein Käufer in Sicht. Landesweit sollen es 1,5 Millionen leerstehende Wohnungen sein.

In diesem Bereich werden auf Jahre hinaus kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Ein Problem vor allem für die schlecht ausgebildete Jugend, die diese vergleichsweise niedrig qualifizierten Jobs eigentlich benötigt.

Die Arbeitslosenquote in Spanien lag schon vor der Krise bei grob dem Doppelten des deutschen Werts. Inzwischen ist sie sogar auf 20% gestiegen. Schlimmer allerdings noch die Jugendarbeitslosigkeit, die aktuell bei

41%

liegt. Ein Wert, der einem echt die Sprache verschlägt!

FAZ: Spanien – das immobile Land

FAZ: Zweifel an Spaniens Zahlungsfähigkeit wachsen

Kein Wunder, dass die Anleger an Spanien zweifeln. Auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit für die Investoren kaum der ausschlaggebende Faktor sein dürfte. Diese schauen bestimmt verstärkt auf eine andere Zahl: Die

325.000.000.000 (325 Milliarden) Euro

an Hypotheken in den Bilanzen der spanischen Banken, bei denen die als Sicherheit dienenden Immobilien täglich im Wert fallen. Ich habe lange versucht, einen vernünftigen Immobilienpreisindex für Spanien zu finden, aber leider nichts gefunden. Mich würde brennend interessieren, ob in Spanien die Preise auch schon wie in den USA 30 Prozent oder mehr gefallen sind. Denn dann sähe es bei den Banken echt übel aus ...

FTD: Bondinvestoren strafen Spanien ab

Apple ist schon 2 Mio. #iPads losgeworden

In meinem Apple-RSS-Feed ist von der Nachricht zwar noch nichts zu sehen, aber ich schätze, dass die Zahl schon passt.

Nach der unglücklichen Niederlage mit der Rezessionswette kann ich ich die iPad-Wette (ZAHL DES TAGES (30.01.10): 5.000.000) wohl bald auf der Habenseite verbuchen.

TIPB: Apple sells 2 million iPads in less than 2 months

siehe auch:
Meine 5 Mio iPad Wette wird ja fast lächerlich

Zahl des Tages (30.05.10): 242

Nix Dolles heute, aber immer schon wieder etwas spannender als die eine Minipleite am letzten Wochenende ...

US-Bankenpleite Nr. 238

Name: Bank of Florida Southeast
Sitz: Fort Lauderdale, Florida
Assets: 595 Millionen Dollar
Käufer: Everbank, Jacksonville, Florida
Schaden für die FDIC: 71 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 185 (rot)

FDIC: Everbank, Jacksonville, Florida, Acquires All the Deposits of Three Affiliated Florida Institutions Bank of Florida – Southeast; Bank of Florida – Southwest; and Bank of Florida – Tampa Bay


US-Bankenpleite Nr. 239

Name: Bank of Florida Southwest
Sitz: Naples, Florida
Assets: 641 Millionen Dollar
Käufer: Everbank, Jacksonville, Florida
Schaden für die FDIC: 91 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 318 (rot)

FDIC: Everbank, Jacksonville, Florida, Acquires All the Deposits of Three Affiliated Florida Institutions Bank of Florida – Southeast; Bank of Florida – Southwest; and Bank of Florida – Tampa Bay


US-Bankenpleite Nr. 240

Name: Bank of Florida
Sitz: Tampa Bay, Florida
Assets: 245 Millionen Dollar
Käufer: Everbank, Jacksonville, Florida
Schaden für die FDIC: 40 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 118 (rot)

FDIC: Everbank, Jacksonville, Florida, Acquires All the Deposits of Three Affiliated Florida Institutions Bank of Florida – Southeast; Bank of Florida – Southwest; and Bank of Florida – Tampa Bay


US-Bankenpleite Nr. 241

Name: Granite Community Bank, N.A.
Sitz: Granite Bay, California
Assets: 103 Millionen Dollar
Käufer: Tri Counties Bank, Chico, California
Schaden für die FDIC: 17 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 56 (rot)

FDIC: Tri Counties Bank, Chico, California, Assumes All of the Deposits of Granite Community Bank, N.A., Granite Bay, California


US-Bankenpleite Nr. 242 (die 78. in 2010)

Name: Sun West Bank
Sitz: Las Vegas, Nevada
Assets: 361 Millionen Dollar
Käufer: City National Bank, Los Angeles, California
Schaden für die FDIC: 97 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 38 (rot)

FDIC: City National Bank, Los Angeles, California, Assumes All of the Deposits of Sun West Bank, Las Vegas, Nevada

Werbung ... Farben ... Jónsi ... Dulux

Freue mich schon auf das Konzert am Montag in Köln ... Nach dem ich beim letzten Mal Sigur Ros verpasst habe ...

Dulux Walls” von Adam Berg — PolkaRobot" via Nerdcore: Let's colour Commercial via Rivva



Und wer die Musik lieber ohne Werbung haben will:


Jónsi - Go Do from Jónsi on Vimeo.


Und wer die Musik ganz ohne Video haben will, kauft sich noch schnell 'ne Karte oder die CD. Wobei ganz ohne Video stimmt auch nicht, denn das ist CD + DVD (4 Liveversionen + oben gesehenes Video).

Ach was ... Eins habe ich noch:


Zahl des Tages (29.05.10): 10.000.000

Ich glaube, dass Utz Claassen das Image als Abzocker nicht mehr los wird ...

Mit der Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber EnBW um die Höhe seiner Pension (400.000 Euro jährlich; Claassen ist etwas über 40), hat er sich ja schon keine Freunde gemacht ... Auch wenn die Einigung auf 2,5 Millionen Abfindung relativ glimpflich war (sprich völlig unangemessen, aber üblich).

Aber jetzt hat Claassen nach 74 Tagen bei Solar Millenium seinen Job geschmissen und bekommt dafür

10.000.000 (10 Millionen) Euro

Abfindung. Wow!

Wobei es laut Vertrag keine Abfindung ist, sondern eine "Antrittsprämie".

OK, Claassen hat angeboten, 2,5 Millionen ohne Rechtsanspruch zu erstatten. Aber auch 7,5 Millionen sind für 74 Tage nicht gerade wenig ...

Naja, und wieder einmal endet das Ende das Arbeitsverhältnis von Claassen vor Gericht ...

Solar Millennium: Claassen erhielt zehn Millionen Euro Antrittsprämie - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Zahl des Tages (28.05.10): 103.500.000.000

Sorry, hab nichts Spannenderes und außerdem 4 unangekündigte Besucher ...

Um 10 Milliarden Euro hat der SoFFin heute das Garantievolumen für die Hyporealestate erhöht. Damit liegt die Gesamtsumme dnun bei

103.500.000.000 (103,5 Milliarden).

Aber macht Euch keine Sorgen, das Geld ist nicht weg ... Auch wenn es Euch vielleicht leicht nervös macht, dass immer noch keiner sagen kann, ob die HRE abgewickelt werden soll ... Oder der Schrott in eine Bad Bank geht ... Oder oder oder ...

Handelsblatt: Hypo Real Estate bekommt weitere Garantien

Spanien verliert AAA bei Fitch

Jetzt AA+, Ausblick stabil.

Das Rating der spanischen Staatsschulden ist bei S&P aber schon länger eine Stufe darunter (AA).  Ganz sooo überraschend kommt das nicht.

Moody's hat Spanien übrigens immer noch auf AAA, warum auch immer ...

Creditwritedowns: Spain Loses AAA Rating From Fitch, More Downgrades To Come

Zahl des Tages (27.05.10): 4,8%

Ich hatte noch einen anderen Bericht, aber es reichen auch nur die zwei Berichte für einiges "Augenbrauen-Hochziehen" ... Den anderen reiche ich morgen nach ...

Unter dem Druck der EU und des IWFs beginnt Griechenland nun den Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung. Glücklicherweise muss man da als griechischer Finanzminister gar nicht weit laufen. Man beginnt einfach in der eigenen Behörde ...

Da findet man direkt 234 Angestellte, die offiziell nicht einen einzigen Euro verdient haben. Mist, da können die Griechen ihre Sparbemühungen wieder vergessen. Die verdienen ja gar nichts ;-)

Außerdem gibt es noch weitere 70 weitere Angestellte, die mit einem (offiziellen) durchschnittlichen Einkommen von 50.834 Euro das Kunststück vollbracht haben, Grundbesitz im Wert von durchschnittlich 1,228,337 zu erwerben. OK, die mögen reich geheiratet oder geerbt haben, aber da dürften trotzdem Einige bestimmte "andere" Einnahmen erzielt haben ...

Daneben gibt es noch ein Haufen von Anzeigen wegen Korruption. Eine Telefonhotline zum Verpfeiffen des ungeliebten Finanzbeamten haben die Griechen auch schon eingerichtet.

FT Alphaville: Tax evasion, Greek style

Aber nicht alles geht auf Korruption in der Steuerverwaltung zurück. Auch die ganze Struktur der griechischen Wirtschaft ist scheinbar auf die Optimierung der Steuern hin ausgelegt. So arbeiten in Griechenland nur etwa ein Viertel der Angestellten in einem normalen Beschäftigungsverhältnis. Deutlich über dem EU-Durchschnitt ist hingegen die Anteil der Selbstständigen und der mitarbeitenden Familienmitglieder. Gerade die mitarbeitenden Familienmitglieder werden mit Sicherheit genutzt, um die eh schon hohe Steuerfreigrenze von 12.000 Euro pro Kopf besser auszunutzen.

All das führt in Kombination dazu, dass die Einnahmen aus der Einkommensteuer in Griechenland bei nur

4,8%

des BIPs liegen. Der Durchschnitt der EU liegt bei 8,7%, Deutschland noch leicht darüber.

Die Griechen schätzen die nicht versteuerten Einkommen auf 23 Mrd. Euro, ein Bankanalyst sogar auf 70 Mrd. Euro. Nach den Berechnungen des Analysten könnten so zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 3% des BIPs generiert werden.

Und ebenfalls wundern muss man sich über die ausstehenden Steuern, die Griechenland noch nicht eingetrieben hat. Diese sollen sich auf 32 Mrd. Euro belaufen. Das sind etwa 10% des BIPs. Da hätte man wohl etwas früher anfangen sollen, die mal konsequent einzutreiben. Vielleicht wäre es dann nie zur Krise gekommen ...

NZZ: Warum Griechen kaum Steuern zahlen

Zum Abschluss muss ich mich wiederholen und darauf hinweisen, dass das ineffiziente Steuersystem eben auch eine Chance bietet. Allein eine Erhöhung der Steuerquote auf deutsches Niveau dürfte gut ein Drittel des Defizits von etwa 13% des BIPs verdampfen lassen. Dann noch ein Drittel Einsparungen und man könnte Griechenland schon fast wieder solide nennen ...

Das grundlegende, längerfristige Problem des Leistungsbilanzdefizits Griechenlands ist damit leider immer noch nicht gelöst ...

Update (28.05.10):

So, hier noch der Link:

Handelsblatt: Nachfahren des Hippokrates am Pranger

Darin eine Liste von Ärzten auf einem Athener Nobelvorort, die keine Skrupel hatten, Einkommen von teilweise nur ein paar Hundert Euro zu versteuern ...

Musik zum Wochenende: Arcade Fire

Nee, bin nicht verwirrt, ich kenne noch den Wochentag. Ich muss das mal vorziehen, ich will bei Rivva auch mal Erster sein ;-)

Die neue Single von Arcade Fire: The Suburbs / Month of May. Das Problem ist, dass der Plattenspieler kaputt ist und man die Single selber drehen muss. Wahrscheinlich ist der Plattenspieler zu lange nicht mehr benutzt worden ...

Egal, immerhin hat die Single zwei Seiten. In echt nur erhältlich in den zwei Rough Trade Läden weltweit, kurz ultrarares Sammlerstück. Also wenn jemand da vorbeischaut ...



A. The Suburbs




AA. Month of May


Wäre übrigens geil auf einem iPad, aber das kann ja kein Flash ...

Nach zwei positiven Nachrichten aus Dubai ...

... war wohl mal wieder eine negative fällig.

Nach einer teilweisen Schuldentilgung und einer erfolgreichen Zustimmung zur Umschuldung von Dubai World, kommt heute Dubai International Capital mit der Bitte um einen Zahlungsaufschub um drei Monate. Dabei geht um Schulden von 1,25 Mrd. Dollar, die Gesamtschulden sind aber deutlich höher.

Beobachter rechnen damit, dass es auch bei DIC wie bei Dubai World auf eine komplette Umschuldung hinausläuft. Und auch damit, dass noch ein paar andere Firmen in Dubai ins Straucheln kommen.

Es wäre auch ein Wunder, falls nicht. Zu groß war die Immobilienblase, zu tief der anschließende Preiseinbruch. Und da Dubais Wirtschaftsaufschwung vor allem von Bau und Immobilien getragen wurde, wiegt der Einbruch dort noch viel schwerer als z.B. in den USA oder Spanien.

Anleihen: Dubai-Krise kommt zurück - Finanzen - Börse + Märkte - Anleihen - Handelsblatt.com

Eine Herabstufung einer Bank in Dubai flog schon vorgestern in meinem RSS-Reader an mir vorbei ( Fitch Downgrades Dubai Bank's Individual Rtg to 'D'; Affirms IDR at 'BBB-). Sowas hatte ich allerdings erwartet, ganz im Gegensatz zum Artikel bei Tagesschau.de, in dem die Dubaier irgendwie so tut, als wäre die Krise mit dem Austausch des Personals beendet ... Und die Krise in Dubai auch erst gar nicht aufgetreten, wenn die Finanzkrise nicht gewesen wäre ...

Tagesschau.de: Der nächste Aufschwung kommt bestimmt

Bundesliga Tippspiel Auswertung: The Winner is ...

Bevor die WM anfängt, lieber nochmal fix die Auswertung des Bundesliga Tippspiels (die Regeln, die Tipps).

Fangen wir mit dem Meister an: 3 Punkte für Manni und mich.
Internationale Plätze (1-5): 4 richtige für Nigecus (8 Pkt), 3 für Blicklog und Manni, 2 für mich und einen für BavariaforRonPaul.
Abstiegsränge: jeweils 1 richtiger für Yamakazi, Blicklog, Bavaria und mich, keiner für die anderen (echt schwaches Gesamtergebnis ...).

Dann haben wir in der Zwischenwertung jeweils 9 für Manni und mich, 8 für Nigecus und Blicklog, 4 für Yamakazi und 2 für Bavaria.

Dann gibt es die Rechnung mit der Abweichung in der Platzierung. Diese Abweichungen werden aus der Differenz der wirklichen und der getippten Platzierung errechnet. Wer Wolfsburg auf 1 hat, bekommt 7 Miese, weil Wolfsburg auf 8 landete. Andersherum gibt es ebenfalls 9 Miese, wenn man Mainz auf 18 hat und die am Ende Neunter wurden (wie man so einen Mist tippen kann, weiss ich auch nicht ...).

Wenn man diese Abweichungen zusammenrechnet, gibt das 46 Miese für Manni Breuckmann, 52 für Blicklog, 69 für mich, 72 für Nigecus, 74 für Yamakazi und 76 für Bavaria.

Mit den positiven Punkten verrechnet, ergibt sich folgender Endstand:

37 Miese für Manni Breuckmann (Sieger außer Konkurrenz)
44 Miese für Blicklog (Gewinner der "Börsentruppe")
60 Miese für mich,
64 für Nigecus,
70 für Yamakazi und
74 für BavariaForRonPaul.

Da hat's der Fußballexperte den Laien aber gezeigt!

Glückwunsch!

Der Verein mit der größten durchschnittlichen Abweichung ist übrigens (wenig überraschend) Hertha BSC (im negativen Sinn) und etwas schwächer Mainz, die allerdings positiv überraschten. Ebenfalls wenig überraschend der Verein mit der geringsten Abweichung: Bayern München, den alle auf 1 oder 2 hatten.

Update (28.05.10):

Blicklog hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass er seine Platzierungen aus einer Wettbörse abgeleitet hat. Spannend! Denn das zeigt, dass in diesem Fall das kollektive Wissen, das in den vielen einzelnen Wetten steckt, offenbar in der Lage ist, ziemlich gute Ergebnisse zu produzieren. Nur den Manni schlägt das nicht ...

Zahl des Tages (26.05.10): 2.940.000.000

Ich gebe ja zu, auf den Tag habe ich irgendwie gewartet ... Es deutete sich seit Monaten an, aber trotzdem kann man es nicht glauben. Selbst wenn man Fanboi ist ...

Zum Börsenschluss heute ist Apple zu zweitwertvollsten börsennotierten Firma in den USA geworden. Die bisherige Nummer zwei Microsoft wurde heute überholt. Apple hatte zum Börsenschluss eine Marktkapitalisierung von 222,12 Milliarden Dollar, Microsoft nach gut 4% Kursrückgang nur noch 219,18 Milliarden Dollar.

Apple ist mit Stand heute Abend also

2.940.000.000 (2,94 Milliarden) Dollar

mehr wert als Microsoft.

Das iPad dürfte dazu massiv beigetragen haben. Selbst meine relativ freche (sprich hohe) Wette auf 5 Millionen iPads in diesem Jahr scheint nun deutlich übertroffen zu werden (siehe MEINE 5-MIO-#IPAD-WETTE WIRD JA FAST LÄCHERLICH ...). Es würde mich nicht mehr überraschen, wenn Apple allein im zweiten Quartal schon 3 Millionen oder mehr verkauft.

Trotzdem ist das natürlich irre. Microsoft hat im Betriebssystemmarkt immer noch ein äußerst profitables Nahezu-Monopol, mit Margen von weiter über 90(!)%. Auch der Office-Markt ist defakto Microsoft only. In beiden Märkten ist Apple bestenfalls Nischenplayer.

Allerdings muss man auch klar sehen, dass Microsoft in vielen Zukunftsmärkten nicht toll aufgestellt ist. Bei allen großen Investitionen der letzten 10 Jahren kamen bis auf die xbox mehr oder weniger große Flops raus. (Und selbst bei der xbox ist fraglich, ob die über die Lebensdauer profitabel ist. Die Einführung gegen die PS3 war seeeehr teuer, auch für MS).

Als schlimmstes muss man sicherlich die Saga um Windows CE/Mobile/Phone werten. Als Microsoft mit großem Aufwand Palm zerstört hatte und den PDA übernommen hatte, kam der Zug in Richtung Smartphone ins Laufen. Hier nahmen erst RIM mit den Blackberries (die ironischerweise mit einer besseren Integration zu den Exchange-Server von Microsoft als die Microsoft-Handies überzeugen konnten) und später noch Apple mit dem iPhone Microsoft diesen Markt komplett wieder aus der Hand.
Jetzt steht MS nicht nur dem hochpreisigen und exzellent aufgestellten Konkurrenten Apple gegenüber, sondern auch Google, die ihr Betriebssystem Android defakto an jeden verschenken, der es haben will. Mir ist schleierhaft, wie Microsoft in dem Markt nochmal Geld verdienen will ... Klar, Marktanteile kann man sich kaufen. Aber wofür, wenn man gegen gute kostenlose und quelloffene Software anstinken muss? Ich als MS würde meine Software (Outlook, Office, ...) auf *alle* Smartphones bringen und damit versuchen, Geld zu verdienen.

Die Internetsparte ist nicht besser. Der letzte Geschäftsbericht, den ich mir angeschaut hatte, lieferte für Microsoft bei knapp 900 Millionen Dollar Umsatz über 800 Millionen Dollar Miese. Autsch. Und das obwohl Microsoft im Internet ähnlich viele Leute erreicht wie Google. Google hingegen holt aus den Kontakten mit den Kunden ein Mehrfaches an Werbeeinnahmen heraus und ist suuuperprofitabel.

Und jetzt zeigt Apple Microsoft auch, wie man Touch macht. Eine Technik, die Microsoft seit 10 Jahren versucht, an den Mann zu bringen und die immer wieder gefloppt ist. Weil Touch und Windows-GUIs zusammen keinen Sinn machen.
Im Tablett-Markt wird Microsoft erst wieder kontern können, wenn das neue Windows OS für Smartphones fertig ist, das sieht nämlich ganz gut aus. Das ist eine geeignete Softwarebasis für ein Tablet. Nur zieht Microsoft den großen Vorteil, den sie haben, nämlich den Unmengen an existierender Software, leider nicht, weil die Software komplett neu geschrieben werden muss.

Schlimmer für Microsoft am Erfolg des iPads dürfte für Microsoft noch die Erkenntnis sein, dass bei aller berechtigten Kritik am iPad (keine Ports, keine Erweiterbarkeit, ...) die Leute das Teil trotzdem kaufen und damit eigentlich nur eines sagen: WIR WOLLEN KEINEN PC MEHR. Keine Virenscanner, keine 5 Programme gleichzeitig (ich kann eh nur in eines tippen), keine CDs, keine 37 unabhängigen Updateprogramme, keine andauernden Sicherheitsaktualisierungen, ... Nichts davon.

Wenn das jetzt arg Apple-freundlich klingt, möchte ich betonen, dass die eigentliche Gefahr für Microsoft aber Google ist. Weil man gegen das Geschäftsmodell von Apple (relativ geschlossene Systeme, relativ teuer) immer einfach angreifen kann: Mit Dumping (was MS auch seit knapp 3 Jahrzehnten macht) und/oder mehr Flexibilität. Aber gegen Google wird das viel schwieriger. Denn die sagen einfach: Hej, hier ist unser Betriebssystem, nehmt es und werdet glücklich (und baut mit Android Smartphones und demnächst mit ChromeOS Tablets, Netbooks und einfache PCs). Und ansonsten gibt es ein Office und Mail und und und online und das kostet euch nix bis ganz wenig ... Und dagegen wird ein Angriff sehr schwer bis unmöglich ...
Schon irre, dass all diese Überlegungen, die vor 10 Jahren aus der Linux Ecke kamen, jetzt durch Google umgesetzt werden ...

Update (23:01):

Im ZDF Auslandsmagazin kam heute was über den "digitalen Diktator" Steve Jobs. Wen's interessiert ...

ZDF Mediathek: Steve Jobs: der digitale Diktator (7 min)?

Update 2 (23:10):

Bericht ist übrigens von Mario Sixtus. Nicht schlecht, aber für mich (wie erwartet) exakt NIX neues drin ...

Update 3 (23:22):

Barrons hat leicht andere Zahlen, das Ergebnis bleibt aber sehr ähnlich: 226,1 Mrd. für Apple vs. 223,5 Mrd. für Microsoft.

Barron's: New Tech Stock King: Apple Surpasses Microsoft In Market Cap

Spanische Großbank BBVA mit Refinanzierungsproblemen?

Angeblich soll es die BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, die Nummer 2 hinter der Banco Santander) nicht geschafft haben, im laufenden Monat kurzfristige Anleihen (Commercial Papers) im Gesamtwert von 1 Milliarde Dollar zu refinanzieren.

Das meldet das Wall Street Journal.

Die Nachricht ist schwierig einzuordnen und muss kein Grund zur Panik sein. Immerhin hat die BBVA allein in den USA Commercial Papers im Gesamtwert von 9 Milliarden ausstehen. Und noch viel, viel mehr in Europa. Es mag sich also um einen irrelevanten Betrag handeln.

Aber auch im breiten Markt, gemessen am LIBOR (London InterBank Offered Rate), zeigt sich eine gewisse Verunsicherung. Der LIBOR ist auf ein Zehn-Monatshoch gestiegen, die Banken leihen sich untereinander also nur noch zu höheren Zinsen als noch vor wenigen Wochen Geld.

WSJ: Europe-Bank Lenders? Coalition of Unwilling

Ich will jetzt das böse L-Wort nicht in den Mund nehmen, aber damals fing das auch so an. Und ich will auch nicht meine alte Spekulation aufwärmen, dass die Probleme Griechenlands bei der Kurzfristverschuldung auch zu spürbaren Teilen von einem Bankrun auf die griechischen Banken ausgelöst wurden. Denn damit fiel die alte Refinanzierungsmöglichkeit des griechischen Staats über genau diese Banken weg.

Update (27.05.10):

Heute in der FTD etwas mehr zum Thema:

FTD: Geldmarktfonds stürzen Europas Banken in Finanzierungsstress

Danach zeigt sich am Commercial Paper-Markt das gleich Phänomen wie beim LIBOR. Die Investoren in CPs von Banken (vor allem Geldmarktfonds) wollen mehr Rendite sehen, weil sie das Risiko bei Banken höher einschätzen als noch vor einigen Wochen.

Banken zahlen #Madoff Anlegern 15,5 Mrd. $ Entschädigung

Wow! Da sehen sich wohl einige Banken als Vermittler irgendwie in der Mitschuld.

Es ist eine Lösung nur für 720.000 Anleger außerhalb der USA. Die Summe soll 15,5 Mrd. Dollar betragen. Es ist nicht ganz klar, ob die 15,5 Mrd. der gesamte Schaden sind oder die ersetzte Summe.

Es ist aber selbst im Fall, dass es nicht um eine vollständige Entschädigung geht, als positive Überraschung zu werten. Bei den Lehman-Zertifikaten winden sich die Banken heute noch. Bei Madoff gibt es vergleichsweise problemlos die Entschädigung.

Ich will jetzt nicht zu verschwörerisch sein, aber das mag zu einem ganzen Teil daran liegen, dass mit den Lehman-Zertifikaten vor allem "Alt und Doof"-Kleinanleger beglückt wurden, während die Madoff Fondsanteile an Dachfonds, Vermögensverwalter und andere Profis gegangen sind. Und wer davon einen guten Rechtsanwalt bezahlen kann oder mit Beendigung der Geschäftsbeziehung drohen kann, dürfte eindeutig sein ...

Übrigens machen die Schweizer Banken nicht mit. Grund: Das Bankgeheimnis. Sie wollen die Daten ihrer Kunden nicht rausgeben. Hmm, eine Werbung für den Geldanlageplatz Schweiz ist das aber trotzdem nicht.

Einigung mit Banken: Madoff-Opfern winkt Entschädigung - Finanzen - Fonds + ETF - Fonds-Nachrichten - Handelsblatt.com

Meine 5-Mio-#Ipad-Wette wird ja fast lächerlich ...

Ich war mit der iPad-Wette mutig ... Über meiner Schätzung von 5 Millionen lag beim Abschluss der Wette nur einer. Selbst Munster lag (zum Zeitpunkt der Wette) bei 2 Millionen. Man vergleiche (das sind allerdings Zahlen, die etwas später kamen):

Gene Munster, Piper Jaffray: He sees calendar 2010 sales of 3-4 million units, up from previous estimate of 2 million; expects 2011 to be the break out year, with 8 million units, with possible $4.6 billion in added revenue in calendar 2011. He raised his price target to $284, from $280.
David Bailey, Goldman Sachs: He expects Apple to sell 6 million iPad units in 2010, contributing $3.9 billion in revenue and profits of 99 cents a share; for calendar 2010 he now sees EPS of $12.35, up from $11.36; for CY 2011, $14.30, up from $12.50. His new target is $240, up from $230.
Katy Huberty, Morgan Stanley: “We view the unit opportunity at the lower than expected price as larger than we originally expected and raise our CY2010 unit forecast to 6 million from 4 million,” she writes. Her CY 2011 forecast goes to 9 million units, from 6 million. Yair Reiner, Oppenheimer: “We are conservatively baking in 1.1M units in FY10 and 4M units in FY11, compared to the ~10M/yr Apple is geared to support, per our checks,” he writes. But he is quite bullish on the iPad’s long-term potential. “Our initial unit projections are modest, but we believe great things may be ahead.”
Ben Reitzes, Barclays Capital: [...] He forecasts iPad sales of 2.9 million in FY 2010 and 7.3 million in FY ‘11.
Keith Bachman, BMO Capital: He projects 2.5 million iPad units in FY 2010 and 5.5 million units in FY 2011.
Scott Craig, Bank of America/Merrill Lynch: He forecasts Apple to ship 1.25 million units in FY 2010 and 3.75 million in FY 2011.

Heute kommt die Nachricht, dass Apple die aktuelle monatliche Produktion auf 1 bis 1,5 Millionen Stück geschätzt wird und Zulieferer von Planungen berichten, die monatliche Produktion im dritten Quartal auf 2,5 Millionen monatlich zu erhöhen. Wow!

Dann bin ja selbst ich als Apple-Fan platt ...

Barron's: Apple iPad Production Could Hit 2.5M Units/Month, Analyst Says

Während die Skeptiker noch darüber diskutieren, ob man so ein geschlossenes Teil denn braucht, ob man nicht doch besser Fenster nutzen sollte, verkauft Apple inzwischen mehr iPads als Macs und das obwohl es die iPads offiziell erst in einem einzigen Land gibt.

Ich werde immer sicherer in der Überzeugung, dass die Leute den PC -zumindest zu Hause - nicht haben wollen. Zu komplex, immer muss man den Neffen/Nachbarn/Sohn anbetteln, mal draufzuschauen und man ist mehr damit beschäftigt, das Dingen am Laufen zu halten (Virenscanner) als damit zu arbeiten. Wenn man diesen Nutzern etwas Funktionalität wegnimmt, aber dafür viel Einfachheit zurückgibt, greifen die zu.

Update (27.05.10):

Analyst von Wegde Capital erhöht Absatzschätzung für iPads auf 10. Millionen Stück in diesem Jahr ... Die Schätzung davor lag bei 7 Millionen. Es werden übrigens nur 1,5 Millionen in diesem Quartal erwartet, was mir viel zu konservativ vorkommt. Apple ist doch schon 1 Millionen in den USA losgeworden, Europa startet erst morgen und die Lieferzeiten werden immer länger ...

Apple: iPads May Soon Outsell Macs; Will CY ‘10 Units Hit 10M?

Zahl des Tages (25.05.10): -0,5%

Ok, ich hätte gestern dran denken können ... Am letzten Dienstag des Monats gibt es den Case-Shiller-Immobilienpreisindex ... Naja, nun gibt es halt direkt zwei Tage hintereinander eine Zahl vom US-Immobilienmarkt. Etwas doof, aber was soll ich machen, wenn die beiden wichtigen Zahlen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen kommen ...

Der Case-Shiller-Hauspreisindex (City-20, nicht saisonbereinigt) für den März 2010 wurde heute mit einem Minus von

0,5%

gemeldet.

Damit haben wir nun das fünfte Monatsminus in Folge (Feb: -0,9%, Jan: -0,4%, Dez: -0,2% und Nov: -0,2%). (Davor kam der Oktober unverändert nach 6 Monaten im Plus: +0,3% im September, +1,2% im August, +1,6% im Juli, +1,4% im Juni, +0,5% im Mai und +0,5% im April).

Im Jahresvergleich bleibt der Index 2,3% im Plus, wobei bleiben nicht der richtige Begriff ist, denn im Vormonat war das Plus im Jahresvergleich mit 0,6% noch deutlich kleiner.

Es lagen 13 der 20 Regionen im Minus, was eine Verbesserung gegenüber dem Februar ist, als noch 15 Regionen im Minus lagen.

Der Rückgang vom Hoch im Sommer 2006 aus gesehen (der Wert, der für meine Immowette über "Tod oder Gladiolen" entscheidet) liegt nun den zweiten Monat in Folge wieder bei mehr als 30%, genauer bei minus 30,6%.

Die saisonbereinigten Zahlen sehen besser aus (diesen traue ich aber nicht). Der City-20-Index ist danach unverändert und nur 10 Regionen liegen im Minus.

Bei der letzten Veröffentlichung des Indexes zum Quartalsende gibt es auch immer den Index für ganz Amerika, der nur quartalsweise errechnet wird. Dieser sank um 3,2% nach -1,0% im Vorquartal. Gegenüber dem ersten Quartal 2009 errechnet sich aber noch ein Plus von 2,0%. Saisonbereinigt sieht es auch hier besser aus: Das Minus schrumpft auf 1,3%.

Die Zeichen vom US-Immobilienmarkt sind aktuell alles andere als toll. Eigentlich sollten die auslaufenden Steuergutschriften den Markt stabilisieren, aber die Internet-Immobilienbörse meldete für April stark zurückgehende Preise (ZAHL DES TAGES (16.05.10): 25.000.000.000) und außerdem steigt das Angebot aktuell schnell als die Nachfrage (siehe ZAHL DES TAGES (24.05.10): 8,4).
Mai und Juni werden durch die Ende April ausgelaufene Förderung noch relativ stabil bleiben (weswegen ich auch meine Wette gewinne ;-) ), weil bis Ende April nur der Kaufvertrag unterschrieben sein muss, aber für die Statistiken erst der abgewickelte Verkauf zählt. Und der kann auch im Mai oder im Juni über die Bühne gehen. Danach kommt dann aber die echte Belastungsprobe. Voraussichtlich ohne Förderung und dann in die schwache Jahreszeit gleitend wird sich entscheiden, ob wir aktuell nur eine langwierige Bodenbildung sehen oder ob es nochmal eine ganze Etage tiefer geht ...

Zahlen direkt von der Quelle:
Read the full S&P/Case-Shiller release (PDF!)

Update 1 (21:50):

Interessante Berechnung von Calculated Risk! Wenn man den Case-Shiller-Index um die Inflation bereinigt, haben die Preise nach dem Rückgang der letzten zwei Quartale nun schon wieder ein neues Tief in der Abwärtsbewegung erreicht.

Calculated Risk: Case Shiller Real National House Prices Q1 2010

Griechenland Notkredite können gekündigt werden

In der Griechenlandhilfe gibt es eine Ausstiegsklausel. Interessant. Eigentlich hätte ich sowas in einem Vertrag, der den Finanzmärkten eine absolut feste und 100%ig sichere Zusage vermitteln soll, nicht erwartet.

Aussteigen kann ein Land oder u.U. auch alle Länder,

a) wenn das Bundesverfassungsgericht oder ein anderes Verfassungsgericht in einem der beteiligten Länder die Hilfe für verfassungswidrig erklärt

b) Wenn ein Land am Kapitalmarkt höhere Zinsen zahlen muss, als Griechenland gewährt werden.

Im Fall a) wird der gesamte Kredit fällig, also nicht nur der Anteil des entsprechenden Landes.

Ob das im Fall b auch so ist, wäre sehr spannend zu wissen. Immerhin dürfte Portugal schon auf diesem Niveau gewesen sein. Wenn ich die Regel richtig verstehe, ist das aber nicht so, weil im Fall b) erstens die anderen Teilnehmer die Zinsdifferenz übernehmen könnten und zweitens auch nur der Anteil des kritischen Landes hinfällig wäre. Ganz sicher bin ich aber nicht ...

Ausstiegsklauseln: Euro-Länder können Griechen-Rettung stoppen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Und die nächste Frage ist jetzt natürlich, ob solche Hintertürchen auch im 750 Mrd. Euro schweren "Wir-retten-alle"-Paket drinstecken ...

Zahl des Tages (24.05.10): 8,4

Mal wieder US-Immobilienmarkt ... Aber wenn es die wichtigste Zahl von dort (neben dem Case-Shiller-Hauspreisindex) gibt, ist die eigentlich gesetzt. Vor allem wenn hier ein Feiertag ist und ich auch um 22:30 die Nachrichten-Feeds nur gescannt, aber nicht wirklich durchgelesen habe. Da sind die Verkäufe der "Existing Homes" in den USA eine Bank ...

Die Zahlen für den April waren - zumindest auf den ersten Blick - gut. Die Anzahl der verkauften Immobilien stieg um 7,4% gegenüber dem Vormonat auf annualisiert 5,77 Millionen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg der Absatz gar um 22,8%.

Leider muss ich jetzt direkt mit drei Argumenten die Freude trüben:

a) Die Umsätze steigen jedes Jahr vom Winter an bis in den Sommer um danach wieder zu sinken. Der Effekt ist also zumindest teilweise saisonal bedingt.

b) Ende April lief die verlängerte Steuergutschrift für Erstkäufer einer Immobilie aus. Zwar haben die Käufer noch zwei weitere Monate Zeit den Kauf zu "finalisieren", aber schon der April wird durch diese Steuergutschrift positiv beeinflusst bzw. verfälscht sein.

c) Um aus den Umsatzzahlen die weitere Entwicklung des Immobilienmarkts abzuschätzen, lohnt immer ein Blick auf die eigentlich wichtigste Zahl: Den Lagerbestand in Monatsumsätzen. Hier kann man nämlich am einfachsten erkennen, ob die gestiegenen Umsätze den Lagerbestand auch wirklich senken.

Davon ist aber leider nichts zu sehen. Im Monat des Auslaufens der ersten Stufe der Steuergutschrift für Erstkäufer sank der Lagerbestand in Monaten auf 6,5 Monate, danach sprang der Wert zurück auf etwa 8 Monate. Das ist aber deutlich über dem Werten eines normalen Immobilienmarkts (unter 6 Monate).

Der April brachte eine weitere Verschlechterung. Die Anzahl der zum Verkauf stehenden Immobilien stieg um 401.000 auf 4,04 Millionen, also deutlich stärker als die Umsätze. Der Lagerbestand in Monaten errechnet sich daher wieder auf

8,4 Monate

nach 8,1 im März.

Der Lagerbestand ist inzwischen sogar wieder höher als im April 2009, wir reden hier also über eine wirkliche Trendwende.

Es ist mMn ziemlich kritisch, dass der Lagerbestand absolut und auch in Monatsumsätzen zulegt. Denn eigentlich sollte man aufgrund der Jahreszeit und kurz vor dem Auslaufen der Förderung mit einer deutlichen Entspannung rechnen, wie sie auch im letzten Herbst eintrat. OK, sie war nur temporär, aber nun scheint selbst der temporäre positive Effekt fast komplett auszubleiben.

Naja, vielleicht kommt jetzt wirklich das gesamte Schattenlager so nach und nach auf den Markt. Die ganzen Immobilien, die die Banken nicht offiziell zum Verkauf gestellt haben, weil man mit zu vielen Häusern in einem Viertel, die gleichzeitig auf dem Markt sind, nur die Preise kaputt macht. Die ganzen Immobilien, in denen der ehemalige Besitzer trotz Pleite wohnen bleibt, weil es für die Bank billiger ist, wenn der Ex-Besitzer das Haus heizt, in Schuss hält und die Grundsteuern zahlt und außerdem das Haus auch normal bewohnt aussieht.

Vielleicht spielt die Sondersituation des auslaufenden Tax-Credits eine wirklich außergewöhnliche Rolle. Ich hatte ja schon über die Zahl der Internet-Immobilienbörse Trulia berichtet, die im April Preissenkungen im Gesamtwert von 25 Mrd. Dollar berichtet hat. Das entspricht einem durchschnittlichen Abschlag von 10%, was ziemlich viel für einen Monat zu sein scheint (ZAHL DES TAGES (16.05.10): 25.000.000.000).

Vielleicht haben wirklich eine Menge Leute versucht, noch schnell ihre bisher offiziell nicht zum Verkauf stehende Immobilie auf den Markt geworfen und im Zweifel auch versucht, diese mit schnellen, massiven Preissenkungen loszuwerden. Stimmig wäre diese Erklärung auf jeden Fall ...

Calculated Risk: Existing Home Sales increase in April
Calculated Risk: Existing Home Sales: Inventory increases Year-over-Year

Oder direkt von der Quelle:
NAR: Existing-Home Sales Rise

Zahl des Tages (23.05.10): 237

Nur eine langweilige Mini-Bankenpleite in den USA an diesem Wochenende. Weil aber die Kombination aus langem Wochenende, Sommerwetter, Grillduft und kühlem Bier genau die richtige Kombination nach dem frustrierenden Championsleaguefinale von gestern Abend zu sein scheint, sicherheitshalber schon jetzt einmal die Zahl des Tages (an einem Tag wie heute liest hier eh niemand oder ist irgendwo nicht so ein Bombenwetter wie hier im Westen?)

US-Bankenpleite Nr. 237

Name: Pinehurst Bank
Sitz: St. Paul, Minnesota
Assets: 61 Millionen Dollar
Käufer: Coulee Bank, La Crosse, Wisconsin
Schaden für die FDIC: 6 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 318 (rot)

FDIC: Coulee Bank, La Crosse, Wisconsin, Assumes All of the Deposits of Pinehurst Bank, St. Paul, Minnesota

Aber damit das Posting nicht gaaanz so langweilig wird, ergänze ich noch eine Pleite einer Sparkasse aus Spanien. Spanien hatte ja eine ähnliche Immobilienblase wie die USA, die sich auch ähnlich dramatisch zusammengefaltet hat ... Etwas verwundert nahm man am Anfang zur Kenntnis, dass die spanischen Großbanken wie zum Beispiel die Banco Santander ziemlich unbelastet durch die Krise kamen und sich völlig unberührt zeigten. Im Gegenteil: Sie gehörten zu den Profiteuren der Krise, die zu Schnäppchenpreisen zum Höhepunkt der Krise billig Konkurrenten übernehmen konnten.

Inzwischen zeigt sich aber, wo das Risiko der Immobilienkredite in Spanien liegt: Bei den Sparkassen vor Ort. Dort liegen etwa 70% des Immobilienkredite. Die "Cajas" leiden schon länger unter Abschreibungen auf die Hypotheken und müssen sowohl Abschreibungen darauf vornehmen wie auch wackelnden Pfandbriefen weitere Sicherheiten hinterherwerfen.

Die spanische Zentralbank und die Regierung haben zur Stabilisierung des Finanzsektors einen Rettungsfonds mit einem Gesamtvolumen von knapp 100 Mrd. Euro aufgesetzt, über den jetzt auch die Caja Sur gerettet wird. Mittelfristig plant Spanien eine Zusammengelegung der Sparkassen und will die Anzahl von etwa 45 auf 15 dritteln.

Die CajaSur hatte Assets von 19 Mrd. Euro, wäre also in den USA eine große Bankenpleite gewesen.

Creditwritedowns: Spain: Regulators seize CajaSur; U.K.: Bonfire of the Quangos?
FTD: Spanien muss Sparkasse retten

Einen ganz guten Überblick über die Lage der spanischen Banken liefert ein älterer Artikel aus der FTD.

FTD: Spaniens Sparkassen bedrohen das Land

Update (24.05.10):

Haha, das ist ja quasi eine spanische Version von Don Camillo und Peppone ...

Wie eine Bank „Harakiri“ beging – und doch gerettet wurde

Update 2 (25.05.10):

Die Kosten für die Rettung der CajaSur werden auf etwa 2 Milliarden Euro geschätzt, also etwa ein Zehntel der Bilanzsumme.

FT Alphaville: Seized: CajaSur, or, 0.6 per cent of Spanish banking assets

Zahl des Tages (22.05.10): 12.100.000.000

Fußballtag heute ... Wenn nicht auch Fußball-WM wäre, das Ereignis des Jahres, dem die meisten Zuschauer weltweit zuschauen. Daher picke ich mir da mal eine Zahl heraus ...

Das Handelsblatt hat einen schönen Artikel zur wirtschaftlichen Situation des Profisfußballs. Das war auch hier schon das ein oder andere Mal ein Thema, insbesondere die Lage in der spanischen Liga. Dort haben die Verein nicht nur hohe öffentlich bekannte Schulden, sondern haben teilweise schon mehrere Jahre lang die fälligen Sozialabgaben nicht mehr bezahlt und außerdem erhalten die Spieler auch nur noch ein Ausnahmefällen pünktlich ihr Geld. Vor einigen Tagen hat Real Mallorca sogar einen Insolvenzantrag gestellt.

Die britische Liga ist ebenfalls kritisch. Die schwierige Refinanzierung der Schulden von Manchester United ging einigermaßen breit durch die Wirtschaftspresse und auch Chelsea leidet unter hohen Schulden und negativem Eigenkapital. Insgesamt sollen die englischen Profivereine etwa 4 Mrd. Euro Schulden haben.

Wenn man die Zahlen aller englischen Profivereinen zusammenrechnet, ergeben sich Ausgaben von

12.100.000.000 (12,1 Milliarden) Euro,

denen dummerweise nur 11,6 Mrd. Einnahmen gegenüberstehen. Die Löcher in den Bilanzen werden also jedes Jahr um etwa eine halbe Milliarde größer ...

Mit dem FC Portsmouth meldete auch schon ein Verein aus der Premier League Insolvenz an und man muss nicht allzu skeptisch sein, wenn man voraussagt, dass das wohl nicht der letzte sein wird.

Als Reaktion plant die UEFA für die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben ein Lizensierungsverfahren wie es in der Bundesliga schon länger üblich ist.

Die Bundesliga gilt also als Vorbild. Nur wenn man sich die Fastpleite von Dortmund vor einem knappen  Jahrzehnt oder die Fastpleite von Schalke in diesem Jahr anschaut, fragt man sich, ob die Bundesliga denn mehr ist als der sprichwörtliche Einäugige unter Blinden ...

Handelsblatt: Das Milliardenrisiko Champions League

Update (27.05.10):

Die UEFA macht scheinbar Ernst mit dem Lizensierungsverfahren:

Kicker: UEFA beschließt finanzielles Fairplay
Ob das in der konkreten Umsetzung dann auch hart genug durchgeführt wird, muss man abwarten. Das was heute kommuniziert wurde, hört sich auf jeden Fall schonmal ganz vernünftig an ...

Zahl des Tages (21.05.10): 4.260.000.000

(Aus Versehen in mein Testblog gepostet ... Ich bastele gerade an einem Flattr Button rum, geht aber irgendwie nicht ....)

So, nicht mehr viel Zeit für meine Zahl des Tages. Ich war und bin gleich wieder unterwegs und in die wenigen Minuten, die ich noch hier bin, muss ich die ZdT quetschen und noch ein paar O'Reilly E-Books shoppen, die (nur) heute allesamt 9,99 $ kosten (Teleread).

Was habe ich für Euch?

Der Stabilisierungfonds für die deutschen Banken SoFFin hat heute seinen Jahresabschluss für 2009 präsentiert. Der operative Gewinn von knapp 500 Millionen Euro wurde ja schon gemeldet, allerdings war unklar, wie werthaltig die ganzen Assets denn so sind, die der SoFFin übernommen hat. Dass das nicht allererste Sahne sein kann, war klar, sonst wären die Banken wie der HRE wohl nie in Probleme geraten.

Die Höhe der Abschreibungen überrascht aber doch. Wurde noch vor gut 2 Monaten davon ausgegangen, dass es wohl ungefähr 1 Milliarde Euro werden würde, sind es nun allein bei der Hyporealestate 4,75 Mrd. Euro geworden. Davon gingen 4,1 Mrd. auf geringere Aktienbewertungen zurück. (Wieso man im Februar noch von 1 Mrd. ausgehen konnte, verstehe ich dann nicht wirklich, denn der Aktienkurs steht doch eigentlich fest ...)

Mit ein paar weiteren kleiner Korrekturen errechnet sich damit ein Verlust für 2009 von

4.260.000.000 (4,26 Milliarden) Euro.

Man muss jetzt nicht unken, aber dass keine weiteren Abschreibungen auf die anderen Anlagen, also die Hypotheken, folgen werden, ist quasi ausgeschlossen. Immerhin hat die irische Tochter der HRE auch in den kritischen Märkten in Großbritannien und Irland jede Menge Kredite vergeben.

Viel Hoffnung macht der Chef des SoFFin nicht. Wörtlich: "Retten ist leider kein lukratives Geschäft."

FTD: Soffin schreibt wegen HRE vier Milliarden ab

Noch eine interessante Zahl aus dem Bericht: Ende 2009 wurden Eigenkapitalhilfen in Höhe von 160,7 Mrd. Euro an die HRE, die Commerzbank und einige andere vergeben.

Zahl des Tages (20.05.10): 10

Ich habe mich in den letzten Tagen ja schon ziemlich skeptisch über den letzten Regulierungsversuch der deutschen Regierung geäußert. Ich halte den Versuch, die Naked Short Sales auf Finanzaktien und CDS auf Euroländer zu verbieten, für ziemlich misslungen. Erstens ist es mMn einer der wenigen Märkte, in den noch der Hund (Anleihenmarkt) mit dem Schwanz (CDS) wedelt und nicht andersherum (wie z.B. bei den Rohstoffen). Zweitens macht eine Regulierung nur in einem Land keinen Sinn, weil das Trading sofort abwandert; wobei "sofort" in diesem Fall 2 Stunden bedeutete (FT Alphaville: What Deutsche Bank did yesterday). Drittens zielt man auf die falsche Seite des Markts, denn bisher steckte das Risiko auf der Seite, die die Versicherung vergibt (und nicht auf der, die kauft). Und viertens hat sich das Verbot der Leerverkäufe in den Bankenkrise als völlig wirkungslos herausgestellt.

Die deutsche Regierung hat für die Maßnahme auch kaum Unterstützung bekommen. Die europäischen Partner zeigen sich bestenfalls erstaunt über den Alleingang, im schlechtesten Fall halten sie die Maßnahme auch schlicht für wirkungslos.

Ich habe schon seit einiger Zeit vor, über einen anderen mMn (ich schreibe jetzt immer meiner Meinung nach statt IMHO ...) ziemlich verfehlten Regulierungsversuch zu schreiben. Und zwar den für die offenen Investmentfonds.

Aber fangen wir von vorne an ... Offene Immobilienfonds haben ein grundsätzliches Problem: Sie investieren in sehr langfristige Anlagen, müssen aber gegenüber dem Anleger extrem flexibel bleiben, genauer gesagt tagesgenau das Geld wieder auszahlen. Dadurch kommt es relativ regelmäßig zur Situation, dass die offenen Immobilienfonds die Rücknahme einstellen müssen, weil die Anleger zu viel Geld auf einen Schlag abziehen (siehe IMMOFONDS DEGI GLOBAL BUSINESS VOR PLEITE? oder Was machen eigentlich die geschlossenen offenen Immobilienfonds? oder Immobilienfonds weit geschlossen ... oder Zahl des Tages (03.02.09): (12-02=) 10 oder Noch zwei (und noch zwei (und noch zwei)) Immo-Fonds dicht oder oder oder).

Am Ende geht das Problem auf das Renditedreieck aus Sicherheit, Rendite und Liquidität zurück: Man kann nie alles drei gleichzeitig bekommen. Um mehr Rendite zu bekommen, muss ich immer weniger Sicherheit und/oder Liquidität in Kauf nehmen. Um mehr Sicherheit zu bekommen, muss ich auf Liquidität und/oder Rendite verzichten. Der offene Fonds ist im Prinzip der Versuch, illiquiden Anlagen (Immobilien oder jetzt Genusscheine) den Nachteil der Illiquidität zu nehmen. Und das scheitert immer wieder.

Das hat jetzt (nicht sonderlich früh) auch die Bundesregierung gemerkt und eine Regulierung vorgeschlagen. Diese setzt sich aus einem halbwegs sinnvollen Punkt, einem weniger sinnvollen und einem total bescheuertem zusammen. Ich fange mal von oben an:

Halbwegs sinnvoll ist eine längere Kündigungsfrist. Halbwegs ist dabei eigentlich eine falsche Beschreibung, denn eigentlich ist das extrem sinnvoll, weil damit der Punkte der Liquidität des Renditedreiecks und damit das Grundproblem aufgelöst wird.
Ich schreibe nur deshalb "halbwegs" sinnvoll, weil die Fondsgesellschaften glauben, dass Kündigungsfristen nur für Großanleger ausreichend seien. Kleinanleger könnten also weiterhin täglich an ihr Geld kommen. Wer die Idee von einigen institutionellen Anlegern und Dachfonds kennt, die Immobilienfonds als Geldmarktersatz zu missbrauchen, kann die Überlegung der Investmentfonds durchaus nachvollziehen. Die Regulierung scheint mir schon in diesem Punkt zu weit zu gehen.

Schlimmer wird es allerdings beim zweiten Punkt: Dort wird eine Mindesthaltefrist vorgesehen. Aktuell sind 2 Jahre angedacht. Was soll das noch zusätzlich bringen? Wenn ein Anleger einsteigt und zwei Monate später dreht der Trend, muss er noch 22 Monate drin bleiben, nur weil er zu spät eingestiegen ist? Entweder reichen die 6 Monate oder nicht ... Und eigentlich sollten auch die 5% Ausgabeaufschlag ausreichen, um kurzfristige Anleger abzuschrecken.
Inzwischen treten aber auch die Fondsgesellschaften für eine einjährige Haltefrist ein. Allerdings als Kompromiss, um den dritten Punkt abzuwimmeln, der aktuell diskutiert wird ....

Dieser ist nämlich komplett kontraproduktiv: Und zwar soll bei der Bewertung der Immobilien ein Sicherheitsabschlag von

10% 

vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass die Anleger immer auch das ausgewiesene Geld bekommen und nie in überraschende Abwertungen laufen. Das würde aber bei allen Anlegern, die schon heute investiert sind, einen plötzlichen Abschlag in Höhe von 10% nach sich ziehen, damit dieser Puffer aufgebaut werden kann. Darauf haben die Anleger natürlich gar keine Lust und ziehen gerade ihr Geld in Massen ab (Die verlängerte Kündigungsfrist ist sicherlich ein weiterer Grund). Und jetzt macht ein Immobilienfonds nach dem anderen zu, weil die Liquidität gegen Null geht.

Die Regierung hat damit die Massenschließung der offenen Immobilienfonds quasi provoziert. Meine Güte, wie dilettantisch geht's denn noch?

Inzwischen versteht sie langsam die Auswirkungen ihrer Regulierungsdiskussionen. Die 10%-Regel steht nämlich auf der Kippe.

Der Schaden ist auf jeden Fall angerichtet. Es liegen wieder drei große Immobilienfonds auf Eis und die Anleger kommen nicht mehr an ihr Geld ...

Der dritte geschlossene Fonds der letzten zwei Wochen (insgesamt sind es 9)
FAZ: Credit Suisse schließt Euroreal
Handelsblatt: Beliebter Immobilienfonds geschlossen

Aktueller Stand der Diskussion:
FAZ: Haltefrist für offene Immobilienfonds

"Einlenken" der Fondsgesellschaften:
Handelsblatt: BVI will Haltefrist von zwölf Monaten für offene Immobilienfonds

Zum ersten Stand des Entwurfs:
FAZ: Verstärkt der Fiskus die Krise?
Handelsblatt: Fondsbranche fürchtet „Enteignung der Anleger“

Morgan Stanley macht Fonds komplett dicht:
FTD: Morgan Stanley macht Offenen Immobilienfonds dicht

Kanam Grundinvest stellt Rücknahme ein:
Handelsblatt: Kundengelder auf Eis gelegt

SEB Immowest schließt:
Schäuble verscheucht Anleger

Update (26.05.10):

Heute muss die Axa ebenfalls einen offenen Immobilienfonds schließen. Es ist zwar nur einer für institutionelle Anleger, Otto-Normalanleger ist also höchstens indirekt betroffen, aber trotzdem nicht unwichtig.

Der Fonds heisst Axa Immosolutions und hat ein Volumen von knapp 400 Millionen Euro. Die Gründe für die Schließung sind bekannt. Die Anleger ziehen ihr Geld ab, weil sie Angst vor Kündigungsfristen haben.

Handelsblatt: Auch Axa-Anleger bleiben auf Fonds sitzen

Kleinanleger werden besch****en ...

Diesen Hinweis wollte ich schon lange mal als Update zu einer Zahl des Tages aus der letzten Woche hinterherschieben. Ich fand es ja schon unglaublich, dass Goldman Sachs im ersten Quartal keinen einzigen Tag mit einem Verlust im Eigenhandel hatte (ZAHL DES TAGES (10.05.10): 63), aber es ist noch extremer. Denn Goldman Sachs ist mitnichten die einzige Bank, die ein solch perfekter Ergebnis eingefahren hat.

Die Bank of America, die Citigroup und JP Morgan Chase haben ebenfalls das perfekte Ergebnis eingefahren: 63 von 63 Handelstagen im Plus. Die Loser von Morgan Stanley hingegen haben satte 4 Tage mit Minus erhandelt, auch wenn man einschränken muss, dass diese nur sehr leicht im Minus endeten.

Da fragt man sich natürlich schon, wie die großen Banken ein solch perfektes Ergebnis erzielen können. Sicherlich werden die sehr positive Börsentendenz und die hohen Handelsumsätze geholfen haben. Und der niedrige Zins bei der Refinanzierung hilft natürlich auch.

Aber der Verdacht bleibt nicht aus, dass die Banken den Markt systematisch melken. Und da ein ganzer Teil des Geschäfts ein Nullsummenspiel ist, muss irgendjemand anderes die Rechnung bezahlen. Sind es die konservativen Großanleger? Sind es die Kleinanleger, die über High Frequency Trading über den Tisch gezogen werden?
Auch wenn es vorstellbar erscheint, dass in normalen Zeiten durch das High Frequency Trading für HFTs *und* für die anderen Teilnehmer Vorteile entstehen, muss man das angesichts dieser Bilanz der großen Banken doch arg bezweifeln. Wer auf der anderen Seite hat in der gleichen Größenordnung eine perfekte Bilanz aufzuweisen? Denn wenn der Markt fair wäre und die Risiken gleich verteilt wären, müsste es die Marktteilnehmer mit perfekter Bilanz auch auf der anderen Seite geben. Da kenne ich aber keine ... Ich kenne nur die großen Banken mit einer solchen Tradinggeschichte ...

NYT: 4 Big Banks Score Perfect 61-Day Run
gefunden über:
Trader's Quest: Gibt es Chancengleichheit für alle Marktteilnehmer?

Zahl des Tages (19.05.10): 14,69%

Auch wenn ich eigentlich geplant hatte, einen anderen (IMHO) gescheiterten Regulierungsversuch unserer Experten in Berlin auf den Thron zu heben, habe ich mich dann doch noch umentschieden und eine Zahl vom US-Immobilienmarkt ausgewählt, nicht zuletzt, weil ich diese eigentlich fast immer bringe.

Es geht um die jedes Quartal erscheinende Zahl der überfälligen Hypotheken. Nach einer leichten Stabilisierung im vierten Quartal 2009 gab es im ersten Quartal 2010 wieder einen deutlichen Anstieg.

Ende März 2010 waren

14,69%

der Hypotheken in den USA mindestens 30 Tage überfällig oder steckten in der Zwangsversteigerung.

Dabei stieg der Anteil der Hypotheken, die überfällig waren, mit 10,06% zum ersten Mal über die 10% Marke. Dazu kamen noch 4,63% Hypotheken, die in der Foreclosure waren.

In der Verteilung setzt sich der Trend der letzten Quartale fort. Der Anteil der ausfallenden Hypotheken schlechter Qualität (Subprime) hat ihren Höhepunkt überschritten und nimmt leicht ab, bleibt aber auf extrem hohen Niveau (25% bis 29%), der Anteil der Ausfälle von Hypotheken guter Qualität (Prime) steigt aber weiter (6,17% für Festzins- bzw. 13,52% für variabel verzinste Hypotheken). Weil der Anteil der Prime-Hypotheken am Gesamtmarkt der wesentlich größere ist, steigt die Gesamtzahl weiter.

Aus den Zahlen der Hypothekenausfälle lässt sich auf jeden Fall keine Stabilisierung des US-Immobilienmarkts ableiten. Im Gegenteil: Die Anzahl der Immobilien, die über Zwangsversteigerungen neu auf den Markt kommen, nimmt immer noch weiter zu.

Allerdings belebt sich auch die Nachfrage. Die spannende Frage wird sein, inwieweit dieser Trend stabil ist oder ob er nur temporär durch die Steuergutschriften ausgelöst wurde.

Calculated Risk: MBA Q1 2010: Record 14.69% of Mortgage Loans Delinquent or in Foreclosure

oder direkt von der Quelle:

MBA: Delinquencies, Foreclosure Starts Fall in Latest MBA National Delinquency Survey

Meine Immowette gewinne ich trotzdem ;-) Nicht zuletzt, weil der durchaus vorstellbare zweite Abwärtstrend nicht mehr schnell genug kommen und kräftig genug sein wird ...

Update (23:01):

Wer sich für die Details interessiert (Entwicklung über die Zeit, Verteilung auf die Bundesstaaten) findet wie immer bei Calculated Risk die schönsten Grafiken dazu:

Calculated Risk: Mortgage Delinquencies by Period and by State

CDS in Deutschland verboten ...


... und (wie früher schon einmal) auch ungedeckte Leerverkäufe auf einige Aktien aus der Finanzbranche.

So, damit hat die Politik es den bösen Spekulanten mal richtig gezeigt.

Gedeckte Leerverkäufe bleiben aber weiterhin erlaubt. Auch der Kauf von Kreditausfallversicherungen, wenn man die entsprechenden Anleihen ebenfalls (wenn ich das richtig verstehe).

Wie man das technisch abwickeln will, ist mir völlig schleierhaft. Man muss dann ja vor dem Kauf eines CDS erstmal einen "Depotauszug" einreichen, auf dem der aktuellen Bestand steht. Darauf ist der CDS-Markt doch gar nicht vorbereitet ...

Und was es bringen soll, diese Maßnahme *nur* in Deutschland durchzuziehen und die anderen Länder einfach weiterhandeln zu lassen, verstehe ich auch nicht.

Und weil Alles schon so klar geregelt ist, gilt die Regelung in genau 15 Minuten ..

Populismus? Panik?

Nach einer sinnvollen Regulierung (die es sicherlich geben muss), sieht das Ganze nicht aus ...

BaFin verbietet ungedeckte Leerverkäufe | tagesschau.de

Wie haben sich eigentlich die CDS heute entwickelt?

Update (0:05):

Edward Harrison weist darauf hin, das solch sinnlosen Maßnahmen nicht selten eben doch einen haben. Einen, den noch niemand kennt. So wie ein Goldverbot, wenn der Staat Schulden weginflationieren will ...

Und das könnte in diesem Fall die Schuldenrestrukturierung von Griechenland sein, bei der man vermeiden möchte, dass die Spekulanten sich beim Default Griechenlands mithilfe von CDS eine goldene Nase verdienen ...

Darüber könnt ihr jetzt mal eine Nacht lang drüber nachdenken ...

http://twitter.com/edwardnh/status/14251349765

Update (00:13):

Man beachte auch den Schwenk der BAFin:

BAFin: No evidence of massive speculation against Greek bonds

Update 2 (19.05.10):

Die FTD hat sich die Frage nach den Auswirkungen auf die CDS Kurse auch gestellt:

FTD: Verbot von Leerverkäufen lässt CDS-Kosten sinken

Die griechischen CDS sind deutlich gesunken (58 Basispunkte auf gut 600). Bei den anderen gab es deutlich geringere Rückgänge. Und auch da ist unklar, ob der Auslöser nicht die erste erfolgte Auszahlung eines Notkredits an Griechenland war. Immerhin sind nun alle Zweifel beseitigt, ob das Geld denn wirklich fließt.


Update 3:

Der CDS Markt ist mit der BAFin Entscheidung - nicht ganz unerwartet - völlig im Eimer. Griechenland wird mit 450 zu 650 Basispunkten, also einem Riesenspread, gehandelt. Damit ist der positive Effekt, den der CDS-Markt haben kann, hinüber.

Ich will hier keinen Markt verteidigen, den man nicht verteidigen muss. Ich bin nämlich durchaus der Meinung, dass man manchmal einfach ein Risiko in den Büchern behalten muss.

Ich will aber sagen, dass der Verbot des nackten CDS-Verkauf (der ja als böse definiert wurde), den "normalen" CDS-Verkauf direkt mit vernichtet. Die BAFin hätte also auch den kompletten Markt verbieten können.

FT Alphaville: CDS bid-offer spreads you could drive a BMW through

Update 4:

Olaf von Trader's Quest verweist auf einen alten Artikel in seinem Blog, in dem die Charts der deutschen Finanzwerte vor und während des Short Selling Verbots enthalten sind. Man sieht den durchschlagenden Erfolg auf einen Blick. Eins klau ich mal einfach ..

Hypo Real Estate (blau ist der Bereich mit Verbot):


Die ganzen anderen Charts der Finanzwerte gibt's hier (der Commerzbank-Chart ist auch nett ...):

Traders Quest: Zum Glück ist Short Selling verboten

Update 5:

Hochinteressanter Artikel bei FT Alphaville, in dem ein Experte von Credit Derivatives Research versucht die Auswirkungen abzuschätzen. Er kennt diese aber auch nicht ("Implications: Who knows?"). Es ist ein großes Experiment, das damals bei den Banken nicht funktioniert hat. Man schafft einen asymmetrischen Markt mit allen Problemen (darf ich noch Puts auf griechische Anleihen kaufen?).

Drei Punkte würde ich gerne rauspicken:

a) Er schätzt, das 70 bis 80% des CDS Markts "nackt" sind. Daher ist nach dem Verbot der nackten CDS mit hoher Wahrscheinlichkeit der Markt komplett im Eimer (die Spreads von heute stützen diese These).
b) Wer verkauft überhaupt noch CDS auf Anleihen, wenn er diese Position durch den Kauf einer Gegenposition nicht mehr schließen kann?
und am interessantesten:
c) Reguliert man nicht möglicherweise die falsche Seite des Markts? Schließlich war in der Bankenkrise, die angeblich durch die CDS ausgelöst wurde (aber siehe den Chart von oben ...), nicht der Käufer der CDS der kritische Teil, sondern der Verkäufer (namentlich die AIG), die mit bis zu 180 Mrd. Dollar Staatsknete gestützt werden musste.
Der Verkäufer eines CDS übernimmt schließlich ein viel höheres Risiko als der Käufer. Eine Griechenlandanleihe, die bei 80 notiert, hat 100% Abwärtsrisiko (bis auf Null halt), aber nur 25% Aufwärtschance (bis auf den Nominalwert von 100).

Ich glaube, ich werde bald zum Regulierungsgegner. Nicht weil ich sie für sinnlos halten würde, sondern weil ich die Hoffnung verliere, dass unsere Politiker in der Lage sind, eine sinnvolle Regulierung zu konstruieren. Wir bekommen immer nur so eine unausgegore, populistische Sürge ...

FT Alphaville: ‘How can a [CDS] market be made?’

Update 6:

Hugo Chavez zeigt's dem Schäuble. Er setzt den Handel einfach komplett aus und nach Wiedereröffnung wird es feste Preisbänder geben. Hoffentlich bekommt das in Deutschland niemand mit ... Sonst führen die sowas auch für die Griechenbonds ein. Die Dinger dürfen einfach nur noch zwischen 95 und 105 notieren und fertig ...

Hugo zeigt’s dem Wolfgang …

Update 7 (langsam wird's albern, oder?):

Nicht einmal zu sinkenden CDS Preisen oder Renditen hat die deutsche Aktion geführt. Die Spreads haben sich (siehe oben) deutlich geweitet, aber auch die Preise für die CDS sind gestiegen (CDS auf Griechenland +50 Punkte auf 680 Basispunkte). Auch die Renditen für die griechischen Anleihen sind gestiegen (die 10-jährige stieg um 37 Basispunkte auf 7,94%). Einen 1:1 Zusammenhang zu der neuen Regulierung darf man natürlich nicht herstellen, aber man muss schon feststellen, dass die Idee (zumindest bis heute Abend) nicht aufgegangen ist.

FT Alphaville: CDS report: German shorting ban triggers volatility

Update 8:

OK, der muss noch sein, weil die Story so bescheuert ist, dass man sich die nicht ausdenken kann ...

Wer soll Schuld sein an den nackten Leerverkäufen? Die griechische Notenbank.

Insert a big HÄH here

Diese hat nämlich den Zeitraum zwischen dem Handel und dem Clearing von griechischen Anleihen von drei Tagen auf 10 verlängert. Die Banken hatten also nun 7 Tage mehr Zeit auf fallende Kurse ihrer eigenen Käufe zu spekulieren und brauchten dafür nicht einmal Geld. Wichtig war nur, dass der Kurs am Tag des Settlements niedriger war als am Ausführungstag.

Als das Clearing Fenster auf einen Tag verkürzt wurde, hat das laut Aussagen eines Traders die Naked Short Sells quasi zum Erliegen gebracht ...

Zerohedge: Greek Central Bank Accused Of Encouraging Naked Short Selling Of Its Own Bonds

Das entwickelt sich immer mehr zur Lachnummer ...

Zahl des Tages (18.05.10): 3%

Lange keine positive Zahl mehr gehabt, oder?

OK, ich suche ... Hmm, aha. Ich finde leider nur etwas, bei dem die Eurozone vergleichsweise gut aussieht. Aber besser als nichts ;-)

Die Credit Suisse hat in einer neuen Studie eine Übergewichtung von Aktien aus Kontinentaleuropa um 16% empfohlen (vorher 5%).

In einem Satz wäre die Studie wie folgt zusammenzufassen: Kontinentaleuropa ist der Einäugige unter Blinden ...

Wenn man die Verschuldung von Verbrauchern, Unternehmen und Staat zusammenrechnet, hat Kontinentaleuropa eine Verschuldung von 220% des BIPs, die USA von 270% des BIPs, Großbritannien von 300% des BIPs und Japan sogar von 363% des BIPs.
Man kann diese Zahl durchaus kritisch sehen, denn sie berücksichtigt die Vermögensseite nicht. Die Schulden des japanischen Staats liegen z.B. fast zu 100% in japanischen Händen. Die Japaner sind in dieser Hinsicht also fast unabhängig vom Ausland, ähnliches gilt für Europa. Großbritannien und die USA sehen in dieser Hinsicht aber viel schlechter aus.

Die Sparrate in Kontinentaleuropa liegt etwa sechsmal so hoch wie in den USA (die extrem niedrige Sparrate in den USA war ja schon häufig Thema hier).

Auch die laufenden Haushaltsdefizite in der Eurozone als Ganzes sind viel geringer. Die Eurozone hat ein Minus von 6,7% gemeldet. In Großbritannien und den USA ist das Minus zweistellig. Und vielleicht noch schlimmer: Von konkreten Sparmaßnahmen ist nichts zu sehen.

Die Credit Suisse schätzt daher das Volumen der Sparmaßnahmen, die noch zu erbringen sind, in den USA, Großbritannien und Japan auf etwa 7 bis 8%, in Kontinentaleuropa aber "nur" auf

3%.

Dass die Credit Suisse so optimistisch für europäische Aktien ist, begründet sie auch mit anderen Faktoren:

  • Das Wirtschaftswachstum in Kontinentaleuropa würde unterschätzt. Offiziell würden in Deutschland 1,2% Wirtschaftswachstum erwartet, die zuverlässigsten Frühindikatoren würden aber eher

    3%

    anzeigen (hätte ich auch als ZdT nehmen können ...).
  • Die Aktien in Europa wären deutlich preiswerter als in den USA (30%).
  • Der schwache Euro allein würde schon für einen Prozentpunkt mehr Wachstum sorgen.

Kurz: Die Credit Suisse traut der Eurozone eine Rettungsaktion für Griechenland und Portugal durchaus zu. Und die Belastungen daraus auf das Wirtschaftswachstum als verkraftbar. Wie hingegen die USA oder Großbritannien 7% des BIPs "ersparen" sollen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen, bleibt unklar.

FT Alphaville: Markets Live transcript 17 May 2010
Reuters: STOCKS NEWS EUROPE-Credit Suisse further overweight Europe

Selbstmordrate bei Apple Zulieferer hoch - Für Journalisten, die nicht rechnen können

Mathe 6. Setzen. Ein Beitrag aus der Serie, wenn man von Statistik keine Ahnung hat, lieber mal die F***** halten.

Überall wird jetzt gerade die Story über andauernde Selbstmorde beim Apple-Lieferanten Foxconn gebracht. In den US-Medien ist von einem "Suicide Cluster" die Rede.
"Acht Beschäftigte des weltgrößten Computerzulieferers Foxconn haben sich in den vergangenen Monaten in den Tod gestürzt."
8. In Worten: ACHT.

Schön, dass der Bericht selber erwähnt, dass Foxconn 400.000 Angestellte hat. Gut, "in den vergangenen Monaten" ist natürlich eine ziemlich ungenaue Aussage, aber gehen wir mal davon aus, dass es sich um 2 Monate handelt. Dann werden aus 8 hochgerechnet auf's ganze Jahr 48.

Hmmm.

Wenn wir jetzt mal schauen, wie die Selbstmordrate in China generell aussieht. Aha, WHO scheint eine gute Quelle zu sein, auch wenn die Zahlen relativ alt sind (WHO: Suicide rates per 100,000 by country, year and sex (Table)).

Etwas unklar, was jetzt genau der richtige Vergleichswert für die Selbstmordrate bei Foxconn ist. Ja nach Geschlecht und Region schwankt der Wert zwischen 11,5 und 19,3 je 100.000 Einwohner.

Jetzt noch ein bisschen Dreisatz und die 48 Selbstmorde auf 100.000 normiert und Zack sind wir bei 12 Selbstmorde je 100.000 Foxconn Mitarbeiter. Einem Wert, der am unteren Ende der Durchschnittszahlen liegt.

Bin ich jetzt der einzige, der hier nur einen dämlich inszenierten Medienhype sieht?

FTD: Selbstmord-Serie erschüttert Apple-Lieferanten

P.S.: Sobald ich "in den vergangenen Monaten" als drei Monate oder mehr interpretiere, ist der Wert der Selbstmorde bei Foxconn unterdurchschnittlich.

P.P.S.: Nein, ich will mit dem Posting die Arbeitsbedingungen bei Foxconn nicht beschönigen. Aber an der Selbstmordhysterie, die ja auch manchmal auf die Extrem-Geheimhaltungspolitik von Apple zurückgeführt wird, ist verdammt wenig dran ...

P.P.S.: Je lauter man rantet (und damit meine ich mich), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man selber Mist bei seinen Überlegungen gebaut hat. In diesem kleinen Blog gibt es aber die Möglichkeit Kommentare zu schreiben und wenn ich Mist schreibe, korrigiere ich diesen ...

Update 1 (16:36):

Ich vergaß zu erwähnen, dass Foxconn natürlich auch für viele andere Hersteller arbeitet. Wer also Foxconn=Apple setzt, macht direkt den nächsten Fehler ...

Update 2 (2119.05.10):

Die Geschichte war sogar in der FTD Printausgabe. Und das sogar auf der Titelseite ... Uih, Qualitätsjournalismus in Deutschland ...

Update 3 (25.05.10):

Jetzt 9 Selbstmorde seit Anfang des Jahres bei Foxconn auf (wie die FTD meldet) 300.000 Mitarbeiter.

Macht folgenden Dreisatz:

9*12/5 = ~22 Selbstmorde im Jahr.
Auf 300.000 Arbeiter normiert eine Quote von gut 7 auf 100.000.
Kurz: Deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

FTD: Neuer Selbstmord bei Apple-Ausrüster

Update 4 (25.05.10):

Das Handelsblatt hat die "Story" natürlich auch ...

Handelsblatt: Selbstmord-Serie erschüttert Elektro-Riesen Foxconn

Immerhin klärt das Handelsblatt etwas auf: Foxconn hat 800.000 Angestellte, davon 300.000 in der  Fabrik, in der auch die 9 Selbstmorde passiert sind.

Update 5 (25.05.10):

Ich sammle weiter, Spiegel fehlte noch und bringt das natürlich auch:

Spiegel: Selbstmordserie erschüttert iPhone-Hersteller

Und wieder nur Apple. Nicht RIM (Blackberry; see here). Nicht HP (see here). Nicht Dell (see here). Das Sony Ericson Xperia X1 soll von Foxconn kommen. HTC arbeitet mit Foxconn zusammen. Und viele andere ebenfalls. Wieso wird immer nur Apple genannt?!?

Update 6 (25.05.10):

So, hier auch noch:

Teltarif: Selbstmordserie beim iPhone-Auftragsfertiger reißt nicht ab

Immerhin hat Teltarif schon mal so viel Ahnung, dass die darauf hinweisen, dass Foxconn auch fpr Dell, HP und Sony arbeitet.

Update 7 (25.05.10):

So, jetzt hat die FAZ das auch ....

FAZ: Selbstmordserie in der iPad-Fabrik

Immerhin lernen wir in der FAZ, dass Foxconn auf den Kindle von Amazon herstellt ...

Update 8 (27.05.10):

Ok, die Tagesschau hatte das inzwischen auch und alle anderen auch nochmal, weil sich jetzt ein Zehnter umgebracht hat. Erhöht die Selbstmordrate jetzt auf 8, was immer noch unter dem Schnitt ist.

Einen verlinke ich noch, weil Telepolis mit dem Begriff "iMord-Fabrik" mMn einen neuen Tiefpunkt in dieser Berichterstattung gesetzt hat ...

Telepolis: Netz mit großen Maschen in der iMord-Fabrik

Zahl des Tages (17.05.10): 16.500.000.000


Im Rahmen der Rettungsaktion für die Eurozone haben die drei Beteiligten EU, IWF und EZB unterschiedliche Maßnahmen beschlossen. Wie die Pressekonferenz andeutete, angeblich nicht koordiniert (was einigermaßen unglaubwürdig ist). Die EU-Kommission beantwortete Fragen zum IWF Anteil nicht und die Hilfe der EZB blieb völlig unklar. Erst im Laufe der Zeit klärte sich die Rolle der EZB ein wenig.

Ziemlich überraschend vollführte die EZB eine 180-Grad-Wende. Nur wenige Tage nachdem die EZB selbst Diskussionen über das Thema Anleihenkauf noch kategorisch ausgeschlossen hat, begann die europäische Notenbank dann doch genau damit. Bis zu 50 Mrd. Euro sollen dafür zur Verfügung stehen, offiziell wurde die Zahl aber nie.

Heute meldete die EZB den ersten Zwischenstand: Anleihen im Wert von

16.500.000.000 (16,5 Milliarden) Euro

wurden bisher gekauft.

Das entspricht etwa 2% der ausstehenden Anleihen der vier kritischen Staaten Griechenland, Spanien, Irland und Portugal.

Leider ist der vielleicht interessanteste Punkt nicht bekanntgegeben worden: Von welchem Land hat die EZB wie viele Anleihen gekauft?

Die Kehrtwende der EZB hat dem Euro nicht gut getan. Das Vertrauen in die eigentlich sehr hawkische (strenge) Geldpolitik der EZB ist dahin. Sie greift jetzt zum gleichen Mittel wie die Notenbanken in Großbritannien und den USA und das nur wenige Tage nachdem das noch kategorisch ausgeschlossen wurde. Auch an der Unabhängigkeit der EZB von der Politik wird nun - mit Grund - gezweifelt.

Die EZB hingegen tut alles, um den Eindruck einer laxen Geldpolitik zu vermeiden. Sie versprach die durch die Anleihenkäufe zusätzlich in den Markt gepumpte Liquidität umgehend wieder abzuschöpfen. Die EZB reduziert die wöchentlichen Geldzuteilungen für die Banken um das Volumen der Anleihenkäufe der Eurostaaten.

Aber ob die Käufe der Euroanleihen so kritisch sind, ist umstritten. Manche Beobachter weisen darauf hin, dass die EZB die Märkte sowieso mit Liquidität flutet, da würden ein paar Milliarden zusätzlich auch nicht mehr viel bewirken.

Andersherum entzieht die EZB den Banken über die verringerten Geldzuteilungen Liquidität, was aber kaum kritisch sein dürfte, weil die Banken ja auch die größten Verkäufer der Euroanleihen sein dürften.

Irgendwie fällt mir die Beurteilung schwer. Die Maßnahme an sich erscheint mir deutlich weniger kritisch zu sein als vielfach kommentiert. Der Ansichtsverlust der EZB könnte sich langfristig als deutlich kritischer herausstellen ...

Wenn das Posting kaputt ist, kann ich auch nichts dran ändern. Blogger.com spinnt gerade und es ist jetzt 0:23. Gute Nacht.

Update (18.05.10):

Bei FT Alphaville gibt's noch eine ganze Reihe interessanter Anmerkungen zu der "Sterilisation" der zusätzlichen Liquidität durch die Anleihenkäufe, also dem "Zurückholen" des Geldes. Darauf will ich aber nicht eingehen, das ist ziemlich technisch. Kurz: Die Experten halten davon ziemlich wenig, weil die EZB eh Liquidität en masse zur Verfügung stellt.

Aber ein anderer Punkt ist noch ganz interessant. Die EZB kauft nämlich mit den Griechenbonds Papiere, die Junk sind. Diese wurden zwar auch schon seit ein paar Wochen als Sicherheit akzeptiert und das mag daher nicht überraschen. Ist es aber doch, denn weder die Fed noch die BoE haben im Rahmen ihrer Quantitative Easing Operationen Papiere von so schlechter Qualität in die eigene Bilanz genommen.

Lange hat die EZB die Quantitative Easing Maßnahmen sehr skeptisch betrachtet und jetzt eigentlich in einer noch viel kritischeren Version selber durchgeführt. Hmm. Hmm.

FT Alphaville: Sterilised and scandalised

Zahl des Tages (16.05.10): 25.000.000.000

Hmm, habe eigentlich zwei schöne Zahlen gefunden an diesem Wochenende. Ich nehme mal die Zahl vom US-Immobilienmarkt, auch wenn die Berechnungsmethode ziemlich wacklig ist.

Trulia, ein Internet-Marktplatz für Immobilien in den USA (quasi Immoscout24 auf amerikanisch), hat erhebliche Preisrückgänge im April gemessen. Die Preise der in der Trulia-Datenbank enthaltenen zum Verkauf stehenden Immobilien sind im April um insgesamt

25.000.000.000 (25 Milliarden Dollar)

gesunken. Im Durchschnitt habe die Preisreduzierung bei etwa 10% gelegen.

Puh, 10% in einem Monat sind natürlich heftig und würden am Ende womöglich sogar meine Immowette doch noch mal gefährden.

Allerdings kenne ich die Zahlen von Trulia nicht und kann die daher nicht wirklich beurteilen. Es kann ja auch gut sein, dass Preissenkungen völlig normal sind und der erste eingestellte Preis immer am oberen Ende des möglichen platziert wird und man dann (möglicherweise mehrmals) den Preis senkt, bis sich dann ein Käufer findet. Da die Steuergutschriften für Ersterwerber drohen auszulaufen, waren die Verkäufer unter Umständen auch besonders schnell mit den Preissenkungen, um von der erhofften Kaufwelle noch profitieren zu können.

Naja, wir werden wohl abwarten müssen, bis uns die Experten Ende Juni den Case-Shiller-Preisindex für den April liefern ... Vielleicht sehen wir ja wirklich gerade die zweite Abwärtswelle hin zu einem möglichen Double Dip der Preise am US-Immobilienmarkt ... Aber 10% werden es nie und nimmer ... hoffe ich ...

Bizjournals: U.S. home prices drop by $25 billion

Zahl des Tages (15.05.10): 236

4 weitere Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende. Dabei eine mit einem gewissen Gewicht (Assets von gut 3 Milliarden Dollar), die aber nur einen kleinen Schaden von 216 Millionen Dollar bei der US-Einlagensicherung FDIC verursacht.

US-Bankenpleite Nr. 233

Name: Satilla Community Bank
Sitz: Saint Marys, Georgia
Assets: 136 Millionen Dollar
Käufer: Ameris Bank, Moultrie, Georgia
Schaden für die FDIC: 31 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 137 (rot)

FDIC: Ameris Bank, Moultrie, Georgia, Assumes All of the Deposits of Satilla Community Bank, Saint Marys, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 234

Name: New Liberty Bank
Sitz: Plymouth, Michigan
Assets: 109 Millionen Dollar
Käufer: Bank of Ann Arbor, Ann Arbor, Michigan
Schaden für die FDIC: 25 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 212 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 84 (rot)

FDIC: Bank of Ann Arbor, Ann Arbor, Michigan, Assumes All of the Deposits of New Liberty Bank, Plymouth, Michigan


US-Bankenpleite Nr. 235

Name: Southwest Community Bank
Sitz: Springfield, Missouri
Assets: 97 Millionen Dollar
Käufer: Simmons First National Bank, Pine Bluff, Arkansas
Schaden für die FDIC: 29 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 83 (rot)

FDIC: Simmons First National Bank, Pine Bluff, Arkansas, Assumes All of the Deposits of Southwest Community Bank, Springfield, Missouri


US-Bankenpleite Nr. 236 (Nummer 72 für das Jahr 2010)

Name: Midwest Bank and Trust Company
Sitz: Elmwood Park, Illinois
Assets: 3,17 Milliarden Dollar
Käufer: Firstmerit Bank, National Association, Akron, Ohio
Schaden für die FDIC: 216 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 253 (rot)

FDIC: Firstmerit Bank, National Association, Akron, Ohio, Assumes All of the Deposits of Midwest Bank and Trust Company, Elmwood Park, Illinois

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