Zahl des Tages (30.06.10): -30,0%

Meine Stammleser werden sich schon gefragt haben, wieso ich gestern nicht wie üblich den Case-Shiller-Hauspreisindex gebracht habe. Ganz einfach: Ich wollte den Gewinn der Immobilienwette erst im Stillen genießen ;-)

Bei den gestern gemeldeten Zahlen gab es im April nach fünf schwächeren Monaten (März: -0,5%, Feb: -0,9%, Jan: -0,4%, Dez: -0,2% und Nov: -0,2%) mal wieder ein Plus von 0,8%. Das Jahresplus liegt nun bei 3,8%. Der für die Wette entscheidende Gesamtrückgang im City-20-Index vom Hoch aus gesehen beträgt jetzt genau

30,0%.

Für die letzten paar Monate habe ich damit noch einen Puffer von 10%. Da passiert nix mehr.

Beeindruckend auch die Breite im Index: 18 von 20 Städten lagen im Plus.

Natürlich war der April der letzte Monat, in dem die Steuergutschrift für Erstkäufer gewährt wurde. Dieser Monat wird daher ziemlich verfälscht sein. Danach kann ich mich auch gut wieder ein Übergehen in den Sinkflug vorstellen. Und ich würde nicht einmal ausschließen (auch wenn ich es für ziemlich unwahrscheinlich halte), dass die 40%-Marke noch gerissen wird. Aber halt nicht mehr im Zeitraum der Wette.

Die von der Immobilienbörse Trulia gemeldeten Preisrückgänge von 10% im April können wir mit der Meldung des Case-Shiller-Index auch vergessen (ZAHL DES TAGES (16.05.10): 25.000.000.000). Da war wohl nur jemand scharf auf Presseerwähnungen ... (hat aber geklappt ...)

Calculated Risk: Case-Shiller: House Prices increased in April due to tax credit

oder direkt von der Quelle:
S&P: While Most Markets Improved in April 2010, Home Prices Do Not Yet Show Signs of Sustained Recovery According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices(PDF!)

Blogger haben keine Ahnung von Wirtschaft ...

Tja, sagt zumindest ein Wissenschaftler von der Fed. Er meint, dass der Wert der meisten Aussagen von Bloggern gegen Null gehen würde. Die Beurteilung der Daten wäre schon wenig hilfreich, weil sich Blogger auf viel zu simple Modelle und Zusammenhänge stürzen würden. Noch viel weniger könne man irgendwelche neuen Erkenntnisse von Bloggern erwarten.

Gerade in den USA macht eine solche Aussage natürlich eine relativ große Welle durch die Blogosphäre. In Deutschland ist der Reaktion vergleichsweise harmlos. Ich habe das Gefühl, dass sich die Teile der Blogosphäre, die ich schätze, auch weniger um diese "Grabenkriege" kümmern, sondern mehr darum, das zu machen, was sie sonst auch machen: Verständlich über Wirtschaftsthemen zu bloggen - zu erklären, nachzudenken, zu reflektieren und mit den Leser darüber zu diskutieren. (Und ab und an gegen die 50 Volkswirte, die das WSJ befragt, auf eine Rezession zu wetten und damit sogar Recht zu behalten (auch wenn ich die Wette dank der Bedingungen verloren haben), siehe Die egghat'sche Rezessionswette (verloren)).

Die Aufgabe der Wirtschaftsblogger, die ich schätze, ist sowieso viel mehr die eines Journalisten als die eines Wissenschaftlers. Daher geht die Kritik des Fed-Menschen mMn völlig am Thema vorbei. Der hätte genauso gut schreiben können, dass man Handelsblatt, Financial Times und Wall Street Journal  abbestellen könne, weil da ebenfalls nicht ausschließlich Volkswirte mit mindestens einem Doktortitel schreiben.

Ganz nebenbei habe ich mich sowieso nie als Wissenschaftler gesehen (ich bin doch nicht größenwahnsinnig). Daher werde ich mich in die Diskussion auch nicht weiter einmischen, obwohl ich es natürlich mit diesem Artikel irgendwie schon getan habe.

Weissgarnix: Blogger verstehen nix von Wirtschaft

Das beste an der Diskussion ist sowieso, dass Thomas Knüwer (ehemals Handelsblatt) mein Blog als lesenswert beschrieben hat:

Indiskretion Ehrensache: Erklär mir die Ökonomie

UK: Immobilienpreise 06/10: +0,1% (Vm), +8,7% (Vj)

Der Immobilienmarkt in Großbritannien erholt sich weiter. Der von mir bevorzugte Nationwide Index zeigt ein kleines Plus von 0,1% im Juni 2010 an. Im ersten Halbjahr legten die Preise um insgesamt 3% zu, in den letzten 12 Monaten um 8,7%.

Auch wenn die schnelle Aufholjagd der Immobilienpreise in Großbritannien beeindruckend (und überraschend) ist, muss man doch eine deutliche Abschwächung des Aufwärtstrends zur Kenntnis nehmen. Im Mai betrug das Jahresplus noch 9,8%, im April sogar 10,5% (ZAHL DES TAGES (29.04.10): 10,5).
Im 2. Halbjahr 2009 gab es fast 6% Plus, im 1. Halbjahr 2010 nur noch 3%, also ungefähr die Hälfte.

Aber Jammern ist sicherlich nicht angebracht. Die USA würden sich über solche Zahlen freuen.

Überraschend finde ich übrigens, dass die Megablase geplatzt ist, ohne dass die Preise nach unten "übergeschossen" sind. In einem Crash sinken die Preise meistens deutlich unter die eigentlich fairen Niveaus. Das ist im Fall des britischen Immobilienmarkts aber ausgeblieben:

Die Preise haben ziemlich genau am langfristigen Aufwärtstrend gedreht und ein Überschießen nach unten (wie in den 90er Jahren) blieb aus, obwohl vorher ein ähnlich starker Anstieg zu verzeichnen war.
In Großbritannien hat das dazu geführt, dass Immobilien alles andere als preiswert sind. Das durchschnittliche Haus kostet schon wieder etwa 5,5 Jahresgehälter, was deutlich über dem langfristigen Mittel der letzten drei Jahrzehnte liegt.



OK, einfach nur den Hauspreis mit dem Einkommen zu vergleichen, greift etwas kurz, weil die Höhe der Zinsen entscheidend ist. Bei einem Zins von 8% kann bei einer monatlichen Zahlung von 1.000 Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren ein Hauspreis von knapp 130.000 Euro finanziert werden, bei einem Zins von 6% aber 155.000 Euro. Dummerweise machen in einer Marktwirtschaft die Preise dann relativ schnell das, was der niedrige Zins ermöglicht: Die Immobilienpreise steigen (zumindest solange sich auf der Angebotsseite nichts Dramatisches tut).

Die Frage, warum die niedrigen Zinsen in Großbritannien ihre positive Wirkung entfalten, in den USA hingegen nicht, kann man wohl auch über die Angebotsseite erklären. Wahrscheinlich liegt es an dem deutlich niedrigeren Immobilienangebot im Königreich. Gerade der Großraum London ist dicht, dicht, dicht. Dort gibt es kaum zusätzliches Angebot, außer in "Really Greater London" (janz weit draussen), von wo aus man aber 1,5 Stunden zur Arbeit fährt ... Und das zweimal am Tag. Da zahlt man lieber (eigentlich unvernünftige) Preise ... Dazu passt auch die Information, dass in London bereits vor einiger Zeit die alten Höchststände bei den Immobilienpreisen wieder überwunden wurden ( Zahl des Tages (30.10.09): +2,0%).
In den USA hingegen sind die Suburbs flächenmäßig so umfangreich, dass dort quasi problemlos neues Angebot hinzugefügt werden kann. Und das ist in der Immobilienblase auch in unvorstellbarem Ausmaß passiert. Das ist das Angebot, das in den USA weiterhin auf die Preise drückt. Und das ist das Angebot, das es in Großbritannien nie gab.

U.K. house prices up 0.1% in June: Nationwide Economic Report - MarketWatch

oder direkt von der Quelle:

Nationwide: House prices rise 3% in first half of the year (PDF!)

Zahl des Tages (29.06.10): 213.000.000.000

Immer *nur* Spanien und Griechenland ist auch langweilig. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Grauen liegt so nah?

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC (PriceWaterhouseCoopers) hat die Bilanzen der europäischen Banken unter die Lupe genommen (Stand Ende 2009) und auf Problemkredite untersucht. Problem heisst dabei, dass der Kredit nicht mehr pünktlich bedient wird (non performaning loan). Die relativ überraschende Erkenntnis: Die absolute Summe ist nicht in Spanien oder Großbritannien am größten, sondern in Deutschland.

Auf satte

213.000.000.000 (213 Milliarden) Euro

schätzt PWC die Non Performing Loans in den Bilanzen der deutschen Banken. Das sind etwa 50% mehr als Ende 2008.

In Großbritannien ist die Summe der Problemkredite von 107 auf 155 Mrd. Euro ebenfalls stark gestiegen (+44%). Etwas schwächer war das Plus in Italien (+40% von 42 auf 59 Mrd. Euro) und geradezu harmlos der Anstieg in Spanien um 30% von 75 auf 97 Milliarden.

Jetzt ist die deutsche Volkswirtschaft auch um Einiges größer als die von Spanien und es ist daher ganz hilfreich, wenn man die Summen mit dem BIP relativiert.

So here we go (in Mrd. Euro, 2009)

Deutschland: 2.407
Großbritannien: 1.566
Italien: 1.520
Spanien: 1.051

Das macht in Deutschland 8,8% des BIPs, in Großbritannien 9,9% des BIPs, in Italien 3,9% und in Spanien 9,2% des BIPs.

Italien ragt eindeutig heraus, aber Deutschland in einer Liga mit Großbritannien mit Spanien? Ob das dem Ackermann gefällt?

(Die Rechnung sollte man nur als Ansatzpunkt für eine Relativierung nehmen. Der sinnvollere Parameter wäre die Bilanzsumme der Banken gewesen, aber da fehlen mir die Zahlen ...)

PWC hat die Zahlen errechnet, weil sie sich beim Verkauf der Non-Performing-Loans ein gutes Geschäft versprechen. Die Dinger müssen ja bewertet werden, was dann ein Job für PWC wäre. Und die Summen, um die es geht, sind ja auch ganz ansprechend ... Und mit der Abwicklung der Kredite in den Bad Banks wird PWC (und die Konkurrenten) eine Menge zu tun bekommen.

PWC: Deutsche Banken haben die meisten Problemkredite

Ein spannendes Monatsende liegt vor uns

Es gibt zwei große Termine in den kommenden Tagen, die aus europäischer Sicht ziemlich viel Spannung versprechen. Beide sind eigentlich "Zahl des Tages" tauglich, aber ich verschwende die hier einfach mal sinnlos ;-) (OK, eigentlich bleiben sie ja noch Zahl des Tages fähig, weil der konkrete Wert ja erst noch festgestellt wird ...)

a) Am Donnerstag läuft das 12-monatige Refinanzierungsgeschäft der EZB aus, über das die EZB den Banken in Europa 442 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt hat (siehe ZAHL DES TAGES (24.06.09): 442.241.000.000). Es gilt als ausgemacht, dass die EZB einen gehörigen Teil des Geldes wieder einsammelt, sprich im neuen Geschäft (das dann planmäßig drei Monate laufen soll) deutlich weniger Geld zur Verfügung stellen wird.

Spannend daran ist die Interpretation: Man könnte geneigt sein, eine weiterhin großzügige Liquiditätszufuhr positiv zu bewerten, weil sich die Banken dann weiterhin unproblematisch refinanzieren können. Die Analysten in London werten es aber genau anderes herum als Krisenzeichen, weil die EZB mit einer großzügigen Liquiditätszufuhr das Signal sendet, dass die Banken sich immer noch nicht untereinander trauen und sich (wie normalerweise üblich) gegenseitig Geld leihen. Die Deutsche Bank schätzt, dass ziemlich genau die Hälfte des alten Liquiditätstenders (222 Mrd. Euro) übergerollt sprich verlängert werden.  Die DeuBa würde alles unter 150 Mrd. als positiv, alles über 300 Mrd. als negativ bewerten.

Sonderlich schwierig würfte das Einsammeln der Liquidität nicht werden. Einen großen Teil des Geldes haben die Banken direkt wieder bei der EZB geparkt oder alternativ in etwas länger laufende Anleihen angelegt. Besonders beliebt waren dabei die Anleihen der PIGS-Länder, weil diese so gute und vermeintlich risikofreie Rendite versprachen. Naja, den Carrytrade hätten sich die europäischen Banken wohl besser gespart.

Auch wenn allgemein davon ausgegangen wird, dass die Liquidität relativ problemlos wieder eingesammelt werden kann, muss man auf die PIGS Länder doch genauer schauen, besser gesagt auf die Banken dort. Diese haben sich nämlich vorwiegend aus den neuen Geldtöpfen der EZB bedient. Darauf habe ich auch schon ein paar Mal hingewiesen (u.a. hier: ZAHL DES TAGES (25.06.10): 10,06). Dort droht also durchaus eine gewisse Gefahr.

FT Alphaville: Numbers for LTRO-watchers

Der zweite Grund, warum das Monatsende spannend wird, ist der Rauswurf der griechischen Staatsanleihen aus vielen wichtigen Rentenindizes, weil die Anleihen auf Junkstatus gefallen sind. Auch das hatte ich als Erklärungsversuch für den erneuten und deutlichen Renditeanstieg in der oben genannten Zahl des Tages schon erwähnt.

Experten gehen davon aus, dass durch die indexorientierten Verkäufe griechische Staatsanleihen im Wert von 20 bis 30 Mrd. Euro auf den Markt kommen werden. Käufer dafür gibt es nicht sonderlich viele, daher wird wohl vor allem die EZB wieder die Hände aufhalten.

Die EZB hat bis zum vorletzten Wochenende Staatsanleihen für 51 Mrd. Euro gekauft (siehe ZAHL DES TAGES (21.06.10): 51.000.000.000), das Tempo inzwischen aber deutlich verlangsamt. In der letzten Woche kamen nur relativ bescheidene 4 Mrd. dazu.

Das dürfte sich diese Woche aber ändern. Und dabei kann man wohl auch davon ausgehen, dass der Anstieg bei der nächsten Zahl, die die EZB meldet, vorrangig auf griechische Staatsanleihen zurückzuführen ist. Werde ich verbloggen.

Handelsblatt: EZB spielt Feuerwehr für Griechenland

Beide Punkte könnten sich übrigens auch so gut ergänzen, dass beide Geschäfte völlig reibungslos verlaufen. Die EZB könnte fixe Ankaufskurse für  griechische Anleihen stellen. Die griechischen Banken könnten dann die EZB als Ablagestelle für die griechischen Staatsanleihen nutzen und mit dem Erlös die von der EZB geborgte Liquidität zurück zahlen.

Das wäre natürlich ein klassischer Bailout, denn die griechischen Banken hätten so einen ziemlich risikoreichen Carrytrade auf Kosten der EZB mit Ehren wieder abgewickelt. Aber wer will sich darüber noch aufregen ...

Update (16.59):

Interessanterweise lassen sich die Griechen weder von den Zinsen von mehr als 10% für die zweijährigen, noch von den Rekordpreise für die Kreditausfallversicherungen (CDS) schrecken und wollen selber Geld aufnehmen:

FTD: Nach 110-Mrd.-Euro-Rettung: Griechen spielen Geldmarkt-Vabanque

Update (30.06.10):

Vorläufige Entwarnung am Geldmarkt?

Beim heutigen Liquiditätstender haben sich die europäischen Banken deutlich weniger Geld bei der EZB geliehen als erwartet. Es wurden nur etwa 132 Mrd. Euro aufgerufen statt wie erwartet mehr als 200 Mrd. Euro. Das liegt sicherlich auch an dem 6-Tages-Tender mit unbegrenztem Volumen, den die EZB für morgen eingeschoben hat (wenn doch jemand klamm werden sollte ...)

Handelsblatt: Nachfrage nach Liquidität fällt gering aus

Zahl des Tages (28.06.10): -0,2%

Dass die Notenbanken Geld drucken wie verrückt und die Anleger dadurch Angst vor Inflation haben, lässt sich ja schon bei einem kurzen Blick auf den Goldchart erkennen. Der Goldkurs liegt in allen Währungen der Welt ganz nahe an den historischen Höchstkursen.

Ich bin aber noch lange nicht davon überzeugt, dass wir direkt vor einer Inflation stehen. Ich sehe zwar die Unmengen Geld, die die Notenbanken in Umlauf bringen und bin mir auch der dadurch ausgelösten Gefahren bewusst, aber bisher ist weder von Preissteigerungen etwas zu sehen (siehe auch: D: Verbraucherpreise 06/10: +0,1% Vm, +0,9% Vj), noch ist im Indikator Geldmenge etwas zu erkennen.

Nach den Theorien der Monetaristen ist eine Geldmenge, die stärker steigt als die Wirtschaftsleistung, immer gefährlich und löst sich meistens in steigenden Preisen, sprich Inflation auf. Auch wenn die Theorien (wie so ungefähr alles in der Ökonomie) umstritten sind, lohnt es sich doch, einen Blick auf die Geldmenge zu werfen. Denn wenn die Geldmenge nicht steigt, kann es eigentlich kaum Inflation geben. Und wenn die Geldmenge zu schwach steigt, steht der Wirtschaft (und den Verbrauchern) zu wenig Geld für Wachstum und Konsum zu Verfügung.

Daher ist das heute gemeldete Wachstum der Geldmenge M3 in Europa von

-0,2%

kein gutes Zeichen.




In den USA sieht es auch nicht besser aus. Dort hat die letzte Veröffentlichung der Geldmenge M3, die nicht mehr offiziell, sondern nur noch inoffiziell von Shadowstats berechnet wird, einen annualisierten Rückgang von 5,9% ausgewiesen. In den USA sinkt die Geldmenge also noch dramatischer.

Dass das auch nicht in der Theorie, sondern auch in der Praxis zu den sinkenden Krediten an Firmen führt, kann man an einer Grafik im folgenden Artikel schön erkennen. Die Kredite an Unternehmen sind danach in den letzten 2 Jahren um ungefähr 400 Mrd. Dollar (oder etwa ein Viertel) gesunken. Eine Basis für starkes Wachstum und/oder Inflation sieht anders aus.

Creditwritedowns: The Risk of Recession

Kurz- und mittelfristig dürfte die Inflation kein Problem sein. Kritisch wird es erst, wenn die gedruckten Geldmassen in den Wirtschaftskreislauf kommen. Den Auslöser dafür sehe ich aber nicht. Im Gegenteil: Die Sparprogramme der Regierungen wirken genau in die gegengesetzte Richtung.

Update (29.06.10):

Interessanterweise sehen die Anleger in TIPS (inflationsgesicherten Anleihen) aus dem Dollarraum ebenfalls Inflation:

Etwa 1,8% für die nächsten 5 Jahre und 2,2% für die nächsten 20 Jahre. Beides liegt spürbar über der aktuellen Kern-Inflation, allerdings in der Ecke, wo auch die Gesamtinflation liegt.

TIPS-implied inflation still muted, buy TIPS over Nominal Treasuries.

Wieder eine große Immobilienpleite in Spanien

Nicht ganz so groß wie die 7 Mrd. Pleite von Martinsa Fadesa 2008 (JETZT RAPPELT'S IN SPANIEN ...), aber mit 1,8 Mrd. Euro Schulden auch keine Klitsche.

Angesichts der Immobilienpreisrückgänge in Spanien wird es nicht die letzte bleiben. Dazu ist einfach zu viel gebaut und zu viel über Kredite finanziert worden und anschließend die Preise zu stark eingebrochen.

Sacresa-Gruppe: Drittgrößte Immobilienpleite Spaniens | FTD.de

Der ECRI Frühindikator: Wo steht er? Was sagt er?

Mal ein Paar Linkhinweise auf ein spannendes Thema, das ich hier auch schon angeschnitten habe

a) Der ECRI-Frühindikator, der hier vor zwei Wochen mal Zahl des Tages war (egghat's blog: Zahl des Tages (14.06.10): -3,5), ist weiter ins Minus gefallen. Er steht jetzt bei einer annualisierten "Wachstums"Rate von -6,9%. Das bleibt weiter zu beobachten.

Creditwritedowns: ECRI Weekly Index falls to a 56-week low of -5.8

Das Ausmaß des Rückgangs ist auf jeden Fall schon historisch. Solche Rückgänge gab es bisher nur in bzw. ganz kurz vor einer Rezession. Dieses Mal muss man aber einschränkend hinzufügen, dass die Erholung vor dem Absturz auch extrem stark war. Ein Teil des Rückgangs würde ich als Normalisierung werten. Was nicht heisst, dass der negative Stand unkritisch ist. Je länger und je tiefer der ECRI fällt, desto wichtiger wird dessen Aussage.

Creditwritedowns: John Mauldin: The Risk of Recession

(Mauldin ist aber eher Perma-Bär, also nicht wundern, wenn er viele Indikatoren findet, die auf eine Rezession hindeuten. Er findet immer welche ...)

b) Ein Artikel der Bank of America, der den ECRI kritisiert:

BAC-MER- ECRI No Grail (PDF!)

c) Ein Artikel über den ECRI-Indikator, der von einem der Schöpfer stammt:

Big Picture: ECRI Weekly Leading Indicators Widely Misunderstood

d) Ein Artikel, der die ganze Diskussion über einen möglichen Double Dip der US-Wirtschaft ganz gut zusammenfasst:

The Big Picture: Double Dip Debate Escalates

So, da haben auch die Fußballnichtinteressierten ein wenig Lesefutter :-)

Zahl des Tages (27.06.10): 1,1

Aha, der 19% Professor meldet sich wieder (ZAHL DES TAGES (11.06.10): 5):

FTD: Britischer Finanzprofessor sagt deutschen Sieg voraus

Immerhin hatte er England in der Gruppe auf Platz 2 und damit schonmal Recht. Darauf weist die FTD auch hin, immerhin hat sie die Prognosen exklusiv eingekauft. Allerdings meldete eine andere Quelle auch, dass nach seiner Studie das Finale Serbien gegen Brasilien lauten soll. Das halte ich jedoch nach dem Ausscheiden Serbiens für relativ ausgeschlossen ;-). Und Südkorea seit gestern ebenfalls ...

Die anderen Viertelfinalpartien sollten

Italien - Spanien
Holland - Brasilien
Südkorea - Serbien
Frankreich - Deutschland

sein. Ok, ok, so doll waren die Prognosen nicht, aber wenn er doch sagt, dass nach seinem mathematischen Modell die Deutschen 0,04 Tore besser seien als die Engländer, glaube ich dem Herrn Professor trotzdem gerne ;-)

Aber Prognosen sind halt schwierig. Vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

Wenn man sich zum Beispiel das Fußball-WM Tippspiel anschaue, bei dem ich mitmache, bin ich doch einigermaßen überrascht, wie wenig Punkte dort im Schnitt geholt werden.

Ich liege nach 50 Spielen mit 49 Punkten immerhin auf Platz 7, habe damit aber weniger als einen Punkt im Schnitt geholt. Bei einem Punkt für die richtige Tendenz (Sieg, Unentschieden, Niederlage), zwei Punkten für die richtige Tordifferenz und drei Punkten für ein komplett richtiges Ergebnis hätte ich mit mehr gerechnet. Von den grob 80 noch mitspielenden Tippern haben nur 5 mehr als einen Punkt im Schnitt geholt. Der aktuell Führende hat nur

1,1 Punkte pro Spiel

ertippt.

Ich hätte eher mit 1,5 Punkten oder so für den Führenden gerechnet, aber scheinbar überschätzt man die Prognosemöglichkeiten beim Fußball massiv. Ein großer Teil ist halt doch Zufall (siehe auch ZAHL DES TAGES (11.06.10): 5).

Und noch ein kleines Update zu den Einschaltquoten in den USA (ZAHL DES TAGES (18.06.10): 17.100.000). Diese blieben (zumindest bis zum Ausscheiden des US-Teams) hoch. Die Einschaltquoten liegen im Durchschnitt noch immer 68% über dem Niveau der letzten WM.

Marketwatch: Ratings for USA's World Cup matches up 68% from '06
Tagesschau: "Sport für Viertklässler" gewinnt Anhänger

Dass die Fußballbegeisterung aber noch nicht bis in die professionellen Bereiche durchgedrungen ist, zeigt die Tagesschau mit einer kleinen Anekdote: Mangels Fußballexperten unter den Sportmoderatoren haben die US-Fernsehketten diese einfach auf Großbritannien importiert ...

Keine Musik heute. Ihr müsst selber singen:
SingStar Fussballhits (Playstation 3)
SingStar Fussballhits (Playstation 2)
;-)
(Wer kauft denn sowas? Zum Singen kann man doch ins Stadion gehen ...)

Zahl des Tages (26.06.10): 250

Drei Bankpleiten an diesem Wochenende (wegen Festivitäten keine weiterer Text ;-) )

US-Bankenpleite Nr. 248

Name: First National Bank
Sitz: Savannah, Georgia
Assets: 252 Millionen Dollar
Käufer: The Savannah Bank, National Association, Savannah, Georgia
Schaden für die FDIC: 69 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 41 (rot)

FDIC: The Savannah Bank, National Association, Savannah, Georgia, Assumes All of the Deposits of First National Bank Savannah, Georgia


US-Bankenpleite Nr. 249

Name: Peninsula Bank
Sitz: Englewood, Florida
Assets: 644 Millionen Dollar
Käufer: Premier American Bank, Miami, Florida
Schaden für die FDIC: 195 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 24 (rot)

FDIC: Premier American Bank, Miami, Florida, Assumes All of the Deposits of Peninsula Bank, Englewood, Florida

US-Bankenpleite Nr. 250

Name: High Desert State Bank
Sitz: Albuquerque, New Mexico
Assets: 80 Millionen Dollar
Käufer: First American Bank, Artesia, New Mexico
Schaden für die FDIC: 21 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 11 (rot)

FDIC: First American Bank, Artesia, New Mexico, Assumes All of the Deposits of High Desert State Bank, Albuquerque, New Mexico

Zahl des Tages (25.06.10): 10,06

Dass das Thema so schnell wieder auf den Tisch kommt, hätte ich auch nicht gedacht. Schon wieder Griechenland ...

Da muss man sich doch wundern: Die Eurozone schnürte ein riesiges Rettungspaket, der Rentenmarkt reagiert umgehend und die Renditen und Risikoaufschläge sanken massiv (GRIECHENLAND TICKER: 10-JÄHRIGE ANLEIHE: 6,42% (-603(!!!) BASISPUNKTE).
Allerdings schon damals für mich und einige Beobachter nur relativ schwach. Immerhin haben die Länder der Eurozone den Griechen ein Rettungspaket geschnürt, das den Griechen eine vergleichsweise unproblematische Refinanzierung der Altschulden ermöglicht. Zwar mit einem Zinsaufschlag für bis zu dreijährige Anleihen von gut 300 Basispunkten auf den Durchschnittszins der Eurozone, aber immerhin. Etwas oberhalb dieses Niveaus pendelten sich die Zinsen für die griechischen Staatsanleihen dann auch ein.

Das fand ich schon einigermaßen überraschend, denn eigentlich hatte die Eurozone den Griechen doch das Refinanzierungsrisiko für 3 Jahre abgenommen und (nach und nach) die alten Anleihen durch neue ersetzt, für die dann die gesamte Eurozone haftet. Müsste nicht zwangsläufig der Zins für die kurzlaufenden Anleihen viel weiter in Richtung des Durchschnittsniveau der Eurozone sinken? Man hätte glatt über eine Spekulation darauf nachdenken können.

Das wäre aber ziemlich schief gegangen. Denn gestern sind die Renditen der griechischen Staatsanleihen wieder über 10% gestiegen, sowohl bei den zehnjährigen (10,57%), wie auch bei den kurzen Laufzeiten. Die zweijährigen werfen inzwischen wieder

10,06%

Rendite ab. Das ist zwar deutlich unter den Höchstständen bei 18% (siehe GRIECHENBONDS-TICKER: NOCH MEHR DRAMA BABY), aber eben auch schon wieder deutlich mehr als die 7%, die kurz nach dem Schnüren des Rettungspakets gezahlt wurden.

Mich verwundert weiterhin, dass die Märkte so hohe Renditen von den griechischen Bonds verlangen. Scheinbar trauen sie dem Rettungspaket keinen Millimeter weit.

Was macht die Anleger so nervös?

Sind es die Kündigungsmöglichkeiten für die Griechenland-Kredite, die den anderen schwachen Ländern eingeräumt werden, wenn diese selbst unter zu stark steigenden Zinsen leiden (siehe GRIECHENLAND NOTKREDITE KÖNNEN GEKÜNDIGT WERDEN)?

Ist es die Herabstufung Griechenlands auf Junk-Niveau (MOODY'S SENKT GRIECHENLAND AUF JUNK, womit einige Anleger zwangsweise aussteigen müssen, weil sie nur in Anleihen guter und bester Qualität investieren dürfen?

Oder ähnlich gelagert: Sind es Anleger, die die griechischen Staatsanleihen verkaufen müssen, weil die Anleihen durch die Herabstufung aus bestimmten Rentenmarktindizes fliegen und jetzt wieder unter "Emerging Markets" geführt werden (siehe FT Alphaville: Greek government bonds go back to the EM indices?

Oder ist es das Auslaufen eines großen Finanzierungsgeschäft der EZB am Monatsende, bei dem die Verlängerung noch unklar ist? Zur Erinnerung: Die griechischen Banken haben seit Beginn der Krise 2008 ihre Kredite bei der EZB um 78,1 Milliarden Euro erhöht. Man könnte auch fast sagen, sie finanzieren sich nur noch über die EZB. Zum Vergleich: Die deutschen Banken haben sich im gleichen Zeitraum nur 17,8 Mrd. Euro zusätzlich bei der EZB geliehen und das obwohl die deutschen Banken wesentlich größer sind ...

Am Ende sind es aber doch wohl eher ganz schlichte Spekulationen über eine Schuldenrestrukturierung, die Griechenland trotz des Rettungspakets anstreben könnte. Zumindest sind die Preise für die Kreditausfallversicherungen (CDS) heute auf neue Rekordhochs gestiegen. Bereits gestern wurden erstmalig Kurse von knapp unter 1.000 Basispunkten verzeichnet (FT Alphaville: Fun with Greece CDS ahead of index reshuffles) , heute ging es laut FTD sogar weiter auf 1.140 Basispunkte nach oben. Das ist das Niveau von Venezuela!

Ich bin verwirrt. Sicherheitshalber begebe ich mich in die Gesellschaft der Politiker und schimpfe jetzt einfach mal auf die 73% bösen Spekulanten, die fies gegen Griechenland spekulieren ... Die sind's schuld!

FTD: Kapitalmarkt lässt Griechenland fallen

Zahl des Tages (24.06.10): 138

Hmm, schon wieder Vermischtes, genauer gesagt Sport? Irgendwie blöd, aber angesichts dieses unglaublichen 5. Satzes in Wimbledon muss ich das einfach mal bringen ...

Nachdem der bisherige Rekord im 5. Satz bei einem Grand-Slam-Turnier bei 14:16 Spielen (normalerweise endet ein Satz nach 6 oder 7 gewonnenen Spielen) lag, haben sich heute John Isner und Nicolas Mahut im 5. Satz mit 70 zu 68 also nach

138 Spielen

getrennt.

Die beiden haben insgesamt mehr als 11 Stunden gespielt. Das Match begann am Dienstag und wurde im 4 Satz zum ersten Mal unterbrochen. Dann ging es den ganzen Mittwoch weiter, bevor beim Stand von 59:59 wegen Dunkelheit wieder unterbrochen wurde. Heute ging es noch eine gute Stunde weiter, bevor dann Mahut sein erstes Aufschlagspiel abgeben musste und anschließend auch direkt das gesamte Match verlor (die haben wirklich beide vorher alle 68 eigenen Aufschläge durchgebracht).

Neben dem längsten Match aller Zeiten haben die beiden auch noch Platz 1 und 2 in der Rangliste der meisten Asse abgesahnt.

Spiegel: Isner gewinnt Elf-Stunden-Marathon-Match

P.S. Elfmeterschießen können theoretisch auch unendlich dauern. Aber nicht bei Deutschland gegen England. Wir haben schließlich den Poldi ;-)

Zahl des Tages (23.06.10): 25%

Tja, da habe ich doch noch eine Zahl des Tages gefunden, die zum Thema Fußball passt.

Leider keine schöne, denn ich muss mit einem Mythos aufräumen: Dem Mythos der deutschen Fußballnationalmannschaft als Turniermannschaft. Wissenschaftler von der Uni Duisburg-Essen (sagt nix gegen die, da habe ich auch studiert ;-) ) haben untersucht, wie sich das Abschneiden der Fußballnationalmannschaften vor und während der großen Turniere unterscheidet. Und das erschreckende Ergebnis: Nur bei

25%

der Turniere seit 1994 war die deutsche Nationalmannschaft im Turnier besser als in den Spielen der 4 Jahre zuvor.

Und es wird noch schlimmer: Beim Turnier besser als in den Spielen vorher waren die (hüstel) Holländer (70%), die Engländer (67%) und (lach!) die Franzosen (57%).
Die Holländer als Turniermannschaft? Diesmal vielleicht: Nicht toll spielen, aber souverän gewinnen.

Gute Chancen hat lat der Studie auch Südafrika und spätestens jetzt befördern wir die Studie besser in die Rundablage und lassen besser das Abschneiden von der Währungskursen prognostizieren (ZAHL DES TAGES (11.06.10): 5).

Uni DuE: Mythos Turniermannschaft

Und noch etwas Musik:


Zahl des Tages (22.06.10): 8,3

Heute gab es wieder eine der zwei wirklich wichtigen Zahlen vom US-Immobilienmarkt: Die Daten über die Verkäufe von existierenden Häusern.

Im Mai wurden annualisiert 5,66 Millionen Häuser verkauft. Das war zwar ein kräftiges Plus gegenüber dem Mai 2009 (+19,2%), gegenüber dem April aber ein überraschendes (wenn auch kleines) Minus von 2,2%. Damit wurde eigentlich nicht gerechnet, denn die Förderprämie für Erstkäufer hätte im Mai eigentlich noch wirken müssen. Und irgendwie wirkte sie auch noch, denn der Anteil der Erstkäufer bleibt mit 46% (Vormonat 49%) weiterhin hoch.

Es droht daher ein wenig die Gefahr, dass der Anstieg des ersten Halbjahrs zu einem Teil auf die Steuergutschrift und zum anderen auf die normale saisonale Entwicklung zurückgeht. Beides wäre nicht gut, weil nicht nachhaltig. Dann könnte im zweiten Halbjahr eine neue Abwärtswelle drohen.

Dass der Mai kein wirklich guter Monat war, zeigt auch der Lagerbestand. Die Zahl der zm Verauf stehenden Häuser sank zwar um 3,4% auf 3,89 Millionen. Weil aber auch die Umsätze fielen, ging der Lagerbestand in Monatsumsätzen, die mMn wichtigste Zahl nur leicht von 8,4 im April auf

8,3 Monate

im Mai zurück.

Wenn man mit dem Vorjahresmonat vergleicht, stellt man sogar fest, dass der Lagerbestand inzwischen wieder höher als 2009 liegt.

Alles in allem ein schwacher Bericht. Sowohl von der Förderprämie als auch vom saisonalen Faktor hätte man eigentlich mehr positive Effekte erwarten dürfen. Die Immowette gewinne ich trotzdem ;-)

NAR: May Shows a Continued Strong Pace for Existing-Home Sales
Calculated Risk: Existing Home Sales decline in May
Calculated Risk: Existing Home Sales: Inventory increases Year-over-Year

Schon 3 Mio. iPads verkauft

Und gegen meine optimistische Einschätzung nimmt das Tempo der Verkäufe sogar noch zu. Die erste und zweite Millionen brauchten jeweils etwa 30 Tage, die dritte nur noch 20 Tage.

Wow! 3 Millionen iPads in 80 Tagen. Das habe ich in meinen optimistischsten Prognosen nicht erwartet.
Ich habe eher mit 1 bis 1,5 Millionen in den ersten 2 Monaten, dann nochmal 1 bis 1,5 Millionen in den 3 Monaten danach und dann einem Boom zum Weihnachtsgeschäft gerechnet. Und dann sollten es 5 Millionen werden oder eben auch nicht.

Egal ;-) Die Wette ist durch.

Apple: iPad Sales Hit 3M Units - Tech Trader Daily - Barrons.com

Zahl des Tages (21.06.10): 51.000.000.000

Nach dem die EZB lange einen direkten Eingriff in den Bondmarkt wie in den USA oder Großbritannien abgelehnt hat, wurde diese grundsätzliche Meinung innerhalb von nur drei Tagen revidiert. Schon in der darauffolgenden Woche begann die EZB mit dem Kauf von Staatsanleihen der kritischen Länder (vgl.ZAHL DES TAGES (17.05.10): 16.500.000.000).

Dafür dass die europäische Notenbank soooo lange soooo skeptisch war, macht der Wert der angekauften Anleihen inzwischen ein erkleckliches Sümmchen aus. Ende letzter Woche waren es

51.000.000.000 (51 Milliarden) Euro.

Leider finde ich die Zahlen nicht direkt bei der EZB. Wenn jemand zufällig weiss, wo das auf ecb.eu steht, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar. Mich würde zum Beispiel brennend interessieren, *was* die EZB gekauft hat. Olaf von Traders Quest hat in einem Kommentar vermutet, dass hinter der erfolgreichen Versteigerung von spanischen Staatsanleihen in der letzten Woche die EZB als Käufer stecken könnte. Das wäre durchaus plausibel ...

Dass die Notenbank die Anleihen nie kaufen wollte und es eigentlich auch weiterhin nicht will, macht die EZB andauernd klar. Daher kann man die Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark ernst nehmen. Man kann sie aber auch mit einem Schulterzucken abtun, denn was die EZB sagt und was sie tut, sind leider inzwischen zwei Paar Schuhe. Daher: Wenn Stark sagt, dass er nicht mehr viel mehr Staatsanleihen kaufen möchte, bedeutet das nur noch ziemlich wenig ...

FTD: EZB will Staatsanleihenkauf drosseln

Zahl des Tages (20.06.10): 73

Bekanntlich sind ja alle Leute, die auf irgendetwas spekulieren, was Politikern nicht in den Kram passt, böse. Im anderen Fall bekommt es der Politiker auch gar nicht mit, egal wie viel Geld der Spekulant damit verdient.

Wenn sich in den USA eine riesige Immobilienblase aufbläht und die Hauspreise in völlig unverantwortliche Höhe getrieben werden: Schweigen. Im Gegenteil: Die Unterstützung der Politik war sogar garantiert. Mit Fannie Mae und Freddie Mac wurde das Programm "a home for every American" angeschoben. Davon will natürlich heute niemand mehr etwas wissen.

Im Fall von Griechenland sind es ja auch wahlweise Spekulanten und die Ratingagenturen, die für die Fastpleite Griechenlands verantwortlich sind. Zumindest sehen die Politiker das so.

Im Fall der Ratingagenturen war mir dieses Urteil schon immer suspekt. Denn so wie sie im Fall der US-Hypothekenkredite dafür getadelt wurden, zu gute Noten vergeben zu haben, wurden ihnen im Fall Griechenlands zu schlechte Ratings vorgeworfen. Hmmm, warum machen die Politiker nicht einfach mal selber eine Ratingagentur auf, wenn sie doch genau wissen, wo die Ratings sein sollten?

Im Fall der Spekulanten ist mir das Urteil der Politiker noch suspekter. Der Spekulant, der auf fallende Kurse griechischer Anleihen wettet, ist böse. Was ist aber dem Anleger, der sich vorher die Anleihen ins Depot gelegt hat, weil diese 0,7 Prozentpunkten mehr Rendite versprachen? Ist das nicht auch ein böser Spekulant? Und was ist mit diesem Anleger, wenn er dann aus Angst seine griechischen Anleihen verkauft? Ist der dann auch böse? Und was ist mit dem Anleger, der die griechischen Anleihen in der Hoffnung auf einen Euro-Bailout mit Steuerzahlergeld bei 10% Rendite abgegriffen hat? Der soll gut sein?

Mit dem Gewinn hat die Unterscheidung in guter Anleger oder böser Spekulant nichts zu tun. Es geht nur darum, in die Richtung zu spekulieren, die den Politikern in der Kram passt.

Immerhin können sich die bösen Spekulanten trösten. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnen nämlich satte

73%

der befragten Investoren mit einer Pleite von Griechenland.

Und das ist schön: Jetzt wissen wir endlich, was Sache ist: 27 % der Spekulanten sind gut und 73% sind böse. So einfach kann die Welt sein.

Bloomberg: Greek Default Seen by Almost 75% in Poll Doubtful About Trichet

(Mir kommt es irgendwie so vor, als hätte ich die Umfrage schonmal gebracht, finde es aber nicht. Wenn es doch ein Doppler ist - Sorry)

Musik zum Wochenende: Teenage Fanclub

Bin gerade in der Stimmung für einen so lecker locker dahin geworfenen Gitarren-Schrammel-Song. (Eigentlich wollte ich die neue Gorillaz Single nehmen, aber die muss man mit Video bringen und das hält nur geschätzte 2,735 Stunden, bis es wieder gelöscht wurde ...)

Teenage Fanclub - Baby Lee

Zahl des Tages (19.06.10): 247

Wieder nur eine US-Bankenpleite an diesem Wochenende und das auch nur bei einer mittelkleinen.

US-Bankenpleite Nr. 247 (Nr. 83 dieses Jahr)

Name: Nevada Security Bank
Sitz: Reno, Nevada
Assets: 480 Millionen Dollar
Käufer: Umpqua Bank, Roseburg, Oregon
Schaden für die FDIC: 91 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 67 (rot)

FDIC: Umpqua Bank, Roseburg, Oregon, Assumes All of the Deposits of Nevada Security Bank, Reno, Nevada

Dass es im Moment nur relativ wenige Bankpleiten gibt, ist relativ überraschend. Denn die Liste der Problembanken, die das Calculated Risk Blog pflegt, ist schon wieder um 22 Einträge länger geworden. Es sind jetzt 781 Banken, die Assets im Gesamtwert von über 400 Milliarden Dollar besitzen.

Unofficial Problem Bank List June 18, 2010

Noch ein paar Lesetipps

Für's Wochenende, wenn ihr Fußball schaut und für heute (Nach)Mittag, wenn ihr Fußball hasst ...

a) Laut der Spiegel Interpretation des neuen Monatsberichts der EZB stand das europäische Finanzsystem kurz vor dem Zusammenbruch und die Lage war schlimmer als bei der Lehman Pleite. Auslöser übrigens der Blitzcrash an der Wall Street.
Den ersten Teil lese ich aus dem EZB Bericht auch heraus, den zweiten aber nicht:
DEVELOPMENTS IN FINANCIAL MARKETS IN EARLY MAY
On 6-7 May 2010, amid increasing concerns about the fiscal situation in Greece, financial markets throughout the world, but especially those in Europe, experienced a sudden re-intensification of tensions that was reflected in a wide range of indicators. Although these tensions were a response to a different constellation of shocks than those that led to the intensification of tensions observed in October 2008 after the bankruptcy of Lehman Brothers in the United States, the events on these days were in some respects comparable to the former, in particular as regards the suddenness of the change in sentiment and the abruptness of the flight to safety by financial investors.
Underlying the financial market developments on 6-7 May was an environment characterised, on the one hand, by gradually improving macroeconomic conditions and, on the other hand, by mounting financial market concerns about the fiscal situation of some euro area countries, but also about economic and political developments outside the euro area (e.g. uncertainty about US labour market data and the consequences of the general election in the United Kingdom). Following the sudden plunge in the US Dow Jones index on 6 May, whose cause is still under review, concerns suddenly spread from sovereign debt markets to financial markets more generally. Volatility in financial markets increased sharply overnight and liquidity decreased sharply on 7 May. The functioning of several segments of the financial markets was seriously impaired.
EZB: Monthly Bulletin, June 2010 (PDF!)

"In some respects comparable" ist doch was anderes als "schlimmer als bei Lehman", oder?

Spiegel: Europas Finanzmärkte standen kurz vor Kollaps

b) Apropos Lehman: Dort gibt es Angebot für die Gläubiger. 22 Milliarden Dollar stehen zur Verfügung:

FTD: Lehman-Abwickler lockt Gläubiger mit Eilverfahren
Handelsblatt: Schnellverfahren für Lehman-Gläubiger


Zwar sieht das Verfahren für die europäischen Gläubiger ähnlich "schnell" aus, aber wohl deutlich unvorteilhafter. Genauer: Um 50% schlechter:

Handelsblatt: Lehman benachteiligt deutsche Anleger

c) EU Wettbewerbskommissar Almudia erwartet noch weitere Bankenrettungen. Insbesondere die spanischen Sparkassen (Cajas) und einige griechische Banken wären anfällig:

FAZ: Almunia erwartet neue Rettungsaktionen


Zahl des Tages (18.06.10): 17.100.000

Deutschland-Spieltag heißt für mich nach Möglichkeit eine Zahl des Tages aus dem Bereich Fußball (mal schauen, wie lange ich das durchhalte. So groß ist die Auswahl ja nicht ...)

Also erstmal müsst ihr den Artikel nochmal aufrufen, damit ihr in die richtige WM-Stimmung kommt ...

:-)

So, jetzt kann's losgehen ...

Ich habe gestern eine ziemlich überraschende Zahl gefunden, die die immer noch steigende Bedeutung des Fußballs weltweit unterstreicht. Ich habe ja schon gestaunt, als ich gehört habe, dass das Champions League Finale die Fernsehübertragung mit der höchsten weltweiten Einschaltquote  2009 war (erstmalig vor dem Super Bowl). Aber dass jetzt selbst die Amerikaner anfangen, "Soccer" zu schauen, überrascht mich dann fast noch mehr ...

Die durchschnittliche Einschaltquote in den USA bei den Spielen der Fußball-WM ist gegenüber der letzten WM in Deutschland um satte 80% gestiegen und liegt jetzt bei gut 4 Millionen. Das hört sich jetzt noch nicht so dolle an, aber ...
>
Besser das eigene Spiel: England gegen die USA haben erstaunliche

17.100.000 (17,1 Millionen) Amerikaner

geschaut. Das hört sich bei weit über 300 Millionen Amerikanern ebenfalls noch nicht so toll an, ist aber immerhin mehr als die Playoff-Finalspiele der NBA im Durchschnitt hatten (16,4 Millionen) oder die Stanley Cup Finalspiele, die nur gut 5 Millionen hatten. Und das sind direkt zwei Sportarten, denen ich in den USA deutlich mehr Zuschauer zugetraut hätte als dem Fußball. (OK, das Eishockey-Finale Kanada - USA bei der Olympiade hatte 27,6 Millionen Zuschauer).

So kann man sich irren. Woran liegt das nun? Ein nahe liegender Gedanke wäre: Mehr Hispanics. Das mag für die Spiele im Durchschnitt vielleicht etwas beeinflussen, aber beim Spiel England - USA waren nur 4,1 Millionen auf dem spanischsprachigen Fernsehkanal und 13 Millionen "normal" auf ABC. Das wird es also nicht sein. Was dann? Mehr Globalisierung? Einfach bessere Werbung? Wird es nachhaltig sein? Wird auch die US-Fußballliga profitieren? Wir werden sehen.

Time.com: Why World Cup TV Ratings Are So Strong

Ansonsten ist dieses Posting natürlich ein toller Anlass, die ganzen (mehr oder weniger) schwachsinnigen Links rauszuhauen, die sich so zum Thema ansammeln:

a) Ein Lied mit Noten für die Vuvuzela:
(Die Noten sind übrigens alle falsch, es müsste wohl einer tiefer sein).

b) Die besten Fußballsongs für die WM 2010 in der FTD Kritik:

FTD: Da singt der Fußballfan

Der Song ist aber natürlich unschlagbar: (Back Klicken, um die Vuvuzela auszumachen ...)



c) Das Instrument der Liebe.

d) und die obligatorische Hitler Parodie:



e) 155 Euro für ein Lederarmband? Habe ich ne Hyperinflation verpasst?

FTD: Das Armband der deutschen Elf

Ich habe fertig ...

Update (11:22):

Ach Mist, diese Parodie der Hitler Parodien ist ja viel besser:

Zahl des Tages (17.06.10): 0,4

Nachdem hier zum (IIRC) ersten Mal den Frühindikator ECRI auf die Bühne gehoben habe (ZAHL DES TAGES (14.06.10): -3,5), wird es nach längerer Pause mal wieder Zeit für den "richtigen" Frühindikator vom Conference Board. Und zwar weniger, um zu zeigen, was der im Moment Spannendes anzeigt, sondern eher um zu zeigen, warum ich dem im Moment nicht sonderlich weit traue.

Heute gab es den Wert für den Mai und dieser lag mit

0,4%

im Plus.

Der April wurde von einem leichten Minus auf Null nach oben korrigiert, der März liegt bei +1,4%.

Was mir an Conference Board Frühindikator nicht gefällt (außer der Tatsache, dass dieser die letzte Rezession in den USA deutlich schlechter vorhergesagt haben als ich ;-) ) ist der starke Einfluss, den ein einzelner Teil des Frühindikators hat: Die Zinsdifferenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen ist im Moment so groß (322 Basispunkte), dass allein aus diesem einen Teilinidikator ein Plus von 0,34% stammt. 85% des Zuwachses geht also auf einen der 10 Teilindikatoren zurück. Das wird nicht besser, wenn man berücksichtigt, dass der zweitgrößte Beitrag (+0,27%) aus der Geldmenge M2 und damit inhaltlich aus der gleichen Ecke kommt.

Hilfreicher als auf die Höhe der Veränderung zu schauen ist daher möglicherweise der Blick auf die Breite der Frühindikatoren. Hier zeigt sich allerdings eine ähnliche Abschwächung wie beim Gesamtwert. Im Dezember 2009 waren 9 Teilindikatoren im Plus, im Januar 7, Im Februar 6, im März 7, im April nur noch 4 und im Mai 5. Ob sich hier auch ein Abwärtstrend zeigt, muss man glaube ich nicht diskutieren ...

Die USA läuft ziemlich sicher in eine zweite, kräftige Wirtschaftsabschwächung hinein. Und vom Immobilienmarkt kommt nach dem Auslaufen der Steuergutschriften auch keine Unterstützung: Die Zahlen vom Immobilienmarkt gestern und vorgestern waren sehr schwach. Und auf mehr Export können die USA beim derzeit vergleichsweise starken Dollar auch nicht hoffen.

Hmmmm ...

Conference Board Business Cycle Leading Indicators May 2010 (PDF!).

Dass ich im Artikel über den ECRI geschrieben habe, dass für mich noch lange nicht entschieden ist, ob wir Deflation oder Inflation bekommen, finde ich inzwischen ganz witzig, weil die Börse Online diese Woche mit einem Doppelcover aufmacht: Auf dem vorderen Umschlag steht "Gewinnen in der Deflation" und auf der Rückseite "Gewinnen in der Inflation". Wobei nicht klar ist, wo überhaupt vorne und hinten ist. Beide Teile sind gleichwertig, beide mit Vorwort, etc. pp.
Hab's aber noch nicht gelesen, weiss nicht, inwieweit neben der netten Idee noch was Spannendes im Heft drin ist ...

Zahl des Tages (16.06.10): 250.000.000.000

Nein, heute warte ich nicht. Es war Spanien angekündigt (ZAHL DES TAGES (15.06.10): 8.500.000.000), es gibt Spanien). Nein, nicht bei der WM (obwohl da auch), sondern bei der Zahl des Tages.

Es verdichten sich die Gerüchte, dass Spanien aus dem Eurorettungstopf eine Kreditlinie von bis zu

250.000.000.000 (250 Milliarden) Euro

zur Verfügung gestellt werden sollen. Whoah. Das hat eine andere Qualität als die Griechenlandnummer ...

Spanien hat etwa 560 Mrd. Euro Schulden (lt. Wikipedia, es könnten inzwischen aber mehr sein), die Eurozone übernimmt also im Extremfall fast die Hälfte der spanischen Schulden.

Das ganze lässt natürlich Spekulationen aufkommen, ob das das Ende des Euros einläutet. Diese sind aber inzwischen so breit getreten, dass ich die hier nicht wiederholen möchte.

Spannender ist die Frage, die sich auch Weissgarnix stellt, warum die Spanier überhaupt besondere Hilfe benötigen (Weissgarnix: Die Einschläge kommen näher). Immerhin hatte Spanien bisher keine wirklichen Probleme sich zu refinanzieren und dieser Eindruck bestätigte sich auch gestern: FAZ: Spanien holt sich relativ reibungslos Kredit. 5 Milliarden Euro konnten den Spanier platzieren, allerdings mit etwas höheren Risikoaufschlägen als bei der letzten Versteigerung.

Heute setzt sich der Negativtrend fort, wenn auch bei weitem nicht so dramatisch wie im Fall Griechenland. Zweijährige spanische Staatsanleihen rentieren heute mit 3,34%, nachdem erst gestern die 3% Marke durchbrochen wurde. Die zehnjährigen Anleihen liegen aktuell bei 4,84%. Zum Vergleich: Griechenland liegt bei 8,6% (10 J)  bzw. 9,2% (2 J).

Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass in Spanien die riesige Kreditblase komplett platzt (die spanischen Verbraucher sollen Gesamtschulden in Höhe von 310 des BIPs haben. Das muss aber brutto sein, die Zahl von 172%, die die Credit Suisse erwähnt hat, scheint mir realistischer zu sein) und von den nötigen Abschreibungen erst Bruchteile vorgenommen wurden. Im Zweifelsfall nimmt die Bank die Immobilie lieber selber in die Bücher als die überfällige Hypothek abzuschreiben (siehe z.B. hier: SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA? oder ZAHL DES TAGES (01.06.10): 2%).

Offengelegt werden sollen diese ganzen versteckten Verluste scheinbar erst wenn Spanien ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stehen. Und die Politiker (wie auch ich; ausnahmsweise sind wir uns mal einig) zweifeln wohl daran, dass Spanien nach der Ankündigung eines Rettungspakets für die Banken noch Kredite bekommt. Schließlich entsprechen Verbraucherschulden von 172% oder gar 310% des BIPs grob 1,7 bzw. 3,1 Billionen Euro. Dass daraus leicht dreistellige Milliardensummen entstehen können, ist auch bei begrenzter Fantasie leicht vorstellbar.

Dass die spanischen Banken keine Kredite mehr bekommen und sich die EZB zum alleinigen Kreditgeber entwickelt, habe ich hier ja auch schon geschrieben (SPANISCHE GROSSBANK BBVA MIT REFINANZIERUNGSPROBLEMEN oder auch hier: FT: Spanish banks break ECB loan record). Den Banken brechen also die Werte auf der einen Seite der Bilanz genauso schnell zusammen, wie die Refinanzierung auf der anderen Seite der Bilanz versiegt.

Und für manche der eigentliche Hammer: Spanien ist bei den Ratingagenturen noch hervorragend bewertet. Fitch hat erst vor knapp 3 Wochen Spanien um eine Stufe von AAA auf AA+ herabgestuft (SPANIEN VERLIERT AAA BEI FITCH), bei Moody's ist Spanien sogar noch AAA, bei S&P nur zwei Stufen darunter (AA).

Es sind übrigens die gleichen Politiker, die den Ratingagenturen im Fall von Griechenland permanent zu schlechte Noten vorwerfen (nachdem vor ein paar Jahren die Noten im Fall der CDOs angeblich immer viel zu gut waren) und in diesem Fall einem Land Hilfe gewähren, dass laut den Ratingagenturen noch hochgradig solvent ist. Komisch, dass sich noch kein Politiker darüber beschwert hat, dass Spanien ein zu gutes Rating hat ...

FTD: Schuldenkrise: Spanien-Alarm am Anleihemarkt

Update (12:19):

Handelsblatt: Risikoaufschläge für Spanien auf Rekordhoch

Zahl des Tages (15.06.10): 8.500.000.000

OK, auf vielfachen Wunsch heute nicht Spanien, sondern Griechenland. Morgen kommt dann bestimmt wieder Spanien ;-)

Nach der Herabstufung Griechenlands auf Junk durch Moody's gestern (MOODY'S SENKT GRIECHENLAND AUF JUNK) beschwerten sich die griechischen (und die europäischen) Politiker natürlich wie üblich, dass diese Entscheidung nicht nachvollziehbar sei und die Ratingagenturen am besten gleich abgeschafft gehören, siehe z.B. hier Tagesschau: "Erstaunlich und unglücklich".

Irgendwie wollen die Politiker nicht akzeptieren, dass die Ratingagenturen viel zu lange viel zu gute Noten vergeben haben. Damals beim verbrieften Hypotheken-Giftmüll und diesmal bei Staatsanleihen von hoch verschuldeten Ländern.

Außerdem im Blickfeld natürlich die Spekulanten. Wie im Sozialismus wird scheinbar alles verboten, was nicht sein darf. Wird aber auch nichts nützen.

Denn hinter diesem ganzen oberflächlichen Gejammer stecken ganz konkrete Gründe. Ich hatte diese Zahl schonmal in einer vorherigen Zahl des Tages (ZAHL DES TAGES (06.04.10): 8.000.000.000), aber es gibt jetzt ein Update. Die Griechen haben im April erneut

8.500.000.000 (8,5 Milliarden) Euro

bei den griechischen Banken abgehoben und ins Ausland geschafft. In den ersten vier Monaten sollen es insgesamt 18,5 Milliarden gewesen sein, was etwa 7% der Bankeinlagen entspricht. Der Trend soll sich im Mai und Juni fortgesetzt haben.

In der alten Meldung (kann ich gerade nicht lesen, weil ich an mein eigenes Blog nicht rankomme) war vom Fluchtziel Zypern die Rede, diesmal soll London der beliebteste Zufluchtsort sein.

Es sind also keine bösen Spekulanten, sondern eure eigenen Wähler, die euch nicht mehr trauen, liebe Politiker.

Spiegel: Griechen schaffen Milliarden Euro ins Ausland

Ich möchte auch noch einen anderen Punkt betonen: Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass das Rettungspaket für Griechenland nicht geschnürt wurde, weil der Staat Griechenland akute Probleme hatte, sich zu refinanzieren, sondern vielmehr weil die griechischen Banken am Abgrund standen. Die Kunden zogen Geld ab und an den Kreditmärkten war auch keines mehr zu bekommen. Einziger verbliebener Geschäftspartner ist die EZB bzw. die nationale Notenbank. Statt wie in normalen Zeiten leihen sich die griechischen Banken nicht 2% bei der Zentralbank  sondern jetzt schon 18% ihres Geldes dort (siehe FT Alphaville: Götterdämmerung for Greek banksFT Alphaville: Greeks on Greece).

Und genau das gleiche Muster erkenne ich in Spanien. Die Banken leihen sich das Geld nur noch bei der EZB, weil sie am Kreditmarkt kein Geld mehr bekommen. Wahrscheinlich wird das wie in Griechenland von einem Bankrun begleitet. Über den wie in Griechenland nicht berichtet wird. Bankruns wurde und werden eh nur selten thematisiert. Schweigekartell? Oder schlicht der Tatsache geschuldet, dass das heute eh alles virtuell passiert und die Medien ohne lange Schlangen vor den Banken das gar nicht mitbekommen.

Zahl des Tages (14.06.10): -3,5

Wer hier häufiger liest weiss, dass für mich die Entscheidung zwischen Deflation und Inflation für mich noch lange nicht entschieden ist. Der Smart Investor ist der Meinung, dass wir am Anfang des Crack-Up-Booms stehen und es auf direktem Weg in der Hyperinflation geht. Im letzten Heft war aber auch ein Interview mit Felix Zulauf, der glaubt, dass die Wirtschaft erst noch einmal zurückfallen wird. Dann werden die Regierungen und Notenbanken noch massiver gegensteuern als bisher und dann wird der Crack-Up-Boom nach Meinung Zulaufs unvermeidlich. Ich neige eher zum Zulauf-Szenario, aber wie gesagt, sicher ist das beileibe nicht.

Kurz: Ich halte Ausschau nach Anzeichen für einen Double-Dip. Und vielleicht haben wir in der letzten Woche ein allererstes Zeichen gesehen. Einer der besten Frühindikatoren (der bekannte taugt nichts, der hat die letzte Rezession nicht vorhergesagt und der wird wohl die nächste auch nicht vorhersagen, weil der Indikator allein durch die Zinsdifferenz dick im Plus liegt) ist der ECRI Indikator. Dieser hat in den letzten Monaten einen historischen Absturz hingelegt (zugegeben nach einem historischen Höhenflug) und wäre hier fast schonmal Zahl des Tages gewesen. Aber weil der Wert letzte Woche nur noch knapp über der Nulllinie war (+0,3%), dachte ich mir, warte nochmal eine Woche, vielleicht haben wir dann einen negativen Wert.

OK und den gab es dann wirklich. Am letzten Freitag kam der neue Wert und dieser lag tatsächlich mit

-3,2%

im negativen Bereich.

Die ECRI betont, dass das kein Zeichen für eine neue Rezession sei. Dazu müsste die Phase mit negativen Monatswerten länger sein. Aber der ECRI-Indikator zeigt mindestens eine deutliche Wachstumsabschwächung an. Und das ist schonmal spannend, denn die Konsensschätzung für das Wirtschaftswachstum der USA in 2010 (und 2011) liegt noch bei etwa 3%.

Da juckt's mir ja schon fast wieder in den Fingern. Nochmal eine Rezessionswette gegen alle 50 Experten, die das WSJ befragt? Nee, dafür ist es noch zu früh. Und am Ende ist eine neue Rezessionswette auch zu risikoreich, weil die Notenbanken und die Regierung natürlich mit Adleraugen auf die Konjunktur schauen. Und sie werden, wie es auch Zulauf erwartet, schnell und massiv reagieren. Und sie werden sich nicht, wie es ja eigentlich mal angekündigt war, langsam aus den Stützungsmaßnahmen zurückziehen. Also die angekauften Anleihen im Wert von 700 Milliarden wieder langsam in den Markt zurückgeben und den Leitzins vom Rekordtief aus vorsichtig auf ein "normales" Niveau zurückzuhieven. Aber wenn das nicht passiert und im Gegenteil die Stützungsmaßnahmen sogar noch ausgebaut werden, kann man dagegen schlecht auf eine Rezession wetten. Wie heißt es so schön? Never fight the Fed.

ECRI: WLI Drops, But No Double-Dip Yet

FT Alphaville: ECRI watching with Edwards

Moody's senkt Griechenland auf Junk

Das neue Rating ist jetzt Ba1 nach A3, also eine Stufe im Schrott. Damit ist das erste Mitglied der Eurozone Junk.

Der Konkurrent Fitch belässt hingegen sein Rating auf BBB- und damit genau eine Stufe oberhalb von Schrott.

Wer richtiger liegt, wird sich zeigen ...

FTD: Moody's stuft Hellas-Anleihen auf Ramschstatus herab

Marketwatch: Moody's downgrades Greek debt to junk

Update (21:13)

Das waren übrigens 4 Stufen auf einen Schlag.

Spanien - Genauso wahnsinnig wie die USA?

Ich mache heute mal ein Faulheitspostings das ich einfach (mit Genehmigung des Autoren natürlich, Danke!) aus drei sehr interessanten Kommentaren eines Lesers aus Spanien (Rafael Eduardo Wefers Verástegui) zusammenstricke.

Ich habe zu den genannten Begriffen (z.B. Dación en pago, Préstamo hipotecario cambio de casa) ein wenig recherchiert und habe keine Zweifel daran, dass die Kommentare stimmen.

Ich finde, dass die Beschreibungen in den Kommentaren eines sehr deutlich machen: All das, was es an unseriösen Finanzierungsmodellen für Immobilien in den USA gab, war in Spanien ebenfalls gang und gäbe. Und genau wie in den USA die Foreclosures versteckt werden, damit die Hypothek nicht abgeschrieben werden muss, wird das wohl auch in Spanien gemacht.

@egghat Ich habe einige Jahre als "Hypotheken-Broker" gearbeitet, kenne mich also auf dem spanischen Immobilien- und Hypothekenmarkt entsprechend aus.
Ein paar Fakten aus meinem Arbeitsalltag:
Selbst Banken und Sparkassen die seinerzeit Hypotheken mit 80% Finanzierung abgeschlossen haben, haben dem Kunden DE FACTO eine 120% Hypothek verschafft, den es wurde keine Eigenleistung erbracht, von der Hypothkensumme wurde die Immobilie, die Provisionen, die Kosten, der Notar, die Steuern, die Einrichtung und oft auch das neue Auto bezahlt.
Wie das? Nun das Wertgutachten wurde durch die Bank nach Absprache mit dem Hypothekenbroker erstellt, also genau so, dass 80% des Schätzwertes den kompletten Finanzierungsbedarf ausmachten.
Im Falle von CajaMadrid waren es übrigens immer Hypotheken bis zu max. 85%. Dabei bekam zum Beispiel (real) ein Haus mit 2 Schlafzimmern und einem Verkaufspreis von 153.000€ einen Schätzwert von 238.500€ so das 85% für Haus, Einrichtung, Klimaanlagen in allen Zimmern, Auto, Flitterwochen etc. ausreichten.
Finanzierungen bei anderen Banken wurden teilweise mit 80% des Schätzwertes + 20% als ungesichertes Darlehen (Kredit ohne Absicherung!) vergeben um 100% Finanzierung und mehr zu erreichen (Banesto, UCI, Santander-Gruppe).
Zurück zum o.g. Beispiel des Hauses mit 153.000€ (+Steuern) Kaufpreis 2006. Derzeit verfügbar für 60000€ alles inkl. Wenn das mal kein Schnäppchen ist!
Weiterhin sind besonders die Sparkassen de facto PLEITE! Egal welche "Caja" man besucht, alle haben ganze Ordnerwände mit verfügbaren Häusern!
Um die Hypothekenmisere möglichst noch zu verschleieren gehen viele Banken inzwischen Wege die nicht zur Zwangsversteigerung werden, die mit Zwangseinlagen beim Banco de España verbunden ist. Man bietet immer öfter eine aussergerichtliche Abwicklung der Hypothek ab, also ein kompletter Schuldenerlass (mit Rabatt auf die Hypothek aus Steuergründen!) genannt "dación en pago". Der Schuldner ist danach "sauber" und die Bank meldet die Hypothek als bezahlt, obwohl die dadurch zum Eigentümer einer nun beinahe wertlosen Wohnung geworden ist.
Die angeblich so glimpflich davongekommene Santander-Gruppe hatte letzes Jahr massive Liquiditätsprobleme bei Fälligwerdung eines Immobilienfonds, so dass ein Moratorium gewährt wurde, das auch auch noch gilt!
Insgesamt versuchen die Banken auf Teufel komm'raus liquide zu bleiben und investieren erheblich Summen um an Gehaltskonten zu kommen, so bekommt man inzwischen 32"-TV, Reisen usw. geschenkt, wenn man ein Gehaltskonto eröffnet.
Die Lage spanischer Banken ist weitaus prekärer als in Deutschland bekannt, noch schlimmer sieht es aber in der kaum verhandenen Industrie aus, kaum Aufträge, geringe Produktivität, massive Probleme bezüglich der Qualität und immer wieder Lieferschwierigkeiten haben spanische Produzenten in Grund und Boden gewirtschaftet.
Die momentan bestehenden Ratings sind vollkommen aus der Luft gegriffen, das Land steht, leider, am Rande des wirtschaftlichen und politischen Totalzusammenbruchs, wobei IMHO beides nur eine Frage der Zeit ist.
Die Subprime-Krise in den USA ist nichts gegen das, was hier in Spanien die letzten 10 Jahre gemacht wurde, es existieren ganze Geisterstädte mit unbewohnbaren und unverkäuflichen Luxuswohnungen, um noch einmal auf die Region Murcia zurückzukommen: hier entstand bis vor Kurzem ein neuer "Megaflughafen" auf enteignetem Grund und Boden (der dann illegalerweise an Privatinvestoren verkauft wurde) der geplant und erdacht wurde als noch ca 50 Golfparks geplant waren und Murcia die grösste Tourismusregion Spaniens vorhatte. Dies ist Geschichte, der Flughafenbau ist gestoppt und es ist unsicher ob und wann es wieder weitergeht (wer mehr wissen will, die Firmen die bauen sind SACYR und ACCIONA).
Schön, oder?

Beide Banken [Bancaja und CajaMadrid] hatten ein Produkt "cambio de casa" (Hauswechsel) im Portfolio. Dabei kann man sich, wenn man bereits über alle Maßen verschuldet ist sich noch weitaus mehr verschulden, man muss nur ein grösseres, also teureres Haus kaufen. Wie das geht? Na so:
Zu den Bilanzierungstricks hatte ich in Deinem anderen Eintrag zu Spanien bereits etwas geschrieben, ich gebe hier nur nochmal das Stichwort "dación en pago" bei dem die Banken den aussergerichtlichen Weg gehen, nicht zwangsversteigern und die Hypothek als "gezahlt" verbucht wird (wenigstens für die Aufsichtsbehörden). Insoweit sind die Banken und Sparkassen in Spanien die grössen Immobilienbesitzer im gesamten Land... Man hat ein Haus gekauft, besitzt es mindestens 3 Jahre und lässt es neu schätzen und bekommt 80% des Schätzwertes ausgezahlt wobei man sich gleich ein neues Haus kauft, welches grösser bzw. teurer ist und welches man auch mit 80% (teilweise bis 100%) belasten kann.
Man zahlt aber 1 Jahr lang gar nichts (lustig, was?) und 2 Jahre land nur den Zinsanteil des Hypothek des "neuen" Hauses. Das "alte" sollte in der Zeit verkauft werden, denn nach 3 Jahren würde nämlich dieses Rate samt Tilgung schlagartig fällig... und schon zahlt man von vorher 350€/Monat plötzlich 2400€ und mehr.
Diese Produkte waren 2006-2008 extrem populär vor allem bei Bancaja, CajaMadrid, BBVA und.... bei der Santander-Gruppe (hier speziell UCI).

Das kommt einem doch alles bekannt vor ... Durch die "dación en pago" sind die spanischen Banken inzwischen zum größten Immobilienbesitzer in Spanien geworden. Die Banken musste zwar nichts auf die Hypotheken abschreiben, aber die Immobilien sind halt auch nichts mehr wert:

Die spanischen Immobilienpreise sind seit 2008 in manchen Regionen um bis zu 70% (Beispiel Region Murcia) gefallen. Die Mietpreise sind um ca 20-30% gefallen (Neubau bzw. Altbau).
Für die Gesamtregion Murcia kann man eine Wertkorrektur von mindestens 50% annehmen.
Na dann mal gute Nacht. Noch Fragen, warum die spanische Regierung an den Euro-Rettungstopf muss (EURORETTUNGSTOPF FÜR SPANISCHE BANKEN)?

Ich nicht. Spanien muss im Juli schon nach Plan viele neue Anleihen verkaufen (Die Fälligkeiten der PIGS Staaten im Überblick). Allerdings glaube ich nicht, dass der Plan noch sonderlich viel mit der Realität zu tun hat ... Den "normalen" Refinanzierungsbedarf hätte Spanien vielleicht noch decken können, aber was jetzt noch zusätzlich droht, dürften die Finanzmärkte Spanien auch nur noch zu "griechischen" Zinsen zur Verfügung stellen.

Und bis vor Kurzem glaubte ich wirklich noch, dass die Finanzierungsseite der spanischen Immobilienblase halbwegs solide sei. Aber das war ja auch im Mai  ;-)

Eurorettungstopf für spanische Banken

Ich bin ja schon vor ein paar Wochen das dumpfe Gefühl nicht losgeworden, dass sich beim Rettungspaket für Griechenland mehr um ein Rettungspaket für die griechischen Banken gehandelt hat als für den griechischen Staat. (Natürlich war es auch ein Bailout um die Ecke für die deutschen und französischen Banken). Das Rettungspaket schien mir eher ein Zeichen an die griechischen Sparer gewesen zu sein, dass ihr Geld sicher sei und sie es ruhig bei den Banken lassen können.

Immerhin bekommen wir im Fall Spanien etwas wohl mehr reinen Wein eingeschenkt, auch wenn alle Nachrichten weiterhin Gerüchte bleibe. Bei den Spekulationen über einen Zugriff der Spanier auf den Rettungstopf wird nun mehr oder weniger offen kommuniziert, dass das Geld an die spanischen Banken gehen soll.

Diese werden (auch wieder alles nur Nachrichten, die Gerüchtecharakter haben) schon seit Wochen von den anderen europäischen Banken geschnitten (siehe z.B. hier: SPANISCHE GROSSBANK BBVA MIT REFINANZIERUNGSPROBLEMEN). Die anderen Banken legen ihr Geld lieber direkt bei der Notenbank an und verleihen es nicht an die spanischen Banken weiter.

Mir fehlt wegen des Grills im Garten die Zeit, mehr zu schreiben, aber die Diagnose ist wohl eindeutig: Der Eurokrise hat die nächste Stufe gezündet :-( Spanien hat eine ganz andere Dimension als Griechenland, weil die Volkswirtschaft mehr als viermal so groß ist ...

FAZ: EU bereitet sich auf Rettungsaktion für Spanien vor

Update (14.06.10):

Die spanischen Banken bekommen defakto nur noch Geld bei der EZB und haben ihre Ausleihungen im Mai dort um 11 Mrd. Euro auf 86,5 Mrd. Euro erhöht.

FTD: Spannungen auf dem Geldmarkt: Spaniens Banken hängen am Tropf der EZB

Zahl des Tages (13.06.10): 246

Noch knapp zweieinhalb Stunden, der Grill ist angefeuert, schnell zur Zahl des Tages ...

US-Bankenpleite Nr. 246 (Nr. 82 dieses Jahr)

Name: Washington First International Bank
Sitz: Seattle, Washington
Assets: 521 Millionen Dollar
Käufer: East West Bank, Pasadena, California
Schaden für die FDIC: 158 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 61 (rot)

FDIC: East West Bank, Pasadena, California, Assumes All of the Deposits of Washington First International Bank, Seattle, Washington

Viel Spaß beim Fußball!

Und wer keine Lust hat, kann sich die Zeit ja mit einem kleinen Artikel totschlagen ...

Man muss sich erst anmelden, aber ihr habt ja Zeit ;-)

FT: China property risk is worse than in US gefunden über Kapitalmarktexperten: Probleme an Chinas Immobilienmarkt schlimmer als in den USA

Zahl des Tages (12.06.10): 2.626.311

In Zeiten wie diesen (massive Zeitverschwendung durch Fußballüberdosis) freue ich mich natürlich auf Steilvorlagen für die Zahl des Tages. Beim ersten Hinweis (ABENDESSEN MIT WARREN #BUFFETT ERSTEIGERN) dürften schon einige befürchtet haben, dass ich auch das Ergebnis verblogge ... Immerhin habe ich daraus nicht direkt zweimal eine Zahl des Tages gemacht ;-)

Auch wenn sich die Versteigerung ziemlich langsam anließ, gab es am Ende eine ansehnliches Ergebnis. Sehr ansehlich sogar, denn es war ein neuer Rekordbetrag, den Warren Buffett für seine Stiftung einnehmen kann:

2.626.311 (2,6 Millionen) Dollar.

Von dem Bärenmarkt für Buffett, den Reuters in der ersten Meldung ausgerufen hat, ist nicht viel geblieben. Nach 2,1 Millionen 2008 und 1,7 Millionen 2009 sind sogar etwa eine halbe Millionen Dollar geworden. Bärenmarkt geht anders.

Ebay: Power Lunch for 8 with Warren Buffett

Ach so: Es war zufällig keiner von Euch, der gewonnen hat und mich noch mitnehmen könnte ;-) ?

Zahl des Tages (11.06.10): 5

(Was sonst ...)

Eine nicht ganz ernst gemeinte Studie zu WM zum Start: Wir werden nicht Weltmeister, weil die Währung zu schwach ist. Tatsächlich ist der Weltmeister seit 1974 immer aus einem Land, dessen Währung im halben Jahr vor der WM stark war. Doch Brasilien? Oder gar Neuseeland?

FTD-Wirtschaftswunder – Thomas Straubhaar – Katastrophen-WM 2010 gefunden über  Leseempfehlung: Fussball-WM und die Landeswährung

In der FAZ steht ein Artikel über einen Ergebnisautomaten der TU Dortmund, die aus Statistiken der bisherigen Weltmeisterschaften (inkl. Angstgegner) die Wahrscheinlichkeiten für den WM-Titel ausgerechnet hat:

18% für Deutschland, 23% für Italien und 36% für Frankreich. Brasilien, Spanien und Argentinien fehlen, was die Auswertung schon etwas merkwürdig macht.

FAZ: Mit den Franzosen ist zu rechnen, aber Deutschland gewinnt

In der FTD eine Studie, nach der Deutschland eine 19% Chance auf den WM-Titel hat. Ansonsten aber ein spannender Artikel zur Ökonomie des (Vereins-)Fußballs inkl. des Tipps, keine Aktien von Fußballvereinen zu kaufen.

FTD: "Fußball ist das schlechteste Geschäft der Welt"

Dann noch eine Prognose, die die Ergebnisse der Vereine der Spieler berücksichtigt und versucht daraus die Spielstärke der Nationalmannschaften abzuleiten. Ergebnis: Brasilien knapp 22%, Spanien knapp 16% vor England 12%. Dahinter Holland und Argentinien (knapp 9%) und dann Urugay knapp vor Deutschland (3,30%). Muss natürlich 'ne Schrottstudie sei ;-) Obwohl Italien mit 2,x% und Frankreich sogar noch darunter,  das könnte schon sein ;-)

FT Alphaville: Introducing the Soccer Power Index

Und die Danske Bank will auch mal. Die PIGS nehmen sich alle gegenseitig aus dem Turnier. Im Finale spielen Deutschland gegen Brasilien und Brasilien gewinnt (weil Kahn den Ball abtropfen lässt oder so).

Und Evolution Securities kommen ebenfalls auf Brasilien. Aber mich interessiert gar nicht warum. So'n Quatsch will ich nicht hören ;-). Nee im Ernst, die nehmen sich selber auf die Schüppe und sagen, dass sie geschätzte 38 Parameter in das System gegeben haben und die erste Antwort "42" und die zweite "Das Rating ist AAA und das macht 100.000$" waren  ...

FT Alphaville: Two very different quant models say Brazil will win World Cup

Die Quants von JP Morgan berücksichtigen neben der Spielstärke auch die voraussichtlichen Gegner. Danach stellt Brasilien zwar die spielstärkste Mannschaft, aber es gewinnt trotzdem England das Finale gegen Spanien (wie auch immer das alles gehen soll).

FT Alphaville: England to win World Cup, says JPM quant model

Die UBS hat sich viel Zeit und Platz genommen und kommt im Ergebnis auf Brasilien (22%), Deutschland (18%) vor Italien (13%). Immerhin: 2006 lag die UBS richtig.

FT Alphaville: UBS on which stocks – and teams – will win the 2010 World Cup

Goldman Sachs hat sogar die Prognosen auf 75(!) Seiten auseinandergedröselt (PDF). (Die 75 waren auch ein Kandidat für die Zahl des Tages). Mitautoren u.a. Otmar Issing ("Memories of an old man") und Edwin v. d. Sar. In das Ergebnis läuft alles Mögliche ein: Anzahl der Männer zwischen 15 und 25 Jahren, das BIP, etc. pp.

Danach liegt die Wahrscheinlichkeit für den WM-Gewinn von Brasilien bei 13,76%, Spanien 10,46% vor Deutschland 9,40 und England 9,38. Könnte ich mit leben ...

Aber am Ende ist Fußball eh zu einem viel größeren Teil, als es Insider zugeben würden, reiner Zufall. Es gibt einige Studien, die den Anteil auf etwa die Hälfte schätzen, allerdings gibt es eine, die sogar nur

5%

des Ergebnisses auf die Spielstärke der Mannschaft zurückführt.

Handelsblatt: Die ökonomische Wahrheit liegt auf dem Platz

Dass die Ökonomen alle was zur Fußball-WM sagen können, aber scheinbar nichts zu den Ursachen der Finanzkrise, regt dann auch die FTD auf:

FTD: Waldi-Ökonomie

Aber am Ende sind die ganzen Studien doch ökonomisch sinnvoll: Denn die Studien kamen wirklich *überall* und das bedeutet schließlich jede Menge positiver Öffentlichkeitsarbeit ...

Mein Tipp: Spanien. Gute Spieler und eine eingespielte Mannschaft. Brasilien nicht, weil zu kalt und falsche Zeitzone ;-) Wir scheiden gegen die erste richtig gute Mannschaft (Bra, NL, Arg, Esp) aus, wann auch immer das sein mag. Ita, Fra, Eng, etc. schlagen wir im Elfmeterschießen, die anderen vorher.

16:00: Schlandrut Schlandrut!

Zum Beginn der Fußball-WM 2010:

Musste sein, sorry.

Zum Erholen noch ein guter WM-Song. New Order - World in Motion:

Und das geht immer (vor allem, weil sich jemand so viel Mühe mit dem Video gemacht hat ...

Zahl des Tages (10.06.10): -7,4%

Es ist etwas aus dem Blickfeld geraten, aber die Eigenkapitalquoten der Banken sind immer noch wichtig. Eine Zeit lang hat Zeitenwende.ch, ein leider stillgelegtes Blog, die Bankbilanzen immer hochkompetent auseinandergenommen und darauf hingewiesen, dass die Probleme, die in den USA schon sichtbar waren, in Deutschland und der Schweiz ebenfalls bald zum Vorschein treten werden. Was dann auch passierte.

Josef Ackermann ist zwar immer noch seeeeehr stolz darauf, dass "seine" Deutsche Bank ohne Staatshilfen durch die tiefste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit gekommen ist. Allerdings stimmt das auch nur zur Hälfte. Denn ohne die Bailouts für die Landesbanken, die Hyporealestate und die Commerzbank (Update: und die AIG)  hätte die Deutsche Bank auch viel schlimmere Probleme bekommen ...

Die normalerweise breit geschwellte Brust von Ackermann dürfte heute einige Male gebebt haben als bekannt wurde, dass die amerikanische Bankenaufsicht  FDIC die Niederlassung der Deutschen Bank in den USA unter die Lupe genommen. Und sich die FDIC nicht mehr sicher ist, ob sie die Bilanzkennzahlen weiterhin akzeptieren soll. Immerhin hat die US-Niederlassung der Deutschen Bank namens Taunus eine negative Kernkapitalquote (Tier-1) von


minus 7,4%.

Das ist natürlich ziemlich weit weg von den eigentlich geforderten 8% PLUS. Im Fall von Taunus ist das Eigenkapital, das mit 8,1 Milliarden Dollar in den Miesen liegt.

Die FDIC hat solche (eigentlich desaströsen) Zahlen bisher akzeptiert, weil die Deutsche Bank für alle  Niederlassungen die volle Haftung übernimmt. Die FDIC hat aber nun berechnet, dass der Hebel (also das Risiko) in der Bilanz der Mutter Deutsche Bank immer noch sehr hoch ist (Hebel knapp 23 oder 4,4% Eigenkapital); zum Vergleich hat die Citigroup als eine der schwächeren US-Banken 7,7% Tier-1-Ratio). Daher könnte die FDIC die Haftungsübernahme unter Umständen nicht mehr akzeptieren. Weil die Bilanz der Mutter eben nicht mehr ausreichend Puffer für die Übernahme der Risiken der Töchter bietet.

Das wird Ackermann sicherlich nicht gerne hören. Denn um das negative Eigenkapital der US-Tochter  (oder die niedrige Eigenkapitalquote der Mutter) auszugleichen, müsste die Deutsche Bank ein paar Milliarden Eigenkapital an den Kapitalmärkten einsammeln. Und Kapitalerhöhungen für Banken sind immer noch nicht so einfach durchzuführen ...

Diese aktuelle Geschichte zeigt exemplarisch, dass die Banken in den USA zwar viel schlimmere Probleme hatten als in Europa, aber die Sanierung dort eben auch viel radikaler und härter durchgeführt wurde. Im Notfall hat der Staat die Banken, die wie die Deutsche Bank meinten, ohne Kapitalerhöhung durch die Krise kommen zu können, einfach zur Kapitalerhöhung gezwungen. Nun sind eher die Banken in Japan und Europa die, die schlecht kapitalisiert sind und nicht mehr vorrangig die in den USA.

FT Alphaville: Of Taunus and Tier 1

Handelsblatt: US-Behörde nimmt Deutsche Bank ins Visier

Update (11.06.10):

Ich habe den größten Bailout von allen vergessen, den der AIG. Doof von mir, war immerhin Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000.
Danke an m106 für den Hinweis.

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