Zahl des Tages (30.07.10): -137.300.000.000

Heute gab es die erste Schätzung der Wirtschaftsleistung in der USA für das zweite Quartal 2010.  Dieses ist annualisiert um 2,4% gestiegen. Dies war etwas unter den Schätzungen der meisten Analysten.

Dabei waren die Zahlen an sich gar nicht schlecht. Der private Verbrauch hat mit 1,15 Prozentpunkten zum Wachstum beigetragen, die Investitionen der Unternehmen mit 3,14 Prozentpunkten sogar noch  mehr. Darüberhinaus stiegen auch die Exporte, die zu 1,0 Prozentpunkten Plus im BIP führten. Auch der Staat kaufte mehr ein und steigerte die Wirtschaftsleistung um 0,88 Prozentpunkte. Damit sind wir dann bei  6,13% Plus. Und jetzt kommt der einzige negative Einfluss: Die Importe sind ebenfalls gestiegen, und zwar so kräftig, dass sie die Wirtschaftsleistung der USA um satte 4,0 Prozentpunkte drückte. Danach kommt man mit ein paar Rundungen auf die 2,4%, die in der Überschrift jetzt überall stehen werden.

Man könnte das jetzt knapp als "Die Amis konsumieren zwar wieder, aber leider nur Produkte aus dem Ausland" zusammenfassen. (Unter Umständen ist die Erklärung noch etwas komplexer und es ist gar nicht in erster Linie die Menge der konsumierten Produkte gestiegen, sondern die Preise haben sich geändert. In der Krise fielen z.B. die Ölpreise massiv, was dann für ein kräftiges BIP-Plus gesorgt hat. Dann müssten jetzt aber irgendwo massive Preissteigerungen erfolgt sein und die kann ich beim aktuell relativ starken Dollar (1,30 am Anfang Q-02, 1,30 am Ende Q-02 und zwischendrin stärker) und bei einem Ölpreis, der unter dem Quartalsanfang liegt, nicht sehen. Es werden also doch wohl Mengeneffekte gewesen sein. Ende der Abschweifung).

Was ich interessanter finde als die erste, vorläufige Schätzung (die ändert sich eh nochmal), sind die kräftigen Korrekturen, die für die Vergangenheit vorgenommen wurden. 2007 wurde um 0,2 Prozentpunkte auf +1,9% nach unten korrigiert, 2008 um 0,4 Prozentpunkte (auf +0,0%) und 2009 um 0,2 Prozentpunkte auf -2,6%. Insgesamt fiel die Wirtschaftsleistung um 1,0% oder in Dollar ausgedrückt um

137.300.000.000 (137,3 Milliarden) Dollar

schwächer aus als bisher geschätzt.

Besonders kräftig waren die Korrekturen im 2. Halbjahr 2008. Das dritte Quartal steht jetzt mit minus 4,0% (vorher -2,7%), das vierte mit -6,8% (bisher -5,4%) in den Büchern. Damit haben wir übrigens ein  neues schwächstes Nachkriegsquartal. Bisher hielt diesen Rekord das erste Quartal 2009, das übrigens von -6,4% auf -4,9% nach oben korrigiert wurde.

Interessanterweise hat man "nur" die Jahre 2007 bis 2009 korrigiert. Da sich am Wert des BIPs im ersten Quartals 2010 somit nichts geändert hat, steht das erste Quartal jetzt auf einmal mit einem Plus von 3,7% statt 2,7% zu Buche. Wer jetzt also schreibt, dass der positive Teil an der Nachricht die Heraufstufung des ersten Quartals gewesen ist, hat nicht verstanden, dass das nicht auf ein stärkeres erstes Quartal zurück geht, sondern auf die drei schwächeren Jahre zuvor ... Ich bin mir sicher, dass man den Hinweis auf das stärkere erste Quartal heute mehr als einmal zu lesen bekommt ... (Ihr könnt die Links ja mal in den Kommentaren sammeln oder bei den entsprechenden Artikeln auf den allwissenden Klug*****er egghat hinweisen ;-) ).

Übrigens fragt man sich bei einer Korrektur der BIP Zahlen wie heute schon ein wenig, warum man die Zahlen überhaupt detailliert auseinander nimmt. Es wurden teilweise heftige Änderungen vorgenommen (Tabelle 2A in der Pressemitteilung). Zum Beispiel wurde der Wachstumsbeitrag aus dem Import für das vierte Quartal 2008 von 3,12 Prozentpunkte auf 4,53 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Wenn man bedenkt, wie hektisch die Börse auf 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte Abweichung reagiert, sollte man soooo falsche Zahlen eigentlich nicht vermuten.

Bea.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: SECOND QUARTER 2010 (ADVANCE ESTIMATE) + REVISED ESTIMATES: 2007 THROUGH FIRST QUARTER 2010

Update (17:05):

Interessante Entwicklung bei der Sparrate: Im 2. Quartal 2010 über 6%.

US-Sparrate (BIP) Q02-10: 6,2% (+0,7 Vq)

Zahl des Tages (29.07.10): 1.300.000.000

Wie schon die letzten drei Abende habe ich mich vor allem um die Buchung des bald anstehenden Urlaubs gekümmert, aber jetzt endlich auch was gebucht. Natürlich in einem sicheren Nichtkrisenstaat ;-) AAA, ungefährdet. Obwohl für Südtirol hätte ich auch auf AAA verzichtet, aber der Rest der Familie wollte nicht so weit fahren ... Aber nächstes Jahr gibt's endlich mal wieder Berge ...

Zum Thema:

Es gibt ja solche und solche Blasen ... In den USA hatten wir gerade eine größere und einigen anderen europäischen Ländern ebenfalls. Bis jetzt waren die Blasen aber geradezu harmlos, wenn man die Preisrückgänge von 20, 30 oder 40% mit den 70% aus der Megablase in Japan vergleicht (Wenn ich mich recht entsinne, wurde damals in Japan ein Baufläche in Tokio verkauft, die mehr kostete als der gesamte Immobilienwert Kaliforniens zusammen betrug. Der Quadratmeterpreis soll weiter über 1 Millionen Dollar pro Quadratmeter gelegen haben. Solche Zahlen muss man aber immer mit viel Skepsis aufnehmen, weil da (auch bei den Journalisten, die das schreiben) leicht der Verstand aussetzt).

Und während manche Volkswirte noch gar keine Immobilienblase  in China sehen, frage ich mich schon zunehmend, ob wir nur noch zwischen "normaler" und MEGA-Blase wählen müssen, um den Wahnsinn in China richtig zu beschreiben.


In Hongkong wurde vor Kurzem ein Gelände in der Größe von 174 * 174 Quadratmetern für

1.300.000.000 (1,3 Milliarden) Dollar

verkauft.

Das ist ein Quadratmeterpreis von fast 43.000 Dollar. Zum Vergleich: Das teuerste deutsche Haus (auf den Quadratmeter Wohnfläche umgerechnet) steht auf Sylt. Wertvoll daran ist aber das Grundstück: 2.400 qm, Kaufpreis 4,8 Millionen. Ergo: 2.000 Euro pro Quadratmeter. (Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Flächenpreise unter den Hochhäusern in Frankfurt oder München die 2.000 Euro noch toppen, wiewohl sie trotzdem weit von den 43.000 Dollar in Hongkong entfernt bleiben).

Aber man muss auch nicht nur über dieses eine Geschäft diskutieren: Die Überhitzung des chinesischen Immobilienmarkts kann man auch an vielen anderen Zahlen festmachen. Die Preise für Wohnappartments in Bejing sind in den letzten 4 Jahren um über 150% gestiegen. Noch spannender ist (wie so häufig) die Orientierung an den Einkommen. In China Bejing kostet ein 100-qm-Appartment jetzt 17 Jahresgehälter. Im Durchschnitt über ganz China ist es das Neunfache. In München kostet eine Wohnung das Siebenfache, in London liegt der Wert bei etwa 6, in Großbritannien bei etwa 4. In allen Vergleichsfällen reden wir über Märkte, die allgemein als teuer gelten. Und alle diese toppt China deutlich.

In der Folge gelten in China inzwischen Hypotheken im Wert von 171 Mrd. Dollar als gefährdet.

FTD: Hongkongs Milliardenhügel schürt Angst vor Immobilien-Preisblase

Jetzt könnte es natürlich sein, dass die Preise einfach nur durch mangelndes Angebot nach oben getrieben werden. Wenn z.B. nur für 5% der Bevölkerung, die in einer Stadt arbeitet, auch Wohnungen vorhanden sind, orientiert sich der Preis auch weniger am Durchschnittseinkommen der gesamten Bevölkerung, sondern viel mehr am Durchschnittseinkommen der 5%, die am besten verdienen (sofern die Stadt so lebenswert ist, dass diese 5% auch dort wohnen wollen).

Kurz: Es hilft ein Blick auf die Angebotslage. Wird viel gebaut oder wenig? Ist das Angebot wie in München oder London klein, oder wird auf Teufel komm raus gebaut wie in Spanien oder Dubai? Nur wie soll man herausfinden, ob wirkliche Bewohner (London/München) oder Spekulanten (Dubai/Spanien) die Preise treiben? Das kann man leider nicht so einfach, denn schließlich wird kein Bauherr zugeben, dass er für sein neues Stadtviertel mit 23.000 neuen Wohnungen erst 7 Käufer gefunden hat ...

Aber es gibt eine Zahl, die vielleicht einen Rückschluss ermöglicht, auch wenn man die Zahl nicht überprüfen kann. In China soll es nämlich angeblich

65.400.000 (65,4 Millionen) Appartments

geben, in denen der Stromversorger einen Zähler installiert hat, über den aber nicht eine Kilowattstunde Strom geflossen ist. Eine logische Erklärung dafür gibt's eigentlich nur eine: Die Wohnungen stehen alle leer.

Hmmm. Gesunde Nachfrage sieht anders aus ... (wie gesagt: Alles unter Vorbehalt, die 65,4 Millionen waren zwar häufig zu lesen, sind aber ohne verlässliche Quelle).

WamS: Chinas Immobilienblase gefährdet auch Deutschland

Update (02.08.10):

horst_m hat meine Vermutung bestätigt und ein Grundstück in Frankfurt gefunden, das auch schon ganz schön teuer ist: Das Palais Quartier (myZeil, ...), das laut Wikipedia etwa 17.000 Quadratmeter groß ist und schon 2003 230 Millionen Euro gekostet hat. Macht also gut 13.500 Euro pro qm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Quartier

Ob es mit den US-Immobilienpreisen nochmal *so* weit runter geht?

Nach der Prognose wären es immerhin nochmal gut 30% ... Erst dann wäre das Verhältnis Immobilienpreis zu Einkommen wieder auf dem Niveau, wo es früher "immer" war.

Man müsste in dem Chart eigentlich nicht den Hauspreis eintragen, sondern die monatliche Belastung. Denn bei den aktuell niedrigen Zinsen wird der Gesamtpreis einer Immobilie ja deutlich niedriger. Aber dafür fehlen wohl einfach die Daten, um einen so langfristigen Chart über mehr als ein Jahrhundert zu zeichnen ...


Die Grafik in groß gibt's hier:

The Big Picture: Updating the Case Shiller 100 Chart & Forecast


Zahl des Tages (28.07.10): 50,4

Ich schaue mir im Moment die Konjunkturdaten in den USA wieder genauer an als in den letzten 12 oder 18 Monaten. Das liegt schlicht und einfach daran, dass es gerade spannend ist. Wir befinden uns im dritten Strich des "W", es geht also wieder nach unten. Die Frage ist nur wie weit ... Geht es nochmal in eine Rezession oder fängt sich die Wirtschaft noch vorher?

Entscheidend dafür sind in den USA die Verbraucher, denn die sind für etwa 70% der Wirtschaftsleistung verantwortlich. Deshalb gehört die Verbraucherstimmung zu den wichtigsten aller Frühindikatoren. Dass ich die Konjunktur gerade intensiver beobachte, sieht man schon daran, dass ich beide wichtigen Indizes zum US-Verbrauchervertrauen bringe; neben dem Indikator der University Michigan auch den des Conference Boards. Letzter ging im Juli von 54,3 auf

50,4 Punkte

zurück.

Wenn man auf beide Indizes schaut, muss man langsam aber sicher Angst vor einem freien Fall bekommen. Und wenn das passiert, ist eine Rezession nicht weit ...

Allerdings gibt es auch eine Reihe Gründe, die gegen eine Rezession sprechen. Ich habe die schon mehrfach in Kommentaren angesprochen, aber ich glaube, ich mache morgen (oder so) mal ein Posting mit den Punkten die für bzw. gegen eine erneute Rezession sprechen.

FTD: Shiller warnt vor Rückfall in die Rezession

Das Video von Reuters  mit dem Interview:

Reuters: Shiller fears double-dip recession

Die Reaktion auf die Krise - dokumentiert an einem Beispiel

Ich meckere ja schon länger darüber, dass wir als Reaktion auf die größte Krise der Weltwirtschaft seit etwa 80 Jahren einen Haufen neuer Regulierungen bekommen haben, die vor allem populistisch sind, Aktivität vortäuschen, aber kaum dazu beitragen werden, die nächste Krise zu verhindern (Bonibesteuerung, Bankenabgabe). An die Sachen, die wirklich wichtig sind, traut man sich aber nicht ran.

Schau'n wir kurz zurück: Das wirkliche Risiko in der Krise bestand doch aus den unbeherrschbaren Folgen, die aus der Pleite einer großen Bank entstehen könnten.

Tja, und wie könnte man da vorsorgen? Genau auf zwei Arten:

a) Die Folgen überschaubar machen, in dem man die Größe der Banken beschränkt (Too-Big-To-Fail Banken verbieten/zerschlagen). Der heute erreichte Status ist aber das Gegenteil: Da die Pleiteinstitute von anderen Banken übernommen wurden, haben wir heute noch größere Banken als zuvor.
b) Die Wahrscheinlichkeit einer Bankenpleite senken. Dazu möchte ich heute etwas mehr schreiben.

Banken arbeiten mit einem relativ geringen Eigenkapital und verleihen dieses mehrfach weiter. Das ist der so genannte Hebel. Aus 50 Milliarden Eigenkapital wird dann schnell eine Bilanzsumme von 500, 1.000 oder gar 2.000 Milliarden. Lehman hatte vor der Pleite einen Hebel auf das Kerneigenkapital von etwa 40, die UBS agierte sogar teilweise mit einer Kerneigenkapitalquote von 0,9% (in der Umkehr ein Hebel von über 50).

Wenn eine solche Bank wie die UBS jetzt Abschreibungen in Höhe von 0,9% ihres Eigenkapitals ihrer Bilanzsumme vornehmen muss, ist sie überschuldet. Dann braucht sie neues Eigenkapital (was ihr aber in einer Krise niemand gibt, es sei denn, der Staat springt ein). Oder es ist Schicht.

Abschreibungen in Höhe von 0,9% der Bilanzsumme sind aber nicht sooo außergewöhnlich, sondern stellen einen Fall dar, auf den die Kapitalstruktur einer Bank vorbereitet sein muss. Und je größer dieser Puffer ist, desto unwahrscheinlicher wird eine Rettungsaktion für eine Bank.

Die Investmentbanken in den USA waren übrigens bis 2004 zu einer Eigenkapitalquote von 8% (also einem maximalen Hebel von 12,5) verpflichtet. Dann hat man dieses Gesetz (welch grandioser Fehler!) unter viel Lobbydruck aufgehoben. Sofort begannen sich die Bilanzen der Investmentbanken immer weiter aufzublähen und die Eigenkapitalquote( = Risikopuffer) wurde immer geringer. Und dann reichten vergleichsweise kleine Abschreibungen, um die ganze Bank in die Pleite zu stürzen.

Für sowas gibt es natürlich eigentlich Regeln. Diese werden mit der Zeit weiterentwickelt. Diskutiert wird gerade Basel III,  aktuell gültig sind die Regeln nach Basel II. Diese schreiben eine Eigenkapitalhinterlegung vor, die von der Qualität der Assets abhängt. Für eine Staatsanleihe mit einem Rating von AAA muss z.B. gar keine Sicherheit hinterlegt werden, für eine Staatsanleihe mit einem Junkrating von B jedoch 150% der angestrebten 8% (also 12%) Eigenkapitalquote. Bei Unternehmensanleihen, Verbraucherkrediten und ähnlichen kritischeren Papieren sind die Sätze quer durch alle Qualitätsstufen wesentlich höher. Ein ABS (Asset Backed Security) mit einem Rating von B muss z.B. mit 100%(!) Eigenkapital hinterlegt werden.

Bei diesem System gibt es direkt zwei große Probleme:

a) Man macht die Eigenkapitalausstattung der Banken vom Rating der Ratingagenturen abhängig. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Politiker haben genau diesen Ratingagenturen, die sie jetzt gerne und häufig kritisieren, die Macht verliehen. Nach Basel II sind Banken dazu verpflichtet, die Ratings der Agenturen zu berücksichtigen.
b) Das System ist sehr prozyklisch. In einer Krise sinkt logischerweise die Qualität der Assets in der Bilanz einer Bank. Das war natürlich schon immer so und die Bank musste dann Abschreibungen vornehmen und unter Umständen neues Eigenkapital besorgen. Nach Basel II muss die Bank nun aber nicht mehr nur das alte Eigenkapital ersetzen, sondern noch mehr besorgen, weil das herabgeratete Papier jetzt nicht mehr mit 4%, sondern mit 12% hinterlegt werden muss. Und das alles mitten in einer Krise, in der Eigenkapital eh knapp ist und allein durch die Abschreibungen schon erhöhter Eigenkapitalbedarf besteht.

Daneben gibt es noch ein paar andere Probleme, u.a. die extrem weiche Definition von Eigenkapital, die nicht nur klassisches Eigenkapital berücksichtigt, sondern auch Wandelanleihen, nachrangig haftendes Kapital und ähnliche "Zwitterkonstruktionen", die irgendwo zwischen Fremd- und Eigenkapital liegen.

Ich habe daher schonmal vor einiger Zeit gefordert:
1.) die Ratingabhängigkeit abzuschaffen, also alle Assets mit dem gleichen Prozentsatz zu hinterlegen.
2.) ein Minimum an hartem Eigenkapital zu verlangen und Zwitterkonstrukte nur bis zu einer bestimmten Höchstgrenze. Also z.B. mindestens 4% hartes Eigenkapital + x% weiches Eigenkapital = insgesamt mindestens 8% Eigenkapital. (Man könnte übrigens auch einen Teil der 8% in einem gemeinsamen Pool aller Banken sammeln, der dann im Pleitefall einspringt).

Damit müssten die Bankbilanzen einen ausreichend großen Puffer für die nächste Krise haben. Was nicht bedeutet, dass man gegen "too-big-to-fail" nicht noch zusätzlich vorgehen sollte.

Die Banken müssten in der Folge natürlich massiv Eigenkapital einsammeln und die Anteile der Altaktionäre würden ziemlich verwässert. Aber das ist ehrlich gesagt nicht mein Problem, liebe Banker!

Interessanterweise hat es einer meiner Vorschläge sogar in die Regeln für Basel III geschafft und zwar die 4% Untergrenze für hartes Eigenkapital. Wow, dachte ich, so neben der Spur bin ich ja gar nicht ...

Handelsblatt: Banken müssen künftig mehr Eigenkapital vorhalten

Tja aber dann kam die Lobbykratie. Viel zu viel, viel zu hoch, nicht zu leisten. 9,7 Millionen Arbeitsplätze ständen auf dem Spiel (Ackermann). Deutschland machte Druck.




Und es kam zu einem (vorläufigen) Kompromiss. Aus 4% wurden 3%.





Und neben einem Haufen von Aufweichungen in Randgebieten (die ich hier jetzt nicht diskutieren möchte) wurde auch der zeitliche Rahmen gestreckt. Die neuen Regeln sollen erst 2018 (statt 2013) gelten. (Und das ist auch noch nicht das Ende der Verhandlungen).

Die Reaktion der Börsianer war eindeutig - Jubel! 8 der 10 besten Aktien am Dienstag waren Bankaktien.

Aber gut "für uns alle" ist das nicht. Die Banken haben in unserer Volkswirtschaft eine Aufgabe (Kreditvergabe) und haben daher (über den Hebel) ein Gelderzeugungsprivileg bekommen. Daher bin ich der Meinung, dass die Banken gerne auf das Privileg des billigen Zentralbankgeldes, der Haftungsgarantie für die Konten und Ähnliches verzichten können und dann als Hedgefonds weitermachen können. Oder aber sie wollen weiterhin billiges Zentralbankgeld haben, dann sollten sie aber nach unseren Regeln spielen. Und die müssen anders aussehen als bisher.

Die FTD fordert in einem Leitartikel auch eine Diskussion über die Eigenkapitalanforderungen und nicht über Schwachsinn wie Bonisteuern. Ich erkläre hiermit meine Pflicht erfüllt ;-)

FTD: Das Beste kommt noch

Aber ich würde eben noch weitergehen: Es muss nicht nur das Eigenkapital raus, es muss auch die Gewichtung nach Ratings weg. Keep it simple stupid. KISS. Die Komplexität des Finanzsektors ist in allen Details viel zu hoch. Und das ist auch ein Grund für die Krise. Man hat sich mit Hilfe von mathematischen Modellen eingeredet, man habe das alles im Griff und muss (bei fairer Betrachtung) eigentlich zugeben, dass man nix im Griff hatte. Geändert daran wird allerdings nichts (im Gegenteil: In Basel 3 wird noch über jede Menge weiterer komplexer Sachen wie zum Beispiel dynamischer Risikopuffer diskutiert).

Zum Glück bin ich nicht der Einzige, der solche (angeblich) radikale Regeln fordert. Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium fordert das Gleiche!

Handelsblatt: Wissenschaftlicher Beirat macht radikale Vorschläge

Als ich das vor ein paar Wochen gelesen habe, bin ich fast einem Optimismusschock erlegen. Nach den faulen Kompromissen von Anfang der Woche weiss ich aber wieder, dass alles so bleibt wie gehabt:

a) Die Lobbyisten siegen, u.a. weil mit (unhaltbaren) Untergangsprognosen Stimmung gemacht wird.
b) Das was ein wissenschaftlicher Beirat empfiehlt und was die Politiker dann umsetzen, hat nur in Ausnahmefällen was miteinander zu tun ... Manchmal stellen sie sogar das exakte Gegenteil dar.

Update (18:09):

Es sollte natürlich "0,9% der Bilanzsumme" statt Eigenkapital heißen ...

EU fälscht Studien zur CO2-Ersparnis durch Biodiesel

Das Thema Biodiesel und die teilweise nicht vorhandene CO2-Einsparung war schon ein paar mal Thema in meinem Blog (Suche nach Biodiesel).

Zum Beispiel spart die in den USA durchgeführte Umwandlung von Mais in Ethanol fast kein CO2, unter bestimmten Bedingungen ist der Effekt sogar negativ ( die Herstellung von Düngemitteln ist sehr energieaufwändig). Ethanol aus Soja schnitt etwas besser ab und noch etwas besser ist die Herstellung von Diesel aus ölhaltigen Pflanzen z.B. Raps (oder Hanf). Toll waren die CO2 Bilanzen aber auch dort nicht.

Ich bin schon seit einiger fest davon überzeugt, dass die ganze Biodiesel- und Bioethanolförderei nur eine versteckte Agrarsubvention ist.

Das ist aber nichts Neues. Aber dass die Bürokraten in der EU hingehen und die Studien zur angeblichen CO2-Einsparung sogar fälschen bzw. ungewünschte Passagen streichen, finde ich dann schon hart.

Wenn z.B. eine Studie zu dem Ergebnis kommt, dass die Erzeugung von Biosprit aus Soja viermal mehr CO2 erzeugt als die Verbrennung von normalem Sprit aus Erdöl: Einfach streichen!

Oder wenn eine Studie ausrechnet, dass bei der Umwandlung von Waldfläche in Ackerland bis zu 420(!!!) Mal mehr CO2 freigesetzt wird als man nachher pro Jahr auf dieser Fläche einsparen kann? Streichen! Oder Ignorieren.

Es geht kein Weg daran vorbei, dass wir eine andere Energiequellen brauchen. Das wird in ein paar Jahren die Solarenergie sein, weil sie dann die entsprechenden Kostenschwelle erreicht haben wird. Und es kann auch Biodiesel sein, aber nur wenn er aus Anbau auf Flächen stammt, die ohne Dünge- und Pflanzenschutzmittel und Wassereinsatz auskommen kann. Also z.B. Hanf im gemäßigten Klima oder Jatropha in heißeren Gebieten.

Klimaschäden: Die Tricks der Kommission — Der Freitag

"Nur" 3,8 Gigawatt zusätzlicher Fotovoltaikleistung im 1. Hj 2010

Das schätzt jetzt die Bundesnetzagentur und liegt damit deutlich unter der Schätzung der Verbraucherzentrale, die 6,5 Gigawatt geschätzt hat. Diese 6,5 Gigawatt waren die Basis für meine Rechnung des Aufschlags auf den Strompreis:

ZAHL DES TAGES (09.07.10): 4

Wenn es jetzt natürlich deutlich weniger neue Fotovoltaikflächen werden sollte, sieht meine Rechnung mit den Solarschulden nicht ganz so übel aus. Ich aktualisiere, wenn es verlässliche Zahlen gibt.

Bundesnetzagentur: Solarboom in erster Jahreshälfte beschleunigt - dpa-Ticker - Unternehmen - Handelsblatt.com

noa Bank darf keine Kredite mehr vergeben?!?

Was?

Die noa Bank hat die Annahme von Spargeldern abgeblasen, weil mehr Spargelder auf die Konten geflossen sind als man in der Kürze der Zeit an Kredit weiterreichen konnte.

Bis hierhin war das logisch.

Nun meldet die FTD heute Abend, dass die noa Bank gar keine Kredite mehr vergeben darf, weil das Eigenkapital nicht ausreicht. Die Eigenkapitalquote soll leicht unterhalb der magischen Marke von 8% liegen.

Um das aufzulösen, muss die noa Bank entweder neues Eigenkapital einsammeln oder aber die Kunden dazu bringen, ihre Spareinlagen zu reduzieren.

Ich möchte nicht zu böse sein zur noa Bank, weil ich die Idee eigentlich mag. Aber so viel Geld anzunehmen, dass man es nicht mehr weiterverleihen kann, ist mindestens ähem ziemlich dilettantisch ...

Und dass die noa Bank das bis heute nicht kommuniziert haben soll, wirkt auf den ersten Blick nicht vertrauenserweckend.

Finanzaufsicht: BaFin untersagt Noa-Bank Kredit- und Kommissionsgeschäft | FTD.de

Aber wir würden nicht über die noa Bank vs. Mainstreampresse/-banken reden, wenn die Story hier enden würde. Denn wenn die FTD sagt, dass die noa Bank das noch nicht kommuniziert hätte, wundere ich mich dann doch, wörtlich:
"Dass ihr die Aufsicht die Erlaubnis für das Kommissions- und Kreditgeschäft entzogen hat, wurde bislang aber noch nicht offen kommuniziert. "
Das aber hat die noa-Bank sehr wohl getan. Zwar nicht am 24. Juni als die BAFin das beschlossen hat (damals wurde nur das Einsammeln weiterer Gelder verkündet), aber am 20.7., sprich vor einer Woche und zwar im Blog der noa Bank:

http://www.anderebank.de/blog/artikel/goliath-versucht-david-zu-toeten-teil-2/

Darin ist das FAX der BAFin beschrieben und sowohl vom Verbot des Einsammelns neuer Gelder wie der Vergabe neuer Kredite die Rede.

Wieso berichtet die FTD nicht darüber? Schlecht recherchiert? Oder habe ich irgendwas falsch gelesen bzw. überlesen? Helft mir!

egghats Blog: Suche nach noa

Update (28.07.10):

Der Spiegel schreibt's auch, ohne neue Daten zu liefern. Immerhin schreibt man nicht den Mist von der FTD ab und behauptet, dass die noa Bank das gar nicht kommuniziert hätte. Knackige Überschrift immerhin Spiegel: Noa Bank verheimlichte Auflage der Finanzaufsicht, die im Forum noch knackiger wird: "Geldannahme-Stopp: Noa Bank belog ihre Kunden"

Zahl des Tages (27.07.10): -29,1%

Es ist (zumindest so lange die Immowette noch läuft) eine gesetzte Zahl: Das monatliche Update des Case-Shiller-Immobilienpreisindex. Heute gab's den man wieder und zwar für den Mai.

Nach dem Durchhänger von November 2009 bis März 2010 gab es im April (endlich) wieder ein Plus von 0,8%, das durch eine Überarbeitung der Datenreihe auf +0,9% korrigiert wurde. Im Mai wuchs das Plus noch weiter und der City-20-Index stieg kräftig um 1,3%. Das Jahresplus liegt damit bei 4,6%.

Für die Immowette ist der Gesamtrückgang im City-20-Index seit dem Hoch im Sommer 2006 entscheidend. Dieser liegt nun nach -30,0% im Vormonat bei

-29,1%.

Die Wette ist durch, auch wenn ich bis zum Feiern noch ein paar Monate warten muss ...

Die Breite im Index hat sich noch um eine Stadt/Region verbessert: Im Mai stiegen die Hauspreise in 19 der 20 untersuchten Städte. Nur Las Vegas, die schon seit langer Zeit schwächste Region in den USA, sank wieder um 0,5% und weist nun ein ziemlich erschreckendes Gesamtminus von 56,4%(!) auf. Die Immobilienpreise sind damit auf den Stand des Jahres 2000 zurückgefallen.

Die Zahlen, die ich benutze, sind übrigens nicht saisonbereinigt. Ich bevorzuge insbesondere bei längerfristigen Vergleichen diese Zahlen, da dort die Saisonbereinigung nicht so wichtig ist (außer die Zahlen schwanken extrem im Saisonverlauf) und mich jede Art von statistischer Bearbeitung "nervös" macht. Für den Mai lohnt sich aber ein Blick auf die saisonbereinigten Zahlen, denn so berechnet stieg der City-20-Index nur um 0,5% (und nicht um 1,3%) und statt 19 Regionen lagen nur 15 im Plus.
Der Mai ist also ein Monat, in dem die Preise im Schnitt überdurchschnittlich stark steigen. Man sollte das Monatsplus also nicht überbewerten; es kann gut sein, dass im normalerweise schwachen Winterhalbjahr wieder Minuszeichen gemeldet werden.

Ich kann nicht einzuschätzen, ob und wie viel die Ende April ausgelaufene Steuergutschrift die Preise der Transaktionen im Mai noch beeinflusst hat. Das kann aber gut der Fall sein, denn wie Calculated Risk berichtet, ist der Index ein Drei-Monats-Durchschnitt; eine Tatsache, die mir neu ist. Sicherer scheint mir hingegen die Interpretation der Zukunft zu sein, denn der gestiegene Lagerbestand (ZAHL DES TAGES (22.07.10): 8,9) wird in den nächsten Monaten keine großartige Preissteigerungen zulassen.

Calculated Risk: Case-Shiller: House Price indexes increase in May

oder direkt von der Quelle:

S&P: For the Past Year Home Prices Have Generally Moved Sideways According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF!)

TV-Tipp heute Abend um 22(!):45 (ARD): Let's make money

Heute mal nach langer Zeit ein Hinweis auf eine Dokumentation zum Thema Finanzen im Fernsehen, bei der ich das Gefühl habe, dass es sich lohnen könnte ... Und das nicht nur wegen der ungewöhnlichen Länge von 105 Minuten, die im Zapping Zeitalter einem Thema leider nur noch selten eingeräumt wird.

Der Film hat den deutschen Dokumentarfilmpreis 2009 bekommen. Er stammt vom Österreicher Erwin Wagenhofer, der bereits mit We Feed the World - Essen global - Große Kinomomente (DVD bei Amazon) einen relativ bekannten Dokumentarfilm gedreht hat, in dem (u.a.) die Agrarpolitik des Westens erklärt wird, die bekanntlich vor allem auf Kosten der "dritten Welt" geht.

Die ARD hat ein öffentlich-rechtlicher Transusigkeit zwar eine Seite gebastelt, die ein paar interessante Links zum Autoren und Interviews bereithält, aber einen Trailer zum Embedden muss man sich über YouTube besorgen (und der ist wahrscheinlich nicht wirklich legal dort gelandet ...).


Wagenhofer hat seinen Film von einem Werbespruch aus aufgehend aufgebaut: "Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten". Tja und dann kommt die Frage, was passiert eigentlich mit meinem Geld? Und die Frage, woher das Geld eigentlich kommt, geht auch nicht unter.

Man sollte aber von dem Film nicht zu viel erwarten. Er stammt von einem ausgewiesenen Globalisierungskritiker und dieser Aspekt spielt naturgemäß eine viel größere Rolle als ein detailliertes Aufdröseln der Ursachen der Finanzkrise. Es geht eher um die permanente Krise des Kapitalismus.




Mehr Infos auf der Website zum Film: Letsmakemoney.at

Ein Interview möchte ich rauspicken und empfehlen: Deutschlandradio Kultur: "Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, das für die Menschen da ist"

Den Film kann man übrigens auch bei Amazon als DVD kaufen: Amazon: Let's Make Money

(Ich habe übrigens trotz viel Suchen keine Gliederung des Films gefunden (Baumwolle kommt vor, der Emerging Markets Guru Mark Moebius kommt vor, die spanische Immobilienkrise auch). Wer zufällig eine sieht, reiche die bitte in den Kommentaren nach. Ich ergänze dann den Artikel ...)

Update (12:57):

Die Film beginnt um 22:45, nicht 23:45! Sorry.

Update (13:01):

Eine positive Kritik auch in der FAZ:

FAZ: Blut klebt auf der Straße

Zahl des Tages (26.07.10):-10,5%

So richtig was Dolles habe ich nicht gefunden, daher eine Zahl, die in den letzten Wochen schon ein paar Mal Thema war und am Freitag endgültig die magische Schwelle übersprungen hat.

Der Frühindikator für die US-Wirtschaft vom Economic Cycle Research Institute (ECRI) ist in der letzten Woche zwar unverändert geblieben., aber da der Indikator im Vorjahr einen ziemlichen Anstieg hatte, sackte die Jahresrate auf

-10,5%.

Damit liegt der ECRI jetzt unterhalb der Schwelle von minus 10 Zählern, und das wurde bisher jedes Mal von einer Rezession gefolgt.

Auch dieses Mal? Ich bin noch skeptisch (was in diesem Fall heisst, dass ich etwas optimistischer für die US-Wirtschaft bin). Denn ein großer Teil des Rückgangs geht mMn auf den extrem starken Aufschwung im letzten Jahr zurück. Es ist also immer noch (zumindest zum Teil) ein Zurückpendeln auf den Normalzustand. Und ich glaube nicht, dass das für eine richtige Rezession reicht, also zwei Quartale in Folge mit einer schrumpfenden Wirtschaft in Folge. Dazu liegt das "Basiswachstum" der US-Wirtschaft einfach zu hoch. Ohne richtigen Schock schrumpft die Wirtschaft in den USA eigentlich nicht. Und den Schock sehe ich nicht.

ECRI: WLI Unchanged, Growth Rate Drops

Bei Investmentpostcards gibt es eine Diskussion des ECRI, der so schwierig zu beurteilen ist, weil die genaue Zusammensetzung der 19 Subindikatoren unbekannt ist. Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass der ECRI eine sehr hohe Korrelation zum S&P 500 aufweist und möglicherweise allein dessen erlahmende Aufwärtsbewegung den ECRI WLI wieder ins Minus kippen lässt.

Investmenpostcards: ECRI WLI: Slowdown or double-dip recession?

Der Analyst David Rosenberg hat auf der anderen Seite seine Wahrscheinlichkeitsschätzung für eine erneute Rezession auf 67% erhöht.

Financial Post: David Rosenberg raises odds of double-dip recession to 67%

Was allerdings etwas komisch ist, denn nur wenige Stunden vorher habe ich "Rosenbergs 17 Gründe bullish zu sein" gelesen ...

FT Alphaville: Rosenberg’s 17 reasons to be bullish (seriously)

Die Gründe von Rosenberg sind allerdings sehr stimmig: Sein Hauptargument gegen eine erneute Rezession ist, dass die Politik aktuell sehr wachsam ist. Sobald eine Abschwächung droht, wird sofort reagiert (und neue Schulden gemacht, sei es für Neubauförderung, für Abwrackprämien, etc.). Das ist anders als vor 3 Jahren. Damals war alles in rosa und niemand bis auf ein paar Permabullen und ganz wenige schlaue Köpfe (und ich) haben das Platzen der Blase gesehen ...

Zahl des Tages (25.07.10): 267

Mit den 7 Bankenpleiten von diesem Wochenende haben wir nun den Zähler für 2010 über die magische Grenze von 100 Bankenpleiten gehievt. Es ist eine etwas größere dabei mit Assets von mehr als einer Milliarde, allerdings fällt auch auf, dass der Schaden, der bei der FDIC aus den Pleiten entsteht, wieder sinkt. Waren eine zeitlang dauernd Pleiten dabei, die 30 oder 40% des Assets bei der FDIC als Schaden hinterließen, sind das jetzt absolute Ausnahmen (Pleite Nr. 262). Die meisten Pleiten sind jetzt eher bei 20% der Bilanzsumme angesiedelt.


US-Bankenpleite Nr. 261 (Nr. 97 dieses Jahr):

Name: Crescent Bank and Trust Company
Sitz: Jasper, Georgia
Assets: 1,01 Milliarden Dollar
Käufer: Renasant Bank, Tupelo, Mississippi
Schaden für die FDIC: 242 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 126 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 112 (rot)

FDIC: Renasant Bank, Tupelo, Mississippi, Assumes All of the Deposits of Crescent Bank and Trust Company, Jasper, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 262 (Nr. 98 dieses Jahr):

Name: SouthwestUSA Bank
Sitz: Las Vegas, Nevada
Assets: 214 Millionen Dollar
Käufer: Plaza Bank, Irvine, California
Schaden für die FDIC: 74 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 22 (rot)

FDIC: Plaza Bank, Irvine, California, Assumes All of the Deposits of SouthwestUSA Bank, Las Vegas, Nevada

US-Bankenpleite Nr. 263 (Nr. 99 dieses Jahr):

Name: Home Valley Bank
Sitz: Cave Junction, Oregon
Assets: 252 Millionen Dollar
Käufer: South Valley Bank & Trust, Klamath Falls, Oregon
Schaden für die FDIC: 37 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 281 (rot)

FDIC: South Valley Bank & Trust, Klamath Falls, Oregon, Assumes All of the Deposits of Home Valley Bank, Cave Junction, Oregon

US-Bankenpleite Nr. 264 (Nr. 100 dieses Jahr):

Name: Williamsburg First National Bank
Sitz: Kingstree, South Carolina
Assets: 139 Millionen Dollar
Käufer: First Citizens Bank and Trust Company, Inc., Columbia, South Carolina
Schaden für die FDIC: 9 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 197 (rot)

FDIC: First Citizens Bank and Trust Company, Inc., Columbia, South Carolina, Assumes All of the Deposits of Williamsburg First National Bank, Kingstree, South Carolina

US-Bankenpleite Nr. 265 (Nr. 101 dieses Jahr):

Name: Thunder Bank
Sitz: Sylvan Grove, Kansas
Assets: 33 Millionen Dollar
Käufer: The Bennington State Bank, Salina, Kansas
Schaden für die FDIC: 5 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: kein Treffer!

FDIC: The Bennington State Bank, Salina, Kansas, Assumes All of the Deposits of Thunder Bank, Sylvan Grove, Kansas

US-Bankenpleite Nr. 266 (Nr. 102 dieses Jahr):

Name: Community Security Bank
Sitz: New Prague, Minnesota
Assets: 108 Millionen Dollar
Käufer: Roundbank, Waseca, Minnesota
Schaden für die FDIC: 19 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 13 (rot)

FDIC: Roundbank, Waseca, Minnesota, Assumes All of the Deposits of Community Security Bank, New Prague, Minnesota

US-Bankenpleite Nr. 267 (Nr. 103 dieses Jahr):

Name: Sterling Bank
Sitz: Lantana, Florida
Assets: 408 Millionen Dollar
Käufer: IBERIABANK, Lafayette, Louisiana
Schaden für die FDIC: 46 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 277 (rot)

FDIC: IBERIABANK, Lafayette, Louisiana, Assumes All of the Deposits of Sterling Bank, Lantana, Florida

Zahl des Tages (24.07.10): 15

Mindestens


15

Tote bei einer Massenpanik auf der Love Parade in Duisburg sorgen gerade dafür, dass, wenn man wie ich Leute kennt, die dort waren/sind, einem zu viele andere Dinge durch den Kopf gehen, um eine "normale" Zahl des Tages zu schreiben ...


Zahl des Tages (23.07.10): 7



Banken fallen wohl im dritten strengen Szenario der CEBS durch den Stresstest. Aus Deutschland ist dem Vernehmen nach nur die HRE betroffen.

Mehr später ...

Update (19:38).

Durchgefallen sind 7 Banken, davon 4 bereits im mittleren Szenario ohne den Staatsschuldenschock.

Spanien:

1) Caja de Ahorros y Monte de Piedad de Cordoba (Cajasur): 4,3% Tier1-Eigenkapitalquote, 208 Mio. Eigenkapitalbedarf (auch im mittleren Szenario nur 4,9%).
2) Caixa Dèstalvis de Sabadell,  Caixa Dèstalvis de Terassa, Caixa Dèstalvis Comercal de Manlleu: 4,5%, 270 Mio. Euro.
3) Banca Civica (Caja des Ahorros y M.P. de Navarra, Caja de Ahorros) Municipal y Caja General Ahorros den Canarias): 4,7%, 406 Mio. Euro (auch im mittleren Szenario bei 5,2%)
4) Caja de Ahoros de Salamanca y Soria (Caja Duero), Caja de España de Inversiones Caja de Ahorros y Monte de Piedad (Caja España): 5,6%, 127 Mio. €
5) Caixa Déstalvis de Catalunya; Caixa Destalvis de Tarragona, Caixa Destalvis de Manresa: 3,9%, 1.032 Mio. (4,5% im mittleren Szenario).

Griechenland:
6) Agricultural Bank of Greece: 4,36% 242,6 Mio.

Deutschland.
7) Hypo Real Estate, 4,7%, 1.245 Mio. (auch ohne Staatsschuldenschock nur bei 5,3%)

Auffallend viele Banken sind bei 6,0 bis 6,2%. Als wären die Bedingungen genau so gestrickt worden, dass die Zahl nicht zu groß wird. Schon bei leichter Verschärfung wären die alle auch rausgekippt (Nord LB, Piraeus Bank, Monte dei Paschi de Siena, Banco Pastor, Caja Sol, Caja3 (laaanger Name), Banco Guipuzcoano, Colonya - Caixa D'Estalvis de Pollensa). Dann wären es direkt 15, also gut doppelt so viel gewesen. Aber auf solche Ideen aus Verschwörungstheorienecke würde ich natürlich nieeee kommen ...

Einen großen Kritikpunkt am Stresstest muss ich übrigens (teilweise) zurücknehmen. Denn in den Szenarien waren sehr wohl Rückgänge der Immobilienpreise eingebaut (Seite 55). Im Fall von Spanien im Adverse Szenario sogar recht kräftige (Gewerbeimmobilien: -35% (2010), -30% (2011); Wohnimmobilien -8,8%, -15,2%).

Das ist dann aber in etwa das beste Szenario, das Moody's angenommen hat. Und in diesem kommt Moody's schon auf einen zusätzlichen Eigenkapitalbedarf von gut 20 Mrd. Euro (bei Tier-1 von 6% wie bei der EU). Dass der schlechteste Fall ("adverse scenario") des EU-Stresstests dem besten ("Basis-Szenario") bei Moody's ähnelt, spricht Bände.

Daher weise ich nochmal darauf hin, dass Moody's im schlechtesten Szenario ("japanischer Fall") einen zusätzlichen Eigenkapitalbedarf von bis 88 Mrd. Euro allein in Spanien sieht (vgl. ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000).

Ich weiss, dass es bei meinen Lesern ziemlich beliebt ist, auf die Ratingagenturen zu schimpfen, aber ich schätze, dass im Stresstestfall Moody's das realistischere Ergebnis geliefert hat. Die EU hat das Ergebnis bekommen, das sie haben wollte: Fast alles in Butter und die paar Löcher füllen wir problemlos auf ...

CEBS: Summary of the 91 bank-by-bank results, by country (pdf 5MB)

Die Bedingungen: Summary report (pdf)

Update (20:38):

Die heute Mittag als durchgefallen gemeldete Bank aus Slowenien ist übrigens nicht durchgefallen. Wollte ich nochmal ausdrücklich erwähnen, weil ich auch das Gerücht getweetet hatte.

US-Frühindikatoren 07/10: -0,2 (Vm)

Das Minus von 0,2 Punkten war kleiner als befürchtet (-0,3 Punkte wurden erwartet) und ebenfalls positiv: Der Vormonat wurde auf +0,5 Punkte nach oben korrigiert (von +0,4). Negativ allerdings, dass der April von 0,0 wieder auf -0,1 ins Minus rutschte.

Die Jahresrate der letzten 6 Monate errechnet sich nun auf +2,6, was noch cirka die Hälfte des Höchstwerts in dieser Erholung ist.

Aber der "offizielle" Frühindikator ist im Moment ein zweischneidiges Schwert. Denn ein Sub-Indikator, nämlich die Zinsdifferenz verfälscht den Wert schon seit Monaten. Am lange Ende sind die Zinsen immer noch vergleichsweise hoch, am kurzen Dank der niedrigen Leitzinsen extrem tief. Und diese Zinsdifferenz sorgt allein für 0,32 Punkte Plus. Daneben kommt noch ein weiterer Subindikator, der exakt aus der gleichen Ecke kommt, der den zweiten relevanten Beitrag liefert: Das Geldmengenwachstum sorgt für 0,14 Punkte Plus (übrigens nach 0,32 im Mai). Die restlichen drei positiven Werte, die ich eher der "harten" Wirtschaft zuordnen würde, sind mit +0,05, +0,03 und +0,01 schon völlig unwichtig. Die restlichen Werte aus der "harten" Wirtschaft liegen dann auf unverändert (1) oder mehr oder weniger tief im Minus.

Die Leading Indicators sind im Moment also sehr unausgeglichen. Vom Geldmarkt kommen die relevanten Impulse für den Indikator, nur scheinen diese kaum auf die Realwirtschaft durchzugreifen. Liquiditätsfalle à la Krugman? Oder ein anderer Grund à la Weissgarnix (Noch einmal zur Liquiditätsfalle)?

Ich empfehle der Artikel bei Weissgarnix auf jeden Fall, denn er erklärt ziemlich gut, warum die monetären Indikatoren nicht viel bedeuten (auch wenn Krugman und andere "Bastard-Keynesianer" das nicht einsehen wollen).

Aber wer weiss: Vielleicht haben wir auch gar keine Liquiditätsfalle, weil wir gar keine Liquidität haben ... (siehe ZAHL DES TAGES (21.07.10): 16.000.000.000.000)

The Conference Board Leading Economic Index® (LEI) for the U.S. Declines (PDF!)

Zahl des Tages (22.07.10): 8,9

Ok, diese Zahl ist wirklich gesetzt für die Zahl des Tages ...

Heute gab es wieder aktuelle Zahlen zum US-Immobilienmarkt und zwar eine wichtige: die Verkäufe existierender Immobilien (kennt eigentlich jemand eine gute Übersetzung für "existing home sales", denn eigentlich ist existierend ja blöde, denn imaginäre Häuser verkaufen selbst die Hypothekenhaie in den USA nicht ;-) Gebrauchte Immobilien ist aber auch irgendwie blöde ...).

Zurück zum Thema: Die Anzahl der verkauften Immobilien ist - wie es auch zu erwarten war - im Juni 2010 nach dem Auslaufen der Steuergutschrift Ende April gesunken. Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl um 5,1% auf annualisiert 5,37 Millionen Einheiten zurück. Gegenüber Juni 2009 ist noch ein Anstieg von 9,8% zu verzeichnen.

Der Anteil der Erstkäufer (die als einzige Zugriff auf die Steuergutschrift hatten) sank leicht um 3 Punkte auf 43%. Es liefen also auch im Juni wohl noch einige verzögerte Käufe, die ursprünglich aus dem April stammen, in die Statistik ein, denn hier sind eher Werte von 30 oder 35% normal.

Vernünftige Prognosen lassen sich aus der Meldung der NAR aber erst ableiten, wenn man die Umsätze in Beziehung zu den Lagerbeständen setzt. Je höher der Lagerbestand, desto schlechter die künftige Preisentwicklung. Die Anzahl der offiziell zum Verkauf stehenden Häuser wird mit 3,99 Millionen gemeldet, ein Plus von 2,5% gegenüber dem Vormonat.

Eine noch aussagekräftigere Zahl bekommt man, wenn man die aktuellen Umsätze und den Lagerbestand ins Verhältnis setzt und schaut, wie lange es bei angenommenen stabilen Umsätzen dauert, bis der Lagerbestand (theoretisch) abgetragen ist. Dieser mMn wichtigste Wert ist im Juni durch die gesunkenen Umsätze und den gestiegenen Lagerbestand direkt von zwei Seiten unter Druck gekommen und von 8,3 Monate im Mai auf

8,9 Monate

im Juni gestiegen.

Den Zusammenhang zwischen hohem Lagerbestand (in Monatsumsätzen) und der Preisentwicklung kann man schön in einer Grafik bei Calculated Risk ablesen:

Calculated Risk: Existing Homes: Months of Supply and House Prices

Nach dem Auslaufen der Steuergutschrift droht für Juli ein weiterer Einbruch der Hausverkäufe und dann wäre es nicht einmal wirklich überraschend, wenn der Lagerbestand in Monaten wieder zweistellig ist. Das wäre dann ein sonnenklares Zeichen für wieder kräftig sinkende Immobilienpreise.

Standarddisclaimer: Meine Immowette gewinne ich trotzdem :-)

Die Meldung mit vielen schönen Grafiken (es gibt immer noch ein zweites Posting mit dem Lagerbestand dort, das reiche ich dann nach):
Calculated Risk: Existing Home Sales decline in June

Oder direkt von der Quelle:
NAR: Existing-Home Sales Slow in June but Remain Above Year-Ago Levels

Zahl des Tages (21.07.10): 16.000.000.000.000

Heute ein Thema, das mir schon lange unter den Fingernägeln brennt, aber bei dem ich (egal wie wichtig ich es fand) immer auch gewisse Bauchschmerzen hatte. Denn wenn ich Zahlen gefunden habe, waren mir die immer zu nebulös, sie kamen mir zu oft aus Weltuntergangsecken und mir fehlten wirklich offizielle Quellen ... 

Jetzt bin ich aber über eine gestolpert, äh ich meine, ich habe wochenlang recherchiert ... Für Euch meine Leser ;-)

Es geht um das Schattenbanksystem in den USA, also das System, das irgendwie Aufgaben übernimmt, wie sie die Banken auch übernehmen (Kreditvergabe, Geldanlage, ....), ohne direkt eine Bank zu sein und (vielleicht am wichtigsten) ohne wie eine Bank reguliert und überwacht zu werden. Vielleicht schadet am Anfang eine Definition nicht, ich habe ja noch nie (?) was zu dem Thema geschrieben:
"Shadow banks are financial intermediaries that conduct maturity, credit, and liquidity transformation without access to central bank liquidity or public sector credit guarantees. Examples of shadow banks include finance companies, asset-backed commercial paper (ABCP) conduits, limited-purpose finance companies, structured investment vehicles, credit hedge funds, money market mutual funds, securities lenders, and government-sponsored enterprises." 
Hier sieht man, dass es der New York Fed ausschließlich um den "Kreditvergabeteil" des Schattenbanksystems geht. Und hier liefert die New York Fed zum ersten Mal harte Daten. Am Höhepunkt (also kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise) hat das Schattenbanksystem Kredite im Wert von 20 Billionen Dollar vergeben! Wieder so eine große Zahl, die niemand wirklich einordnen kann. OK ich helfe: Der normale Bankensektor hat damals 11 Billionen Dollar Kredite vergeben. Wow! Eine fast doppelt so hohe Kreditvergabe im vergleichsweise unregulierten Schattenbanksystem wie im offiziellen Teil! Da wundert einen ja gar nichts mehr!

In den zwei Jahren danach haben sich die Relationen leicht verschoben. Das Schattenbanksystem, das ja nicht direkt auf die (normalen und in der Krise gewährten außerordentlichen) Gelder der Fed Zugriff hat, musste die Kreditvergabe deutlich einschränken und vergibt jetzt "nur" noch Kredite in Höhe von

16.000.000.000.000 (16 Billionen) Dollar,

die offiziellen Banken hingegen haben ihre Kreditvergabe um 2 Billionen auf 13 Billionen Dollar erhöht.

Die Fed denkt jetzt natürlich darüber nach, welche Auswirkungen das große Schattenbanksystem hat. Wie kann man das regulieren? Muss man das regulieren? Entstehen daraus Gefahren? Erzeugt das Schattenbanksystem einen volkswirtschaftlichen Nutzen? Könnte man den volkswirtschaftlichen Nutzen nicht genauso gut im regulierten Bankensystem erzeugen?
Das ist aber alles nicht sooo interessant, als dass ich mir die 71 (!!!) Seiten "Executive Summary" durchlesen möchte (den Rest des Papers (wahrscheinlich ein paar Hundert Seiten) gibt's übrigens nicht für Normalsterbliche ... Schöne Basis für Verschwörungstheorien ...)

Ich frage mich viel mehr (wie bei Creditwritedowns auch), wohin denn die 2 Billionen Dollar Kredit verdampft sind (vorher 20+11, nachher 16+13). Das schreit ja geradezu nach Kreditklemme. Und damit nach Deflation.

Und ich frage mich auch, inwieweit das Schattenbanksystem in den Statistiken zu den Geldmengen richtig abgebildet wird. Schauen wir da vielleicht auf eine Statistik, die die Kreditklemme überhaupt nicht richtig abbildet?!?

New York Fed: Shadow Banking (PDF!)

gefunden über: Credit Writedowns: The Shadow Knows




Hedgefonds Starmanager John Paulson schreibt Minus ...

... genauer gesagt 5,8% in seinem großen und 8,8% Minus im kleinen seiner Hedgefonds im ersten Halbjahr 2010. Im Vergleich zum S&P 500 Aktienindex mit 7,9% Minus im ersten Halbjahr ist der Verlust noch im Rahmen, im Vergleich zu seinen Hedgefondskonkurrenten (-0,2%) allerdings nicht. Paulsons Goldhedgefonds liegt allerdings 13% im Plus.

Aber die Glückssträhne ist auf jeden Fall gerissen. Und die war beeindruckend und führte vor allem zu beeindruckenden Jahreseinkommen für Paulson:

"Er hat 2007 3,7 Mrd. Dollar mit Spekulationen auf fallende Kurse bei Subprime-Kredite verdient, 2008 2 Mrd. mit Spekulationen auf fallende Aktienkurse bei den Banken und 2009 2,3 Mrd. mit Spekulationen auf steigende Bankenkurse."

Naja, und er hat mit Goldman Sachs ein paar CDOs konstruiert und direkt danach auf fallende Kurse genau dieses CDOs spekuliert. Das ist wohl das, was 2007 und 2008 erheblich zu den unglaublichen Gewinnen von Paulson beigetragen hat.
Glückliches Händchen? oder am Ende simpler Betrug? Goldman Sachs hat es auf jeden Fall vorgezogen, die Klage gegen eine Zahlung von 550 Millionen Dollar beizulegen (siehe Zahl des Tages (18.07.10): 550.000.000)

Paulson hingegen scheint bei der Nummer ohne Anklage davonzukommen. Die SEC hat ja schon gegen Goldman Sachs "nur" wegen Prospekthaftung (also falscher bzw. unvollständiger Angaben in den Verkaufsunterlagen) ermittelt und nicht wegen Betrugs. Die Ermittlungen waren der SEC wohl zu kompliziert ...

FAZ: John Paulson verliert sein goldenes Händchen

Einige weitere Artikel von mir zu John Paulson: Suche nach John Paulson

Update (22:15):

John Paulson will über einen "OGAW" jetzt auch nach Deutschland kommen und damit seinen Hedgefonds auch für Otto-Normalanleger kaufbar machen, meldet die FTD:

FTD: US-Finanzhasardeur Paulson zielt auf deutsche Kleinanleger

Ratingagenturen am Ende?

Interessante Detailentwicklung.

Scheinbar sehen die Ratingagenturen Probleme mit dem US-Reformpaket für den Finanzsektor. Dabei geht es um erweiterte Haftung, die droht, sobald man den sogenannten "Expert Status" bekommt.

Dies würde bei der aktuellen Interpretation wohl dazu führen, dass eine Ratingagentur für das Rating eines Wertpapiers haftet, sobald dieses im Emissionsprospekt genannt wird. Daher empfiehlt die Ratingagentur Fitch jetzt, genau das nicht mehr zu machen.

Das Problem dabei: Ein großer Teil des Geschäfts der Ratingagenturen stammt genau aus diesem Bereich. Man erstellt ein Rating für eine Anleihe, damit die potenziellen Käufer das Papier besser beurteilen können und einen passenden Risikoaufschlag vornehmen. Wenn der Emittent der Anleihe dieses Rating nicht mehr in das Emissionsprospekt schreiben darf, wird er der Ratingagentur wohl keinen Auftrag mehr geben. Wofür auch?

Und so finanzierte sich halt das Modell: Bezahlt wurden die Ratings nicht vom Käufer der Anleihe, sondern vom Emittenten. Klar, genau das hat zu den bekannten Interessenskonflikten geführt: Im einfachen Fall haben die Ratingagenturen "nur" tendenziell zu gute Ratings vergeben, um den Kunden nicht zu verärgern und den Auftrag für die Bewertung der nächsten Anleihe zu bekommen. Im komplizierten Fall haben die Ratingagenturen sogar bei der Gestaltung der Bedingungen von komplizierten Papieren wie CDOs beraten und so quasi selber alle Einflussparameter für die Bewertung in einer Hand gehabt.

Jetzt kann man mit Recht sagen, dass dieser möglicherweise unbedachte Nebeneffekt des Reformpakets den Ratingagenturen endlich das Handwerk legt. Denn Schuld auf sich geladen haben die Ratingagenturen sicherlich genug. Allerdings wäre die Frage auch, ob die Welt wirklich besser wäre, wenn niemand mehr Ratings erstellen würde.

Ich hingegen vermute eher, dass die Interpretation übervorsichtig und voreilig ist und später noch klargestellt werden wird, dass die Ratings in den Emissionsunterlagen wie gehabt genannt werden dürfen, ohne dass die Ratingagentur in eine erweiterte Haftung kommt. Oder es wird mit einem 43-seitigen Disclaimer die Haftung ausgeschlossen.
Oder ein vielleicht noch einfacherer Workaround: Man baut ein Internetportal, das Emissionsprospekte und Ratings sammelt, so dass jeder Interessent in Sekundenbruchteilen das gewünschte Rating zum Papier finden kann. Dann steht es halt auf einer Seite bei Reuters oder im Netz und nicht direkt im Emissionsprospekt ...

Wenn das doch alles nicht so kommt und die Ratings damit wirklich ihre Existenzberechtigung verlieren sollten, bleibt die spannende Frage, ob die Änderung wirklich absichtlich so kam. Ich habe bei den Reformen immer das Gefühl, dass die Änderungen, die eine Wirkung entfalten, gar nicht Absicht waren, sondern eher so eine Art Kollateralschaden darstellen. Dazu sind mir in letzter Zeit einfach zu viele Sachen untergekommen, um die ein Riesenbrimborium gemacht wird, deren Wirkungen aber eher symbolisch bleiben werden (Bankenabgabe, Bonibesteuerung, EU-Banken-"Stress"test, ...).

Verlorene Generation: Rating-Agenturen vor dem Aus?
Weissgarnix: Vom Ende eines Geschäftsmodells

Update (17:29):

Beim aktuellen Stand der Dinge erwarten die Experten der Royal Bank of Scotland (RBS) übrigens nicht mehr und nicht weniger als ein (nahezu) vollständiges Versiegen des Stroms von Neuemissionen verbriefter Papiere ...

FT Alphaville: Rating agencies, Dodd-Frank and the ABS market

Update (22.07.10):

Im Spekulantenblog gibt es noch ein interessantes Posting zum Thema "Verantwortung" der Ratingagenturen und dort fragt man sich, was in anderen Berufen passieren würde, wenn diese die (mangelnde) Qualität ihrer Arbeit einfach mit einem Disclaimer abfangen würden. Zum Beispiel bei einem Statiker, der eine Brücke baut ...
Den Punkt wollte ich eigentlich auch erwähnen, habe es aber leider vergessen. Aber "da drüben" steht auch alles, was ich geschrieben hätte:

Spekulantenblog: Ratingagenturen, Angst vor der Verantwortung

Update (22.07.10):

Und heute auch in der FTD:


Zahl des Tages (20.07.10): 0,80

Eigentlich ist die Zahl im Mittelpunkt aus der gleichen Ecke wie gestern, nur nicht aus Spanien, sondern aus Griechenland. Aber da das ein wenig öde ist, habe ich noch eine andere Zahl gesucht, die am Ende die Folge der beiden Zahlen darstellt. Außerdem konnte ich nicht nein sagen, wenn es dazu passend eine (halbwegs) lustiges Musikvideo zu verlinken gibt ;-)

Also es geht um die Kredite der griechischen Banken bei der EZB. Diese sind bis Ende Juni auf

93,4 Mrd. Euro

gestiegen.  Das ist ein Plus von knapp 5% in einem Monat, in dem (siehe die Zahl des Tages von gestern) die Kredite der EZB insgesamt um knapp 5% gesunken sind.

Man muss die Zahl mit etwas Skepsis betrachten (wie die Zahl gestern auch, was mir gestern aber noch nicht klar war), denn am 1. Juli lief der große einjährige Tender aus (siehe: EIN SPANNENDES MONATSENDE LIEGT VOR UNS). Das heisst, der Bericht der Bank of Greece gibt den Stand genau am Tag *vor* dem Auslaufen des Tenders wieder.
Der nächste Bericht Ende Juli wird möglicherweise besser aussehen, denn bei dem Geschäft wurden dem europäischen Bankensektor ja viel Liquidität entzogen (ZAHL DES TAGES (01.07.10): 165.000.000.000) und damit müssten die Summen auf der anderen Seite der Bilanzen bei den Zentralbanken der einzelnen Länder auch gesunken sein. Ich werde das beobachten ...

FT Alphaville: It’s all Greek (banks) to the ECB

Kann man aber wegen des ausgelaufenen Mega-Tenders Entwarnung geben? Ich schätze nicht. Denn es gibt sehr wohl Zeichen dafür, dass die Refinanzierungssituation der europäischen Banken nicht die beste ist. Dort wo ich kurz nach Auslaufen des Tenders noch vorsichtig Entwarnung gegeben habe ("Leichte Entspannung, aber keine Entwarnung"), zeigt sich jetzt doch eine gewisse Anspannung. Dass die EZB so kräftig Liquidität aus dem System ziehen konnte, war zwar ein gutes Zeichen, allerdings war die Interpretation, dass die Refinanzierung der europäischen Banken untereinander wieder problemlos klappt, wohl voreilig. Denn der Zins im Interbankenhandel ist gestern auf ein neues 12-Monatshoch bei

0,80% 

gestiegen.

Und das, obwohl sich am Leitzins nichts geändert hat. Die Banken leihen sich immer weniger gerne Geld, bzw. verlangen einfach mehr Zinsen, weil sie ein höheres Risiko bei der Gegenseite sehen.

Das muss natürlich nicht unbedingt mit dem Liquiditätsentzug der EZB zusammenhängen, sondern kann auch nur die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem EU-Bankenstresstest widerspiegeln. Die Ursache wird wohl niemand so richtig herausfinden, fest steht aber, dass der Geldmarkt in Europa so angespannt ist, wie seit Monaten nicht mehr.

Zerohedge: European Interbank Liquidity Gets Worse: EUR Libor Passes 0.80%, OIS Surges To Highest In Over One Year

So und jetzt noch ein Country-Walzer (?) zur großen griechischen Schuldenkrise ;-)



Toll oder?

gefunden über: Calculated Risk: Merle Hazard: Greek Debt Song
Homepage von Merle Hazard

Irische Pfandbriefe: Verbriefter Schrott!

Schöne Analyse von HSBC Trinkaus im aktuellen "Märkte am Morgen". Dort wurden die Pfandbriefe der Anglo Irish Bank Mortgage Bank untersucht.

Pfandbriefe sind im Prinzip das gleiche wie die berüchtigten Mortgage Backed Securities (MBS), die in den USA für einen großen Teil der Probleme sorgten. Entscheidend für die Qualität ist neben der Qualität der zugrunde liegenden Hypotheken (logisch) und auch die Konstruktion des Papiers. In Deutschland dürfen z.B. nur die Hypotheken bis zur 60%-Grenze des Immobilienwerts verbrieft werden, alles andere bleibt in der Bilanz des Kreditgebers (deshalb gibt's bei der Hausfinanzierung auch immer einen Risikoaufschlag ab 60%). Auch werden Pfandbriefe immer (?) mit einer Überdeckung konstruiert, man hinterlegt hinter den Pfandbrief also mehr Hypotheken als Sicherheit als der Nennwert des Pfandbriefs ausmacht. So wird bei deutschen Pfandbriefen direkt für einen doppelten Sicherheitpuffer gesorgt.

In anderen Ländern wird aber aggressiver verbrieft. Preisverluste bei Immobilien sorgen also schneller für Verluste in der Deckungsmasse als in Deutschland. Vor allem Gewerbeimmobilien schwanken häufig stärker als Häuser.

Bei der Anglo Irish Bank Mortgage Bank (AIBMB) gibt es 4 Commercial Mortage Backed Securities (CMBS) im Gesamtnennwert von 4,3 Mrd. Euro. Diese sind mit einer Garantie der Mutterbank in Höhe von 1,2 Mrd. Euro versehen (für die am Ende der Staat über eine Staatsgarantie gerade steht) und basieren auf einem Hypothekenportfolio im Gesamtwert von 6,47 Mrd. Euro. Eigentlich eine beruhigende Überdeckung von mehr als 2 Mrd. Euro oder fast 50% auf den Nennwert.

Eigentlich. Denn von den Hypotheken sind bereits 738 Millionen Euro als notleidend klassifiziert (werden nicht mehr pünktlich bedient). Zusammen mit den bereits offiziell ausgefallenen Hypotheken sind 27% der Deckungsmasse als "kritisch" klassifiziert. Nur noch 41% gelten als "gut".

Uih. Das wirft einen übles Licht auf den irischen Immobilienmarkt. Die Preisrückgänge von 50%, die Moody's beim Stresstest der spanischen Banken im "irischen" Szenario angenommen hat (siehe ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000), scheinen also ziemlich realistisch zu sein. Übrigens: Kennt jemand einen guten Indikator für die Preisentwicklung am irischen Immobilienmarkt, den ich in meine Watchlist aufnehmen kann?

HSBC Trinkaus: Märkte am Morgen (Ausgabe vom 20.07.2010 7:26 Uhr)

Um abschließend auf die Panikbremse zu treten: Die Deckungsmassen der anderen drei großen irischen Banken sehen besser aus. Allerdings wahrscheinlich auch nur, weil bereits große Teile des Schrotts mit dicken Abschlägen (etwa 50%) an die staatliche irische Bad Bank NAMA verkauft wurden (siehe IRLAND ZIEHT ZWEITEN SCHLUSSSTRICH UNTER DIE BANKENKRISE).

Kein Wunder, dass sich Moody's leichte Sorgen um die Bonität des Staates Irland macht: MOODY'S STUFT IRLAND AUF AA2 HERAB

Update (22.07.10):

Ich habe ja schon auf die Panikbremse getreten und darauf hingewiesen, dass die restlichen Pfandbriefe in Irland (also zumindest der Teil, der noch nicht an die staatliche Bad Bank vertickert wurde) eine bessere Qualität haben.

Trinkaus hat gestern ein paar Daten über andere Pfandbriefe veröffentlicht und da sind die Ausfälle mit maximal 1,55% (gegenüber den 24% bei der AIBMB) der Deckungsmasse völlig unkritisch.
Allerdings ist mir dabei auch noch ein WTF aufgefallen: Der Pfandbrief der AIBMB ist doch tatsächlich mit AAA bewertet ... Unglaublich!

HSBC Trinkaus: Märkte am Morgen (Ausgabe vom 21.07.2010 7:50 Uhr)

P.S. Hartgeld.com Leser interessieren sich möglicherweise auch für die Größe des US-Schattenbanksystems:
ZAHL DES TAGES (21.07.10): 16.000.000.000.000

und sollten sowieso mein Blog abonnieren. Die 1,2 Postings am Tag schafft ihr auch noch ...
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Zahl des Tages (19.07.10): 126.300.000.000

Ich habe in den Kommentaren schon ein paar Mal eine Zahl aus Spanien angekündigt und daher muss ich die langsam mal bringen, auch wenn ich nach einer Stunde suchen die Zahl an der Quelle selber noch nicht verifizieren konnte. Aber ich weiss, dass ich im Fall von Griechenland auch schonmal ergebnislos gesucht habe. Daher schreibe ich das jetzt einfach mal auf und hoffe a) dass die Zahl stimmt (stimmig ist sie auf jeden Fall) und b) dass mir ein Leser verraten kann, in welcher der unzähligen Veröffentlichungen der EZB diese Zahlen stehen ... (danke ...).

Es geht im die Ausleihungen des spanischen Bankensektors bei der EZB. Im Fall von Griechenland war es so, dass sich die griechischen Banken schon einige Monate vor der totalen Zuspitzung mehr und mehr Geld von der EZB geliehen haben. Erstens, weil sie mehr Geld brauchten, um die Unmengen an griechischen Staatsanleihen kaufen zu können und zweitens, weil den griechischen Banken schlicht niemand mehr Geld leihen wollte ... Die EZB wurde also zum letzt möglichen Geldausleiher.

Man soll der Teufel nicht an die Wand malen, aber im Fall Spanien sieht es nun ähnlich aus. Die Ausleihungen des spanischen Bankensektors bei der EZB sind im Juni 2010 auf

126.300.000.000 (126,3 Milliarden) Euro

gestiegen. Das ist ein satter Anstieg um fast 50% gegenüber dem Mai und von fast 80% gegenüber Juni 2009.

Dass es sich um spezifische Probleme Spaniens handelt, sieht man beim Vergleich mit allen Ausleihungen der EZB: Diese sind etwa 4% gegenüber dem Vormonat und knapp 18% gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Folglich stieg der Anteil des spanischen Bankensektors an den gesamten Krediten der EZB von 14 auf jetzt 25%. Es würde mich nicht wundern, wenn Spanien damit der größte Kreditnehmer der EZB wäre (zumindest sind sie vorne dabei). Leider habe ich dazu die passenden Zahlen bei der EZB nicht gefunden und kann das nicht nachprüfen.

Es sieht also - trotz aller gegenteiligen Beteuerungen  - nicht gut für den spanischen Bankensektor aus. Wenn am Markt niemand mehr den spanischen Banken Geld leiht (was sich ja schon früher (im Mai) abzeichnete, siehe: SPANISCHE GROSSBANK BBVA MIT REFINANZIERUNGSPROBLEMEN), wird es auch schnell eng für den spanischen Staat. Da nützen auch ein paar erfolgreiche Versteigerungen von Staatsanleihen (mit saftigem Zinsaufschlag) auch nicht mehr viel.

Bin mal gespannt, was der EU-Stresstest für die spanischen Banken ergibt. Die erste deutsche Bank soll ja bereits gerüchtehalber Probleme haben (siehe HRE hat Probleme mit dem Bankenstresstest). Und ich halte es für unwahrscheinlich, dass die spanischen Banken problemlos durchkommen, wenn die Ratingagentur Moody's Verluste von 240 Mrd. Euro im Kreditportfolio der spanischen Banken erwartet. Und das im mittleren Szenario des Moody's-eigenen Stresstests (siehe ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000), im schlechteren Szenario sah es noch düsterer aus ....

Leben in Spanien: Die Schulden Spaniens bei der Europäischen Zentralbank im Juni brach Rekorde

Update (20.07.10):

Aha, ein (leider) anonymer Kommentator hat zwei interessante Artikel hinterlassen. Dabei vor allem einen, der direkt auf die Notenbank verweist (ich hab die Quelle also). Ich hätte nur nicht bei der EZB suchen sollen (obwohl die Zahl da bestimmt auch irgendwo steht), sondern bei der Banco de España ... Da findet man die Zahl und ich bin sehr beruhigt, dass die Zahlen oben alle stimmen:

Banco de España: 8.1.b BALANCE DEL BANCO DE ESPAÑA. PRÉSTAMO NETO A LAS ENTIDADES DE CRÉDITO Y SUS CONTRAPARTIDAS (PDF!)

Moody's stuft Irland auf Aa2 herab

Damit ging es um eine Stufe nach unten, aber immerhin ist der Ausblick jetzt stabil. Aa2 ist immer noch sehr gut und liegt nur zwei Stufen unter dem bestmöglichen Rating von Aaa.

Grund für die Herabstufung der irischen Staatsanleihen ist (natürlich) der massiv gestiegene Schuldenstand Irlands. Von etwa 25% des BIPs haben sich die Schulden bis heute bereits mehr als verdoppelt. Moody's rechnet mit dem Scheitelpunkt erst bei annähernd 100% des BIPs. Und das obwohl Irland erfolgreich Konsolidierungsmaßnahmen eingeleitet hat und dafür auch von vielen (u.a. dem IWF) explizit gelobt wird.

Bei Standard & Poors ist Irland übrigens mit AA auf der gleichen Stufe wie bei Moody's bewertet, bei Fitch mit AA- eine Stufe darunter.

Spiegel: Rating-Riese stuft Irlands Kreditwürdigkeit herab
Marketwatch: Moody's downgrades Ireland citing loss of financial strength

Zahl des Tages (18.07.10): 550.000.000

Tja, das war knapp. Mit 3:2 stimmte die US-Börsenüberwachung SEC einer Einigung mit Goldman Sachs zu, die Goldman Sachs zu einer Rekordzahlung von

550.000.000 (550 Millionen) Dollar

verpflichtet.

Dabei ging es um die Strukturierung einiger Wertpapiere, die den Kunden als gute Wertpapiere angepriesen wurden, obwohl Goldman Sachs gleichzeitig auf den Untergang genau dieser Papiere gewettet hat. Das war das Geschäft, bei dem auch Hedgefonds Manager Paulson mit im Boot saß (siehe ZAHL DES TAGES (16.04.10): 99% oder noch mehr JON STEWART ZU GOLDMAN SACHS UND JIM CRAMER (UND RIESENLINKFEST)).

Die Einigung erscheint zwar in der absoluten Summe auf der einen Seite teuer, allerdings lag der Gewinn von Goldman Sachs 2009 bei einer zweistelligen Milliardensumme, macht also nur einen Bruchteil der Gewinne aus. Wichtiger für Goldman Sachs ist sowieso die Tatsache, dass die Einigung außergerichtlich erzielt wurde und kein Schuldeingeständnis abgegeben werden musste.

Das WSJ wertet die Einigung dann auch als großen Erfolg für Goldman Sachs (WSJ: Goldman Wins Big With Deal)

WSJ: SEC Split Over Goldman Deal

Die Frage, die ich mir stelle: Was ist eigentlich mit John Paulson? Wird der noch belangt? Oder ist der jetzt ganz raus?

Und die zweite Frage: Bekommt eigentlich der deutsche Steuerzahler die 150 Millionen, die an die IKB gehen?

Update (20.07.10):

Heute gab es die Zahlen für's zweite Quartal von Goldman Sachs. Das war vergleichsweise schwach, es ging von 5,9 Mrd. auf 1,6 Mrd. Dollar (vor einmaligen Belastungen) runter. Die einmalige Belastung aus der Einigung mit der SEC wurde sofort berücksichtigt, u.a. deshalb lag das Ergebnis nach allen Belastungen nur bei 453 Millionen Dollar. Auf das Ergebnis vor Belastungen gesehen, hat die Einigung also etwa den Gewinn eines einzigen Monats in einem schwachen Quartal verschlungen. In einem guten Quartal wären es sogar nur eher zwei Wochen gewesen ...

FT Alphaville: Goldman’s EBITDAF

Zahl des Tages (16.07.10): 260

Nach ein paar etwas langsameren Wochen heute mal wieder einen Haufen Bankpleiten auf einen Schlag. Unter den 6 Pleiten ist allerdings nichts Aufregendes dabei ...

US-Bankenpleite Nr. 255

Name: Woodlands Bank
Sitz: Bluffton, South Carolina
Assets: 376 Millionen Dollar
Käufer: Bank of the Ozarks, Little Rock, Arkansas
Schaden für die FDIC: 115 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 262 (rot)

FDIC: Bank of the Ozarks, Little Rock, Arkansas, Assumes All of the Deposits of Woodlands Bank, Bluffton, South Carolina

US-Bankenpleite Nr. 256

Name: Metro Bank of Dade County
Sitz: Miami, Florida
Assets: 442 Millionen Dollar
Käufer: BNAFH National Bank, Miami, Florida
Schaden für die FDIC: 68 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 207 (rot)

FDIC: BNAFH National Bank, Miami, Florida, Acquires All the Deposits of Two Institutions in Florida and One Institution in South Carolina

US-Bankenpleite Nr. 257

Name: Turnberry Bank
Sitz: Aventura, Florida
Assets: 264 Millionen Dollar
Käufer: BNAFH National Bank, Miami, Florida
Schaden für die FDIC: 34 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 155 (rot)

FDIC: BNAFH National Bank, Miami, Florida, Acquires All the Deposits of Two Institutions in Florida and One Institution in South Carolina

US-Bankenpleite Nr. 258

Name: First National Bank of the South
Sitz: Spartanburg, South Carolina
Assets: 682 Millionen Dollar
Käufer: BNAFH National Bank, Miami, Florida
Schaden für die FDIC: 75 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer! 
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 55 (rot)

FDIC: BNAFH National Bank, Miami, Florida, Acquires All the Deposits of Two Institutions in Florida and One Institution in South Carolina

US-Bankenpleite Nr. 259:

Name: Olde Cypress Community Bank
Sitz: Clewiston, Florida
Assets: 169 Millionen Dollar
Käufer: CenterState Bank of Florida, National Association, Winter Haven, Florida
Schaden für die FDIC: 32 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platzt 262 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 53 (rot)

FDIC: CenterState Bank of Florida, National Association, Winter Haven, Florida, Assumes All of the Deposits of Olde Cypress Community Bank, Clewiston, Florida

US-Bankenpleite Nr. 260 (Nr. 96 dieses Jahr):

Name: Mainstreet Savings Bank, FSB
Sitz: Hastings, Michigan
Assets: 97 Millionen Dollar
Käufer: Commercial Bank, Alma, Michigan
Schaden für die FDIC: 11 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 126 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 212 (rot)

FDIC: Commercial Bank, Alma, Michigan, Assumes All of the Deposits of Mainstreet Savings Bank, FSB

Zahl des Tages (16.07.10): 120,6

Eigentlich hatte ich ein anderes Thema geplant, aber dann kam ein ziemlich heftiges Unwetter mit Keller wischen (zum Glück nicht scheppen und die zweite Welle fängt gerade an), daher nur der öde ECRI Indikator (DER ECRI FRÜHINDIKATOR: WO STEHT ER? WAS SAGT ER?).

Heute gab es wie immer am Freitag das wöchentliche Update des ECRI Weekly Leading Indicators. Dabei ist das daraus errechnete Wachstum (das hier schon einige Male auftauchte) auf -9,8% gefallen. Der Vorwochenwert wurde von -8,3 auf -9,1% korrigiert.

Der absolute Wert des ECRI wurde mit

120,6

gemeldet, was deshalb bemerkenswert ist, weil das der niedrigste Stand seit ziemlich genau einem Jahr ist. Es zeigt jetzt also nicht nur in der berechneten Jahresrate ein Minus an (das ist ja schon seit ein paar Wochen so), sondern auch der absolute Stand liegt im Jahresvergleich im Minus.

Zwar ist der ECRI-WLI nur ein Indikator unter vielen, ABER es ist schon überraschend, dass ein Indikator, der bisher bei einem Stand von tiefer als minus zehn immer von einer Rezession gefolgt wurde, so wenig Beachtung findet. Die Prognosen der Analysten lauten alle auf "deutliche Abschwächung", aber selbst Pessimisten wie Roubini oder Roach sehen die Rezessionwahrscheinlichkeit bei weniger als 40%. Ich bin da inzwischen deutlich skeptischer ...

Eine ziemlich ausführliche Diskussion der aktuellen Datenlage findet sich bei Creditwritedowns:
Creditwritedowns: ECRI Index annualized change almost a lock for double dip territory

US: Verbraucherpreise 06/10: +1,1% (Vj), -0,1% (Vm)

Heute mal wieder ein Datenpunkt zur Inflations-Deflations-Debatte.

Die Preissteigerung in den USA geht weiter zurück. Der Juni ist mit einem Minus von 0,1% gegenüber dem Vormonat bereits der dritte Monat in Folge mit sinkenden Preisen (Mai: -0,2%, April -0,1%).

Auslöser waren erneut die Energiepreise. Diese sanken kräftig um 2,9%. Die Kernrate der Inflation (ohne Energie und Lebensmittel) stieg im Juni um 0,2% (nach +0,1% und 0,0%). Die Jahresrate dort liegt bei +0,9%.

Es bleibt dabei: Kurzfristig ist keine Inflationsgefahr zu erkennen. Und so lange die Arbeitslosigkeit nicht sinkt (und dadurch der Druck auf die Löhne hoch bleibt), wird sich diese wohl auch nicht einstellen.

BLS.gov: Consumer Price Index Summary 06-10

Zahl des Tages (15.07.10): 3.490.000.000

Hab Spanien nochmal verschoben und ein Thema vorgezogen, dass hier schon einige Male dran war: Die Lobbykratie ... siehe z.B. hier ZAHL DES TAGES (04.03.09): 5.178.835.253

Ich meine eigentlich auch, dass ich schonmal etwas über die unglaublichen Renditen geschrieben habe, die Lobbyisten versprechen. Ihre Dienste sind zwar teuer, aber selbst kleine Änderungen in Gesetzen, die die eigene Branche betreffen, können vielfach größere Auswirkungen haben. Da können Ausgaben von ein paar Hunderttauend Dollar für Lobbyisten schnell Ersparnisse (bzw. Mehreinnahmen) im Wert von einigen Millionen gegenüber stehen.

Daher ist die Lobby-Branche auch eine der Branchen, die scheinbar immer wächst. In der Lobbying Database des Centers for Responsive Politics ist seit 1998 kein Jahr zu sehen, in dem die Ausgaben gesunken sind. Von 1,44 Mrd. Dollar in 1998 ging es bis 2009 um 174% auf inzwischen

3.940.000.000 (3,94 Milliarden) Dollar

nach oben.

In der Gesamtübersicht seit 1998 ist der Finanzsektor nicht ganz überraschend am stärksten vertreten. 2009 liegt er auf Platz 3 knapp hinter dem Gesundheitssektor und Sonstigen Sektoren.
Man kann die Sektoren sogar noch weiter aufgliedern. Relativ überraschend sind im Finanzsektor nicht Hedgefonds oder die (ehemaligen) Investmentbanken die großen Lobbyfinanzierer, sondern die Versicherungen. Das hätte ich zumindest im Vorfeld des heute übrigens endgültig verabschiedeten Finanzmarktreformgesetz in den USA anders getippt.

Die Datenbank ist generell ziemlich spannend. Ich könnte darin stundenlang rumklicken. Sehr schön sind zum Beispiel auch die größten Lobbyistenfinanzierer: Über den Gesamtzeitraum ist es General Electric, 2009 war es ExxonMobil (und ja, auch BP taucht in den Top-20 auf ...)

Gibt es eine solche Datenbank eigentlich auch in Deutschland? Wenn nicht, warum nicht? Wäre das nicht ein Job für die Piratenpartei?

CRP: Lobbying Database

Zahl des Tages (14.07.10): -3,1%

Ich habe zwar eine andere spannende Zahl aus Spanien gefunden, aber da das gestern schon Thema war, verschiebe ich das mal auf morgen, auch wenn die Gefahr besteht, dass irgendjemand die Zahl vor mir entdeckt ...

Was nehme ich dann? Ah, mein Lieblingsthema: Der US-Immobilienmarkt.

Heute gab es wie an jedem Dienstag den Wochenbericht der MBA (Mortgage Bankers Association), in dem über das Geschäftsvolumen und den Zins in der Vorwoche berichtet. Normalerweise sind die Zahlen nicht so spannend, weil die Änderungen von Woche zu Woche (logischerweise) nicht sonderlich groß sind. Aber in größeren Abständen kann man ruhig mal auf die Zahl schauen.

Denn gerade aus dem Volumen der abgeschlossenen Kreditverträge lässt sich die Entwicklung am US-Immobilienmarkt in näherer Zukunft ziemlich gut ablesen. Denn wenn die MBA eine sinkende Zahl neuer Hypotheken meldet, sinkt in der Folge logischerweise auch die Anzahl der verkauften Immobilien. Die Zahlen der MBA laufen den offiziellen Zahlen immer etwas voraus, allein schon, weil es sie wöchentlich gibt.

Die MBA unterscheidet zwischen Neuanträgen auf Hypotheken (Purchase Index) und Refinanzierungen (Refinance Index). Der Refinanzierungsmarkt macht knapp 80% des Gesamtmarkts aus. In der vergangenen Woche sind beide Teile gesunken. Die Refinanzierungen gingen um 2,9% zurück, die Neuanträge um

3,1%.

Warum hebe ich nun die (unwichtige) wöchentliche Änderung des (unwichtigeren) kleineren Teils auf den Thron? Weil mir a) die genauen Zahlen fehlen (die MBA meldet die nicht für jedermann wie mich, zumindest wüsste ich nicht wo) und weil b) der absolute Wert der (Neu-)Hypotheken auf den niedrigsten Stand seit Dezember 1996 gefallen ist. Beim Vierwochendurchschnitt muss man sogar noch weiter in die Vergangenheit schauen, um einen niedrigeren Wert zu finden: Bis September 1995. Der Stand, der nun erreicht wurde, ist also richtig niedrig.

Im Chart bei Calculated Risk kann man schön sehen, wie dramatisch die Zahlen gesunken sind. Allein seit Ende April, als die Steuergutschrift für Erstkäufer auslief, beträgt das Minus schon wieder über 40%. Vom Hoch in 2005 aus gesehen hat sich die Anzahl der Hypotheken in etwa gedrittelt. Autsch!

Ich bin weiterhin überrascht, dass das niedrige Zinsniveau für Hypotheken in den USA von 4,12% für 15-jährige und 4,69% für 30-jährige Laufzeiten keine positive Wirkung entfaltet. Das sind für die USA traumhaft niedrige Zinsen! Die 4,6% für 30-jährige Hypotheken, die im Mai erreicht wurden, waren der tiefste Wert seit 50 Jahren! Positiver Effekt? Keiner ... (Das niedrige Zinsniveau war einer der Pfeiler, auf die ich meine Immowette gebaut habe ...)

Es sieht mehr und mehr danach aus, als habe ausschließlich die Steuergutschrift für eine Zwischenerholung gesorgt (die ganz nebenbei noch ziemlich schwach ausfiel). Nun geht es wieder klar nach unten und ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir nur auf ein Double Dip zusteuern oder ob das "zweite Bein" sogar unter die alten Tiefs führen wird ... Das hängt am Ende natürlich auch an der Politik, die die Steuergutschrift für Erstkäufer wieder verlängern will (oder schon hat?).

Meine Immowette gewinne ich trotzdem, weil der Restzeitraum bis Ende der Wette nicht mehr lang genug ist. 10% Preisminus in wenigen Monaten - Won't happen.

MBA: Press Release - Weekly Application Survey 14.07.10
CalculatedRisk: MBA: Mortgage Purchase Applications lowest since December 1996

#fun: Jon Stewart zur Arbeitslosenhilfe und der FOX-Propaganda dagegen

Mit Stargast Nouriel Roubini ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
America's Got Nothing
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorTea Party

gefunden über Blicklog: Jon Stewart: Amerika hat nichts

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