Zahl des Tages (31.08.10): 1,0

Das war (für mich) eine klare Überraschung: Der Case-Shiller-Immobilienpreisindex wurde im Juni mit einem Anstieg von

1,0%

gemeldet.

Das ist die erste gute Zahl vom US-Immobilienmarkt seit einigen Wochen. Allerdings muss man anmerken, dass die richtig schlechten Zahlen erst im Juli kamen. Und da der Case-Shiller-Index ziemlich aufwändig zu errechnen ist, müssen wir auf die Werte des Case-Shiller-Indexes vom Juli noch einen Monat warten. Aber auch der Juni war bei den anderen Indizes schon schwach, daher finde ich, dass das klare Plus doch zumindest eine kleine Überraschung ist.

Der für meine Immowette wichtige Wert ist der Rückgang des City-20-Index vom absoluten Hoch. Dieser ist aktuell auf 28,4% geschrumpft und damit weit weg von den 40%, ab der ich die Wette verlieren würde. Die Wette habe ich übrigens ziemlich exakt am Tief abgeschlossen (schulterklopf), da stimmte mein Timing also mal.

Der Juni Anstieg war übrigens etwas schwächer als im Mai (+1,3%). Die Breite blieb sehr gut, 17 der 20 betrachteten Regionen lagen im Plus, zwei waren unverändert und nur eine (Las Vegas) sank weiter. Vom Allzeithoch aus gesehen liegt das Gesamtminus in Las Vegas nun übrigens bei über 56%.

Um die Freude etwas zu dämpfen: Ich benutze die nicht saison-bereinigten Zahlen. Die saisonbereinigten Zahlen (die Case-Shiller im Moment aber selber mit etwas Vorsicht sehen), stiegen mit 0,3% deutlich schwächer. Ein großer Teil des Preisanstiegs ging also auf den positiven Effekt des Sommers zurück.

Da im nächsten Monat der positive Einfluss der Jahreszeit beginnt schwächer zu werden und der Juli bei den Umsätzen eh schon desaströse Werte geliefert hat (siehe ZAHL DES TAGES (25.08.10): 276.000ZAHL DES TAGES (24.08.10): -27,2%), wird die Juni Zahl wohl für die nächsten Monate der positivste Wert bleiben.

Marketwatch: U.S. home prices rose 1.0% in June: S&P
Calculated Risk: Case-Shiller: Home Price indices increase in June

Oder direkt von der Quelle:

S&P: The Second Quarter of 2010 Saw Modest Improvement in Home Prices According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF!)

Update (22:35):

Ach so, ganz vergessen: Es gab zum Quartalsende auch Zahlen für die gesamte USA (also nicht nur die 20 Regionen). Diese waren aber so ähnlich zu den City-20-Zahlen, dass man die Unterschiede eigentlich vergessen kann. Was ich dann auch getan habe ;-)

Update 2 (22:46)

Weil's gerade passt: Ein Interview mit Robert Shiller über den US-Immobilienmarkt und ein mögliches Double-Dip der US-Konjunktur:

Zahl des Tages (30.08.10): 2.353.703.000.000

OK, die Zahl hatte ich lange nicht mehr. Wie sieht eigentlich aktuell die Bilanz der US-Notenbank Fed aus?

Dort hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Die kurzfristigen Ausleihungen an die Banken sind wieder massiv zurückgegangen (mittelblau in der Grafik), dafür hat die Fed die Menge der aufgekauften Mortgage Backed Securities (in der Grafik rot)  massiv erhöht.

Fed: Factors affecting Reserve Balances

FT Alphaville: The Fed’s balance sheet and an ABS update


Diese Politik scheint sich nun aber zu ändern. Die Fed hat in der Vorwoche beschlossen, die Rückflüsse aus den MBS (Zinsen, Tilgungen) für eine Erhöhung der Ankäufe von US-Staatsanleihen (grün) einzusetzen. Damit geht die Fed jetzt wieder dazu über, direkt die Notenpresse anzuwerfen.

Damit will die Fed wohl sicherstellen, dass die Bilanzsumme bloß nicht anfängt zu sinken ;-)

So messen wir gerade eine Bilanzsumme von

2.353.703.000.000 (2,35 Billionen) Dollar.

Und irgendwie erinnert mich das an eine Aussage von gestern: Der Ausstieg der Regierung aus den Fördermaßnahmen erscheint kaum vorstellbar. Sobald der Ausstieg vollzogen wird, bricht der entsprechende Sektor ein. Und am Finanzmarkt sieht es ähnlich aus: Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie die Fed aus den Maßnahmen aussteigen soll.

Update (31.08.10):

Huch, den Link zur Nachricht, dass die Fed jetzt wieder Staatsanleihen ankaufen will, vergessen. Das sei hiermit nachgereicht:

Handelsblatt: Fed pumpt wieder Geld in Wirtschaft

Und ebenfalls interessant: Der Beschluss wurde nicht einstimmig gefasst:

Marketwatch: Reinvestment plan sparks FOMC debate

Zahl des Tages (29.08.10): 1,7%

Nochmal US-BIP ...

Dass sich ein Drittel des Wachstums des US-BIP im zweiten Quartal zwischen der ersten und der zweiten Schätzung in Luft aufgelöst haben, war ja schon am Freitag Thema hier (ZAHL DES TAGES (27.08.10): 0,8). Und darauf, dass 1,6% annualisiertes Wachstum in der deutschen Logik nur 0,4% Quartalsplus, also ziemlich wenig sind, wies ich gestern hin (ZAHL DES TAGES (28.08.10): -9,9%). Auch dass der Einbruch des Immobilienmarkts nur zwei Monate nach Auslaufen der Steuergutschrift für Erstkäufer kam, habe ich schon geschrieben (ZAHL DES TAGES (24.08.10): -27,2%).

Zusammengefasst lieferte die vergangene Woche ein ziemlich konsistentes Bild der US-Wirtschaft: Sie wächst nur noch langsam und kaum selbsttragend. Der Staat muss mit seinen Hilfsmaßnahmen kräftig unter die Arme greifen. Ein Ausstieg des Staats scheint kaum vorstellbar.

Die interessante Frage ist natürlich wie viel des Aufschwungs auf den Staat zurückgehen. Und dazu gibt es tatsächlich Zahlen. Und diese zeigen wie unglaublich wacklig der Aufschwung in den USA ist.

Der Haushaltsausschuss (CBO Congressional Budget Office) hat den Effekt durchrechnen lassen. Danach sorgten die Stimulierungsmaßnahmen für

1,7%

Wachstum im 2. Quartal. Bei 1,6% Wachstum bleibt also vom selbsttragendem Aufschwung nichts übrig.

Und "sowas von nix" an Aufschwung steht im 2. Quartal zu Buche, wenn man die aggressivere Berechnung zu Grunde legt. Denn danach sorgten die staatlichen Konjunkturprogramme für ein 4,5% höheres BIP im 2. Quartal. Ohne die Konjunkturprogramme wäre die US-Wirtschaft also sogar kräftig geschrumpft.

Ich habe die höhere Schätzung aber nicht zur Zahl des Tages gemacht, weil solche Berechnungen ziemlich wacklig sind, was man schon an der Schwankungsbreite zwischen 1,7 und 4,5% ablesen kann. Außerdem kann ich mir auch gut vorstellen, dass die Politiker ihren Einfluss gerne positiv darstellen möchten. Soll heißen: Zu positiv. Denn mit ein paar Hundert Milliarden alberne 1,7% Wachstum zu erzeugen, klingt schwach; 4,5% hingegen schon viel toller.
Gerade bei der Arbeitslosigkeit (0,7 bis 1,8 Prozentpunkte niedriger) oder der Anzahl der Arbeitsplätze (1,4 bis 3,3 Millionen mehr) macht sich die aggressive Schätzung deutlich besser.

Der Effekt der staatlichen Hilfen soll in den nächsten Quartalen übrigens sinken. Im 3. Quartal 2010 sollen es nur noch 1,5 bis 4,2% werden, im 4. Quartal 1,1 bis 3,6%. Wer weiss, vielleicht sorgt dieser Rückgang schon im dritten Quartal für einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession ...

Calculated Risk: CBO: Stimulus raised GDP 1.7% to 4.5% in Q2

Update (30.08.10):

Es gebe keine Wunderpille, sagt Obama.

FTD: Obama beklagt lahme Wirtschaftserholung

Tjoah, und der olle Keynes hat eben auch keine ...

Zahl des Tages (28.08.10): -9,9%

So, US-Rezession abgeblasen ;-)

Ich habe den ECRI in den letzten Wochen ziemlich intensiv beobachtet. Aber zu einer neuen Rezessionswette habe ich mich noch nicht hinreißen lassen. Auch wenn die ECRI-Wachstumsrate unter die Marke von -10,0% gefallen war und das bisher immer von einer Rezession gefolgt wurde. Für mich war der Wert nicht so wichtig, weil ich einen großen Teil des starken Rückgangs auf den ebenso starken Anstieg vorher zurückführe.

Wenn man sich die ECRI-Grafik anschaut (leider habe ich keine zum embedden), wird auch schnell klar, wie außergewöhnlich kräftig der ECRI nach der Rezession angestiegen ist. Daher bewerte ich den ECRI aktuell nicht zu stark.

Auch wenn es für ein Urteil natürlich viel zu früh ist, nehme ich mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis, dass sich der ECRI stabilisiert und sich die Wachstumsrate auf

-9,9%

erholt hat.

Für eine Entwarnung ist es natürlich zu früh. Immerhin ist das BIP-Wachstum von annualisiert 1,6% auf das Quartal gesehen nur etwa 0,4% vom Null entfernt. Und wie wenig das Ex-Stimulus ist, dazu mehr in der Zahl des Tages 29.08.10, also morgen (die Party ruft und ich hatte fest eine Bankenpleite eingeplant, die es aber nicht gab ...)

ECRI: WLI Level At 2-Week High

Zahl des Tages (27.08.10): 0,8

Heute gab es einen Stand bezüglich des Wirtschaftswachstums in den USA im 2. Quartal 2010. Und dabei gab es eine dicke Abwärtskorrektur.

Mit der Korrektur um

0,8 Prozentpunkte

von 2,4% auf 1,6% hat sich ein sattes Drittel des ursprünglich geschätzten Wachstums in heiße Luft aufgelöst.

Ganz unerwartet kam die Änderung nicht, Trinkaus rechnete zum Beispiel sogar mit einer noch stärkeren Korrektur auf 1,3%.

Calculated Risk hat die großen Änderungen zusammengefasst. Ein wirklich stimmiges Bild kann ich daraus aber nicht erkennen. Auf der Habenseite sorgten der private Konsum (+0,23 Prozentpunkte), die Dienstleistungen (+0,20 PP) und Maschinen und Software (+0,17 PP) für die größten Beiträge. Für die Abwärtskorrektur  sorgten der Export (-0,59 PP; es wurde weniger als ursprünglich geschätzt exportiert), der Import (-0,45 PP; es wurde mehr importiert), der private Lagerbestand (-0,42 PP; wuchs nicht so stark wie erwartet) und die privaten Investitionen (-0,39 PP; das könnte der Hausbau gewesen sein).

Naja, viel mehr Klarheit bringt das nicht ...

BEA.gov: Gross Domestic Product, 2nd quarter 2010 (second estimate);
Calculated Risk: Q2 real GDP revised down to 1.6% annualized growth rate

Update (28.08.10):

Eine Einschätzung der Korrektur bei Econbrowser:

Econbrowser: GDP revised down

Kurzversion: Es war nicht ganz so schlimm, wie die 0,8 aussagt.

UK: BIP Q-02/10: +1,2% Vq (+1,7% Vj)

Damit wurde die erste Schätzung um 0,1 Prozentpunkte erhöht. In der annualisierten Form, wie sie in den USA ausgewiesen wird, sind das gut 5%. Das BIP-Wachstum in Großbritannien im zweiten Quartal 2010 ist nach der Aufwärtskorrektur das höchste seit 9 Jahren.

Treiber war vor allem der vorher völlig am Boden liegende Bausektor, der um fast 9% zulegte.

Die Frage ist nur, wie viel des Zuwachses "künstlich" ist, also nur auf staatliche Anschubprogramme zurückgeht, die Großbritannien bei einem Haushaltsminus in Prozent vom BIP im zweistelligen Bereich wohl nicht auf alle Ewigkeit so weiterführen kann ...

UK economy grows at fastest pace in nine years - Telegraph

Zahl des Tages (26.08.10): 346

Eine ganze Menge los war während meines Urlaubs im Fall Irland. Also kapitalmarkttechnisch. Irland hat erfolgreich eine Anleihe platzieren können, was dann auch durchaus als Erfolg gewertet wurde:

FTD: Irland besteht Lackmustest am Kapitalmarkt

Die Platzierung klappte trotz großer Unsicherheit und der Erwartung eines Haushaltsdefizits in Höhe von 20% des BIPs zuvor:

FTD: Irland wird zur Last für den Euro

Ob allerdings eine Platzierung der Anleihen mit derart hohen Risikoaufschlägen als Erfolg gewertet werden kann, ist fraglich. Nicht nur S&P sieht Irland kritisch (S&P STUFT IRLAND AUF AA- HERAB), auch die CDS Märkte und vor allem die Anleihemärkte sehen Irland äußerst kritisch.

Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen Staatsanleihen aus Deutschland und Irland ist heute auf

346

Basispunkte gestiegen. Das ist deutlich höher als der höchste Wert in der Finanzkrise. Auch der absolute Zins für die irischen Anleihen liegt mit 5,6% wieder in der Nähe der Tops. Dass der Abstand so stark gestiegen ist, liegt also zum großen Teil am Rückgang der deutschen Zinsen.

Das absolute Niveau der irischen Zinsen könnte inzwischen so hoch sein, dass die Iren sich nicht mehr an der Finanzierung des Euro-Rettungspakets beteiligen müssten. Es gibt im Rettungspakt eine Klausel die besagt, dass ein Staat aussteigen kann, wenn er selber höhere Zinsen an den Kapitalmärkten zahlen muss als Griechenland an Zinsen zahlt.

Diese Information wurde heute rumgereicht, ich weiss aber nicht, ob das wirklich stimmt, denn die Zinsen für die kürzeren Laufzeiten irischer Anleihen liegen deutlich tiefer als die 5,6% bei den Zehnjährigen. Die zweijährigen Anleihen liegen zum Beispiel bei etwa 3,3%. Das müsste noch unter dem Niveau sein, das Griechenland bezahlen muss.

Trotzdem ist der Anstieg der Risikoaufschläge für Irland alles andere als beruhigend ...

Zahl des Tages (25.08.10): 276.000

Nochmal US-Immobilienmarkt? Und dann noch eine Zahl, die ich immer (zuletzt gestern) als nicht so wichtig bezeichne. Aber erstens in Party im Haus und ich finde nichts anderes mehr  und zweitens ist es ein Allzeittief. Und letzteres ist immer ein Grund, eine Zahl auf den Thron zu heben ...

Die Zahl der verkauften neuen Häuser ist im Juli um 12,4% auf


276.000 (annualisiert)

gefallen.

Und wie bereits gestern bei den Zahlen zu den Bestandsimmobilien wurde der Juni nach unten korrigiert (von 330.000 auf 315.000). Das Minus war also eigentlich noch größer. Und ebenfalls wie gestern lagen die Erwartungen der Analysten wesentlich höher (339.000). Und der Lagerbestand in Monate stieg ebenfalls (ist allerdings mit 9 Monaten noch um einiges vom Allzeithoch entfernt).

Wenn man nicht annualisierte und nicht saisonbereinigte Zahlen nimmt, zeigt sich das ganze Desaster. Schlappe 25.000 Neubauten wurden im Juli verkauft, so wenig wie noch nie. Das bisherige Tief für den Juli stammt aus dem Jahr 1982. Setzt man die damals verkauften 31.000 Immobilien ins Verhältnis zu der damals fast 100 Millionen niedrigere Einwohnerzahl der USA und den Zinsen, die damals klar im zweistelligen Bereich lagen (heute bei etwa 4,5%), zeigt sich das ganze Ausmaß des Einbruchs.

Marketwatch: New-home sales drop to record low 276,000 yearly rate
Calculated Risk: New Home Sales decline to Record Low in July

S&P stuft Irland auf AA- herab

Es geht weiter in den Keller mit dem Rating von Irland. Standard & Poors hat Irland gestern Abend von AA auf AA- herabgestuft. Das ist allerdings immer noch das viertbeste Rating und besser als das von z.B. Italien.

Allerdings sollte man auch nicht vergessen zu erwähnen, dass das Rating, das der CDS Markt impliziert, wesentlich schlechter ist. Bei einer Prämie von etwas über 300 Basispunkten ist die Bewertung dort *viel* kritischer als bei S&P. Zum Vergleich: Italien liegt bei einem um 2 Stufen schwächeren Rating von A mit 212 Basispunkten etwa ein Drittel unter dem CDS-Preis von Irland.

Und nicht nur der von manchen als unzuverlässig gescholtene CDS Markt zeigt hohes Risiko bei den irischen Staatsanleihen an. Die Kurse der Anleihen decken diese Einschätzung. Die zehnjährige irische Staatsanleihe wirft heute mit 5,5% Rendite etwa 320 Basispunkte mehr ab als die deutsche Bundesanleihe. Der Abstand ist übrigens größer (=schlechter) als am Höhepunkt der Krise ...

Marketwatch: S&P downgrades Ireland on financial sector cost

Update (11:47):

Ein wichtiges Detail vergessen: Der Ausblick bleibt auch nach der Herabstufung auf "negativ".

FTD: Europas Schuldenkrise holt Investoren ein

Und ein Detail aus der Begründung der Herabstufung: S&P erwartet jetzt eine Belastung des irischen Staatshaushalts aus der Übernahme der Schrottanleihen aus den Banken in die staatliche Bad Bank NAMA jetzt Belastungen von etwa 50 Mrd. Euro (was ziemlich viel für ein so kleines Land mit 4 Millionen Einwohnern ist ...). Damit würde der Schuldenstand auf 113% des BIPs steigen.

So ganz überraschend kommt das allerdings nicht, siehe:

ZAHL DES TAGES (04.08.10): 47,6%
IRISCHE PFANDBRIEFE: VERBRIEFTER SCHROTT!

Ach so und noch was: Bei Moody's ist Irland noch auf Aa2 (also dem drittbesten Rating) , bei Fitch (der ersten Ratingagentur, die Irland das AAA entzogen hat) steht Irland auf der vierten Stufe.

Zahl des Tages (24.08.10): -27,2%

Tja, auch wenn die Zahl der gelesenen (besser als gelesen markierten Feeds) größer wird, heute nochmal als einziger Artikel eine Zahl aus der Rubrik "gesetzt".

Es geht um den US-Immobilienmarkt und einer der zwei wichtigsten Zahlen aus der Ecke. Neben der Preisentwicklung gemessen am Case-Shiller-Index ist das die Entwicklung für das Volumen, die man am besten an der Zahl der Existing Home Sales ablesen kann. Die Anzahl der Verkäufe von Bestandsimmobilien (yes, jetzt habe ich dank meiner Leser endlich die korrekte Übersetzung dafür) macht nämlich etwa 90% des gesamten Wohnimmobilienmarkts aus. Damit ist sie um einiges wichtiger als die Anzahl der Neubauanträge, die Stimmung der Hausbauer oder die Menge der verkauften neuen Häuser.

Bei den Umsätzen erwartete ich schon seit einiger Zeit einen deutlichen Einbruch, weil Ende April die Steuergutschrift für Erstkäufer ausgelaufen ist. Dass daraus im Mai noch nicht wurde, war klar, weil die Statistik die Häuser erst mit abgeschlossener Transaktion zählt und sich der Berg aus dem April im Mai langsam abbaute. Dass sich dieser Effekt bis in den Juni zog, überraschte mich dann ein wenig, aber wirklich gezweifelt habe ich an dem Einbruch nicht. Vor allem zeigte sich beim Lagerbestand in Monaten schon im Juni eine deutliche Verschlechterung (ZAHL DES TAGES (22.07.10): 8,9).

Das war aber nur der Anfang ... Denn die heute gemeldeten Zahlen überraschten mich erneut, aber diesmal auf der negativen Seite. Denn im Juli brachen die Umsätze gegenüber dem Vormonat um

27,2%

ein. Das muss man eigentlich schon als blanke Zahl unter Desaster einsortieren, aber spätestens wenn man bedenkt, dass der Juli eigentlich ein saisonal starker Monat ist, müsste selbst Permaoptimisten die Kinnlade herunterklappen.

Naja und es geht noch weiter ... Der Juni wurde um 110.000 Einheiten nach unten korrigiert, das Minus betrug also eigentlich fast 30%. Die absolute Zahl von 3,83 Millionen verkauften Immobilien war der niedrigste seit 10 Jahren (länger reicht die Zahlenreihe nicht zurück).

Und auch die Ausrede, dass es nur ein Einbruch sei, der auf den Peak vor dem Auslauf der Förderung im April zurückgeht, zieht nicht, denn auch im Vergleich zum Juli des Vorjahres liegen die Verkäufe nun wieder über 25% im Minus.

Und der Blick auf die eigentlich wichtigste Zahl in der Veröffentlichung, den Lagerbestand in Monaten, macht das ganze Ausmaß des Desasters klar. Weil zu den eingebrochenen Umsätzen ein um 2,5% gestiegenes Angebot kam, verschlechterte sich dieser Wert von 8,9 Monaten im Juni auf 12,5 Monate im Juli. Das ist ein Anstieg um

40(!!!)%.

Der Lagerbestand in Monaten liegt nun wieder in der Nähe der schlechtesten Werte in dieser Krise. Die ganze mühsame Verbesserung der vergangenen Monate ist also in nur einem Monat vollständig verdampft ...

Wahrlich kein gutes Zeichen für alle, die dauernd für Konjunkturprogramme plädieren. Denn diese stellen sich (wie auch jetzt) zu oft als Strohfeuer heraus ...

Marketwatch: Existing-home sales plunge 27.2%

Oder direkt von der Quelle:

NAR: July Existing-Home Sales Fall as Expected but Prices Rise

Ach so Standarddisclaimer: Meine Immowette gewinne ich trotzdem :-) Auch wenn es nur so ist, weil die Uhr zu meinen Gunsten tickt ...

Update (23:00):

Die beiden üblichen Postings mit den schönen Grafiken bei Calculated Risk:

Calculated Risk: Existing Home Sales lowest since 1996, 12.5 months of supply
Calculated Risk: Existing Home Inventory decreases 1.9% Year-over-Year

Die 12,5 Monate scheinen übrigens sogar schlechter zu sein als am Top der Krise ... Und der Rückgang um grob 1,5 Millionen Einheiten war etwa dreimal so hoch wie von den Analysten erwartet ... Diese lagen bei 4,7 Millionen ...

Update 2 (23:11):

Immerhin ein Analyst hatte eine gute Schätzung ... Und Bauchschmerzen, weil er so weit unter der Konsensschätzung lag ...

Lawler: Existing Home Sales: “Consensus” vs. Likely

Zahl des Tages (23.08.10): 282

So, nach dem Urlaub (war schön, danke, 14 Tage gar kein Internet sind auch mal was Feines (auch wenn das nicht geplant war)) kann ich heute nur mit einer vergleichsweise langweiligen Zahl dienen, die ich aber bringen muss, um meiner Chronistenpflicht Genüge zu tun ... (habe gerade mal die Feeds von FTD und FAZ durch ...)

Kurz: die Bankpleiten der letzten 3 Wochenenden:


Es war mal wieder eine größere Bank dabei (etwas über 2 Mrd. Bilanzsumme) und es wurden zum ersten Mal seit längerer Zeit Banken ins Ausland verkauft (an die niederländische Rabobank). Am überraschendsten finde ich jedoch die beiden letzten Banken, weil dort (voraussichtlich) nur ein ziemlich geringer Schaden für die Bankenrettungsfonds entstehen wird, der im letzten Fall bei gerade einmal  ein Prozent des Assets liegt. Vor einem Jahr lagen die Löcher, die der Sicherungsfonds zu stopfen hatte, eher bei 30 oder 40% der Einlagen. Ein gutes Zeichen?

Erstes Wochenende (6. August):

US-Bankenpleite Nr. 273 (Nr. 109 dieses Jahr):

Name: Ravenswood Bank
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 265 Millionen Dollar
Käufer: Northbrook Bank and Trust Company, Northbrook, Illinois
Schaden für die FDIC: 68 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 97 (rot)

FDIC: Northbrook Bank and Trust Company, Northbrook, Illinois, Assumes All of the Deposits of Ravenswood Bank, Chicago, Illinois

Zweites Wochenende (13. August):

US-Bankenpleite Nr. 274 (Nr. 110 dieses Jahr):

Name: Palos Bank and Trust Company
Sitz: Palos Heights, Illinois
Assets: 493 Millionen Dollar
Käufer: First Midwest Bank, Itasca, Illinois
Schaden für die FDIC: 72 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 192 (rot)

FDIC: First Midwest Bank, Itasca, Illinois, Assumes All of the Deposits of Palos Bank and Trust Company, Palos Heights, Illinois

Letzte Wochenende (20. August):

US-Bankenpleite Nr. 275 (Nr. 111 dieses Jahr):

Name: Community National Bank At Bartow
Sitz: Bartow, Florida
Assets: 68 Millionen Dollar
Käufer: CenterState Bank of Florida, National Association, Winter Haven, Florida
Schaden für die FDIC: 10 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 341 (rot)

FDIC: CenterState Bank of Florida, National Association, Winter Haven, Florida, Acquires All the Deposits of Two Banks in Florida

US-Bankenpleite Nr. 276 (Nr. 112 dieses Jahr):

Name: Independent National Bank
Sitz: Ocala, Florida
Assets: 156 Millionen Dollar
Käufer: CenterState Bank of Florida, National Association, Winter Haven, Florida
Schaden für die FDIC: 23 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 141 (rot)

FDIC: CenterState Bank of Florida, National Association, Winter Haven, Florida, Acquires All the Deposits of Two Banks in Florida

US-Bankenpleite Nr. 277 (Nr. 113 dieses Jahr):

Name: Imperial Savings and Loan Association
Sitz: Martinsville, Virginia
Assets: 9 Millionen Dollar
Käufer: River Community Bank, National Association, Martinsville, Virginia
Schaden für die FDIC: 3 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: kein Treffer!

FDIC: River Community Bank, National Association, Martinsville, Virginia, Assumes All of the Deposits of Imperial Savings and Loan Association, Martinsville, Virginia

US-Bankenpleite Nr. 278 (Nr. 114 dieses Jahr):

Name: ShoreBank
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 2,16 Milliarden Dollar
Käufer: River Community Bank, National Association, Martinsville, Virginia
Schaden für die FDIC: 368 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 223 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 126 (rot)

FDIC: River Community Bank, National Association, Martinsville, Virginia, Assumes All of the DepoUrban Partnership Bank, Chicago, Illinois, Assumes All of the Deposits of ShoreBank, Chicago, Illinois

US-Bankenpleite Nr. 279 (Nr. 115 dieses Jahr):

Name: Butte Community Bank
Sitz: Chico, California
Assets: 499 Millionen Dollar
Käufer: Rabobank, National Association, El Centro, California
Schaden für die FDIC: 17 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 332 (rot)

FDIC: Rabobank, National Association, El Centro, California, Acquires All the Deposits of Two Banks in California

US-Bankenpleite Nr. 280 (Nr. 116 dieses Jahr):

Name: Pacific State Bank
Sitz: Stockton, California
Assets: 312 Millionen Dollar
Käufer: Rabobank, National Association, El Centro, California
Schaden für die FDIC: 33 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 172 (rot)

FDIC: Rabobank, National Association, El Centro, California, Acquires All the Deposits of Two Banks in California

US-Bankenpleite Nr. 281 (Nr. 117 dieses Jahr):

Name: Los Padres Bank
Sitz: Solvang, California
Assets: 870 Millionen Dollar
Käufer: Rabobank, National Association, El Centro, California
Schaden für die FDIC: 9 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 566 (gelb)

FDIC: Pacific Western Bank, San Diego, California, Assumes All of the Deposits of Los Padres Bank, Solvang, California

US-Bankenpleite Nr. 282 (Nr. 118 dieses Jahr):

Name: Sonoma Valley Bank
Sitz: Sonoma, California
Assets: 337 Millionen Dollar
Käufer: Westamerica Bank, San Rafael, California
Schaden für die FDIC: 10 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 386 (rot)

FDIC: Westamerica Bank, San Rafael, California, Assumes All of the Deposits of Sonoma Valley Bank, Sonoma, California

UTS 2010 #13: Steuerlast der Mittelschicht zu hoch? Rechnet mal richtig!

Das Gejammer über die zu hohe Steuerlast ist in Deutschland sehr gängig. Zugegeben, wahrscheinlich nicht nur hier ...

Bei all dem Gejammer wird allerdings oft vergessen, dass den Steuern auch Gegenleistungen gegenüber stehen, die der Staat erbringt. Also nicht nur Infrastruktur, Rente, Pensionen, etc., sondern auch jede Menge Angebote, die sich ein Hartz IVler nicht leisten kann, das angeblich so geplagte Mitglied der Mittelschicht aber schon: Schulen, Musikschulen, Schwimmbäder, Sporthallen, Theater, ...

Was ist Mittelschicht? Im Gegensatz zur FDP, wo die Mittelschicht scheinbar ab 80.000 Euro  Jahresgehalt (oder so) beginnt, nimmt die FAZ 70 bis 150% des Durchschnittseinkommens an. Das umfasst dann 60% der Bevölkerung, die zwischen 1.720 und 3.690 Euro verdienen (inkl. Kindergeld, etc).

Die FAZ hat vom DIW untersuchen lassen, wie viel die Familien in der Mittelschicht durchschnittlich an den Staat zahlen und was sie über Leistungen zurück erhalten.

Dass die unteren Schichten mehr bekommen als sie zahlen, ist logisch. Bei einem Einkommen von weniger als 1.300 Euro ist die Steuerlast logischerweise gering (128 Euro), die Leistungen des Staats mit 677 Euro aber schon ganz anschaulich. Je höher das Einkommen geht, desto höher steigen die Steuern, aber auch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Das heisst dann: Theater, Konzerte, zwei Sportvereine, jede Woche Schwimmbad, etc. pp., wodurch mehr der öffentlichen Kosten auf diese Nutzer umgerechnet werden.

In der unteren Hälfte der Mittelschicht (1.700 bis 2.600 Euro Nettoeinkommen) stehen 495 Euro Steuern 911 Euro staatlicher Leistungen gegenüber, selbst in der oberen Hälfte (2.600 bis 3.600) stehen 801 Euro Steuern und Abgaben noch 917 Euro Leistungen gegenüber.

Erst darüber kippt die Rechnung: Bei 3.600 bis 5.000 Euro Nettoeinkommen stehen 888 Euro Leistungen 1.234 Euro Steuern gegenüber,  bei 5.000 bis 18.000 Euro 1.081 Euro Leistungen 2.032 Euro Steuern und Abgaben.

Der Artikel hat - nicht überraschend - ziemlich heftige Reaktionen in den Kommentaren bei der FAZ ausgelöst. Einige Kritikpunkte sind sicherlich richtig:
a) Die Konzentration auf die Einkommensteuer ist falsch und greift zu kurz. Ein Punkt, den ich in solchen Diskussionen auch immer wieder betone: Man muss *alle* Steuern (inkl. MwSt, Mineralölsteuer, ...) betrachten und vor allem auch die Sozialleistungen (denen sich die Besserverdiener zum großen Teil entziehen).
b) Ob der Leistungsbrocken "Rente" fair berechnet ist, bleibt fraglich. Denn die Rente, die ein heute 30-jähriges Mitglied der Mittelschicht in 40 Jahren noch so toll aussieht wie die Rente, die ein heutiger Rentner bekommt, ist doch arg zweifelhaft.
c) Auch ob man die Mittelschicht dafür "verantwortlich" machen kann, dass sie ihre Kinder zum (teureren) Gymnasium schickt, ist eine berechtigte Frage.

Allerdings spekuliert der größte Teil der Kritiker über mögliche Fehler in der Berechnung (sogar dass das Gymnasium teurer ist als die Hauptschule wird angezweifelt, was aber allein durch die längere Schulzeit schon gaaanz einfach erklärt werden kann), um dann zur Erkenntnis zu gelangen, dass der ganze Artikel Bullshit sei. Dumerweise ist die Argumentationsbasis für diese Aussagen definitiv um einiges dünner als die Basis der Studie. Shoot the Messenger? Oder eher: "Was nicht passt, wird passend gemacht"?

Für mich ist die Aussage ziemlich klar: Wenn die Linken mehr Staat wollen, müssen sie scheinbar erst einmal in der Bevölkerung ein Gefühl dafür schaffen, dass sich Steuern LOHNEN. Dass man was dafür bekommt. Und dafür sorgen, dass das Geld sinnvoll investiert (und nicht verschwendet) wird. Die Diskussion darf nicht nur über die Einnahmenseite quantitativ geführt werden, sondern es muss auch die Ausgabenseite und zwar qualitativ berücksichtigt werden.

Daher ist ein Spitzensteuersatz von 69% wie in Dänemark (oder anderen Ländern Skandinaviens) eben nicht zwangsläufig wirtschaftsschädlich und wachstumsfeindlich. Zumindest ist das nicht nachweisbar. Das BIP pro Kopf ist zwischen 1990 und 2009 in Schweden ähnlich stark gewachsen wie in Deutschland, Dänemark liegt sogar klar vor beiden.


Es scheint also wichtiger zu sein, wofür man das Geld ausgibt, als jahrzehntelang über die Einnahmen und die Ausgaben zu streiten. Alte These von mir. Und jetzt kann ich den zweiten Teil meiner These direkt hinterher schieben: Ist es ein Zufall, dass Dänemark und Schweden 7 bis 8% ihres BIPs für Bildung ausgeben gegenüber knapp 5% in Deutschland? Ist es ein Zufall, dass die Schweden fast doppelt so viel ihres BIPs in Forschung stecken? Ich glaube nicht ... (Alle Zahlen von der Weltbank, leider nicht verlinkbar ...)

FAZ: Unserer Mittelschicht geht es prächtig

UTS 2010 #12: Video zum Wochenende: Steven Fry

Das wollte ich schon ewig mal verlinken (also seit das beim Stylespion auftauchte; Stephen Fry: What I Wish I’d Known When I Was 18).

So und dann mache ich das heute endlich mal (wobei "heute" ja gelogen ist, die UTS-Postings sind ja älter ...). Es ist schließlich Wochenende und da kann man sich auch mal ein etwas längeres Video anschauen:



STEPHEN FRY: WHAT I WISH I'D KNOWN WHEN I WAS 18 from Peter Samuelson on Vimeo.

UTS 2010 #11: Cash macht fesch.

Tjoah und zwar in einem Umfang, der so manchen Verfechter des langfristigen Sparens in Aktien richtig skeptisch machen kann ...

Mark Hulbert untersucht seit nun 30 Jahren die Performance von Börsenbriefen. Zum dreijährigen Jubiläum hat er die Hitliste überprüft und auf Platz 1 eine dicke Überraschung gefunden. Die Top-Platzierung wird nämlich von einem Investor belegt, der ziemlich skeptisch ist. Er hält seit mehr als zwei Jahrzehnten etwa 80% des Vermögens in Cash und nur etwa 20% in vier bis fünf Aktien.

Charles Allmon heisst der (in Deutschland wohl ziemlich unbekannte) Mann. Herzlichen Glückwunsch!

Nummer Eins ist er natürlich nicht in der absoluten Performance, sondern in der risikobereinigten Performance (wie auch immer Hulbert die misst (Share Ratio?)). Trotzdem ist das Ergebnis bemerkenswert.

Marketwatch: The tortoise vs. the hares

Mich erinnert das irgendwie an Roland Leuschel, den auch lange Zeit alle ausgelacht haben. Ich habe mich aber immer bemüht, zu erklären, dass Leuschel häufig zum richtigen Zeitpunkt auf langlaufende Anleihen bester Qualität gesetzt hat (und neben sicheren Zinsen noch Kursgewinne eingefahren hat). Auch den Aktienanteil hat er einige Male auf 40% oder mehr erhöht, allerdings richtigerweise zu den Zeitpunkten, an denen die anderen reduziert haben. Und auch der Goldanteil in Leuschels Depot war nicht sooo falsch. Ich kenne viele so genannte Crash-Gurus, die eine deutlich schlechtere Rendite eingefahren haben als Leuschel. Und natürlich auch jede Menge Perma-Bullen, die Leuschel geschlagen haben dürfte.

Zum Thema "Gibt es überhaupt eine Überrendite von Aktien" (Sprich lohnt sich das höhere Risiko in Aktien) gibt es auch noch einen schönen Artikel bei weissgarnix:

Weissgarnix: Aktie adé, sagt die BCG

UTS 2010 #10: Pensionslasten in Großbritannien/USA

Der Gesamtbetrag der staatlichen Pensionen in Großbritannien, die nicht finanziert sind, soll bei etwa 1 Billionen Euro (900 Mrd. Pfund) liegen.

Es zeigen sich dort all die Sachen, die sich auch bei den Pensionen der Unternehmen zeigen:
  • Es wird schon grundsätzlich zu wenig eingezahlt. 
  • Anpassungen für die Verlängerung der Lebenszeit finden kaum oder gar nicht statt. 
  • Die Renditeschätzung für das eingezahlte Kapital liegt deutlich zu hoch.
Der zwei entscheidenden Unterschiede zu den Unternehmen:
  1. Der Staat bilanziert die Pensionsverpflichtungen nicht und daher bleibt das alles ziemlich intransparent.
  2. Trotz der Intransparenz ist offensichtlich, dass die Pensionslücke des Staats noch viel größer ist als die bei den Unternehmen.
FT: Time to talk real public sector pension costs

Wenn das noch nicht genug schlechte Nachrichten waren, kann man hier weiter lesen: Da geht es um die Löcher in den Pensionskassen der europäischen (u.a. britischen) Unternehmen:

ZAHL DES TAGES (16.11.09): 580.000.000.000

Oder wie wär's hiermit:

87% der ungefähr 7.400 Pensionspläne in Großbritannien weisen eine Defizit auf (zumindest am Höhepunkt der Krise):

Pensionpulse: The Nuclear Option For Pensions?

Und die Briten sind natürlich nicht das einzige Land mit solchen Problemen ...

Die Firmen aus dem S&P  500 haben ein offizielles Loch von über 250 Mrd. Dollar in ihren Pensionskassen und das bei ziemlich positiven Annahmen: Größtenteils wird noch mit Aktienrenditen von 8% kalkuliert. Würde man das mit realistischeren 4 oder 5% durchrechnen, wäre das Loch schnell doppelt so groß ...

Pensions: The Day of Reckoning Is Upon Us

UTS 2010 #9: Consumer Metrics als Frühindikator für die USA

Das lag schon lange mal als potenzielle Zahl des Tages auf der Halde ... Jetzt verbrate ich das einfach mal während meines Urlaub als UTS #7 ...

Es gibt in den USA ein Institut namens Consumer Metrics Institut, das versucht aus der Vielzahl von Indikatoren, die mit dem privaten Konsum zusammenhängen, einen gesammelten Frühindikator zu entwickeln. Das ist für die gesamte US-Wirtschaft nicht ganz unwichtig, immerhin hängen 70% der Wirtschaftsleistung der USA direkt oder indirekt am privaten Verbrauch.

Der Indikator ist (wie auch der WLI des ECRI) leider eine sehr schwarze Blackbox. Über die Inputs und die Berechnungsmethode weiss man nur wenig. Allerdings ist der Indikator scheinbar so weit aufgegliedert und detailliert, dass man sogar Subindizes für einzelne Branchen (Auto, Gesundheit, Urlaub, ...) kaufen kann.

Sehr ungewöhnlich, dass der Indikator täglich berechnet wird.

Als Input dient scheinbar ausschließlich das Internet. Das CMI gibt daher zu, dass die Daten in diese Richtung verfälscht sind: die Nutzer sind besser gebildet und reicher als der Durchschnitt und sprechen scheinbar auch alle Englisch (das Verfahren greift wohl nicht für Transaktionen auf z.B. Spanisch). Das CMI trackt dabei das Interesse an Produkten, an Krediten für diese Produkte, etc.. Wer weiss: Vielleicht tracken die am Ende auch nur Google Trends für die passenden Begriffe ...

Mehr über den Indikator gibt's in der FAQ: Consumer Metrics Institute: FAQ

Und den aktuellen Wert gibt's hier: Homepage Consumer Metrics Institute.

Er lag ziemlich deutlich im Minus (etwa -4%), als ich in den Urlaub gefahren bin. Ich schätze, dass sich daran in der Zwischenzeit nicht viel geändert hat. Klickt einfach den Link oben und ihr habt eine Zahl des Tages (nur damit niemand Entzugserscheinungen bekommt).

Sollte der Konsum in den USA wirklich so stark zurückgehen, ist eine Rezession in den USA fast sicher ...

UTS 2010 #8: Menschen vs. Affen (ökonomisch betrachtet)

Was Schönes für's Wochenende:

In diesem kurzem, zwanzigminütigem Vortrag im Rahmen der TED-Reihe geht es um die Irrationalität der menschlichen Entscheidungsfindung und warum wir Menschen die gleichen Fehler immer wieder machen. Obwohl wir doch sooo schlau sind, so viel schlauer als Affen ...

Spannend, wie sich Affen auf einem Markt verhalten. Die Affen verstehen die Mechanismen des Marktes nicht schlechter als Menschen: Sie kaufen beim Billigsten (wie wir Deutschen), sie sparen nicht (wie die Amerikaner), ...

Und dann kommen ein paar Versuche der Behavioural Economics (z.B. Entscheidung zwischen "50% Chance auf 1000 oder 0" und "sichere 500 Euro" und dem analogen Szenario mit einem Verlust, ...). Seht selbst, ob Affen die gleiche Irrationalität an den Tag legen wie die Menschen ...




The Big Picture: A Monkey Economy As Irrational As Our Own

UTS 2010 #7: Der Stresstest im Rückblick

Heute mal was für Spezialisten: Die Ergebnisse der EU-Bankenstresstests im Rückblick. Ich habe mich ja schon einigermaßen skeptisch zum Stresstest geäußert (ZAHL DES TAGES (23.07.10): 7), der am Ende natürlich das gewünschte Ergebnis geliefert hat: Alles in Butter.

Selbst wenn ich gestehen muss, dass einige der Annahmen strenger waren als man Anfang vermuten durfte. Dass Immobilienpreisrückgänge überhaupt im Modell drin waren, war zumindest mir bis zum Tag der Veröffentlichung der Bedingungen nicht bekannt.

Die Analysten von HSBC Trinkaus  haben die Ergebnisse gut eine Woche nach der Veröffentlichung nochmal unter die Lupe genommen und dabei eine Reihe interessanter Details und Divergenzen herausgefunden.

Am spannendsten fand ich drei Klumpenrisiken:

a) Die Staatsverschuldung Estland liegt zu zwei Dritteln bei schwedischen Banken. Was aber erstmal unkritisch ist, Estland geht es ziemlich gut und es erfüllt alle Maastricht-Kriterien.
b) Die österreichische Raiffeisen Gruppe ist die einzige Bank, die mehr Privatkredite im Ausland als im Heimatmarkt vergeben hat. Wegen des Schwerpunkts Osteuropa und der Gesamtsumme von 38 Mrd. Euro nicht ganz unkritisch.
c) Knapp 60% der isländischen Staatsverschuldung liegt bei deutschen Banken. Das sind 700 Millionen, die ziemlich wacklig sind. Island ist schließlich nur dank eines IWF Kredits noch liquide ...

Interessant auch, dass die Nettoposition der deutschen Banken gegenüber Island nur 450 Millionen beträgt. Es sind also scheinbar 250 Millionen über Kreditausfallversicherungen (CDS) abgesichert worden. So viel zu dem Thema, dass CDS nur ein reines Zockerprodukt sind und nicht zur Absicherung benutzt werden.

Bei den Divergenzen fallen ein paar Zahlen auf, die nicht logisch erklärbar sind. So soll der französisch-belgische Staatsfinanzierer nur 2,8 Mrd. Euro Forderungen an Frankreich haben. Im Heimatmarkt ohne Forderungen gegenüber einem der Hauptkunden? Seehr seltsam. Soll das alles gehedged sein? Oder hat die Dexia das anders weggebucht?

Es war ja nach den Bedingungen des Stresstest erlaubt, die Forderungen aus dem (kurzfristigen) Umlaufvermögen ins (langfristige) Anlagevermögen umzubuchen. Dort war dann das kurzfristige Risiko, das im Stresstest modelliert wurde, weg, wenn denn die Restlaufzeit ausreichend lang war. Und das ist die Bedingung, die den ganzen Stresstest zu einem mehr oder weniger großen Witz gemacht hat. Denn die Möglichkeit haben die Banken doch garantiert genutzt und die kritischsten Kredite und Forderungen ins Anlagevermögen "weggebucht" ....

Trinkaus: Trends im Visier: Banken-Stresstests, die Daten auf den zweiten Blick (da auf den PDF Link klicken, der enthält alle Details und Grafiken)

Musik zum Wochenende: Efterklang

Nochmal so'n "sphärisches Zeuchs", aber ich wollte was aus Dänemark verlinken ... Außerdem passt es zeitlich, denn Efterklang spielen just an diesem Wochenende auf dem Haldern Pop Festival.

Ich überlege noch, ob ich mir (neben Sophie Hunger) auch für Efterklang im Rahmen des Pop-Abos 2010 der Philharmonie Dortmund noch Karten gönne.

Popgewohnten Nutzern empfehle ich die ersten 2 Minuten zu überspringen, der Song entfaltet mMn seine Faszination auch ohne den Anfang.

Efterklang & The Danish National Chamber Orchestra - Cutting Ice To Snow (live)



Noch jede Menge Videos mehr gibt's bei Youtube - Efterklang Playlist oder auf der Band-Homepage.

UTS 2010 #6: Schöne Doku über die Quants

Wollte ich schon immer mal empfehlen (daher ohne viel Blabla).

Eine Dokumentation über die Quants, die Finanzmathematiker, die sich Ratings, Analysen, Value at Risks und die ganze moderne Finanzalchemie zusammenrechnen. Um damit am Ende nur die Ausrede für die Vorstände zu liefern, dass die Krise gaaaaraaantiiiiert nicht vorhersehbar war. Wenn die superschlauen und superteuren Mathematik-Doktoren das schon nicht sehen, wer soll es dann sehen? Dabei produzieren die Quants (wie die Wirtschaftsforscher) nur die Ergebnisse, die ihre Kunden (also Vorstände bzw. Politiker) haben wollen ...



gefunden bei nigecus: Quants: The Alchemists of Wall Street (Marije Meerman, VPRO Backlight 2010)

UTS 2010 #5: Wie, wir sind nicht Too-Big-To-Fail?

Dann lass es uns schnell werden ...

Was sich jetzt wie eine blöde Spekulation über abgezockte Bankster anhört, scheint so abwegig dann doch nicht zu sein.

Immerhin kommt das Ergebnis jetzt vom CGFS (Committee on the Global Financial System), das der BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich, quasi die Bank der Notenbanken) angegliedert ist. Also kein Laden, der für linke Verschwörungstheorien bekannt wäre.

Ich habe nicht die ganze Studie gelesen (vielleicht mache ich das im Urlaub, aber dieses Posting ist ja vorher entstanden), aber ein Abschnitt aus der Executive Summary ist schon sehr spannend:

At the same time, competition may have contributed to the underpricing of risk and, thus, to a leverage-based expansion of balance sheets in the run-up to the crisis. There is scant evidence for economies of scale within large internationally active banks. However, certain banks may have expanded, either domestically or internationally, with the aim of attaining a too-big-to-fail status. Such a status increases moral hazard and weakens market monitoring of risk-taking, which benefits individual firms but distorts economic incentives and renders the financial system more fragile. In turn, this underscores the importance of strong supervision and prudential buffers that restrain the build-up of risks. Effective, and therefore credible, bank resolution regimes that take into account the too-big-to-fail issue would be a welcome complement (BCBS (2010)).
Da wird jetzt natürlich nicht explizit gesagt, dass die Banken *nur* auf Teufel komm raus gewachsen sind, um Too Big To Fail zu werden. Aber ein komplett unwichtiger Punkt scheint das in den Überlegungen der Bankmanager auch nicht gewesen zu sein.

Auf diesen Aspekt zielt der Artikel in der FAZ ab:

FAZ: Banken haben die Bilanzen absichtlich aufgebläht

Allerdings muss ich sagen, dass ich den ersten Satz fast noch spannender finde (der ist fast schon was für weissgarnix). Denn da wird gesagt, dass der Wettbewerb dafür gesorgt haben könnte, dass das Risiko nicht richtig bewertet wurde. Kurz: Die Banken konnten nur wachsen, wenn sie das Risiko im Verhältnis zum Eigenkapital hochgefahren haben. Damit stieg der Gewinn und auch der Aktienkurs. Wer nicht mitgemacht hat, blieb im Kurs zurück und begab sich in die Gefahr, von einem wertvolleren Konkurrenten übernommen zu werden. Also machte man lieber mit, selbst wenn man sich der Gefahren irgendwie schon bewusst war. (Zur Absicherung liess man die Quants ein paar hochkomplexe Modelle bauen (die zwar niemand verstand, aber egal) und wägte sich in Sicherheit).

Kann das bitte mal jemand der FDP oder dem INSM erzählen? Wettbewerb, der komplett nach hinten losgeht? Wettbewerb und freie Wirtschaft, die sich als kontraproduktiv herausstellen? Das Allheilmittel "Wettbewerb", das genau zum Gegenteil führt?

Klar, für mich ist es logisch, dass der Wettbewerb im Finanzsystem nicht die positiven Auswirkungen entfaltet, die er sonst (meistens) entfaltet. Es handelt sich im Finanzsektor kurz und knapp NICHT um einen normalen Markt. Denn es fehlt ein großer Bestandteil eines funktionierendes Markt: Das Ausscheiden von Unternehmen über die Pleite. Dieser Selbstreinigungsmechanismus fehlt bei den Too-Big-To-Fail Banken. Und dann funktioniert das ganze System nicht mehr.

Dann muss man entweder dafür sorgen, dass das System wieder zu einem normalen Markt wird (z.B. durch Zerschlagung der Banken in kleinere Einheiten, die wieder (relativ) problemlos Pleitegehen können). Oder man sorgt im existierenden System dafür, dass die Wahrscheinlichkeit einer Pleite gegen Null geht (indem man Risiko und Eigenkapital reguliert). Und wenn man es richtig machen will, macht man natürlich beides ...

CGFS #41: Long-term issues in international banking

UTS 2010 #4: Ist der ECRI Frühindikator was wert?

Mish meint ziemlich klar: Nein!

Ein ziemliches langes (und schon ein paar Monate altes) Posting, das sich aber richtig lohnt ...

mish: A Look at ECRI's Recession Predicting Track Record

Und weil nur kritisieren ja öde ist, gibt es auch noch eine sehr ausführliche Replik eines der Macher des ECRI-WLI:

The Big Picture: Weekly Leading Index (Still) Widely Misunderstood

Darin übrigens die interessante Information, dass der ECRI WLI nicht immer wenn er unter -10 Punkte gefallen ist von einer Rezession gefolgt wurde. Es gibt nämlich neben den öffentlich verfügbaren Daten der letzten 40 Jahre noch 2 Jahrzehnte, die geheim sind. Und in diesen zwei Jahrzehnten ist der ECRI WLI gleich zweimal unter -10 gefallen, ohne von einer Rezession gefolgt zu werden.

Und damit es nicht langweilig wird, gibt's kurz vor meinem Urlaub noch eine Antwort von Mish (Mike Shedlock). Im Endeffekt dreht sich die Diskussion jetzt aber um den Punkt, ob die ECRI in ihren Anpreisungen (logisch, die wollen ihre Indexdaten verkaufen) permanent behauptet, dass der ECRI WLI in den vergangenen 4 Jahrzehnten in Realtime und ohne Fehlsignal die Rezessionen vorhergesagt hat (wenn der WLI unter -10% fiel), in den Verteidigungen aber immer Wert darauf legt, dass man den ECRI WLI bloß nicht als einzigen Indikator benutzen sollte.

Dass die Aussage des ECRI nicht korrekt ist (sondern übetrieben), hat mish IMHO bewiesen. Aber das heisst ja im Umkehrschluss nicht, dass der Indikator nutzlos ist. Und das interessiert mich dann vor allem ...

mish: ECRI's Lakshman Achuthan Still Blowing Smoke

UTS 2010 #3: Das Nachwort zu Talebs Schwarzen Schwan

Heute einfach mal nur ein paar kluge Sätze aus dem Nachwort zu Nassim Nicholas Talebs Schwarzen Schwan:

New Statesman: Beware those Black Swans

Bei Amazon jetzt übrigens auch als Taschenbuch für knapp 13 Euro: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse

UTS 2010 #2: China-Immobilienpreise zur Hälfte nur heiße Luft?

Die Zahl ist in der Zwischenzeit vielleicht schon weiter durch die Presse gegangen, aber das lässt sich bei vorbereiteten Postings im Urlaub nicht vermeiden ...

Es geht um den chinesischen Immobilienmarkt, der ja ziemlich unbestritten in einer Blase steckt. Zumindest in manchen Regionen, vor allem in der wirtschaftlich wichtigen Küstenregion (Peking, Shanghai, Shenzen), sind die Preise extrem gestiegen. 30% innerhalb eines Jahres sind da durchaus üblich. Und das auch nicht zum ersten Mal ...

Die chinesische Notenbank hat schon reagiert. Die Leitzinsen wurden bereits erhöht. Aber auch die Bedingungen für die Immobilienfinanzierungen wurden verschärft. Die Anforderungen an das nötige Eigenkapital wurden erhöht, für Zweit-und Drittwohnungen noch stärker als für Erstwohnungen.

Jetzt wird erneut verschärft. Der Kauf von Drittwohnungen wird in vier Regionen komplett verboten. In den anderen Regionen wird die Mindesthöhe des Eigenkapitals auf 60% erhöht und zusätzlich auf den Zins ein 50%iger (Straf-)Zins aufgeschlagen.

Auch auf der anderen Seite der Finanzierung wird angesetzt. Den Banken, die sich schon vor einigen Monaten einem Stresstest unterziehen mussten, droht bereits jetzt der nächste Test. Nur werden die Bedingungen nochmals verschärft: Nachdem im ersten Test ein Immobilienpreisrückgang von 30% unterstellt wurde, müssen die Banken nun einen Rückgang von

50%

verkraften können. Teilweise werden sogar Rückgänge von bis zu 60% gemeldet. (Offiziell sind die Zahlen nicht, genau wie die Ergebnisse der ersten Stufe nicht veröffentlicht wurden).

Marketwatch: Chinese banks to stress test for 50% house-price fall: reports
China's Stress Tests: 60% Decline in House Prices
Zerohedge: Chinese Banking Stress Test Assumptions Imply Chinese Real Estate May Be Overvalued By As Much As 60%

Und ziemlich detailliert:

FT Alphaville: Cracks in the Chinese bubble?

Sehr schöne Grafik, die zeigt, wie der Einbruch der Umsätze jetzt langsam von sinkenden Preisen gefolgt wird.

Hmmm, immerhin machen die Chinesen einen Stresstest, der diesen Namen verdient ... Auch wenn 60% Preiseinbruch in einer derart stark wachsenden Volkswirtschaft fast unvorstellbar erscheinen.

Aber es ja in China politisch gewollt, dass die Kreditvergabe eingeschränkt werden soll. Was passt da besser in den Kram, als über einen strengen Stresstest den Banken die Kreditvergabe zu verbieten? (In Europa ist das Ziel ja ein ganz anderes gewesen: Es sollte gezeigt werden, dass die Banken gesund sind und weiter Kredite vergeben können. Damit es bloß keine Kreditklemme gibt. Also wurden die Bedingungen für den Stresstest dementsprechend weich formuliert).

Es muss übrigens nicht zwangsläufig heissen, dass ein Stresstest mit 60% Preisrückgang auch wirklich 60% Preisrückgang impliziert. Selbst skeptische Analysten erwarten in den Boomregionen eher 25 bis 40% sinkende Hauspreise.

FT Alphaville: StanChart: Chinese property correction imminent

Zu den Überhitzungserscheinungen am chinesischen Immobilienmarkt siehe auch: ZAHL DES TAGES (29.07.10): 1.300.000.000

Kaum fertig geschrieben, sehe ich schon, dass das Handelsblatt die Zahl ebenfalls hat:
Handelsblatt: China lässt Luft aus Immobilienblase

Bis der Artikel erscheint, steht das wahrscheinlich auch in der FTD. Und im Spiegel. Und was weiss ich noch ...

UTS 2010 #1: Goldman Sachs den Regulierern einen Schritt voraus

Na, das ist eine Überraschung, gell?

Der Trick ist so simpel, dass es weh tut. Das neue US-Finanzmarktreformgesetz begrenzt nicht nur das Volumen des Eigenhandels, den die Banken durchführen dürfen, sondern es verschärft insbesondere die Auflagen an die Überwachung. Und wenn die großen Banken etwas hassen, ist es Transparenz in ihren Handelssystemen (warum eigentlich?).

Naja, was macht Goldman Sachs? Die verlagern einen großen Teil des (ehemaligen) Eigenhandels einfach in die Abteilung, die die Geschäfte für Kunden ausführt. Da gehören sie logisch und organisatorisch zwar nicht hin, aber was soll's, wenn sich damit die Regulierung umgehen lässt ...

Es soll sich übrigens um etwa die Hälfte der alten Geschäfte handeln.

Bin gespannt, ob bzw. wann die Politik auf dieses Schlupfloch in Scheunentorgröße reagiert ...

Foxbusiness: Goldman Already a Step Ahead of FinReg

Und das kann passieren, wenn man solche Stories für die Zukunft parkt ... Es kommt jemand zuvor ...

FTD: Goldman lässt außer Haus Zocken

Musik zum Wochenende: Jonsi

OK, von dem verlinke ich auch so ziemlich alles. Aber ich brauche keine Ausreden ...

Jonsi - Animal Arithmetic

Ich bin dann mal weg. Ausgabe 2010.

Damit keine Langeweile aufkommt, habe ich ein paar Postings für Euch vorbereitet. Es kann gut sein, dass die beim Erscheinen veraltet oder überholt sind, aber das lässt sich nicht ändern ...

Ich werde die Kommentare (wenngleich unregelmäßig) monitoren und je nach Wetter vielleicht sogar beantworten.

Ansonsten:

a) ... und starte Deinen Amazon Einkauf hier!
oder
b) Schenk dem egghat was
oder
c) oder
d) flattr mein kleines Blog: Flattr this
oder
e) Empfiehl mich weiter. Retweete meine Tweets. Forwarde meine Artikel. Verlinke mich.

DANKE!

Bis die Tage!

Zahl des Tages (06.08.10): 7,4%

Nochmal mein Lieblingsthema ... Die Solarsubventionen und Solarschulden ...

Nach der Senkung der Einspeisevergütung habe ich ja bereits versucht, die Solarschulden neu zu berechnen (ZAHL DES TAGES (09.07.10): 4), wobei man diese Rechnung auch schon wieder aktualisieren müsste, denn es sind im ersten Halbjahr nicht wie geschätzt 6,5 GWp installiert worden, sondern "nur" 3,8 GWp ("NUR" 3,8 GIGAWATT ZUSÄTZLICHER FOTOVOLTAIKLEISTUNG IM 1. HJ 2010).

Fehlt noch eine neue Renditerechnung (s. hier: ZAHL DES TAGES (01.02.10): 7,12%). Sind die Renditen für Solaranlagen wirklich so eingebrochen, dass jetzt niemand mehr eine Anlage kauft? Steht die Fotovoltaikbranche vor dem Zusammenbruch? Ich glaube nicht daran, weil die Kürzung der Förderung nur das ausgleicht, was die sinkenden Preise für Solarzellen ermöglicht haben ...

Gut, dass die Stiftung Warentest neu gerechnet hat ...

Selbst in den sonnenärmsten Regionen Deutschlands (NRW, Niedersachsen) kann man mit einer guten Solaranlage 800 bis 850 KWh und einem Anschaffungspreis von 3.000 Euro je KW Leistung schon Renditen von um die 5% bekommt. Und das ist quasi der Worst Case. Denn man bekommt Anlagen heute deutlich günstiger. Selbst beste "Made in Germany" Topqualität von z.B. Aleo Solar (inzwischen zu Bosch gehörend) gibt Angebote im Bereich von 2.750 Euro je KWh ab (siehe Photovoltaikforum). Und die Einstrahlung ist in großen Teilen Deutschlands eben auch höher. Im südlichen Drittel Deutschlands und auch auf Rügen/Usedom liegen die Werte über 950, teilweise über 1000. Bei 950 und 2.800 Euro errechnen sich schon

7,4%

Rendite. Wie gesagt, keine utopische Zahl, sondern ein Wert, der mindestens in einem Drittel der Bundesrepublik leicht zu erreichen ist. Nehme ich eine noch besser geeignete Region (1.000) und eine preiswertere Chinaanlage (2.600 Euro) werden die Renditen schon wieder zweistellig.

FAZ: Als Geldanlage weiter top
Stiftung Warentest: Als Geldanlage weiter top


Und bis jetzt habe ich noch nix, aber auch gar nix optimiert. Denn es gibt ja noch eine spannende Änderung in der Einspeisevergütung. Der Eigenverbrauch wird jetzt stärker gefördert, so dass der Eigenverbrauch (unter Berücksichtigung des gesparten Stromverbrauchs) mehr Geld bringt als die simple Einspeisung (die bisher üblich war). Außerdem kann man dann durch steigende Strompreise noch Extra-Rendite mitnehmen. Bei einem angenommenen Eigenverbrauch von 50% (der mir allerdings etwas hoch erscheint) und einem jährlichen Strompreisanstieg von 3% (was ich allerdings zu niedrig finde), steigen die Renditen deutlich: Aus dem konservativen 5-Prozenter von oben wird ein 7-Prozenter, aus den 7,4% werden 9,56% und aus dem knapp zweistelligen Optimalszenario werden satte 12,48%.

Und jetzt könnte ich die Rendite noch hebeln, in dem ich die Anlage nicht komplett aus dem Cash finanziere, sondern teilweise über einen Kredit (mit lächerlichen Zinsen von etwa 3%) bei der KfW. Und berücksichtige noch die Steuervergünstigen, die alle ziehen können, die das Gebäude gewerblich nutzen (also auch alle Miethäuser). Auch der Steuereffekt scheint in der Warentest-Rechnung nicht drin zu sein.

Tschuldigung, aber bei diesen Bedingungen wird es keinen Nachfrage-Einbruch bei Solarmodulen geben. Es lohnt sich immer noch ...

Dass die Spanier ebenfalls reagieren und die Förderung teilweise um 45(!)% auf 25 Cent/KWh (Freiflächenanlagen) senken, ist nachvollziehbar. Dachanlagen werden aber schonender behandelt, dort geht es "nur" 25% nach unten. Außerdem soll die Zeitdauer der Vergütungsgarantie von 30 auf 25 Jahre gekürzt werden (frecherweise auch für Altanlagen). Aber auch diese Kürzungen werden nicht ausreichen, um den Markt crashen zu lassen. Dazu muss man nur mal kurz auf die Karte für Spanien klicken und sieht schnell, dass die Sonneneinstrahlung in Spanien deutlich höher ist (welch Überraschung!) und daher auch eine 20% niedrigere Vergütung als hierzulande den Markt nicht zerstören wird. Die Sonne scheint in Spanien einfach so viel häufiger und kräftiger ...

Telepolis: Spanien kürzt drastisch die Einspeisevergütung für Solarstrom (seltsame Wortstellung, oder?)

Naja, auf das ganze Förderchaos musste natürlich irgendwann auch die EU reagieren. Die Erneuerbare Energien Branche geht reflexartig in Abwehrhaltung (Jede Angleichung wäre eine Verschlechterung). Aber ich erwarte einen Kompromiss in Brüssel sowieso erst in ein paar Jahren, wenn die Fotovoltaik selbst im vergleichsweise sonnenarmen Deutschland die Netzparität erreicht hat (also die Kosten unter 20 Cent je KWh gefallen sind). Und dann wird es zunehmend egal, was in Brüssel entschieden wird. Denn wenn man Strom für weniger Geld erzeugen kann als man beim Einkauf bezahlen muss, sinkt die Bedeutung der Vergütung drastisch.

FTD: EU will Ökostrom regulieren

Geld her, Geld her oder wir fall'n um

EU, EZB und IWF haben sich einhellig für die Auszahlung der zweiten Rate aus dem Hilfspaket an Griechenland ausgesprochen.

Griechenland habe wie besprochen die Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung eingeleitet. Das sei aber natürlich alles noch zu wenig, es müsse noch mehr werden und die eingeleiteten Maßnahmen müssen zügig umgesetzt werden (bla bla bla).

Damit stehen jetzt weiter 9 Mrd. Euro Kredite für Griechenland bereits (6,5 Mrd. von der Eurozone, 2,5 Mrd. vom IWF).

Tagesschau: Neues Geld für Griechenland

Oder wie gehabt direkt von der Quelle:

IWF: Statement by the EC, ECB, and IMF on the First Review Mission to Greece

Übrigens liegen die Zinsen für zwei- und zehnjährige griechische Staatsanleihen weiterhin bei (ganz grob) 10 Prozent. Am Kapitalmarkt wird Griechenland also weiterhin sehr skeptisch gesehen. Kein Wunder, bei einem erwarteten BIP-Minus von 4% ...

Zahl des Tages (05.08.10): 20.000

Ich hatte zum Thema schon einige Postings, aber nach so langer Zeit kann ein kurzes Update nicht schaden finde ich). Vor allem, wenn man darin einen Haufen alter Zahlen des Tages auf einen Schlag aktualisieren kann ...

Inzwischen werden die Mehreinnahmen in Folge des Ankaufs der Steuer-CDs auf

2.000.000.000 (2 Milliarden) Euro

geschätzt. Dabei sollen etwa 1,5 Mrd. aus Selbstanzeigen stammen und "nur" 0,5 Milliarden aus den Ermittlungen, die auf Basis der Daten von den CDs durchgeführt wurden. Man hätte also den Kauf wahrscheinlich nur androhen, aber nicht durchführen müssen. Den Großteil der Einnahmen hätte der Staat dann auch bekommen.

Die Anzahl der Selbstanzeigen kann ich ebenfalls updaten. Sie liegt jetzt bei etwa

25.000

(ZAHL DES TAGES (15.03.10): 9.547 und ZAHL DES TAGES (16.02.09): 330 (1687) (2.078) (2650) (2832)).

Auch die Rendite kann ich aktualisieren. Die letzte grobe Schätzung stand bei 16.000% (ZAHL DES TAGES (05.02.2010): 16.000%).

Wenn man jetzt von Ausgaben für den Ankauf der Steuer-CDs (es waren ja inzwischen mehrere) von 10.000.000 (10 Millionen) Euro ausgeht, errechnet sich bei Einnahmen von 2 Milliarden Euro eine Rendite von

20.000%.

Handelsblatt: Gewerkschaft: Steuerdaten bringen zwei Milliarden

Muss man da die Diskussion über STEUERDATEN CD KAUF - PRO ODER KONTRA? noch führen? Oder sollte man vielleicht doch einfach sagen, dass der Staat doof wäre, wenn er sich diese Mehreinnahmen nicht holen würde?

Zahl des Tages (04.08.10): 47,6%

Lange nichts mehr über Irland geschrieben ...

Heute schreibt Trinkaus etwas über die zweite Ankaufswelle von irischen Schrottanleihen durch die staatliche Bad Bank NAMA. Es wurden in der zweiten Welle bisher Papiere mit einem Nominalwert von 5,2 Mrd. Euro aus den Bankbilanzen genommen. Sonderlich viel wert war das "Zeuchs" aber nicht mehr, denn es gab einen satten Abschlag von

47,6%

auf den Nennwert.

Das ist leicht unter dem Abschlag von 49,7% der ersten Welle, allerdings fehlt noch die Anglo Irish Bank, die in der ersten Welle auch schlechter als der Durchschnitt war (und nebenbei den größten Brocken andiente). Auf jeden Fall ist der Abschlag deutlich unter den 35%, die die NAMA ursprünglich angestrebt hatte.

Das Ganze ist schon relativ erschreckend, denn eigentlich wäre ich davon ausgegangen, dass der schlimmste Müll in der ersten Welle ausgekehrt wurde. Damals ging es immerhin schon um über 15 Mrd. Euro. Dass jetzt nochmals weitere 5 Mrd. "aufgetaucht" sind (und es fehlt ja noch eine Bank), dürfte nur durch weitere massive Wertrückgänge der Immobilien, die hinter den Hypotheken stecken, erklärbar sein.

Bisher reden wir über eine Summe, die etwa 20% der irischen Staatsverschuldung ausmacht oder in Prozent des BIPs etwa 15%. Also keine Summe, die man mal einfach ignorieren sollte ...

Trinkaus: Ausgabe vom 04.08.2010 8:09 Uhr

Wenn ich jetzt noch Zeit hätte, würde ich die Ergebnisse des NAMA Ankaufs mit den Annahmen aus dem EU-Stresstest vergleichen ... Ob da auch solch schlimme Verluste berücksichtigt wurden?

Update (05.08.10):

Dazu passend auch noch ein Geschäftsergebnis einer irischen Bank. Während der größte Teil der Banken schon wieder dicke Gewinne schreibt, steck die Allied Irish Bank noch tief in den roten Zahlen. Grund dafür sind die weiterhin hohen Abschreibungen auf Immobilienkredite.

Marketwatch: Allied Irish Banks' net loss deepens on credit losses

Bundesligatippspiel 2010/2011?

Hat jemand Lust?
Hat jemand eine Idee, wo man das technisch aufsetzt?
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Ratingagenturen im Schlammkampf

Dass die Ratingagenturen aktuell ein ziemlich fieses Problem durch das Finanzmarktreformpaket in den USA haben, erwähnte ich ja bereits (RATINGAGENTUREN AM ENDE). Kurz zusammengefasst geht es darum, dass die Ratingagenturen für ihre Ratings in erweiterte Haftung kommen, sobald das Rating im Emissionsprospekt eines Wertpapiers erwähnt wird. Nur ist genau diese Erwähnung der Grund, warum ein Emittent das Rating bei einer Agentur einkauft. Nun warnen die Ratingagenturen selber vor einer Nennung des Ratings in den Emissionsunterlagen.

Das ist natürlich ein ziemlich tiefer Eingriff in das Geschäftsmodell der Ratingagenturen und erhöht des Risko. Und das entgeht den Agenturen natürlich nicht. Was muss müssen diese also konsequenterweise machen? Genau: Das höhere Risiko in einem niedrigerem Rating berücksichtigen.

Den Anfang macht S&P, die den direkten Konkurrenten Moody's auf BBB+ herabstufen. Auch das Kurzfristrating sinkt von A-1 auf A-2. Die Gründe sind natürlich die von oben: Unsicherheit, mögliche Probleme im Geschäftsmodell, Klagerisiken, etc.pp. Das Downgrade erfolgte etwa 5 Wochen nach der Ankündigung, das Rating zu überprüfen (Marketwatch: S&P may downgrade Moody's short-term rating).

Bin gespannt, wann Moody's antwortet. Die Ankündigung, das Rating zu überprüfen, ist hier drei Wochen alt: Yahoo: Moody's may downgrade McGraw-Hill (McGraw-Hill ist die Mutter von Standard & Poors und vielleicht dem ein oder anderen als Verlag bekannt).

Wie sagt Tyler Durden bei Zerohedge so schön: Popcorn?

Zerohedge: The Farce Is Complete: S&P Downgrades Moody's To BBB+ From A-2

Update (21:03):

Ach, es gibt sogar noch eine zweite Front: Der Kampf der etablierten Ratingagenturen mit dem neuen Herausforderer Dagong aus China. Die Chinesen haben schon letzte Woche um sich geschlagen (So macht sich die chinesische-Ratingagentur Dagong keine Freunde), jetzt schlagen S&P und Moody's zurück:

FT Alphaville: S&P to Dagong (and Moody’s): It’s on

Zahl des Tages (03.08.10): 6,9

Heute mal eine Zahl des Tages, bei der "Zahl" stimmt, aber das "des Tages" sowas von gar nicht ;-) Denn es geht um einen Durchschnittswert der letzte 50 Jahre ...

Und zwar um eine Zahl, die in der Diskussion, ob in den nächsten Jahren eine Deflation oder eine Inflation wahrscheinlicher ist, immer wieder aufpoppt: Die Sparrate der US-Verbraucher.

Diese war vor 3 Jahren definitiv zu niedrig und blieb lange im Bereich von weniger als einem Prozent. Ich habe das schon damals als ganz großes Warnzeichen gesehen, während mir einige erklären wollten, dass das unproblematisch sei, weil die Verschuldung hauptsächlich gegen Immobilienwerte gemacht wurde. Naja, wir wissen was daraus geworden ist ...

Das Problem ist nun, dass die USA eigentlich Verbraucher benötigen, die konsumieren. Aber diese fangen dummerweise genau jetzt an zu sparen. Aus Sicht der Verbraucher ist das natürlich sehr gut nachvollziehbar, aus Sicht der Wirtschaft geradezu tödlich, denn diese hängt zu 70% am Konsum.

Da tut eine Einordnung des aktuellen Werts Not. Beim BIP für das 2. Quartal 2010 am letzten Freitag wurde eine Sparrate von 6,2% gemeldet (siehe US-Sparrate (BIP) Q02-10: 6,2% (+0,7 Vq)). Heute gab es eine Meldung zu den Verbrauchereinkünften, den Ausgaben und der Sparrate im Juni. Danach liegt die Sparrate nun (im Juni) bei 6,4% (nach 6,3% im Mai). Der langfristige Durchschnitt der letzten 50 Jahre liegt bei

6,9%.

Der aktuelle Wert ist also alles andere als "anormal" oder ein Zeichen für eine besonders stark ausgeprägte Angst der Verbraucher in den USA.

Das kann man natürlich so oder so interpretieren: Pessimisten werden anmerken, dass die aktuelle "normale" Sparrate noch weiter steigen kann und damit weiterhin auf die Konjunktur drücken wird. Optimisten werden dagegen halten, dass die Verbraucherausgaben trotz der erhöhten Sparquote (wenn auch nur leicht) steigen. Was meint ihr?

The Big Picture: Savings Rate approaching 50 yr average

Zahl des Tages (02.08.10): 17

Von der breiten Öffentlichkeit relativ unbemerkt gab es am letzten Freitag die Veröffentlichung eines Stresstests für das US-Bankensystem, der der IWF durchgeführt hat.

Nachdem in der Krise die 19 größten Banken der USA bereits unter die Lupe genommen wurden, hat der IWF sogar die 53 größten Banken analysiert.

Es gab drei Szenarien für die Jahre 2010 bis 2014:

1.) Normales Szenario:

Case Shiller Hauspreisindex: Im Schnitt etwa 2% Plus.
Arbeitslosigkeit: von 9,8 auf 5,5% sinkend.
Staatsverschuldung: von 66% auf 82% steigend.
BIP: +3,1/+2,6%/+2,4%/+2,5%/+2,4%
Output Gap: von -2,0% auf -0,1% sinkend

2.) Schlechteres Szenario:

Case-Shiller-Hauspreisindex: Bis 2011 um etwa 4% sinkende Preise, danach leichte Erholung.
Arbeitslosigkeit: von 10% auf 6,9% sinkend.
Staatsverschuldung: Anstieg auf 95% des BIPs.
BIP: +2,3%/+0,8%/+2,6%/+2,6%/+2,2% (eigentlich nur 2011 deutlich schwächer).
Output Gap: von -3,0% auf -0,6% sinkend.

3.) Alternatives Szenario:

Hierbei wurde weniger eine allgemeine Wirtschaftsschwäche wie bei 2.) modelliert, sondern ein besonders schwacher Immobilienmarkt:

Case-Shiller-Index: fast 7% Minus bis 2011, danach (wie gehabt) leichte Erholung.
Arbeitslosigkeit: von 10,6% auf 5,5% fallend.
Staatsverschuldung: wie 2.)
BIP: +2,4%/+0,8%/+1,6%/+2,5/+2,4%.
Output Gap: von -3,3% auf -0,1% schrumpfend.

Wer meine Einschätzung kennt, weiss, dass ich keines der Szenarien als Worst Case bezeichnen würde, nicht einmal, wenn man die pessimistischsten Annahmen aus 2.) und 3.) kombiniert. Ich kann mir durchaus Schlimmeres vorstellen, vor allem bei der Arbeitslosigkeit ...
Allerdings kann man die Szenarien auch nicht als Witz abtun. Sie dürften deutlich über das hinausgehen, was der Konsens aktuell erwartet.

Aus den Szenarien werden bestimmte Ausfallraten bei den Krediten abgeleitet und daraus dann die Höhe der Ausfälle in den Kreditbüchern der Banken.

Im normalen Szenario würde ein Eigenkapitalbedarf von 14,2 Md. Dollar entstehen, weil 12 Banken die angestrebte Eigenkapitalquote von 6% nicht mehr erreichen würden.

Im "schlimmeren Szenario" steigt der Eigenkapitalbedarf auf 44,6 Mrd. Dollar bzw.

17 

Banken.

Im alternativen Szenario würde es 16 Banken geben, die zusammen 32,4 Mrd. Dollar auftreiben müssten.

Alle Zahlen sehen im Vergleich zu den gut 200 Mrd. Dollar, die sich die großen 19 Banken nach dem ersten Stresstest besorgt haben (bzw. besorgen mussten), relativ überschaubar aus.

Ganz interessant, dass die 4 großen Banken in allen drei Szenarien keinen zusätzlichen Kapitalbedarf haben.

Der IWF hat auch das systemische Risiko (also das Risiko, das entsteht, weil die Banken untereinander Geschäfte machen) untersucht, allerdings nicht in den Stresstest eingebaut. Das muss ich mir aber auch erst in Ruhe durchlesen ...

IMF: United States: Publication of Financial Sector Assessment Program Documentation - Financial System Stability Assessment (PDF!)

Zahl des Tages (01.08.10): 417

Die INSM (Institut Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft) hat gerechnet. Und ausnahmsweise bringe ich das Ergebnis mal (so sonderlich viel halte ich von dem Laden nicht, weil er mir bevorzugt Ergebnisse zu liefern scheint, die in die institutseigene "neoliberale" Philosophie passen).

Aber wenn die INSM versucht, die Kosten aus der Bankenrettung für Deutschland zu berechnen, ist das mMn doch eine Erwähnung wert. Allzu Viele haben den Versuch ja noch nicht unternommen (für die USA hingegen gibt es schon eine Fülle von Zahlen ...).

Die INSM hat errechnet, dass durch die staatlichen Rettungsaktionen für die Banken (u.a. IKB, HypoRealEstate und Commerzbank) im besten Fall Kosten von 34,2 Milliarden Euro entstehen, was

417 Euro

pro Einwohner Deutschlands entspricht.

Im (jetzt absehbaren) Worst Case könnten es auch 51,8 Mrd. Euro oder 632 Euro pro Kopf werden.

Die INSM betont netterweise, dass die Zahlen mit einem sehr großen möglichen Fehler behaftet sind und der Worst Case natürlich nur heute realistische Annahmen beinhaltet. Sollten in den USA die Immobilienpreise nochmal 30% nach unten gehen, sollte in China die Immobilienblase platzen oder ein europäischer Staat mit einem Bankrott eine große Rezession auslösen, werden auch diese Summen nicht ausreichen ...

Die INSM wäre nicht die INSM, wenn nicht gleich auch ein paar politische Empfehlungen hinterhergereicht würden:
a) Schuld ist natürlich der Staat, weil er nicht genug kontrolliert hat.
b) Dass der Staat nicht wirtschaften kann, zeigt sich auch an den Landesbanken, bei denen 80% der oben genannten Verluste angefallen sein sollen.
c) Der Staat soll sich natürlich ganz schnell (bis 2012) zurückziehen.

Naja, ich ignoriere diese ideologischen Ballast einfach und buche nur die Zahl in mein Gedächtnis ein ...

Tagesschau: Bankenrettung kostet "mindestens 34,2 Milliarden Euro"
Spiegel: Finanzkrise kostet bis zu 52 Milliarden Euro

Update (00:28):

Das I steht gar nicht für Institut, sondern für Initiative ... Ist korrigiert, auch wenn garantiert irgendwo im Text noch ein falsches "das" statt "die" steckt ...

Update (03.08.10):

Den Link zur Originalstudie möchte ich noch nachreichen, weil ich normalerweise immer versuche, genau die bevorzugt zu verlinken: Studie

Zahl des Tages (31.07.10): 5

Es gab heute Bankpleiten. Mehrere. Morgen mehr.

So, es waren

5.

Was sonderlich Aufregendes war aber nicht dabei ...

US-Bankenpleite Nr. 268 (Nr. 104 dieses Jahr):

Name: NorthWest Bank and Trust
Sitz: Acworth, Georgia
Assets: 168 Millionen Dollar
Käufer: State Bank and Trust Company, Macon, Georgia
Schaden für die FDIC: 40 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 88 (rot)

FDIC: State Bank and Trust Company, Macon, Georgia, Assumes All of the Deposits of NorthWest Bank and Trust, Acworth, Georgia


US-Bankenpleite Nr. 269 (Nr. 105 dieses Jahr):

Name: Coastal Community Bank
Sitz: Panama City Beach, Florida
Assets: 373 Millionen Dollar
Käufer: Centennial Bank, Conway, Arkansas
Schaden für die FDIC: 95 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 58 (rot)

FDIC: Centennial Bank, Conway, Arkansas, Acquires All of the Deposits of Two Institutions in Florida - Bayside Savings Bank, Port Saint Joe and Coastal Community Bank, Panama City Beach


US-Bankenpleite Nr. 270 (Nr. 106 dieses Jahr):

Name: Bayside Savings Bank
Sitz: Port Saint Joe, Florida
Assets: 66 Millionen Dollar
Käufer: Centennial Bank, Conway, Arkansas
Schaden für die FDIC: 16 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 108 (rot)

FDIC: Centennial Bank, Conway, Arkansas, Acquires All of the Deposits of Two Institutions in Florida - Bayside Savings Bank, Port Saint Joe and Coastal Community Bank, Panama City Beach


US-Bankenpleite Nr. 271 (Nr. 107 dieses Jahr):

Name: The Cowlitz Bank
Sitz: Longview, Washington
Assets: 529 Millionen Dollar
Käufer: Heritage Bank, Olympia, Washington
Schaden für die FDIC: 69 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 160 (rot)

FDIC: Heritage Bank, Olympia, Washington, Assumes All of the Deposits of The Cowlitz Bank, Longview, Washington


US-Bankenpleite Nr. 272 (Nr. 108 dieses Jahr):

Name: LibertyBank
Sitz: Eugene, Oregon
Assets: 768 Millionen Dollar
Käufer: Home Federal Bank, Nampa, Idaho
Schaden für die FDIC: 115 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 226 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 250 (rot)

FDIC: Home Federal Bank, Nampa, Idaho, Assumes All of the Deposits of LibertyBank, Eugene, Oregon

Update (01.08.10):

Huch, gestern war natürlich der 31.07., nicht der 01.08. ....

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