Zahl des Tages (30.09.10): 3.031.000

Irgendwie fühle ich mich wie es Sophie Hunger (übrigens im Januar 2010 mit einem Konzert in der Philharmonie Dortmund) heute im Spiegel so schön beschreibt:

Ich lese jeden Tag sehr viele Zeitungen, im Internet. Ich lese die Bild, SPIEGEL ONLINE, die "New York Times", den "Tagesanzeiger" aus Zürich, alle politischen Lager, alle Niveaus. Und weil ich das tue, habe ich halt permanent schlechte Laune.

Dabei waren die Nachrichten gar nicht so schlecht. OK, Gerüchte über manipulierte BIP-Zahlen in Spanien, die irische Bankenrettung wird nochmal ein paar Milliarden teurer  und in Stuttgart sind die Proteste (und wohl nicht wegen der Protestierenden ...) völlig eskaliert. Aber ansonsten haben wir heute Arbeitslosenzahlen bekommen, die ich mich mir vor ein oder zwei Jahren nicht einmal im Traum vorstellen konnte.

Nur noch

3.031.000

Arbeitslose gab es im September in Deutschland, 157.000 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 7,2 nach 7,6%.

BA: Der Arbeitsmarkt im September: Anhaltende Besserung am Arbeitsmarkt 

Und jetzt verderbt mir bitte nicht die Laune ;-) Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer ist auch um 114.000 auf 40,47 Millionen gestiegen. Auch die Anzahl der Kurzarbeiter ist gesunken. Das sind alles keine schlechten Zahlen. Die Zahlen nach der ILO-Methode sehen übrigens noch besser aus (6,5% Arbeitslosenquote). Klar, die Statistik enthält viele nicht. Aber das war auch früher schon so ...

Jetzt solltet ihr nicht über die Zahlen meckern, sondern auf die Leute schimpfen, die uns vor 5, 10 und 20 Jahren erzählt haben, wie überlegen das neoliberale Modell in den USA und Großbritannien dem deutschen System ist ... Und jetzt haben wir das Jobwunder und die USA knapp 10% Arbeitslosenquote. Ich dachte, das wäre quasi unmöglich ...

Die Leute sitzen übrigens immer noch in den einschlägigen Talkshows ...

Kanam US Grundbesitz: Erster "offener" Immobilienfonds gibt auf ...

Tjoah, da hat's den ersten aus der Liste erwischt. Premiere in Deutschland!

Der Kanam US Grundinvest (ISIN: DE0006791817) wird nach knapp 2 Jahren Schließung nicht wieder geöffnet, sondern abgewickelt. 10 der 17 Immobilien aus dem Fondsvermögen seien bereits verkauft, die anderen 7 sollen bis zum 31.3.2011 folgen. Eine erste Zahlung soll bereits dieses Jahr vorgenommen werden, den Rest gibt es dann voraussichtlich Ende März.

FTD: Offener Immofonds wird erstmals für immer dicht gemacht
FTD: Liquidierung: Kanam macht offenen Immobilienfonds für immer dicht

oder direkt von der Quelle eine Infoseite zum Prozedere:

KanAm: Auflösung und Auszahlung des KanAm US-grundinvest Fonds

Die Börsianer zeigen sich relativ unbeeindruckt. Die scheinen das alles schon geahnt zu haben. Der Fonds, dessen offizieller Rücknahmekurs bei ungefähr 50 Euro liegt (was aber wegen der Schließung nichts heisst), notiert an den Fondsbörsen etwa 20 Euro darunter. Wobei die Fondsbörse in Hamburg die einzige ist, die aktuell einen vernünftigen Kurs stellt (29,50 zu 31,00), Düsseldorf stellt nur einen Bidkurs und Lang & Schwarz einen eher unverschämten Spread mit 26,00 zu 29,80. Der Rest enthält sich.

Ich bin wirklich sehr gespannt, ob der P2 von Morgan Stanley die Öffnung Anfang November hinbekommt oder ob der Fonds bereits nach ein paar Stunden wieder geschlossen werden muss ... Oder ob die den Fonds doch nicht aufmachen, denn irgendwie fehlt mir der Glaube, dass die Anleger beim KanAm unbedingt rauswollen, aber die im Morgan Stanley P2 ganz entspannt sind ... Vom Kursverlust her nehmen die sich nicht viel ...

ZAHL DES TAGES (10.09.10): 52%

oder wen die ganze Geschichte interessiert:

Die ganze Geschichte der Immobilienfonds in dieser Krise in diesem kleinen Blog

Dass die Probleme bei den Immobilienfonds auch weitere Auswirkungen haben, zeigt eine Nachricht vom Montag. Die Allianz musste nämlich auch einen Immobilien-Dachfonds schließen, der seinerseits in Immobilienfonds investiert. Wenn diese nicht liquide sind, wird auch der Dachfons irgendwann illiquide. Gut, technisch gesehen ist der Dachfonds noch liquide, denn ein Teil seiner Gelder steckt ja in noch offenen Fonds. Allerdings ist die größte Position ein Fonds aus eigenem Hause und den will man wohl nicht selber durch eigene Verkäufe des Dachfonds in die Bredouille bringen ...

FTD: Allianz vergrätzt Anleger

Update (17:27):

Die FTD teilt in einem Kommentar meine Meinung, dass es auch für die anderen geschlossenen Immobilienfonds schwer wird, nochmal wieder zu öffnen.

FTD: Liquidierung: Immofonds-Schließung nur die Spitze des Eisbergs

Und eines wollte ich eigentlich schon in die erste Version schreiben, habe es aber vergessen:

In der Börse Online von letzter Woche war ein Artikel über einen Rechtsanwalt, der gegen die Bank- und Vermögensberater, die die geschlossenen Immobilienfonds empfohlen haben, wegen Fehlberatung klagen will. Immerhin haben die Fonds nicht mehr versprochen als das "magische Dreieck der Vermögensanlage" aufzulösen und dem Anleger gleichzeitig hohe Renditen, hohe Sicherheit und hohe Liquidität zu bieten. Leider bekommt man aber immer nur zwei dieser Ziele und sobald ich ein drittes anstrebe, muss ich eines der zwei anderen aufgeben. Im besten Fall.

Im schlechtesten Fall bekomme ich nämlich gar nichts. Und das ist die Bilanz der problematischen Immobilienfonds: Schlechte Rendite (Kurshalbierung), schlechte Liquidität und keine Sicherheit (oder soll man eine Kurshalbierung unter Sicherheit verbuchen?),

Wenn das keine gute Basis für eine Klage wegen Falschberatung ist, dann weiss ich es auch nicht ... (aber der Anlegerschutz in Deutschland ist immer noch mittelalterlich (wenn auch nicht mehr steinzeitlich))

Den Artikel (und ein paar andere) gibt es auf der Homepage des Rechtsanwalts: http://www.ra-hahn-mcl.de/content/medien/medienpraesenz.shtml (womit ich den nicht empfohlen haben möchte und auch die Chancen einer Klage nicht beurteilen kann).

Update (01.10.10):

Hier noch ein Hinweis auf ein Interview mit der Scope Analystin Sonja Knorr, die weitere Abwicklungen für möglich hält:

Handelsblatt: „Weitere Abwicklungen sind nicht ausgeschlossen“

Moody's senkt Rating von Spanien auf Aa1

Ok, der Knaller ist es nicht, denn Fitch und Standard & Poors haben schon abgewertet, aber eine kleine Erwähnung ist das trotzdem wert. Statt Aaa sieht die Ratingagentur Moody's die Bewertung nun eine Stufe niedriger bei Aa1; der Ausblick liegt auf stabil.

Fitch und Standard & Poors sind übrigens schon eine Stufe weiter.

Bei den spanischen Anleihen tut sich übrigens wenig. Die Rendite sinkt sogar leicht. Generell hält sich Spanien in den letzten Woche vergleichsweise gut, ganz im Gegensatz zu Irland und auch Belgien, die beide deutlich Risikoaufschläge verkraften müssen.

FT Alphaville: Moody’s strips Spain of its last AAA

Zahl des Tages (29.09.10): 2.000.000.000

Schon lange keine Zahl mehr gebracht aus den ganzen kriselnden Staaten in Europa. Und dabei gab es genügend ...

Ich fange mal an mit Irland. Dort wird morgen wohl eine erneute Kapitalzufuhr für die Allied Irish Bank bekanntgegeben. Die Schätzungen liegen aktuell bei

2.000.000.000 (2 Milliarden) Euro

bis 3 Milliarden. Die Ratingagentur S&P warnt auch bereits vor einer weiteren Herabstufung der irischen Staatsschulden, wenn die Summe wesentlich höher werden sollte. Die Riskoaufschläge steigen sowieso schon. Die 10-jährigen irischen Staatsanleihen rentieren mit mehr als 6,7%, die deutschen nur mit 2,24%. Der Spread liegt jetzt also fast bei 450 Basispunkten. Die Kreditausfallversicherungen liegen bei etwa 500 Basispunkten. Und der Zins für die dreijährigen Anleihen liegt jetzt über dem Niveau des Eurozonenrettungspakets. Irland könnte also aus der Finanzierung des Rettungspaket aussteigen und im Gegenteil diesen in Anspruch nehmen ... Hmmm ...

Dublin to pump 2-3 bln euros into Allied Irish Banks -FT
FAZ: Die Woche der Wahrheit für Irlands Banken
FAZ: Irlands Risikoprämien steigen auf Rekordwert
Irland kämpft mit Rekord-Zinslast

In Spanien gab's einen Generalstreik, aber das Land, das den höchsten Anstieg der Renditen verkraften musste, ist ein Neuling in der Liste der kritischen Staaten: Belgien. Ach, diese Krise wird nicht langweilig ...

FT Alphaville: And over in Belgium …

Update (30.09.10):

Huch, die Summe wird aber deutlich überschritten. Allein bis Ende des Jahres werden 3 Milliarden Euro neues Eigenkapital für die Allied Irish Bank benötigt, die wahrscheinlich mangels freiwilliger Käufer vom irischen Staat kommen werden.

Dazu kommen voraussichtlich nochmal bis zu 11,4 Mrd. Euro weiterer Hilfen für die Anglo Irish Bank. Dann wäre Irland aber noch knapp unter den 35 Mrd. Euro Hilfe für die Anglo Irish Bank, ab der Standard & Poors eine weitere Herabstufung des Ratings für Irland angekündigt hat.

Aber wenn man sich anschaut, wohin sich die Ratings in den vergangenen Monaten entwickelt haben, wenn die Zinsaufschläge derart von den Ratings abweichen wie im Fall Irland, ist eh klar, wohin sich die Ratings entwickeln ...

FAZ: Banken kosten Irland weitere Milliarden
FTD: Bankenrettung kostet Irland bis zu 50 Milliarden

Das Haushaltsminus in Prozent des BIPs wird nach den Zahlen von heute auf

32% (!!!)

steigen.

Update 2 (30.09.10 10:37):

Abschnitt  zuvor überarbeitet, weil Anglo Irish und Allied Irish durcheinandergeschwurbelt waren.

Update 3 (30.09.10 12:27):

Das ist spannend: Die nachrangigen Anleihen der Anglo Irish Bank sollen nicht wie die vorrangigen (und die Spareinlagen) voll bedient werden. Irland nimmt also zum ersten (?) Mal bei einer Sanierung einer Bank einen Teil der Gläubiger mit ins Boot und lässt nicht allein die Steuerzahler die Rechnung bezahlen. Sehr gut, auch wenn das Ausmaß des "bedeutenden Beitrags" noch unklar ist.

FTD: Weitere Kapitalspritzen: Irland nennt Finanzbedarf seiner Banken "entsetzlich"

Der SdK-Wirecard-Pennystock-Skandal erreicht 1860

Wenn das mal keine Kombination ist, die ich mögen würde: Börse - Pennystocks - Betrug - Fußball ;-)

In der SdK-Pennystock-Wirecard-Affäre gab es heute neue Informationen:

a) Es wird auch gegen noch aktuelle Mitglieder beim SdK ermittelt, unter anderem gegen den SdK Vorsitzenden Klaus Schneider und Christoph Öfele.
b) In der Folge lässt Christoph Öfele sein Amt als Aufsichtsratschef beim Fußball-Zweitligisten 1860 München ruhen.
c) Es ist bestätigt, dass die zwei (ehemaligen) SdK-Leute, die verhaftet wurden, Markus Straub (wenig überraschend, der Name tauchte immer auf und Straub ist mir spätestens seit seiner Beteiligung an der Abzockeraktie Nascacell suspekt) und der ehemalige SdK-Sprecher Tobias Bosler sind. Der Name des dritten Verhafteten, ein Börsenjournalist, ist noch immer unbekannt (die Spekulationen schießen zwar ins Kraut, aber ...)
d) Der Börsenjournalist soll im Zusammenhang mit Wirecard festgenommen worden sein, weil er einen negativen Artikel gegen Geld geschrieben haben soll. Also so einen oder so einen (es gibt noch einen bei Euro am Sonntag, der allerdings nicht online ist).
Es ist schon ganz lustig, wenn man mal wühlt ... Z.B. gibt es bei Wallstreet Online einen Nutzer mit dem Alias oepfele (Zufall, dass der Alias sooo ähnlich ist?), der Wirecard schlecht geschrieben hat ... Aber  da wird man von aussen nichts finden, denn warnende Artikel auch aus seriösesten Quellen gab es nach den SdK Vorwürfen logischerweise massenhaft ...
e) Dass in der Presse dauernd Wirecard und Pennystocks genannt werden, scheint kein Fehler zu sein. Es handelt sich scheinbar nicht um zwei getrennte Vorwürfe. Das würde aber dann in der Konsequenz auch bedeuten, dass gegen die SdK (bzw. mindestens Ex-Mitglieder) auch wegen Kursmanipulation und Aktienpushereien bei Penny-Stocks (und nicht wegen Wirecard) ermittelt würde.

Wow! Aktionärsschützer, die bei dubiosen Pennystock-Abzockereien mitgemacht haben! Das übersteigt meine dunkelsten Fantasien ... Wirecard erst zu shorten und dann die Nachricht zu bringen, mag ja bei großzügiger Auslegung noch in der Grauzone sein (für mich ist es Insidertrading), oder sich vorbörslich bei einer Luftnummer wie Nascacell zu beteiligen  aber eine Pennystock-Pusherei wäre definitiv knastwürdig ...

Sueddeutsche.de: Weiterer prominenter Anlegerschützer unter Verdacht

1860-München: Wirecard-Affäre erreicht den Profifußball - Finanzen - Immobilien + Vorsorge - Recht + Steuern - Anleger- und Verbraucherrecht - Handelsblatt.com

siehe auch: egghats Zweitblog: Neues zur Pennystock-SDK-Affäre und egghats Zweitblog: Spiegel: Razzia blamiert Anlegerschützer und egghats Zweitblog: Großrazzia bei Anlagebetrügern (u.a. SdK) oder 2 Jahre alt in meinem Hauptblog: NOCHMAL WAS ZUR SDK/NASCALELL/PETROHUNTER/FOCUS MONEY oder KURSMANIPULATION UND DIE SDK MITTENDRIN?

Update (21:43):

Auch zwei ehemalige Mitarbeiter von Börse Online werden verdächtigt:

Börse Online: Editorial: Ständig wachsam bleiben

Woppah! Die sind allerdings "seit Jahren" nicht mehr dabei. Trotzdem hätte ich BÖ (oder Mitarbeiter) - auch wegen Graumarktinfo.de - am wenigsten in diesem Sumpf erwartet ...

Update (30.09.10):

Der Stern meldet übrigens den dritten Verhafteten auch nicht. Er traut sich auch nicht, das "Anleger-Magazin" zu nennen. Er gibt aber sachdienliche Hinweise:

"Der Mitarbeiter des Anlegermagazins hat gerade ein Buch veröffentlicht. Es geht darin um Komplotte im Kapitalismus - und Manipulationen."
Ich hab's alles schon verlinkt, aber wer womöglich das Anlegermagazin sein könnte, steht bereits oben. Wer darin den Artikel über Nascacall geschrieben hat, ist auch nicht schwierig herauszufinden. Und dass dieser Mann ein Buch (Das Kapitalismus-Komplott: Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden) geschrieben hat, ist auch nicht schwierig herauszufinden. Das würde also alles passen.

Wenn er es ist, ist die Doppelmoral kaum zu übertreffen: der wollte mal eine Partei der Vernunft gründen. Da hatte ich mein Abo aber bereits wegen der Nascacell-Nummer gekündigt.

Stern: Kursmanipulation im großen Stil: Tatort Börse

Übrigens ist er auch verschwörungstheoretisch unterwegs. Klimaerwärmung, 9/11, etc. - Zu allem kennt er die alleinige Wahrheit. Mir sind solche Leute immer sehr suspekt. Und ich verstehe nicht, warum man als Magazin seinen seriösen Namen für sowas hergibt. Eigentlich müssten die sich jetzt aus lauter Scham ihr eigenes Grab buddeln und ihr Magazin beerdigen.

Update 3 (30.09.10):

Übrigens würden Deutschland gerade im Bereich Finanzen ein Wadenbeisserblog gut tun (nein, ich werde das nicht machen, denn dazu müsste ich einen Anwalt als Freund haben, der mir im Zweifelsfall den Rücken frei hält). Aber wenn ich mir die Zahlungsbereitschaft für mein Blog anschaue. Forget it. (Danke an die 8 eingekauften Produkte über den Amazon-Link).

Update 4 (02.10.10):

Sehr interessanter Kommentar von Besserwisser. Danach ist Janich frei und nicht der Verhaftete. Das soll ein Börsenbrief-Schreiber aus Kitzbühl der Schweiz sein. Unbedingt lesenswert (auch wenn ich den Informationsgehalt nicht einmal ansatzweise überprüfen kann).

Zahl des Tages (28.09.10): +0,6%

Auch dieser Monatswert ist für mich eine (leichte) positive Überraschung: Gemessen am Case-Shiller-Immobilienpreisindex stiegen die Immobilienpreise in den USA im Juli um

0,6%.

Das hätte ich nicht unbedingt erwartet,  denn die Umsätze im Juli waren dramatisch um bereinigt knapp 30% eingebrochen (ZAHL DES TAGES (24.08.10): -27,2%).

Etwas pessimistisch kann der Rückgang des Zuwachses gegenüber dem Vormonat gewertet werden. Zur Erinnerung: im Juni lag das Plus noch bei 1,0%, im Mai bei 1,3%. Auch das Jahresplus lag im Juli nur noch bei 3,2% gegenüber 4,2% im Juni. Eine gewisse Abkühlung ist also nicht zu übersehen, der befürchtete Einbruch blieb aber aus.

Wobei dieser vielleicht (wahrscheinlich?) noch kommt, denn der Case-Shiller-Index ist (das wusste ich auch lange nicht) ein gleitender Durchschnitt über drei Monate und der Juli-Wert ist eigentlich der Durchschnitt aus Mai, Juni und Juli. Wahrscheinlich wird die Berechnung so vorgenommen, weil sonst nicht ausreichend viele Datenpunkte für die Berechnung vorliegen. Damit sind im "Juli"-Wert noch genügend Daten aus den Monaten enthalten, in denen die Ende April ausgelaufene Steuergutschrift für Erstkäufer von Immobilien noch Nachwirkungen zeigte.

Der für meine Immowette wichtige Wert ist der Rückgang des City-20-Index vom absoluten Hoch. Dieser ist mit dem Juli-Plus auf 27,9% geschrumpft und damit weit weg von den 40%, ab der ich die Wette verlieren würde.

Die Breite hat sich deutlich verschlechtert. Im Juni lagen noch 17 der 20 betrachteten Regionen im Plus, im Juli nur noch 12, eine war unverändert und 6 sanken. Las Vegas übrigens auch schon wieder. Vom Allzeithoch aus gesehen liegt das Gesamtminus in Las Vegas nun bei über 57%(!).

Wie schon im Artikel über die Juni-Zahlen, wird auch dieser im Verlauf pessimistischer, denn die nicht-saisonbereinigten, die ich bisher genannt habe, sehen deutlich besser aus als die saisonbereinigten. Mit saisonbereinigten Zahlen versuchen die Statistiker die normale saisonale Entwicklung herauszurechnen. (Die Statistiker sehen die Saisonbereinigung im Moment aber aktuell selber mit etwas Vorsicht). Weil der Juli (wie der gesamte Sommer) normalerweise der Hochpunkt der Immobiliensaison ist, sorgt die Herausrechnung dieses Effekts für einen deutlich niedrigeren Anstieg.  Wobei Anstieg nicht wirklich der richtige Begriff ist, denn saisonbereinigt ist der City-20-Index sogar leicht gesunken (-0,1%).

Wenn man diesen Artikel (und die Originalpressemitteilung) bis zu Ende liest, stellt sich der auf den ersten Blick positive Wert als gar nicht mehr so dolle heraus. Im Gegenteil: Ein neuerlicher Rückgang der US-Immobilienpreise wäre kaum noch überraschend ...

Direkt von der Quelle:

S&P: Home Prices Remain Stable Around Recent Lows According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices(PDF)

Marketwatch: Home price growth slows in July

Heute Abend die Schuldenkrise im TV bei Quarks & Co.

Mal schauen, ob sich die Sendung heute (wie leider der überwiegende Teil der Dokumentationen über das Thema Finanzkrise) als Enttäuschung entpuppt. Immerhin ist Quarks & Co mMn eine der wenigen Sendungen, die üblicherweise ihr GEZ-Geld wert sind.

WDR TV: Quarks & Co : Die Welt in der Schuldenkrise

Wenn man sich die Themen anschaut:
  • Wer zahlt die Zeche?
  • Der große Schuldenrausch - Ein Finanz-Crash mit Ansage
  • Kann ein Staat pleite gehen? - Und was passiert dann mit dem Staat?
  • Wem schuldet Deutschland das Geld? - Vom kleinen Sparer bis zum Aktienmillionär
  • Wie viel verdienen wir an den Staatsschulden?
  • Gibt es auch „gute“ Schulden? - Drei Regeln für Staatsverschuldung
  • Wie Herrscher ihre Schulden wieder los wurden - Die fünf gängigsten Entschuldungsstrategien der Vergangenheit
scheint das eher einführend zu sein. Was aber nicht unbedingt schlecht sein muss ...

Sendetermine:
Dienstag, 28. September 2010, 21.00 - 21.45 Uhr.
WiederholungsterminSamstag, 02. Oktober 2010, 12.05 - 12.50 Uhr (Wdh.)

Update (21:33):

Quarks & Co gibt es auch als Podcast:

feed://podcast.wdr.de/quarks.xml

Danke an @MickyHase für den Hinweis.

Zahl des Tages (27.09.10) +1,1%

Hmmm, das ist eine überraschende Zahl. Nach mehreren Monaten, in denen kaum was passierte, sprang die Geldmenge M3 in der Eurozone im August um

1,1%

nach oben.

Das ist die erste Zahl seit einiger Zeit, die mal wieder auf Inflation hindeutet.

Die Zinspolitik wird immer so schön mit den Pferden und der Tränke beschrieben. Die Notenbanken können die Tränke über niedrige Zinsen nur füllen, saufen müssen die Pferde (= die Kreditnehmer) aber selber.

Genau das scheinen die Pferde nun wieder zu tun. Die Kreditvergabe erholte sich in allen Bereichen. Selbst im bisher schwächsten Sektor, den Krediten an Unternehmen, schrumpfte das Minus (-1,1% nach -1,4). Die Jahres-Wachstumsrate bei Krediten an private Verbraucher stieg von 2,7% auf 2,9%. Die Immobilienkredite stiegen im August mit einer Jahresrate von 3,5% (nach 3,4% im Juli), die sonstigen Kredite an den Privatsektor von 2,6% auf 2,9%.

Der schrumpfende Sektor in der Eurozone sind die Staaten, deren Kreditaufnahme mit einer Jahresrate von 7,4% sinkt. Grund dafür sind natürlich die Sparpakete.

Ein Monat ist sicherlich zu wenig, um von einer Trendwende zu sprechen, aber es schon spannend zu sehen, dass sich die Gesamt-Kreditvergabe in der Eurozone ausweitet, obwohl die Staaten sparen. Nicht wenige Beobachter haben durch die eingeleiteten Sparmaßnahmen die nächste Rezession schon sicher gesehen. Zumindest auf direktem Wege geht diese Prognose nicht auf.

EZB: Geldmengenentwicklung im Euro-Währungsgebiet: August 2010 (PDF!)

Die Frage, ob das nächste beherrschende Thema Inflation oder Deflation (oder sollte ich schreiben: Infellatio oder Defellatio ;-)? wird, finde ich eh schon ziemlich spannend. Noch spannender wird das aber, weil Europa und die USA Entwicklungen zeigen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In den USA steht der Staat weiterhin auf dem Gaspedal und verschuldet sich hoch, während in Europa die Staaten fast alle Sparpakete aufgelegt haben, teilweise in Größenordnungen wie nie zuvor.

Die Verbraucher machen aber genau das Gegenteil. In den USA sind sie weiterhin ziemlich zurückhaltend, in Europa werden sie immer optimistischer. In der folgenden Grafik kann man das gut erkennen: die grüne Linie ist die Verschuldung des Staats, die rote des Finanzsektors, die blaue der Privathaushalte, die violette der Unternehmen. Nur die Kurve des Staats steigt, die anderen drei sinken. Die Gesamtverschuldung sinkt, auch wenn der Staat den größten Teil davon auffängt. Diese Grafik müsste man mal für die Eurozone machen ...



ZAHL DES TAGES (22.09.10): 52.100.000.000.000

Zahl des Tages (26.09.10): 449,06

Wir trauern. Toxie ist von uns gegangen.

Allerdings freue ich mich schon, dass ich das mitbekommen habe. Denn ich fand das Experiment der Sendung "Money Planet" auf NPR (National Public Radio) toll, einfach mal eines der Giftmüllpapiere zu kaufen und die Entwicklung zu verfolgen. Den Namen Toxie haben übrigens die Hörer gewählt (siehe ZAHL DES TAGES (02.04.10): 337)

Anfang des Jahres wurde ein Papier für 1.000 Dollar gekauft, das bereits knapp 99% Kursverlust hinter sich hatte (Nennwert 75.000 Dollar).

Toxie war ein CDO. Das waren die tollen Papiere, bei denen ein Haufen Hypotheken von unterschiedlicher Qualität in einen großen Topf geworfen wurden. Diese wurden dann in Scheiben geschnitten. Die Zinszahlungen wurden gleichmäßig über die Scheiben verteilt (was ja normal bei Verbriefungen ist), die Verluste (=Ausfälle) aber nicht. Wenn eine Hypothek ausfiel, weil der Gläubiger nicht mehr zahlen kann (oder will), schlug der Verlust zuerst allein in der untersten Tranche zu. Wenn diese Scheibe aufgebraucht ist, verfällt diese und die nächsthöhere Tranche wird angegriffen.

Ziel dieser Art von Verbriefung war es, die Verluste in der besten, obersten Tranche so unwahrscheinlich zu machen, dass die Ratingagenturen darauf ein AAA Rating kleben konnten. Die unteren Tranchen waren schlechter bewertet, die unterste natürlich am schlechtesten. Trotzdem hatte man aus viel Müll ein Papier gebastelt, das zumindest zu einem großen Teil AAA war und damit für viele Pensionskassen interessant wurde.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die schlechten Tranchen viel zu dünn und die AAA-Tranche viel zu breit war. Und dass das ganze Konstrukt weder darauf vorbereitet war, massenhaft Schrott zu verbriefen, noch darauf, dass die Immobilienpreise im Schnitt um 30% einbrechen.

In den ersten zwei Monaten des Jahres trafen 337 Dollar Zinszahlungen ein, es sah also eigentlich ganz gut aus. Noch ein paar Monate mit Zahlungen und der Einsatz wäre wieder hereingeholt. Im März gab es eine weitere Zahlung und ein Stand von

449,06 Dollar

wurde erreicht. Im April kündigte sich aber schon das Ende an, denn da ging kein weiteres Geld ein. Nun wurde im neuen Halbjahresbericht deutlich, dass die Gerüchte vom Tod nicht übertrieben waren. Die Verluste haben Toxie aufgefressen und ab April knabbern die Zahlungsausfälle die nächsthöhere Tranche an.

Hauptgrund für den schneller als erwartet eingetretenen Tod sind übrigens die Loan Modifications. Darunter fallen zum Beispiel die Geschäfte, bei denen sich die Bank das Haus sichert, die Hypothek platzen lässt, aber im Gegenzug den ehemaligen Besitzer gegen Miete in der alten Immobilie wohnen lässt. Der Besitzer von "Toxie" hat bei diesem Geschäft scheinbar kein Mitspracherecht.

Hier zeigt sich wieder eines der Grundprobleme in der Verbriefung: Solange eine Hypothek bei einer Bank lag, gab es ein klares Vertragskonstrukt zwischen zwei Parteien, dem Immobilienkäufer und der Bank. Das war sauber. Nun aber wurde die Haftung, die Verträge, die Zinsen und die Ausfälle auf unterschiedliche Parteien und Konstrukte verteilt.
Nun kann eine Bank mit dem Hausbesitzer einen neuen Vertrag aushandeln und der Besitzer von Toxie schaut in der Röhre. Das ist natürlich genauso bescheuert wie die Hypothekenvermittlung vor drei oder fünf Jahren, als auch schlechteste Schuldner eine Hypothek bekommen konnten, weil der Vermittler oder die Bank das Risiko nicht in den eigenen Büchern halten mussten (dann hätten sie die Hypothek nie abgeschlossen), sondern das Risiko schnell weiterverbriefen konnten.

NPR: Toxie's dead

Und weil die Leute beim NPR ziemlich cool sind, haben sie den Tod von Toxie auch in ein Stück Musik gegossen: And now sing along: "She's Toxie, the toxic asset. We love every complicated facet. She's your pet ZMO, but you'll never know if this cash flow is your last get."

The Toxie Song. Lyrics by Andrew Breton. Music and recording by James Gammon.

Zahl des Tages (25.09.10): 291

2 Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende. Beide ziemlich kleine. Also nichts Aufregendes ...

US-Bankenpleite Nr. 290 :

Name: Haven Trust Bank Florida
Sitz: Ponte Vedra Beach, Florida
Assets: 149 Millionen Dollar
Käufer: First Southern Bank, Boca Raton, Florida
Schaden für die FDIC: 32 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 77 (rot)

FDIC: First Southern Bank, Boca Raton, Florida, Assumes All of the Deposits of Haven Trust Bank Florida, Ponte Vedra Beach, Florida

US-Bankenpleite Nr. 291 (Nr. 127 dieses Jahr):

Name: North County Bank
Sitz: Arlington, Washington
Assets: 289 Millionen Dollar
Käufer: Whidbey Island Bank, Coupeville, Washington
Schaden für die FDIC: 73 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 132 (rot)

FDIC: Whidbey Island Bank, Coupeville, Washington, Assumes All of the Deposits of North County Bank, Arlington, Washington

Update (27.09.10):

Hier gibt's übrigens eine schöne interaktive Landkarte, in der die Bankpleiten eingezeichnet wurden ...

Ritholtz.com: Tracking Bank Failures

Musik zum Wochenende: MIT

Lange nichts mehr gebracht in dieser Reihe, aber ich habe auch länger nichts mehr gefunden, das ich verlinkenswert fand. Das hier gefällt mir aber ausgesprochen gut.

Vom neuen 2. Album "Nanonotes" der Band MIT der Song "Pudong":


gefunden über Rivva

Tolle Homepage haben die Jungs übrigens: http://mitmitmit.net/ ;-)

Zahl des Tages (24.09.10): 11,6

Wochenende. Ich bringe mal eine etwas positivere Zahl. Die ist zwar eigentlich von gestern ist, aber trotzdem wichtig.

Es ist eine der beiden Zahlen vom US-Immobilienmarkt, die ich immer bringe: Die monatlich gemeldeten Zahlen zu den Umsätzen bei Bestandsimmobilien.

Gestern kamen die Zahlen für den August. Nach den desaströsen aus dem Juli (siehe ZAHL DES TAGES (24.08.10): -27,2%) erholten sich die Umsätze wieder um 7,6%. Der annualisierte Umsatz betrug 4,13 Millionen Häuser (nach 3,84 Mio. im Juli, die dramatisch von 3,83 Mio. nach oben korrigiert wurden ...). Gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt das Minus trotz der Erholung noch 19%.

Die wichtigste Zahl für die Beurteilung der nächsten Monate ist der Lagerbestand, genauer gesagt der Lagerbestand in Monaten. Der absolute Wert ist gegenüber dem Vormonat ganz leicht um 0,6% auf 3,98 Millionen Einheiten zurückgegangen, im Vergleich zum Vorjahr aber 1,5% gestiegen. Dank der erhöhten Umsätze reduzierte sich der Lagerbestand im Monaten gegenüber Juli von 12,5 auf

11,6 Monate.

Allerdings ist auch das noch extrem hoch. Wie die Grafik bei Calculated Risk zeigt, ist der Augustwert sogar höher als am Höhepunkt der Krise 2008 und der zweithöchste nach dem Juli. Das deutet klar auf weiter fallende Immobilienpreise hin. Erst recht wenn man bedenkt, dass die offiziellen Lagerbestandszahlen nur die halbe Wahrheit sind und dieser wahrscheinlich wesentlich höher liegt (mehr hier: ZAHL DES TAGES (15.09.10): 12.000.000).

Der positivste Aspekt der gestrigen Zahl: Die Anzahl der Erstkäufer lag im August bei 31%. Das ist nach langer Zeit endlich wieder ein normaler Wert. Das ist ein (wenn auch gaaanz kleines) gutes Zeichen, da die Verkäufe nicht mehr durch die ausgelaufene Steuergutschrift für Erstkäufer beeinflusst werden. Es handelt sich bei der niedrigen August-Nachfrage immerhin um eine natürliche und nicht mehr eine künstlich angeheizte.

OK, ich hatte schließlich eine "etwas positivere" Zahl versprochen. Aber eigentlich ist es nur eine "nicht mehr ganz so arg so schlimme" Zahl ... Zur Erholung mache ich noch ein Musikposting fertig ...

Die Zahlen direkt von der Quelle:

NAR: Existing-Home Sales Move Up in August

Zahl des Tages (23.09.10): 2.000.000.000.000

(ich mach mal wieder große Zahlen ;-))

So, jetzt ist sie beschlossen. Die große Bad Bank für die Hyporealestate. Gestern haben der SoFFin und das Bundesfinanzministerium den Startschuss gegeben. In die Bad Bank werden Assets in Höhe von

191.100.000.000 (191,1 Milliarden Euro)

ausgelagert.

Weil die Bad Bank mit dem unverdächtigen Namen "FMS Wertmanagement" für die drohenden Verluste kapitalisiert werden muss, bekommt diese 3,87 Mrd. Euro Eigenkapital von der HRE als Mitgift gestellt. Geplant waren bisher nur 1,79 Mrd., die nun aber aufgestockt werden müssen.
Da die Hyporealestate das Geld nicht hat, müssen die weiteren gut 2 Milliarden Euro der Hyporealestate vom SoFFin zur Verfügung gestellt werden und werden dann direkt weitergeleitet.
Insgesamt hat der SoFFin der Hyporealestate damit 9,95 Mrd. Euro Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Dazu kommen natürlich noch die Garantien, die sich nach der Aufstockung um 40 Mrd. in der letzten Woche (ZAHL DES TAGES (12.09.10): 32,13) auf über 140 Mrd. Euro summieren.

Der zusätzliche Kapitalbedarf kommt etwas überraschend (wie schon die Erhöhung der Garantien in der letzten Woche), allerdings machen die 2 Mrd. den Braten auch nicht mehr fett.
Was ich überraschender finde: Die gesamte Summe von 191,1 Mrd. geht wahrscheinlich in die Berechnung der deutschen Staatsverschuldung ein. Damit steigt die deutsche Staatsverschuldung auf einen Schlag um 12%, die Verschuldungsquote gemessen am BIP um etwa 8% und springt damit über 80%.

Der aktuelle Schuldenstand nach den Maastricht-Kriterien lag Ende 2009 bei 1,692 Billionen Euro (1,3 Billionen beim Bund, der Rest in Sozialsystemen und bei Ländern und Gemeinden).  Zwar wird sich der Bund etwas weniger stark verschulden als 2009, die Gemeinden aber deutlich stärker (Spiegel: Erstes Halbjahr: Kommunen machen fast acht Milliarden Euro Miese). Damit könnte selbst bei einer Besserung der Neuverschuldung (zur Erinnerung: 112 Mrd. in 2009) bereits 2010 die magische Grenze von

2.000.000.000.000 (2 Billionen) Euro

Gesamtverschuldung der öffentlichen Haushalte gerissen werden.

Wow :-(

Schäuble wird nicht müde zu betonen, dass die 191 Mrd. nur ein rein statistischer Effekt sind. Und das stimmt auch teilweise. Denn es ist kaum damit zu rechnen, dass die Wertpapiere und Forderungen im Gesamtwert von 191 Mrd. Euro komplett abgeschrieben werden müssen. Immerhin sind sie ja schon teilweise abgewertet worden. Genausowenig ist aber damit zu rechnen, dass die knapp 4 Mrd. Eigenkapital der  FMS Wertmanagement ausreichen werden, um alle Verluste abzufangen.

Die EU geht auf Nummer sicher und ist streng. Das war sie im Fall von Irland schließlich auch schon ( egghat's blog: Zahl des Tages (02.09.10): 26%).
Weiss jemand, ob das "damals" bei der Gründung der Bad Bank für die WestLB (Volumen 85 Mrd. Euro) auch schon so war? Also zählten die 85 Mrd. auch komplett zur Staatsverschuldung?

Direkt von der Quelle:
SoFFin: Befüllung der FMS Wertmanagement zum 30. September 2010 beschlossen
BFM: HRE überträgt Teile an Abwicklungsbank

Update (24.09.10):

Bei Telepolis wird das Thema heute auch behandelt. Nach der Darstellung dort ist in den Zahlen zum Ende des ersten Halbjahrs die Bad Bank der WestLB noch nicht vorhanden. Die ca. 85 Mrd. kommen also auch noch auf die Schulden drauf. Damit sind die 2 Billionen quasi sicher, die Frage ist nur noch, wann die Marke überschritten wird. Die Bad Bank der WestLB ist Ende 2009 gegründet worden, es dauert also scheinbar etwas, bis eine Bad Bank in der Schuldenstatistik erscheint.

TP: Staatsschulden steigen auf 1,72 Billionen Euro

Zahl des Tages (22.09.10): 52.100.000.000.000

Es ist ja einer der "Memes" in diesem Blog: Die USA haben zu viel Schulden (auch wenn weissgarnix das Gegenteil behauptet).
Auch bin ich der Meinung, dass die USA nicht das überlegene Wirtschaftsmodell haben und der Neoliberalismus nur einige wenige Leute reicher gemacht hat, der große Rest aber nichts gewonnen hat. Aber wie lange hat man uns die (vermeintlich) guten BIP-Zahlen aus den USA um die Ohren geworfen, um damit zu zeigen, wie stark die USA wachsen und wie schwach wir. Fazit daraus: Wir müssen alles so machen wie die USA, frag nach bei der INSM.

Ich habe das sogar eine Zeitlang geglaubt (schäm), aber die ersten fundierten Zweifel (ein echtes Problem der Linken, dass sie solche Zweifel nicht fundiert vorbringen können) kamen mir, als ich auf das BIP pro Kopf geschaut habe. Denn da sieht man, dass ein signifikanter Teil des Wachstumsvorsprungs der USA schlicht und einfach auf die steigende Bevölkerungszahl zurückgeht. Das BIP pro Kopf in den USA wächst bei weitem nicht so stark wie das Gesamt-BIP. Vom großen Vorsprung der USA bleibt in der Pro-Kopf-Betrachtung nur vergleichsweise wenig übrig.

Und inzwischen bin ich mir sicher,  dass auch der Rest des Wachstumsvorsprungs NICHT auf eine Überlegungheit des US-Wirtschaftsmodells zurückgeht. Denn der Rest stammt nur aus einem Faktor: Die USA hat sich verschuldet bis zu Halskrause. Rechnet man die Wirtschaftsleistung heraus, die aus dieser zusätzlichen Verschuldung entstanden ist, bleibt vom US-Wachstumswunder nicht mehr viel übrig. Womöglich würde das sogar ins Gegenteil kippen.

Und ich bin ebenfalls überzeugt davon, dass die USA irgendwann anfangen müssen zu sparen. Das wird das Wachstum drücken und erst danach wird man sehen können, ob das US-Modell wenigstens beim Wachstumsaspekt dem europäischen überlegen ist. Sozialer ist es ja eh nicht.

Viel Blabla, jetzt zur Zahl:

Die Gesamtverschuldung der USA (Staat, Unternehmen, Banken, Haushalte) liegt nach der aktuellen Flow of Funds für's zweite Quartal 2010 bei

52.100.000.000.000 (52,1 Billionen) Dollar.

Das sind etwa 3,5 Jahres-BIPs der USA. Es sind etwa 14,7 Mrd. im zweiten Quartal dazugekommen. Das ist nur eine schwache Steigerung, die deutlich unter dem BIP-Wachstum liegt und dadurch ist die Quote bezogen auf's BIP im 5. Quartal hintereinander gesunken.

Dass keine Entwarnung gegeben werden kann, sieht man schon bei einem kurzen Blick auf einen langfristigen Chart:



Die kleine Korrektur ganz rechts oben reicht noch lange nicht aus, um einen Stand zu erreichen, den man halbwegs normal bzw. durchschnittlich nennen könnte. Sollte es zu diesem Schuldenabbau (Deleveraging) kommen (was aber auch gut ausfallen kann, man sieht in der Grafik oben ja auch keinen Knick z.B. durch die Rezession 2001), sind niedrige Wachstumsraten in den USA quasi garantiert.

Creditwritedowns: Charts of the Day: The New Z.1 is Out!

Zahl des Tages (21.09.10): 250.000.000.000

Heute präsentieren wir "Liebling, ich habe den Eurozonenrettungsfonds geschrumpft" mit Moody's und Standard&Poors in den Hauptrollen ...

Es geht um den Eurozonenrettungsfonds EFSF (European Financial Stability Fonds), der insgesamt 750 Milliarden Euro schwer werden sollte, wobei 440 Milliarden von den Mitgliedern der Eurozone und der Rest vom IWF kommen sollten. Der IWF Teil stellte sich als unproblematisch heraus. Wesentlich komplizierter wurde der Eurozonenteil. Für diesen strebten die Euroländer natürlich ein Triple-A-Rating an, um möglichst niedrige Zinsen zu erreichen. Da spielten die Ratingagenturen aber nicht mit. So mussten direkt mehrere Änderungen vorgenommen werden.

Erstens verlangten die Ratingagenturen eine Überdeckung der vergebenen Kredite, praktisch bedeutet das, dass nur ein bestimmter Prozentsatz weiterverliehen werden darf. Um Griechenland 100 Milliarden Euro zu leihen, müsste der EFSF 120 Milliarden an den Finanzmärkten aufnehmen.

Zweitens muss der Fonds eine Barreserve bereithalten, die größer ist als geplant. Damit sinkt die effektiv zum Verleih stehende Summe auf 366 Mrd.

Drittens machen die Länder nicht mit, die die Hilfe bekommen. Das lag aber nicht an den Ratingagenturen, sondern war so konstruiert. Danach ist die Summer nochmal 10 Mrd. Euro niedriger.

Und viertens, und das ist der eigentlich spannende Teil, akzeptieren die Ratingagenturen nur für den Teil, der von AAA-gerateten Ländern garantiert wird, auch das AAA des EFSF. Da aber Länder wie Spanien oder Italien nicht AAA sind, fallen deren Garantien weg. Der ESFS darf also nur so viel Geld weiterverleihen, wie auch durch AAA Garantien abgesichert ist. Das ist kurz und knapp der alte D-Mark-Block (D,F,A,NL,Lux), was etwa 60% der Eurozone entspricht.

Nach Viertens ist die Summe, die der ESFS an Griechenland (und vielleicht einmal Irland, ...) verleihen darf, von 440 Milliarden auf

250.000.000.000 (250 Milliarden) Euro

geschrumpft.

Das ist schon schräg. Die Garantien Spaniens und Italiens sind also aus Sicht der Ratingagenturen gerade einmal tauglich, um damit Bargeld im ESFS bereitzuhalten (was natürlich einigermaßen sinnlos ist: Geld leihen, um es dann wieder anzulegen, bringt nichts, wenn die Zinssätze einigermaßen gleich sind). Nur mit den Garantien der AAA-Staaten kann Geld aufgenommen werden, das man dann auch weiter verleihen darf.

Mir ist etwas unklar, was passiert, wenn eines der AAA-Länder sein Rating verlieren sollte. Schlägt das sofort auf den ESFS durch und darf der dann noch weniger verleihen? Meiner Meinung nach müsste letzteres gelten. Was dann mit dem bereits verliehenen Geld passiert, ist mir dann aber komplett unklar. Soll das zurückgefordert werden? Oder müssen dann Anleihen "nachemittiert" werden, um die Kapitalpuffer wieder aufzufüllen? Was wenn bereits alle Mittel ausgeschöpft sind?
Über den anderen kritischen Fall, nämlich dass ein Land (z.B. Irland) am EFSF nicht mehr teilnimmt, weil es selber höhere Zinsen zahlen muss als der Fonds verlangt (diese Ausstiegsklausel gibt es), habe ich auch nichts gefunden. Wahrscheinlich ist es aber wie oben angedeutet: Erst kann nachemittiert werden und dann sinkt irgendwann das Rating des EFSF.

Ich muss gestehen, dass ich die strenge Logik der Ratingagenturen an dieser Stelle nicht nachvollziehen kann. Vor 3 Jahren haben die jeden Giftmüllhaufen akzeptiert. Schön in Scheiben geschnitten und verbrieft kam, haben die Ratingagenturen auf alles ein AAA-Aufkleber gepappt.
Nun hingegen reicht ein Rating von AAA für 60% und A oder AA- für knapp 40% der Garantien trotz deutlicher Überdeckung UND Barreserve nicht mehr aus, um das Gesamtkonstrukt auf AAA zu hieven? Woher kommt diese plötzliche Skepsis?

Aus Sicht des AAA-Ratings hätte man auf die Teilnahme von Italien und Spanien auch direkt verzichten können ...

FAZ: Euro-Rettungsfonds kann nur 250 Milliarden Euro verleihen

FT Alphaville: Europe’s SPV is Aaa, says Moody’s (phew)
FT Alphaville: Another AAA for Europe’s SPV, from Fitch (double phew)
FT Alphaville: S&P rustles up another – yawn – AAA for the EFSF

Die ganze Geschichte hat wahrscheinlich auch ein wenig dazu beigetragen, dass die Rendite für die zehnjährigen irischen Staatsanleihen gestern auf fast 6,5% gestiegen ist. Die Großanleger haben sich auf jeden Fall gefreut und die heute emittierten Anleihen von Irland in ihre Depots gepackt. Logisch: 6% Rendite auf die achtjährigen Anleihen (Volumen: 1 Mrd.) gab es noch nie und 4,77% auf die vierjährigen (500 Millionen) ebenfalls nicht. Nach der erfolgreichen Platzierung sanken die Risikoaufschläge schlagartig um 25 Basispunkte.

Auch Spanien verkaufte Anleihen und brachte diese ebenfalls relativ problemlos an den Mann. Die Laufzeiten (und damit die Zinsen) waren aber viel niedriger. Für die Papiere mit 12 Monaten Laufzeit (Volumen: 5,28 Mrd.) gab es 1,7mal so viel Nachfrage wie Angebot (letzte Versteigerung: 2,5x), der Zins stieg leicht von 1,84 auf 1,91%. Für die 18-monatigen Papiere (Volumen 1,75 Mrd.) waren die Daten wie folgt: 2,9x (vorher 3,9x) und 2,15% Rendite (2,08%).

Und auch Griechenland hat Anleihen platziert. Die Papiere mit dreimonatiger Laufzeit wurden extrem stark nachgefragt (6,25x vs 3,25x beim letzten Mal) und warfen knapp 4% Rendite ab. Die Papiere gingen übrigens zu 72% ins Ausland (EZB?). Dass der Zins so niedrig war, liegt natürlich an der Garantie des EFSF für die griechischen Schulden, die noch bis 2013 gilt.

FT Alphaville: Mmm, Greek yield moussaka
FT Alphaville: Ireland’s debt sale — well received, thank you very much

Wenn ich mir jetzt diese zwei auf den ersten Blick künstlich aneinander gekletteten Nachrichten anschaue, frage ich mich, ob der EFSF mit dem Bargeld nicht auch (wie die EZB) die Staatsanleihen der schwachen Länder kaufen kann. Ich bin mir fast sicher, dass die Politiker nicht akzeptieren wollen/werden, dass das Geld im EFSF sinnlos rumliegt. Am Ende wäre der EFSF dann der getarnte Einstieg in die zweite Stufe des Quantitative Easings ... Ich warte gespannt ab ... aber tippe darauf, dass die Politiker der Verlockung nicht widerstehen können ...

Zahl des Tages (20.09.10): 18

Das kann sich der Rezessionswetter egghat nicht entgehen lassen ;-)

Heute hat das NBER (National Bureau of Economic Research) die US-Rezession für beendet erklärt. Huch, war das nicht schon ein Quartal mit 5,x% Wachstum? Ja war.
Naja, die Experten haben lange nachgedacht und das Ende der Rezession auf den Juni 2009 (!) datiert. Sie haben damit über 14 Monate nachgedacht, bis sie dann doch gemerkt haben, dass die Rezession vorbei ist.

Was bleibt? Die USA haben nun auch offiziell die tiefste und die mit einer Dauer von

18

Monaten längste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise hinter sich gelassen.

Der Grund, warum erst jetzt die Rezession für beendet erklärt wurde, liegt an den mehrfachen Überarbeitungen und Korrekturen der zugrundeliegenden Wirtschaftsindikatoren. So gab es am 30. Juli und am 27. August (2010 wohlgemerkt) nochmals Korrekturen am US-BIP und GDI (Gross Domestic Income; wie heißt das auf Deutsch? Die Unterschiede sind hier gut erklärt: GDI vs. GDP) vorgenommen wurden. Erst danach erschienen den Professoren die Zahlen verlässlich genug, um das Ende der Rezession festlegen zu können.

Business Cycle Dating Committee, National Bureau of Economic Research

Naja, diese vermaledeiten Korrekturen. Besser gesagt, diese falschen Zahlen bei den ersten Veröffentlichungen. Nach diesen (weil sie die von mir gewählte Basis für die Rezessionswette waren) habe ich diese nämlich verloren, obwohl ich mich durchaus als moralischer Sieger fühlen kann, denn die BIP-Zahlen wurden so deutlich nach unten korrigiert, dass ich die Wette eigentlich doch hätte gewinnen müssen.

Solarstrom ist tot, alle Arbeitsplätze weg, das ganze Geld für die Katz ...

Im European findet sich ein Artikel, der mal kurzerhand die gesamte deutsche Solarbranche vor dem Ende wähnt, weil die Einspeisevergütung für Solarstrom gekürzt wird. Wer meine alten Artikel zu dem Thema kennt, dass ich das völlig übertrieben finde. Ich habe beim European auch zwei längere Kommentare hinterlassen, die die Basis für diesen Artikel darstellen. Bin gespannt, ob da jemand reagiert ...

The European: Sargdeckel zu, Solarstrom tot (Danke an m106 für den Hinweis).

Der Artikel konzentriert sich auf eine Änderung, die (so meint der Autor) die anderen übersehen haben. Stimmt aber nicht, ich kannte das ;-) . Die neue Einspeisevergütung hat eine neue variable Komponente bekommen. Ähnlich zu meinen Vorschlägen einer variablen, automatischen Anpassung wird jetzt die installierte zusätzliche Leistung erfasst. Die Vergütung wird stärker gekürzt, wenn mehr als 3,5 GWhp im Jahr dazukommen (und schwächer, wenn's weniger ist). Jeweils in 1 GWhp Schritten wird die Förderung um einen zusätzlichen Prozentpunkt gekürzt. Dies wird ab 2012 allerdings auf drei Prozentpunkte erhöht (das ist der weithin übersehen Punkt). Sollten 2011 als z.B. 6 GWhp installiert werden, sinkt die Vergütung um die normalen 9% plus nochmal 9% aus den 3 GWhp-Stufen.

Das beschreibt der Autor im Artikel richtig und es stimmt auch, dass das in der Presse eher selten berichtet wurde.

Auf dieser Basis leitet der Autor direkt den Tod der Einspeisevergütung ab und sieht 90% der deutschen Arbeitsplätze als quasi sicher vernichtet an. Dabei macht er aber mMn direkt mehrere Fehler:

Erstens geht er davon aus, dass die Senkung um 13% oder 18% nicht zu verkraften ist. Fakt ist aber, dass wahrscheinlich erst die Absenkung Anfang 2011 die Renditen von Solaranlagen auf ein halbwegs vernünftiges Niveau senken werden. Aktuell liegen die Renditen immer noch sehr hoch (um ein Vielfaches höher als die Rendite einer Bundesanleihe, siehe ZAHL DES TAGES (06.08.10): 7,4%). Und das nicht nur, wenn man ultragünstig eine Anlage abstaubt und die in einer sehr sonnenreichen Lage in Deutschland (Süden/Osten) aufstellt.
Daher glaube ich nicht, dass die Solarenergie bereits 2012 am Abgrund steht, denn bisher konnten die Kosten für die Anlagen immer um 10% oder mehr pro Jahr gesenkt werden. Was allgemein auch als eines der Ziele genannt wird, das das EEG erreichen sollte.

Zweitens werden Freiflächenanlagen gar nicht mehr gefördert und ein paar andere Anlagen ebenfalls deutlich kräftiger gekürzt als die Aufdachanlagen, die scheinbar als einzige im Artikel als Zahlenbasis dienten.

Drittens wurden im 1. Halbjahr 3,8 GWhp Anlagen neu installiert. Mit den unter zweitens angesprochenen Kürzungen UND der Absenkung um 13% ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass im zweiten Halbjahr deutlich MEHR an neuer Kapazität dazukommt. Ich kenne die Zahl 10.000 auch (kam von der Verbraucherzentrale) und habe auf der Basis die Solarschulden einmal durchgerechnet (ZAHL DES TAGES (09.07.10): 4). Die 3.800 sind aber aktueller (Bundesnetzagentur), siehe "NUR" 3,8 GIGAWATT ZUSÄTZLICHER FOTOVOLTAIKLEISTUNG IM 1. HJ 2010).

Viertens ist in das neue Gesetz eine DEUTLICH erhöhte Förderung des *selbstverbrauchten* Solarstroms eingearbeitet worden. Diese sorgt dafür, dass (neben der Einsparung von gut 20 Cent je KWh) noch weiteres Geld als Subvention fließt. Es wird also BEI WEITEM nicht nur das Geld für die Netzparität gezahlt, sondern wesentlich mehr. Der Artikel ignoriert diesen Punkt scheinbar komplett (oder kennt der Autor das nicht oder ist das noch aus dem Gesetz gestrichen worden und an ich habe das verpasst?)

Und ich würde ein paar Sachen, die zwar schon gesagt wurden, nochmal aufgreifen:

a) Wenn nach 60 Mrd. Euro (oder mehr) Solarschulden die Solarenergie immer noch nicht wettbewerbsfähig ist, hat man was falsch gemacht (ich kann auch sagen was: Man ist viel zu früh viel zu massiv in die Herstellung gegangen statt weiter erstmal weiter zu forschen (und vorher das Geld in Wärmedämmung etc. zu stecken, wo die CO2 Einsparung UND die Anzahl der entstehende Arbeitsplätze pro Steuereuro ein Vielfaches höher ist)
b) Die Solarlobby ist eine genausoschlimme Lobbysürge wie die Atom-/Kohle/etc-lobby.
c) Wenn nach der Kürzung der DEUTSCHEN Fotovoltaikeinspeisevergütung 90% der deutschen Arbeitsplätze wegfallen, kann der Exportschlager Fotovoltaik wohl auch als große Lüge abgeheftet werden. Ich dachte, wir verkaufen unsere tollen Solarzellen in die ganze Welt. Und jetzt fallen, nur weil EIN Land auf der Welt die Vergütung kürzt, 90% der Arbeitsplätze wieder weg?
d) Der Exportschlager EEG ist in den Ländern, die mir bekannt sind, immer mit einem Deckel versehen worden. OK, nicht von Anfang an, sondern erst dann, wenn die Kosten zu hoch waren. In Spanien liegt der Deckel für 2011 (IIRC) bei 500 MW, einem Bruchteil der in Deutschland geförderten Leistung. So einen Schwachsinn wie unbegrenzt Geld in die Fotovoltaik zu pumpen, hat sich nur ein Land geleistet. Am Ende wurde damit nur eine ziemlich große Blase aufgepumpt. Und jetzt jammern alle, wenn diese zu platzen droht.
e) Kein einziges Wort zu den Kosten der Solarenergie (Stichwort Solarschulden in einem hohen zweistelligen, wenn nicht gar dreistelligen Milliardenbereich)? Ernsthaft? Das soll Journalismus sein? Die Einspeisevergütung wird doch nicht aus Spaß und ohne Grund so massiv gekürzt.

Dass im Forum bei European fast ausschließlich Zustimmung zum Artikel kommt, überrascht mich nicht. Solarenergie ist in Deutschland extrem positiv besetzt. Fast jeder meiner Beiträge bei Telepolis zu dem Thema wird rot bewertet. Inhaltlich kommt da meistens nichts. Das letzte und beste Argument ist immer "Atomenergie wurde auch so stark gefördert". Dazu fällt mir nur ein, dass alle Menschen Fehler machen, der Intelligente aber jeden nur einmal ...

Dabei argumentiere ich ja gar nicht gegen die Solarenergie. Ich argumentiere auch nicht gegen das EEG. Ich argumentiere ausschließlich gegen eine *zu hohe* Vergütung. Denn die sorgt nur für hohe Kosten, ohne das Ziel zu erreichen, den Solarstrom so schnell wie möglich wettbewerbsfähig zu machen. Wenn man zu viel fördert, bekommt man nur hohe Stromkosten (Schulden) für den Verbraucher und hohe Gewinnmargen für Anlagenhersteller, Dachbesitzer und Solarfondskäufer.
Am Ende hat man eine so große Blase erzeugt, dass alle Angst vor dem Platzen bekommen. Ist halt das übliche Problem: Statt 30 oder 50 Tausend nachhaltiger Arbeitsplätze hat man dank künstlich überhöhter Subventionen jetzt eine Blase mit 100 Tausend geschaffen. Und dann fällt das Argument mit den wegfallenden Arbeitsplätzen auf fruchtbaren Boden.
Dass diese Arbeitsplätze deutlich mehr Subventionen verschlungen haben als die Kohlesubventionen für die Zechenarbeiter und genau so wenig wettbewerbsfähig sind, interessiert da scheinbar niemanden ...

Update (20.09.10):

Ich bin nicht der Einzige, dem der Artikel zu ähem einseitig war.

logicorum: Panikmacher bei der Arbeit – hier: Solarförderung und TheEuropean

Bemerkenswert ist dort die Stellungungnahme eines Mitarbeites von The European:
"Wir möchten uns (als Magazin) gar nicht inhaltlich mit Ihnen streiten, aber auf eine Kleinigkeit hinweisen: The European ist ein Debattenmagazin, das gerne auch Gegenmeinungen von bedeutenden Stimmen eine Plattform bietet. Im Autorenprofil ist auch der Hintergrund des Verfassers nachzulesen , damit sich kritische Leser eine Meinung bilden können."
Wir sind ein Debattenblatt, Fakten spielen keine Rolle?

Irgendwie erinnert mich das fatal an die Merkelsche Meinungsbildung zu Sarrazin, die auch weissgarnix und Frank Schirrmacher von der FAZ zum Nachdenken gebracht hat (auch wenn es beiden mehr um Meinungs*freiheit* als um die Meinungs*bildung* geht:

weissgarnix: Schirrmacher ist baff

Zahl des Tages (19.09.10): 50.000.000.000

Die Schätzungen zum zusätzlichen Eigenkapital bei deutschen Banken und der Auslöser Basel III waren hier ja schon einige Male Thema. Daher bietet sich als Update auch der Hinweis auf eine Studie der Bundesbank an, in dem die Bundesbank den zusätzlichen Kapitalbedarf der deutschen Banken errechnet hat. Nachdem der Bundesverband der deutschen Banken 105 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital "lobbyiert" hat (um vor zu strengen EK-Anforderungen nach Basel III zu warnen, siehe ZAHL DES TAGES (06.09.10): 105.000.000.000), kommt jetzt die Bundesbank auf

50.000.000.000 (50 Milliarden) Euro.

Allerdings ist die wirkliche Gefahr nicht so groß wie man beim ersten Lesen der Zahl denken könnte. Denn die Bundesbank geht davon aus, dass ein großer Teil des Kapitalbedarfs über einbehaltene Gewinne gedeckt werden kann.

Zugespielt wurde der Artikel dem Spiegel, dort ist er aber scheinbar nicht online. Daher ein Link auf die FTD, die über den Spiegel berichtet


FTD: Deutsche Banken brauchen 50 Mrd. Euro

Interessant, dass die Investmentbank JP Morgan damit rechnet, dass die großen europäischen Banken keinerlei zusätzlichen Kapitalbedarf haben, also wesentlich optimistischer ist.

Und ebenfalls interessant, dass die FTD den Artikel erst mit der Überschrift "Kapitalbedarf deutscher Banken 50 bis 200 Milliarden Euro" veröffentlicht hat. Die "bis 200" verschwanden dann aber wieder und im Artikel gibt es auch keinen Hinweis mehr darauf. Ich wüsste nur zu gerne, was dahinter steckt(e) ...





Die Überschrift im Google Reader ...

Update (23:40):

Zwei Links:

a) Die Studie von JP Morgan, in der kein zusätzlicher Kapitalbedarf prophezeit wird:
FTD: JPMorgan macht Basel III klein

b) Ein Bericht, über die angeblichen 200 Mrd. Euro, die vom Chef des SoFFin Hannes Rehm gekommen sein sollen. Dabei soll er aber nicht die deutschen Banken, sondern alle Banken der G20 Länder gemeint haben:

Reuters: Report on German banks needing $262 billion denied

Finanzblogger Investors Inside wird abgemahnt

Ich kann inhaltlich nichts dazu sagen. Ich kenne weder die FIHM, die SBH oder die IVAG. Ich halte mich inhaltlich da genauso heraus wie bei der Diskussion pro/kontra noa Bank, bei der sich auch einige Bloggerkollegen ziemlich weit pro noa bank aus dem Fenster gelehnt haben. Im Nachhinein fühle ich mich mit meiner vorsichtigen Position (und vor allem dem Hinweis auf die GLS Bank als  bewährte Alternative) ziemlich wohl ...

Aber wenn ein Bloggerkollege abgemahnt wird, der auf mögliche dubiose Ratings bei Fonds der oben genannten Formen hinweist (und sich dabei u.a. auf die Börse Online beruft), muss man das als Kollege einfach auch mal kurz verlinken und hoffen, dass das etwas mehr Aufmerksamkeit bringt. Und sei es nur, damit die Story bei Rivva auf die Homepage kommt ...

Ich finde es generell unverschämt, gegen kleine Blogger mit Abmahnungen zu arbeiten. Wo bleibt da die Fairness? Das sind Leute, die wahrscheinlich keine 1000 Leser haben. Sollte die Firma etwas zur Aufklärung beitragen können, kann sie ihre Sicht der Dinge gerne darstellen und der Blogger kann sicherstellen, dass diese Sicht der Dinge auch von den Lesern zur Kenntnis genommen wird. Das wozu die Gegendarstellung im Presserecht auch dienen sollte: Waffengleichheit.

Der Bericht über die Abmahnung:
Investors Inside: FIHM AG (SHB AG), Mitgründer, sowie IVAG starten Abmahnwelle gegen die Finanzblogger-Szene

Der Stein des Anstoßes:
Investors Inside: SHB AG und die Ratingagenturen”

gefunden über:
Blicklog: Finanzblogger klagt über Abmahnwelle

Zahl des Tages (18.09.10): 289

Mal wieder ein ganzer Schwall von Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende. Allerdings nichts wirklich großes dabei, alle Assets der 7 Banken zusammen machen gerade einmal 1,3 Mrd. Dollar aus.


US-Bankenpleite Nr. 284 :

Name: ISN Bank
Sitz: Cherry Hill, New Jersey
Assets: 82 Millionen Dollar
Käufer: New Century Bank, Phoenixville, Pennsylvania
Schaden für die FDIC: 24 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 79 (rot)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 42 (rot)

FDIC: New Century Bank, Phoenixville, Pennsylvania, Assumes All of the Deposits of ISN Bank, Cherry Hill, New Jersey

US-Bankenpleite Nr. 285

Name: Bank of Ellijay
Sitz: Ellijay, Georgia
Assets: 170 Millionen Dollar
Käufer: Community & Southern Bank, Carrollton, Georgia
Schaden für die FDIC: 52 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 51 (rot)

FDIC: Community & Southern Bank, Carrollton, Georgia, Assumes All of the Deposits of Three Georgia Institutions Bank of Ellijay, Ellijay, First Commerce Community Bank, Douglasville, and The Peoples Bank, Winder

US-Bankenpleite Nr. 286

Name: First Commerce Community Bank
Sitz: Douglasville, Georgia
Assets: 248 Millionen Dollar
Käufer: Community & Southern Bank, Carrollton, Georgia
Schaden für die FDIC: 71 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 173 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 5 (rot)

FDIC: Community & Southern Bank, Carrollton, Georgia, Assumes All of the Deposits of Three Georgia Institutions Bank of Ellijay, Ellijay, First Commerce Community Bank, Douglasville, and The Peoples Bank, Winder

US-Bankenpleite Nr. 287

Name: The Peoples Bank
Sitz: Winder, Georgia
Assets: 447 Millionen Dollar
Käufer: Community & Southern Bank, Carrollton, Georgia
Schaden für die FDIC: 99 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 149 (rot)

FDIC: Community & Southern Bank, Carrollton, Georgia, Assumes All of the Deposits of Three Georgia Institutions Bank of Ellijay, Ellijay, First Commerce Community Bank, Douglasville, and The Peoples Bank, Winder

US-Bankenpleite Nr. 288 :

Name: Bramble Savings Bank
Sitz: Milford, Ohio
Assets: 48 Millionen Dollar
Käufer: Foundation Bank, Cincinnati, Ohio
Schaden für die FDIC: 15 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 129 (orange)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 216 (rot)

FDIC: Foundation Bank, Cincinnati, Ohio, Assumes All of the Deposits of Bramble Savings Bank, Milford, Ohio

US-Bankenpleite Nr. 289 (Nr. 125 dieses Jahr):

Name: Maritime Savings Bank
Sitz: West Allis, Wisconsin
Assets: 351 Millionen Dollar
Käufer: North Shore Bank, FSB, Brookfield, Wisconsin
Schaden für die FDIC: 59 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 114 (rot)

FDIC: North Shore Bank, FSB, Brookfield, Wisconsin, Assumes All of the Deposits of Maritime Savings Bank, West Allis, Wisconsin

Die Liste der problematischen Banken ist übrigens trotz der 7 Abgänge oben um 5 Einträge auf 854 Einträge angewachsen.

Calculated Risk: Unofficial Problem Bank List increases to 854 institutions

Zahl des Tages (17.09.10): 627

Eigentlich ein Tag, an dem es mehr als eine spannende Zahl gab, an der man einen Artikel aufhängen kann. Die, die ich jetzt ausgesucht habe, ist eigentlich gar nicht so toll, weil es nur um Gerüchte geht, die von offizieller Seite inzwischen dementiert wurden. Geholfen haben die Dementis dem Kurs aber nicht.

Die Rendite der zehnjährigen irischen Staatsanleihen ist heute in der Spitze um etwa 30 Basispunkte gestiegen. Nach dem Überwinden der 6% Marke gestern stieg die Rendite heute sprunghaft weiter auf 634 Basispunkte. Am Nachmittag ging es dann wieder leicht nach unten. Aber

627

Basispunkte kann man wohl kaum als wirkliche Entspannung werten.

Die Rendite ist die höchste der letzten Jahre, also auch höher als am Höhepunkt der Finanzkrise. Auch die Preise für Kreditausfallversicherungen (CDS) stiegen mit 435 Punkte auf ein neues Rekordhoch.

Auslöser sind natürlich die Probleme des irischen Bankensektors. Zur Erinnerung: Es wurde eine Bad Bank gegründet, die die schlechten Assets (vor allem Hypotheken) mit wesentlich größeren Abschlägen übernommen als erwartet. Trotzdem werden inzwischen höhere Verluste bei der Bad Bank erwartet. Und noch schlimmer: Die Banken sind ebenfalls noch nicht aus dem Schneider. So musste z.B. die AIB auf die restlichen selbst gehaltenen Anlagen auch 5 Mrd. Euro abschreiben (siehe ZAHL DES TAGES (02.09.10): 26%), was jetzt wohl zu Radikalschrumpfung der AIB um 80% führen wird.

Daher sind die heute herumgereichten Gerüchte nur allzu logisch. Diese gipfelten in der Meldung, dass Irland schon bald wieder den IWF um Hilfe bitten muss (wie gesagt, schon dementiert, glaubt aber keiner).

Zinsen von 6% sind natürlich ziemlich tödlich. Barclays hat das mal durchgerechnet. Bei einem irischen BIP-Wachstum von jährlich 2% (nichts sooo pessimistisch) und einem Zinssatz von 6% (und den haben wir ja heute überschritten) hätte Irland einen Anpassungsbedarf von 13,3%. Damit liegt Irland in der gleichen Größenordnung wie Griechenland (ZAHL DES TAGES (06.05.10): 15), allerdings bei einem Schuldenberg, der nur halb so hoch ist.

13,3% des BIPs zu sparen ist heftig. Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet wären das etwa 300 Mrd. Euro. Auch wenn das Länder schonmal geschafft haben (u.a. Irland in den 80er und auch Norwegen hatte das mal) und Irland etwa 5% des BIPs bereits hinter sich hat, wird das trotzdem schwierig. Vor allem darf nichts dazwischen kommen. Denn weitere Verluste bei den Banken oder der Bad Bank sind in der Prognoserechnung von Barclays nicht enthalten.

Am Dienstag will Irland übrigens ein relativ großes Paket neuer Anleihen im Wert von etwa 1,5 Milliarden Euro verkaufen. Viel Erfolg (die werden die Anleihen wohl los, spannend wird nur die Frage nach der Höhe des Zinses. Übrigens finde ich es auffällig, wie Länder immer kurz vor der Versteigerung eines großen Anleihehaufens so stark unter die Lupe, wenn nicht gar angegriffen werden. Man könnte fast vermuten, dass die Großanleger erst die Unsicherheit schüren, die Zinsen dann steigen und sich die Großanleger dann mit tollen Renditen das eigene Depot mit diesen Anleihen vollstopfen).

FT Alphaville: European SPV, meet Russian playwright (enthält die Rechnung, welches Land welche Zinshöhe verkraftet)
FT Alphaville: The Rock of O’Sisyphus  (Prognoserechnung von Barclays)
FT Alphaville: When Irish spreads are widening, redux (aktueller Stand)

Und zusetzt daran denken: Willem Buiter sagt jetzt, dass keine Anleihe vollständig sicher sei ... FT Alphaville: No sovereign is safe

Fliegt das Euro-Rettungspaket auseinander?

Übrigens finde ich es ganz spannend, wenn Irland jetzt so hohe Zinsen bezahlen muss. Denn eigentlich müsste der Punkt erreicht sein, an dem Irland höhere Zinsen bezahlen muss als Griechenland für das Geld aus dem Eurozonen-Rettungspaket. Und dann hätte Irland die Möglichkeit, aus dem Paket auszusteigen. Und wenn sich die anderen Länder nicht über eine Übernahme des irischen Anteils am Rettungspaket einigen können, könnte das ganze Paket aufgekündigt werden.

(Ich kenne leider die genauen Bedingungen nicht und auch den genauen Zinssatz nicht, den die Griechen bezahlen müssen und weiss auch nicht, welcher Zins genau für Irland relevant ist. Ein Durchschnittszins? Laufzeit? Weiss das jemand?)

Eine klassische Kettenreaktion. Über die ich jetzt besser nicht weiter nachdenke. Plopp. Zisch. Schönes Wochenende.

Update (18.09.10):

Die Verträge zum Eurozonen-Rettungspakt gibt es bei der (huestel) Bild (danke an den anonymen Tippgeber). Zum Schnellrausschlauwerden ist das Teil aber zu lang ...


Zahl des Tages (16.09.10): 43.600.000

Die Zahl wird zwar wohl so ziemlich überall kommen, aber ich versuche mal etwas Kontext drumzustricken. Heute (Ortszeit eigentlich gestern Abend) wurden die neuen Zahlen aus den USA für das Jahr 2009 zum Einkommen und Sozialsystem gemeldet.

Danach galten im Jahresdurchschnitt 2009

43.600.000 (43,6 Millionen)

Amerikaner arm. Das waren 3,8 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Grenze für "arm" liegt für einen 4-Personenhaushalt übrigens bei 22.000 Dollar Jahreseinkommen.

Absolute Zahlen sind aber meistens nur halbwegs aussagekräftig, deshalb hilft der Blick auf die Prozentzahlen weiter. Aber auch da ging es hoch: 14,3% nach 13,2%. Kurz: Es gibt mehr Arme in den USA.
In den üblichen kritischen Bereichen ähneln die USA uns ziemlich. Die Armut bei den Hispanics (25,3%) und vor allem den Schwarzen (25,8%) ist wesentlich höher. Auch bei den Kindern ist die Armutsrate sowohl höher (20,7%) als auch stärker gestiegen.

Allerdings muss man auf die Rezession hinweisen und es ist logisch, dass darin die Arbeitslosenquote und damit auch die Armut steigt. Daher hat sich das Census-Büro die Arbeit gemacht, die Anstiege in den letzten Rezessionen zu sammeln. Und da stellt sich dann heraus, dass der Anstieg in dieser Rezession relativ normal war. Es gab Rezessionen, die zu einem größeren Anstieg führten, aber es gab auch welche, die in dieser Hinsicht besser (sprich weniger schlimm) waren.

Trotzdem ist die Armutsrate von 14,3% die höchste seit 15 Jahren. Und das ist das eigentlich Interessante. Denn die Jahre vor der Rezession machten im letzten Jahrzehnt den Unterschied. In der Erholung zwischen den Rezessionen ist die Armut - völlig untypisch - gestiegen. Die "jobless recovery" hat sich also nicht nur am Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht, sondern auch bei der Armutsrate.

Das höchste Durchschnittseinkommen stammt weiterhin aus dem Jahr 1999. Gegenüber 2008 hat sich wenig getan. Und auch wenn man sich angesichts der gestiegenen Armutsquote und dem gleichbleibenden durchschnittlichen Einkommen vermuten könnte, dass die Spreizung zwischen Arm und Reich größer geworden ist, deckt der Gini-Koeffizient die Vermutung nicht. Das müsste man sich aber noch im Detail anschauen.



Marketwatch: Poverty rate highest since 1994: Census



18 Mrd. € gegen den Yen (oder in den Sand ...) gesetzt

Die 18 Mrd. Euro finde ich irgendwie die bessere Angabe (wer hat schon Yen-Kurse im Kopf und kann die 2.000 Mrd. Yen schnell umrechnen?).

Ob die Interventionen was nützen? Die Schweizerische Notenbank hat bei 1,50 gegen den Schweizer Franken interveniert. Danach ging es doch nochmal bis auf 1,30 zum Euro bzw. auf Parität (war auch mal Kandidat zur ZdT) zum Dollar runter (= stärkerer SFr). Die SNB hat bei den Interventionen also viel Geld verloren (die Summe war auch mal ein Kandidat für die Zahl des Tages).

Und in Japan? 18 Mrd. bei einem täglichen Handelsvolumen an den Devisenmärkten von 4 Billionen (war auch mal Kandidat für die ZdT)? Ich weiss nicht, wie lange das hilft.

<Beginn mistiger Abschnitt>
Ich verstehe sowieso nicht, woher das Geld nach Japan strömt. Vor ein paar Jahren war das klar: Die Zinsen in Japan waren seit langer Zeit auf Niedrigstniveaus. Daher haben sich alle (selbst der Hausbauer in Island oder Lettland!) in Yen zu Niedrigzinsen Kredite besorgt und dann investiert, konsumiert oder einfach nur höher verzinslich angelegt. Nun sind die Zinsen in den USA und Europa aber ebenfalls niedrig, wenn auch nicht ganz so niedrig wie in Japan.

Vielleicht reicht die Zinsdifferenz immer noch für massive Carrytrades aus. Habt ihr eine Erklärung?

<Ende mistiger Abschnitt>

Intervention: Japan verkauft 2000 Mrd. Yen an einem Tag | FTD.de

FAZ Kommentar zur Intervention: Yen-Wechselkurs: Die Intervention - Der Kommentar - Finanzen - Investor - FAZ.NET

FAZ Nachricht: Wechselkurse: Japan interveniert am Devisenmarkt - Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET

Tagesschau: Japan bremst den Yen-Höhenflug | tagesschau.de

P.S.

Bis jetzt hält die Wirkung der Intervention:

Update (17.09.10):

Ihr habt Recht. Ich hatte einen Knoten im Kopf. Natürlich treibt das Eingehen von Carry-Trades in einer (Fremd-)Währung diese Währung nach unten (auf dem internationalen Markt ist ja mehr Fremdwährung vorhanden als vorher) und das Auflösen des Carry-Trades diese Währung nach oben (Angebot an Fremdwährung reduziert sich).

Vergesst das Posting (also den markierten Teil), war Mist. Danke für die Kommentare btw.

Basel III - Das Problem Risikogewichtung bleibt ungelöst

Es wird permanent über die angestrebten Eigenkapitalquoten diskutiert, dabei ist bei einem System, das auf Basis einer Risikogewichtung erfolgt, die Risikogewichtung genau so wichtig.

Ein Beispiel: Staatsanleihen von bester Qualität müssen aktuell überhaupt nicht mit Geld hinterlegt werden. Staatsanleihen mit einem durchschnittlichen Rating mit 20% des normalen Eigenkapitals (früher also 0,2*8% als 1,6%), Unternehmensanleihen mittlerer Qualität mit 100% (also 8%), Anleihen ganz schlechter Qualität mit bis zu 1250% des normalen Eigenkapitals (also 8%*1250% --> 100%).

In der Krise passierte jetzt Folgendes: Anleihen, die eigentlich totaler Schrott waren, bekamen ein Triple A Rating und mussten nur mit 20% des normalen Eigenkapitals (also 1,6%) hinterlegt werden. Die Banken konnten also richtig viel davon kaufen und das lohnte sich auch, denn die Rendite war höher als bei Staatsanleihen. Dann stellten sich die Dinger aber als Schrott heraus, die Ratings gingen in den Keller und die Banken brauchten auf einmal statt 1,6% Eigenkapital hinter diesen Papieren 100%. Das hatte niemand und auf einmal taten sich riesige Löcher in den Bilanzen auf.

Die Risikogewichtung führt also in der Krise prozyklisch zu massiv steigendem Eigenkapitalbedarf, weil sich die Kreditqualität verschlechterte und zusätzliches Eigenkapital benötigt wurde. Und das mitten in der Krise, in der die Banken eh schon immer mit hohen Abschreibungen und Bilanzlöchern zu kämpfen haben. Basel 2 hat diesen Aspekt noch deutlich verschlimmert!

Basel III geht dagegen jetzt mit einem antizyklischen Puffer vor. Die Banken müsssen in guten Zeiten einen Eigenkapitalpuffer von 2,5% der risikogewichteten Assets aufbauen, der den oben aufgeführten Aspekt abfedern soll.

Ich hätte es jedoch viel besser gefunden, die Risikogewichtung abzuschaffen. Denn neben dem äußerst fiesen prozyklischen Effekt, den die Risikogewichtung hat, macht man sich von Bewertungsmodellen und am Ende von den Ratingagenturen abhängig. Über diese wird viel (und zu recht) gemeckert, man lässt ihnen über die Risikogewichtung aber weiterhin die Macht. Die Ratingagentur bestimmt, ob auf der Anleihe AAA oder A steht und damit, ob 20 oder 60% des normalen Eigenkapitals hinterlegt werden müssen.

In der letzten Krise ist, wie ich am Anfang schon geschrieben habe, einfach folgendes passiert: Die Banken wollen Geld verdienen und brauchen dafür Rendite. Beliebig viel Rendite geht nicht, ohne das Risiko zu erhöhen. Mehr Risiko bedeutet mehr Eigenkapital, was eine niedrige Eigenkapitalrendite nach sich zieht. Also sind die optimalen Anlagen aus Sicht der Banken die, die eine höhere Rendite abwerfen, ohne das Risiko zu erhöhen. Das gibt es im größeren Stile aber nicht. Die mit AAA bewerteten hypothekenbesicherten Anleihen warfen trotz des besten Ratings höhere Renditen ab. Es gab also durchaus Leute, die das höhere Risiko sahen (sonst wäre die Rendite so niedrig wie bei AAA Staatsanleihen gewesen). Nur nach Basel II war das Risiko eben nicht höher. Also stürzten sich die Banken darauf: Es gab höhere Renditen bei gleichen Eigenkapitalanforderungen. Es winkten in der Folge eine höhere Eigenkapitalrendite und glückliche Aktionäre.

Abstrakter betrachtet: Höhere Renditen ohne höheres Risiko gibt's nicht. Höhere Renditen ohne höheres (nach Basel II) SICHTBARES Risiko gibt es sehr wohl!

Und genau dieses unsichtbare, quasi getarnte Risiko werden die Banken auch in Zukunft wieder suchen! Irgendwo wird es neue Konstrukte geben, die durch clevere Gestaltung nach den Regeln von Basel III als sicher gelten, aber trotzdem für das gut getarnte Risiko eine höhere Rendite abwerfen.

Und genau da (wie auch immer das Konstrukt heißen wird) wird die nächste Blase entstehen und die wird am Ende irgendwann platzen. In der Anlageklasse, in der es unsichtbares Risiko gibt. Das ist das Ergebnis des Optimierungsprozesses.

Übrigens würde auch bei meinem Vorschlag eines nicht risikogewichteten Eigenkapitals solche Stellen mit höherer Rendite entstehen (das ist aber auch nicht das Problem). Nur wären das dann eben nicht zwangsläufig Stellen, an denen sich unerkanntes Risiko versteckt. Denn nur das Risiko (nicht die höhere Rendite) ist, bzw. wird irgendwann zu einem Problem  ...

Diese Gedanken habe ich in der Vergangenheit zwar alle schonmal aufgeschrieben, aber in folgendem Artikel nochmal sauber hergeleitet gesehen. Da der Artikel hoch gelobt wurde, habe ich meine über mehrere Artikel und Kommentare verstreuten Gedanken noch mal sauber aufgeschrieben.

Risk and Regulation

P.S.

Über das Gejammer der Industrie, dass Basel III die Kreditvergabe bremsen wird, würde ich mir nicht zu viele Gedanken machen. Das ist Lobbyarbeit. Aber natürlich steckt da ein Problem hinter. Irgendeine Kommission setzt ein Risikogewicht fest und irgendjemand anderes findet das falsch. Ich vielleicht zu niedrig, die Unternehmen, die den Kredit erhalten, dagegen zu hoch ("50% EK für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen statt 75% wie Basel III sie festschreibt).

BVMW: Folgeschäden für den Mittelstand drohen bei Basel III

Update (17.09.10):

Dirk Elsner vom Blicklog ergänzt (über einen Hinweis auf einen Artikel im Handelsblatt) noch einen wichtigen Punkt: Die Regulierer und die Regulierten sind die selben. Die ganzen Basel-Regeln wurden maßgeblich von den Banken (und nicht den Politikern) gemacht.

Blicklog:Netzwerk der Banken, Basel III und Alternativen zum Bürokratiemonster

Und wie ich plädiert er (wenn auch etwas anders) nicht dafür, die Lücken im Basel System mit noch mehr Regeln zu schließen (weil damit ein noch komplexeres, noch undurchschaubareres System geschaffen würde), sondern die Regeln massiv zu vereinfachen.

Ich glaube die AR Drone reisst's doch nicht

Obwohl ein(e) AR Drone auch schon sehr geil wäre (Videos hier: DRAGANFLY IN NOCH GEILER - AR DRONE - DER QUADRICOPTER) ...

Aber die Flugmanöver dieses Quadrocopters hauen ja alles weg:



Ich bin tief beeindruckt. Autonom durch den hochgeworfenen Reifen zu fliegen, ist nicht nur vom Steuerungsaspekt aus, sondern auch von der Manövrierbarkeit aus gesehen äußerst beeindruckend. Das Militär dürfte interessiert sein ...

Gizmodo: The Quadrotor Drone Learns Several Terrifying New Tricks

Update (09.12.10):

Die AR Drone gibt's übrigens bei Amazon über meinen Affiliate Link zu kaufen:
Parrot AR.Drone - Quadrocopter für iPhone/iPad/iPod touch, blau

Zahl des Tages (15.09.10): 12.000.000

Da die nächste wichtige Zahl vom US-Immobilienmarkt noch etwas auf sich warten lässt, schiebe ich heute mal eine Prognose ein.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet über eine Analyse (die Quelle etwas unklar ist; Moody's *und* Fannie Mae *und* Barclays *und* Morgan Stanley*?!?), die den Schattenlagerbestand am US-Immobilienmarkt auf

12.000.000 (12 Millionen) Immobilien

schätzt.

Das sind nicht unbedingt nur die Immobilien, die zwar schon eigentlich, aber noch nicht offiziell zum Verkauf stehen, also das, was wirklich den Schattenlagerbestand darstellen würde. Also zum Beispiel Häuser, die schon an die kreditgebende Bank gefallen sind, aber noch vom alten Besitzer (zur Miete) weiter bewohnt werden. Oder Immobilien, die die Bank nicht alle gleichzeitig auf den Markt wirft, damit nicht die ganze Straße auf einmal zum Verkauf steht (und so die Preise zerstört). Vielmehr handelt es sich um die Immobilien, die aller Voraussicht nach in den nächsten drei Jahren auf den Markt kommen werden. Ein großer Teil wird aus dem Bestand der "Under-Water"-Hypotheken stammen, also die Häuser, die weniger wert sind als die Hypothek, die auf dem Haus liegt. Das sollen inzwischen 11 Millionen Häuser in den USA sein.

Eine weitere interessante Vergleichsmöglichkeit ist die Anzahl der offiziell zum Verkauf stehenden Häuser: Das sind etwa 4 Millionen, was in Umsätzen pro Monat 12,5 ergibt. Das ist der schlechteste Wert ever (ZAHL DES TAGES (24.08.10): -27,2%). Die 12 Millionen entsprechen also etwa 50 Monaten, zusammengerechnet über 60 Monate oder 5 Jahre).

Das bei solchen Vorzeichen die Preise nur sinken können, ist logisch. Nach den Schätzungen der befragten Analysten geht es noch 3 bis 4 Jahre runter. Der Preisverfall wird auf weitere 5 bis 15% geschätzt.

Naja, zum Glück ist meine Immowette bald vorbei und gewonnen ...

Bloomberg: U.S. Home Prices Face Three-Year Drop as Supply Gains (Update1)

MiSh: Home Prices Drop in 36 States; Beazer Warns on Orders; 8 Million Foreclosure-Bound Homes to Hit the Market; Prices to Stagnate for a Decade

Zahl des Tages (14.09.10): 1.000.000.000.000

OK, das ist eher eine Spekulation als eine wirkliche Nachricht, aber wenn es aus dem Hause Goldman Sachs kommt ... Die Drähte zwischen Goldman Sachs, Fed und Regierung sind so kurz, dass die Goldmänner oft etwas früher Bescheid wissen als die anderen ...

Nachdem der Notenbankchef Ben Bernanke vor gut zwei Wochen gesagt hat, dass er sich weitere Stützungsmaßnahmen, auch unkonventionelle (FAZ: Bernanke schließt weitere Lockerung nicht aus, ZAHL DES TAGES (30.08.10): 2.353.703.000.000) vorstellen kann, spekulieren die Analysten darüber, wann und wie viel die Fed noch machen wird.

Der Chefvolkswirt von Goldmans Sachs Jan Hatzius erwartet weitere Ankäufe von US-Staatsanleihen durch die Fed im Gesamtvolumen von

1.000.000.000.000 (1 Billionen) Dollar.

Damit würde die Bilanz der Fed auf etwa 3,5 Billionen Dollar anschwellen.

Allerdings ist die Entscheidung für weitere Stützungsmaßnahmen noch lange nicht gefallen. Bei der letzten Entscheidung (vgl:
"Diese Politik scheint sich nun aber zu ändern. Die Fed hat in der Vorwoche beschlossen, die Rückflüsse aus den MBS (Zinsen, Tilgungen) für eine Erhöhung der Ankäufe von US-Staatsanleihen (grün) einzusetzen. Damit geht die Fed jetzt wieder dazu über, direkt die Notenpresse anzuwerfen."
) sollen bereits 7 der 17 Notenbankmitglieder mit Nein gestimmt haben. Und damals ging es um ein paar Millionen in der Woche. Ob sich wirklich eine Mehrheit für eine richtig große Stützungsmaßnahme der Fed findet, ist ziemlich unklar. Aber vielleicht weiss Hatzius mehr ...

Übrigens schätzt Hatzius, dass die bisherigen Stützungsmaßnahmen die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe um 25 Basispunkte gesenkt hat. Diese niedrigeren Zinsen sind auch das Ziel der Maßnahme: Die Zinsen sollen runter, damit sich mehr Investitionen rechnen. Ob in Immobilien (Zinsen dafür bei 4,5%!) oder neue Fabriken oder ganz allgemein in billigere Kredite für Autos, Möbel, etc.
Ob die Kalkulation bisher aufgegangen ist, weiss aber kein Mensch ...

FT Alphaville: Goldman still expects a further $1 trillion of QE

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