Zahl des Tages (31.10.10): 8,2%

Bei den staatlichen Hilfen für die Banken und Versicherungen wird ja häufig der Fehler begangen, die Hilfen, die in echtem Geld fließen, und die Garantien in einen Topf zu werfen. Was aus den Garantien an Kosten entstehen wird, ist völlig unklar, klar ist nur, dass die Belastungen für den Staat wohl deutlich niedriger werden als die Garantiesummen es auf den ersten Blick vermuten lassen.

Was aus den Eigenkapitalhilfen wird, ist natürlich ähnlich unklar. Es ist noch viel zu früh, um endgültig zu beurteilen, was von den investierten Gelder zurückfließen wird. Ob die Firmen nachhaltig saniert werden können oder ob die Zinsen bzw. Dividenden auf die investierten Gelder fließen.

Bisher haben die USA 309 Milliarden Dollar in die Banken und Versicherungen investiert. Davon sind in den letzten zwei Jahren 25,2 Milliarden zurückgeflossen, also

8,2 Prozent.

Allerdings sind die 8,2 Prozent auf zwei Jahre gesehen natürlich so doll auch nicht. Erstens sind das pro Jahr nur ganz wenig mehr als 4%, zweitens sind 4% angesichts des Risikos geradezu lächerlich und drittens (und wohl am wichtigsten) ist es viel zu früh ein Urteil zu fällen. Denn ob es eine positive Rendite gibt und wenn ja wie hoch diese ausfallen wird, wird man erst am Ende beurteilen können. Wenn der Staat die eingegangenen Beteiligungen wieder verkauft oder eben doch abgeschrieben hat.

Und nicht vergessen sollte man natürlich auch, dass es bei der Nummer nicht wirklich um Rendite ging, sondern um die Lösung für etwas größere Probleme ...

Bloomberg: Bank Bailout Returns 8.2% Beating Treasury Yields (Update1)

Zahl des Tages (30.10.10): 363.000.000.000

Also diese FDIC ... Zwei Wochen lang keine einzige US-Pleite, dann 7 auf einen Schlag und dann wieder keine. Könnt ihr die bitte mal etwas gleichmäßiger verteilen, damit ich mir am Samstag nicht immer ein Thema aus den Fingern saugen muss?

Wobei saugen muss ich mir die Themen im Moment wirklich nicht, denn es gibt aktuell eigentlich viel zu viel über das man schreiben könnte. Nur sind manche Themen so komplex, dass man den Artikel nicht in einer halben Stunden runterschrieben kann. Und sooo viel Zeit habe ich dann ja auch nicht immer ... RSS-Feeds lesen, ein wenig die Artikel überprüfen, Kommentare beantworten, ... Da geht ganz schön viel Zeit flöten ...

Aber zur Zahl: Die Berechnungen sind zwar schon etwas älter, aber immer noch interessant. Die früher halb-, inzwischen fast ganz staatlichen US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben bis heute 148 Mrd. Dollar vom Staat bekommen, um die Löcher, die sich durch die Immobilienkrise  auftaten, stopfen zu können.
Nun ist die Frage, wieviel der Staat noch nachlegen muss, bis die  Krise überwunden ist. Dabei wurden (interessanterweise) fast alle Parameter (Zinsen, verbrieftes Volumen, Ausfallraten, etc.) konstant gelassen, nur die Entwicklung der Immobilienpreise war variabel. Für die Immobilienpreise wurden drei Szenarien von Moody's angenommen, die hier in diesem Blog auch irgendwo schonmal gekommen sein müssten. Basis ist das zweite Quartal 2010, Basis-Index der Case-Shiller-Hauspreisindex. Im "Erholung-Voraus"-Szenario sinken die Preise nur noch ganz leicht (etwa zwei bis drei Prozent), im "Basisszenario" bis nächsten Sommer etwa 8 Prozent, im "Deep-Double-Dip-Szenario" sogar nochmal etwa 23%. (Wenn das letztere kommen sollte, werden sich alle ärgern, die gegen mein Immowette gehalten haben, denn dann hätten sie ja eigentlich Recht behalten, nur das Timing stimmte nicht. So was Ähnliches kenn ich allerdings auch ...).

Im Deep-Double-Dip-Szenario werden Gesamtverluste von

363.000.000.000 (363 Milliarden Dollar)

für Fannie und Freddie erwartet.  Da bereits 148 Mrd. geflossen sind, reduziert sich die noch zu leistende Summe auf 215 Milliarden. Im mittleren Szenario drohen noch 90 Milliarden Dollar an weiteren Eigenkapitalzahlungen für den Staat und selbst im besten Fall noch 73 Milliarden.

Das ist schon ganz interessant, weil selbst bei einem minimalen Immobilienpreisrückgang bis Ende 2013 noch 73 Milliarden Dollar Belastungen drohen. Wobei "drohen" nicht der richtige Begriff ist, denn die Zahlungen kann bzw. muss man ja schon fast sicher einplanen.

Das lässt mal einen ganz interessanten Rückschluss auf die Kunst des "Verluste versteckens" zu. Denn so wie Fannie und Freddie Verluste versteckt haben, könnten es die "normalen" Banken oder die Bad Banks von Hyporealestate und WestLB gemacht haben. Aber in Deutschland erfahren wir dazu leider nichts aber auch gar nichts ...

Calculated Risk: FHFA Projections for Fannie and Freddie draws, and House Price Assumptions

Oder direkt von der Quelle (mit vielen Details und ein paar schönen Grafiken):
FHFA Releases Projections Showing Range of Potential Draws for Fannie Mae and Freddie Mac (PDF!)

Zahl des Tages (29.10.10): +2,0%

Oh, welche Überraschung. Heute das US-BIP als Zahl des Tages ;-)

Nach einem Plus von 1,7% im zweiten Quartal wurde die heutige erste Schätzung mit

+2,0%

gemeldet (wie in den USA üblich ein annualisierter Wert, das Wachstum des dritten Quartals wurde also auf ein Jahr hochgerechnet). (Wenn man den Vergleich wie in Europa mit dem Vorjahresquartal macht, ergibt sich ein Jahresplus von 3,1%, wenn man mit dem Vorquartal vergleicht, liegt der Wert bei +0,5%.)

Das Plus ist genau so hoch wie im Konsens erwartet wurde.

Spannender sind schon die Details, die doch einige Überraschungen bereithalten. Positiv auf jeden Fall der Beitrag der Konsumausgaben, die im dritten Quartal für +1,8% des Plus beitrugen. Auch der Dienstleistungsektor sorgte für 1,1 Prozentpunkte BIP-Wachstum. Die Investitionen trugen mit 1,5 Prozentpunkten zum Aufschwung bei, allerdings ging davon 1,4 Prozentpunkte auf den Lageraufbau zurück. Der Staatssektor sorgte ebenfalls für Wachstum und zwar für 0,7 Prozentpunkte.

Wer sich jetzt wundert, dass es bis hierher nur Pluszeichen gab, die zusammengerechnet schon viel mehr ergeben als das Gesamtplus betrug, kann jetzt aufhören: Denn der einzige große Faktor, der das BIP nach unten zog, war der Außenhandel. Der leichte Anstieg der Exporte (+5,0%) trug zwar noch mit 0,6 Prozentpunkten zum Wachstum bei, der kräftige Anstieg der Importe (+17,4%) drückte das BIP aber um 2,6 Prozentpunkte.

Die Inflation, die aus dem Anstieg des BIPs oben herausgerechnet wurde (technisch BIP-Deflator), liegt bei 2,2%, was relativ deutlich über der offiziellen Preissteigerungsrate liegt, die im September auf Jahresbasis bei 1,1% liegt. Das wirkt allerdings nur auf den ersten Blick wie eine grobe Abweichung, denn in die Preissteigerungsrate gehen 12 Monate ein und nicht nur wie beim BIP 3 Monate, die auf ein Jahr hochgerechnet wurden. In der Preissteigerungsrate sind also die teilweise sogar sinkenden Preise aus dem zweiten Quartal enthalten, die im BIP-Deflator des dritten Quartals fehlen.

Ebenfalls beim BIP immer ganz spannend: Haben die Verbraucher nicht mehr nur mehr ausgegeben, sondern auch mehr verdient? Gut ablesbar ist das immer an der Sparrate, die von 5,9% im 2. Quartal auf 5,5% gesunken ist. Das würde ich aber nicht überbewerten. Es ist nur ein Quartal und es ist die erste Vorabschätzung.

Positiv: Es gab durch die Bank Wachstumsraten. Der steigende Konsum wurde von steigenden Einkommen begleitet. Das Wachstum ohne den dämpfenden Effekt der steigenden Importe war noch viel stärker.

Negativ: Der Lageraufbau war ziemlich kräftig.

Und negativ für die Volkswirtschaft der USA: Der Konsum geht wieder auf Kosten der Handelsbilanz.

BEA.gov: Gross Domestic Product release 3rd Quarter 1. Estimate

Zahl des Tages (28.10.10): 250.000.000.000

Gestern gab die Wall Street deutlich nach. Warum? Das Wall Street Journal berichtete, dass die Fed die Auflage des zweiten Teils der Quantitative Easings mit

250.000.000.000 (250 Milliarden) Dollar

starten will. Und das war enttäuschend wenig. Fanden zumindest die Börsianer.

Zu hohe Erwartungen sind halt auch ein Problem ... Wenn Goldman Sachs erst 1 Billionen Dollar anpeilt, dann zwei und es sogar ein paar andere gibt, die erst 6 bis 7 Billionen für wirkungsvoll halten, ist die Börse von 250 Milliarden enttäuscht.

Dass die Börsianer so reagieren sind, ist sogar nachvollziehbar. Zwar bezweifle ich, dass QE eine richtige Wirkung auf das Wirtschaftswachstum entfaltet, aber an den Finanzmärkten wirkt die Entspannung auf jeden Fall. Dort kommt Liquidität nach wie vor am schnellsten an. Auch wenn sie dort (in den Finanzmärkten) und den Firmen (siehe auch FTD: US-Firmen horten 1.000.000.000.000 Dollar) scheinbar hängen bleibt.

Die plausibelste Diagnose dafür lautet "Liquiditätsfalle". Und das meint auch Bill Gross von Pimco.
Er ist sehr skeptisch, dass QE2 wirkt, *ohne* weitere Folgen nach sich zu ziehen. Und die sind negativ: Denn wenn die Märkte mehr Inflation erwarten, kann es gut sein, dass der Schuss nach hinten los geht. Denn dann steigen die Zinsen, obwohl die Fed wie verrückt kauft.

Das wird noch spannend. Wie damals bei Lehman. Das war auch ein spannendes Experiment, das man so noch nie probiert hat ... Ich hätte darauf aber gerne verzichtet und hätte der BIZ auch so schon geglaubt, dass man eine der 16 "too big to fail" Banken besser nicht pleite gehen lässt ...

UK: Immobilienpreise 10/10: -0,7% Vm (+1,4% Vj)

Die Tendenz ist eindeutig: Die Erholung am britischen Immobilienmarkt entpuppt sich als Zwischenerholung. Da bin ich aber beruhigt, denn ich habe sowieso nie verstanden, warum die Immobilienpreise in Großbritannien zwischenzeitlich mit zweistelligen Jahresraten gestiegen sind (ZAHL DES TAGES (29.04.10): 10,5).

Die einzigen beiden Erklärungen, die mir (und meinen Lesern) dazu eingefallen sind, waren folgende:
a) Die Investmentbanker verdienen schon wieder so prächtig, dass sie wieder alles kaufen können.
b) (mein Favorit) in der Krise sind viele der 2 Millionen im Ausland lebenden Briten unter dem Eindruck des schwachen Pfunds in die Heimat zurückgekehrt und haben dort für eine erhöhte Immobiliennachfrage gesorgt.

Na gut, langsam muss man nicht keine weiteren Gedanken über diese Episode machen ... Gegenüber dem Vormonat sind die Hauspreise in Großbritannien im Oktober kräftig um 0,7% gesunken. Das ist das dritte Minus innerhalb der letzten vier Monate. Die Jahresrate ist von 10,5% (siehe oben) auf nur noch 1,4% gesunken. (Alle Zahlen von Nationwide, deren Preisindex ich bevorzuge).

Sollte auch im nächsten Monat erneut ein ähnliches Minus folgen, würde die Jahresrate wieder in den roten Bereich zurückfallen.

Nationwide House Price Index: Modest downward trend in house prices continues in October - October 2010 report (PDF 105KB).

Passend zum Thema auch noch ein Hinweis auf einen älteren Artikel: Was man für 1 Mio. $ in London so kaufen kann ... DIE BRITISCHE IMMOBILIENMARKT: 1-MIO-DOLLAR-SCHROTT-HÄUSER

Zahl des Tages (27.10.10): 10,39

Da wollte ich schon länger mal was über die Entspannung bei den griechischen und irischen Staatsanleihen schreiben (einen Tweet müsst es aber gegeben haben), da hat sich das Thema innerhalb von zwei Tagen erledigt.

Nachdem es gestern mit der Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihen schon 30 Basispunkte nach oben ging, kamen heute nochmal 73 Basispunkte drauf. Die Rendite stieg wieder über die 10-Prozent-Marke und erreicht

10,39%.

So dramatisch ist der Stand aber noch nicht. Es ist zwar der höchste Wert seit etwa einem Monat, vor 6 Wochen lag der Zins aber nochmal 120 Basispunkte höher.

Auslöser für den Schwächeanfall war die Aussage des griechischen Finanzministers, der sich auch ein Minus des 2011er-BIPs in Griechenland um 2,5 bis 3,0% vorstellen kann. Was eigentlich wenig dramatisch ist, denn offiziell wird mit minus 2,6% geplant. Logisch, dass dann auch die Steuereinnahmen etwas niedriger ausfallen und das Haushaltsdefizit etwas größer wird.

Man kann aber glaube nicht besser zeigen, wie unglaublich nervös die Märkte bei Ländern wie Griechenland oder Irland sind ... Minimalste Abweichungen reichen aus, um in zwei Tagen die Kursgewinne eines Monats verdampfen zu lassen.

FT Alphaville: Checking in on the Hellenic Patient [updated]

Update (28.10.10):

Noch ein Artikel zum Thema bei Bloomberg, den ich gestern Abend nicht wiedergefunden habe, der sich schon allein wegen des Zitats über den Zustand des griechischen Steuersystems lohnt:

“We are pretending collectively as a country to have a tax system,” Papaconstantinou said. “We don’t.” 

Bloomberg: Greek Bonds Tumble as Government Says Tax Revenue Falling Short

Zahl des Tages (26.10.10): -0,2%

Wie gestern angekündigt, heute der Case-Shiller-Immobilienpreisindex für den August. Dort gab es im breitestem Index, dem City-20-Index, ein Minus von

0,2%

im Vergleich zum Juli. Trotz des Rückgangs liegen die Preise noch 1,7% über dem Vorjahreswert, was allerdings deutlich weniger ist als in den Vormonaten (Juli: +3,2%,  Juni +4,2%).

Ebenfalls enttäuschend die Breite im Index. Während im Juli nur 7 der 20 erfassten Regionen im Monatsvergleich im Minus lagen, waren es im August schon wieder 15. Auch im Jahresvergleich weisen schon wieder 12 Regionen, also die Mehrzahl, einen Preisrückgang aus.

Und weil ein Plus dort so selten ist, erwähne ich auch noch einmal den absoluten Flop Las Vegas, denn dort ging es tatsächlich mal um 0,1% nach oben. Natürlich nur im Monatsvergleich, im Jahresvergleich bleibt der dortige Markt mit 4,1% im Minus, vom Höhepunkt aus gesehen ist das Minus sogar ungefähr doppelt so hoch wie die 28,1%, die der City-20-Index vom Hoch aus verloren hat. Womit auch der entscheidende Wert für meine Immowette genannt wäre.

Die Saisonbereinigung hatte im August keinen so großen Effekt mehr wie in den Vormonaten. Die oben genannten nicht-saisonbereinigten -0,2% ergeben einen saisonbereinigten Wert von -0,3%. Im Vormonat wurde noch aus einem nicht-saisonbereinigten Wert von +0,6% ein saisonbereinigtes Minus von 0,1%. Wir nähern uns also wieder eindeutig dem (Winter-)Halbjahr, in dem die Preise tendenziell sinken (was dazu führen wird, dass die saisonbereinigten Werte demnächst wieder über den nichtbereinigten Werten liegen werden).

Übrigens ganz witzig, dass die Saisonbereinigung in der Regionen unterschiedlich stark und sogar in unterschiedliche Richtungen wirkt: Las Vegas lag saisonbereinigt 0,5% im Minus (also selbst das oben genannte seltene Plus von 0,1% war wohl nichts), während in anderen Regionen wie z.B. Boston der saisonbereinigte Wert sogar über dem nichtbereinigten Wert lag.

Standard & Poors: Home Prices Increases Slow Down in August According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices(PDF)

Franzosen wollen koordinierten Bankrun starten ...

Das habe ich gerade über rivva gefunden:

In Frankreich versuchen gerade ein paar Aktivisten eine koordinierte Geldabhebung am 7.12 zu organisieren. Wenn genügend Leute mitmachen, wäre das den ersten inszenierte Bankrun, der nicht nur stattfindet, weil die Sparer Angst um ihr Geld haben ...

Wahrscheinlich mit allen Folgen: Die Banken werden illiquide und insolvent, machen den Laden zu und das Weltwirtschaftssystem klappt zusammen.

Und weil das zweifelsfrei passieren würde, wird das nicht passieren. Im Zweifelsfall machen die Banken einfach nicht auf, der Staat verbietet Geldabhebung am 7.12., macht ein passendes Gesetz, dass die Aktion verbietet. Was auch immer.

Es geht hierbei nicht um einen harmlosen Flashmob und ein wenig Spaß. Ich bin mir sicher, ob den Initiatoren das bewusst ist ...

Am 07.12.2010 heb ich meine Kohle ab!

Das Original befindet sich hier: stopbanque.blogspot.com

Bin gespannt, wie lange die Seite noch erreichbar ist bzw. wie lange der Text dort steht ...

Update (29.10.10):

Heute auch in der FTD: FTD: Bankencrash von unten

Update 2 (02.11.10):

Da gibt es wohl von überraschender Seite Unterstützung für diese Aktion: Von nackten Mädels, ach nee, dem Magazin mit den nackten Mädels... Playboy: Wie man eine Bank vernichtet.

Playboy: HOW TO DESTROY A BANK

Update 3 (26.11.10):

Weil eine ganze Menge Leute über Google hier landen (herzlich willkommen und ich freue mich, wenn ihr nochmal wieder kommt :-) ), möchte ich auf einen aktuelleren Artikel zum Thema Bank Run hinweisen ( u. a. mit Eric Cantona):

BANK RUN AM 7.12. - JETZT MACHE ICH MIT!

Update (30.11.10):

Was potenziell gefährlicher sein könnte für die Banken:

WIKILEAKS SCHIESST AUF DIE BANKEN

Morgan Stanley P2 Immobilienfonds wird auch abgewickelt

OK, das ist nun wirklich keine Überraschung mehr. Die Investoren standen schon sichtbar Schlange, um aus dem seit knapp zwei Jahren geschlossenen Morgan Stanley P2 Value (ISIN: DE000A0F6G89) wieder rauszukommen. Außerdem waren vergleichsweise viele Dachfonds investiert, die natürlich ein weiteres Investment im P2 Value kaum vertreten können (die dürften schon genügend Stress mit ihren Anlegern haben). Und dass gerade der schlechteste Immobilienfonds, dessen Wert sich mehr als halbiert hat, bei einer Öffnung nicht sofort von frustrierten Anlegern überrannt wird, war auch äußerst unwahrscheinlich ...

So als kleiner Spaß nochmal ein Ausschnitt aus dem, was der Morgan Stanley P2 Value seinen Anlegern versprochen hat (OK, für die Leute, die das Teil gekauft haben, ist das nicht wirklich lustig ...):

Stärken kombinieren – Trading-Power und Asset-Management

Das strategische Konzept des Morgan Stanley P2 Value kombiniert die spezifischen Stärken von Morgan Stanley – globale Marktpräsenz, Trading-Power und umfassende Erfahrungen im Asset-Management – und kommt damit den heutigen Bedürfnissen von Anlegern Offener Immobilienfonds entgegen.
In der Praxis bedeutet die 2-Portfolio-Strategie zum einen, dass Immobilienmarktrisiken durch die globale Verteilung der Investments auf Märkte mit geringer Korrelation reduziert werden. Zum anderen sollen Renditechancen aktiver genutzt werden, als dies Offenen Immobilienfonds mit einem herkömmlichen Anlagekonzept in der Regel möglich ist.
Die aktive Nutzung der Marktzyklen und der Verkauf von Immobilien aus dem Trading-Portfolio erlauben es, erzielte Wertsteigerungen kurzfristig zu realisieren. Davon können auch die Anleger profitieren – denn realisierte Wertzuwächse stehen für die jährlichen Ausschüttungen zur Verfügung. Etwaige Diskussionen um die Bewertung der betreffenden Fondsimmobilien sind damit gegenstandslos, denn die beim Verkauf erzielten Marktpreise belegen eindeutig, ob die Verkehrswerte angemessen sind.
Quelle: http://www.morganstanley-p2value.de/Fonds/Morgan+Stanley+P2+Value/Anlagestrategie-p-223.html

Naja, jetzt wird abgewickelt. Dabei war Morgan Stanley vor etwa 6 Wochen noch ziemlich optimistisch, dass man mit der geschaffenen Liquidität von 25% wieder öffnen könne (ZAHL DES TAGES (10.09.10): 52%).

Auch Morgan Stanley gönnt sich drei Jahre Zeit für die Auflösung, damit die Immobilien marktschonend verkauft werden können. Eine weitere Abwertung gab es nicht, der offizielle Anteilswert bleibt für's erste bei 27,54€.

Die Börsianer sind aber extrem gefrustet und haben den P2 Value auf unter 19 Euro nach unten geprügelt. Hamburg stellt gerade 18,48 zu 18,58 als Kurs. Da müsste es den Antizykliker, der 3 Jahre auf sein Geld verzichten kann, eigentlich in den Fingern jucken. Von 18,50 auf 27,50 wären immerhin knapp 50% Kursgewinn drin. Andersherum gerechnet sind im Kurs nochmal knapp 30% Abwertung eingepreist. Das ist natürlich ein Zock. Aber ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass nach der kompletten Neubewertung der Immobilien nochmal eine massive Abwertung kommt.
Aber es ist natürlich ein Zock, man kauft definitiv eine völlig intransparente Blackbox. Und geht in ein sehr illiquides Vehikel. Aber andersherum würde ich sagen, dass im P2 Value *MEINER* Meinung nach wegen der bereits erfolgten massiven Abwertungen weniger Risiko steckt als in Immobilienfonds, die noch immer eine 3% Rendite ausweisen und die einen Chart haben, der wie am Strich gezogen von links unten nach rechts oben geht. Aber das ist nur meine Meinung. Wenn sich die Immobilienmärkte weltweit nicht erholen, drohen unabhängig vom Fonds eh noch weitere Risiken.

Teil 1 der Pressemitteilung, Teil 2 der Pressemitteilung

Meine Immobilienfonds-Übersichtsseite habe ich aktualisiert: DIE GESCHLOSSENEN IMMOBILIENFONDS IM ÜBERBLICK

Wow! Goldman Sachs erhöht Schätzung für QE II auf 2 Billionen!

Wer bisher dachte, dass 1 Billionen Dollar schon viel sei, hat sich wohl geirrt ...

Goldman Sachs schätzt, dass das Gesamtvolumen für die nächste Stufe des Quantitative Easings bei 2 Billionen Dollar liegen könnte. Dabei würden im ersten Schritt wohl "nur" 500 Milliarden für 6 Monate verkündet werden, die dann aber in 100 Millionen Milliarden Dollar pro Monat umgewandelt werden sollen. Das Programm soll dann so lange fortgesetzt werden, bis die Wirtschaft wieder stabil wächst und die Beschäftigung nachhaltig gestiegen ist. Naja und dafür bräuchte es nach Einschätzung von Goldman Sachs etwa 20 Monate.

Gegenüber der letzten Schätzung (ZAHL DES TAGES (14.09.10): 1.000.000.000.000) hat Goldman Sachs übrigens verdoppelt und damit wieder "die Spitze zurück erobert" ...

Die HSBC schätzt das Volumen übrigens auf 1,5 Billionen (ansonsten würde das Programm keine Wirkung entfalten) und die Bank of America - Merrill Lynch auf 1 Billionen Dollar.

Wohlgemerkt: Wir reden über ein Programm, von dem noch nicht ein einziger Cent beschlossen wurde. Allerdings würde die Fed sicherlich einschreiten, wenn sie nicht vor hätte, QE II aufzulegen. Denn sollte die Fed kein weiteres Easing beschließen, dürften die Märkte tief enttäuscht reagieren. Die Börsen sind ja schon fleissig dabei, das einzupreisen.
Nun dürfte sich kaum einer der Fed-Mitglieder noch trauen, gegen QE 2 zu stimmen, weil man dann die negative Reaktion der Börse zu verantworten hätte. Es sieht eindeutig so aus, als würden hier interessierte Kreise in der Fed ihre "Sprachrohre" an der Wall Street zur Bekanntgabe immer höherer Schätzungen zu bringen und so den Druck auf die Skeptiker in den eigenen Reihen zu erhöhen.

Ist am Ende auch alles nur Politik ...

Marketwatch: Fed may target $2 trillion in bond buys: Goldman

Update (22:38):

Übrigens sind 100 Milliarden im Monat ungefähr das Volumen, dass sich die USA jeden Monat am Kapitalmarkt besorgen muss. Also quasi die komplette Übernahme der US-Schulden durch die Fed.

Update 2 (25.10.10):

Es sind natürlich 100 Milliarden pro Monat, nicht Millionen. Ist verbessert.

Zahl des Tages (25.10.10): 10,7

OK, diese Woche wird die Zahl des Tages sehr vorhersehbar. Heute gab es die Zahlen zu den Bestandsimmobilien in den USA, morgen gibt es den Case-Shiller-Index (ich glaube den letzten, der für die Immowette relevant ist) und am Freitag die Vorabschätzung des US-BIPs für's dritte Quartal. Ich versuche aber noch ein paar andere, überraschendere Sachen einzustreuen ...

Heute also eine der zwei wichtigen Zahlen vom US-Immobilienmarkt. Die Anzahl der im September verkauften Häusern in den USA ist kräftig um 10,8% auf annualisiert 4,53 Millionen Einheiten gestiegen. Die Formulierung "from a downwardly revised number" macht zwar skeptisch, aber es wurde nur minimal von 4,13 auf 4,12 Millionen angepasst.

Bis hierhin ist die Zahl also positiv. Und auch in der Herleitung zur wichtigsten Zahl bleibt es positiv. Der Lagerbestand ist im September leicht um 1,9% auf 4,04 Millionen gesunken. Daraus errechnet sich ein Lagerbestand in Monaten, der von 11,6 (ZAHL DES TAGES (24.09.10): 11,6) auf

10,7 Monate

gesunken ist.

Auch wenn der Rückgang durchaus beeindruckend ist, muss darauf hingewiesen werden, dass der Wert immer noch hoch ist. Zwar sieht der Vergleich mit den 12,5 Monaten im Juli noch kräftiger aus, aber auch die 10,7 Monate sind liegen über dem langjährigen Durchschnitt. Und sind klar über dem Wert, ab dem die Zahlen für den Lagerbestand steigende Immobilienpreise erwarten lassen. Das ist erst bei Werten unterhalb von 7 Monaten der Fall.

Außerdem muss man auf der Negativseite berücksichtigen, dass der Lagerbestand nur die offiziell zum Verkauf stehenden Häuser erfasst. Der Schattenlagerbestand (also Immobilien, die schon an die Bank gefallen sind, aber noch nicht offiziell zum Verkauf stehen, damit die Preise halbwegs stabil bleiben), dürfte immer noch signifikant sein. Das Volumen wurde Ende 2009 auf 1,7 Millionen Einheiten geschätzt (ZAHL DES TAGES (18.12.09): 1.700.000), was den Lagerbestand in Monaten um etwa 4,5 Monaten erhöhen würde.

Man muss auf der Positivseite sehen, dass die niedrigen Hypothekenzinsen die Finanzierung natürlich deutlich erleichtern. Das ist auch die einzige Zahl, bei der sich ein Vergleich mit dem Vorjahresmonat lohnt. Damals drohte nämlich die Steuergutschrift für Erstkäufer auszulaufen, was zu einem kurzfristigen Boom führte. Der Vergleich zeigt daher dicke, allerdings sehr verzerrende Minuszeichen.
Beim Zins ist der Vergleich hingegen durchaus interessant: Im September 2009 lag der durchschnittliche Zins bei 5,06%, dieses Jahr nur noch bei 4,35%. Eine 200.000 Dollar Hypothek, die letztes Jahr 1.090 Dollar monatlich kostete, kostet jetzt nur noch 955 Dollar. Dass es dadurch eine ganze Menge neuer Interessenten gibt, ist logisch. Die monatliche Belastung durch die Hypothek ist in den letzten 12 Monaten um gut 12% gesunken.

NAR: September Existing-Home Sales Show Another Strong Gain

Update (17:20):

Calculated Risk hat auch schon das erste Posting fertig und bewertet die Zahlen als "fairly weak".

Calculated Risk: September Existing Home Sales: 4.53 million SAAR, 10.7 months of supply

Mal schauen, ob ich das zweite Posting noch nachtrage oder ob ich gleich dem seltenen Genuss fröhne, RWO live im freien Fernsehen zuzuschauen ... "Na, das ist ja ein Knaller mit zwei so Zuschauermagneten" wie unser Präsi die Ansetzung an einem Montagabend nannte. Aber was will mn meckern: Vierter gegen Siebter. So schlecht ist das zumindest von der Tabellensituation aus gesehen nicht ...

Update (25.10.10)

Der Case-Shiller, der heute Nachmittag kommt, ist übrigens nicht der letzte, der für die Wette relevant ist. Ich hatte eine Dauer der Wette von 12 Monaten im Kopf (dann wäre auch schon im letzten Monat Ende gewesen), wir hatten uns aber auf 18 Monate geeinigt. Ich muss also noch warten ...

Die Iren diskutieren offen über ein Ende ihrer Euro-Mitgliedschaft

Nicht dass die Iren einen Euro-Austritt wirklich anstreben würden, allerdings wird es als die "möglicherweise am wenigsten schlimmste Lösung" bezeichnet.

Ich bin aber skeptisch. Man muss bei einer Abwertung immer zwei Seiten berücksichtigen.
i) Eine Abwertung erhöht die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Da die Preise für eigene Produkte auf den Exportmärkten sinken und die Preise für Importe steigen, gleicht sich auch eine ziemlich schiefe Handelsbilanz aus.
ii) Auf der Gegenseite stehen aber die Schulden, die sobald sie in einer Auslandswährung aufgenommen wurden, ja wertvoller also teurer werden. Wer also hohe Auslandsschulden hat, kann sich mit einer Abwertung schnell ins eigene Fleisch schneiden.

Das ist ja auch einer der Gründe, warum viele Griechenland so skeptisch sehen. Selbst bei einer Abwertung (nach einem Austritt aus der Eurozone) wird es für die Griechen schwierig. Denn wenn für eine Wiederherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit die "Neue Drachme" 30 oder 40 Prozent niedriger bewertet wird und danach das Handelsbilanzdefizit ausgeglichen wird, hätten die Griechen dann auch deutlich höhere Auslandsschulden zu bedienen. Ob das dann besser aufgeht?

Im Fall von Irland wundert mich die Diskussion aber ehrlich gesagt. Denn Irland hat *kein* Handelsbilanzdefizit, im Gegenteil: Der Überschuss ist in Prozent auf's BIP gerechnet sogar höher als der Überschuss Deutschlands. Irland hat also durchaus Potenzial, um die Schulden zu bedienen. Auf der anderen Seite sind aber die Iren privat und der irische Staat hoch verschuldet und wären dann nach einer Abwertung einer neuen irischen Währung noch höher verschuldet.
Ich möchte mir allein die Auswirkungen auf den irischen Immobilienmarkt lieber gar nicht vorstellen, wenn die Iren auf einmal 20 oder 30% höhere Schulden bedienen müssen. Die nächste Welle von Zwangsversteigerungen ist programmiert ...

Auch wenn man es längerfristig beurteilt, sehe ich die Vorteile nicht. Ich möchte nicht wissen, wie viele internationale Firmen (vor allem aus den USA) sich in Irland niedergelassen haben, weil das Land eine einzigartige Kombination bietet: Englischsprachig und Eurozonen-Mitglied. Wäre Irland nicht mehr in der Eurozone, würde das Land einen der entscheidenden Pluspunkte gegenüber Großbritannien aufgeben. Dumm, wenn ihr mich fragt ...

Independent.ie: Leaving the euro might well be our 'least bad' option

siehe auch: egghat's blog: Warum Irland nicht Griechenland ist

Update (12:23):

Vielleicht noch ein Hinweis auf einen passenden Artikel im Telegraph über Irland, der die Meinung vertritt, dass die Iren nur "beggar thy neighbour"-Politik machen würden. Darunter versteht man den Effekt, sich über einen Exportüberschuss indirekt Geld seiner Nachbarn zu besorgen. Im Falle einer Abwertung würde ich das sogar unterschreiben. Aber bisher? Wieso sollen immer die Länder mit einem Exportüberschuss daran Schuld sein, dass die anderen ein Defizit haben? Das ist eine Medaille, die wir üblich zwei Seiten hat. Und zu den Überschüssen auf der einen Seite gehören Defizite auf der anderen und auch an denen kann man arbeiten.

Ireland the latest casualty in a grim new game of beggar thy neighbour - Telegraph

Zahl des Tages (24.10.10): 67.500.000

Eine Rekordstrafe musste in der letzten Woche der ehemalige CEO des Immobilienfinanzierers Countrywide Angelo Mozilo bezahlen. Satte

67.500.000 (67,5 Millionen) Euro

beträgt seine Strafe, so hoch wie noch keine Geldstrafe zuvor.

Allerdings bleibt die Frage, ob die Strafe wirklich ausreicht bzw. gerecht ist. Denn Mozilo wusste ziemlich genau, wie schlecht die Qualität der Hypotheken war, die er auf der einen Seite vermittelt und auf der anderen Seite verbrieft hat. Auch die Bank of America, die Countrywide dann kaufte, dürfte sich ein paar Mal erschreckt haben, als nach und nach die Probleme bekannt wurden.

Auch hat die Bank of America jetzt eine ziemlich dicke Klage über 47 Milliarden Dollar am Hals, die im wesentlichen auf die Hypotheken von Countrywide in der Zeit von Mozilo zurückgeht: ZAHL DES TAGES (20.10.10): 47.000.000.000.

Mozilo scheint sich mit der Zahlung jetzt (wenn ich es richtig verstehe) von allen weiteren Vorwürfen freigekauft zu haben. Und dann wirken (wenn wirklich keine weiteren strafrechtlichen Konsequenzen mehr drohen sollten) die 67,5 Millionen doch relativ bescheiden. Ganz unabhängig von seinem Gehalt hat Mozilo über den Verkauf von Countrywide Aktien vor der Krise nämlich etwa

140.000.000 (140 Millionen) Dollar

verdient. Er dürfte also weiterhin nicht am Hungertuch nagen. Und ob die in der außergerichtlichen Einigung so stark betonte Strafe, dass Mozilo kein Amt mehr ausüben darf, einen 71jährigen wirklich trifft, wage ich zu bewzeifeln. Wahrscheinlich lacht sich Mozilo über die Nummer kaputt ...

Marketwatch: Countrywide’s Mozilo settles SEC charges

Und wer sich die ganzen Details mal "reinziehen" will, dem empfehle ich den sehr guten Artikel in der New York Times: How Countrywide Covered the Cracks

Fazit: Einer der Hauptverantwortlichen der Immobilienkrise, die Fantastilliarden vernichtet hat, kauft sich gegen grob geschätzt die Hälfte seines Vermögen komplett frei. Wow. Dass der Staat käuflich ist, war klar, aber dass das so billig wird, hätte ich nicht gedacht ...

Update (25.10.10):

Puh, ich hatte den ganzen Tag gestern Kopfschmerzen und dann habe ich am Ende vergessen, den Aufhänger für die Geschichte in den Artikel einzubauen. Mozilo ist nämlich von der Börse Online wegen der Rekordstrafe zum "Verlierer der Woche" gekürt worden.
Da kann man schön sehen, wie leicht man die Öffentlichkeit täuschen kann. Denn angesichts der Strafe, die ich dem Armen verpasst hätte und die er auch sicherlich verdient hätte, hätte Mozilo einen anderen Titel verdient. "Gewinner der Woche" passt sicherlich nicht so ganz, aber "Glücksschwein der Woche" wäre vielleicht passend. Oder was meint ihr?

Zahl des Tages (23.10.10): 303

Direkt 7 Bankpleiten auf einen Schlag in den USA an diesem Wochenende. Damit wurde die 300er-Marke in dieser Krise locker übersprungen. Wie in der Vorwoche auch wieder eine etwas größere Bank mit Assets von mehr als 1 Milliarde Dollar. Ich habe der Bank dann ehrenhalber die 300 gegeben ;-)

US-Bankenpleite Nr. 297:

Name: First Bank of Jacksonville
Sitz: Jacksonville, Florida
Assets: 81 Millionen Dollar
Käufer: Ameris Bank, Moultrie, Georgia
Schaden für die FDIC: 16 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 239 (rot)

FDIC: Ameris Bank, Moultrie, Georgia, Assumes All of the Deposits of First Bank of Jacksonville, Jacksonville, Florida

US-Bankenpleite Nr. 298:

Name: Progress Bank of Florida
Sitz: Tampa, Florida
Assets: 111 Millionen Dollar
Käufer: Bay Cities Bank, Tampa, Florida
Schaden für die FDIC: 25 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 210 (rot)

FDIC: Bay Cities Bank, Tampa, Florida, Assumes All of the Deposits of Progress Bank of Florida, Tampa, Florida

US-Bankenpleite Nr. 299:

Name: The Gordon Bank
Sitz: Gordon, Georgia
Assets: 29 Millionen Dollar
Käufer: Morris Bank, Dublin, Georgia
Schaden für die FDIC: 9 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 53 (rot)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 14 (rot)

FDIC: Morris Bank, Dublin, Georgia, Assumes All of the Deposits of The Gordon Bank, Gordon, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 300:

Name: Hillcrest Bank
Sitz: Overland Park, Kansas
Assets: 1,65 Milliarden Dollar
Käufer: Hillcrest Bank, National Association, Overland Park, Kansas
Schaden für die FDIC: 366 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 116 (rot)

FDIC: Hillcrest Bank, National Association, Overland Park, Kansas, Assumes All of the Deposits of Hillcrest Bank, Overland Park, Kansas

US-Bankenpleite Nr. 301:

Name: First Suburban National Bank
Sitz: Maywood, Illinois
Assets: 149 Millionen Dollar
Käufer: Seaway Bank and Trust Company, Chicago, Illinois
Schaden für die FDIC: 31 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 135 (orange)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 60 (rot)

FDIC: Seaway Bank and Trust Company, Chicago, Illinois, Assumes All of the Deposits of First Suburban National Bank, Maywood, Illinois

US-Bankenpleite Nr. 302:

Name: First Arizona Savings, A FSB
Sitz: Scottsdale, Arizona
Assets: 272 Millionen Dollar
Käufer: keiner, FDIC zahlt die Guthaben aus (soweit sie versichert sind)
Schaden für die FDIC: 33 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 237 (gelb)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 150 (rot)

FDIC:FDIC Approves the Payout of the Insured Deposits of First Arizona Savings, A FSB, Scottsdale, Arizona

US-Bankenpleite Nr. 303 (Nr. 139 dieses Jahr):

Name: The First National Bank of Barnesville
Sitz: Barnesville, Georgia
Assets: 131 Millionen Dollar
Käufer: United Bank, Zebulon, Georgia
Schaden für die FDIC: 34 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 124 (rot)

FDIC: United Bank, Zebulon, Georgia, Assumes All of the Deposits of The First National Bank of Barnesville, Barnesville, Georgia

Musik zum Wochenende: Belle & Sebastian

Erstens kann ich mir nicht vorstellen, dass ich noch nie Belle & Sebastian hier hatte (OK, in der Musik zum Dekadenende). Spätestens mit der bestenfalls wohlwollenden Kritik in der FAZ wird der Hinweis aber überfällig. Zumindest die Single "I want the world to stop" (die mMn ziemlich nah am perfekte Popsong ist)



und die (wahrscheinlich zweite Single) "I Didn't See It Coming":



sind die 99 Cent wert ...

Oder alles auf einen Schlag inklusive der im FAZ Artikel angesprochenen Fake-Pressekonferenz und Social-Marketing-Mega-Kampagne (kann man dann eine Viertelstunde durchlaufen lassen ...)

Teil 1:

Teil 2:


Zahl des Tages (22.10.10): ???

(hab ich das mit den Fragezeichen eigentlich schonmal gemacht? Die Idee hatte ich auf jeden Fall schonmal, aber dieses Mal passt es so gut, dass ich es mir nicht klemmen kann ...).

Das Defizit von Griechenland ist hier ja ein Dauerthema. Es gab diese Woche auch eine neue Schätzung, die jetzt irgendwo bei 15% des BIPs liegt. Aber was soll man auf diese Schätzungen nach geben? Die erste lag bei 6,7%, dann hieß es 12,7%, dann 13,x% und jetzt 15,4%. Der Grund für die letzte Erhöhung waren übrigens (angeblich) die Krankenhäuser, bei denen neue Lasten entdeckt wurden. Poah, Schulden in Krankenhäusern zu verstecken, ist 'ne coole Idee. Ob darauf auch die Jungs von Goldman Sachs gekommen sind?

Naja, bei aller Häme freue ich mich bekannt zu geben, dass die europäische Statistikbehörde Eurostat in einem Anfall von Selbsterkenntnis jetzt zugegeben hat, dass sie einfach nicht weiss, wie hoch die Schulden Griechenlands sind. OK, ganz aufgegeben hat die Eurostat noch nicht. Man möchte die Zahlen bis Mitte November noch nachliefern, aber der aktuelle Stand der griechischen Staatsschulden ist für's erste:

???. Nichts genaues weiss man nicht.

Die Eurostat muss sich erst noch die Schulden im Sozialsystem, in bestimmten öffentlichen Bereichen (etwa nochmal Krankenhäuser oder sind's diesmal Kindergärten ;-) ) und nicht zuletzt auch die "göttlichen" Devisenswaps von Goldman Sachs (GOLDMAN SACHS HALF GRIECHENLAND BEIM SCHUMMELNGOLDMAN SACHS HALF GRIECHENLAND BEIM SCHUMMELN - TEIL 2(?)) genauer anschauen.

FTD: Eurostat hält griechisches Defizit für unberechenbar

Ich musste beim Lesen der Überschrift herzhaft lachen. Aber was will man schon erwarten in einem Land, in der nicht einmal die Anzahl der Staatsdiener bekannt ist und in der offenbar ein Haufen schon lange Toter (Alter > 100) noch fleissig Rente kassieren ...

Nr.2: DEGI Europa Immobilienfonds wird abgewickelt

Nicht ganz unerwartet macht der zweite der drei großen und ziemlich offensichtlich kritischen (eigentlich offenen) Immobilienfonds für immer die Schotten dicht. Geschlossen war er ja schon lange und Ende des Monats hätte er auch nach zwei Jahren Schließung wenigstens für ein paar Stunden öffnen müssen. Viel mehr wäre es aber auch wohl kaum geworden, denn die Anleger stehen mit ihren Verkaufsaufträgen scheinbar schon Schlange ...

Naja, nach dem Kanam-US-Grundbesitz ist der DEGI-Europa (ISIN: DE0009807800) jetzt der zweite große offene Immobilienfonds, der vor der Anlegerflucht kapituliert und abgewickelt wird. Im Gegensatz zum Kanam Fonds, der bis zum nächsten Frühling alle Immobilien verkauft und das Geld an die Anleger ausgeschüttet haben will (KANAM US GRUNDBESITZ: ERSTER "OFFENER" IMMOBILIENFONDS GIBT AUF ...), lässt sich die Fondsgesellschaft Aberdeen (die den DEGI verwaltet) wesentlich mehr Zeit und zwar satte drei Jahre. Ich bin mir fast sicher, dass das etwas sehr lang ist und dagegen jemand klagen wird ...

Ganz interessant die Information, dass von den 1,3 Mrd. Euro Gesamtvolumen des Fonds in der Zeit der Schließung etwa 400 Millionen an den Fondsbörsen bereits des Besitzer gewechselt haben. Spannend wird natürlich auch, ob auf die bisherigen Kursverluste von etwa 25% (vom Allzeithoch aus gesehen) noch viel mehr kommt. OK, die Antwort der Börsianer ist eindeutig: Bei einem offiziellen Rücknahmekurs von 48,59 werden an der Fondsbörse Hamburg nur keine 28(!) Euro geboten. Also ein zusätzlicher Kursverlust von nochmal deutlich über 40%. Das ist in diesem Ausmaß überraschend und auch in der Geschwindigkeit. Anfang Oktober lag der Kurs noch bei knapp 43 Euro, 30 der über 40% sind also in den letzten drei Wochen entstanden ...
Ebenfalls spannend: Was wird aus dem Morgan Stanley P2 Value? Hier kann sich allerdings kaum noch jemand vorstellen, dass gerade der Fonds nach einer Werthalbierung nicht von Anlegern überrannt wird, sobald er wieder öffnen sollte ...

FTD: Nächster offener Immofonds macht für immer dicht
Infos von der Quelle: Aberdeen - DEGI Europa

Übrigens ist das ein ganz guter Zeitpunkt, um auf einen Artikel in der Wirtschaftswoche hinzuweisen, in der die sehr berechtigte Frage gestellt wird, ob es wirklich sein kann, dass die Immobilienfonds, die alle in relativ ähnliche Objekte investiert haben, sich derart unterschiedlich entwickeln können. Der eine Fonds schreibt dicke Verluste, während andere stur die für Immobilienfonds jahrelang übliche Wertentwicklung als nahezu schwankungsfreie Linie von links unten nach rechts oben ausweisen. Ist das wirklich plausibel?

WiWo: Risse hinter glänzenden Fondsfassaden

Ich sammle übrigens die Nachrichten zu den geschlossenen, offenen Immobilienfonds ab sofort auf einer Seite:

Die geschlossenen Immobilienfonds im Überblick

US: Frühindikatoren 09/10 +0,3% (Vm)

Die Frühindikatoren zeigen weiterhin ein schwaches Wachstum der US-Wirtschaft in den nächsten Monaten an, aber immerhin noch ein Wachstum.

Aber die Zusammensetzung bleibt weiterhin kritisch. Denn von den 0,30% Plus gehen wieder 0,26 Prozentpunkte auf die steile Zinskurve (kurzfristige Zinsen viel niedriger als langfristige) zurück. Und auch der zweite Subindex, der direkt am Geld- und Zinsmarkt hängt, die Geldmenge M2 trug 0,18 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Dass mit dem Plus am Aktienmarkt ein dritter Indikator, der nichts direkt mit der Wirtschaft, sondern mit den Finanzmärkten zu tun hat, ebenfalls 0,12 Prozentpunkte zum Plus beitrug, macht dann noch etwas nervöser. Die anderen 7 Indikatoren, die viel näher an der real Wirtschaft sind (Arbeitslosenhilfe, neue Aufträge, Verbrauchervertrauen, ...) waren zusammengerechnet also recht deutlich im Minus (zusammen 0,30%).

Die beiden vorangegangenen Monate wurden korrigiert. Der August um 0,2 Prozentpunkte nach unten, der Juli um 0,1 nach oben.

Wenn man sich den Spaß macht und auch in den beiden vorangegangenen Monaten die 7 "harten" Indikatoren zusammenzurechnen, ergibt es für den Juli ein kleines Minus von -0,03 und für den August eines von -0,25. Das verschlechtert sich also zunehmend.

Auch wenn man die Wachstumsrate für die letzten 6 Monate zusammenrechnet, ergibt das nur noch 0,8%. Und das obwohl in den letzen 6 Monate im Schnitt grob 0,30 Prozentpunkte aus der Zinskurve kamen. Also deutlich mehr als die Frühindikatoren anzeigen. Der oben beschriebene Effekt ist also kein Ausreisser über einen Monat, sondern es zieht sich jetzt schon über Monate ... Nachhaltiges, also nicht künstlich über Geldpolitik hergestelltes Wachstum sieht definitiv anders aus ...

http://www.conference-board.org/pdf_free/economics/bci/web7yrs.pdf

Zahl des Tages (21.10.10): 20

Also heute stehen die Zahlen Schlange ... Riesensparprogramm in Großbritannien mit der Streichung von 500.000 staatlichen Arbeitsplätzen. Fannie Mae und Freddie Mac brauchen wieder einen Haufen Geld. Griechenland hat sein Staatsdefizit 2009 nochmal nach oben korrigiert. Und aus dem Foreclosure-Skandal könnte man locker neue Zahlen ziehen und ein interessantes Posting daraus machen. Wenn ich nur genügend Zeit hätte ... Vielleicht nehme ich davon morgen irgendwas ...

Ausgewählt habe ich dann noch was anderes, weil es ein Thema ist, das seit mehr als zwei Jahren in diesem Blog (und natürlich einigen anderen) behandelt wird: Warum werden bei den Bankenpleiten die Gläubiger immer so gut behandelt und warum bekommen sie immer 100% ihres Kredits zurückgezahlt? Warum werden die Banken so anders behandelt als jedes andere Unternehmen? Da schauen im Fall der Pleite auch immer Leute in die Röhre. Bei vielen Banken waren die Löcher in den Bilanzen so gering, dass ein Verzicht von wenigen Prozent der Forderungen viele Banken saniert hätte. Ohne einen einzigen Cent vom Staat.

Warum dürfen die Banken ihren Schrott in staatlich gestützte Bad Banks auslagern und so defakto an den Steuerzahler "outsourcen"? Nur damit nachher wieder eine (hoffentlich) gesunde Bank übrig bleibt und die Gläubiger beruhigt sind.

Dass das am Anfang der Krise gar nicht anders möglich war, weil sonst keine Bank der anderen Bank mehr vertraut hätte, ist klar. (Wobei diese Rechnung ja gar nicht aufging, denn es vertraute ja trotzdem niemand mehr dem anderen). Aber inzwischen sollte das Risikobewusstsein in die Köpfe zurückgekehrt sein. Schließlich sehen die Anleger bei Ländern wie Griechenland ja durchaus ein Ausfallrisiko und lassen sich das über höhere Zinsen entlohnen. Warum nicht auch bei Banken?

Nun sehen wir einen ersten Versuch. Zumindest bei den nachrangigen Gläubigern, die ja *nach*rangig sind, also bewusst auf den ersten Rang der Forderungen verzichtet haben, wird nun die Axt angelegt. Und zwar in Irland bei der Sanierung der Anglo Irish Bank. Eigentlich ist es auch keine Axt, sondern eher eine Motorsäge, 'ne gute von Stihl ... Denn die nachrangigen Gläubiger sollen nur


20 Cent pro Euro 

bekommen, also auf satte 80% ihrer Forderungen verzichten.

Erwartet wurden eher 30 Cent. Die alten (nachrangigen) Anleihen sollen in neue, staatliche garantierte umgetauscht werden (natürlich nicht 1 zu 1, sondern 5 alte zu einer neuen).

In Summe geht es um 1,27 Milliarden Euro, auf die die nachrangigen Gläubiger jetzt verzichten sollen. Das ist angesichts von Restrukturierungskosten von insgesamt etwa 30 Milliarden Euro nicht sonderlich viel.

Bei den Haltern von nachrangigen Anleihen anderer kritischer Emittenten sorgt die Entscheidung natürlich für eine gewisse Unruhe. Aber das ist auch nur normal. Wer eine höhere Rendite sucht, bekommt diese nur für höheres Risiko. Und das bekam (und bekommt) man mit nachrangigen Anleihen.

Ob es bei den 20% bleibt oder ob sich ein paar Gläubiger querstellen und mehr verlangen, wird sich zeigen. Angesichts der Gesamtkosten für die Restrukturierung dürfte das Drohpotenzial aber nicht sonderlich hoch zu sein. Anders gesagt könnte der Staat den Laden auch komplett abwickeln und dann würden die nachrangigen Anleihen wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett wertlos ausgebucht werden.

Drei Fragen sind jetzt spannend:

a) Warum hat das noch niemand vorher die nachrangigen Gläubiger mit ins Boot genommen?
b) Wird das zu Verwerfungen auf dem Markt der nachrangigen Anleihen führen und es Banken u.U. unmöglich machen, so Geld einzusammeln?
c) Ist das jetzt eigentlich ein Pleitefall im Sinne der Kreditausfallversicherungen (CDS) oder nicht?

FT Alphaville: Anglo Irish unveils sub-debt exchange
FTD: Irland lässt Bürger und Gläubiger bluten
Marketwatch: Anglo Irish bondholders share ‘burden’ of losses

Im FTD Artikel steht auch noch eine Menge über das neuerliche Sparprogramm Irlands. Das ist ähnlich radikal wie das in Großbritannien. Und wenn die Iren oder die Briten Franzosen wären, würden die Inseln schon brennen. Denn gegen die Vorschläge aus London und Dublin sind die Sparmaßnahmen in Frankreich ein Witz ...

Zahl des Tages (20.10.10): 47.000.000.000

Ich hatte heute Mittag schon ein Posting aus der Verbriefungskrise in den USA gemacht (leicht irreführender Titel: IG NOBELPREISE VERLIEHEN ...). Da knackt es ja an allen Ecken und Enden. Und zu dem Punkt, dass die Zwangsversteigerungen ausgesetzt wurden, weil der Papierkram unsauber erledigt wurde und die Banken teilweise nicht mehr wissen, in welchem Wertpapier welche Hypothek steckt und welches Haus eigentlich dazugehört, habe ich (leider) immer noch nichts geschrieben (Update: Aus den Kommentaren ein Linktip zu diesem Themenkomplex: FTD: USA im Immobilienstrudel). Eine der ganz schlampigen Banken in dieser Beziehung soll angeblich die Deutsche Bank USA gewesen sein ...

Aber zum Thema. An allen Ecken und Enden bedeutet jetzt nicht der bisher übliche Kleinkram ( LBBW verklagt Goldman Sachs und viele andere Fälle, die dann gegen Zahlung von ein paar Millionen beigelegt werden), sondern diesmal rappelt es im Karton ...

Ein Bankenkonsortium (darunter eine sehr interessante Bank) fordert von der Bank of America die Rücknahme von CDOs im Gesamtwert von

47.000.000.000 (47 Milliarden) Dollar.

Über den Schaden will man gar nicht streiten, man will das Geschäft einfach zurückabwickeln. Ich habe auch keine verlässlichen Schätzungen für die Kosten eines solchen Rückkaufs gefunden, die 80 Milliarden, die genannt werden, scheinen sich auf den gesamten Bankensektor zu beziehen. Was mir aber etwas wenig erscheint, das CDO-Volumen war vielfach höher.

Die Bank of America hat die Papiere übrigens eigentlich nicht zu verantworten (rechtlich natürlich schon), denn ausgelegt wurden die Papiere vom Immobilienfinanzierer Countrywide Financial, den die Bank of America kurz vor der Pleite übernommen hat. Vielleicht sogar auf staatlichen Druck hin übernehmen musste (was dem Fall auch noch etwas zusätzliche Würze geben könnte).

Auf der Klägerseite stehen die zur Allianz gehörende Fondsgesellschaft Pimco (größter Anleihenfonds der Welt), Blackrock (größter Vermögensverwalter der Welt), Metlife (größte Lebensversicherung der USA) und nicht zuletzt die Fed of New York, die die Papiere im Rahmen der diversen Rettungsprogramme kaufen musste.

Das sind schon Schlachschiffe!

Spannend wird es jetzt zu sehen, was daraus wird. Ich habe mich ja schon gewundert, dass man bisher so wenig von Klagen gegen die Verantwortlichen der Immobilienkrise hört (ZAHL DES TAGES (12.10.10): 1.000.000.000). Aber vielleicht warten die Behörden auch einfach ab, was die für das US-Rechtssystem so typischen Schadensersatzklagen bringen, bevor dann strafrechtlich an die Sache herangegangen wird ...

FTD: Fed und Pimco fordern Milliarden von Bank of America

Update (00:02):

Den gesamten Text der Anklage gibt es übrigen hier:

The Big Picture: Full Text of Letter to BofA from NY Fed (Maiden Lane), Freddie Mac, Pimco, Western Asset Mgmt, Neuberger Berman, Kore Advisors

Update (00:08):

Schätzung der Kosten von JP Morgan für den gesamten Bankensektor: Bis zu 120 Mrd. Dollar, Basisszenario 55 Mrd. Dollar ( Morningstar: J.P. Morgan: Banks Could Face $120 Billion In Mortgage 'Put-Back' Costs)

Die Schätzung der RBS liegt aber deutlich niedriger: FT Alphaville: Bondholders vs BofA, continued

ig Nobelpreise verliehen ...

Es sind wie jedes Jahr ein paar Knaller dabei. Die ig Nobelpreis wird jedes Jahr für Forschungen verliehen, wo man sich denkt, dass der Wissenschaftler ja wohl irgendwie einen an der Klatsche haben muss, um das Thema zu erforschen. Das ist aber nicht zwangsläufig negativ gemeint ... Ein gewisses Maß an Verrücktheit schadet ja manchmal nicht.

Meine persönlichen Favoriten sind dieses Jahr die Arbeit, bei der herausgefunden wurde, dass man bei Glatteis die Socken lieber über die Schuhe statt über die Füsse ziehen sollte, weil man so die Rutschgefahr reduziert. Auch die Forschungsergebnisse, die nachgewiesen haben, dass sich beim Platzen einer Tiefseepipeline Öl- und Wasser vermischen, haben sich wirklich als "visionär" herausgestellt. Nur die Idee, das bei Deepwater Horizon mal zu überprüfen, war irgendwie doof.

Den Gadget Geek in  mir spricht natürlich besonders die Forschungsarbeit an, bei der mit ferngesteuerten Mikrokoptern, an den Petrischalen montiert wurden, über die Blaslöcher von Walen geflogen wurde, um das ausgepustete Wasser einzusammeln, um es dann auf Bakterien zu untersuchen. Ich könnte mir vorstellen, dass allein die Flugmanöver langes und intensives Training benötigten ...

Aber mein Lieblingspreis ist natürlich der ig Nobelpreis in der Kategorie Wirtschaft. Der ging an die


"executives and directors of Goldman SachsAIGLehman BrothersBear StearnsMerrill Lynch, and Magnetar for creating and promoting new ways to invest money — ways that maximize financial gain and minimize financial risk for the world economy, or for a portion thereof."

Tja, so kann man es auch beschreiben.

Aber das Verfahren an sich ist schon interessant. Weil der ig Nobelpreis das nicht weiter vertieft, hier noch ein Hinweis auf einen Artikel, der das Verfahren genauer beschreibt.

Grundsätzlich haben die CDOs immer drei Absatzwege gehabt: a) Die beste Tranche (oder Scheibe, wie ich es meistens nenne) mit der höchsten Qualität haben die Banken einfach selber behalten. Der unterste Teil mit dem höchsten Risiko ging an Hedgefonds (die sollten mit Risiko ja umgehen können). Der Teil dazwischen sollte an Pensionsfonds gehen. Hier sollte, bei passender Dicke der Scheiben, ein deutlich höherer Zins auf ein trotzdem geringes Risiko treffen (was im Nachhinein natürlich nicht stimmte).

Als 2006 die Verbriefung der Hypotheken über CDOs langsam durch Absatzprobleme ins Stocken kam, haben die Banken die mittleren Teile, für die sich keine Käufer mehr fanden, einfach an neue CDOs weiterverkauft. Diese wurden dann wieder in Scheiben geschnitten, der beste Teil ging an die Banken, der risikoreichste an die Hedgefonds und der mittlere Teil an Pensionsfonds. Und wenn die nicht wollten, haben die Banken eben nochmal den Rest an einen neuen CDO verkauft, wieder neu geschnitten, etc. pp.


(Quelle: Propublica)

Das Ganze funktionierte (scheinbar), weil die CDOs in ihrer grundsätzlichen Konstruktion das Ausfallrisiko der verbrieften Hypotheken neu und asymmetrisch verteilt haben. Daher konnte man selbst aus dem mittleren Teil mit dem mittleren Risko wieder Tranchen mit geringerem Risiko basteln.

Durch die MehrfachverCDOung der Hypotheken wird offensichtlich, dass es den Banken nie wirklich darum ging, die Risiken "fair" zu verteilen und die Scheiben in passende Dicke zu schneiden, sondern vor allem (oder ausschließlich) darum, die Risiken loszuwerden. Die oberste Scheibe sollte also wirklich risikofrei sein (und die blieb dann bei der Bank), die mittlere sollte so dick sein wie möglich und so risikolos erscheinen, wie eben darstellbar und das sollte dann an Pensionsfonds gehen (wobei sich die Banken schon im Klaren waren, dass sie damit Risiko abgeben, ansonsten wäre die Nummer ja sinnlos gewesen) und die unterste wurde mit so hohen Zinsen versehen, bis ein Hedgefonds zugegriffen hat. Da es dabei aber nur um eine kleine Summe ging, konnte man ruhig hohe Zinsen zahlen. Hauptsache die Tranche oben war sicher und das Risiko war weg.

Banks’ Self-Dealing Super-Charged Financial Crisis - ProPublica

Zu den CDOs siehe auch meinen Artikel zum Tod von Toxie:  ZAHL DES TAGES (26.09.10): 449,06

Zu den ig Nobelpreisen:
Ig Nobel awards go to slime mould and fruity bats | Science | guardian.co.uk
Oder direkt von der Quelle: Improbable Research

Update (14:32):

Der ProPublica Artikel ist übrigens in seiner ganzen Länge lesenswert. Auch der Teil mit der Neugründung von Hedgefonds, bei denen ehemalige Mitarbeiter ihrem Ex-Arbeitgeber (übrigens *nur* ihrem Ex-Arbeitgeber) den Giftmüll abgekauft haben, ist sehr interessant. Genau so wie die Überkreuzkäufe von CDOs, die sich gegenseitig Anteile abgenommen haben (wahrscheinlich um schonmal erfolgreiche Verkäufe vortäuschen zu können). Bei den Überkreuzdeals ging es um mehr als 100 Mrd. Dollar ... Hauptsache die Maschine kommt nicht ins Stottern ...
Das erinnert alles an Enron, nur nochmal eine Nummer härter ...

Update 2 (14:37):

Von den Finanzleuten kam übrigens niemand zur Verleihung der Preise ... Ganz im Gegensatz zu den Wissenschaftlern, von denen erstaunlich viele zur Verleihung kommen, die mancher doch für einen Affront halten könnte. Aber vielleicht nicht mehr lange, denn dieses Jahr ging der Nobelpreis für Chemie zum ersten Mal an einen Wissenschaftler, der vorher schon die ig Nobelpreise gewonnen hat. Den richtigen bekam Andre Gaim für seine Forschungen im Bereich Graphene (Physik), den ig Nobelpreis für Versuche, Frösche mit Magneten zum Schweben zu bringen ...

Geim becomes first Nobel & Ig Nobel winner

Zahl des Tages (19.10.10): 4.190.000

OK, der Artikel war vorhersehbar und ich hätte ihn fast schon gestern Abend geschrieben ... Aber eine gewonnene Wette muss ich zur Zahl des Tages machen, es ist schließlich die erste gewonnene ... (wobei ich die Rezessionswette ja gefühlt auch gewonnen hatte und die Immowette eigentlich auch durch ist)

Apple hat gestern seine Quartalszahlen bekanntgegeben. Die Verkaufszahlen waren brilliant, die Gewinne auch. Der Umsatz lag mit 20,3 Milliarden Dollar etwa 1,5 Mrd. Dollar über den Schätzungen der Analysten. Auch der Gewinn kam mit 4,64$ je Aktie (erwartet 4,10$, Vorjahresquartal 2,77$) deutlich höher.

Die Stückzahlen waren ebenfalls sehr gut. 14,1 Millionen iPhones wurden verkauft. Das sind gut 1,8 iPhones pro Sekunde! Die Macs blieben etwas unter der sehr optimistischen Schätzung von 4 Millionen Stück, es wurden 3,89 Millionen. Der Hammer waren aber die iPads. Satte

4.190.000 (4,19 Millionen) iPads

wurden im dritten Quartal verkauft. Damit ist auch meine Vermutung aufgegangen, dass das iPad bereits im 2. Quartal seines Lebens den Mac nach Stückzahlen überholen wird. Und die Macs gibt es immerhin seit 26 Jahren ... Was für eine grandios erfolgreiche Produkteinführung-

Ich bin jetzt zu faul nachzuschauen, wie viele es im zweiten Quartal waren, aber das wird loooooocker ausreichen, um meine Wette, dass Apple dieses Jahr mindestens 5 Millionen iPads verkaufen wird, einzutüten. Und das war eigentlich eine ziemlich mutige Wette, es gab damals nur zwei Analysten, die mit 6 Millionen in 2010 ein wenig höher lagen. Alle anderen lagen darunter, zum Teil deutlich, selbst einige Apple-Permabullen wie Gene Munster. Naja, inzwischen liegen die Prognosen alle über 10 Millionen. Aber wie die Wirtschaftswachstumsschätzungen werden diese erst mit der Herbstprognose halbwegs zuverlässig. Wenn drei von vier Quartalen vorbei sind, wird das Schätzen ziemlich einfach ...

Auch die Reaktionen der User auf die Präsentation des iPads waren relativ mau. Das ist doch nur ein iPhone in groß, keine Kamera, kein Multitasking, keine Erweiterbarkeit, lame. Stellvertretend kann man die Diskussion zu meinem alten Artikel nehmen: Zahl des Tages (27.10.10): 499. Aber viele Leute unterschätzen immer wieder, dass ein großer Teil der Verbraucher keine Features, Features, Features wollen, sondern ein Gerät, das schlicht das macht, was es soll. Und es soll funktionieren und zwar einfach, ohne dass ich einen Administrator brauche. Kurz: Es soll Spaß machen und nicht nur Ärger mit kaputten Registries, 84 unterschiedlichen Software-Update-Mechanismen oder Virenscannern, die permanent CPU-Zeit verbraten und mich an Downloads und Softwareinstallationen hindern.

Apple: Apple Reports Fourth Quarter Results

Ab sofort schulden mir der usedomspotter, m106 und KP (liest du noch hier?) eine Flasche Wein oder eine lokale Bierspezialität :-) m106 kann direkt den Wetteinsatz für die Immowette mit dazupacken :-)

Zahl des Tages (18.10.10): -0,39%

Das wollte ich noch nachtragen (und weil ich keine Zeit mehr habe, mache ich diese Zahl vom letzten Freitag doch noch zur Zahl des Tages ...).

Nach einem leichten Preisplus von 0,1% im September ist die Jahresrate der Verbraucherpreise in den USA nun auf 0,9% gesunken. Der Anstieg im September ging aber ausschließlich auf den Anstieg bei Lebensmittel- und Energiepreisen zurück. Ohne diese Komponenten lag die sogenannte Kernrate der Inflation im Vergleich zum Vormonat bei 0,0%, was die Jahresrate auf

0,8% (das sollte erst die Zahl des Tages werden)

sinken ließ. Das ist der niedrigste jährliche Preisanstieg in der Kernrate seit 1961.

Core prices lowest in decades as CPI edges up Economic Report - MarketWatch

Bei Calculated Risk wurden noch ein paar andere Inflationszahlen gesammelt, die eine ähnlich schwache Inflation anzeigen.

Calculated Risk: Inflation: Core CPI, Median CPI, 16% trimmed-mean CPI all very low

Befinden sich die USA womöglich doch auf dem Weg in die Deflation?

Das Ganze ist ziemlich überraschend, denn die Finanzmärkte haben ihre Inflationserwartungen in den letzten Wochen deutlich erhöht! Die fünfjährigen inflationsgesicherten US-Anleihen (TIPS) rentieren mit

-0,39% (*minus* 0,39 Prozent!)

Das kauft macht natürlich nur, wenn man mit einer deutlich anziehenden Inflation rechnet. Bei einer Rendite von 1,42% für die normalen fünfjährigen Anleihen kann man (pimaldaumen) eine Inflationserwartung der Finanzmärkte von (1,42-(-0,39)) etwa 1,8% ableiten. Am Anfang des Monats lag der Wert noch bei etwa 1,2%. (Danke an @lostgen für den Tweet, interessante Sache!)

Schon spannend. Die Inflation sinkt von Monat zu Monat, aber die Finanzmärkte werden sich auch Sicht von fünf Jahren immer sicherer, dass die Inflation steigen wird. Alles geht fest davon aus, dass die Fed ihre Ankaufmaßnahmen von Staatsanleihen deutlich ausdehnen wird, um die Zinsen am langen Ende zu senken. Die Schätzungen für das Volumen reichen von 250-500 Mrd. Dollar, Goldman Sachs rechnet weiterhin eher mit 1 Billionen. 

Bei dem bisher gewährtem Programm hat die Fed ja irgendwann den Schalter umgelegt hat und nutzt die Rückflüsse nicht (wie ursprünglich geplant) zum Ausstieg. Stattdessen wird das Geld direkt wieder  für Käufe von US-Staatsanleihen verwendet.

Das führte u.a. dazu, dass die Fed inzwischen der zweitgrößte Halter von US-Staatsanleihen ist (siehe WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN!) und sich auf dem besten Wege befindet, die Spitzenposition zu erreichen. Bei der letzten Versteigerung heute hat die Fed über 6 Milliarden der verkauften knapp 22 Mrd. abgenommen, also gut 28% (siehe Marketwatch: Fed buys $6.26 bln in bonds; Treasurys stay up: Danke an Olaf für den Hinweis).

Was auf den ersten, flüchtigen Blick wie die Neuerfindung eines modernen Perpetuum-Mobile der Finanzmärkte aussieht, ist am Ende aber leider nicht mehr als das ordinäre Anwerfen der Notenpresse. Und das hat bisher immer zu Inflation geführt ...

(ist doch noch ein ganz schöner Artikel geworden ...)

Zahl des Tages (17.10.10): 3.600.000.000

Ich frage mich ja schon länger, wieso die Gründungen der deutschen Bad Banks (WestLB, Hyporealestate) so unglaublich intransparent gelaufen sind. Die Öffentlichkeit erfährt nicht, was übertragen wurde und auch nicht zu welchen Bewertungen. Für Außenstehende ist es im Moment völlig unmöglich zu beurteilen, ob weitere Lasten drohen und wie hoch diese werden könnten ...

Die Bewertung ist natürlich schwierig. Für viele der Papiere gibt es keine aktuellen Marktpreise. Und heute abzuschätzen, was aus einem Papier wird, in dem (zum Beispiel) ein Haufen irischer Hypotheken verbrieft sind, kann wohl niemand.

Für die Politik, die beschlossen hat eine Bank (aus welchen Gründen auch immer) am Leben zu halten, ist die Versuchung hoch, die Übertragungen der Wertpapiere mit zu hohen Bewertungen durchzuführen. Damit ist die abgebende Bank saniert und der Schrott liegt in der Bad Bank. Die Bilanz dort prüft aber niemand, weil die Bad Bank ja nie jemand kaufen wird und die Bücher ernsthaft und kritisch durchleuchtet. Da poppen dann alle paar Jahre mal ein paar Verluste auf, die man als Politiker (denen es eh nur um Selbstdarstellung geht) immer schön auf Vorgänger abschieben kann. Im besten Fall sogar an die "Konkurrenz. Wie beim aktuellen Fall in NRW ...

Bei der ältesten Ausgründung, also bei der WestLB, gibt es jetzt schon den ersten Ärger. Die EU, die die Gründung der Bad Bank schon vom ersten Tag an sehr genau verfolgt, vermutet nun eine Übertragung an die Bad Bank mit zu hohen Wertansätzen. Im Fall der WestLB hat die EU-Kommission einen Gesamtwert von

3.600.000.000 (3,6 Milliarden) Euro

errechnet.

Die WestLB widerspricht natürlich und behauptet ihrerseits, dass die Bewertungsansätze der EU-Kommission nicht nachvollziehbar seien.
Die Aussage, dass die EU-Kommission Marktpreise angesetzt habe, die es bei der Übertragung nicht gegeben habe, mag ja auf den ersten Blick als beruhigende Antwort gelten. Damit wäre es dann immerhin keine unerlaubte Beihilfe.
Mir wäre es aber deutlich lieber gewesen, wenn die WestLB gesagt hätte, dass es die 3,6 Milliarden gar nicht gibt. Denn ansonsten bedeutet die Aussage ja, dass es die 3,6 Mrd. damals zwar nicht gab, aber sehr wohl heute. (Der Zyniker wird allerdings anmerken, dass so ein paar Milliarden scheinbar ganz schön schnell entstehen können ...)

Die Aussage von WestLB Chef Voigtländer, dass "die Bank die Auslagerung von Bilanzpositionen in einem Volumen von 77 Milliarden Euro völlig transparent gestaltet habe", grenzt aber an einen Witz. Was ist denn daran transparent?

RP-Online: NRW fürchtet weitere Altlasten

(Der Originalartikel bei der WiWo (die das recherchiert hat) gibt so wenig an Kontext, dass ich den jetzt mal absichtlich nicht verlinke. Wollen die keine Links, Abrufe und Leser oder warum erlauben die es, dass die Artikel bei der "abschreibenden" Konkurrenz besser sind?)

Zahl des Tages (16.10.10): 296

3 Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende. Wir nähern uns der 300er-Marke in dieser Krise. Dabei auch mal wieder eine etwas größere Bank mit Assets von mehr als 1 Milliarde Dollar.

US-Bankenpleite Nr. 294:

Name: WestBridge Bank and Trust Company
Sitz: Chesterfield, Missouri
Assets: 72 Millionen Dollar
Käufer: Midland States Bank, Effingham, Illinois
Schaden für die FDIC: 19 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 128 (orange)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 146 (rot)

FDIC: Midland States Bank, Effingham, Illinois, Assumes All of the Deposits of WestBridge Bank and Trust Company, Chesterfield, Missouri

US-Bankenpleite Nr. 295:

Name: Security Savings Bank, F.S.B.
Sitz: Olathe, Kansas
Assets: 508 Millionen Dollar
Käufer: Simmons First National Bank, Pine Bluff, Arkansas
Schaden für die FDIC: 82 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 254 (rot)

FDIC: Simmons First National Bank, Pine Bluff, Arkansas, Assumes All of the Deposits of Security Savings Bank, F.S.B., Olathe, Kansas

US-Bankenpleite Nr. 296 (Nr. 132 dieses Jahr):

Name: Premier Bank
Sitz: Jefferson City, Missouri
Assets: 1,18 Milliarden Dollar
Käufer: Providence Bank, Columbia, Missouri
Schaden für die FDIC: 407 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 124 (rot)

FDIC: Providence Bank, Columbia, Missouri, Assumes All of the Deposits of Premier Bank, Jefferson City, Missouri

Zahl des Tages (15.10.10): 304.000.000.000

Ich hatte ja gestern schon angedroht, dass ich nochmal was zum Thema "Energie" schreiben werde. Da ich in der Vergangenheit viel über die meiner Meinung nach viel zu hohe Einspeisevergütung für Solarstrom geschrieben habe, heute mal eine Zahl zur Gegenseite. Zwar geht es dabei nicht darum, den Ökostrom schön zu rechnen, sondern die Kosten für die CO2-freie Konkurrenz Atomstrom zu beziffern.

Nach Berechnungen von Greenpeace liegen die Subventionen für die Atomenergie seit Beginn der 50er Jahre bei 204 Milliarden Euro. Dazu kommen noch weitere 100 Milliarden, die bis zum Laufzeitenende schon sicher sind. Damit haben wir dann die

304.000.000.000 (304 Milliarden) Euro.

Ich muss gestehen, Greenpeace ist keine gute Quelle für unabhängige Information. Es ist halt eine Lobbyismus-Interessensvertretung. Und ich muss gestehen, die mehr als 150 Seiten habe ich auch nicht durchgelesen. Aber schon beim Scannen der Berechnungen fallen einige Entscheidungen auf, die (ich sage mal vorsichtig) überraschend sind.

Zwei, drei Beispiele:

a) Über weite Teile der 90er Jahre wurde als eine Art Opportunitätskosten der Steuervorteil von Atomstrom gegenüber leichtem Heizöl eingerechnet. Man tut also so, als müsse Atomstrom steuerlich so hoch belastet werden wie Heizöl. Da Atomstrom nicht so belastet wurde, rechnet man das als Subvention für den Atomstrom.
Ich schätze, dass das nicht nur auf mich komisch wirkt. Wollten die Grünen nicht immer eine Steuer auf CO2? Und auch wenn einem Atomstrom nicht passt (wofür ja vor allem die Sicherheitsgründe sprechen), ist der Strom halt doch CO2-frei. Ich halte es daher nicht für plausibel, auf Atomstrom einfach einen Steuervorteil zu Heizöl zu verrechnen.

Die Nummer wird aber noch obskurer, denn wenn ich oben beim Vergleich mit dem Heizöl so getan habe, als wäre das eine CO2 Steuer, muss man hier gar nicht mehr so tun, als wäre das so. Denn Greenpeace verrechnet auch Kosten aus dem Emissionshandel als Subvention auf den Atomstrom. WTF? Warum das denn? Greenpeace legt die kostenlos verteilten CO2-Emissionszertifikate auf den Atomstrom um und nicht auf die Kohle-Öl-Gaskraftwerke? Das macht doch keinen Sinn!

Dagegen wirkt der Punkt, die steuerfreien Rückstellungen für den Abriss der AKWs und die Endlagerung als Subvention aufzufassen, ja noch geradezu logisch. (Auch wenn Rückstellungen steuerfrei sind. Man geht ja davon aus, dass man diese braucht. Und Greenpeace geht sogar davon aus, dass man noch viel mehr braucht, also viel zu wenig zurückgestellt wird.).

b) Die Mitgliedsbeiträge zum CERN werden (scheinbar) zu 100% als Atomstrom-Subvention aufgefasst. Das sind immerhin gut 7 Mrd., bei denen ich mich ernsthaft frage, warum die zu 100% angerechnet werden. Das CERN macht doch nicht nur AKW-Forschung?!?

Greenpeace: Atomstrom - mit 304 Milliarden Euro subventioniert

Update (18.10.10):

Ich habe die ersten beiden Argumente übrigens im Wesentlichen hier gefunden:
http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Seltsame-Argumente/forum-187542/msg-19284774/read/

Verlierer des Jahres 2008 bekommt 150.000 Euro

Georg Funke, Ex-Cher der Hyporealestate, bekommt einen Teil des eingeklagten Gehalts ausgezahlt. Zumindest 2 Monatsgehälter, also 150.000 Euro, hat im nun das Gericht zugesprochen.

Funke will auch noch den Rest seines Gehalts (3,5 Mio.) bis Ende 2013 haben, weil er die ganze Kündigung für unrechtmäßig hält.

Mal schauen, wie das ausgeht. Von mir aus könnte er ruhig sein ganzes Geld bekommen, wenn er damit einen Teil des Schadens begleicht, den er verursacht hat. Aber wahrscheinlich hat Funke ein paar hochintelligente Mathematiker in der Hinterhand, die sagen, dass das alles nicht vorhersehbar war, der Richter kann das Gegenteil nicht beweisen und dann wird man halt freigesprochen (siehe egghat's blog: Zahl des Tages (12.10.10): 1.000.000.000)

Kündigungsklage: Hypo Real Estate muss Ex-Chef Gehalt nachzahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Die Geschichte des Falls hier in diesem Blog:

egghat's blog: Ist der Ruf erst ruiniert, ...
egghat's blog: Verlierer des Jahres 2008 oder armes Opfer?
egghat's blog: Verlierer des Jahres 2008 will Knete
egghat's blog: Verlierer des Jahres 2008

Zahl des Tages (14.10.10): 3,5

OK, es war zu erwarten ... Also dass ich die Zahl bringe. Zwar einen Tag eher als erwartet, aber die Zahl scheint verlässlich geleakt zu sein.

Nach meiner Schätzung vom Sommer, dass sich die Umlage durch die Einspeisevergütung um 3,5 bis 4 Cent erhöhen wird (siehe ZAHL DES TAGES (09.07.10): 4, aktualisierte Version ZAHL DES TAGES (01.10.10): 94.960.000.000) zeichnete sich ja schon ab, dass doch nicht ganz so viel neue Fotovoltaikanlagen installiert wurden wie die Verbraucherberatung am Anfang des Jahres geschätzt hatte. Daher war schon klar, dass die 4 Cent nicht erreicht werden.

Nun wird die Zahl am Freitag offiziell verkündet und sie landet noch knapp in dem Rahmen meiner Schätzung. Auf

3,5 Cent

soll die Umlage steigen. Bisher zahlen wir 2 Cent pro KWh.

Und weil ich den ganzen Abend Mobile Macs gehört habe, schreibe ich morgen nochmal was zum Thema.

Update (15.10.10):

Ich weiss, die Aufrechnung ist unzulässig ... Aber die paar Euro pro Haushalt, die wir doch verkraften können, sind halt die paar Euro, die 25% der Bevölkerung eben nicht verkraften können ...

Steigende Strompreise: Ökoboom hebt Hartz-IV-Erhöhung auf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Update 2 (15:15):

Nur um die offizielle Zahl noch nachzutragen: Es werden 3,53 Cent werden (wahrscheinlich, wenn ich mich nicht irre, legt das BMU die Zahl endgültig fest):

EEG-KWK: EEG-Umlage 2011

Aber wie gesagt, das ist nur eine Prognose.

Beim Durchlesen der entsprechenden Dokumente ist mir noch ein interessanter Effekt aufgefallen, der mir noch gar nicht bewusst war (aber logisch ist): Die Umlage hängt natürlich davon ab, wie viel des EEG-Stroms a) überhaupt ins Netz eingespeist wird und b) als "normaler" Strom verkauft wird.
Punkt a) ist deshalb interessant, weil der Selbstverbrauch von Strom seit Sommer 2009 stärker subventioniert wird; der Anteil könnte also steigen. b) ist der für mich neue Faktor, da mir nicht klar war, dass Stromanbieter, die selber regenerativen Strom erzeugen und verkaufen, für diesen natürlich keine EEG-Umlage bezahlen müssen. Und ich habe mich schon immer gewundert, dass ich das bei Naturstrom nicht zahlen muss ... (zufriedener Kunde, ich werbe Euch gerne (gibt 20 Euro für mich, 20 für Euch)).

Wer hält die meisten US-Anleihen? China? Japan? Nein!

Dank der ersten erfolgreich abgeschlossenen Stufe des Quantitative Easings und der anschließenden Entscheidung, das durch Zinsen und Rückzahlung frei werdende Geld direkt wieder zu investieren, hält die

Fed (markieren, um den Text zu lesen)

jetzt die größte Position an US-Staatsanleihen eines Einzelinvestors. OK, gelogen, es ist die zweitgrößte Position. Es sind etwa 822 Mrd. Dollar, was jetzt leicht vor Japan liegt.

Aber nur noch 25 Mrd. mehr und die US-Notenbank Fed ist der größte Schuldner Gläubiger der USA. Und 25 Milliarden? Lächerlich, denn beim Quantitative Easing II, das inzwischen alle Finanzmarktteilnehmer mit 100%iger Wahrscheinlichkeit in ihren Prognosen drin haben, gehen die locker. Da geht es um so große Volumina, dass selbst 1 Billionen Dollar nicht überraschen würden ...

Schon in wenigen Wochen werden wir wahrscheinlich die Fed als größten Halter von US-Staatsanleihen haben. Wow. Dann können die Amerikaner ihre Schuldenrestrukturierung mit sich selber aushandeln ...

(Wahrscheinlich hat sich die Fed sogar über CDS gegen diesen Fall abgesichert ;-) ROTFL)

It's Official: Fed Is Now Second Largest Holder Of US Treasury Bonds | zero hedge

Update (15.10.10):

Die Fed ist natürlich Gläubiger der USA, nicht Schuldner. Bei diesen ganzen Recht-Tasche-Linke-Tasche Tricks bin ich wohl durcheinander gekommen ...

Zapp Bericht zum SdK/Nascacell/Petrohunter/Pennystock-Pusher Skandal ...

Es ging lahm los, aber dann kam doch noch was Neues.

Straub war im Verdacht der unter Pseudonym schreibende Journalist zu sein, der 2002 die MLP-Story in der Börse Online geschrieben hat. Huch, eine der großen journalistischen Aufklärungsgeschichten der letzten 10 Jahre nur ein Fake, bei dem womöglich die SdK-Klicke mit Shortverkäufen mitverdient hat? Oder hat Straub nur die Informationen gesteckt, die dann von den zwei Ex-Börse-Online-Mitarbeitern zu Artikeln verarbeitet wurden?

Knapp 11 Minuten, die sich IMHO lohnen:

Zapp: Journalisten unter Verdacht

(danke an m106 für den Hinweis!)

Die Frage geht jetzt natürlich auch an die Börse Online, die Licht ins Dunkel bringen könnten. Wer war das? Wobei zwei ehemalige Ressortleiter ... die jetzt ganz in der Nähe der SdK logieren? Das bekommt man raus (ich nicht mehr heute, es ist 00:12).

Naja OK, doch noch schnell ein paar passende Suchbegriffe probiert: maximilianstraße münchen "börse online" ressortleiter: Aha Treffer (wahrscheinlich).

Pah, jetzt dürft ihr mal eine Liste von Finanzpublikationen machen, die noch glaubwürdig sind. Focus Money habe ich schon vor drei Jahren gekündigt (wie sich spätestens jetzt zeigt, zu recht). Börse Online folgt bald, wenn die dort keine Besserung erkennen lassen. Und dann gibt es natürlich noch eine Reihe weiterer Zeitschriften, bei denen eigentlich jeder weiss, dass sie nur geschrieben werden, um Reichweite für den nächsten Push zu generieren. Der Effektenspiegel fängt auch schon an, komische Pennyaktien aus dem Kongo zu empfehlen. Und der Smart Investor könnte empfehlen, was er will, den lese ich eh aus anderen Gründen ... (OK, wenn die Jungs da bei Pushs mitmachen (wofür es keine Anzeichen gibt), würde ich trotzdem kündigen ...)

22.12.2007: WUH. ICH DACHTE, NASCACELL WÄRE ÜBEL ...
22.07.2008: SDK UND WIRECARD IM KREUZFEUER ...
23.07.2008: SDK VIZE STRAUB TRITT ZURÜCK
02.08.2008: EIN LINKHINWEIS ZUM STRAUB/SDK KOMPLEX
06.08.2008: KURSMANIPULATION UND DIE SDK MITTENDRIN?
12.08.2008: NOCHMAL WAS ZUR SDK/NASCALELL/PETROHUNTER/FOCUS MONEY
29.09.2010: DER SDK-WIRECARD-PENNYSTOCK-SKANDAL ERREICHT 1860
23.09.2010: Großrazzia bei Anlagebetrügern (u.a. SdK)
24.09.2010: Spiegel: Razzia blamiert Anlegerschützer
26.09.2010: egghats Zweitblog: Neues zur Pennystock-SDK-Affäre

Andere Links zum Thema:

23.5.2000(!): Emissionsmarktplatz.de: Spiegel" versus "Focus": Anlagetipps in Grauzone


(ich werde da noch mehr sammeln).









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