Zahl des Tages (30.11.10): -0,7%

Och, schon halb elf und wühle noch, was ich denn in der ganzen Eurokrise zur Zahl des Tages mache (die Risikoaufschläge, die jetzt auch schon bei Belgien spürbar werden, einfach mal alle zusammenrechnen?), da merke ich, dass heute Case-Shiller-Tag ist. So lange die Immowette noch läuft, bleibt das die Zahl des Tages ... (und die hätte ich schon heute nachmittag schnell fertig machen können ...)

Der City-20-Index, der für die Wette maßgebend ist, ging im September um

0,7%

zurück. Das für die Wette wichtige Gesamtminus vom Hoch aus liegt ist damit wieder auf 28,6% angeschwollen, aber liegt weiterhin in komfortabler Entfernung von der 40%-Marke, ab der ich die Wette verlieren würde.

Im Jahresvergleich liegt der Index noch 0,6% im Plus (im Juni noch 4,2%), allerdings kann man angesichts der Preisentwicklung der letzten Monate kaum noch bestreiten, dass die Immobilienpreise in den USA wieder sinken. Das zeigt auch ein Blick auf die Breite: Im Juni fielen in nur 7 der 20 Regionen die Preise. Im September waren es schon 15 und diesen Monat sind satte 18 von 20 im Minus.
Eine der beiden steigenden Regionen ist übrigens die Desaster-Region Las Vegas. Aber da hilft das Miniplus von 0,1% bei etwa 58% Gesamtrückgang auch nicht viel.

Die Zahlen sind alle (wie hier üblich) nicht saisonbereinigt. Der September zählt eh zu den relativ neutralen Monaten, da macht die Bereinigung nicht viel aus (im Winter sorgt die Saisonbereinigung für bessere Preise, im Winter Sommer für niedrigere).

Die Septemberveröffentlichung des Case-Shiller-Index ist auch deshalb eine Zahl des Tages wert, weil am Ende des Quartals auch zusätzlich die Zahlen für die gesamte USA errechnet werden. Die sehen ein ganzes Stückchen schlechter als der City-20 aus. Das Minus gegenüber dem Vorquartal lag bei

2,0%,

was mehr ist als die drei addierten Monatswerte des City-20-Index. Der saisonbereinigte Wert lag sogar 3,4% im Minus. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Hauspreise gemessen am Case-Shiller-Index für die gesamte USA auch schon wieder um 1,5%.

Der Gesamtmarkt gibt also auch keinen Anlass zum Optimismus.

Update (23:16)

Huch, Quelle vergessen:

Broad-based Declines in Home Prices in the 3rd Quarter of 2010 According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF!)

Wikileaks schießt auf die Banken

Im Visier soll sich jetzt eine große US-Bank befinden. Die Veröffentlichungen wären nicht Großes, sondern könnten nur "ein oder zwei Banken in den Abgrund reißen", so Wikileaks Gründer Assange. Nach den aktuellen Planungen sollen die Unterlagen im Januar nächsten Jahres veröffentlicht werden. Assange vergleicht die Brisanz der Unterlagen mit den Enron-Emails, die 2001 die bis dahin größte Unternehmenspleite auslösten. Das halbe Unternehmen bestand aus Luftbuchungen mit Tochterfirmen ...

Naja, wenn die Dokumente so viel Inhalt haben, wie die jetzigen Veröffentlichungen, wird das wohl keine Bankenpleite auslösen. Warum sollten auch irgendwelche Unterlagen aus der Vergangenheit eine Pleite in der Zukunft auslösen? Genau wie der Bankrun am siebten Dezember kaum Wirkungen zeigen wird. ( siehe FRANZOSEN WOLLEN KOORDINIERTEN BANKRUN STARTEN ... oder BANK RUN AM 7.12. - JETZT MACHE ICH MIT!). Bei aller Aufregung in den Medien: Beides halte ich für Teile der "Aufregungsökonomie", nicht für Nachrichten, die wirklich die Welt verändern ...

Was wird wohl Wikileaks wohl veröffentlichen? Interne Papiere zum Robosigning? Beweise, dass man Kunden Produkte angedreht hat, von denen die Banken schon wussten, dass die Schrott waren? Beweise für die Geschichte, warum Lehman Pleite gegangen ist und die anderen Banken nicht (Buchtipp: Andrew Ross Sorkin: Die Unfehlbaren: Wie Banker und Politiker nach der Lehman-Pleite darum kämpften, das Finanzsystem zu retten - und sich selbst.). Oder vielleicht doch Hinweise darauf, dass in den Bankbilanzen auch heute noch überwiegend heiße Luft steckt? Die massiv aufgeweichten  Buchhaltungsrichtlinein würden das auf jeden Fall hergeben ... Bankbilanzen sind in der Krise noch viel undurchschaubarer geworden als sie es schon immer waren ..,

Schau'n mer mal ...

Forbes Blog: An Interview With WikiLeaks’ Julian Assange

Mein persönlicher Wunschleak wäre ja was zum Komplex Hypo Group Alpe Adria - BayernLB - Stoiber - Haider. Nicht dass gerade das die Welt ändern würde, aber da wüsste ich nur allzu gerne, ob das, was man sich da zusammenreimen kann, auch stimmt ...

Update (14:17):

Bericht auf Deutsch dazu:

FTD: Wikileaks will US-Großbank bloßstellen

Update (14:27):

Mein Lieblingszitat aus dem Artikel:

"You could call it the ecosystem of corruption."

Update (18:33):

Deutschland sucht den Lieblingsleak. Was wäre denn euer persönlicher Wunschleak?

Wer hat die 100.000er-Tasche von Schäuble gefüllt?
Hat Beckenbauer die WM gekauft?
Wer wusste schon lange von der SdK-Insider-Geschichte?
...
Ideen?

Update (18:56):

Assange hat in einem älteren Interview die Bank of America erwähnt. Die könnte es also sein. Es würde mich nicht überraschen, wenn es dabei um kurz vor der Pleite übernommene Countrywide gehen würde. Da musste ja auch schon ein Ex-Vorstand Strafe zahlen eine ziemlich hohe (wenn auch mMn zu niedrige) Strafe zahlen (siehe ZAHL DES TAGES (24.10.10): 67.500.000)

Business Insider: Wikileaks Next Document Drop Will Probably Target Bank Of America

Zahl des Tages (29.11.10): 5,42

Heute mal nicht Irland, die können wir jetzt abhaken. 85 Milliarden Euro (kam gestern, siehe ZAHL DES TAGES (28.11.10): 85.000.000.000) zu 5,8% Zinsen (kam heute) und einer überraschend langen Laufzeit von 7 Jahren.
Naja, da waren die Griechen nicht weit und haben natürlich auch auf 7 Jahren Laufzeit bestanden. Und aus dem Schutzschirm bis 2013 ist nun einer bis 2014 geworden und aus der Rückzahlung bis 2015 eine bis 2021. Sowas rutscht in solch hektischen Zeiten fast unterhalb des Radars durch ... (FT Alphaville: Hello, Sisyphus).

Darauf hinzuweisen lohnt sich schon wegen der seltsamen Argumentation des griechischen Finanzministers, der behauptet, mit dieser gestreckten Rückzahlung würde die Rückkehr auf den Kapitalmarkt für Griechenland leichter werden. Ich befürchte eher, dass die Abhängigkeit Griechenlands von den Schulden bei der Eurozone durch die verlängerte Zeitdauer noch größer wird und die Rückkehr damit noch problematischer.

Oder wie FT Alphaville zynisch meint: Man gibt dem Rest Europas mehr Zeit, um sich marktschonend von den griechischen Anleihen zu trennen.

Ich könnte jetzt noch ein wenig zynischer werden und sagen: Wenn ihr wissen wollt, wie die Bedingungen für Portugal und Spanien werden, schaut oben nach.

Während sich die irischen Anleihen, die in die Laufzeitrahmen fallen (z.B. 2 Jahre) mit 5,63% Rendite ziemlich nah an dem "Rettungszins" befinden, nähern sich Portugal (4,54%) und Spanien mit 3,72% (+24 Basispunkte) dem Zins immer weiter an.

Die zehnjährigen spanischen Staatsanleihen sind ebenfalls um 24 Basispunkte gestiegen und erreichen heute ein neues Hoch bei

5,42%.

Die Politiker haben ALLES aber auch wirklich Alles getan, um aus dem EFSF eine sich selbsterfüllende Prophezeiung zu machen. Mit den Aussagen aus Brüssel (Irland, bitte flüchtet Euch. Portugal flüchtet Euch. Wir verdoppeln das Volumen und jeder weiss wofür) ist jedes Dementi aus diesen Ländern komplett entwertet. (An der Taktik für Osteuropa, Italien und Belgien wird scheinbar noch gearbeitet)

Ich frage mich, ob die Politiker so doof sind und sich von den Finanzmärkten treiben lassen oder ob dahinter irgendein Plan steckt.
Eine mögliche Erklärung wäre die Idee von Merkel, quasi ein Europa unter der Klute Deutschlands auf dem oben beschriebenen Weg zwangsweise herzustellen. 
Ich weiss, klingt irgendwie irre, aber wir hätten danach einen Haufen politisch entwerteter Nationalstaaten, die von Brüssel (und damit maßgeblich Deutschland) und dem IWF ferngesteuert würden.

Ein Analyst der RBS glaubt allerdings eher an einen etwas anderen Fortgang. Er schätzt, dass Deutschland einen nochmals verdoppelten EFSF nicht verkraften könne und dann auch die Deutschen zum ersten Mal in dieser Krise Risikoaufschläge zu spüren bekommen könnten. Am Ende stünde dann eine Gemeinschaftsanleihe der EU unter einer Zentralregierung.

Tja, wollten wir nicht immer ein geeintes Europa?!?

FT Alphaville: The Merkel crash

Zahl des Tages (28.11.10): 85.000.000.000

So wahnsinnig spannend ist die Zahl nicht mehr, weil sie in der letzten Woche schon mehrfach genannt wurde. Jetzt ist sie immerhin bestätigt und außerdem weit genug weg von meiner ersten Spekulation, dass ich sie hier nochmal festzurren kann.

85.000.000.000 (85 Milliarden) Euro

schwer wird das Rettungspaket für Irland. Das sind 22 Milliarden Euro mehr als ich mal spekuliert hatte. Basis für meine Spekulation war der Refinanzierungsbedarf Irlands in den nächsten drei Jahren plus evtl. Kosten für bisher unbekannte Löcher bei den irischen Banken (siehe ZAHL DES TAGES (21.11.10): 63.000.000.000).


Aber wenn ich jetzt ganz ehrlich bin: Eigentlich habe ich die 85 Milliarden nur zur Zahl des Tages gemacht, um auf eine gute interaktive Grafik beim Guardian hinzuweisen:

Guardian: Ireland bailout - who is paying?
Der Guardian geht übrigens von 100 Mrd. Euro aus, etwa 63 Mrd. Refinanzierungsvolumen für den Staat Irland und cirka 37 Mrd. für die Banken.

Gut, bis hierher war es noch relativ unspannend und so geht es auch weiter ... Denn auf der zweiten großen spekulativen Baustelle ging es nicht weiter. Denn über eine mögliche Aufstockung des EFSF (Europäische Finanz-Stabilitäts-Fonds) drangen keine neuen Nachrichten an die Öffentlichkeit. Vielleicht sind die Politiker auch alle mit den Wikileaks-Enthüllungen beschäftigt (die ich ganz nebenbei ziemlich lame finde, aber vielleicht kommt da noch was ...).

Aber im wirtschaftlichen Umfeld gab es dann doch noch eine zur Zahl passende Nachricht ... Und zwar haben sich die europäischen Politiker grundsätzlich auf eine Neuregelung zur Beteiligung der Gläubiger bei einer Staatspleite geeinigt.

Dafür wurde das Modell gewählt, das zuvor vor allem viele Länder der Emerging Markets gewählt haben. Aber selbst in Europa sind diese durchaus üblich, allerdings nur für den sehr überschaubaren Markt der Fremdwährungsanleihen. Auch die Dollaranleihen Deutschlands enthalten diese Regeln schon heute.

So ganz neu ist das also nicht, aber man kann ja ruhig auf Bewährtes zurückgreifen. Aber nun zu den Bedingungen. Sie heissen Collective Action Clauses. Diese ändern vor allem eine Regel bei der Umstrukturierung von Schulden im Pleitefall. Und zwar muss der Schuldner nicht mehr mit allen Gläubigern eigene Verhandlungen führen, sondern sie verhandeln nur noch mit einer Gläubigerversammlung. Diese muss der Umschuldung dann mit einer Mehrheit von (überlicherweise) 75% zustimmen. So werden extrem langwierige Verhandlungen und Gerichtsverfahren vermieden, wie sie beispielsweise auf die Pleite Argentiniens 2001 folgten. Diese sind zum Teil selbst heute noch nicht beendet.

Die CACs sollen diesen langwierigen Prozess abkürzen. Und das wird wohl auch gelingen.

FTD: Diese Klauseln sollen die Währungsunion retten

Update (22:30):

Gerade wenn man auf Publish gedrückt hat, findet man doch noch ein paar Details, die eigentlich ganz spannend sind.

Von den 85 Milliarden stammen 17,5 aus Irland (scheinbar aus einem Pensionsfonds). Die 67,5 Mrd. von "außen" kommen 45 Mrd. aus Europa, der Rest vom IWF. Von den 45 Mrd. kommt nur die Hälfte aus den EFSF, die zweite Hälfte kommt aus dem neuen EFSM (Europäischer Finanz-Stabilisierungs-Mechanismus). Dieser speist sich zwar auch überwiegend aus dem EFSF, aber immerhin 3,8 Mrd. kommen aus Großbritannien, 0,6 aus Schweden und 0,4 Mrd. aus Dänemark.

FT Alphaville: Distribution of loan to Ireland

FT Alphaville: EU/IMF Irish bailout – the details

Update 2 (22:35):

Ach so: Die Iren haben sich auch offiziell aus der Finanzierung des Rettungsfonds verabschiedet. Das ist die Stelle, an der alle anderen Länder wieder ablehnen können (wenn ich es damals richtig verstanden habe).

Zahl des Tages (27.11.10): 1.013.116.000

Im Rahmen der Irland-Krise, die ja im Kern eine Bankenkrise ist, kommt wieder die Forderung auf, die Sch**ss-Banken doch einfach Pleite gehen zu lassen. (Alternativ versucht man sogar, die Banken absichtlich in die Pleite zu treiben, siehe FRANZOSEN WOLLEN KOORDINIERTEN BANKRUN STARTEN ... oder BANK RUN AM 7.12. - JETZT MACHE ICH MIT!)

Auch wenn ich die Wut gut nachvollziehen kann, ist mir die Idee (also genauer gesagt beide) fremd. Denn eine unkontrollierte Pleite eine Bank ist eine Katastrophe und zwar nicht für die, die das Volk damit treffen möchte, sondern für alle ...

Ein gutes Beispiel dafür ist die Lehman-Pleite. Es gib zwar noch keine endgültigen Zahlen zur Gläubigerquote im Fall von Lehman, aber immerhin für die deutsche Tochter Lehman Brothers Bankhaus. Diese liegt bei etwas über 10%. 90% der Forderungen der Anleger sind also futsch. Bei Lehman wird mit etwa 20% gerechnet, also mit einem Verlust von 80%.

Auch die Abwicklung ist teuer. Im Fall von Lehman hat allein der Insolvenzverwalter Honorare in Höhe von

1.013.116.000 Dollar

in Rechnung gestellt. Und das ist noch lange nicht das Ende, denn die zahlreichen anhängigen Gerichtsverfahren werden sich noch lange hinziehen.

Focus: Insolvenzverwalter kassieren Milliardenhonorar

Es gibt mMn sinnvollere Wege, die Großbanken zu bestrafen, als einen Bankrun zu inszenieren ...

Musik zum Wochenende: Arcade Fire

Och schon wieder. Ja schon wieder. Gute Musik - schönes Video.

Arcade Fire - The Suburbs

Am Montag in Düsseldorf und es gibt angeblich noch Karten. Geht hin, die sind gut.

Zahl des Tages (26.11.10): 93%

Ich hatte zwar eigentlich was anderes auf dem Plan, aber das bekomme ich nicht mehr fertig. Wenn man kein vernünftiges Interface zu den Wirtschaftsdaten hat, ist das zwar nicht mehr so schlimm wie früher (weil man doch an alles rauskommt), aber es dauert lange, bis man alle Daten gefunden hat.

Also eine relativ einfache Zahl. Das Analysehaus Creditsights hat die Abhängigkeit der Banken von der Liquidität der EZB untersucht. Ich hatte eine ähnliche Zahl schonmal und zwar aus Irland (ZAHL DES TAGES (19.11.10): 20.000.000.000), die aussagte, dass sich der irische Bankensektor inzwischen zu mehr als 100% bei der EZB finanziert. Das geht natürlich nur, wenn noch irgendwo anders Geld herkommt. In diesem Fall ist es die irische Regierung, die die 20 Milliarden den Banken geliehen hat.

Wie sieht es nun in den anderen kritischen Ländern der Eurozone aus? In Griechenland müsste ich mal was dazu geschrieben habe (auch wenn ich es nicht finde), aber das ist es eh klar: Es sieht fast zu schlimm aus wie in Irland: 85 Mrd. Euro der Refinanzierung der griechischen Banken hängt direkt von der EZB bzw. der lokalen Notenbank ab. (Das stützt meine These, dass die griechische Krise im Endeffekt ebenfalls durch einen Bankrun ausgelöst wurde).

In Spanien und Portugal sieht es aber besser aus. Was aber lange noch nicht gut heisst ...
Spaniens Banken hängen mit 55 Mrd. Euro am Tropf der EZB-Refinanzierung, Portugal mit knapp 40 Mrd. Die Frage ist hier allerdings, wie aktuell die Zahlen sind, denn schon in Irland hat man gesehen, wie schnell die Kunden den Banken das Geld entziehen, wenn sie das Vertrauen verlieren. Wer weiss, wo der Wert heute steht ... Auch sind die 40 Milliarden im kleinen Portugal natürlich viel kritischer als die 55 Mrd. im wesentlich größeren und wirtschaftskräftigeren Spanien.

Über alle vier Länder ergibt sich eine Quote von

93%,

mit der die jeweiligen Bankensektoren von der EZB (bzw. der lokalen Zentralbank) abhängen.

Wie außergewöhnlich hoch das ist, zeigt auch ein Blick auf die anderen Länder. In Italien liegt der Wert bei 13 Mrd., in Belgien bei 6 Mrd.. Der Rest (quasi der alte DM-Block) ist nahezu neutral oder sogar im Plus.

FT Alphaville: Gobbling 93 per cent of eurozone liquidity

Übrigens lassen die hohen Quoten auch gewisse Rückschlüsse auf die Aussagen zu, dass "wir" "jetzt" die Iren retten zu. Das stimmt nämlich nicht, die EZB rettet die Iren (bzw. den irischen Bankensektor) schon lange. Die Summen stehen oben ...

Bank Run am 7.12. - Jetzt mache ich mit!

Wenn der Gott aller Götter das sagt? Der Meister der gepflegten Fußballspiels und Kung-Fu-Tritts? Oder war vielleicht die Pressekonferenz mit den Möwen und dem Trawler nachher noch wichtiger für die Legendenbildung?

Egal. Der inzwischen zum Schauspieler umgeschulte Eric Cantona unterstützt jetzt auch die (mMn wirre) Idee eines koordinierten Bank Runs am 7.12.2010. Ich habe darüber vor etwa eineinhalb Monaten geschrieben: FRANZOSEN WOLLEN KOORDINIERTEN BANKRUN STARTEN .... Da dieser Artikel immerhin 18 Kommentare bekommen hat, bringe ich das jetzt auch nochmal, scheinbar interessiert das Thema ja.

Wie sagt der alte Revolutionär Eric Cantona:

"The system is built on the power of the banks. So it must be destroyed through the banks."

Und ich kann ja auch sehr gut verstehen, dass die Leute sauer auf die Banken sind. Diese sind für einen großen Teil der Krise verantwortlich (Politik und Verbraucher sind natürlich auch nicht komplett unschuldig) und verschlingen jetzt viel Geld. In einigen Ländern sogar so viel, dass sie das ganze Land an die Schwelle zur Insolvenz treiben (siehe u.a. hier ZAHL DES TAGES (21.11.10): 63.000.000.000).

Nur glaube ich nicht, dass ein Sturz der Banken das Problem aus der Welt schafft. Vor allem nicht, wenn droht, dass die Banken unkontrolliert zusammenbrechen. Denn dann würden die Banken doch wieder vom Staat gerettet werden. Dabei wird nur jede Menge Geld sinnlos vernichtet. (NB: Ich glaube allerdings auch nicht, dass die Aktion spürbare Auswirkungen haben wird).

Hilfreicher wäre es, wenn sich die Banken wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren würden. Und wenn dieses mit Rücksicht auf Umwelt und Moral betrieben würde. Und daher wäre der 7.12. ein guter Tag, um z.B. bei der GLS-Bank ein Konto zu eröffnen. Abheben kann man das Geld ja auch schon vorher oder nachher. Und dann das Konto kündigen und die Ex-Bank auch darauf hinweisen, dass man aus bestimmten Gründen jetzt bei der GLS-Bank ist und nicht mehr bei einer wild rumzockenden Großbank. Das muss man aber nicht gleichzeitig machen.

Guardian: Eric Cantona's call for bank protest sparks online campaign

Die Aktion hat inzwischen eine neue Internet-Adresse: http://www.bankrun2010.com/

Die Gelegenheit nutze ich natürlich direkt, um auf einen der besten Fußball-Songs aller Zeiten hinzuweisen:

Amazon: Superpunk - Eric Cantona Stomp

Im Übrigen ein gaaaaanz besonderer Dank geht an den Fleissigen, der den Text für die Nachwelt festgehalten hat: Lyrics

Danke an Stephan für den Hinweis

Update (26.11.10):

So langsam spricht sich die Story ja rum. Ich gebe ihr trotzdem kaum Chancen, aber bekannt geworden ist die Aktion trotzdem ... Der PR-Effekt eines ehemaligen Fußballers ist scheinbar ganz schön groß ...

Tagesschau: Aufruf zum "Bankrun"-Tag in Frankreich - Die Rache am Geldautomaten

Update (30.11.10):

Was potenziell gefährlicher sein könnte für die Banken:

WIKILEAKS SCHIESST AUF DIE BANKEN

Zahl des Tages (25.11.10): 440.000.000.000

OK, recycelter Artikel ...

Was passiert eigentlich, wenn die 750 Milliarden Euro aus dem Eurozonenrettungsfonds nicht reichen? Zum Beispiel für den Fall, dass Spanien auch die Grätsche macht ...

Wobei die 750 Milliarden Euro ja sowieso nicht stimmen, da wegen des AAA-Ratings und der verlangten Überdeckung des Eurozonen-Anteils von den 440 Mrd. defakto weniger als 240 Mrd. Euro verliehen werden können. Es sind insgesamt also etwa 550 Mrd. Euro. Und wenn Spanien und Portugal ausfallen, sogar noch weniger.

Auf jeden Fall meint Bundesbank-Chef Axel Weber, dass der Sicherungsfonds sicherlich sicher ausreichen werde. Und wenn er, warum auch immer,  nicht ausreichen sollte, könne man ihn problemlos aufstocken.

Ach ja? Ich dachte, das wäre keine freie Entscheidung von Notenbankern, sondern da hätten die nationalen Parlamente noch ein gewisses Mitspracherecht. In der Slowakei gab es schon Proteste (kein Wunder, die müssen wirtschaftlich stärkeren Ländern helfen) und auch in Österreich regt sich größerer Widerstand. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das erst der Anfang einer Welle ist.

Am Ende bleibt wahrscheinlich Deutschland als einziges Land übrig, das weiter "helfen" will. Aber spätestens dann stellt sich die Frage, ob nicht doch besser Deutschland aus dem Euro austritt. Eine "Lösung", der ich eine immer höhere Wahrscheinlichkeit einräumen würde.

Schaut Euch einfach mal die folgende Präsentation der UBS an:

UBS Präsentation: Die Zukunft des Euro (Flash! Aha!).

Das wahre Problem des Euro sind nämlich nicht die schwachen Randstaaten, sondern das sehr starke Deutschland (plus vielleicht noch Österreich, BeNeLux und Finnland). Frankreich und Italien fallen aber eigentlich schon deutlich ab und gehören eigentlich eher in einen Weich-Euro-Neu.

Euro-Krise: Bundesbank-Chef bringt noch größeren Rettungsschirm ins Gespräch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Update (16:42):

Oh, weissgarnix ist sauer ...

Weissgarnix: Game over für den Euro

Natürlich formuliert er besser und prägnanter als ich:
Was Weber überhaupt nicht klar zu sein scheint, ist, dass diese ökonomische Krise im Begriff ist, eine politische zu werden. [...]
Sie [die Bewohner Islands, Griechenlands, Irlands und demnächst Portugals und Spaniens] werden es sich nicht bieten lassen, fiskalisch auf das Niveau des Mittelalters zurück gesetzt zu werden, nur damit Weber, EZB oder Internationaler Währungsfonds das Spiel noch eine Zeit lang weitertreiben können. [...]
Der EURO wird genauso wieder von der Bildfläche verschwinden, wie er gekommen ist: aus politischen Überzeugungen, nicht ökonomischen. [...]
Was wir gerade erleben ist der Anfang vom Ende des Euro. [...]
Und weissgarnix hat 'ne Wette gegen einen Euroskeptiker gemacht. Mist, der Skeptiker hätte auch ich sein können. Auch wenn ich die aktuelle Entwicklung nie so vorausgesehen habe, vor allem in der Geschwindigkeit. Ich hätte dem Euro eher noch ein Jahrzehnt gegeben.

Mir waren immer die simpel-doof Argumente ausreichend überzeugend genug, die besagt haben, dass man dermaßen unterschiedliche Länder nicht mit einer Währung beglücken kann.

Ich habe mal eine ziemlich lange Geschichte über die (wie ich es immer nenne) Synchronisation die niederländischen und österreichischen Volkswirtschaften mit der deutschen gelesen. Hier hat es laaaange gedauert, bis sich Wirtschaftsstruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Lohnniveau etc. so weit angeglichen haben, dass Zinsniveau und Währung parallel liefen. In der Anpassungsphase gab es immer noch vorher ungeplante Währungsanpassungen, die die Politiker immer im Vorfeld ausgeschlossen haben.

Es gab zum Start des Euro einfach keinen Grund anzunehmen, dass der Anpassungsprozess von Volkswirtschaften wie Spanien, Portugal oder Griechenland, die viel unterschiedlicher zur deutschen waren als Holland oder Österreich, plötzlich schneller und reibungsloser vonstattengehen könnte. Keinen.

Update (18:42):

In Brüssel wird scheinbar über eine Verdopplung des EFSF (European Financial Stability Fund) diskutiert. Also nochmal

440.000.000.000 (440 Milliarden) Euro

oben drauf. Aus denen effektiv etwa 220 Mrd. für Hilfe zur Verfügungen stehen dürften, wenn sich Spanien und Portugal nicht beteiligen (Portugal Irland und Griechenland sind ja eh schon raus).

Wenn 750.000.000.000 Euro nicht genug sind ...

... dann nimmt man halt noch mehr ... Zum Beispiel für den Fall, dass Spanien auch die Grätsche macht und der Rettungsschirm der Eurozone und des IWF nicht mehr ausreicht.

Wobei die 750 Milliarden Euro ja sowieso nicht stimmen, da wegen des AAA-Ratings und der Überdeckung vom Eurozonen Teil (440 Mrd.) defakto weniger als 240 Mrd. Euro davon verliehen werden können.

Auf jeden Fall meint Bundesbank-Chef Axel Weber, dass der Sicherungsfonds sicherlich sicher ausreiche werden. Wenn er, warum auch immer,  nicht ausreichen sollte, könne man ihn problemlos aufstocken.

Ach ja? Ich dachte, das wäre keine freie Entscheidung von Notenbankern, sondern da hätten die nationalen Parlamente noch ein gewisses Mitspracherecht. In der Slowakei gab es schon Proteste (kein Wunder, die müssen wirtschaftlich stärkeren Ländern helfen) und auch in Österreich regt sich größerer Widerstand. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das erst der Anfang einer Welle ist.

Am Ende bleibt wahrscheinlich Deutschland als einziges Land übrig, das weiter "helfen" will, und spätestens dann stellt sich die Frage, ob Deutschland nicht doch besser aus dem Euro austritt. Eine Lösung, der ich eine immer höhere Wahrscheinlichkeit einräumen würde.

Schaut Euch einfach mal die folgende Präsentation der UBS an:

UBS Präsentation: Die Zukunft des Euro (Flash! Aha!).

Das wahre Problem des Euro sind nämlich nicht die schwachen Randstaaten, sondern das sehr starke Deutschland (plus vielleicht noch Österreich, BeNeLux und Finnland).

Euro-Krise: Bundesbank-Chef bringt noch größeren Rettungsschirm ins Gespräch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Update (16:42):

Oh, weissgarnix ist sauer ...

Weissgarnix: Game over für den Euro

Natürlich formuliert er besser und prägnanter als ich:

Was Weber überhaupt nicht klar zu sein scheint, ist, dass diese ökonomische Krise im Begriff ist, eine politische zu werden. [...]
Sie [ die Bewohner Islands, Griechenlands, Irlands und demnächst Portugals und Spaniens] werden es sich nicht bieten lassen, fiskalisch auf das Niveau des Mittelalters zurück gesetzt zu werden, nur damit Weber, EZB oder Internationaler Währungsfonds das Spiel noch eine Zeit lang weitertreiben können. [...]
Der EURO wird genauso wieder von der Bildfläche verschwinden, wie er gekommen ist: aus politischen Überzeugungen, nicht ökonomischen. [...]
Was wir gerade erleben ist der Anfang vom Ende des Euro. [...]

Und weissgarnix hat 'ne Wette gegen einen Euroskeptiker gemacht. Mist, der Skeptiker hätte auch ich sein können. Auch wenn ich die aktuelle Entwicklung nie so vorausgesehen habe, vor allem in der Geschwindigkeit. Ich hätte dem Euro eher noch ein Jahrzehnt gegeben.

Mir waren immer die simpel-doof Argumente ausreichend überzeugend genug, die besagt haben, dass man dermaßen unterschiedliche Länder nicht mit einer Währung beglücken kann.

Ich habe mal eine ziemlich lange Geschichte über die (wie ich es immer nenne) Synchronisation die niederländischen und österreichischen Volkswirtschaften mit der deutschen gelesen. Hier hat es laaaange gedauert, bis sich Wirtschaftsstruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Lohnniveau etc. so weit angeglichen haben, dass Zinsniveau und Währung parallel liefen. In der Anpassungsphase gab es immer noch vorher ungeplante Währungsanpassungen. Es gab zum Start des Euro einfach keinen Grund anzunehmen, dass der Anpassungsprozess mit wesentlich unterschiedlicheren Volkswirtschaften wie Spanien, Portugal oder Griechenland plötzlich schneller vonstatten gehen könnte. Keinen.

Update (19:00):

Ich habe den Artikel zur Zahl des Tages umgewidmet. Zu wichtig, um was anderes rauszupicken.

Zur Diskussion bitte hier lang:

ZAHL DES TAGES (25.11.10): 440.000.000.000

Nocera/McLean bei Jon Stewart zur Finanzkrise

Nicht nur lustig, sondern auch informativ. Ein Spagat, den wohl nur Stewart hinbekommt.

Joe Nocera von der New York Times hält Derivate, im speziellen CDS für die größte einzelne Ursache, Bethany McLean die Kreditvergabe an nicht geeignete Haushalte.

Jon Stewart dampft die Krise auf "Gambling is innovation. Customers are idiots" zusammen. Nicht sooo falsch ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Exclusive - Bethany McLean & Joe Nocera Extended Interview<a>
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorThe Daily Show on Facebook


John Hempton von Bronte Capital lobt das Buch, "They have produced a book (All the Devils are Here) in which I have yet to find a single factual error." Und das ist definitiv eine Leistung.

Hell is empty: A review of Bethany McLean and Joe Nocera on the financial crisis

Das Buch gibt es hier (Affiliate Link, ein knapper Euro geht an mich):

Amazon: Bethany McLean & Joe Nocera - All the Devils Are Here: The Hidden History of the Financial Crisis

Zahl des Tages (24.11.10): 0,3

Die BIPs der USA nehme ich immer ziemlich detailliert auseinander, das deutsche schleife ich häufig. Was eigentlich ziemlich seltsam ist ... Aber ich kann das ja ändern.

Gestern gab es die Zahlen zum BIP des dritten Quartal. Die Vorabschätzung von +0,7% (oder +3,9 gegenüber Vorjahr) wurde (wie fast immer) bestätigt. Spannend ist dabei vor allem ein Aspekt. Die deutsche Wirtschaft hängt allein am Export, wird häufig gesagt, allerdings kann man im Moment nicht wirklich sagen, dass der Konsum (wie häufig) hinterherhinkt.

Denn wie schon im zweiten Quartal trug der private Konsum

0,3 Prozentpunkte

zum Wachstum bei. Damit geht immerhin fast die Hälfte des Wachstums auf den Verbraucher zurück. Es sei nicht verschwiegen, dass aus dem stärkeren Wachstum der Exporte gegenüber den Importen ebenfalls 0,3 Prozentpunkte Wachstum kamen. Keine Frage, Deutschland ist eine Exportnation, aber eben nicht nur.

Die positivste Detailzahl, die es gestern gab, war der Wachstumsbeitrag aus der Lagerveränderung. Dieser war nämlich mit -0,3 Prozentpunkten negativ. Die Unternehmen haben also Lager abgebaut. Das ist immer gut, weil Wachstum durch Lageraufbau immer vergleichsweise wacklig ist.

Also auch wenn die erste Meldung von +0,7% nach 2,3% im zweiten Quartal vielleicht enttäuschend war, ist das im Detail dann doch noch besser als erwartet. Und 2,3% Plus in einem Quartal sind ja eh nicht normal. Es sei denn, man wohnt in China ...

S&P stuft Irland auf A herab

Kurzes Posting am frühen Morgen, auch wenn es gleich überall kommen wird:

S&P hat relativ überraschend Moody's überholt und die Abstufung der irischen Staatsschulden vor dem Konkurrenten bekanntgegeben. Während Moody's erst ankündigt, macht Standard & Poors Nägel mit Köpfen.

Das neue Rating liegt bei A, zwei Stufen unter dem bisherigen Rating von AA-. A ist die gleiche Stufe, die auch Fitch hat. Und seitdem Moody's angekündigt hat, eine Mehrstufenabwertung vorzunehmen (IRLAND VOR "MEHRSTUFENABWERTUNG" DURCH MOODY'S?), ist klar, dass auch das Rating von Moody's in der gleichen Ecke landen wird.

FT Alphaville » Ireland downgraded by S&P

Das Rating, das sich mithilfe der Finanzmärkte über die CDS und die Renditeaufschläge ableiten lässt, liegt eh nochmal deutlich niedriger bei BBB (also weitere drei Stufen unter A und nur noch zwei über Junk):

Creditwritedowns: More Thoughts On Ireland And Peripheral Euro Zone

Der Euro reagiert nur noch wenig, allerdings sackte dieser gestern schon 2 Cent nach unten.

Update (09:03):

Der Ausblick bleibt übrigens auf negativ. Und auch noch ein paar Begründungen: Prognose von 113% Schulden/BIP wird wohl übertroffen werden. Bankensektor extrem instabil und auf Jahre hinaus Wachstumsbremse. Wachstumserwartungen für 2011 und 2012 auf Null gesenkt. Sparprogramm von 15 Milliarden Euro bis 2014 wird allerdings weiterhin für realistisch gehalten.

Update (09:22):

Überschrift korrigiert.

Zahl des Tages (23.11.10): 10,5

Es gab zwar heute (und gestern) eine wahre Flut von Zahlen, die ich zur Zahl des Tages hätte machen können (BIP, Spanien, Irland, Lehman, Stromnetzausbaukosten...). Entschieden habe ich mich aber für die langweiligste, weil "erwarteste" Zahl: Die Verkäufe von Bestandsimmobilien in den USA. Das aber auch nur, weil ich darin direkt eine zweite Zahl sinnvoll einbauen kann, die ebenfalls das Potenzial zur Zahl des Tages hätte ...

Im Oktober ging es mit den Verkäufen wieder nach unten. Und zwar nicht nur mit den absoluten Zahlen, sondern zum Glück auch mit der mMn wichtigsten Zahl für die Vorhersage der weiteren Entwicklung.

Die Anzahl der verkauften Immobilien sank saisonbereinigt im Oktober um 2,2% auf annualisiert 4,43 Millionen (von 4,53 Millionen im September). Positiv, dass die Anzahl der zum Verkauf stehenden Immobilien um 3,4% auf 3,86 Millionen stärker gesunken ist. Dadurch ist die wichtigste Zahl, die Anzahl der Monate bis der Lagerbestand bei angenommenen konstanten Verkaufszahlen abgebaut ist (oder kürzer Lagerbestand in Monaten), auf

10,5 Monate

gesunken. Das ist 0,1 weniger als im Vormonat (oder 0,2 weniger als bei meiner ersten Meldung, da gab es wohl eine Korrektur der Zahlen). Ein Vergleich mit dem Vorjahr ergibt keinen Sinn, weil damals die Steuergutschrift endete und der Vorjahresmonat ein Boommonat war)

Ein Rückgang immerhin, denn man aber allein wegen der Saisonbereinigung nicht überbewerten sollte. Es wird nämlich nur die Umsatzzahl saisonbereinigt, der Lagerbestand nicht. Aber diese Details sind eigentlich unwichtig, denn zweistellige Werte beim Lagerbestand sind weit weg von einem Niveau, das stabile Preise andeuten würde. Dies liegt bei 6 bis 7 Monaten.

NAR: Existing-Home Sales Decline in October Following Two Monthly Gains

Außerdem muss man die offiziellen Zahlen zum Lagerbestand mit viel Skepsis aufnehmen. Denn es gibt noch ein großes Schattenlager an Immobilien, die zwar eigentlich schon zum Verkauf stehen müssten, offiziell aber noch nicht angeboten werden. Diese Zahl versucht der Datenanbieter Corelogic u.a. aus der Zahl der Foreclosures und der überfälligen Hypotheken abzuleiten.

Für den Oktober hat CoreLogic 2,1 Millionen Einheiten im Schattenlager errechnet. Das würde auf den oben genannten Lagerbestand in Monaten weitere 5,6 Monate hinzufügen, womit dann etwas über 16 Monate herauskommen.

CoreLogic: Shadow Housing Inventory pushes total unsold inventory to 6.3 million units

Man muss aber positiv anmerken, dass auch das Schattenlager schrumpft, wenn auch sehr sehr langsam.

Standardisclaimer: Die Immowette gewinne ich also trotzdem ;-)

US-BIP Q03/10 (beta): +2,5%

Das ist dann doch eine kräftige Aufwärtskorrektur der ursprünglichen Schätzung (ZAHL DES TAGES (29.10.10): +2,0%).

In den Details findet sich keine einzelne große Änderung, sondern viele kleine. Der privaten Konsum hat z.B. jetzt mit 1,97 Prozentpunkten zum Wachstum beigetragen statt mi 1,8 Prozentpunkten wie in der Vorabschätzung. Der Staatssektor trug mit 0,81 Pp statt 0,7 zum Wachstum bei. Der Servicesektor mit 1,16 statt 1,1, der Export mit 0,77 (statt 0,6), für die Importe mussten nur 2,52 statt 2,6 Pp abgezogen werden, ...

Weil diese Änderungen so gleichmäßig verteilt sind, muss ich an meiner Einschätzung (siehe Link oben) nichts ändern. Spätestens mit der Aufwärtskorrektur von heute war das eine BIP-Zahl, die besser als erwartet war. Die 1,30 Prozentpunkte, die aus dem Lageraufbau kamen (was ja nicht sehr nachhaltig ist), trüben das Gesamtbild zwar etwas, aber bei weitem nicht so stark wie in der ersten Veröffentlichung. Denn die 1,30 Pp von 2,50 Pp sehen deutlich besser aus als die ursprünglich gemeldeten 1,40 Pp von 2,00 ...

BEA.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: THIRD QUARTER 2010 (SECOND ESTIMATE) (PDF!)

Die in der Vorabschätzung mit 5,5% gemeldete Sparrate der Privathaushalte wurde auf 5,8% korrigiert und liegt damit nur minimal unter den 5,9% des Vorquartals. Auch das ist ein gutes Zeichen, da der steigende Konsum aus steigenden Einkommen stammt und nicht über niedrigere Ersparnis oder gar höhere Schulden erfolgt.

Der provokante Artikel der Woche: Kinder statt Inder

Hatte schon drauf gewartet, dass der Artikel den Weg aus der FAS-Print ins Netz findet. Nun, da ist er.

Darin der Versuch zu berechnen, ob Kinder oder Inder billiger sind. Also: Steckt man besser mehr Geld in Kinder und Bildung, oder holt man "einfach" gut ausgebildete Kräfte aus Indien (etc.). (Wobei das kein "Oder" sein sollte!)

Disclaimer: Solche Berechnungen sind quasi unmöglich. Und der Ersteller der Studie Bernd Raffelhüschen ist als INSM-Mitglied nicht gerade als unabhängig bekannt. Er *will* natürlich Einwanderung ...

Zuwanderung: Inder sind billiger als Kinder - Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET

Es wird jetzt viel Gejammer über kalte, unsoziale Berechnungen geben (und es ist sicher auch fast unmöglich, einen solch komplexen Zusammenhang auf eine Zahl einzudampfen), aber das stört mich viel weniger als Denkblockaden. Z.B. die Weigerung einzusehen, dass es Kinder gibt, bei denen weitere Bildungsausgaben völlig nutzlos sind. Weil sie sowieso nur einen Job bekommen, in dem man streng genommen nicht einmal lesen und schreiben muss. Die müssen eigentlich ganz andere Sachen lernen, die aber die Schule nur in Ansätzen vermittelt (und wahrscheinlich auch nur vermitteln kann).

Aber das ganze ist ja auch allzu logisch: Der Inder kommt fertig ausgebildet und zahlt dann Steuern. Und man kann sich ihn aussuchen. Das Kind hingegen kann man sich nicht aussuchen und es hat noch eine teure Ausbildung vor sich, deren Rendite völlig unklar ist. Das ist ein ähnlich unfairer Vergleich wie die gesetzliche Krankenkasse mit der privaten: Die PKV kann sich die Besserverdienenden *UND* Gesunden herauspicken und die GKV bekommt den Rest. Das kann nicht gutgehen ...

Trotzdem: Ich bin mir sicher, dass der Artikel Kommentare bringen wird ...

Zahl des Tages (22.11.10): 10,42

10,42 Euro

über den Amazon Affiliate Link, der unter jedem Posting steht. Am 22. November, also quasi mitten im Weihnachtsgeschäft nach einem drei Viertel des gesamten Monats. Da war der Sommer ja besser ...

Leute. Ist Wirtschaftskrise?

Seit 3 Monaten kein einziger neuer Kachingler.

Was ist los? Schreib ich nur noch Mist? Zumindest die Anzahl der Kommentare und die Abrufe sind eigentlich OK.

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Wenn das so weiter geht, hält das Bier vom Usedomspotter nicht mehr lange ... Allerdings gibt's dann auch keine Postings mehr im nüchternen Zustand ...

Nacht!

Irland vor "Mehrstufenabwertung" durch Moody's?

OK, man wird fragen dürfen, ob das noch jemanden überrascht. Denn das immer noch sehr gutes Rating für ein Land, das sich gerade unter einen Schutzschirm retten musste, liegt doch ziemlich neben der Realität. Das Aa2 von Moody's ist immerhin das drittbeste Rating, das möglich ist. Naaa ja. Standard & Poors liegt übrigens eine Stufe niedriger, Fitch noch eine weitere.

Ich würde mal sagen, dass man diese Ratings durchaus als Blamage werten kann. Wie viel die Berechnung von Moody's wert sind, dass in der irischen Bad Bank keine weiteren Risiken mehr drohen, wird sich noch zeigen. Wer daran zweifelt, hat jetzt immerhin ein gutes Argument auf seiner Seite. (Ich darf allerdings nicht zu laut meckern, ich habe Irland auch für "rettbar" gehalten, bzw. geglaubt, dass die Iren gar keine Rettung benötigen. OK, die Dramatik des Bank Runs im irischen Bankensektor habe ich klar unterschätzt).

Independent.ie: Moody's: ‘Multi-notch’ downgrade most likely for Ireland

Die irischen Renditen entspannen sich heute übrigens kaum. Je nachdem welche Vergleichsbasis man nimmt, legen die Renditen sogar leicht zu. Nichts Aufregendes allerdings. Der Euro erholt sich leicht.

Und zum früher schonmal beschriebenen Bailout um die Ecke, reiche ich nochmal zwei Hinweise auf Artikel bei FT Alphaville, in denen das "Exposure" durch irische Kredit der Banken bzw. Bankensektoren beschrieben werden:

a) Nach (börsennotierten) Banken: FT Alphaville: Who’s bailing out whom?
b) Nach Ländern: FT Alphaville: Irish exposure, charted

Update (14:58):

Und noch ein Hinweis, den ich zwar häufig bringe, aber gestern Abend vergessen habe: Mit dem Zugriff auf den EFSF entfällt natürlich die Pflicht Irlands, selber in den Rettungsfonds einzuzahlen. Im konkreten Fall Irland geht es dabei um 7 der 440 Milliarden Euro des EFSF. Deutschland ist übrigens mit knapp 120 Mrd. dabei ...

FT Alphaville: More bailouts, more (EFSF) problems

Update 2 (15:05):

Wen die offiziellen Statement von EU, EZB und irischer Regierung interessieren, bei FT Alphaville gibt's alle auf einen Streich:

Irish bailout request accepted [updated]

Update 3 (21:59):

Das durch den Renditeaufschlag und die Kosten der Kreditaufallversicherung implizierte Rating Irlands liegt übrigens bei BBB, 4 Stufen unter dem Rating von Fitch, 5 unter dem von S&P und 6 unter dem von Moody's ...

Creditwritedowns: More Thoughts On Ireland And Peripheral Euro Zone

Jon Stewart erklärt den geheimen Plan von George Soros

Und der geht so: George Soros, der Hedgefonds-Milliardär, unterstützt ja diverses Freiheitsbewegungen in Osteuropa. Er trägt also sein Scherflein dazu bei, dass totalitäre Regimes in kommunistischen Staaten von der Macht vertrieben werden.

Das nächste Ziel von Soros sind die USA. Wait. Ja die USA. Und zwar versucht Soros mit Hilfe von Glenn Beck den letzten freiheitsliebenden TV-Sender in den USA - Fox News - zu vernichten, indem er Beck wirre Thesen äußern lässt. Und wenn dann die USA endgültig zum kommunistischen Land geworden sind, kann Soros diesen Kommunismus zerstören, dabei einen Haufen Geld verdienen und gleichzeitig zum Retter der Welt werden ...

Eine grandiose Ver****e von Stewart, wobei man sich angesichts der völlig irren Argumentationsketten von Glenn Beck fragt, ob nicht das Ursprungsmaterial von Fox News nicht dich noch irrer ist als die These, die sich Stewart bastelt.

Aber eigentlich ist das Zeuch, das Leute wie Beck von sich geben, so irre, dass man das ohne satirische Bearbeitung nicht aushalten kann ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
George Soros Plans to Overthrow America
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorRally to Restore Sanity


The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
The Manchurian Lunatic
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical HumorRally to Restore Sanity


Update (22:15):

Bin ich der Einzige, der das grandios findet?!?

Zahl des Tages (21.11.10): 63.000.000.000

Die geratenste Zahl des Tages bisher ... Denn natürlich weiss noch niemand, wie groß die Finanzhilfe der Eurozone (und wohl auch Großbritanniens) für Irland am Ende wird. So weit sind die Verhandlungen noch nicht. Aber immerhin ist nicht mehr die Null (sprich: wir brauchen gar keine Hilfe) die Untergrenze des Volumens. Was sie ja noch vor fünf Tagen war ... (ZAHL DES TAGES (16.11.10): NULL). Und als Obergrenze wurden die 100 Milliarden Euro etabliert, die vom irischen Finanzminister Lenihan explizit dementiert wurden.

Um wieviel Geld könnte es also gehen? Einen sinnvollen Ansatz dürfte das Refinanzierungsvolumen Irland für die nächsten drei Jahre sein, damit es Irland wie Griechenland möglich ist, drei Jahre ohne Rücksicht auf den Kapitalmarkt über die Runden kommen zu können. Das wären dann (wie die FAZ schreibt)

63.000.000.000 (63 Milliarden) Euro.

Es können jetzt 10 Milliarden mehr oder (eher nicht) weniger werden, aber zumindest in der Größenordnung wird das Volumen wohl liegen. Eine höhere Summe könnte vor allem dann kommen, wenn die Blitz-Bilanzprüfung der irischen Banken größere Risiken als bisher bekannt ergeben sollte  (die zumindest zwei Analysten nicht bzw. nicht in größerem Umfang finden konnten).

Spannend, dass Merkel und Sarkozy von Lenihan explizit dafür gelobt wurden, dass sie nicht mehr auf einer Erhöhung der Unternehmensteuern bestehen. Wobei ich mich nicht wundern würde, wenn die Erhöhung doch noch kommt, nur darf es politisch nicht so aussehen, als wäre die irische Politik nicht selber auf die Idee gekommen ... Sowas kann man auch ohne großen Wirbel 2012 machen ...

FAZ: „Mehrere zehn Milliarden Euro“
Tagesschau: Irland bekommt Geld aus Euro-Rettungsfonds
Spiegel: Europa beschließt Multimilliarden-Hilfe für Irland

a)  Der Eurozonenrettungsfonds hat übrigens "nur" 250 Milliarden Euro, die er verleihen kann. Das Bruttovolumen von 440 Mrd. täuscht (ZAHL DES TAGES (21.09.10): 250.000.000.000)
b) Das Ganze ist natürlich keine Rettung für Irland selber, sondern für die irischen Banken und am Ende auch für die britischen und deutschen Banken, die die größten Gläubiger Irlands sind. Zum Glück hat sich das auch rumgesprochen, zumindest ist es keine These mehr, die nur ein paar blöde Blogger vertreten ...
Hans-Werner Sinn, der Leiter des Münchner Ifo-Instituts, sieht „eine Achse von der Europäischen Union zu den deutschen Banken, um Unterstützung für die Rettungspakete für Irland zu generieren“. Dabei ist er sicher, dass Irland die Hilfe eigentlich überhaupt nicht braucht. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liege 20 Prozent über dem deutschen, die Schuldenquote sei beherrschbar, selbst wenn sie jetzt noch ansteige. „Irland ist nicht bankrott.“ Stattdessen dramatisierten die Banken die Krise, um das gewünschte politische Ergebnis herbeizuführen. „Es ist immer dasselbe Spiel. Langsam wird es langweilig.“
Überraschend klare Worte, dicke Leseempfehlung für den Artikel (der übrigens vor der Rettung in der FAS kam):

FAZ: Die List der deutschen Banken

Es ist ja kein Zufall, dass Ackermann in der letzten Woche in Brüssel war ...

Und am Ende stellt sich Ackermann wieder vor die Presse und betont, dass er ja ohne Staatshilfe ausgekommen sei. OK, die EU hat seine irischen und griechischen Anleihen gegen den Ausfall versichert und die USA haben die AIG gerettet, die daraufhin Versicherungssummen von etwa 10 Mrd. Euro an die Deutsche Bank auszahlen konnte ...

Allerdings: Wenn man die Leserkommentare im Spiegel oder selbst in der FAZ (z.B. beim Artikel weiter oben) anschaut, ist diese Sicht der Dinge weiterhin eine klare Minderheitsmeinung. Warum schreib ich hier eigentlich? Empfehlt ihr mich nicht befohlen weiter ;-)

Update (22:55):

Reuters spricht unter Berufung auf hohe EU-Kreise übrigens von 80 bis 90 Milliarden Euro, die Sunday Times hatte sogar 120 Milliarden in der heutigen Ausgabe (das war scheinbar die Summe, die dementiert wurde).

Der nächste große Insiderskandal an der Wall Street?

Das Wall Street Journal berichtet heute über einen möglichen ziemlich großen Insiderskandal. Wie groß? Die Liste der Firmen, gegen die wohl ermittelt wird:

Primary Global Research LLC,
Goldman Sachs Group,
Broadband Research LLC,
AC Capital Advisors LP,
MFS Investment Management,
Wellington Management Co.,
Janus Capital Group,
Citadel Asset Management,
First New York,
Ziff Brothers,
Jana Partners LLC,
TPG-Axon Capital Management,
Prudential Financial Inc.'s Jennison Associates asset-management,
UBS Financial Services Inc.,
Deutsche Bank AG.

Drei Fälle, in denen wohl konkrete Verdachtsmomente vorliegen, sind Übernahmen, bei denen die Insider vor dem Kursprung eingestiegen sein sollen. Betroffen u.a. die Übernahmen von Schering-Plough durch Merck & Co, Medimmune durch AstraZeneca und Advanced Medical Optics durch Abbott Laboratories.

Wahrscheinlich ist selbst das nur die Spitze des Eisbergs ...

U.S. Pursues Sweeping Insider-Trading Probe - WSJ.com

Insiderhandel: US-Behörden vermuten Börsenbetrug im großen Stil | FTD.de

Zahl des Tages (20.11.10): 313

Drei Bankpleiten in den USA an diesem Wochenende. Mit Assets von einer dreiviertel Milliarde Dollar mal wieder eine nicht ganz so kleine Bank in der Liste. Und scheinbar hat die FDIC auf mich gehört und verteilt die Bankpleiten wieder gleichmäßig über die Wochenenden ;-)

US-Bankenpleite Nr. 311:

Name: Gulf State Community Bank
Sitz: Carrabelle, Florida
Assets: 112 Millionen Dollar
Käufer: Centennial Bank, Conway, Arkansas
Schaden für die FDIC: 43 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 47 (rot)

FDIC: Centennial Bank, Conway, Arkansas, Assumes All of the Deposits of Gulf State Community Bank, Carrabelle, Florida

US-Bankenpleite Nr. 312:

Name: Allegiance Bank of North America
Sitz: Bala Cynwyd, Pennsylvania
Assets: 107 Millionen Dollar
Käufer: VIST Bank, Wyomissing, Pennsylvania
Schaden für die FDIC: 14 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 271 (rot)

FDIC: VIST Bank, Wyomissing, Pennsylvania, Assumes All of the Deposits of Allegiance Bank of North America, Bala Cynwyd, Pennsylvania

US-Bankenpleite Nr. 313 (Nr. 149 dieses Jahr):

Name: First Banking Center
Sitz: Burlington, Wisconsin
Assets: 751 Millionen Dollar
Käufer: First Michigan Bank, Troy, Michigan
Schaden für die FDIC: 153 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 337 (rot)

FDIC: First Michigan Bank, Troy, Michigan, Assumes All of the Deposits of First Banking Center, Burlington, Wisconsin

Zahl des Tages (19.11.10): 20.000.000.000

Freitag ist der Tag, an dem ich die Zahl des Tages eigentlich immer morgens fertig machen müsste, weil nachmittags die Abrufzahlen schon merklich auf's niedrige Wochenendniveau sinken ... Die Gefahr ist natürlich immer, dass die spannendste Zahl erst am Nachmittag kommt. Aber heute greife ich mal wieder beherzt in Irland zu, das reicht an Spannung (und immerhin habe ich Irland ein paar Mal erfolgreich vermeiden können ...)

FT Alphaville hat heute eine schöne Studie von der Citigroup verlinkt, in der versucht wird, die Abflüsse bei den irischen Banken zu beziffern. Also das, was ich plump "Bank Run" nenne: Die Anleger (sowohl Banken wie Privatanleger) ziehen ihr Geld ab und irgendwann hat die Bank nicht mehr ausreichend Liquidität und dann ist sie halt insolvent.

Schon im Fall Griechenland lag die Vermutung nahe, dass nicht drohte, dass die griechische Regierung illiquide wird, sondern viel mehr den Banken die Insolvenz droht (siehe u.a. hier:  ZAHL DES TAGES (15.06.10): 8.500.000.000). In Irland sieht es offenbar ähnlich aus. Der irische Staat mag zwar bis Sommer 2011 durchfinanziert sein, aber die Banken sind es nicht. Schlimmer noch: Sie sind auf den üblichen Wegen schon am Ende ihrer Refinanzierungsmöglichkeiten angekommen. Aber der Reihe nach ...

Selbst bei der nicht ganz so schlimm getroffenen Bank of Ireland ist die Liquidität im dritten Quartal von etwa 25 Milliarden Euro auf 13 Mrd. gesunken. Aber immerhin gibt es dort noch welche. Bei den anderen irischen Banken sieht es noch schlechter aus. Diese scheinen inzwischen quasi alle Assets, die sich verleihen lassen, an die EZB verliehen zu haben. (Der EZB-Anteil an der Gesamtbilanz des irischen Bankensektors ist somit auf mehr als 10% gestiegen, die Ausleihungen der EZB nach Irland machen 130 Mrd. Euro aus, zum Vergleich: Griechenland 92 Mrd., Spanien 72 Mrd.).

Weil nun alles verliehen ist, müssen die irischen Banken auf unkonventionelle Finanzierungen zurückgreifen: Die irische Notenbank hat ein Sonderliquiditätsprogramm aufgelegt und aus diesem haben die irischen Banken bereits

20.000.000.000 (20 Milliarden) Euro

in Anspruch genommen bzw. in Anspruch nehmen müssen.

Grafisch stellt sich das wie folgt dar:


Die unterste Kurve ist der Anteil der EZB, die rote Kurve die Verbriefungen und die beiden oberen sind die Einlagen (private inländische und ausländische).

Ich denke damit ist mehr als eindeutig, dass die irischen Banken komplett am Tropf der EZB und der irischen Notenbank hängen. Das ist die gleiche Situation, in der die Hyporealestate seit zwei Jahren steckt: Der Zugang zum Kapitalmarkt ist abgeschnitten. Gleichzeitig fließen auf der anderen Seite der Bilanz Einlagen ab (Bankrun) bzw. verlieren an Wert (Abschreibungen). Bekanntlich hat der Staat bei der Hyporealestate die Refinanzierung am Ende komplett übernehmen müssen. Ich befürchte, das gleiche wird in Irland auch drohen. Ohne eine Staatsgarantie, der die Anleger auch vertrauen, wird in Irland keine Bank mehr einen Cent Einlagen anziehen ...

Hat jemand Lust, das Refinanzierungsvolumen auszurechnen, so wie es weissgarnix damals bei der Hyporealestate gemacht hat (Weissgarnix: Da kommt noch viel mehr)? Das garantiert allerdings schlechte Laune, schätze ich ...

FT Alphaville: On declining Irish deposits
FT: Threat from bank funding constraints

Update (16:25):

Die Allied Irish Bank hat seit Anfang des Jahres bis Mitte November ebenfalls 13 Milliarden Euro Einlagen verloren:

AIB Investor Relations

Update (22:35):

Die FTD hat das Thema auch entdeckt (kein Wunder, die lesen natürlich traditionell bei der (ehemaligen) Mami aus London mit. Ein interessantes Detail steckt noch im Artikel: Die Allied Irish Bank weitet ihre Kapitalerhöhung von 5,4 Mrd. auf 6,6 Mrd. Euro aus. Die Anteile gehen natürlich an den irischen Staat, der Rest der Welt will sowas schon lange nicht mehr kaufen ...

Schuldenkrise: Iren ziehen Spareinlagen aus Banken ab | FTD.de

Zahl des Tages (18.11.10): 40%

Summdidumm ... Nein, nicht Irland ...

Ich habe zu Irland ja in diversen Blogs gestern und heute ziemlich viel dazu geschrieben und daher habe ich jetzt wirklich keine Lust mehr, in meinem eigenen Blog auch noch was dazu zu schreiben. Daher heute ein kleiner Hinweis auf das Land, an dem sich die Zukunft der Euro-Zone dann wirklich entscheidet, denn Griechenland, Portugal und Irland sind wegen der Größe eigentlich relativ unspannend. Aber Spanien ist dann eine andere Nummer.

Dort gibt es offiziell eine Menge überraschend guter Daten. Das BIP ist OK, die spanischen Banken waren zwar im EU-Stresstest die kritischsten, aber der Kapitalbedarf war doch überschaubar. Auch die Hypothekenausfallraten sind überschaubar und weit unter den Niveaus, die man aus Irland oder den USA gewohnt ist.

Was alles sehr sehr seltsam ist, weil der Bauboom und die Mondpreise, die in Spanien üblich waren, ähnlich schlimm waren. Es kann daher eigentlich nicht stimmen, dass die Immobilienpreise nur um 10% gesunken sind. Die Preise müssten deutlich kräftiger abgesackt sein. In einem Kommentar in meinem Blog schrieb sogar mal jemand was von 70 Rückgang in bestimmten Regionen ... (siehe SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?)

OK, so viel Preisrückgang gab es vielleicht nicht in der gesamten Breite des Markts, aber zumindest in der möglicherweise kritischsten Region Murcia sind es definitiv mehr als 10%. Und dort gibt es auch eine ganz neue Idee - ein Immobilienoutlet. Dort werden die Immobilien, die wahrscheinlich eh schon ein paar Mal im Preis reduziert wurden und trotzdem noch keinen Käufer gefunden haben, nochmals um bis zu

40%

im Preis reduziert und vertickert. Also zumindest ist das das Ziel ...

Nicht ganz aktueller Zuschnitt. Kleine Mängel. Überproduktion. Fehlerfreie Ware der letzten Saison.

Kaufen Sie jetzt. (Wenn Sie noch nicht Pleite sind, weil sie bereits vor zwei Jahren eine völlig überteuerte Wohnung zum doppelten Preis gekauft haben ...)

Caja Madrid gibt auf Immobilien in Murcia "Outlet Rabatte" von bis zu 40 Prozent

Zahl des Tages (17.11.10): 10,12

Och, nicht schon wieder Irland. Oder Griechenland. Oder Portugal. Oder irgendein anderes Problemland ...

Heute mal zum schnöden Mammon ...

Eine ganz interessante Entwicklung hat sich durch die steigenden Rohstoffpreise bei der 10-Euro-Silbermünze der Bundesrepublik Deutschland vollzogen. Beim aktuellen Silberkurs von 18,87 Euro pro Feinunze oder 60,8 Cent je Gramm ist der Silberanteil (16,65 gr) in den deutschen Silbermünzen

10,12 Euro

wert und liegt damit über dem Nennwert von 10 Euro. Das ist dann natürlich ein doofes Geschäft für Deutschland, das mehr Silber einkaufen muss als sie dann durch den Nennwert wieder einnimmt.

Daher ist das auch die (vorläufig) letzte Serie, die neuen Silbermünzen ab 2011 werden mit 40% weniger Silber ausgegeben. Also gibt es nun die letzte Chance bei der Bank seines Vertrauens (gibt es sowas?) 10 Euro gegen die 10 Euro Münze einzutauschen. Weil das so ein unglaublich lohnendes Geschäft ist, gibt es jetzt auch nur noch 5 Stück pro Kopf, mit der man also maximal risikolose 60 Cent verdienen kann.

Und für diesen *wahnsinnig* tollen Anlagetipp dürft ich mich jetzt alle flattern oder noch besser kachingeln ;-)

Müde heute Abend egghat  ist.

Update (18.11.)

Jetzt schon 10,32 € ;-) Ich bin REICH!

Update (22.11.10):

Heute schon 10,82 ;-)

Zur Verteidigung Irlands ...

Ich habe mich ja mit meinem Posting WARUM IRLAND NICHT GRIECHENLAND IST weit aus dem Fenster gehängt. So weit, dass ich angesichts der aktuellen Lage ziemlich deppert aussehe ...

Ich muss auch zugeben, dass ich mich in einem geirrt habe: Ich habe übersehen, dass die Banken Irlands die offene Flanke des Landes sind. Genauer: Mangelndes Vertrauen in diese Banken, wobei das Vertrauen in die Banken am Ende ja auch nur ein Vertrauen in die Staatsgarantie ist, die die Banken am Leben hält.

Und da sind nicht unbedingt Zahlen gefragt, sondern da geht es hauptsächlich um Psychologie. Gibt es einen Bankrun, wird es eng. In jedem Land der Welt.

Aber davon völlig unabhängig sprechen weiterhin ein paar Dinge für Irland.

Die Staatsverschuldung Irlands enthält in den offiziellen Zahlen *alle* Assets, die an die Bad Bank NAMA ausgelagert wurden. Also die Assets, die jetzt mit ungefähr 50% Abschlag in der Bad Bank liegen, sind nicht nur mit diesen 50% Abschlag in der Staatsverschuldung berücksichtigt (was ja unstrittig ist), sondern mit der anderen Hälfte ebenfalls. (So berechnet die EU halt die Schulden). Da spielt es keine Rolle, dass die Ratingagentur Moody's keine weiteren Abwertungen erwartet (und sogar Gewinne schätzt) oder dass Independent Strategy selbst im Worst Case "nur" weitere Belastungen von maximal 7% des BIPs errechnet (siehe Link unten).

Die Iren haben mit der Bad Bank und der möglichst weitgehenden Transparenz die Verluste heute und vor allem ziemlich vollständig offengelegt. Jetzt sehen die Finanzmärkte das ganze Desaster (sind aber gleichzeitig zu doof, sich daran zu erinnern, dass die andere Hälfte der Assets der Bad Bank als Schulden zählen, obwohl die definitiv noch was wert sind). Die Höhe der Staatsverschuldung und auch die dauernd genannten 32% Haushaltsdefizit sind eigentlich nicht richtig.
Vielleicht sollte ich in Zukunft aufhören, maximale Transparenz zu fordern. Vielleicht ist ein Verstecken der Probleme (indem man z.B. die Bilanzierungsrichtlinien aufweicht) oder die Immobilien zu überhöhten Preisen in die Bankbilanz holt (um den Kredit nicht abschreiben zu müssen, Stichwort Dación en pago, siehe SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?) wirklich der sinnvollere Weg. Sobald du Schwäche zeigst, werden dich die Finanzmärkte angreifen ...

Aber ich wollte bei den Punkten bleiben, die für Irland sprechen ...

Die irische Bevölkerung ist jung, gut ausgebildet und spricht Englisch. Damit ist die irische Bevölkerung sehr flexibel. In einer Krise wie der aktuellen wandern die Iren auf Jobsuche wesentlich schneller aus als in anderen Ländern. Jetzt kann man über den Brain Drain jammern, Fakt ist aber auch, dass die schnelle Auswanderung das irische Sozialsystem schnell entlastet. (Und Jammern sollte man eh nicht zu laut, denn Irland hat im Boom auch problemlos Arbeitskräfte angezogen und wird das im nächsten Aufschwung auch schaffen, im Notfall durch Rückkehrer). Einen schnellen Bericht zum Thema hat man aber trotzdem zusammengestrickt (Tagesschau: Junge Leute wandern aus Irland aus).

Irland hat einen deutlichen Exportüberschuss, der in den letzten Jahren noch deutlich gewachsen ist. Durch die Sparmaßnahmen wird er noch weiter wachsen. Irland wird weniger im Ausland kaufen (das Geld geht halt für Zinsen drauf), aber die Exporte wird das nicht beeinträchtigen. Es strömt also fortlaufend Geld ins Land (im Gegensatz zu Griechenland, wo dauernd Geld abfließt).

Irland wird als erstes Krisenland Europas einen sanierten Bankensektor haben, in dem die Werte in den Bilanzen auch die wirklichen Werte korrekt widerspiegeln. Die irischen Politiker haben sich für einen ähnlichen Weg entschieden, wie ihn auch die Schweden vor knapp 20 Jahren gewählt haben. Die Schweden haben damals den gesamten Bankensektor verstaatlicht. Im Endeffekt hat Irland das gleiche gemacht: Mit der Staatsgarantie ist die Haftung an den Staat übergegangen, komischerweise im Gegenzug nicht auch 100% der Anteile (wenn auch die Mehrheit). Das jetzige Gehampel mit der EU, ob jetzt die irischen Banken oder der Staat Geld vom Stabilitätsfonds bekommen sollen, ist daher albern. Vor allem wenn man weiss, dass die EZB eh die einzige Bank ist, der den irischen Banken noch Geld gibt (die These, dass die anderen Banken die irischen Banken "schneiden" ist Murks, die geben den irischen Banken schon länger kein Geld mehr ...). Der irische Bankensektor hängt sowieso schon an der EU.

Die Iren sind jetzt aber in einer aussichtslosen Lage und werden Hilfen annehmen müssen. Es wird über einen Bankrun diskutiert und das reicht, um ausreichend große Mengen Geld abfließen zu lassen, und die Löcher muss dann jemand stopfen.

Dass die Kapitalmärkte eine Attacke auf Irland versuchen, war abzusehen. Dass die Attacke jetzt aber durch die eigene Bevölkerung über einen Bankrun erfolgt, aber nicht. Und dass die Politiker in Brüssel Irland die Hilfe geradezu aufzwingen, hätte ich ebenfalls nicht erwartet. Zumindest den Politikern hätte Irland die eigene Lage doch erklären können.
Naja, wer weiss, vielleicht gab es gestern Abend keine Hilfe, weil die Iren das doch geschafft haben. (ich schätze aber nicht, denn das Vertrauen war wohl nur geheuchelt. Im Moment gehen alle von Hilfe für Irland aus und damit wird die wohl auch kommen ...)

FT Alphaville: Standing up for Ireland ♣

(Übrigens habe ich nie gesagt, dass Irland ohne Hilfe auskommt, ich habe nur gesagt, dass Irland eine größere Chance hat, ohne Hilfen auszukommen. Und wenn man ganz genau liest, habe ich nicht über die Hilfe spekuliert. Ich habe vielmehr gesagt, dass ich Irland eine höhere Chance für einen Turnaround gebe als Griechenland. Also wenn man es in eine Wette fassen würde, hieße die: Wenn Irland Pleite geht (Definition: CDS wird getriggert), geht es Griechenland erst Recht (bzw. ist es wahrscheinlich vorher schon  gegangen).

Update (17:24):

Einen Kommentar in der FTD würde ich an dieser Stelle gerne noch empfehlen. Der schafft es zwar genausowenig die Lage umfassend auszuleuchten wie mein leicht wirrer Diskussionsbeitrag, aber immerhin kommt ein Kritikpunkt gut heraus, der bei mir untergeht: Die Kritik an der Politik der anderen Länder, also Merkel und Sarkozy, die sich mitten in der Krise hinstellen und eine Beteiligung der Gläubiger bei der nächsten Pleite fordern. Was dann die letzten treuen Anleger aus den irischen Anleihen vertrieben hat: Rendite vor der Ankündigung 6%, jetzt 8,x%.

FTD: Lasst die Iren in Ruhe

Dass die Ankündigung einer Beteiligung Großbritanniens am Rettungspakets in Irland mit wenig Wohlwollen aufgenommen wird, ist ein anderer Aspekt, der nicht ganz unwichtig sein könnte (auch wenn die Briten nur ihre eigene Bank, nämlich die RBS retten ... (siehe Jetzt fallen schon die britischen Banken wegen Irlands Problemhypotheken …)

Update 2 (20:52):

Ein Kommentar vom Standpunkt Irlands aus bei der BBC:

BBC: Viewpoint: Ireland's robust economy knocked off course

Zahl des Tages (16.11.10): Null

Hoah, macht hin. Um 20:00 Uhr eine Pressekonferenz zu Irland anzusetzen und jetzt ist es 22:00. Ich will ins Bett. Es heisst Zahl des Tages, nicht Zahl der Nacht ;-)

Ah Mr. Juncker ...

Irland spart 6 Mrd. bereits 2011. Wir vertrauen Irland. 2014 wird alles in Ordnung sein. Blabla.

AAAABBBBEEERRR wir laden die Iren ein, das jährlich zu überprüfen ... (Einladen ist ein schönes Wort).

However ...

Der Druck bleibt. Die bösen Finanzmärkte. Wir geben jede mögliche Unterstützung. Und wir haben das Geld. Wenn Irland denn fragen sollte ...

Es hört sich stark so an, als gäbe es

NULL

Ergebnis der Verhandlungen ...

Portugal soll bitte noch mal etwas detaillierter erläutern, wie das Land die Wende schaffen will. Obwohl wir vertrauen der portugiesischen Regierung, bla bla ...

Und nun zu Griechenland. Wir vertrauen immer noch, dass das Defizit bis 2014 wie geplant reduziert werden kann. Wir haben die Erhöhung des Haushaltsdefizits für 2009 durch die Eurostat zur Kenntnis genommen. Bessere Statistik. Blabla.

Tjoah, jetzt kommen die Fragen. Es gibt keine Hilfe für Irland und auch keine Hilfe für die irischen Banken.

Es kommen jetzt die lustigen Fragen z.B. die vom WSJ, was eigentlich vom EU-Banken-Stresstest zu halten sei, der noch vor wenigen Monaten das Ergebnis hatte, dass die irischen Banken OK seien ... Naja, aber die Fragen sind nicht wirklich neu ...

Update (22:23):

Das war die erste und letzte Zahl des Tages, die ich als so eine Art Liveblogging verbraten habe. Das macht glaube ich keinen Sinn.

Scobel Dokumentation zur Lobbykratie auf 3sat

Der TV-Hinweis für heute Abend. OK, kam schon vor gut einem Monat, aber irgendjemand hat das zum Glück bei Youtube eingestellt:
Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

China will Inflation mit Preiskontrollen bekämpfen

Gerade kurz einen interessanten Datenpunkt ergoogelt, den ich erst zu einem kurzem Tumleposting verwurschten wollte. Aber dann habe ich doch noch zwei weitere passende Nachrichten eingebaut, daher etwas länger und folgerichtig hier.

Die Chinesen versuchen inzwischen geradezu verzweifelt ihre heißlaufende Konjunktur abzukühlen. Zwar sind die Wachstumsraten schon zurückgegangen und nun wieder einstellig, allerdings hat sich die Inflation noch nicht beruhigt, im Gegenteil: in der letzten Woche wurde für den Oktober ein Verbraucherpreisanstieg von 4,4% gemeldet. Das ist deutlich mehr als von der chinesischen Regierung erwünscht (Steigende Verbraucherpreise: Inflation beutelt Chinas arme Massen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft).

Der Grund dahinter ist einfach: China erstickt in Geld. Über den Exportüberschuss strömt jeden Monat neues Geld ins Land und raus kommt es nicht so einfach wieder (die Chinesen dürfen nicht einfach im Ausland investieren). In China gibt es somit immer mehr Geld.
Befeuert wird die so schon steigende Geldmenge durch weiterhin kräftige steigende Kreditvolumina. Die Geldmenge M2 lag im Oktober 2010 um 19,3% über dem Vorjahresmonat. Die Geldmenge wächst also mehr als doppelt so stark wie die Wirtschaft. Das ist viel!

China October New Lending 587.7 Billion Yuan, Central Bank Says - Bloomberg.com

Der klassische Mechanismus der diese - in China außergewöhnlich große - Lücke schließt, heißt Inflation. Tjoah, da wünsche ich den Chinesen viel Erfolg mit Preiskontrollen.




Wobei ich nicht einmal ausschließe, dass diese funktionieren (was konkret heißt, die Preissteigerung bei Lebensmitteln begrenzt). Allerdings kann sich Inflation vielfältig äußern: Es können neben Lebensmitteln ja auch Immobilien oder Aktien steigen. Und solange die Immobilien oder die Aktien teurer werden, sind auch erst einmal alle glücklich. So wie 2006, 2007 oder 2008 in den USA. Bis die Blase platzt und dann alle jammern. Steigende Vermögenspreise sind auch nichts anderes als Inflation, nur halt eine, die erst einmal ein paar Jahre glücklich macht. Aber je länger die Party, desto schlimmer der Kater.

Die Börsen geben bereits kräftig nach, weil die Börsianer weitere Bremsmanöver der chinesischen Regierung und der Notenbank erwarten. Es gab ja bereits Leitzinserhöhungen, eine Erhöhung der Mindestreservepflicht (Banken müssen mehr Geld bei der Notenbank hinterlegen, was logischerweise nicht mehr verliehen werden kann, also das Volumen der vergebenen Kredite senkt (wovon allerdings noch nichts zu spüren ist, siehe M2)) und mehrfach verschärfte Kreditvergabebedingungen für den Immobilienkauf (Nur der Kauf der ersten Wohnung darf weiterhin mit 20% Eigenkapital erfolgen, der zweite muss mit 40%, alle weiteren sogar mit 100% Eigenkapital erfolgen).
Genutzt hat das alles noch nichts und jetzt zittern die Börsianer vor den nächsten Schritten, die ungleich härter ausfallen könnten. Am Tag der Inflationszahlen in der letzten Woche sackte die chinesische Börse um 5% nach unten, heute kamen nochmal 4% Minus dazu.

Vielleicht lassen sich die Chinesen doch noch davon überzeugen, dass sie ihren Exportüberschuss abbauen müssen. Am elegantesten ginge das mMn über eine steigende chinesische Währung, was gleichzeitig den Vorteil hätte, dass dadurch Importe billiger würden, was die Inflation senken würde. Überschätzen würde ich den Effekt der Importpreise nicht (der Großteil der Inflation dürfte auf steigende Löhne zurückgehen), aber ganz unwichtig ist er auch nicht.

Zahl des Tages (15.11.10): 17.000.000

Heute mal eine frühe Zahl des Tages, aber ehrlich glaube ich nicht, dass noch was Interessanteres kommt ...

Der Spiegel berichtet heute, dass sich die Aktienkursmanipulationsgeschichte deutlich ausgeweitet hat. Inzwischen wird gegen 30(!) Journalisten ermittelt, die über 1 Millionen Leser erreicht haben sollen. Da sollten neben Focus Money noch ein paar andere "mit im Boot" sein. Von den beiden (wichtig: Ehemaligen) Börse-Online Mitarbeitern wissen wir ja schon. Jetzt würde mich natürlich brennend interessieren, wer noch in dem Sumpf steckt. Bei 1 Millionen Lesern müsste ja noch jemand irgendeine große Publikation dabei sein ... Oder sollten das eventuell nur die ganzen Pusher-E-Mail-Newsletter sein oder die Foren wie Wallstreet-Online etc. mit in die Reichweite eingerechnet worden sein?

Die gute Quelle der Staatsanwaltschaft für neue Daten scheint das Laptop von Tobias Bosler zu sein, anhand dessen die Staatsanwaltschaft wohl die komplette Planung für den Push von Digital Ecosystems später Petrohunter nachvollziehen konnte.

Insgesamt soll die Truppe mehr als

17.000.000 (17 Millionen) Euro

verdient haben, Bosler davon allein 13,6 Millionen (was mir allerdings ziemlich viel erscheint, wenn da so viel andere beteiligt waren ... Der ganze Rest soll sich mit 3,4 Millionen zufrieden gegeben haben?).

Ich glaube, in dieser Affäre wird noch eine Menge rauskommen. Nicht unbedingt an Verurteilungen. Im besten Fall landet traditionell ein Anstifter im Knast und der Rest, der dem Richter irgendwie klarmachen kann, er wäre nur Mitläufer gewesen, kommt gegen Zahlung einer Geldstrafe davon. Und die Geldstrafe ist meistens niedriger als der Gewinn, der vorher "erwirtschaftet" wurde. Weil - zur Vereinfachung des Verfahrens - oft nur ein oder zwei Fälle von vielen detailliert untersucht und zur Anklage gebracht werden und die ganzen anderen, kleineren (oder auch komplizierteren) Sachverhalte eingestellt werden.

Mal schauen, vielleicht wird es dieses Mal anders ...

Spiegel: Affäre um Aktienmanipulationen weitet sich aus

Die ganze Geschichte entwickelt sich übrigens schon lange ...

22.12.2007: WUH. ICH DACHTE, NASCACELL WÄRE ÜBEL ...
22.07.2008: SDK UND WIRECARD IM KREUZFEUER ...
23.07.2008: SDK VIZE STRAUB TRITT ZURÜCK
02.08.2008: EIN LINKHINWEIS ZUM STRAUB/SDK KOMPLEX
06.08.2008: KURSMANIPULATION UND DIE SDK MITTENDRIN?
12.08.2008: NOCHMAL WAS ZUR SDK/NASCALELL/PETROHUNTER/FOCUS MONEY
23.09.2010: Großrazzia bei Anlagebetrügern (u.a. SdK)
24.09.2010: Spiegel: Razzia blamiert Anlegerschützer
26.09.2010: egghats Zweitblog: Neues zur Pennystock-SDK-Affäre


14.11.2010: Janich bei Telepolis


Andere Links zum Thema:

23.5.2000(!): Emissionsmarktplatz.de: Spiegel" versus "Focus": Anlagetipps in Grauzone

P.S: Lohnt sich der Spiegel-Artikel? Wollte den gerade für mein iPad kaufen, aber die wollen einen Login. Da habe ich halt abgebrochen.

Zahl des Tages (14.11.10): 19

Der G20-Gipfel ist zwar vorbei und bei den beiden Hauptpunkten - Exportüberschüsse und drohender Währungskrieg - ist nichts passiert. Vielleicht ein ganz guter Zeitpunkt, noch mal auf die Fundamentaldaten zu schauen.

Ich hatte bei der Problemwährung Yuan vor Kurzem schon auf zwei Berechungen hingewiesen (ZAHL DES TAGES (02.11.10): 40%). Da gab es den Big Mac Index des Economist, demzufolge sich eine Unterbewertung des Yuan gegenüber dem Dollar um 40% errechnet, auf der anderen Seite die Berechnung der Kaufkraftparität von HSBC Trinkaus, die nur eine ganz leichte Unterbewertung der chinesischen Währung ergibt.

Da kommt in diesem immer um Ausgleich bemühten Blog eine Berechnung gerade recht, die ziemlich genau in der Mitte liegt. Der Analyst Dominic Wilson von Goldman Sachs schätzt, dass der chinesische Yuan um

19%

aufwerten muss, um die massiven Exportüberschüsse Chinas auf ein "natürliches" Niveau zu senken. Als "natürliches" Niveau gilt dabei wohl die von US-Finanzminister vorgeschlagene 4-Prozent-Obergrenze in der Handelsbilanz. (Wobei ich immer noch nicht weiss, ob Geithner wirklich die Handelsbilanz oder die Leistungsbilanz meinte. Drüben beim Herdentrieb gab es in der letzten Woche einen langen Artikel, dass sich Deutschland bei einer 4%-Grenze in der Handelsbilanz doch gar keine Sorgen machen müsse. Nur hat Geithner mMn die Handelsbilanz gemeint und nicht die Leistungsbilanz (Herdentrieb: An unsere Jungs in Seoul: Keine Angst vor Tim Geithner). Weiss das jemand? Beim Herdentrieb habe ich keine Antwort bekommen).

Wenn  nur über einen schwachen Dollar das US-Exportdefizit gesenkt werden soll, müsste der Dollar im Schnitt 10% gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA sinken.

Das würde einen Dollar von etwa 1,50 bedeuten. Die deutschen Exporteure dürften darüber wenig erfreut sein. Allerdings folgte auf den letzten Eurohöhenflug nicht wirklich eine Krise der deutschen Exporteure ...

Im Moment ist eine nachhaltige Eurostärke angesichts der Probleme in Griechenland und Irland nicht zu erwarten. Und wer weiss, wen die Finanzmärkte als nächstes attackieren. Portugal wäre nahe liegend, und sollten die Spekulanten im Fall Irland erfolgreich sein, könnte vielleicht sogar Spanien Probleme bekommen ...

Fortune: Goldman predicts deeper dollar drubbing

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