Verlierer des Jahres 2011

Ich beginne wie üblich mit den Leuten, die ich am Ende nicht gewählt habe

Nicht geworden ist es Middelhoff, auch wenn die FTD Wiwo die schlechtesten Managementleistungen des Jahres inzwischen in Middelhoffs misst ;-) 10 von 10 Middelhoffs schafft aber nur den Namensgeber selber ... (siehe Middelhoffs neue Erben: Die schlechtesten Managementleistungen des Jahres - Management - Erfolg - Wirtschaftswoche). Der bekommt von mir irgendwann einen Lifetime-Award für "jedes Jahr wieder auf der Liste sein" ...

Auch nicht gewählt habe ich Leo Apotheker, der es immerhin geschafft hat, den Börsenwert der altehrwürdigen Hightech-Ikone HP in seinen 10 Monaten Amtszeit pro Tag um knapp 5 Millionen Dollar zu verringern und sich für diese Leistung knapp 20 Millionen Dollar Gehalt zu genehmigen (siehe Ich habe versagt! Macht 10 Millionen bitte. - egghat's not so micro blog). Und man muss bei Apotheker bedenken, dass er Wiederholungstäter ist und vorher satte 9 (!) Monate Chef von SAP war ... Das ist eigentlich eine Nominierung wert ...

Ebenfalls nicht wählen wollte ich Karl-Theodor zu Guttenberg, weil dieser mit seinem Comeback kurz vor dem Jahresende bewiesen hat, dass er eben noch nicht am Ende ist.

OK, Westerwelle ist es auch am Ende, aber den hatte ich ja im letzten Jahr schon auf den Thron gehoben (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Verlierer des Jahres 2010)

Ein anderer heißer Kandidat aus der Finanzwelt war der Hedgefondsmanager John Paulson, der 2007 und 2008 mit Milliarden-Einkommen in den Ranglisten der bestverdienenden Fondmanager weit vorne lag, in diesem Jahr aber in seinen beiden klassischen Hedgefonds etwa 40% Minus eingefahren hat. Beteiligt war er unter anderem an Sino Forest (siehe FTD mit Sino Forest Geschichte - egghat's not so micro blog). Aber fast noch besser: Sein neuer goldbasierter Hedgefonds hat es geschafft, Mitte Dezember, zu einem Zeitpunkt als der Goldpreis noch etwa 13% im Plus lag, ein Minus von gut 10% aufzuweisen.

Aber all diese Hedgefondsheinis, Mismanager und sonstigen Graupen kann ich dieses Jahr nicht küren (aber an Euch: haltet den Kurs, 2012 gibt's eine neue Wahl!), denn das allesbeherrschende Thema war nunmal die Eurokrise. Und aus diesem Bereich muss ich die Wahl treffen.

Und wenn soll man da wählen? Die EZB (Trichet/Stark/...), die einige ihrer Grundsätze über Bord geworfen hat? Schwierig, weil ich die "unkonventionellen Maßnahmen" im Prinzip für richtig halte. Angela Merkel, weil sie mit ihrer sturen Politik maßgeblich zur Verschärfung der Eurokrise beigetragen hat? Fällt mir ebenfalls schwer, weil ich die am Ende erreichte Annäherung in der Fiskalpolitik innerhalb der Eurozone tendenziell für richtig (wenn auch nicht für ausreichend) halte. Oder einen Bankmananger? Ackermann? Blessing?

Nein, ich brauche einen klaren Verlierer. Einen der in richtig großen Dimensionen denkt. Und da fällt mir niemand anderes ein als

Silvio Berlusconi.

Und sei es nur, um ein paar Berlusconi Witze nochmal zu verlinken ;-)

Klarer Verlierer. Er war lange an der Macht, hat viele Skandale produziert, viele Gesetze für die Lösung seiner persönlichen Probleme produziert, aber vor allem hat er ein Land hinterlassen, das von einem der führenden G7-Staaten zu einem potenziellen Pleitekandidaten geworden ist. Und sich klar auf Platz 4 der Pleiteliste in der Eurozone geschoben hat, deutlich vor Spanien.

Italien muss nun 7% Zinsen für die zehnjährigen Staatsanleihen zahlen und trotz einer leichten Entspannung bei den kürzeren Laufzeiten liegt das deutlich über dem Niveau, das sich Italien leisten kann.

Die nun eingeleiteten Sparbemühungen werden das Land sicher in eine Rezession treiben und am Ende bleibt nur die Hoffnung, dass diese nicht zu tief wird und zu lange andauert. Denn wenn man schon im Fall von Spanien Angst haben musste, dass das Land zu groß für eine Rettung ist, ist bei Italien klar, dass das Land zu groß ist.

Dabei ist nicht das vorrangige Problem, dass das laufende Staatsdefizit Italiens so sonderlich groß wäre, sondern mehr die vergebenen Chancen in der Vergangenheit. Die niedrigen Zinsen, die Italien nach dem Eintritt in die Eurozone quasi geschenkt bekam, wurden zum überwiegenden Teil verfrühstückt und leider nur zum geringen Teil zur Schuldenrückführung genutzt.

Die italienische Wirtschaft hat zu wenig Innovationen vorzuweisen und gilt generell als verkrustet. Die Handelsbilanz, die noch Mitte der 90er Jahre deutlich positiv war, rutscht jedes Jahr tiefer in die roten Zahlen. Die Leistungsbilanz ist ebenfalls tiefrot, was auf Dauer den einzigen Pluspunkt, den Italien vorzuweisen hat, nämlich die relativ hohe Unabhängigkeit von ausländischem Kapital, deutlich schwächen wird.

Im PISA-Test ist Italien im Schnitt 4 Plätze zurückgefallen (und liegt auf den letzten Plätzen der industrialisierten Welt), während Deutschland etwa 7 Plätze gutgemacht hat (Wikipedia) und nun im oberen Mittelfeld liegt.

Und zuletzt, das kann angesichts der Wurzeln von Berlusconi nicht verwundern, kann Italien bei der Bekämpfung von Mafia und Korruption auch keine wirklichen Erfolge vorweisen ... Wert 2001 5,5; Wert 2011 3,9.

Da bleibt nur eines zu hoffen: Dass Berlusconi jetzt wirklich weg ist und nicht noch einmal zu einem Middelhoff-Guttenbergschen-Stehaufmännchen wird ... Und wenn 2012 ganz toll werden soll, möge ihn doch jemand erfolgreich vor ein Gericht zerren ...

Der Euro (bzw. der Druck der Märkte) hat auf jeden Fall schonmal Berlusconi zu Fall gebracht, es bleibt nur zu hoffen, dass Berlusconi sich nicht noch posthum rächt und den Euro zu Fall bringt ...

Update (18:37):

Habe die Erfindung der Einheit "Middelhoff" fälschlicherweise der FTD zugeschrieben, war aber die Wirtschaftswoche.

Frohe Weihnachten!

Verschenkt schöne Sachen, lasst Euch schöne Sachen schenken. Genießt die Tage mit Familien und Freunden. Und tauscht vor allem nicht alles um, was ihr über meinen Affiliate Link gekauft habt. Ich habe die Knete schon verprasst ;-)

Zahl der US-Immobilienverkäufe kräftig nach unten korrigiert

2007-2010 um durchschnittlich 14%.

Leser, die schon länger dabei sind, werden sich daran erinnern, dass ich vor drei, vier Jahren den US-Immobilienmarkt (in seiner Absturzphase) deutlich intensiver "bearbeitet" habe als aktuell. Das lag nicht zuletzt an der Immo-Wette, bei der ich auf eine Preisstabilisierung am US-Immobilienmarkt gesetzt habe.

Dabei gab es zwei Zahlen, die ich regelmäßig verbloggt habe, weil ich diese am wichtigsten fand:

a) Der Case-Shiller-Immobilienpreisindex (auf diesen lautete auch die Wette)
b) Die Zahl der Verkäufe von Bestandsimmobilien.

Letzteres wird von der NAR, der amerikanischen Maklervereinigung errechnet. Und wie sich jetzt zeigt, waren die Zahlen notorisch unzuverlässig, weil deutlich zu hoch ausgewiesen und mussten nach unten korrigiert werden:

2007: Von 5,65 Mio. um 11% auf 5,04 Mio.
2008: Von 4,91 Mio. um 16% auf 4,11 Mio.
2009: Von 5,16 Mio. um 16% auf 4,34 Mio.
2010: Von 4,91 Mio. um 15% auf 4,19 Mio.

Im Durchschnitt von 5,16 Mio um 14% auf 4,42 Mio. Damit war der Einbruch am US-Immobilienmarkt um einiges tiefer als bisher bekannt ...

So richtig überraschend ist das nicht, die NAR ist ja eine Lobbyvereinigung, die schlechte Nachrichten gerne übertüncht und schön schreibt.

Gründe für die Abwärtskorrektur gab es einige: Mehrfache Verkäufe innerhalb von 12 Monaten wurden mehrfach erfasst. An den Grenzen der Regionen wurden verkaufte Immobilien mehrfach erfasst. Und ein paar andere Sachen, nach denen man sich fragt, wie man diese Zahl jemals ernst nehmen konnte ...

Spannend sind die Auswirkungen der Korrektur:

Die allerwichtigste Zahl im monatlichen Bericht ändert sich nämlich nicht. Das ist der Bestand an unverkauften Immobilien in Monaten. Dazu wird die Anzahl der zum Verkauf stehenden Bestandsimmobilien durch die Anzahl der Verkäufe im letzten Monat geteilt. Damit weiss man, wie lange es theoretisch dauern würde bis alle Immobilien verkauft sind. Werte bei 4 oder 5 signalisieren einen Boom und steigende Preise, Werte über 8 einen Abschwung und sinkende Preise, zweistellige Werte gibt es nur in crashartigen Zuständen wie 2008.

Interessanterweise ändert sich durch die Korrektur aber eine viel wichtigere Zahl nämlich das US-BIP. Leider kann ich nicht sagen, um wie viel. Da der Anteil des Immobilien- und Bausektors aber auf historischen Tiefstwerten liegt, kann das eigentlich nicht viel sein ...


Man verdient gut als CEO ...

In 2011

36,47% 

mehr als 2010.

OK, zugegeben waren die zwei Jahre davor mager, aber selbst 2009 gab es - wenn auch nur leicht - wachsende Vergütungen für die Chefs der 500 größten US-Unternehmen, die im S&P 500 Index versammelt sind. Über alle Firmen des breiteren Russell 3000 Index sanken die Gehälter der Chefs minimal (0,3%).

Die CEO Gehälter, die doch immer erfolgsorientiert sein sollen (in der Praxis orientiert man sich am Aktienkurs), steigen also auch in Jahren wie 2008 oder 2009, in denen die Aktienkurse zum Teil massiv fallen. Und in Jahren wie 2010, in denen die Aktienkurse steigen, steigen die Gehälter sowieso. Und in diesen positiven Jahren - man kann es fast schon ahnen - ebenfalls stärker als die Aktienkurse.
Der Topverdiener - der CEO des Gesundheitsdienstleisters McKesson - hatte 2010 145,2 Millionen Dollar Einkommen - Gehalt, Aktienoptionen und Pensionszusagen. Die Top10 kamen im Schnitt immerhin noch auf 77 Millionen.

Leicht verzerrend in der Statistik sind die ausscheidenden CEOs, die am Ende ihrer Tätigkeit besonders viel Geld abgesahnt haben. 4 der Top 10 Verdiener kamen aus dieser Gruppe. Wenigstens eine Tatsache stimmt etwas milde: Die Banker, bisher immer weit vorne, kamen nur noch selten auf die Spitzenränge (wobei die Manager von Hedgefonds etc. von der Statistik auch nicht erfasst wurden. Da kamen (übrigens in diesem Jahr ziemlich strauchelnde) Topverdiener sogar auf Milliardeneinkommen, siehe HEDGEFONDS STARMANAGER JOHN PAULSON SAHNT 5 MILLIARDEN DOLLAR AB).

Gleichzeitig stagnieren die Gehälter des Durchschnittsangestellten in den USA, was nach Berücksichtigung der Inflation zu einem Nettokaufkraftverlust führt.

Und da wundert sich noch jemand, dass die Leute von Occupy Wall Street auf den Straßen campen?
Dazu passend noch ein ach so wahrer und passender Dilbert:

Dilbert.com


Guardian: Revealed: huge increase in executive pay for America's top bosses

Update (09:05):

Upps, einen Punkt habe ich noch vergessen. Das Institut, das die Untersuchung durchgeführt hat, geht von weiteren kräftigen Steigerungen in den nächsten Jahren aus. Ursache sind die Aktienoptionen, die sich die Vorstände in den schwachen Börsenjahren gegönnt haben. Da die Kurse damals sehr niedrig waren, gab es nicht weniger Geld (wo käme man denn da hin aus CEO?), sondern einfach mehr Aktien. Mit den steigenden Aktienkursen seit dem Tief steigen nun die Einkommen aus diesen Aktienoptionsprogrammen massiv, stärker noch als die Einkommen aus den älteren Aktienoptionsprogrammen aus der Zeit vor der Krise. Und letztere waren ja auch nicht sooo schlecht für die CEOs, man denke nur die Einnahmen, die selbst mitten in der Krise zuverlässig flossen.

Arm-stirbt-eher-"Studie" der Linken nur ein Statistik Fail?

Es ging durch alle Medien (z.B hier "Völlig dramatisch": Geringverdiener sterben früher - Leben & Stil - sueddeutsche.de), auch ich habe gestern auf Twitter darüber diskutiert.

Aber wie so oft bei Statistiken ist es fahrlässig über (vermeintliche) Ergebnisse zu diskutieren, wenn man sich die Statistik nicht im Detail angeschaut hat und *genau* weiss, was darin steckt ...

Und die Einordnung "oft" im Satz oben ist eigentlich auch noch durch "immer" zu ersetzen, wenn die Quelle des Ergebnisses im weitesten Sinne im Feld Politik anzuordnen ist. Denn dort wird fast immer versucht, mit Statistiken zu manipulieren ...

Gut, dass es noch Leute gibt, die auf solche Sachen nicht reinfallen ... Wie Björn Schwentker, der seine Einschätzung in einem sehr guten Artikel dargelegt hat (Danke an @Holgi für den Hinweis):

Lebenserwartung von Geringverdienern steigt

Die allerkürzeste Zusammenfassung ist: Nicht Genaues weiss man nicht. Die Aussage der Linken ist aus den Zahlen nicht seriös herzuleiten.

Detaillierter:

a) Wenn man (wie die Linke) die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung nimmt, bekommt man zuallererst nur eine Aussage über die rentenversicherten Niedrigverdiener. Damit fehlen
  • die nicht rentenversicherten Niedrigverdiener (nie bzw. zu wenig gearbeitet), 
  • die nicht rentenversicherten Besserverdiener,
  • Frauen fehlen übrigens (bei der Linken, nicht bei der DRV) komplett,
  • und alle bereits vor dem 65. Lebensjahr Verstorbenen.
Schwentker spekuliert nicht darüber, in welche Richtung sich die Lebenserwartung ändern würde, wenn man dieser Personengruppen berücksichtigen würde. Auch ich lasse das, wichtig ist nur, dass in den Zahlen, die die Linke als Basis genommen hat, nicht alle relevanten Personen erfasst werden. Damit sind erste Zweifel angebracht.

b) Selbst wenn man die Zahlen der Deutschen Rentenversicherer nimmt, muss man Vorsicht walten lassen. Denn die Grundgesamtheit der Rentner ändert sich über den Zeitablauf natürlich und das ist in diesem Fall sehr entscheidend.

Wenn viele neue Rentner nachrücken, sinkt das durchschnittliche Alter der Rentner. Und damit sinkt die durchschnittliche Restlebenserwartung. Das hört sich erstmal sehr komisch an, aber nach der Lektüre des Artikels von Schwentker sollte das klarer werden. Wenn nicht, bohre ich das mit einem Beispiel nochmal weiter auf.

Achtung: Die Zahlen sind Wurscht, es geht nur um die Veränderung der Verteilung ...

Angenommen wir haben 200 Rentner, die 65, 100 die 75 und 30 die 85 Jahre alt sind. Die Sterbewahrscheinlichkeit beträgt 1%, 5% und 10% für die jeweiligen Altersgruppen (stimmt sogar grob).

Dann sterben 2 der 65jährigen im laufenden Jahr,  5 der 75jährigen und 3 der 85-jährigen. Damit ist die durchschnittliche Lebenserwartung 12 Jahre (((2*1)+(5*11)+(3*21))/10).

Kommt nun ein Schwall von jungen Rentnern hinzu und wir haben nun 300 65-jährige, 100 75-jährige und 30 85-jährige (die Sterbewahrscheinlichkeit ändert sich keinen Deut), sterben nun 3 der 65-jährigen im laufenden Jahr,  5 der 75-jährigen und 3 der 85-jährigen. Damit ist die durchschnittliche Lebenserwartung 11 Jahre (((3*1)+(5*11)+(3*21))/11), also ein ganzes Jahr niedriger.

Selbst wenn die 65-jährigen wesentlich seltener sterben als die 85-jährigen, reicht allein der Anstieg der Zahl der jungen Rentner aus, um die durchschnittliche Restlebenserwartung zu senken.

Interessant, gell?

Zusammengefasst kann man die Aussage, die die Linke getroffen hat, aus den Daten, die die DRV (bis dato) zur Verfügung gestellt hat, nicht ableiten. Sowohl die ganzen fehlenden Menschen, die in Punkt a stecken, als auch die statistischen Effekte, die ich (hoffentlich verständlich) in Punkt b erklärt habe, lassen eine solche Ableitung unseriös erscheinen ...

Glaube keiner Statistik, die du nicht selber verstanden hast ...

Schwentker erklärt auch noch schön, dass die von der DRV errechnete Lebenserwartung sich schon deutlich von der Restlebenserwartung (die die Linke verwendet hat) unterscheidet. In einem Zeitraum, in der die Linke schon einen Rückgang errechnet hat, kommt die DRV sehr wohl noch auf eine steigende Lebenserwartung.

Eine wichtige Anmerkung zum Schluss: Die grundsätzliche Kritik, die die Linke äußert, mag durchaus gerechtfertigt sein. Denn wenn man die Zahlen (und zwar alle) nimmt, steigt die Lebenserwartung der Niedrigverdiener zwar, aber wohl langsamer als die der Normal- und Besserverdiener (alles unter Vorbehalt, weil die Zahlen zur Lebenserwartung nur bis 2006 vorliegen). Auch das schon wäre ein Anlass für politisches Handeln, die Aussage, dass die Lebenserwartung der Niedrigverdiener sinkt, stimmt trotzdem nicht.

Wer Lust hat, kann den Effekt ja mal mit den richtigen Werten aus der Sterbetafel und der wirklichen Altersverteilung der Bevölkerung durchrechnen.

destatis.de: Amtliche Sterbetafeln (PDF)

(Wenn mir das jemand bezahlt, mache ich das auch ...)

Bin mal gespannt, wie viele Medien jetzt diesen Disclaimer bringen und wie viele den alten "völlig dramatisch"-Artikel, auch wenn er eigentlich nicht zulässig, womöglich sogar falsch ist, einfach unkommentiert stehen lassen ...

10.000 Kunden stürmen lettische Geldautomaten

Bankrun! Panik!

Schreiben alle. Aber ist es auch so? Ich war ja schon heute morgen skeptisch (siehe Bankrun in Lettland? Ich zweifle. Das Video, das... - egghat's not so micro blog)

Machen wir mal den Crosscheck, den die Journalisten scheinbar nicht mehr machen :-(

Visa meldet 863 Geldautomaten in Lettland. Macht bei (angeblichen) 10.000 Kunden, die heute die Automaten gestürmt haben sollen, knapp 12 Kunden pro Geldautomaten.

Häh? Das soll ein Bankrun sein?

Die 10.000 Kunden kann ich einordnen (und die sehen nicht wirklich nach Bankrun aus), die 28 Millionen Euro, die heute abgehoben wurden, nicht. Aber sooo wahnsinnig viel hört sich das auch nicht an ... Leider finde ich für Deutschland keine Antwort auf die Frage "wie viel Geld wird in Deutschland pro Tag abgehoben", über die man unter Umständen ableiten könnte.

Ganz generell frage ich mich auch noch, ob die Zahl der Leute, die sich Geld am Geldautomaten abheben, so wahnsinnig relevant ist. Denn die Leute, die kritisch sind, weil sie viel Geld haben, gehen doch nicht zum Automaten ...

Aber so ist das halt: Debunking bringt keinen Artikel. Ach so, halt doch ;-)

Gerüchte um Swedbank: Panische Letten ziehen Millionen von Bankkonten ab | FTD.de
Lettland: Sturm auf Geldautomaten - Wirtschaft - FAZ
Letten räumen Konten bei Swedbank leer | tagesschau.de

Griechenland Haushaltsdefizit 2011: -10,6% (Planung -9,0%)

Und das schlimmste daran: Die Defizite für November und Dezember kommen noch oben drauf, die Zahl enthält nämlich nur die ersten zehn Monate. Auch wenn das Weihnachtsgeschäft wichtig ist und auch wenn die Steuererhöhungen langsam Wirkung zeigen sollten, wird das Defizit wohl noch wachsen ...

Wer weiss, vielleicht wächst das Defizit von aktuell

10,6% des BIPs

sogar noch über 12% des BIPs ...

Zur Erinnerung: Die Sparprogramme sollten das Defizit bereits 2010 auf 7,8% des BIPs drücken (es wurden am Ende 10,6%). 2011 sollte es in den Bereich von 5% des BIPs gehen. Das korrigierte man schon Anfang 2011 schnell auf 7,6% des BIPs, im Mai auf 9,5%.

(Es gibt immer mehrere Zahlen, manche aus Griechenland, manche von der Troika und da ich immer unterschiedliche verbloggt habe, geht das etwas durcheinander; hier ist ein Teil der Defizitplanung: Griechenlands Schuldenstand jetzt bei 157%/BIP - egghat's not so micro blog).

Anders gesagt: Griechenland hat nach 2 Jahren massiver Sparprogramme und Rezession, die die Wirtschaftsleistung um 10% (oder so) reduziert hat, sein Haushaltsdefizit von 16(?) auf 12 (?) Prozent des BIPs gesenkt. Jetzt rechnet das mal hoch! (Darf und kann man natürlich nicht, aber man bekommt trotzdem einen Eindruck davon, wie unglaublich schwer (wenn nicht gar unmöglich?) das Wegsparen eines solchen Defizits ist).

Das Update von heute:

ekathimerini.com | Targets become unattainable

Das Spiel mit der permanenten Anpassung des Defizitplanung habe ich für 2012 schonmal sicherheitshalber begonnen. Die 5,4%/BIP Budgetdefizit, die jetzt für 2012 geplant werden, sind sowas von völlig unrealistisch, dass es schon weh tut ... Eine Halbierung des Defizits in einem Jahr? Niemals.

Kurz einloggen: Griechenlands Haushaltsplanung - egghat's not so micro blog

Und das meine nicht nur ich ... Eine längere und sehr gute Analyse findet sich hier, unter anderem aufgeschlüsselt nach Einsparungen und Steuererhöhungen:

Greek Default Watch: Does Greece’s 2012 Budget Make Sense?

Kurzversion: Die Haushaltsplanung wird nicht aufgehen, vor allem in dem konjunkturellen Umfeld, wie ich es für 2012 erwarte, lauern da noch derbe negative Überraschungen ...

Was aus dem mal geplanten Primärüberschuss für 2012 werden soll (habe ich ja immer dran gezweifelt, sehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die volle Zahlendröhnung aus Griechenland IV - Primärüberschuss), müsste man auch mal wieder schauen. Das wäre aber ein zweiter Artikel ...

Aber weil ja Wochenende ist und ich mich immer um eine positive Zahl bemühe ... Die Arbeitslosenquote für September wurde auf 17,5% geschätzt. Eine leichte Erholung gegenüber dem Horrorwert von 18,4% (siehe GR: Jugendarbeitslosigkeit 08/11: 43,5% - egghat's not so micro blog), aber weiterhin ein kräftiger Anstieg gegenüber dem Vorjahr (12,6%). Die Jugendarbeitslosigkeit liegt übrigens bei --- , halt stop, keine schlechten Nachrichten mehr vor dem Wochenende ... Wenn ihr stark seid, schaut selber nach:

ELSTAT: LABOUR FORCE SURVEY: September 2011 (PDF!)

Citigroup: Eurozone vor langer Rezession

6 Quartale mit Wachstumsrückgang in Folge, schlimmer als in Japan ...

Ich bin ja schon seit einiger Zeit skeptischer als der Konsens (nein, bin ich nicht immer ...) und glaube nicht mehr nur an eine leichte Rezession. Zwar deutet die relativ robuste Weltwirtschaft durchaus in diese Richtung, allerdings tun wir in Europa auch wirklich alles, um die Konjunktur intern abzuwürgen :-( (siehe dazu auch Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Das größte Problem in der Eurokrise ist die Ansteckungsgefahr und Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der Banken-Marsch in Europa geht weiter)

Den staatlichen Sparmaßnahmen haben sich inzwischen alle Länder bis auf den alten D-Mark-Block angeschlossen. Selbst Frankreich steht nun auf der Ausgabenbremse, Österreich etwas vorsichtiger ebenfalls. Gleichzeitig werden die Banken mitten im Abschwung gezwungen, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. Was man dummerweise nicht nur über eine Erhöhung des Eigenkapitals machen kann, sondern auch durch eine Senkung der Kreditvergabe. Damit stehen Verbrauchern und Firmen weniger Kredite zur Verfügung, was weniger  Investitionen nach sich zieht und die Wirtschaft dämpft.

Das kommt alles noch auf den eh schon seit 2008 anhaltenden Prozess des Deleveraging oben drauf. Die Banken hatten zu hohe Hebel und haben begonnen, ihre Bilanzsummen zu reduzieren (bis auf den Staatsanleihenteil, der ja nur mit unterdurchschnittlich wenig bis gar keinem Eigenkapital hinterlegt werden muss). Die Verbraucher auf der anderen Seite haben ebenfalls ihre Schulden reduziert, zumindest in vielen Ländern. Und nun schließen sich auch noch die Staaten an.

Das geht nicht gut, wenn das alle gleichzeitig machen! Das kann nicht gut gehen!

Im Citigroup-Bericht steht übrigens angeblich, dass die Rezession im 4. Quartal 2012 beginnt, aber das muss eigentlich ein Fehler von FT Alphaville sein und 2011 gemeint sein.

Etwas Tröstliches noch zum Schluss: Wenn man sich die Grafik der Prognose anschaut, wird die Rezession 2.0 immerhin vergleichsweise mild und keinesfalls so hart wie die erste Rezession 2008.


Und noch etwas Tröstliches: Willem Buiter rechnet damit, dass die erhöhten Anforderungen für da Eigenkapital bis zum Sommer 2012 noch geknickt, mindestens aber zeitlich gestreckt werden. Das könnte etwas Entlastung bringen.

Aber ehrlich gesagt: Viel Tröstliches habe ich nicht zu bieten. "Konjunkturprogramm" wird 2012 wieder trenden ...

FT Alphaville: Not even in Japan…

Ha, da ist das erwartete "Outlook Negative" für Frankreich.

Und unerwartet für EuropAAA gleich mit.

Im Klartext: S&P senkt den Ausblick nicht nur Frankreich, sondern auch für Deutschland, Finnland, Österreich, Luxemburg und die Niederlande auf "negativ".

Sollten sich die Spannungen in der Eurozone weiter verschärfen, kann sich Standard & Poors vorstellen, allen 6 Länder das Triple-A Rating zu entziehen.

FT Alphaville: S&P plays Grim Reaper for the upcoming death of AAA

Ob die Alternative einer der europäischen Politiker auf der Agenda hatte? Vor allem in Berlin?

Es ist aber noch keine offizielle Nachricht, sondern ein "Exclusive" der Financial Times.

Update (20:52):

Damit wäre der Triple-A EFSF (und auch ESM) Geschichte. Und - nicht zu vergessen - ein Triple-A bewerteter Eurobonds ebenfalls.

Wobei - wenn auch sonst niemand mehr AAA ist - ein AA+ gerateter Emittent problemlos Geld bekommen sollte.

Update 2 (21:33):

Gerüchteküche verbloggen ...

Jetzt sollen angeblich sogar alle 17 Eurozonenländer auf "Ausblick negativ" gesetzt werden und nicht nur die Triple-A-Länder. Wäre bei der Begründung auch nur allzu logisch.

UK fehlt noch, wenn ich das anmerken dürfte, liebe Ratingexperten bei S&P. Die kommen im Leben nicht ungeschoren durch einen möglichen Eurozusammenbruch.

Update 3 (22:39):


So jetzt tickert es bei Reuters:

Slowakei,
Italien,
Estland,
Belgien,
Portugal,
Finnland,
...

OK wohl alle (bis auf Griechenland, die sind bereits auf negativ):

Standard & Poor's Puts Ratings On Eurozone Sovereigns On CreditWatch With Negative Implications (nur nach Anmeldung) oder hier kopiert: http://www.zerohedge.com/news/here-comes-sp-downgrade-barrage


Eine Stufe für die 6 AAA-Länder Deutschland, Luxemburg, Finnland, Österreich, Niederlande und Frankreich, 2 Stufen für den "Rest" (bis auf die Ausnahme Griechenland, s.o.)

Update 4 (22:55):

Frankreich kann doch zwei Stufen heruntergestuft werden. Die restlichen 5 (Noch-) AAA-Länder aber nur um eine. Da könnte man durchaus annehmen, dass eine Herabstufung Frankreichs wahrscheinlicher ist als bei den anderen Ländern ...

Italien und Spanien habe ich noch nachgeschaut, bei beiden kann es ebenfalls zwei Stufen runtergehen. Italien hätte danach gar kein A mehr ... Die anderen Länder klemme ich mir jetzt.

Interessant auch noch: Die Überprüfung soll schon am 9.12. nach dem EU-Gipfel erfolgen ... Das könnte noch ein eine böse Weihnachtsüberraschung geben ... Merry ChristmAAs oder so.

Update 5 (06.12.11):

Eine Ergänzung + Korrektur:

Griechenland konnte nicht mit negativem Ausblick versehen werden, weil das Rating von CC diesen Ausblick quasi schon enthält. Das zweite Land, das nicht mit Ausblick negativ versehen wurde, ist Zypern, denn dort war der Ausblick bereits negativ.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle auch nochmal darauf hinweisen, dass Moody's eigentlich eine ähnliche Herabstufung schon angedroht hat. Sollten in der Eurozone keine geeigneten Maßnahmen getroffen werden, würde Moody's alle Ratings auf die Überprüfungsliste setzen.  Moody's hat (und nur da liegt der Unterschied) auf die formelle Einstufung auf "Ausblick negativ" verzichtet.

Schuldenkrise: Moody's warnt vor Zerfall der Euro-Zone | FTD.de

Update 6:

Wie ich schon im ersten Update schrieb, ist damit ein AAA-bewerteter EFSF (oder ESM) ebenfalls Geschichte. Heute hat S&P auch daran gedacht und das entsprechende Update hinterhergeschoben:

Topbonität in Gefahr: Standard & Poor’s droht auch dem EFSF - Europas Schuldenkrise - FAZ

Warum das wieder einen ganzen Artikel wert sein soll, verstehe ich allerdings nicht so ganz. Das war doch nur allzu logisch ...


Ein Lied von Helge an Angela Merkel

Tschuldigung, bin gerade ein wenig albern ;-)

Also das Lied eines überzeugten Europäers an Madame No:



Und vielleicht noch eins für meine Vodka-O-trinkenden Leser.




Schönes Wochenende!

US-Arbeitslosenquote 11/11: 8,6% (-0,4 Vm, -1,2 Vj)

Interessanter Bericht vom US-Arbeitsmarkt für den November 2011. Superheadline (8,6% Arbeitslosenquote), in den Details aber nicht soooo bombastisch gut, wie es die Überschrift ankündigt.

Zu den offiziellen Zahlen für den November 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -594.000 auf 13,303 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +278.000 auf 140,580 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,6% (-0,4 zum Vormonat, -1,2 unter dem Vorjahresmonat).

Die Zahl der NILFs stieg im November allerdings wieder KRÄFTIG um 487.000.  Der Rückgang von 594.00 ging also 487.000 mal auf die Ausbuchung von Arbeitskräften in die Schublade NILF (not in labor force) zurück. In dieser Schublade stecken nun fast 1,8 Millionen Menschen mehr als im Vorjahresmonat.

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung) stieg wie im Vormonat leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 58,5% (Vorjahr: 58,2%).

So toll wie der Rückgang der Arbeitslosen um 594.000 ist ... Nach der Berücksichtigung der Umbuchung der NILFs bleiben davon nur 107.000 übrig.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, decken sich mit den "bereinigten" Arbeitslosenzahlen.

Anzahl der Jobs: +120.000 gegenüber Oktober 2011 auf 131,708 Millionen. 140.000 neuen Jobs im privaten Sektor stand ein Verlust von 20.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Wirklich stark wurde der zweite Teil des Arbeitsmarktberichts durch die Korrekturen der Vormonate: Das Plus aus dem September von 158.000 auf 203.000 (erste Meldung 103.000) nach oben korrigiert, der Oktober von + 80.000 auf +100.000. Zusammen also 65.000. Damit setzt sich die Reihe kräftiger Aufwärtskorrekturen aus den Vormonaten fort.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche änderte sich nicht und blieb bei 34,3 Stunden. Auch die Zahl der Überstunden blieb konstant bei 3,2 Stunden.

Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank deutlich um 0,6 Prozentpunkte auf 15,6%. Das ist inzwischen deutlich besser als im Vorjahr (16,3%).

Dieser Monatsbericht ist etwas schwierig zu bewerten. Er ist im großen und ganzen gut. Die 120.000 neuen Jobs sind etwas mager, zusammen mit den 80.000 "hinzukorrgierten" aus den beiden Vormonaten aber gut. Die +278.000 Arbeitenden aus der Haushaltsumfrage setzt den Wert ja in der gleichen Ecke fest. Den kräftigen Rückgang der Arbeitslosenquote darf man nicht überbewerten, da der Rückgang der Arbeitslosenzahl zu 80% aus die umgebuchten Arbeitskräfte in der NILF zurückgehen (Not in labor force), sie stehen dem Arbeitsmarkt also nicht mehr zur Verfügung.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – November 2011

Money. Money. Money.

Als ehemaliges Zahl des Tages Blog kann ich mir das natürlich nicht entgehen lassen:

Millionen, Milliarden, Billionen.

Einnahmen und Ausgaben des US-Haushalts.
Vermögen, der Milliardäre.
Kosten des Wahlkampfs.
Die Vermögensverteilung in den USA (im Trillions-Bereich, also den europäischen Billionen).
Die Entwicklung der CEO-Gehälter.
BIP-Entwicklung.

Alles in nur einer Grafik, die allerdings ein echtes Monster ist. Hier nur ein Screenshot davon, mancher Browser dürfte mit der Monstergrafik überfordert sein.


Das Original ist 12.528*8.352 Pixel groß. Viel Spaß zum Scrollen und Klicken am Wochenende ;-)

Es sei denn, man hat 30 Apple Thunderbolt Displays in einem 5*6 Raster vor sich aufgebaut und dann noch zufällig die passende Grafikkarte, die sowas auch ansteuern kann (sowas gibt es aber nicht, oder?). Ich wäre allerdings auch schon mit einem Thunderbolt Display glücklich ;-)

Die ganze Version mit allen ihren Pixeln gibt's hier.

http://xkcd.com/980/huge/#x=-6416&y=-7872&z=2

Dort kann man das auch als Ausdruck bestellen. 15 Dollar (plus Porto) als 91*61 cm großer Ausdruck. Tolles Weihnachtsgeschenk, für alle, die schon alles haben.

Ist übrigens alles Open Source. Man kann sich das also auch selber ausdrucken und sogar die Rohdaten runterziehen und in alternativer Form selber rendern.

In dieser ganzen Datenvisualisierungsgeschichte steckt noch viel Potenzial, da schlafen die deutschen Medien noch (bis auf wenige Ausnahmen). Vielleicht sollte ich da mal mehr machen ...

Wieso kam Goldman Sachs eigentlich so gut durch die Lehman-Krise?

Die eigentlich zu simple, die eigentlich zu klar in der Verschwörungstheorie-Schublade liegende Antwort:

Weil der Ex-Goldman Sachs Mann Hank Paulson US-Finanzminister war.

Die Wahrheit:

Hank Paulson’s inside jobs | Felix Salmon

Spoiler-Alert: Es steht genau das drin, was die Verschwörungstheoretiker immer gesagt haben ...

Bereits Monate vor der Lehman-Pleite sprach Paulson über diese Möglichkeit mit Goldman Sachs Managern. Kein Wunder, dass Goldman Sachs fast keine Positionen mit Lehman mehr hatte ...

Schön, dass sich die Goldman Connection jetzt auch in Europa entscheidende Informationsvorteile gesichert hat: Monti (Italien), Dragi (EZB) und Papademos (Griechenland) kamen alle von Goldman Sachs.

:-(

Update (30.11.11):

Noch eine Anmerkung: Für eine solche Insiderinformation würde der gemeine Hedgefondsmanager einen Haufen Geld auf den Tisch legen ;-) Und - sofern er erwischt wird - wohl auch nachher in den Knast wandern. Aber als US-Finanzminister darf man sich das wohl erlauben ...


13 Mrd. Dollar Gewinn der US-Banken durch Fed-Hilfe

Die Fed hat sich lange gewehrt, die Zahlen zu den Notkrediten an die US-Banken zu veröffentlichen. Irgendwann geschah es unter dem Freedom of Information Act dann doch, aber die 29.000 (!) Seiten Papier waren ein so großer Batzen Daten, die es zu verarbeiten galt, dass auch heute noch Neuigkeiten aus den Daten gezogen werden können.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg ist dabei ganz weit vorne, um nicht zu sagen allein auf weiter Flur. Sie hatte unter anderem die Daten  der unterschiedlichen Hilfsprogramme zusammengerechnet und ist dabei auf eine maximale Gesamtsumme der Hilfen von 3,3 Billionen Dollar gekommen. Auch überraschende Details wie die Hilfen der US-Notenbank Fed an das Bundesland Bayern wurden dabei zu Tage gefördert (siehe Die Fed hat sogar Bayern (nicht die LB ...) mit Geld versorgt - egghat's not so micro blog).

Aber Bloomberg hat noch nicht aufgehört, die Daten weiter unter die Lupe zu nehmen. Inzwischen hat Bloomberg die Datensätze der Nothilfen scheinbar für jede Bank und jeden Tag einzeln in der Datenbank und kann damit genau sagen, welche Bank an welchem Tag wie viel Notkredit in Anspruch genommen hat.

Der Höhepunkt dieser Notkredite, die übrigens mit einem niedrigerem als dem üblichen Zins verzinst wurden, lag am 5.  Dezember 2008 bei 1,2 Billionen Dollar. Die großen 6 US-Banken (JP Morgan, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley) gönnten sich davon satte 460 Milliarden Dollar. Man sieht schnell, wie unglaublich Pleite die US-Banken waren und wie stark ihnen mit lebenserhaltenden Maßnahmen unter die Arme gegriffen werden musste.

Bloomberg hat aber auch eine andere spannende Berechnung vorgenommen: Mit den tagesgenauen Volumina der Notkredite kann man jetzt den Zinsvorteil errechnen, den die US-Banken erhalten haben. Es sind über den Zeitraum von 2007 bis 2009

13.000.000.000 (13 Milliarden) Dollar,

die die US-Banken gegenüber dem normalen Zins gespart haben. Das ist ganz grob etwa ein Monatsgewinn für die US-Banken in normalen Zeiten, man sollte das also auch nicht zu sehr dramatisieren.

Trotzdem: all das in einem Programm, das keine rechtliche Legitimation hatte (im Gegensatz zu den anderen Programmen wie TARP, etc.) und das keinerlei parlamentarischer Kontrolle unterworfen war. Zur Einordnung: Der Umfang dieser Notkredite war mehr als dreimal so groß wie die offiziellen Maßnahmen, also z.B. das Ankaufprogramm für Junk-Anleihen TARP.

Außerdem erschließt sich mir nicht, wieso die Banken den Kredit zu niedrigeren Zinsen als üblich bekommen haben. Die Fed hat doch eigentlich zwei Zinssätze für die Liquiditätsprogramme: Einen niedrigen, für die normalen Geldgeschäfte und einen etwas höheren für die Notkredite.

Dass die Bankensektor liquide gehalten werden muss, OK. Dafür ist die Fed zuständig. Aber das muss man ja nicht unbedingt komplett geheim und zu subventionierten Zinssätzen machen.

Am Ende noch eine Frage, die vielleicht ja jemand beantworten kann: Wo tauchten die Kredite in den Bilanzen der Banken auf? Hätte man dort die Notkredite der Fed nicht eigentlich auch irgendwo finden müssen?

Secret Fed Loans Gave Banks Undisclosed $13B

Update (29.11.11):

Die FT Alphaville hat versucht herauszufinden, wie genau Bloomberg die Zahle berechnet hat. Das ist aber nicht sooo spannend, aber es sei kurz gesagt, dass die Methode plausibel erscheint, wenngleich die Ungenauigkeiten in der Messung ziemlich hoch sind.

Netter finde ich zwei andere Sachen:

a) Den Chart, der die Summe der Notkredite an die Bank ins Verhältnis mit der Marktkapitalisierung setzt. Woooh, die Kredite an Morgan Stanley waren in der Spitze fast achtmal so hoch die der Wert, der der Firma noch an der Börse zugemessen wurde. Den Chart hätte ich mal gerne für die Deutsche Bank ... (wenn den jemand irgendwo findet, her damit!)

b) Die Tabelle mit der Aufschlüsselung der 13 Milliarden Dollar Gewinnsponsoring auf die Banken:

Citigroup: 1,763 Mrd. Dollar
Bank of America: 1,542 Mrd. Dollar
Royal Bank of Scotland: 1,240 Mrd. Dollar
Wells Fargo: 878 Millionen Dollar
Barclays: 641 Millionen Dollar
JP Morgan Chase: 458 Mio. Dollar
Dexia: 350 Mio. Dollar
HBOS: 338 Mio. Dollar

Credit Suisse: 285 Mio. Dollar
Regions Financial: 281 Mio. Dollar
Deutsche Bank: 253 Mio. Dollar
UniCredit: 221 Mio. Dollar
State Street: 199 Mio. Dollar
Fifth Third Bancorp: 185 Mio. Dollar
BNP Paribas: 175 Mio. Dollar

Schon überraschend, wie viele europäische Banken damals von den "Amis" mitgerettet wurden. Man kann ihnen viel vorwerfen, aber mangelnden Pragmatismus nicht. So ein Geschacher, wie es das gerade zwischen Frankreich und Belgien um die Dexia-Rettung gibt, gibt es in den USA nicht. Wenn man überzeugt ist, retten zu müssen, dann rettet man.  Und diskutiert nicht erst mit fremden Nationen, in denen die Bank ihren Sitz hat, rum und versucht die Kosten zu verteilen. Das bekommen wir Europäer nicht einmal unter dem gemeinsamen Dach Europa hin :-(

FT Alphaville » Behind those Bloomberg banks-profit-from-Fed figures

P.S. Die Überschrift ist mit "US-Banken" jetzt eigentlich auch falsch, denn es waren ja nicht nur US-Banken ...

S&P stuft Belgien herab

Freitagabend Downgrade Blues ...

Jetzt noch AA statt vorher AA+.

Puh, das wird die Regierung jetzt aber schocken. Ach Stop, die Belgier sparen sich so einen überflüssigen Quatsch ja ;-)

Marketwatch: S&P downgrades Belgiums credit rating

Der Markt sieht das eh schon alles ganz anders. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Belgien kosten nahezu 400 Basispunkte. Die belgischen Staatsanleihen werfen bei zehnjähriger Laufzeit 360 Basispunkte mehr Rendite als die Bundesanleihen ab, ergo bringen sie etwa 5,5% Rendite ein.

Das ist weit weg von AA, dem drittbesten möglichen Rating. Das ist tendenziell schon eher Junk ...

Stern: FMS Bilanz *vorher* war falsch

Quelle: (geheimes) Bundesbankpapier.

Darin soll stehen, dass die Buchhaltung der Bad Bank der Hyporealestate *vorher* falsch war. Ergo stimmt die Aussage von Schäuble und der FMS, dass man vorher vergessen hat, Sachen miteinander zu verrechnen, die man eigentlich hätte verrechnen müssen. Andersherum war die Bilanzverkürzung um 55 Milliarden kein geschickter politischer Schachzug, um die nach Brüssel gemeldete Staatsverschuldung zu senken, sondern die notwendige Korrektur einer falschen (bzw. weniger korrekten) Bilanzierung.

Das widerspricht der Darstellung in der Zeit, die ich (unter dem Vorbehalt, dass man die ganze Geschichte von außen ohne die Detailinformationen, die der Zeit und jetzt dem Stern vorliegen, eh nicht beurteilen kann) von Anfang an nicht wirklich überzeugend fand (Ist die korrigierte FMS Bilanz Bilanzkosmetik? - egghat's not so micro blog).

Auch heute bin ich nicht schlauer, allerdings ist die Bundesbank schon eine gute Quelle, der ich das Urteil zutraue. Mein Bauchgefühl scheint mich nicht getäuscht zu haben. Endgültig (was auch immer endgültig in solch hektischen Zeiten heissen mag) wird man das erst beurteilen können, wenn die Wirtschaftsprüferkammer München ihre Stellungnahme abgegeben hat. Bis dahin bleibt das Thema spannend.

Der Banken-Marsch in Europa geht weiter

Altes Thema hier, aber ab und an immer eine Erwähnung wert, weil es den Politikern scheinbar nicht in Köpfe will: Die Banken trocknen immer mehr aus, wir sehen seit einigen Quartalen einen sich immer weiter beschleunigenden Bankrun.

Die Banken werden dabei direkt von mehreren Seiten unter Beschuss genommen. Das mag man mit einer gewissen Genugtuung zu Kenntnis nehmen, es wird dadurch aber eine deutliche Kürzung der Kreditvergabe folgen. Und dann wird die kommende Rezession nicht mild und kurz (wie es der Konsens aktuell noch sieht), sondern womöglich tief und lang (das ich zunehmend befürchte).

Der aktuelle Bankrun ist aber kein klassischer Bankrun, bei dem die Menschen in langen Schlangen vor dem Bankschalter stehen (auch wenn es das gerade wieder in Lettland gibt). Er läuft schleichend ab. Die Kunden ziehen einfach nach und nach ihr Geld ab. Das gilt sowohl für Private wie auch für Unternehmen und Banken.

Zusammenfassend ablesen lässt sich das am besten an den Notkrediten, die die EZB den klammen Banken gibt. Diese sind sowohl in der Summe, die die Banken abrufen (247 Mrd. Euro), als auch bei der Anzahl der Banken (178) weiter gestiegen.

Euro-Krise: Banken leihen sich untereinander kaum noch Geld | Wirtschaft | ZEIT ONLINE

Diese aggregierte Zahl kann man relativ leicht in die einzelnen Bestandteile zerlegen.

Häufig wird der Interbankenhandel als wichtigster Einflussfaktor genannt. Es gab in letzter Zeit einige Meldungen von Banken, die ihre Geschäfte mit Banken in den Südländern deutlich reduziert haben. Mir fällt spontan die Citigroup ein.

IMHO wird der Liquiditätsabfluss bei den Banken aber oft zu stark auf den austrocknenden Interbankenhandel zurückgeführt. Diesen Teil gibt es sicherlich, den Banken fließen jedoch auch an anderen Stellen Gelder ab. Und zwar bei den Einlagen. Und hier in zwei Bereichen: Bei den Unternehmen und den Privaten.

a) Unternehmen: An die Meldung, dass Siemens begonne habe, Geld von französischen Banken abzuziehen und es direkt (über die eigene Banktochter) bei der EZB anzulegen, erinnern sich einige wohl noch (auch wenn die Nachricht IIRC nie wirklich bestätigt wurde).

Das war aber keine Einzelmeldung. Die Citigroup hat die Einlagen von "Nicht-Retail-Kunden" im Bankensektor aggregiert und festgestellt, dass in Italien im 3. Quartal

12 %

der Bankeinlagen abgezogen wurden, in Spanien 10%. Wohlgemerkt nicht auf Jahressicht, sondern innerhalb eines Quartals.

WSJ: Europe's Smart Money Votes With Its Feet (nur für Abonnenten, die anderen müssen die Überschrift in Google werden und sich dann durchklicken ..).

b) Privatkunden machen das gleiche, wenngleich in etwas eingeschränkterem Umfang. Sie sind halt relativ weitgehend bei einer Pleite der Bank versichert (auch wenn es natürlich leichtsinnig ist, sich auf Staatsgarantien zu verlassen). Bei Privaten kommt noch ein anderer Aspekt hinzu: Die Euros zu Hause werden bei einem Euroaustritt nicht zwangsweise in Drachmen (Escudos, Peseten oder Lira) umgewandelt.

Zusammen gibt das folgende beeindruckende Grafik, die mit aktuelleren Werte wohl noch beeindruckender wäre. Sie zeigt aber auch sehr schön, dass wir hier über kein neues Phänomen sprechen, das ganze läuft schon seit drei Jahren so ...


Creditwritedowns: Deposit Flight from euro zone periphery to Germany

Aber es ziehen nicht nur Unternehmen+Banken+Private ihr Geld ab, es wird für die Banken in den Südländern auch zunehmend schwieriger Geld einzusammeln.

Der möglicherweise größte Nachfrager für die kurzfristige Finanzierung, der aktuell schlapp macht, sind US-Geldmarktfonds. Diese haben den Anteil ihrer Investments, die  bei europäischen Banken liegen, auf 35% reduziert. So wenig wie noch nie, seit Fitch diese Zahlen erhebt. Der Anteil der in Europa investierten Gelder ist seit Mai um 42%(!) gesunken. Zur Einordnung: Das aktuelle Volumen der Geldmarktfonds beträgt 642 Mrd. Dollar, wir reden also über relevante Summen, sprich dreistellige Milliardensummen. Dass das relevant ist, sieht man schon am Stresstest der europäischen Bankenaufsicht, die für die europäischen Banken (in der ersten Version) 106 Milliarden Euro neuen Eigenkapitalbedarf errechnet hat.

ORF: US-Fonds ziehen Geld aus Europa ab

Die Banken sind daher ziemlich verzweifelt auf der Suche nach neuen Finanzierungsquellen.

Eine Sache, die wohl sehr gängig ist, ist die Verbriefung von Krediten. Leider finde ich die Story nicht wieder (sie stand im täglichen Marktbericht von HSBC Trinkaus), die das Phänomen in Spanien unter die Lupe genommen hat. Dort sind massenweise neue Hypothekenbonds aufgelegt worden (vergleichbar mit einem deutschen Pfandbrief, sprich eine Anleihe, die mit Hypotheken (und damit am Ende den Immobilien) besichert ist). Warum nehmen die Banken die Hypotheken aus den eigenen Büchern? Weil sie sich verbrieft als Hypothekenanleihe bei der EZB als Sicherheit hinterlegen lassen und die Banken sich darüber Bares beschaffen können. Wenn ich es richtig im Kopf habe, ist das Volumen der Hypothekenanleihen in Spanien gegenüber dem Vorjahr sogar gestiegen, es ist aber keine einzige Anleihe an die Börse gebracht worden. Es wird also ausschließlich für die Hinterlegung bei der EZB verbrieft. (Eigentlich wäre das genug Stoff für einen eigenen Artikel). Das läuft ziemlich komplett unterhalb des Wahrnehmungsradars der Medien, auch wenn das eindeutig bestätigt, dass den Banken in den Südländern bis auf die EZB alle anderen Refinanzierungsquellen fast vollständig weggebrochen sind.

Die zweite Geschichte, die sich abzeichnet: Die Banken der Südländer treten als Geldmarktkonto-Banken in den Nordländern an. Natürlich mit Kampfzinsen wie damals bei den isländischen Banken Kaupthing und Konsorten. Wenn man in der Heimat zu 4 oder 5% kein Geld mehr bekommt, versucht man es halt mal im Norden, wo 3% schon ein Angebot sind, mit dem man sich an die Spitze der Vergleichslisten setzen kann.

Das probiert jetzt die IW-Bank, die Direktbanktochter der fünftgrößten italienischen Bank UBI Banca. Diese bietet deutschen Kunden jetzt 3% auf täglich verfügbares Geld an. Gegen eine Pleite versichert sind aber nur Einlagen bis maximal 100.000 Euro pro Konto. Und dabei wäre dann auch noch die Frage, wer die Summe im Fall der Fälle bezahlt. Der italienische Staat? Dieser zahlt inzwischen selber mehr als 7 Prozent Zinsen (siehe Italien mit inverser Renditekurve - egghat's not so micro blog), wird von den Märkten also auch nicht mehr als sonderlich solvent angesehen ...


FTD: Kampf ums Tagesgeld

Den Südbanken schwinden also die Einlagen und gleichzeitig versiegen die Refinanzierungsquellen.

Und wenn Euch das alles noch nicht negativ genug war ... Die Bilanzen kommen noch von einer ganz anderen Seite unter Druck:

Die italienischen Banken sitzen scheinbar auf immer mehr schlechteren Krediten. 100 Milliarden statt 70 Milliarden wie vor einem Jahr.

Der Standard.at: Italiens Banken sitzen auf einem Vulkan

Ich würde ja jetzt noch irgendwie Hoffnung machen wollen, weiss aber echt nicht wie. Wir sehen in den Südländern einen seit mehreren Quartalen anhaltenden Bankrun, wie man ihn schon vorher (und sehr zeitnah) in Irland beobachten konnte. Irland hat das am Ende unter den Rettungsschirm gezwungen. In Griechenland ist der gesamte Bankensektor schon vor dem 50%-Haircut für die Griechenbonds pleite, danach aber erst Recht. Auch hier hat die staatliche Unterstützung für den Bankensektor die Pleite des Landes zumindest maßgeblich beeinflusst, wenn nicht sogar ausgelöst Und jetzt sehen wir die gleiche Nummer in Italien (bereits ziemlich deutlich) und in Frankreich (noch ziemlich verhalten) und unsere Politiker streiten sich nur und zocken um eine Lösung. Diese wird aber nur jeden Tag teurer und teurer ...

Musik zum Wochenende: Feist


Feist - How Come You Never Go There in einer Liveversion bei David Letterman. Gefällt mir ehrlich gesagt nicht so gut wie die Albumversion, ist aber GEMA-frei und was anderes ;-)



Feist - How Come You Never Go There - David Letterman Oct10th from DavidWeiszfeld on Vimeo.

TV Tipp am Wochenende: Die Hartz-Maschine

Wenn das Fernsehprogramm mal wieder zufällig langweilig sein sollte, empfehle ich Euch diese TV-Dokumentation, die die Hartz IV Maschinerie beleuchtet.

Die ganze Branche, die sich damit die Taschen vollmacht. Vom siebten Bewerbungstraining für Hartz IVler bis hin zu Schauspielkursen. Da passieren unfassbare Sachen ... Ich hatte direkt mehrere WTF-Momente ...

Leider nicht einbindbar, man muss sich durch die ARD Website klicken ...

DasErste.de - Reportage & Dokumentation - Die Hartz-Maschine (14.11.2011)

gefunden über einen Tweet von Holgi.

Kapitalbedarf deutscher Banken nochmal verdoppelt?

5,2 Milliarden Euro neues Eigenkapital standen bisher um Raum. Das war das Ergebnis des Stresstests aus dem Sommer.

Dann aber kam das dritte Quartal, u.a. mit einem abermals deutlich tieferen Schuldenschnitt für Griechenland und deutlich gesunkenen Anleihekursen in Italien, Spanien und (etwas schwächer) auch Frankreich, Belgien, Österreich, etc.

Jetzt hat die European Bankenaufsicht EBA das ganze nochmal mit den aktuellen Zahlen durchgerechnet und Schwupps soll sich der zusätzliche Eigenkapitalbedarf der deutschen Banken auf

10.000.000.000 (10 Milliarden) Euro oder mehr

verdoppelt haben.

Da die deutschen Banken an der Börse noch etwa 45 Milliarden Euro wert sind, ist das nicht so unglaublich dramatisch. Zumindest die Deutsche Bank sollte das verkraften können (Marktkapitalisierung etwa 25 Milliarden), vor allem weil der erste Test dort auch keinen größeren Kapitalbedarf (1,2 Mrd.) festgestellt hat. Die Commerzbank ist generell kritischer. Sie ist nur noch 7,5 Milliarden wert, der Sommerstresstest ergab bereits 2,9 Mrd. zusätzlichen Kapitalbedarf. Sollten dort also zum Beispiel 5 Milliarden eingesammelt werden müssen, ist das für die Altaktionäre eine kräftige Verwässerung ihre Anteile. Wer weiss, vielleicht muss dann sogar schon wieder der Bund als "Notaktionär" einspringen, weil die Altaktionäre nicht mehr wollen.

Die Zahlen für den Kapitalbedarf sollten eigentlich morgen veröffentlicht werden. Das ist aber verschoben worden. Spekulationen überlasse ich den Kreisen, die sich in Verschwörungstheorien besser auskennen ...

Generell ist es in der aktuellen Situation ein Desaster, wenn die Banken zu immer höheren Eigenkapitalanforderungen und -nachschüssen gezwungen werden. Grundsätzlich ist das zwar richtig, allerdings in der sich abzeichnenden Wirtschaftsabschwächung kontraproduktiv. Denn wenn die Banken eine höhere Eigenkapitalquote erreichen müssen, können sie an beiden Stellen des Bruchs ansetzen: Nenner erhöhen (Eigenkapital) oder den Zähler verkleinern (Bilanzsumme).

Eine Senkung der Bilanzsumme ist aber eigentlich nicht erwünscht. Denn die Banken sollen ja Kredite vergeben, sowohl an Private und Unternehmen, aber auch an Staaten. Wenn die Banken jetzt ihre Bilanzsumme schrumpfen wollen und deshalb weniger Kredite vergeben, kann das den Wirtschaftsabschwung deutlich verstärken. Es ist halt kein Geld mehr da für Investitionen.

Um dieses Dilemma zu lösen (EK soll eigentlich rauf, Bilanzsumme aber nicht runter) hat Mark Schieritz vom Herdentrieb einen klugen Vorschlag gemacht: Die Bilanzsumme soll mit einem Wert aus der Vergangenheit in die Berechnung eingehen.  Man nimmt als Stichtag für die Bilanzsumme also zum Beispiel den 30.6.2011 und verlangt von da aus eine Erhöhung der EK-Quote auf 8 oder 9% bis Mitte oder Ende 2012. Dann nützt den Banken eine Kürzung der Kreditvergabe nichts mehr.

Übrigens läuft aus einem Sondergrund (den ich jetzt hier nicht erläutere, Stichwort Basel 2 mit 0% Hinterlegung droht abgeschafft zu werden) die Bilanzverkürzung im Moment vor allem über den Verkauf von Staatsanleihen. Die Bankenaufsicht sorgt also aktuell aktiv dafür, dass die Banken die Staatsanleihen der Südländer abstoßen und deren Zinsen immer weiter steigen.

Die EBA will mit ihren Maßnahmen eigentlich das Risiko der Banken senken, erhöht es aber am Ende sogar, weil die Pleite der Länder durch die steigenden Zinsen immer wahrscheinlicher wird.

Das erinnert fatal an die deutsche Versicherungsaufsicht 2002/2003. Damals wurde den Versicherungen auch der Verkauf von Aktien vorgeschrieben. Die Schwankungen (ergo das Risiko) seien zu hoch, die Aktien müssten raus aus den Depots. Zu einem Zeitpunkt, als sich der DAX schon halbiert hatte und man eigentlich schon hätte kaufen sollen, mussten die deutschen (Lebens-) Versicherer in den fallenden Markt hinein noch mehr Aktien zu verkaufen. Prozyklischer sprich dümmer geht's nimmer. Na ja, dachte ich bisher. Aber jetzt wiederholt sich die Geschichte scheinbar.

Wie schrieb vor kurzem jemand so schön auf Twitter: Das einzige, was wir aus der Geschichte lernen können, ist, dass wir aus der Geschichte nichts lernen.

Ermittlung des Kapitalbedarfs: Deutschen Banken droht neues Milliardenloch | FTD.de

Update (13:14):

Das Zitat am Ende ist von Gandhi. Danke an den Usedomspotter für den Hinweis.

Wie viele Deutsche arbeiten eigentlich auf Mindestlohnniveau?

Die Zahlen habe ich vor einiger Zeit mal gesucht, interessanterweise an den einschlägigen Stellen (Destatis, BA) nichts gefunden. Es ist ja nicht ganz uninteressant, zu wissen, bei welchen Lohnhöhen man über wie viele Betroffene spricht.

Die Zahlen scheint es in der Tat von keiner offiziellen Stelle zu geben, sondern nur aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der/meiner Universität Duisburg-Essen. Leider auch (wohl weil kein Zugriff auf die Originaldaten möglich war) nur auf Basis der Daten aus dem Jahr 2009. Aber immerhin besser als gar nichts.

Also zu den Zahlen:

1,2 Millionen Arbeiter in Deutschland verdienen weniger als 5 Euro die Stunde.
3,6 Millionen verdienen weniger als 7 Euro die Stunde.
5,8 Millionen verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde.

Dabei wurden nur normale Arbeitsverhältnisse untersucht. Nebenjobber, Schüler, Studenten, etc.  fielen raus. Wahrscheinlich alles, was nicht sozialversicherungspflichtig ist (das könnte auch einen Hinweis auf die Datenquelle liefern). Was in den Zahlen ebenfalls fehlt, sind die Scheinselbstständigkeiten, wie zum Beispiel die Friseusen, die auf eigene Rechnung in einem Friseursalon arbeiten (ähnlich Putzfrauen, Paketauslieferer, ...)

Ich muss sagen, dass die Zahlen höher sind als ich erwartet hätte, vor allem wenn man berücksichtigt, was in den Zahlen noch alles fehlt. Bei einer Grenze von 7 Euro reden wir immerhin schon über fast 9% der Beschäftigten, ergo jeden Elften. Bei 8,50 wie ihn die Gewerkschaften fordern, schon über etwa 14%, ergo jeden Siebten.

Spricht das jetzt für oder gegen die Einführung eines Mindestlohns, bzw. für oder gegen einen hohen Mindestlohn?

Schwierig, weil niemand genau sagen kann, was bei der Einführung eines Mindestlohns passiert. Die Modelle und Berechnungen, die in diesem Zusammenhang durch die Gegend posaunt werden, sind teilweise an Primitivität nicht zu überbieten.

Teilweise werden selbst simpelste Effekte, wie sinkende Nachfrage durch steigende Preise nicht berücksichtigt. Und diesen Effekt gibt es, die Frage ist nur, wie stark dieser ist. Auch der Effekt, dass bisher offiziell nachgefragte Arbeit in Schwarzarbeit (oder Scheinselbstständigkeit) umgewandelt wird, wird ignoriert. Auch dieser ist sicherlich da, nur weiss niemand, wie stark er sein wird.

Auf der anderen Seite führt ein höherer Mindestlohn zu höheren Einkommen. Bei Menschen, die bisher über Hartz IV ihren Lohn aufstocken mussten, spart der Staat so Geld für die Aufstockung (und könnte Steuern oder Sozialabgaben senken). Auch bei den Menschen, die bisher nicht aufgestockt haben (Partner verdient genug), führt ein höheres Einkommen zu mehr Konsum und damit wieder zu mehr Nachfrage und neuen Arbeitsplätzen. Das sind die (volkswirtschaftlich) positiven Effekte.

Niemand weiss, wie sich die beiden Seiten der Medaille entwickeln, weil niemand die Zahlen kennt, die man in die Modelle stecken muss. Am Ende auch, weil niemand weiss, wie die Menschen reagieren: Driften 2, 5 oder 10% der Frisösen in die Schwarzarbeit ab? Gehen die Leute nach den fälligen Preiserhöhungen im Durchschnitt 2, 3 oder 5 Tage später zum Frisör?

Im Endeffekt kann man hier nur testen. Wer auf einen Schlag 8,50 einführt, geht IMHO ein unkalkulierbares Risiko. Wer sich komplett gegen einen Mindestlohn sperrt, ist ebenfalls dumm. Wer wirklich meint, dass ein Lohn von 5 Euro fair ist, muss irgendwo den Schuss nicht gehört haben.

3,6 Millionen verdienen unter 7 Euro

Zum Schluss noch eine Sache, die ich leider immer noch nicht mit Zahlen auffüllen kann. Es wird bei der Diskussion immer davon gesprochen, dass man von 7 Euro nicht leben kann. Stimmt. Die andere Frage ist aber, ob man davon leben können *muss*.
Denn die Hartz IV Idee ist am Ende ja eine Art Kombilohn, bei dem der Staat zu niedrige Einkommen auffüllt. Ob ein Einkommen "zu niedrig" ist, hängt aber nicht nur vom Lohn, sondern auch von den Lebensumständen der Betroffenen ab. 7 Euro sind für eine alleinerziehende Mutter mit Kind in München natürlich zu wenig, für einen Single in der Uckermark aber nicht. Genauso sind 5 Euro eigentlich indiskutabel, nur sind 5 Euro die Stunde für den *Zweit*-*Zusatz*-Verdienst u.U. gar nicht so schlecht. Schließlich muss nicht jeder von den 5 Euro überleben, nicht jeder muss/kann den 5-Euro-Stundenlohnjob über Hartz-IV aufstocken.

Das würde mich ja auch brennend interessieren: Wie viele von den oben genannten 1,2 Millionen 5-Euro-Jobbern bekommt auch Hartz IV und wenn ja wie viel. Erst wenn man diese Zahlen noch wüsste, könnte man die Nummer (halbwegs) sauber durchkalkulieren.

Aber so ist die Diskussion lustiger. Man kann wild spekulieren, sich Sachen an den Kopf werfen, die einem in den Kram passenden Studien zitieren, die anderen Studien ignorieren ... Und jetzt kloppt Euch  und mich ...

2012 1,3% Haushaltsminus in Deutschland?

26,1 Milliarden Euro Haushaltsminus werden jetzt von Bund für 2012 geplant. Schlagen wir noch ein Drittel für Länder und Kommunen oben drauf. Gibt gerundet 35 Milliarden Euro Miese. Das BIP 2012 dürfte bei etwa 2,6 Billionen Euro liegen. Macht eine Defizitquote von

1,3%.

Ich würde wetten, dass Deutschland diese Quote 2012 nicht schafft, aber mit mir wettet ja niemand mehr.

Ich erwarte einen Wirtschaftseinbruch, der stärker wird als es bisher in den Kalkulationen angenommen wird. Und damit werden die Steuereinnahmen schwächer kommen als erwartet und die Ausgaben stärker steigen als geplant. Ergo wird das Minus, das nach Brüssel gemeldet werden muss, höher werden als die 1,3%. Ich wäre nicht einmal völlig überrascht, wenn selbst die 3% Grenze nach Maastricht gerissen würde ... Darauf würde ich aber nicht wetten ...

Aber noch eine andere Zahl ist bemerkenswert ...

Erinnert sich noch jemand daran, dass die alte Schuldenbremse, die irgendwie niemanden mehr zu interessieren scheint, besagte, dass die Investitionen höher sein müssen als die Neuverschuldung?
Und jetzt ratet mal wie hoch die Investitionen sind? 26,9 Milliarden Euro, sprich gerade einmal 800 Millionen Euro höher als die geplante Neuverschuldung.

Wir sind der (angebliche) Stabilitätshort Europas und kratzen gerade einmal um 800 Millionen Euro an einem verfassungsrechtlich bedenklichen Haushalt vorbei.

(wobei wir nach meiner Prognose nicht dran vorbei kommen, wir reissen das wir so oft zuvor ... Ich tippe auf 8 der letzten 10 Bundeshaushalte, die die (alte) Schuldenbremse nicht eingehalten haben. Hat jemand eine Liste von Nettoneuverschuldung (einfach) und Investitionen, um das mal genau zu checken? Ich ergänze das dann gerne.)

Haushalt 2012 beschlossen: 26,1 Milliarden Euro Neuverschuldung - Wirtschaft - FAZ

Das größte Problem in der Eurokrise ist die Ansteckungsgefahr

Es gibt natürlich noch jede Menge anderer Probleme, die aber nicht so dringend sind, weil es sie vor Ausbruch der Krise auch jahrelang gab, ohne dass konkrete Gefahr drohte, und andererseits die Lösung nicht von heute auf morgen umsetzbar ist.

Das einzige Problem, das auf der einen Seite schnell Tatsachen schafft, das auf der anderen Seite aber auch durch beherztes Vorgehen schnell lösbar ist, ist die Ansteckungsgefahr. Die Gefahr, dass Anleger sich aus Sorge vor einem zweiten Fall Griechenland auch aus anderen Ländern zurückziehen. Ich bin ja schon lange der Meinung, dass auch in der zweiten Stufe der Finanzkrise (die oft Staatsschuldenkrise genannt wird) die eigentliche Bewegung von den Banken ausgeht. Genauer gesagt vom Bankrun auf die Banken in den gefährdeten Ländern.

In Irland konnte man das ziemlich gut verfolgen, weil dort eine Bank nach der anderen in staatliche Obhut fliehen musste. Mit jedem Quartalsbericht sanken die Einlagen, irgendwann gingen sie so weit zurück, dass die Bilanzrelationen nicht mehr stimmten und die Bank vor der Pleite stand.

Das gleiche passierte auch zwischen den Banken. Diese beobachteten die oben aufgezeigten Entwicklungen natürlich ebenfalls und hörten dann auf, den kritischen Banken Geld im Interbankengeschäft zu leihen. Abzulesen ist diese Entwicklung an zwei Parametern:
  • Der Anteil mit dem sich die kritischen Banken bei der EZB refinanzieren. Das machen Banken nämlich eigentlich nur in Notfällen, quasi als Notkredit, wenn man bei keiner anderen Bank Geld bekommt. Der Zins liegt mit aktuell 2,0% deutlich über den normalen Marktzinsen.
  • Die Menge Geld, die die "guten" Banken bei der EZB über Nacht deponieren, statt es anderen Banken (wie üblich) zu leihen. Bei der EZB gibt es nämlich kaum Zinsen, das macht man also auch nur im Notfall.
Gerade die letzte Zahl ist spannend, weil die EZB diese täglich veröffentlicht (und diese auch bei Bloomberg ablesbar ist, auch wenn ich gerade das Tickersymbol nicht wiederfinde). Am Anfang der Woche stieg die Menge Geld, die die Banken sicherheitshalber über Nacht bei der EZB geparkt haben, auf über 298 Mrd. Euro, was sogar mehr ist als am Top der Lehmankrise (Banks' use of ECB emergency-lending facility soars - MarketWatch). Im selben Bericht steht übrigens auch, dass die Notkredite einen neuen Höchststand erreicht haben.

Ich würde vermuten (auch wenn man das nicht nachprüfen kann, weil es keine Einzelaufschlüsselung auf), dass der Großteil der Verunsicherung auf Banken aus den PIGS-Ländern zurückgehen dürfte. Dort werden die Banken sitzen, die am Kapitalmarkt kein Geld mehr bekommen und die von den anderen Banken geschnitten werden. Aktuell am kritischsten dürften die italienischen Banken sein und man kann nur hoffen, dass das noch nicht auf die französischen Großbanken übergesprungen ist.

Die gleiche Entwicklung kann man auch bei den Staatsanleihen ablesen. Die Renditeaufschläge für Italien und auch Frankreich steigen immer weiter, die Renditen der deutschen Staatsanleihen fallen immer weiter. Hier verkaufen Anleger, aber auch die Banken. Die FTD hat einige Zahlen zusammengetragen:
Die Royal Bank of Scotland ging von 4,6 Mrd. Pfund auf 1,1 Mrd. in den letzten 9 Monaten.
Barclays reduzierte das PIGS-Exposure um 31% im letzten Quartal.
Quelle: Euro-Rettung: Banken verschärfen Krise durch Anleiheverkäufe | FTD.de.
Auch die HSBC hat gestern ein erneut um 2,7 Mrd. Euro geschrumpftes Exposure in den PIGS-Staaten gemeldet. Insgesamt soll die HSBC ihr dortiges Engagement in den letzten 5 Jahren auf weniger als 10%(!) eingedampft haben.
Die ING hat Staatsanleihen im Gesamtwert von 5,4 Milliarden verkauft.
Die BNP Paribas um fast 7 Milliarden (im letzten Quartal)
Quelle: ekathimerini.com | Bank exodus from eurozone sovereign debt quickens

Ansteckung auf allen Ebenen.

Und was machen die Politiker? Statt Griechenland zu retten, wird ein Haircut vereinbart. Und was machen die Anleger dann? Klar, sie haben Angst um ihr Geld, das in anderen kritischen Ländern liegt, und bringen ihr Geld in Sicherheit und ziehen sich aus den Anleihen zurück. Und weil der Schuldenschnitt so konstruiert wurde, dass die Kreditausfallversicherungen nicht fällig werden, können sich die Banken auch nicht mehr sinnvoll absichern, sondern verkaufen einfach nur noch. Wie man oben schon sieht, machen sie das dann auch, die Kurse fallen, die Renditen steigen und jede neue Anleiheemission muss mit höheren Zinsen bezahlt werden. Die Länder kommen dem Point of no Return immer näher ...

Eigentlich ist diese Entwicklung (die ich hier hoffentlich verständlich beschrieben haben) ziemlich offensichtlich. Doch was machen unsere Politiker? Kaum ruft Papandreou ein Referendum über das Rettungspaket ein, stellen diese einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone als realistische Alternative hin. Weil darauf eine Abwertung einer neuer griechischen Währung von mindestens 30, wenn nicht gar 50% folgen würde, müsste jetzt auch der letzte Grieche sein Geld vom Konto holen und es schnell in den Euro-, besser noch Frankenraum schieben (wo es seinen Wert zumindest im Vergleich zur Nea Drachma) behält) oder in Gold/Silber umtauschen.

Sollte es bis jetzt noch keinen Bankrun in Griechenland gegeben haben, jetzt hat man einen.

Und was passiert etwa eine Woche später? In der Presse werden Spekulationen verbreitet, dass Deutschland und Frankreich an einer Kerneurozone arbeiten ...

Sagt mal geht's noch? 

Wollt ihr jetzt auch noch einen Bankrun in Italien und Spanien riskieren? Wer bitte schön soll den aufhalten? Die Banken in Griechenland sind - alle zusammen genommen - ein Witz gegen eine einzige große italienische oder spanische Bank!

Zurück zum Anfang des Postings: Die Eurozone hat viele Probleme. Leistungsbilanzüberschüsse in Deutschland und ein paar anderen Ländern. Leistungsbilanzdefizite in den PIGS-Staaten. Haushaltsdefizite. Zu hohe Schulden. Etc. pp. 
Keines dieser Problem ist in kurzer Zeit zu lösen. Im besten Fall kommt es zu einem Regulierungsrahmen, innerhalb dessen die Probleme angegangen werden und in 5 oder 10 Jahren gelöst werden.

Das konkrete Problem ist aber die Ansteckung. Und hier macht die Politik nichts, beziehungsweise zu wenig und das auch noch zu spät. Ein per Hebel auf 1 Billionen aufgestockter Rettungsfonds reicht für Italien nicht aus. Italien allein hat Staatsschulden von 1,8 Billionen Euro. Außerdem ist die gesamte Konstruktion wacklig. Unklar ist, was passiert, wenn Frankreich sein AAA-Rating verliert. Außerdem fällt Italien als Zahler aus, wenn Italien auf den Fonds zugreift. Italien steht immerhin für 18% des Volumens, bei einem Ausfall würde der deutsche Anteil von 27 auf 33% steigen.

Im Gegenteil: Die Politik befeuert die Gerüchte noch. Es wird immer weiter Verunsicherung gestreut, immer mehr Banken werden geschnitten, immer mehr Geld wird in Sicherheit gebracht. Zum Beispiel dürfte auch ein spürbarer Teil der gesteigerten Nachfrage nach Immobilien in "Kerneuropa" (und auch Großbritannien) auf Geldtransfers aus den PIGS-Staaten zurückgehen.

Gegen diese Kapitalflucht hilft Schwätzen, Spekulieren und Diskutieren nicht. Da hilft auch nicht Reaktion (zum Beispiel jetzt noch zu glauben, es ginge um Griechenland. Es geht schon lange um Italien. Oder die viel zu späte viel zu zögerliche und zu wacklige Aufstockung des Rettungsfonds). Da hilft nur Aktion. Ein "Bold Move".

Mir ist es schon fast egal, ob wir einen doofen Eurobond bekommen (alle haften für alles), eine intelligentere Konstruktion wie die Red-Blue-Bonds (siehe hier: Verlorene Generation: How to make Eurobonds work) oder den finanztechnisch schwierigsten Vorschlag des ESBies von Brunnermeier, der bei Kantoos gut erklärt ist (hier). Letzterer Vorschlag mag wie fieseste Finanzalchemie wirken, es lohnt sich aber trotzdem. Eigentlich wollte ich die Vorschläge allesamt mal erläutern und vergleichen, aber man kommt ja bei den sich überschlagenden Ereignissen zu nichts mehr. Es gäbe auch noch das Modell, dass die Wirtschaftsweisen gestern mit dem Herbstgutachten vorgeschlagen haben, das IMHO aber in keiner Hinsicht überlegen ist.

Hauptsache es passiert was. Und zwar was Großes.

Sagt der gute Willem Buiter ja schon lange (BUITER FORDERT 2,5 BILLIONEN EURO RETTUNGSFONDS ...) und sagt er auch immer noch: http://www.servizi-italiani.net/allegati/2011/11/2/447094_481508.pdf. Inzwischen ist Buiter bei einer Feuerkraft von 3 Billionen angekommen.

Buiter schlägt eine Kombination aus Fonds und EZB vor. Der Fonds garantiert die gemeinsame Finanzierung, die EZB unterstützt den Fonds mit Ankaufprogrammen, die im Notfall das gesamte Volumen des Fonds umfassen können. Die Feuerkraft der EZB ist unbegrenzt. Ob das Inflation bringt, ist an dieser Stelle egal (es kann Inflation geben, muss aber aber nicht, solange deflationäre Tendenzen dagegen wirken). Denn das Problem, das droht, ist ein Zusammenbruch des Euros und damit der europäischen Wirtschaft. Und dann ist das Problem Deflation und nicht Inflation. Und Deflation ist schwieriger zu bekämpfen als Inflation. Ganz nebenbei hilft etwas Inflation aktuell einfach, man schaue hier und erhöhe das Nominalwachstum Italiens um 1 oder 1,5 Prozentpunkte (ergo 1 oder 1,5% mehr Inflation): Italien: Wie viel Zins ist tragbar? - egghat's not so micro blog.

Man könnte jetzt noch viel mehr schreiben, aber ich verweise zum Schluss einfach mal auf einen anderen Artikel, wenn euch das noch nicht lang genug war ;-)

The euro crisis: Finito? | The Economist

Update (16:42):

Und jetzt hat ein CDU Politiker gesagt, dass die Griechen gehen dürften, wenn die Polen kommen?

Meine Güte, laufen da Gehirnamputierte rum (sorry). Eine Währungsunion, in die man nach Belieben rein und beim kleinsten Problem wieder raus darf, kann noch weniger funktionieren als der aktuelle Mist, den wir jetzt haben. Das große Problem der Eurozone war und ist der Mangel an Sanktionen. So in etwa, wie sich der Postillon gestern über unser Rechtssystem lustig gemacht hat:

Der Postillon: Strafgesetzbuch wird durch freiwillige Selbstverpflichtung, nichts Böses zu tun, ersetzt.

Das geht so halt nicht ...

Die CDU zündelt « Herdentrieb

Update 2 (12.11.)

Jetzt auch Brüderle:

Schuldenkrise: Brüderle spekuliert über kleinere Euro-Zone | FTD.de

Hat Italien den Point of no return bereits überschritten?

Wir sehen heute, trotz des wohl kommenden Rücktritts von Berlusconi, relativ überraschend einen weiteren Anstieg der Rendite der italienischen Staatsanleihen. Im Laufe des Vormittags stieg die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe zum ersten Mal über 7% (gestern 6,77%, krasser aber noch die zweijährige, die ebenfalls über 7% stieg (gestern 6,38%). Damit zahlt Italien jetzt über einen großen Teil der Laufzeiten Zinsen, die deutlich über dem Niveau sind, das sich Italien leisten kann.

Zum Glück für Italien gelten die Zinsen, die jetzt bezahlt werden, nur für neu auf den Markt kommende Anleihen. Der Zins für die alten Anleihen bleibt ja unverändert. Die italienischen Staatsanleihen haben eine vergleichsweise lange durchschnittliche Laufzeit, übrigens deutlich über dem Durchschnitt Deutschlands. Ich kann das aktuell nicht finden, aber es waren in Italien IIRC etwa 7 Jahre.

Dazu passt auch die andere Zahl aus dieser Ecke: Bei den Kalkulationen über die Reichweite des neuen auf 1 Billionen Euro aufgepumpten EFSF tauchte ein Refinanzierungsvolumen für Italien von gut 250 Milliarden Euro in 2012 auf. Das würde mit der durchschnittlichen Laufzeit und 1,8 Billionen Euro Staatsschulden ungefähr hinkommen. Würde Italien jetzt im gesamten Jahr 2012 Zinsen von 7% bezahlen müssen, beträfe das "nur" die 250 Milliarden Euro, nicht die gesamten 1,8 Billionen Euro.

Man darf also nicht den Fehler machen, die 7% Zinsen einfach auf die gesamte Staatsschuld anzusetzen. Unterschätzen sollten man das Problem aber auch nicht, denn wenn Italien jetzt (konservativ geschätzt) 7% statt 4% Zinsen zahlen muss, sind das auch schon 7,5 Milliarden Euro pro Jahr mehr Zinsen, die Italien zahlen muss (und mit jedem Jahr zu 7% Zinsen kommen weitere 7,5 Mrd. hinzu. Die Mehrausgaben fressen schnell jedes Sparprogramm auf).

Barclays hat versucht, den Zins, den Italien maximal zahlen kann, zu bestimmen. Dazu muss man vor allem das Wachstum (niedrig) und die Haushaltsentwicklung (Primärüberschuss realistisch kaum über 3%) schätzen. Dann ergibt sich bei einer Verschuldung von 120% des BIPs ein Zins von etwa 5,5%. Wohlgemerkt als Durchschnitt auf die *gesamte* Staatsverschuldung. Sollte der Zins darüber liegen, steigen (bei den getroffenen Annahmen) die Staatsschulden allein über die Zinsbelastung immer weiter.

Das ist der Point of no Return, wie ich ihn bisher verstanden habe. Eine eher technische Betrachtung oder Definition dieses Zeitpunkts, ab dem es kein Zurück mehr gibt.

Aktuell klettert der Durchschnittszins der italienischen Staatsschulden mit jeder neuen Versteigerung von italienischen Staatsanleihen weiter. Und daraus ergibt sich auch noch ein anderer Point of no Return: aus Anlegersicht. Wenn der Anleger nämlich erst einmal das Gefühl bekommt, dass jeder neuer Anleihekauf Italien nicht mehr hilft, sondern wegen der hohen Zinsen quasi ein weiterer Nagel im Sargdeckel ist, nützen auch dem Anleger die hohen Zinsen nichts mehr. Denn je höher die Zinsen steigen, desto höher wird das Ausfallrisiko Italiens. Und für dieses höhere Risiko wollen die Anleger  höhere Zinsen sehen, was wiederum das Ausfallrisiko erhöht. Undsoweiterundsofort. Das ist der Strudel, in den auch Griechenland schon geraten ist: Höhere Zinsen nützen dem Anleger nichts mehr, weil er damit sein Ausfallrisiko steigert.

Und dieser Point of no Return aus eher psychologischer, sprich Anlegersicht, wird dummerweise deutlich vor dem Punkt erreicht, an dem die Schulden wirklich (technisch) nicht mehr sinken können.

Was tun? Sparen? Wie in Griechenland? Arrivederci Wachstum in Europa.

Am einfachstes ist es wohl, den Zins für Italien auf einem Niveau zu halten, das Italien auch bezahlen kann. Das bedeutet wohl irgendeine Art von Eurobonds, Finanzierung über den ESM/EFSF oder direkt durch die EZB.

Oder aber Italien gewinnt das Vertrauen der Anleger wieder und verabschiedet Reformen, die sowohl Einsparungen als auch zukünftiges Wachstum bringen.  Immerhin ist Italien (im Gegensatz zu Griechenland) ein Land mit einer existierenden Exportwirtschaft, das ein gewisses Potenzial bietet. Nur mit Wegsparen der Löcher wird man in Italien aber genauso wenig zum Erfolg kommen wie in Griechenland auch.

Barclays: Unstable Italian Debt Dynamics

Update (12:15):

Zehnjährige Anleihen werfen inzwischen 7,42% ab, zweijährige 7,14%. Heissahussa.

EK-Zuschläge der großen Großbanken raus

Es geht um die EK-Aufschläge, die die richtig großen Großbanken (also die, die bei einer Pleite die Weltwirtschaft in Sippenhaft nehmen würden; auch SIFI genannt (systemically important financial institutions)) zusätzlich zu den normalen Eigenkapitalanforderungen erfüllen müssen. Es geht dabei um Zuschläge von 1,0 bis 3,5 Prozentpunkte, die den Banken je nach Wichtigkeit einen unterschiedlich großen zusätzlichen Risikopuffer geben sollen.

Die 29 betroffenen Banken sind ja seit Freitag bekannt (was ich eigentlich hätte verbloggen sollen ...)
  • Bank of America
  • Bank of New York Mellon
  • Citigroup
  • Goldman Sachs
  • JP Morgan Chase
  • State Street
  • Wells Fargo
  • Barclays
  • HSBC
  • Royal Bank of Scotland
  • Lloyds
  • Banque Populaire
  • BNP Paribas
  • Crédit Argricole
  • Société Générale
  • Deutsche Bank
  • Commerzbank
  • Unicredit
  • UBS
  • Credit Suisse
  • Dexia
  • ING
  • Banco Santander
  • Mizuho
  • Sumitomo Mitsu
  • Bank of China
(http://www.financialstabilityboard.org/publications/r_111104bb.pdf)

Für die Analysten von Morgan Stanley sind übrigens ein paar Überraschungen dabei. Lloyds, Sumitomo Mitsui und die Bank of China hatten die Analysten nicht erwartet, hingegen vermissen sie die Rabobank (NL) und die BBVA (Esp).

FT Alphaville » Is it cool to be a Sifi?

Wichtiger aber die Frage, wie die Banken einsortiert werden. Morgan Stanley hat sich auch darüber schon Gedanken gemacht und als Basis die Gewichtung bei der BIS genommen (auch im Artikel oben). Die wirkliche (wohl aber vorläufige) Gewichtung unterscheidet sich aber davon. Bloomberg hat auf die Liste Zugriff bekommen (Citi, JPMorgan May Face Highest Basel Surcharges, Regulators’ Draft Says - Bloomberg)

Die oberste Gruppe mit 3,5 Prozentpunkten Aufschlag bleibt (wie erwartet) wohl leer.

In die zweithöchste Gruppe mit einem EK-Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten wurden 5 Banken einsortiert:
  • Citigroup
  • JP Morgan Chase
  • BNP Paribas
  • Royal Bank of Scotland
  • HSBC
Die dritthöchste Gruppe mit einem Aufschlag von 2,0 Prozentpunkten besteht aus:
  • Bank of America
  • Barclays
  • Deutsche Bank
Die vierthöchste Gruppe (1,5%):
  • Goldman Sachs Group
  • Morgan Stanley
  • Bank of New York Mellon
  • Crédit Agricole
Und in die niedrigste Gruppe mit 1,0% Aufschlag kommen laut Bloomberg 15 Banken. Womit irgendwie zwei Banken fehlen ... Ich versuche, die Liste noch komplett zu bekommen (Hinweise gerne genommen).

Prinzipiell ist die Idee des zusätzlichen Risikopuffers natürlich zu begrüßen. Ich hätte es allerdings noch besser gefunden, wenn man überhaupt keine Banken in einer Größe hätte, die die Weltwirtschaft gefährden können. Das ist aber wohl nicht durchsetzbar. Selbst über den nun geplanten Zeitraum bis 2019.

Die große Gefahr bei der Aufstockung ist nun, dass die Banken versuchen, ihre Bilanzsummen noch schnell zu reduzieren, um eine (oder mehrere) Risikoklassen tiefer zu rutschen. Dann bräuchten die Banken weniger neues Eigenkapital einzusammeln und das Eigenkapital der Altaktionäre würde nicht so stark verwässert (schlecht für den Aktienkurs) Nicht vergessen: Bankvorstände sind über Boni immer direkt oder indirekt an der Kursentwicklung der eigenen Aktie beteiligt.

Eine Möglichkeit wäre das Verstecken von Risiken. Wie genau das gehen soll, kann ich nicht sagen, aber ich bin mir sicher, dass die Banken hier in Zukunft genau so kreativ sein werden wie bisher ... Sie werden schon neue Schlupflöcher finden werden, mit deren Hilfe sie wild spekulieren und den Gewinn einstecken können, aber das Risiko in den Bilanzen nicht (oder nur teilweise) offen legen müssen.

Die andere (und einfachste) Möglichkeit wäre natürlich eine Drosselung der Kreditvergabe ...

Für Europa sind die Level möglicherweise nicht sonderlich relevant, da hier schon eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen von 7 auf 9 Prozent und das bis Sommer 2012 beschlossen wurde.
Dazu hatte ich schon damals was geschrieben: Weil das alles noch gilt, zitiere ich mich an dieser Stelle selber ...
Die Rekapitalisierung der Banken (Tier 1 Eigenkapital auf 9% rauf), ist prinzipiell sehr richtig. Mitten in der Krise aber sehr sehr kritisch. Die Banken können so schnell (bis zum nächsten Sommer) so viel Geld gar nicht einsammeln. Bei vielen Banken dürfte das Kapitalloch höher sein als die Marktkapitalisierung. Es drohen massenweise Pennystocks. Um das zu verhindern, könnten die Banken ihre Bilanzen schrumpfen, ergo die Kreditvergabe einschränken. Das ist - mitten in der Krise - tödlich! Ich verweise hierzu auf How not to recapitalise Europe’s banks « Herdentrieb - egghat’s not so micro blog
Anmerkungen zur Euro-Rettung/Griechenland Haircut - egghat's not so micro blog

Und vielleicht noch ein Hinweis: Die EK-Quoten beziehen sich immer auf die risikogewichteten Assets, also nicht auf die Brutto-Bilanzsumme. Weil der große Teil der Assets von Banken relativ risikoarm ist, ist die EK-Quote auf die Bruttobilanzsumme gesehen deutlich niedriger, bei der Deutschen Bank liegt sie z.B. unter 2%. Das geht, weil  hochqualitative Staatsanleihen (Rating mit zwei oder drei As) gar nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen, hochqualitative Unternehmensanleihen nur mit 20% des üblichen EK, also 20% von 9%, ergo 1,8%) (vgl auch Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die Risikogewichte nach Basel 2).

Außerdem sollte man bedenken, dass das alles noch im Fluss ist. Ob die Länder die oben genannten Vorschläge umsetzen, ist wesentlich unklarer als die Politiker tun. Insbesondere in den USA macht die Bankenlobby mächtig Wind gegen die erhöhten EK-Anforderungen. Teilweise mit ziemlich abstrusen Argumenten wie dem hier: Basel III "antiamerikanisch"?: Dimon-Vorstoß gefährdet Bankenregulierung | FTD.de - egghat's not so micro blog

Griechenland spart, spart und spart. Nur in einem Bereich nicht.

Ratet mal wo?

Beim Militär.

Und jetzt ratet mal, in welches Land die deutsche Rüstungsindustrie den größten Teil seiner Waffen exportiert?

OK, die Antwort ist nach der Überschrift nicht schwierig. Es ist natürlich Griechenland.

Für Frankreich ist Griechenland weltweit Rüstungs-Exportland Nummer 3, in Europa Nummer 1.

Basis für die beiden Zahlen oben ist der Zeitraum von 2006 bis 2010.

Wenn man das Pferd von der anderen Seite aufzäumt, kamen 2010 58% der griechischen Militärimporte aus Deutschland. Längerfristig liegt Deutschland mit 22,7% aber "nur" auf Platz 2 hinter den USA (42%). Aus Frankreich kommen 12,5% der Rüstungsimporte.

Übrigens ist "nicht sparen" noch die falsche, weil zu optimistische Beschreibung. Denn wenn man 2007 mit 2010 vergleicht, sind die Militärausgaben sogar von 6,24 um fast 14% auf 7,1 Milliarden Euro gestiegen. Mitten im größten Sparprogramm, das das Land je gesehen hat.

Komisch, dass EU und IWF im Militärhaushalt Griechenlands kein Sparpotenzial sehen. Denn der ist mit Sicherheit vorhanden, denn kein Land in Europa gibt einen so großen Anteil seines Haushalts für das Militär aus. In Griechenland sind es 2,8% des BIPs, in Frankreich 2,3%, in Großbritannien 2,2% und in Deutschland nur 1,3% des BIPs (Liste der Streitkräfte der Welt – Wikipedia)

Aber wenn man da spart, schneidet man sich ja ins eigene Fleisch. Also lieber weiter in anderen Bereichen sparen, wo es einem selber nicht (sofort) weh tut ... Bei Krankenhäusern, Kindergärten oder anderem unwichtigem Kram ...

Less healthcare, but Greece is still buying guns

Schenk dem egghat was (November 2011)


Ich werde diesen Beitrag jetzt ab und an hier (und nebenan im Zweitblog) als kleine Erinnerungsstütze posten. Aber keine Angst, nicht täglich ...

Ihr lest dieses Blog regelmäßig? Ihr mögt es? Ihr findet, dass das hier auch was wert ist z.B. im Vergleich zu Börse Online, die ja 175 Euro im Jahr kostet? Wenn nicht, haut ab ;-) (kleiner Witz)

Wenn ihr aber der Meinung seid, dass dieses Blog (und das andere) was wert ist, dann könnt ihr mir ja mal ab und an was Gutes tun. Das bedeutet im Kapitalismus natürlich nichts anderes als Zaster. Von mir aus auch virtuellen. Deshalb will die ich die verschiedenen Möglichkeiten mal kurz beschreiben:

Auf den Amazon-Affiliate Link, über den ihr tolle Sachen bei Amazon einkaufen könnt und ich davon ein paar Prozent (bei Büchern, Musik und Filmen z.B. 5%), weise ich ja ab und an hin. Das ist für Euch der netteste Weg, denn das kostet Euch nicht einmal was. Das Buch/die CD/DVD/Digitalkamera/... ist genau so teuer, als wenn ihr Amazon direkt ansteuert. Toll, nicht wahr?

Ich meine diesen Link hier: UNTERSTÜTZE DIESES BLOG UND STARTE DEINEN AMAZON-EINKAUF HIER! , der eigentlich unter jedem Posting (auch im RSS Feed und den E-Mails) stehen sollte.

Ich merke aber an einigen E-Mails, das dem Verfahren nicht wirklich vertraut wird. Ich kann Euch versichern, dass das sauber läuft. Bisher habe ich (bis auf eine) alle Bestellungen, die mal jemand zur Überprüfung geschickt hat, auch in meinen Abrechnungen gesehen. Das geht also.

Neben diesem Affiliate-Link gibt es auch noch einige weitere Möglichkeiten, mir direkt Geld zukommen zu lassen.

Die erste läuft über einen Amazon-Gutschein. Da ich permanent Bücher/CDs/DVDs/Gadgets/MP3s bei Amazon kaufe, ist ein Amazon Gutschein für mich quasi wie Geld.

Auch da wurde von Lesern Misstrauen geäußert. Es funktioniert aber. Wenn ihr auf den folgenden Link klickt:

Schenk dem egghat einen Amazon Gutschein!

gibt es ein Formular, in das ihr den Betrag eintragen müsst und dann wichtig egghat@gmail.com als Empfänger. Ich bekomme dann einen langen Gutscheincode, den ich bei Amazon zur Konjunkturankurbelung umgehend einsetzen werden. Das ist eine meiner leichtesten Übungen. Wenn ihr eine Bestätigung haben wollt, schreibt in das Textfeld Eure E-Mail-Adresse, dann gibt es auch eine Antwort.


Und weil ein paar Mal nach Paypal gefragt wurde, habe ich mein altes Paypal-Konto reaktiviert und dort die egghat@gmail.com Adresse eingetragen. Es ist jetzt also möglich, mir auch über Paypal direkt Geld zu schicken.

Es gibt noch ein paar weitere Systeme, die mit Codes arbeiten, die man einfach per Mail weiterschicken kann und die daher auch in Frage kommen.

Cashticket könnte auch was sein. Der Vorteil: Man muss selber keine Kontoverbindung haben. Cashticket kaufen, Code freirubbeln, mir den Code als Mail zuschicken, ich löse ein.

Hat noch niemand ausprobiert, daher ohne Gewähr.

Ebenfalls interessant könnte die Paysafecard sein. Man braucht ebenfalls kein Konto, sondern kann die Dinger z.B. im DM oder bei Rossmann (und gefühlt jedem zweiten Kiosk) kaufen und davon dann z.B. Amazon Gutscheine kaufen. Paysafe ist übrigens eine Firma aus Europa, genauer Wien, was alle, die jeder amerikanischen Firma (wie Paypal) misstrauen, beruhigen dürfte.

Die Paysafecard habe ich inzwischen einmal ausprobiert, es klappte, auch wenn ich es mir einfacher vorgestellt hatte. Man kann nämlich mit dem Guthaben auf der Paysafecard nur bestimmte Sachen kaufen, in meinem Fall war es dann ein Amazon Gutschein ...

Die letzte Möglichkeit ist ein Apple iTunes Gutschein, die ja auch an jeder zweiten Ecke (Tankstelle, Supermarkt, Kiosk, ...) an der Kasse hängen. Diese gibt es mit 15, 25 oder 50€ Guthaben. Auch darauf steht nur ein Code, den man dann abtippen und mir per Mail schicken kann. Da ich sowieso häufiger Musik und Apps dort kaufe, ist auch das eine Möglichkeit, mir was Gutes zu tun.

Generell bin ich aber kein Freund dieser Einzelüberweisungen. Ich fände es viel netter, wenn die Leser regelmäßig für unabhängigen, lustigen, unterhaltsamen, informativen Online-Content bezahlen würden. Das Mittel der Wahl dafür ist Flattr. Das Konto dort kann man jeden Monat mit einem bestimmten Betrag auffüllen, der Mindestbetrag von 2 Euro sollte eigentlich niemanden überfordern. Damit kann man dann nicht nur mir Geld zukommen lassen, sondern auch
Ich mochte zwar das automatische Verteilen des Geldes über Kachingle lieber (man musste nicht jeden einzelnen Artikel klicken, sondern es wurde einfach gezählt, welche Sites wie häufig angesteuert wurden und das Geld am Ende des Monats entsprechend verteilt), aber das nutzt in Deutschland leider niemand. Ich werde die entsprechenden Buttons wohl entfernen.

Seit Flattr auch Abos kann (3 Monate, 6 Monate oder 12 Monate), ist es damit ein hinreichend guter Ersatz für Kachingle. Um ein Abo abzuschließen, muss man den Flattr Button einfach zweimal anklicken und kann anschließend die Zeitdauer wählen.

Ich kann Euch Flattr nur wärmstens empfehlen. Einmal im Monat irgendeine Zeitung oder Zeitschrift am Kiosk liegen lassen, das Ausfüllen des Lottoscheins vergessen, Montagsabends kein Bier trinken und das gesparte Geld nach Flattr schicken.

Oder wenn gar kein Geld da ist (bringt mir neue Leser)
  • Empfiehl mich weiter.
  • Retweete meine Tweets.
  • Leite meine Artikel per Mail weiter.
  • Verlinke mich. In Deinem Blog. In Diskussionsforen. Etc. pp.

DANKE!

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