"Alternativlos" ist Unwort des Jahres

Gefällt mir viel besser als der Wutbürger als Wort des Jahres.

Alternativlos fällt in die Klasse der Denkbegrenzer, in die meine Top-Hass-Formulierung "Es kann nicht sein, dass" auch fällt. Alternativlos ist aber noch besser. Man versucht die Diskussion schon im Vorhinein so stark einzuschränken, dass man sich über das "Ob" erst gar keine Gedanken mehr machen soll, sondern nur noch über das "Wie".

Und wenn ich etwas hasse, ist es die einseitige Sicht auf Dinge. Wenn ich beim Nachdenken über Probleme nur eine Seite betrachte und noch schlimmer mit Begriffen wie "alternativlo"s die Betrachtung der anderen Seite schon im Vorfeld ausschließe.

Ob man die Banken rettet, ob man den Euro (bzw. die Problemstaaten) rettet, ist damit keine Frage mehr. Es MUSS passieren. Warum auch immer. Was kompletter Quark ist. Natürlich kann ein Land umschulden, ohne die Währung dabei in den Abgrund zu reissen. Im Dollarraum ist das bereits x-fach passiert.

Genauso könnten Griechenland oder Irland ihre Staatsschulden halbieren, ohne dass deswegen der Euro vor die Hunde geht. Im Gegenteil: Eine kontrollierte Pleite könnte den Euro sogar stärken, weil damit eines der größten Probleme in der Eurozone gelöst würde:

a) Risiko würde wieder kosten.
b) Länder müssten in diesem Wissen nachhaltig sparen.
c) Die Eurozone wäre danach insgesamt stabiler, weil die Unruheherde bereinigt wären.

Aber na ja, was denke ich darüber nach, diese Alternative gibt es ja gar nicht ...

Mehr als 1000 Vorschläge: „Alternativlos“ ist Unwort des Jahres - Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET

Update (12:42):

Bester Tweet zum Thema:
Das Unwort des Jahres 2010 ist "alternativlos". Die Jury sah keine andere Möglichkeit...
Update 2 (16:19):

Schandmännchen meint dazu:
"Ständig rummaulen, in Wirtschaft und Politik würden zu viele Fremdwörter verwendet – aber wenn die Kanzlerin “Basta” ins Deutsche übersetzt, ist auch wieder verkehrt."
http://www.schandmaennchen.de/?p=5340

Update 3 (22:22):

Auch die FAZ findet die Wahl von "alternativlos" gut:


„Alternativlos“: Merkels Verdrusswort - Der Kommentar - Wirtschaft - FAZ.NET

Kommentare :

  1. Moin Egghat, du sprichst mir aus der Seele ...
    Aber irgendwie hat sich da bei Europapolitikern ein merkwürdiges Solidaritätsverständnis entwickelt.
    Wie kommt's?

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  2. Vielleicht ist es Kombination aus mehr Macht, mehr Geld und weniger demokratischer Legitimation, die Brüssel für Politiker so interessant erscheinen lässt ...

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  3. Kreiert in unzähligen Politikerinterviews und Verlautbarungen von Merkel, Westerwelle & Co.: WENN Politik wirklich alternativlos ist, DANN können wir uns den gesamten Politikbetrieb samt Regierung, Abgeordneten und Wahlen sparen, denn dann macht das auch ein Sachbearbeiter ebenso gut. Jeder Journalist müßte bei jedem "alternativlos" den Interviewpartner immer sofort zurückfragen, ob er dann als Politiker dann überhaupt noch benötigt wird. ... Lange Rede, kurzer Sinn und in Abwandlung von General Münte's "Opposition ist Mist": Alternativlos ist Mist!

    Gruß ;)

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  4. @MNB:

    So gesehen hast du natürlich auch recht ... Aber irgendjemand Superkluges muss doch erst entscheiden, was alternativlos ist und worüber man nachdenken darf ...

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